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Wie Grüne sich die Männer wünschen...

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29398

Es ging ja jetzt ein paarmal durch die Medien... die Grünen, aus deren Reihen ja immer wieder gerne männliches Fehlverhalten angeprangert wird, haben sich jetzt dazu entschlossen, einmal zu verkünden, wie sie sich denn einen "echten Mann" im positiven Sinne eigentlich vorstellen. Und das sorgt dann für ein Raunen oder einen Aufschrei, je nachdem welches Skandalpotential man darin erkennen möchte, und selbst Grüne beklagen sich, dass sie dazu gar nicht befragt worden sind und das Ganze sowieso nicht offiziell sei, und tiefgängig schon gar nicht und generell unnötig...

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101341294/spitzenkandidatin-zur-gruenen-maennlichkeits-debatte-das-hilft-uns-nicht-.html

Zuvor wäre  es natürlich sinnvoll, einmal zu lesen was überhaupt dort geschrieben wurde:

https://joswig.eu/2026/07/03/moderne-maennlichkeit/

Persönlich erscheinen mir die Aufreger darum doch etwas künstlich. Die Grünen wollen uns mal wieder vorschreiben, wie Männer zu sein haben... ja nun, das tut die AfD schon lange. Und leider hat sie dabei auch Erfolg.

Ich persönlich finde den Text gut und richtig. Und natürlich wird hier niemandem etwas vorgeschrieben... aber es wird ein Bild  gezeichnet, dass sich von den ständigen Vorwürfen abhebt, was Männer nicht tun sollen und wie sie nicht sein sollen... das hören wir von Vertretern des Feminismus jeden Tag. Aber ein positives Bild... das fehlt bislang. Und hier wird doch zumindest mal ein Versuch gemacht, mit dem man arbeiten kann.

Dabei gehe ich davon aus, dass sich dieses Manifest nicht an gestanden Mannsbilder um die 40 richtet, die dazu angeregt werden sollen, doch endlich mal ihr Leben zu überdenken (Auch wenn man das durchaus mal machen kann), sondern in erster Linie an Jugendliche, also Jungs, die irgendwie in dieser Welt nach Vorbildern und Rollen suchen, mit denen sie sich identifizieren können. Und dann auf TikTok oder rechten Blasen Rollenbilder präsentiert bekommen, die patriarchale Stereotype bejubeln nach dem Motto: "Sei ein Arschloch - jetzt erst recht!"

Nun werden diese Jugendlichen sich wohl kaum den Text dieses Manifestes ausdrucken und an die Wand hängen... aber es ist doch zumindest mal ein Anfang, eine Idee, in welcher Richtung man positive Rollenbilder vermitteln könnte, und die Leute (nämlich in erster Linie Jugendliche) dabei dort abholt, wo sie stehen - wobei die passenden TikTok Videos wohl erst noch produziert werden müssten, damit das auch in der Zielgruppe ankommt, aber da wird sich schon wer finden.

Oder ist das alles totaler Quatsch, völlig daneben und unnötig...?

Was haltet ihr davon?

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194 Antworten
Jack-Black
Beiträge : 6191

@lucan-7 Was haltet ihr davon?

Is 'ne Lachnummer. Dazu taugend, mich in Grund und Boden dafür zu schämen, früher mehrere Jahrzehnte lang diese Partei gewählt zu haben. Man muss sich diesen Text, vorgelesen von Hofreiter, dem deutschen Provinz-Möchtegern-Hegseth*, vorstellen. Wem dann nicht nicht spätestens hier:

Du darfst weinen. Du darfst Hilfe brauchen und sie in Anspruch nehmen. Das ist keine Schwäche, sondern einfach Menschsein.

Gleichzeitig darfst du stark sein wollen. Du darfst Ambitionen haben.

Tränen aus den Äuglein kullern, dem ist nicht mehr zu helfen. Also: Lachtränen, meine ich. Ein halbes Jahrhundert "Wort zum Sonntag" - und mehr ist nicht an Leer-Gelalle hängen geblieben? Du darfst stark sein wollen! Das nehmen wir dir nicht. Wolle es ruhig! Sei da ganz du selbst. Und Deine Ambitionen will dir auch keiner wegnehmen. Natürlich nur, solange sie systemkonform sind, versteht sich. Da sind wir ganz großzügig, auch, weil uns diese Großzügigkeit ja mal so überhaupt nix kostet. 

So ein Geschmalze bleibt halt übrig, wenn man sich von den tatsächlich relevanten ökonomischen und ökologischen Themen ab- und ganz der Kulturkuschelkampf-Ecke zuwendet. Wer da so alles mitgeschrieben hat, an diesem Schwarm-Blödheits-Geseiche, möchte man gar nicht so genau wissen. Aber dass da zwischendurch viel gegenseitges Umarmen stattgefunden hat und aufmunterndes Schulterdrücken und achtsames Tee-Aufsetzen und Nochmaldrüberreden, bevor der Entwurf dann in die KI-gestützte Rechtschreibredaktion geleitet wurde, des darf man sich gewiß sein.

 

 

 

 

 

*Herrschaftszeiten, wann endlich geht der zum Friseur und lässt sich da auch gleich noch das Gefussel aus der Visage schaben, damit sein Krakeelen nach mehr Raketen auf Russland und überhaupt dem Strukturwandel der deutschen Industrie von Verbrenner- zu Militärtechnologieexportüberschuss zumindest kohärent zum Look erscheint?

jack-black antworten
30 Antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

Korrektur: Das "Wort zum Sonntag" gibt's schon fast ein Dreivierteljahrhundert. Ehre, wem Ehre gebührt!

jack-black antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2297

@jack-black 

Ich finde Deine Beurteilung amüsant und schwimme gerade mit in der Ironie.

Assoziation: Als Verteilschrift - mit persönlicher Ansprache in der Fußgängerzone ... "Hey, Du! ... MAGST Du das vielleicht mal mitnehmen? ...  Dich EIN STÜCK WEIT drauf einlassen ...? ... das ist nämlich VOLL KRASS wichtich, weisste ..."

Und Hermann van Veen (in seinem Stück "Gudrun") " ... wenn man zu dem Langen, dem Energischen, was sagte, dann hieß es direkt *GEPAFF!** GEPAFF!* *GEPAFF!*""

Schöne Grüße von Ina Deter 🤣 

L'Chaim

awhler antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jack-black 

Is 'ne Lachnummer. Dazu taugend, mich in Grund und Boden dafür zu schämen, früher mehrere Jahrzehnte lang diese Partei gewählt zu haben.

Ich sehe es vermutlich anders, weil ich kürzlich mit Jugendlichen eben genau diese Diskussion geführt habe. Ich selber fühle mich davon auch nicht angesprochen, ich brauche sicher kein grünes Manifest, das mir meine Rolle in der Gesellschaft erklärt.

Aber für Jugendliche ist so ein Rollenverständnis sehr entscheidend. Wenn die ihren Vater für ein Weichei halten, und dann auf TikTok von Maximilian Krah und Andrew Tate erklärt bekommen, wie ein "richtiger Mann" zu sein hat - dann ist dringend geboten, dem etwas entgegen zu halten. Und dafür wird hier immerhin eine Anregung geboten.

Was mir dabei sehr gefallen hat ist auch der Vorschlag, dass Männer nicht andere Leute unterdrücken, sondern ihnen Dinge ermöglichen sollten, und dass darin die eigentliche Stärke liegt.

Dabei musste ich an meine Erfahrungen in verschiedenen Firmen denken. Oft genug haben es die Vorgesetzten - alles Männer - dabei als ihre Aufgabe betrachtet, ihre Untergebenen beständig unter Druck zu setzen, ihnen vorzuhalten wie schlecht sie arbeiten, dass alles falsch ist, was sie tun, und dass sie froh sein können, dass sie überhaupt arbeiten können und er, der Chef, ja überhaupt der Einzige sei der den Laden am Laufen hält (Und zwar genau so... wäre es erlaubt gewesen hätte er wohl gerne noch mit einen Knüppel draufgehauen).

Das ist wohl die denkbar schlechteste Mitarbeiterführung, weil dabei garantiert niemand Lust hat, sich irgendwie noch Mühe zu geben. Und es funktionierte auch nicht, der Laden war ein einziges Chaos. 

Dem gegenüber steht die Idee, die Mitarbeiter zu motivieren, und zwar so, dass jeder nach Möglichkeit das Beste einbringt, was er halt zu leisten vermag (Was naturgemäß recht unterschiedlich ist). Und ja, Klischee... der Chef, der mir auf diese Weise seine Strategie erklärte, war eine Frau. Und deren Abteilung funktionierte, nicht immer reibungslos, aber es lief.

Deshalb gefällt mir das Motto: "Stärke bedeutet, anderen Menschen Raum zu geben". Das ist alles andere als selbstverständlich, man erlebt es in allen Klassen dass vor allem Jung (Mädchen natürlich auch) dazu neigen, bestimmte Leute zu unterdrücken, um sich selbst aufzuwerten... und dieses Verhalten zieht sich im ungünstigsten Fall durchs ganze Leben (Beispiele gibt es da genug).

Sage ich aber, dass ich so etwas gar nicht nötig habe, weil ich selber "stark" bin und dafür niemanden unterdrücken muss - dann ist das etwas, das auch unmittelbar einleuchtet.

Ich sage nicht, dass mit so einem Ansatz mal eben das ganze verkorkste Schulsystem und  anschliessend die ganze Welkt gerettet wird... aber man hat zumindest mal etwas, mit dem man an dieser Stelle arbeiten kann.

Und das fehlt bislang, wie ich aus eigener Erfahrung weiss...

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@lucan-7 Aber für Jugendliche ist so ein Rollenverständnis sehr entscheidend.

Was für eins? Eins, das die Grünen als Positionspapier irgendwo hininstagrammisieren?

 

Ich sehe es vermutlich anders, weil ich kürzlich mit Jugendlichen eben genau diese Diskussion geführt habe.

Und die wollten von Dir bepredigt und erzogen werden? Die fragten Dich wirklich und ernsthaft, wie ein richtiges Mannsein auszusehen habe?

 

Wenn die ihren Vater für ein Weichei halten, und dann auf TikTok von Maximilian Krah und Andrew Tate erklärt bekommen, wie ein "richtiger Mann" zu sein hat - dann ist dringend geboten, dem etwas entgegen zu halten. Und dafür wird hier immerhin eine Anregung geboten.

Wem wird da eine Anregung geboten? Wusstest Du ohne das Geseiche dieses Mannhaftigkeitsmanifests der Grünen nicht selbst, wie oder was Du da "entgegen zu halten" habest? Dieses Manifest richtet sich doch ganz offensichtlich, allem jovialen Geduze der Leserschaft zum Trotze, nicht an Jugendliche, sondern an potentielle Wähler der gehobenen Mittelschicht im Gravitationsradius der Midlife-Crisis: diese gilt es zurückzugewinnen von der Konkurrenz innerhalb der Einheitsfront: von der PDL über die Sozen bis zu den Schwarzen. Und da man inhaltlich schon längst von allen einst grünen Standpunkten abgerückt und für nichts anderes mehr steht als "gegen AgD" - was ja nun erstens kein unique selling Point ist und darüber hinaus wirklich etwas langweilig und unsexy rüberkommt... Deswegen ruft man nun, im Gefolge einiger Kundenbefragungen erschrocken über die ungünstigen Wahlkonjukturprognosen, verzweifelt in die Medienlandschaft hinein: Wir, die Grünen, wir stehen für echte Männlichkeit, wählt uns, liebe Zweitwohnungsbesitzer jenseits der 45! Seht mal, wie toll wir euch finden, wir verstehen unter Männlichkeit genau das, was ihr in den letzten zwanzig Jahren so gemacht habt oder wenigstens getan zu haben euch wünscht - allein der Wille zählt schließlich! Wir mögen euch ganz dolle, auch wenn wir das zwischendurch mal nicht immer so ganz durchgängig zum Ausdruck brachten, weil gender pay gap und der Standbetrieb beim CSD erstmal Vorrang hatten und konjunkturmäßig, wir geben's zu, auch sich in mehr Stimmen an den Wahlurnen rentierten. Doch jetzt, bitteschön, wo ihr gerade in dem Alter seid, wo die Verlockung in Konjunktion mit den ökonomischen Möglichkeiten groß wird, nochmal mitelst des Aufstiegs in die Senior-Gehaltklasse und den Dividenden aus den Rheinmetall-Aktienpaketen sich ein flottes Drittauto und eine blonde Sekretärin für nebenbei zuzulegen, jetzt nehmt unseren wohlmeinenden Rat an, dessen ihr hinsichtlich der Erziehung eurer Einzelkind-Söhne gewiß bedürftig seid! Ja, vögelt, wenn's euch juckt, wen juckt's schon, also uns nicht, wir stehen für Freiheit und Selbstbestimmung, die Voluntärin aus der Versandabteilung, solange ihr ihn noch hochkriegt. Ja, gönnt euch, wenn es denn der Selbstfindung dienlich ist, die Spritztour mit dem 911er zum champagnerfeuchten Golf/Segelturn/Casino-Wochenende. Aber euren Söhnen wollt Ihr ja wohl die anderen Werte vermitteln, nicht wahr? Also die, welche sie zu guten, karrieretüchtigen und für den Produktionsstandort verwertbaren Staatsbürgern machen, schließlich liebt ihr sie am Ende ja doch und so.  Und hey! Da haben wir was für euch, schaut mal, hier, bitteschön: Das haltet ihnen "entgegen", wenn ihr sie beim heimlichen Gucken von Martin-Sellner-Vids erwischt und nicht pornhub als Alternative vorschlagen möchtet! Denkt dran, dass ihr ansonsten Ärger mit Eurer Ehefrau kriegen und euch in Sorgerechtsstreitigkeiten nach eventueller Scheidung wiederfinden könntet: vermittelt ihnen, dass sie stark sein dürfen, wenn sie wollen, ohne rassistische Scheiße zu grölen oder über Omasonly.com* den ganzen Monitor vollzukleckern.  Das erklärt ihnen immer wieder, dass sie stark sein und sonstwas dürfen, was sie wollen und dass sie's deswegen dürfen, weil ihr Papa nicht irgendeiner Verbotspartei, sondern uns, den Grünen, seine kostbare Wählerstimme gibt. Das tut er doch, oder? Bittebitte! Mögt uns wieder, ihr Ex-Wähler und mittelaltes Stimmvieh!

 

Dabei musste ich an meine Erfahrungen in verschiedenen Firmen denken. Oft genug haben es die Vorgesetzten - alles Männer - dabei als ihre Aufgabe betrachtet, ihre Untergebenen beständig unter Druck zu setzen, ihnen vorzuhalten wie schlecht sie arbeiten, dass alles falsch ist, was sie tun, und dass sie froh sein können, dass sie überhaupt arbeiten können und er, der Chef, ja überhaupt der Einzige sei der den Laden am Laufen hält (Und zwar genau so... wäre es erlaubt gewesen hätte er wohl gerne noch mit einen Knüppel draufgehauen).

Das ist wohl die denkbar schlechteste Mitarbeiterführung, weil dabei garantiert niemand Lust hat, sich irgendwie noch Mühe zu geben. Und es funktionierte auch nicht, der Laden war ein einziges Chaos.

Also wie nu - verschiedene Firmen oder nur ein einziger Chaos-Laden? Aber bosseln wir daraus mal ein These zusammen:

 

Wenn Mitarbeiter gemäß dem nicht-grünen Männlichkeitsideal schlecht geführt werden, dann entartet der Laden in ein einziges Chaos.

Stimmst Du zu? Also ich würde so einer These zustimmen. Wer würde so einer These nicht zustimmen? Die Konkurrenz der Grünen aus der Einheitsfront? PdLer, CDUler, SPDler und FDPler - würden die nicht da alle zustimmen?

Damit aus der These ein Argument dafür, dass das Männer-Manifest der Grünen irgendeinen Erkenntnisgewinn beizusteuern hätte, müsste mal belegt werden, dass die anderen Parteien für eine schlechte Mitarbeiterführung in Betrieben plädieren. Falls dem so wäre - also wenn all die anderen Parteien Männerbilder verträten, die darin resultieren, dass jene, die diesen Männerbildern entsprächen, ihre Firmen schlecht führten... Dann ergäbe sich die Frage, warum genau all diese schlecht geführten Firmen nicht längst vom Markt verschwunden sind. Ich sehe nur zwei mögliche Befunde angesichts der ökonomischen Tatsachen.

1. Entweder, diese Art der schlechten Mitarbeiterführung, die Du da beschreibst und die auf irgendeinem nicht-grünen Männerbild beruht, sorgt unterm betriebswirtschaftlichen Strich gar nicht dafür, dass  regelmäßig die Firmen zu einem einzigen Chaos entarten, sondern dass vielmehr diese Art der Mitarbeiterführung im Rahmen der kapitalistischen Konkurrenz sehr gut dem Primat der Profitmaximierung dienlich ist - weil nun mal in diesem Rahmen es nicht darauf ankommt, wie wohl sich Lohnarbeiter in ihrer Firma fühlen, sondern wieviel Mehrwert die Kapitalisten aus ihnen zu quetschen vermag. In diesem Falle hättest Du von einem Einzelfall: jener Firma, bei der Du persönlich erlebtest, wie sie zum Chaosladen wurde und dann vermutlich pleite ging, bzw. von der Konkurrenz aus dem Markt gedrängt wurde - auf eine nicht existierende Regel geschlossen.

2. Die am Markt erfolgreichen Kapitalisten führen ihre Firmen nicht schlecht, sondern traditionell immer schon gut. Und zwar, weil sie eben nicht so führen, wie Du es erlebtest, sondern anders. Vielleicht gemäß dem Stil, den die Grünen uns in ihrer Tugendschrift als Originalidee von Männlichkeit verkaufen möchten. Deren Originalität damit ja wohl in Frage gestellt wäre, oder?

Interessant übrigens finde ich, dass Dir als erstes positives Beispiel für die Überlegenheit des grünen Männlichkeitsideals ausgerechnet einfällt, wie dessen Etablierung doch den Kapitalisten im Rahmen der Ausbeutung ihrer Lohnarbeiter zugute käme, ganz unabhängig davon, ob es sich überhaut um ein überzeugend-anschauliches Beispiel handelt.  Dass es sich über kein sonderlich überzeugendes Beispiel handelt, sei durch die Kritik einer Deiner verborgenen Zusatz-Prämissen dargelegt. Du schreibst:

Das ist wohl die denkbar schlechteste Mitarbeiterführung, weil dabei garantiert niemand Lust hat, sich irgendwie noch Mühe zu geben.

Die Lust zu arbeiten ist nicht der primäre Motivationsfaktor bei Lohnarbeitern. Sie geben sich zuallererst mal Mühe beim Arbeiten, weil sie den Job brauchen, um leben zu können. Die Drohung von Lohnstreichungen oder gleich der Kündigung im Falle schlechten, nachlässigen Arbeitens vermag in vielen, vermutlich in der überwiegenden Mehrheit von allen Fällen, die Lohnarbeiter anzutreiben. Vor diesem Hintergrund, dass die Lohnarbeiter stets unter dem Damoklesschwert des Verlusts ihrer Existenz stehen, lässt sich leicht zeigen, dass Lust ihrerseits nicht vonnöten ist, zumindest nicht, wenn auf dem "Arbeitsmarkt" jederzeit Ersatz für sie bereit steht.

"So ein Arschloch von Vorgesetztem tu ich mir nicht an!" - ist eine Position, die sich ein Lohnarbeiter nur solange leisten kann, wie er woanders eine nettere männlich grüne oder gleich weiblich sorgende Mitarbeiterführung findet. Und nur dann, wenn die Nachfrage nach Lohnarbeitern das Angebot überwiegt oder zumindest nicht statistisch relevant unterschreitet, sind Firmen aus Gründen der Profitmaximierung gezwungen, ihre Mitarbeiter freundlich und ohne viel Druck zu behandeln: denn solange droht ansonsten ja, die Arbeiterschaft nach nebenan zu ziehen, wo das Gras, bzw. der Vorgesetzte männlich grüner ist.

Sobald mehr Lohnarbeiter ihre Leistung anbieten, als sie in der Produktion überhaupt nachgefragt wird, sieht die betriebswirtschaftliche Rechnung so aus: Welchen Aufwand bedeutet es, die Arbeiter per achtsam-freundlichem Loben und Streicheln und Anhören und Arbeitsplatzbegrünung und Tischkicker im Frühstücksraum und Mozartklängen auf den Toiletten und familiäres-Klima-Strategien Lust auf's Arbeiten zu machen - und inwiefern rechnet sich dieser zusätzliche Betriebskosten-Aufwand, wenn doch die Drohung mit der Kündigung, die Kürzung der Pinkelpausen, Videoüberwachung am Arbeitsplatz etc. womöglich günstiger zu organisieren sind? Ob nun ein Lohnarbeiter eine ihm übertragene Aufgabe korrekt ausführt, weil's ihm Lust bereitet - oder aus Angst vor'm Anschiss durch den Vorgesetzten ersparen will - das kann, nein, das muss dem Kapitalisten egal sein. Ihm geht es - da hat er seinen Aktionären bei der nächsten Hauptverhandlung Rede und Antwort zu stehen, und wenn die nicht dividendenmäßig überzeugend ist, dann droht Kapitalabwanderung - darum, auf welche Weise er mehr Profit aus seinem Betrieb schlägt.

So - und nun kommt die derzeitige allgemeinwirtschaftliche Tendenz dazu. Wie sieht die aus? VW will 50.000 Stellen streichen. Krankmeldungen werden schwieriger, das Rentenalter verschieb sich nach hinten, die Mieten steigen, überall erhöht sich der ökonomische Druck auf die Lohnarbeiter. Von der anstehenden Invasion konkurrenzlos günstiger KI-Arbeiter mal ganz zu schweigen: die kommen zwar erst dann, wenn sich ihre Flut nicht mehr legislativ aufhalten lässt (die CEOs der großen Tech-Unternehmen sind nicht doof), aber dann in Millioneneinheiten. Die Macht der Lohnarbeiter schwindet an allen Ecken und Kanten und damit wird es aus Perspektive des Kapitalisten zunehmend weniger lukrativ, über den systemischen Angstdruck hinaus noch andere Motivationsfaktoren zu bemühen, d.h. zu etablieren, zu organisieren und zu bezahlen, damit die Arbeiter sich ihren Arsch aufreissen.

Druck als primäres und nicht sonderlich schwer zu erlernendes Mittel der "Mitarbeiterführung" reicht zukünftig wieder aus, grüne Männlichkeit wird nicht mehr gebraucht in den Führungsetagen. Und nun die Gretchenfrage: Wem nutzt in so einer Welt dann noch die grüne Art von Männlichkeit? Jene Art von Männlichkeit, die Konflikte lieber vermeidet und nicht droht oder gar mit Gewalt droht? Na? Richtig. Sie nutzt der herrschenden Klasse: für den Fall, dass sie das Ideal der beherrschten Klasse ausmacht. Wer wollte schon männlich-toxische Lohnsklaven in seinen Betriebsstätten haben? Nein, die sollen mal schön friedlich und kooperativ und aller Gewalt abhold** sein. Das senkt ja auch das Revolutionsrisiko.

 

Deshalb gefällt mir das Motto: "Stärke bedeutet, anderen Menschen Raum zu geben".

Gefallen tut es mir auch, es hört sich so schön an. Wenn mir ein weis(s)er freundlicher Herr oder noch besser eine braune freundliche Frau das predigen würden, ich lauschte dem gern, so im Erschöpfungshalbschlummer auf meiner Kirchenbank oder im Fernsehsessel lungernd.

Ist es denn nun auch ein wahres Motto? In einer Welt, in der Raum knapp ist, erscheint's mir vor allem als Grabstein-Inschrift passend.

 

Sage ich aber, dass ich so etwas gar nicht nötig habe, weil ich selber "stark" bin und dafür niemanden unterdrücken muss - dann ist das etwas, das auch unmittelbar einleuchtet.

Unmittelbar leuchtet immer nur das ein, was demonstriert wird. Sagen können die Leute, was sie wollen, was kosten Behauptungen schon? Was tausend Worte? Unmittelbar leuchtet das Beispiel - Klick mich! - ein. 

Das letzte bewunderswerte Beispiel für Stärke bei den Grünen gab Petra Kelly. Es wurde beendet durch eine grün-männliche Generalmajor-Pussy. Soviel zur starken Männlichkeit.

 

 

 

 

 

 

*die Adresse, die ich mir gerade aus rein rethorischen Gründen ausgedacht hatte, gab's, als ich sie überprüfungshalber in die Befehlszeile eingab, tatsächlich. Also musste ich auf die hier her. ^^

 

** es sei denn, die Staatsräson ruft sie zu den Waffen, wegen nationaler Freiheitsverteidigung und so, aber wenn's dann gegen die feindliche Nation der Saison geht, dann ist die dabei ausgeübte Gewalt ja nicht toxisch-männlich, sondern verfassungskonform, das ist was gänzlich anderes, Staatspraesidentus vult...

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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Beiträge : 29398

@jack-black 

Und die wollten von Dir bepredigt und erzogen werden? Die fragten Dich wirklich und ernsthaft, wie ein richtiges Mannsein auszusehen habe?

Ja. Ernsthaft. Näheres dazu per PN, wenn du es denn genau wissen willst. 

 

Wem wird da eine Anregung geboten? Wusstest Du ohne das Geseiche dieses Mannhaftigkeitsmanifests der Grünen nicht selbst, wie oder was Du da "entgegen zu halten" habest?

Nein. Tatsächlich, das wusste ich nicht, Asche auf mein Haupt.

Denn ich sehe, was da als vermeintliche "Männlichkeit" unter Jugendlichen betrachtet wird. Und dazu zählt nach wie vor - ist ja nicht so, dass das etwas Neues wäre - Schwächere zu unterdrücken.

Ich sehe aber vor allem auch, das genau so auch das Verhältnis zu Mädchen - oder später Frauen - betrachtet wird. Wenn "Mann sein" bedeutet, über andere zu triumphieren, sei es in Schlägereien auf dem Schulhof, in Computerspielen, in Sprüchen in der Klasse, in Rebellion gegen Lehrer und Autoritätspersonen - dann wird das gerne auch auf das Verhältnis zum anderen Geschlecht übertragen.

Und das betrifft dann auch Mädchen/Frauen, die in eben jene Rollenbilder hineinwachsen... denn die übernehmen das, auch wenn es völlig widersinnig scheint, und sehen "Stärke" als: "Ich unterdrücke andere!". Wenn also eine junge Frau einen "starken Typen" haben will, dann schaut sie sich nach jemandem um, der andere unterdrückt. Auch sie selbst, aber das gehört dann halt dazu.

 

Dieses Manifest richtet sich doch ganz offensichtlich, allem jovialen Geduze der Leserschaft zum Trotze, nicht an Jugendliche, sondern an potentielle Wähler der gehobenen Mittelschicht im Gravitationsradius der Midlife-Crisis

Nö, ganz sicher nicht. Wenn dann indirekt: Nicht, indem diese Leute damit angesprochen werden - sondern, indem man ihnen ein Hilfsmittel zur Verfügung stellt. Dann ja.

 

Also wie nu - verschiedene Firmen oder nur ein einziger Chaos-Laden? Aber bosseln wir daraus mal ein These zusammen:

Mehrere Firmen, die im Chaos endeten. In einem Fall wurde das aufgefangen, weil es sich um eine Filiale einer großen Firma handelte, der Chef aufgrund seines Charakters strafversetzt wurde und kurz vor der Pension stand. Im anderen Fall eine aufstrebende neu gegründete Firma, die aufgrund der Attitüde des Chefs schnell zurechtgestutzt wurde und den Großteil der Belegschaft entliess.

 

Damit aus der These ein Argument dafür, dass das Männer-Manifest der Grünen irgendeinen Erkenntnisgewinn beizusteuern hätte, müsste mal belegt werden, dass die anderen Parteien für eine schlechte Mitarbeiterführung in Betrieben plädieren.

Es geht nicht nur um "Parteien". Nicht alle Influencer, die in diese Kerbe des männlichen Wettbewerbes hauen, wo sich am Ende nur der Stärkste durchsetzt, sind parteiengebunden.

Aber die AfD bedient die Klischees der "Manosphere", auch wenn das nicht Teil des offiziellen Parteiprogramms sein mag. 

 

Die Lust zu arbeiten ist nicht der primäre Motivationsfaktor bei Lohnarbeitern. Sie geben sich zuallererst mal Mühe beim Arbeiten, weil sie den Job brauchen, um leben zu können.

Nein. Da frage ich mich nun echt, inwieweit du hier jemals innerhalb eines solchen Lohnsystems gearbeitet hast. 

Natürlich geht es erst einmal um die Sicherung der Existenz. Aber damit ein Laden wirklich gut läuft brauchst du ein "Wir"-Gefühl. "Wir" führen diesen Laden, wir sind gut in dem was wir tun, wir schaffen das. 

Das funktioniert nicht auf der Basis anonymer, austauschbarer Lohnarbeiter... auch wenn die Eigentümer und Zerntralen das genau so sehen mögen. Es macht einen Riesenunterschied, ob du in einen Laden mit motivierten Mitarbeitern gehst - oder in einen, dessen Arbeitern alles völlig egal ist.

 

Gefallen tut es mir auch, es hört sich so schön an. Wenn mir ein weis(s)er freundlicher Herr oder noch besser eine braune freundliche Frau das predigen würden, ich lauschte dem gern, so im Erschöpfungshalbschlummer auf meiner Kirchenbank oder im Fernsehsessel lungernd.

Ist es denn nun auch ein wahres Motto?

Ich habe dir ein Beispiel genannt.

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@lucan-7 Nein. Tatsächlich, das wusste ich nicht, Asche auf mein Haupt.

Nö, nicht Asche auf Dein Haupt. Ist ja nur ehrlich, wenn Du das so zugibst. Da kann ich jetzt umso besser Deine Motivation, diesen Thread zu starten, nachvollziehen.

Ich frage dennoch nach, weil ich mir das kaum vorstellen kann...

Wie hat Dir dieses Männlichkeitsmanifest der Grünen konkret im Umgang mit den Jugendlichen geholfen? Was hast Du daraus gelernt, das Du vorher nicht längst wußstest?

 

Nö, ganz sicher nicht. Wenn dann indirekt: Nicht, indem diese Leute damit angesprochen werden - sondern, indem man ihnen ein Hilfsmittel zur Verfügung stellt.

War Dir dieses Manifest eine Hilfe? Kannst Du das - ich will's wirklich verstehen, weil mir die Phantasie fehlt, mir das vorzustellen - konkret mal sagen, wie genau Du dieses Hilfsmittel angewendet hast?

Nein. Da frage ich mich nun echt, inwieweit du hier jemals innerhalb eines solchen Lohnsystems gearbeitet hast.

Na, wenn Du Dich das "echt" fragst - was denkst Du denn, wovon ich die letzten paar Jahrzehnte so gelebt habe? Mindestens zwanzig Jahre hatte ich als Lohnarbeiter Vorgesetzte und selbst in den Zeiten, wo ich allein freiberuflich von meiner Kunstmalerei leben konnte, war ich abhängig davon, verkaufbare Bilder zu produzieren. Hätte ich von meinen Einkünften noch Frau und Kinder mit versorgen müssen, hätte ich noch viel unfreier in der Wahl meiner Anstellungsverhältnisse agiert, weil ich dann vermutlich doppelt oder dreimal so viel hätte verdienen müssen. Eine Existenz als freier Künstler hätte ich nicht gewagt*. 

Meine letzte Festanstellung - als Illustrator bei einem kleinen Verlag -  wurde gekündigt, weil ich nicht so viel und schnell zu arbeiten vermochte, wie mein Arbeitgeber von mir verlangte. Die Billigkonkurrenz aus China - und damals interessanterweise: den Balkanländern Krotatien und Serbien - motivierte (zwang...) ihn dazu, mir Druck, Druck, Druck zu machen (Dies und das muss unbedingt bis dann und dann fertig sein, da müssen Sie zusehen, wie Sie das hinkriegen, das geht nicht anders! Dafür haben wir Sie eingestellt, das müssen Sie können!) und extra zu einem "Mitarbeitergespräch" einen Kollegen mit hinzu zu ziehen als Zeugen dafür, dass mir ja klar gemacht worden sei, dass meine bisherige Arbeitsleistung nicht ausreiche (dass dieser Zeuge anwesend war, um die längst entschiedene Kündigung später fristgerecht wasserfest zu machen, hatte ich damals noch gar nicht gecheckt, auch, weil ich ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm hatte) sodaß ich aus Angst, den Job zu verlieren, selbst während meines Urlaubs weiter arbeitete, um das angezielte Pensum zu erfüllen. Was dann allerdings immer noch nicht reichte.

Ich weiß also aus eigener Erfahrung sehr gut, wie zuverlässig Angst des Lohnarbeiters als Motivationsfaktor funktionert. Denn ich selbst hatte diese Angst, und obwohl meine Kündigung, ohne dass ich davon wußte, längst entschieden war, arbeitete ich mir mehrere Monate den Arsch ab mit fünfundsechzig-Stunden-Wochen und versaute mir damit sogar den Urlaub - aus Angst davor, aus der Firma zu fliegen. Und ich arbeitete ganz gewiss nicht schlechter, langsamer, nachlässiger in dieser Zeit - tatsächlich war ich später am frustriertesten darüber, dass ich den Trick mit dem Zeugen im Mitarbeitergespräch nicht durchschaut und in der restlichen Zeit so viele verdammt gute Illustrationen für den Arbeitgeber produziert hatte, von dem ich mir im Nachhinein verraten vorkam.** Hätte ich doch besser nur noch "Dienst nach Vorschrift" gemacht und drittklassigen Schrott produziert!

 

Ich bringe dieses eine persönliche Beispiel nicht etwa deswegen, weil mein Chef mich da so besonders männlich-toxisch behandelte, sondern

Erstens, weil ich damit Deine Vermutung, ich wüßte gar nicht, wie es so im richtigen Lohnarbeitsleben zugehe, entkräften will.

Zweitens, weil es ein Belegbeispiel dafür ist, was die Primärmotivation beim Lohnarbeiter stets ist (die Tätigkeit als Illustrator war ja sogar mein "Traumjob" - aber wenn ich keinen Job zum Geldverdienen gebraucht hätte, hätte ich halt dennoch nicht diesen Job gemacht, sondern meine Zeit lieber mit dem Malen von Bildern, die mir gefallen und auf deren Verkauf ich nicht angewiesen wäre, verbracht. Oder mit Lesen oder Schreiben...  ^^) - nämlich die, Geld zu verdienen.

Drittens, weil eine Frau als Chefin exakt wie mein Chef hätte handeln müssen: im Profitinteresse.

Und damit komme ich zur Schließung des gedanklichen Kreises...

Ich habe dir ein Beispiel genannt.

Das stimmt. Und aus rethorischen Gründen, ebenso wie aus einer gewissen gedanklichen Unschärfe heraus hatte ich nicht näher spezifiziert, was für Beispiele ich meinte, als ich behauptete, nur Beispiele würden unmittelbar einleuchten. Das Beispiel das Du brachtest, leuchtet nicht unmittelbar ein, beziehungsweise wäre es in meinen Augen korrumpiert für den Fall, dass es treffendes/passendes wäre. Falls sich mit Hilfe (Hilfsmittel...) dieses grünen Männlichkeitsmanifests die Ausbeutung von Lohnarbeitern durch ihre Vorgesetzten optimieren ließe, wäre es ein Hilfmittel für die herrschende Klasse. Dann ließen sich sein Zweck und seine Funktion so in Worte fassen: "Fragst du dich manchmal, warum es innerhalb deiner Belegschaft immer mal wieder hakt und rumort, der Laden nicht so flutscht und der Rubel nicht so rolle wie du dir's wünschst? Möchtest du noch mehr Profit aus deinen Angestellen rausmelken? Dann wende unsere Raschläge an, um die Milchquote zu erhöhen: 1. Unterlasse sexistische Sprüche in Hörweite von Mitarbeiterinnen. 2. Formuliere deine Befehle nicht barsch brüllend, sondern als freundliche Bitten... etc. pp."

Aber im vorangegangenen Posting ging ich m.A.n. schon ausführlich genug darauf ein, warum ich nicht denke, dass es sich überhaupt um ein treffendes/passendes Beispiel handelt.

Ich hätte also präziser schreiben sollen: unmittelbar leuchten nur gute Beispiele ein. Das wäre aber dann doch eine reichlich triviale Spezifikation gewesen, oder?

Aber ich deutete ja einen weiteren Grund für diese mißverständliche Formulierung an: gedankliche Unschärfe meinerseits. Denn mit Beispiel meinte ich ja insbesondere das konkrete Beispiel. Dass nämlich nicht die wohlfeile Predigt überzeugt, sondern das Vorbild.

Der Labertext über grüne Männlichkeit ist Predigt und zwar wirklich erbärmlich schlechte Predigt. Man könnte das ganze Konvolut als Erziehungsversuch verstehen (Deine Bezeichnung "Hilfsmittel" und Dein Bericht, für welche spezielle Situation Du es als Hilfsmittel verstehst, belegt das eigentlich sehr schön). Und immer, wenn ich an das Thema "gute v. schlechte Erziehung" denke, kommt mir folgener Aphorismus in den Sinn: "Man kann sich bei der Erziehung seiner Kinder anstrengen, soviel man will - am Ende machen sie einem doch alles nach!" Diese Art Beispiel: das konkrete Vorleben - hatte ich als mit im Sinn.

Ob Du persönlich den Jugendlichen, mit denen Du da anscheinend arbeitest (ehrenamtlich, oder im Angestellenverhältnis?) ihnen ein Vorbild bist - darauf allein kommt es an. Wenn Du sie bepredigst - was soll das bringen, wenn sie nicht an Dir, an Deinem Beispiel, unmittelbar ablesen können, wie erfolgreich sich Deine Männlichkeitsideale in der Realität bewähren?

Und nochmal: wenn ich mir dieses Moralgelaber der Grünen da durchlese, will mir da kein einzelner Satz auffallen, bei dem ich mir vorstellen kann: "Oh, das ist ein wirklich guter Gedanke, bei dem kann ich mir vorstellen, dass der für Lucan irgendwie neu gewesen sein könnte, sodaß es in seinem Kopf Klick! machte und er dankbar war für dieses wertvolle Hilfsmittel."

Vielleicht habe ich zu flüchtig gelesen? Zitiere doch bitte in diesem Sinne mal die Passagen, in denen irgendwas enthalten war, was Du vorher noch nicht gewußt oder bedacht hättest, die Dir ganz konkret Hilfe dabei leisteten, den Jugendlichen, mit denen Du arbeitest, etwas über "richtiges" Mann-Sein zu vermitteln.

Schließlich: Ich verstehe diesen grünen Wisch weder als Hilfmittel für orientierungslose Jugendliche oder sonstige Männer, noch als Erziehungsversuch. Wenn ich mich frage, warum er überhaupt geschrieben und veröffentlich wurde, dann kann ich nicht umhin, die zu tatsächlich zu vermutende Motivlage ungeschminkt zu betrachten.

Das primäre Motiv der Grünen besteht darin, gewählt zu werden. Diesbezüglich stehen sie in einem Wettbewerb mit den anderen Parteien, deren Funktionäre ja auch an die Diätentröge möchten oder, so lange sie noch nicht illusionslos genug sind:  an die (Papp-) Hebel der Machtzentralen(-Kulissen).

Alles, was die Grünen tun, tun sie deswegen: weil sie gewählt werden wollen. Und deswegen haben sie auch dieses Männlichkeits-Geseiche veröffentlicht. Sie wollen die Stimmen jener, die ihrerseits denken, dass die Jugend - oder wer auch immer - besser erzogen werden sollte, was heißt: anders, als es die AgD-Wähler gern hätten.

Kulturkampfgetöse halt. Inhaltlich durchschaubar, vom Stil her klebrig-grauenhaft (bin mir immer noch nicht sicher, ob man zuerst eine KI den Text verfassen ließ und den dann leicht überarbeitete - oder ob man umgekehrt den Text von menschlichen Mitarbeitern verfassen und dann die KI nur leicht stilistisch überarbeiten ließ. Beides erscheint mir gleich wahrscheinlich, hingegen ein tertium non datur.)

 

 

 

 

*Als mal, noch in Studentenjahren, eine Freundin behauptete, von mir schwanger zu sein, war dies mein erster Gedanke: "Scheiße, jetzt kann ich mir meinen Lebenstraum Freie Malerei abschminken!" Hätte ich den mal ganz ehrlich geäußert. Er hätte sich ja noch irgendwie nachträglich spinnen lassen a la: Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Statt dessen überschlug sich alles in meinem Matschhirn und das brachte in seiner Notlage die dämlichste aller Reaktionen hervor: "Bist du sicher, dass es von mir ist?" Gaaaaaaanz großer Fehler! 😀 )

 

** Nach der Kündigung, die sich für mich wie ein Dolchstoß von hinten anfühlte, brauchte ich Monate, um meinen Hass auf diesen Ex-Chef zu verarbeiten: was für ein hinterhältiger Arsch, was für ein Verräter! Inzwischen habe ich verstanden und weiß, dass er ganz normal gemäß der kapitalistischen Logik mich eben als einen Kostenfaktor behandelte, den man, solange er nicht entsorgt war, zumindest effizient noch auszubeuten hatte. Dazu war er seinen drei Partnern/Anteilhabern gegenüber verpflichtet.

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@jack-black 

War Dir dieses Manifest eine Hilfe? Kannst Du das - ich will's wirklich verstehen, weil mir die Phantasie fehlt, mir das vorzustellen - konkret mal sagen, wie genau Du dieses Hilfsmittel angewendet hast?

Es war mir deshalb eine Hilfe, weil hier mal ein konkretes Bild im Gesamtzusammenhang entworfen wurde, und zwar unter positivem Einbezug von Stereotypen.

Klar konnte ich vorher sagen: "Ein Mann darf auch schwach sein!", "Ein Mann sollte nett sein!", "Ein Mann kann Bodybuilding machen, muss aber nicht!", "Es ist nicht nett, andere zu unterdrücken!"... alles wahr, alles richtig, Kopfnicken und Zustimmung allerorten... aber eben kein rundes Bild.

Die Aussage aber, dass ein starker Mann andere Menschen unterstützt, ihnen Raum gibt, statt ihnen Raum zu nehmen - das ist anschaulich, das kann man vermitteln.

Da hat man direkt zwei Typen als positives und negatives Beispiel vor Augen... der eine ist ein Schlägertyp, der ständig irgendwen zusammenprügelt, der andere ein Fussballtrainer, der eine schwache Mannschaft zu Höchstleistungen treibt... wer von beiden ist wohl "stark" und "erfolgreich"?

Das Manifest gefällt mir, weil es rund ist... und nicht zu anspruchsvoll, darum geht es nicht. Es bringt Dinge auf den Punkt, und man findet gleich konkrete Beispiele dafür.

 

Na, wenn Du Dich das "echt" fragst - was denkst Du denn, wovon ich die letzten paar Jahrzehnte so gelebt habe?

Dass du dir irgendwie deinen Lohn erarbeiten musstest, davon gehe ich jetzt mal aus. Und das persönliche Beispiel, das du hier nanntest, ist zwar ein ziemlich schäbiges Stück um jemanden aus Kostengründen loszuwerden, ohne sich legal dagegen wehren zu können... trifft aber nicht das, worauf ich hinauswollte.

Dir wurde zwar übel mitgespielt, dass du dabei aber versucht hast dein Letztes zu geben war ja nicht der Sinn des ganzen... es ging um ein Theater, das aufgeführt wurde, um letztlich einen Vorwand zum Personalabbau zu haben.

Wäre es WIRKLICH darum gegangen, dich dazu bringen dein absolut Bestes zu geben, dann wäre die Sache wohl anders aufgezogen worden... denn wie lange hättest du so ein Spielchen wohl freiwillig mitgespielt...?

Meine konkreten Beispiele stammen aus dem Einzelhandel, und da habe ich das konkrete Beispiel zweier Läden in meiner Umgebung, beides Filialen derselben Kette. Im einen Laden arbeiten motivierte Verkäufer, der Laden ist aufgeräumt, man findet die Artikel, die Verkäufer sind freundlich. Die Chefin ist berufsbedingt zwar oft schlecht gelaunt, behandelt die Leute aber mit Respekt und lobt sie ausdrücklich, wenn die Sache läuft. Im anderen Laden kümmert sich niemand um irgendwas, alles ist egal, die Leute werden eh schlecht behandelt, die Kunden finden nichts, überall stehen Kartons herum, die Verkäufer stehen gelangweilt hinter der Kasse und starren aufs Handy.

Und so kommt es, dass die Kunden aus dem Nachbarort viel lieber zu uns kommen, und die hiesige Filiale weitaus mehr Umsatz macht, weil die Mitarbeiter dort motivierter sind. Sage nicht ich, sondern die Kunden selbst, die dorthin gehen (Es geht hier auch recht dörflich zu...).

Ein Chef, der seine Mitarbeiter motiviert und versucht, das Beste aus ihnen herauszuholen, statt ihnen ständig nur vorzuwerfen, dass sie eh nichts taugen, wird also im Zweifel mehr Umsatz machen und erfolgreicher sein. Und das gilt im übertragenen Sinne für jede Firma.

Falls du dich übrigens fragst, warum die faulen und unmotivierten Leute nicht entlassen werden... es gibt kaum Leute hier, die bereit sind den Job zu machen. Deshalb können die sich das erlauben.

(Und ja, FAIR wäre es, die motivierten Mitarbeiter am erhöhten Umsatz zu beteiligen... aber das ist eine andere Geschichte...).

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

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@lucan-7 das persönliche Beispiel, das du hier nanntest, ist zwar ein ziemlich schäbiges Stück um jemanden aus Kostengründen loszuwerden, ohne sich legal dagegen wehren zu können... trifft aber nicht das, worauf ich hinauswollte.

Ist mir klar. Aber um mich nicht wiederholen zu müssen: siehe die drei Gründe, insbesonder den ersten, warum ich es brachte.

Was nun Dein Beispiel mit den Geschäften angeht, von denen der eine Laden brummt, der andere dagegen nicht - naja, so war das doch immer schon, oder? Dass Kunden in einem aufgeräumt-übersichtlichen Laden, in dem sie von motivierten* Verkäufern beraten werden, lieber einkaufen, ist ja nun keine Erkenntnis, die in der Geschäftswelt zu verbreiten es eines Positionspapiers der Grünen über Männerbilder bedürfte.

Falls du dich übrigens fragst, warum die faulen und unmotivierten Leute nicht entlassen werden... es gibt kaum Leute hier, die bereit sind den Job zu machen. Deshalb können die sich das erlauben.

Also hast Du als Beispiel einen Ausnahmefall gebracht. Wie ich zu erklären versuchte: ein untreffendes/unpassendes, sozusagen unzeitgemäßes Beispiel. So wie Du die Vor-Ort-Situation schilderst, dürfte der eine Laden früher oder später pleite gehen, weil die Kunden halt irgendwann alle es vorziehen, in den Nachbarort zur Konkurrenz zu gehen.

Nun schreibst Du, es handele sich um Filialen derselben Kette. Und in Deinem Beispiel wir die eine (gut laufende) Filiale von einer lobenden Frau geführt und die andere (mies laufende und demnächst womöglich mit neuer Filialleitung  betreute) von einem sich "typisch männlich-toxisch" sich aufführenden Mann. Richtig? Wieviele Filialen hat diese Kette denn so über'n Daumen gepeilt insgesamt - und wieviele von denen werden von Männern und wieviele von Frauen geleitet? Steht diese Kette in Konkurrenz zu anderen Ketten?

Meinst Du nicht, dass es über die Jahre und Jahrzehnte in der Konzernleitung aufgefallen sein dürfte, wenn von Männern geleitete Filialen ständig geringere Umsätze gemacht hätten als von Frauen geleitete Filialen? Meinst Du, dass es für das mittlere Managemant (also z.B. Filialleiter) bei dieser Kette nicht  auch Schulungskurse in Sachen Mitarbeiterführung gibt und dass Filialleitern, deren Zahlen kacke aussehen, mehr oder weniger ernst dazu aufgefordert werden könnten, solche Kurse zu besuchen?

Kurz: meinst Du, dass solche grünen Männlichkeitsmanifeste ernsthaft eine spürbare Hilfestellung sein könnten für verzweifelte Konzernführer, die bis dato nicht auf den Trichter gekommen sind, warum ihr mittleres Management so schlechte Zahlen erwirtschaftet?

Brauchst mir darauf nicht mehr zu antworten, weil ich gerade merke, dass ich schon viel zu viel Zeit und Aufmerksamkeit auf dieses - in meinen Augen - Schein-Thema verschwendet habe und deswegen - getretner Quark wird breit, nicht stark - nicht weiter mitdiskutieren werde. Es ist meinem Empfinden nach hohles Kulturkampfgeklingel, das - gewollt oder meinetwegen auch ungewollt - von politisch relevanteren Themen ablenkt. Und übrigens auch von seiner Intention her eher nach hinten losgehen dürfte. Wenn schon jemand wie ich, der ich die AgD-Mischpoke hasse, dieses Predigtlein lachhaft findet - wie sehr werden sich da wohl die in der reaktionären Ecke drüber beeumeln?

 

 

 

 

 

 

*dass unmotivierte Verkaufsmitarbeiter selten gut für den Umsatz sind, hatte ich nirgends bestritten

jack-black antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

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Veröffentlicht von: @jack-black 
 

... dieses - in meinen Augen - Schein-Thema ...

Meine These vom Sommerloch-Thema ist noch nicht vom Tisch.

chai antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

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@chai Sommerloch-Themen sind meinem Begriffsverständnis nach Themen, auf welche Medien anspringen, weil's sonst gerade nix Interessantes zu berichten gibt, bzw. nichts, was kostengünstig genug als "Content" aufzubereiten ist, dass es sich bei den wenigen Lesern/Zuschauern (die anderen sind halt im Urlaub unterwegs und durch Werbeanzeigen oder -clips nicht zu erreichen) immer noch rechnet.

Aus dieser, der Content-Anbieter-Perspektive stimme ich Dir zu. Es kostet nix, so einen Werbeprospekt zu verbreiten, er wird einem ja praktisch umsonst bis an den Redaktionsschreibtisch geliefert.

Ich hatte mit "Schein-Thema" allerdings nicht die Redaktionen der Republik im Hinterkopf, sondern den Umstand, dass die AgD davor steht, die nächsten Landtagswahlen haushoch zu gewinnen und daher für die anderen Parteien das Problem besteht, untereinander keinen Wahlkampf mit Inhalten mehr führen zu können - weil sie nach der Wahl ja eh gezwungen sind, alle zusammen eine AgD- Verhinderungskoalition zu schließen. Inhaltlich können sie nicht mal glaubhaft sich hinsichtlich des Lieblingsthemas der AgD - "Migranten"- positionieren. Denn inhaltlich unterscheiden sie sich da gar nicht kategorisch von der AgD, sondern die Differenzen lassen sich höchstens graduell oder in Sachen des Tonfalls erkennen: grundsätzlich werden Migranten nicht als Menschen, sondern als wahlweise kostspieliger Störfaktor oder im kapitalistischen Kontext verwertbares Lohnarbeitermaterial betrachtet. Der nationalistische Egoismus ist für alle Staatsvertreter Primat, weil sich der Nationalstaat halt global als ideeller Gesamtkapitalist im Wettbewerb zu allen anderen Nationalstaaten befindet. Der Netto-Wachtsums-Zwang ist das Zaumzeug, in welchem jede nationale Staatsführung steckt. Wenn die Kapitalakkumulation in Deutschland nicht funktioniert, wandert das Kapital eben aus. Das bedeutet, dass sich die Klassengegensätze in Deutschland verstärken: die arbeitende Bevölkerung "verarmt", weil die Lohnarbeiter immer größere Teile des Werts, den sie durch ihre Arbeit schaffen, den Kapitalisten überlassen muss. Der Wohlstandsverlust wird immer spürbarer, da aber die Wahrheit, nämlich dass die Umverteilung dessen, was an Werten produziert wird, von der arbeitenden Klasse Richtung der Kapitalisten geht, nicht erkannt und diskutiert werden darf, muss der Staat darauf setzen, dass die Konkurrenz der Lohnarbeiter untereinander von dem Klassengegensatz ablenkt. Die Mär von der Nation als Gemeinschaft hilft sehr bei dieser Ablenkung: die Arbeitenden sehen nicht die Kapitalisten, sondern Arbeiter, die von woanders in's Land drängen, als Wohlstands-Konkurrenten. Jene, die ihnen "die Arbeit wegzunehmen" drohen.

Unsere Regierungsvertreter haben nun eine eigentlich ummögliche Vermittlungsaufgabe: einerseits müssen sie dafür sorgen, dass es nicht zu Aufständen und Revolten kommt durch eine Arbeiterklasse, deren Wohlstandsabstand zu der Kapitalistenklasse immer größer und schmerzhaft spürbarer wird. Andererseits müssen sie, damit weiter in Deutschland Kapital sich akkumulieren kann, billige, den Konkurrenzdruck auf die einheimischen Arbeitenden erhöhende Arbeitskräfte von ausserhalb in's Land holen. Denn es stimmt ja: im internationalen Vergleich sind die Arbeitskosten in Deutschland zu hoch aus Kapitalistenperspektive. Die müssen runter, was aber nur dann funktioniert, wenn die Löhne in Deutschland sich tendenziell dem niedrigeren internationalen Niveau angleichen. Der Staat muss also billige Arbeitskräfte (euphemistisch als "dringend benötigte Facharbeiter" verkauft) in's Land lassen, um das Arbeitslohnniveau zu drücken. Die einheimischen Arbeiter aber spüren die Konkurrenz durch diese zugewanderten Arbeitskräfte sehr wohl, und bevor sie durchschauen, dass sie diese Konkurrenz dem herrschenden kapitalistischen System mit seiner Klassengesellschaft zu verdanken haben, bietet es sich an, das Narrativ von den guten, willkommenen und sogar dringend benötigten Migranten auf der einen und den schlechten unwillkommenen und sogar zur Kriminalität neigenden Migranten mitzutragen, sich also nicht auf die - Papier ist geduldig - sogar in der Verfassung festgehaltene Menschenwürde zu kaprizieren, sondern alle Menschen, die (oder deren Eltern) von ausserhalb der Landesgrenzen stammen, zu objektifizieren: die nützlichen ins Töpfchen, die unnützlichen ins Kröpfchen.

Alle Parteien, die gewählt werden und in Regierungsverantwortung gelangen wollen, haben diesem nationalstaatlichen Primat zu folgen, das ist des Pudels Kern: von der PdL bis zur CSU können sie nicht anders. Die AgD ist nun auf den Trichter gekommen, dass sie, indem sie das, was alle Parteien politisch tun müssen, ohne es zugeben zu mögen, einfach mit offenem Apell an die niedrigsten egoistischen Motive der Wähler zu ihrer politischen Hauptforderung machen können. Man kann als AgD-Vertreter frisch und fröhlich herumlügen über die tatsächlichen ökonomischen Zusammenhänge und Grundlagen - da ja die Vertreter der anderen Parteien es nicht wagen dürfen, diese Lügen plausibel zu entlarven. Dass die Interessen des deutschen Staats beispielsweise nicht dieselben sind wie die der großen Mehrheit seiner Bürger - das dürfen die Parteienvertreter nicht offen kommunizieren. Und so kann die AgD offen die Nationalismuskarte spielen, ohne inhaltlich besonders valides Kontra befürchten zu müssen.

Egal, welche realen Probleme man auch in's Auge fasst: will man sie bis zu ihren Wurzeln zurück verfolgen, gelangt man immer beim Kapitalismus in seiner nationalparlamentarischen Form an: die Rentenfrage, die Frage, wie Kinder gefördert und gebildet werden, die Fragen nach Wehrpflicht, Freiheitsrechten (informationelle Selbstbestimmung etc.), Mieten, Lebenshaltungskosten, Umweltschutz... Nirgends können die Politiker in unserem Land wirklich relevante Änderungen bewirken, weil: Sachzwänge! Am deutlichsten wird das, wenn man gerade zuschaut, wie unter SPD-Regierungsbeteiligung das "soziale Netz" praktisch an allen Ecken gleichzeitig gekappt wird. Das liegt nicht daran, dass die SPD-Politiker etwas gegend die sozial Schwachen im Lande hätten. Sondern daran, dass sie den systembedingten Sachzwängen unterliegen. Das System infrage zu stellen oder gar offen an dessen Abschaffung zu arbeiten - das ist ihnen gesetzlich verboten. Also spielen sie, so gut es geht, weiter das Spiel mit.

So, wie's die Grünen halt tun. Dass deren Politik in der Sache bei den echten Krisenproblemen keinen Unterschied macht, haben sie inzwischen ja sogar auf Bundesebene zweimal beweisen dürfen. Dort, wo sie zuletzt "erfolgreich" bei einer Wahl abschnitten, befinden sie sich nun in einer Großen Koalition mit der CDU. Da wird's dann aber wirklich schwer, sich beim "Wahlkampf" genannten Mummenschanz noch irgendwie als eigene Inhalte vertretend zu positionieren.

Wenn in absehbarer Zukunft, d.h. bei den nächsten Landtagswahlen, die Grünen gezwungen sein werden, mit allen Parteien, die ausser der AgD noch in's Parlament einziehen werden, "koalitionsfähig" zu sein, dürfen sie im Vorfeld keine irgendwie strittigen Positionen vertreten, von denen sich wieder zu entfernen nach der Wahl dann parteiintern schwierig werden könnte. Nicht mehr eigene, sie vom Rest der Systemparteien unterscheidende Interessen, Positionen und Überzeugungen dürfen ein Kriterium sein, sondern allein Wählbarkeit.

Diese zu demonstrieren: Wählbarkeit - dazu soll dieses Männlichkeitsmanifest dienen. Ein Manifest, so harmlos und kuschelig, so voller Leer-Formeln, dass es vermutlich nicht mal den durchschnittlichen CSUler befremden wird. Ein Manifest, das zu absolut gar nichts verpflichtet, das nicht ein tatsächliches Versprechen an die Wähler beinhaltet. Wein Manifest, das niemanden, ausser die eigene Stammwählerschaft, überzeugen soll. Nicht davon, dass es inhaltlich richtig und wichtig sei. Sondern davon, doch bitte, bitte, bitteschön, auch wenn's ein paar Umstände machen könnte, Opa Heins Geburtstagsfeier schon zwei Stünden früher zu verlassen, um noch den Abstrecher in's Wahllokal hinzukriegen. Um die Übernahme der Regierungsgewalt in Sachsen-Anhalt oder McPom durch die AgD mit ihrem ach! so toxischen Männerbild verhindern zu helfen.

Ich frag mich halt, wer da glaubt, wen von was überzeugen zu können? Gibt's beispielsweise hier im Forum (ausser Lucan 😉 ) jemanden, der sich durch so ein Positionspapier bewegen ließe, entgegen der bisherigen Absicht nun doch hinzufahren und sein Kreuzchen bei den Grünen zu machen? Weil: Hey, das ist mir neu, das ist mir wichtig, dass Männer auch stark sein wollen dürfen!?

Also ja: die Diskussion darüber, wie toxisch Männlichkeit sei oder sein dürfe oder auch nicht - die ist ein Schein-Thema und falls sie im von Dir erwähnten Sommer-Loch verschwünde, wäre damit wenig verloren. Aber als Beispiel für die verzweifelte Ausweglosigkeit, vor der die Systemparteien, allen voran die Grünen, dieser Tage stehen, dafür taugt sie durchaus.  

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@jack-black 

Ich frag mich halt, wer da glaubt, wen von was überzeugen zu können? Gibt's beispielsweise hier im Forum (ausser Lucan 😉 ) jemanden, der sich durch so ein Positionspapier bewegen ließe, entgegen der bisherigen Absicht nun doch hinzufahren und sein Kreuzchen bei den Grünen zu machen?

Ich vermute, dass weder ich noch irgendwer anders sein Kreuzchen aufgrund dieses Textes bei den Grünen machen wird... tatsächlich hätte ich das auch hier reingestellt, wenn der Text von der SPD oder der CSU gekommen wäre, weil ich ihn inhaltlich brauchbar finde.

Was aber vor allem daran liegt, dass ich für so ein Bild auch ganz konkrete Ideen zur Anwendung habe... dass jetzt irgendwer der User hier auf jesus.de dieses Papier zum Anlass nehmen wird, seine eigene Vorstellung von Männlichkeit zu überdenken (Und sich womöglich selbst zu hinterfragen) kam mir eigentlich weniger in den Sinn...

lucan-7 antworten
Chey
 Chey
(@chey)
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@lucan-7 

Ich orientieren mich lieber an Männer meines Alters. Da sehe ich mich genau abgebildet.

https://youtu.be/bmHlqeXScmE?si=sUjifQAo9J3KCUX3

VG

Chey

chey antworten
Mr.K
 Mr.K
(@mr-k)
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@jack-black Weil: Hey, das ist mir neu, das ist mir wichtig, dass Männer auch stark sein wollen dürfen!?

Ich zitiere hier den alten weisen Propheten, Meister Minchi Yoda, der da sprach: Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein wollen dürfen.

(Natürlich leicht umgedichtet).

mr-k antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@jack-black 

Also hast Du als Beispiel einen Ausnahmefall gebracht. Wie ich zu erklären versuchte: ein untreffendes/unpassendes, sozusagen unzeitgemäßes Beispiel.

Nein, eigentlich nicht. Ich habe es im Einzelhandel sehr oft erlebt, dass Vorgesetzte ihre Aufgabe in erster Linie darin sehen, ihre Untergebenen ständig unter Druck zu setzen - und das taten sie, indem sie ihnen permanent vorhielten, wie schlecht und nutzlos sie doch seien. sprich: Da haben sich oft Leute mit zweifelhaften Charakter an ihren Untergebenen abreagiert.

Diese Läden liefen dann nicht wegen, sondern trotz dieser Vorgesetzten. Sie hätten aber noch besser laufen können, wären die Mitarbeiter nicht ständig negativ unter Druck gesetzt, sondern dauerhaft motiviert worden, dort zu arbeiten.

 

Und in Deinem Beispiel wir die eine (gut laufende) Filiale von einer lobenden Frau geführt und die andere (mies laufende und demnächst womöglich mit neuer Filialleitung betreute) von einem sich "typisch männlich-toxisch" sich aufführenden Mann. Richtig?

Nein, tatsächlich sind es beide Frauen. Ist ja nicht so, dass Männer dieses negative Verhalten exclusiv für sich gepachtet hätten. Und ich habe auch Männer mit positivem Verhalten erlebt, da hat man dann auch den direkten Vergleich.

Meinst Du nicht, dass es über die Jahre und Jahrzehnte in der Konzernleitung aufgefallen sein dürfte, wenn von Männern geleitete Filialen ständig geringere Umsätze gemacht hätten als von Frauen geleitete Filialen? Meinst Du, dass es für das mittlere Managemant (also z.B. Filialleiter) bei dieser Kette nicht auch Schulungskurse in Sachen Mitarbeiterführung gibt und dass Filialleitern, deren Zahlen kacke aussehen, mehr oder weniger ernst dazu aufgefordert werden könnten, solche Kurse zu besuchen?

Nein, die Konzernleitung interessiert die Mitarbeiterführung nur wenig. Denn das wäre mit Aufwand und damit mit Kosten verbunden. Zudem wechseln die Bereichsleiter alle ein, zwei Jahre, weil die auch ständig unter Druck stehen und keiner den Job lange machen will. Das heisst, die führen die geringeren Umsätze auf Standortfaktoren zurück, nicht auf motivierte Mitarbeiter. Dass die einen Unterschied machen bekommt man nur unmittelbar vor Ort mit.

 

Kurz: meinst Du, dass solche grünen Männlichkeitsmanifeste ernsthaft eine spürbare Hilfestellung sein könnten für verzweifelte Konzernführer, die bis dato nicht auf den Trichter gekommen sind, warum ihr mittleres Management so schlechte Zahlen erwirtschaftet?

Ja. Denn die Idee ist ja nicht neu.

Ich habe es vor vielen Jahren erlebt, wie ein Manager ein Führungsseminar besucht hat (So sprach es sich bei den Mitarbeitern herum). Anschliessend lief er am nächsten Tag in der Filiale herum, gab den Mitarbeitern die Hand und versicherte ihnen, wie sehr er ihre Arbeit schätzen würde.

Das war zwar nicht sehr überzeugend und wirkte etwas aufgesetzt, weil er das vorher noch nie gemacht hatte... aber anscheinend war man in der Führung des Konzerns (In dem Fall ein anderer als der vorher erwähnte) auch darauf gekommen, dass es sich lohnen könnte, hier einen Unterschied zu machen.

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
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@lucan-7 Je nach Einzelhandel geht man halt dorthin, wo man grad vorbeikommt. 
Ich käme nicht auf die Idee, zum Aldi in den Nachbarort zu fahren, weil der evtl. einen netteren Filialleiter hat. Nee, ich geh zu dem, der mir auf der Strecke liegt, die ich sowieso fahren muss. 
Der einzige Laden, den ich konsequent meide, ist der Lidl bei uns am Ort, weil der mir einfach nicht angenehm ist. Ob das am Filialleiter liegt - keine Ahnung. 
Nebenbei - die Märkte hier sind -fast alle- nach Umbaumaßnahmen weitestgehend synchronisiert, ich glaub da hat ein Filialleiter gar nicht mehr viel Einfluss auf die Gestaltung des Ladens. Und aufgrund von langen Öffnungszeiten und Schichtbetrieb trifft man eh immer wieder andere Mitarbeiter.

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@chai 

Je nach Einzelhandel geht man halt dorthin, wo man grad vorbeikommt. 
Ich käme nicht auf die Idee, zum Aldi in den Nachbarort zu fahren, weil der evtl. einen netteren Filialleiter hat. Nee, ich geh zu dem, der mir auf der Strecke liegt, die ich sowieso fahren muss. 

Manchmal sieht man aber schon klare Unterschiede. Wir haben hier vor Ort einen Supermarkt, in den ich so gut wie nie gehe... hat zwar mehr oder weniger die gleiche Ware wie die anderen Märkte zu mehr oder weniger den gleichen Preisen oder sogar günstiger - aber der Laden wirkt immer unaufgeräumt und ungepflegt. Und ich weiss, dass sich die Mitarbeiter dort auch kaum kümmern, weil es sie schlicht nicht interessiert. 

Und so macht er trotz bester zentraler Lage weniger Umsatz...

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
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Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @lucan-7

@chai 

Je nach Einzelhandel geht man halt dorthin, wo man grad vorbeikommt. 
Ich käme nicht auf die Idee, zum Aldi in den Nachbarort zu fahren, weil der evtl. einen netteren Filialleiter hat. Nee, ich geh zu dem, der mir auf der Strecke liegt, die ich sowieso fahren muss. 

Manchmal sieht man aber schon klare Unterschiede. Wir haben hier vor Ort einen Supermarkt, in den ich so gut wie nie gehe... hat zwar mehr oder weniger die gleiche Ware wie die anderen Märkte zu mehr oder weniger den gleichen Preisen oder sogar günstiger - aber der Laden wirkt immer unaufgeräumt und ungepflegt. Und ich weiss, dass sich die Mitarbeiter dort auch kaum kümmern, weil es sie schlicht nicht interessiert. 

Und so macht er trotz bester zentraler Lage weniger Umsatz...

Ja, und ist der Chef jetzt männlich oder weiblich?

Wenn ich könnte wie ich wollte und nicht zu faul oder zu energiesparend (meine Energie und die Energie vom Auto) wäre, würde ich aus Sympathiegründen prinzipiell alles beim Edeka im Nachbarort einkaufen. Aber dazu müsste ich halt gezielt dorthin fahren und könnte nicht auf dem Weg von oder zur Arbeit schnell beim Rewe oder Aldi vorbeifahren und dort meine Siebensachen mitnehmen. 

Dazu kommt ja auch der Faktor, dass der Markt an Einkaufsmärkten bei uns ziemlich gesättigt ist. Wenn zwischenzeitlich jeder Ort im Umkreis einen Aldi, einen Lidl und einen (oder gar zwei) Rewe-Märkte hat, geht man halt einfach da einkaufen, wo es am einfachsten und am praktischsten ist. Und logischerweise werden dann die Stücke vom Umsatz-Kuchen für die einzelnen Märkte kleiner.
Einkaufen ist ja kein Erlebnis, sondern eine Notwendigkeit.
Und von daher bräuchten die auch nicht alle Naslang ihre Märkte umbauen, um mein 'Einkaufserlebnis' zu verbessern - die sollen einfach logisch aufgebaut sein und alles da haben, was ich so brauche. 

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@chai 

Ja, und ist der Chef jetzt männlich oder weiblich?

In dem Fall weiss ich das gar nicht, wer da momentan Chef ist...

Aber es geht ja um ein bestimmtes Verhalten. Und andere Menschen niederzumachen, ist halt ein typisches, "toxisches" männliches Verhalten das leider immer wieder zum Vorbild genommen wird und das ich in seiner negativen und schädlichen Form auch so erlebt habe. Und das muss nicht, kann sich aber sehr wohl auch negativ auf einen ganzen Betrieb auswirken - bis hin zu Umsatzeinbussen.

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

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@lucan-7 Irgendwie leuchtet mir Dein Beispiel nicht ein. 
Natürlich kann sich alles mögliche negativ auf einen Betrieb auswirken, aber eine zickige Chefin ist auch nicht besser. 

Wie erwähnt - in unserer Ecke gibt's so viele Märkte und Discounter, dass es viele Kriterien gibt, nach denen man sich den Markt der Wahl aussuchen kann. Standort (liegt's auf dem Weg zur Arbeit oder zum Kindergarten), Parkplatzangebot (überdachtes Parkhaus ist super im Winter und auch im Sommer), Sortiment (der Rahmspinat von Aldi schmeckt u.U. besser als der von Lidl), Angebote der Woche (und wenn man schon mal da ist, nimmt man den Rest halt auch dort mit). ...

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@chai 

Irgendwie leuchtet mir Dein Beispiel nicht ein. 

Muss es ja auch nicht.

Ich habe es erlebt, was toxische Chefs einerseits und konstruktive Chefs andererseits für einen Unterschied machen können... nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für den Erfolg des Betriebes.

Mehr wollte ich hier gar nicht sagen.

 

 

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich habe es erlebt, was toxische Chefs einerseits und konstruktive Chefs andererseits für einen Unterschied machen können...
nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für den Erfolg des Betriebes.

Mehr wollte ich hier gar nicht sagen.

Jo. Aber was hat das jetzt mit dem Geschlecht zu tun? 

Es gibt toxische Chefs und toxische Chefinnen, ebenso gibt's angenehme Personen auf beiden Seiten. 
Schlimm wird's, wenn jede persönliche Identitätskrise zur großen Sache werden muss. 

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@chai 

Jo. Aber was hat das jetzt mit dem Geschlecht zu tun? 

Weil ich es immer wieder erlebe, dass dieses Erniedrigen anderer Leute oft als vermeintliche "Stärke" und damit als "typisch männliche" Eigenschaft betrachtet wird.

Ich erlebe das immer wieder gerade bei Jugendlichen. Und ja, das betrifft auch Mädchen, auch die erniedrigen Andere... aber sie betrachten das nicht als "typisch weiblich".

Und ich denke, das ist schon ein Unterschied.

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@lucan-7 Es gibt einen Unterschied. 

Aber dieses Rumhüpfen zwischen persönlichen Beispielen (weiblicher / männlicher Filialleiter eines Einkaufsladens) und politischen Forderungen ist nicht sehr hilfreich. 
Ich hatte super männliche Chefs und welche, für die Du Dir jedes mögliche Schimpfwort denken kannst. 
Ebenso hatte ich schon weibliche Vorgesetzte, die waren dermaßen zickig, dass ich beschlossen habe, niemals in einem weiblichen Team arbeiten zu wollen. Dass ich jetzt in einem solchen gelandet bin, ist eine andere Geschichte. 

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@chai 

Aber dieses Rumhüpfen zwischen persönlichen Beispielen (weiblicher / männlicher Filialleiter eines Einkaufsladens) und politischen Forderungen ist nicht sehr hilfreich. 

Die Sache stellt sich mir so dar:

Feministen beklagen "toxisches" männliches Verhalten, durchaus zu recht, denn wir haben hier ein Problem. Wenn sich Frauen in einem Land nachts nicht auf die Straße trauen, dann stimmt da etwas nicht.

Manche Männer fühlen sich durch die Vorwürfe angegriffen, und einige davon predigen ein "jetzt-erst-recht-Machismo". Daran orientieren sich dann viele Jugendliche. Dass das nicht nur ein Problem von Jugendlichen ist oder sich auf Familien und Beziehungen beschränkt, sondern auch ganz konkrete Auswirkungen beispielsweise in der Arbeitswelt haben kann, habe ich mit meinen Beispielen zu zeigen versucht.

Einige Grüne haben jetzt versucht, die Lücke hier zu füllen, indem sie die männlichen Klischees aufgreifen, dem ganzen aber eine positive Wendung geben. Und auch da habe ich konkrete Beispiele aus der Arbeitswelt genannt, wie sich so ein Verhalten tatsächlich positiv auswirken kann.

So herum vielleicht ein wenig klarer, worauf ich hinaus wollte?

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

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Veröffentlicht von: @lucan-7

So herum vielleicht ein wenig klarer, worauf ich hinaus wollte?

Irgendwie ein bisschen. 

Aber es ist ein Unterschied, ob sich eine Frau nachts nicht auf die Straße traut oder ob ein Chef / eine Chefin sich blöd benimmt.

Und ich beobachte auch, dass sich das klassische Rollenbild aufgelöst hat und da eine Lücke ist - 'man' weiß, wie ein Mann nicht zu sein hat, aber es gibt auch keinen 'guten' Gegenentwurf. 
Das scheint mir aber ein generelles Problem unserer Zeit zu sein - 'wir' wissen, was 'wir' doof finden, aber irgendwie kriegen 'wir' vieles auch nicht besser hin. 
Biblisch gesprochen - 'sie irrten umher, wie orientierungslose Schafe ohne Hirten' 

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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@chai 

Aber es ist ein Unterschied, ob sich eine Frau nachts nicht auf die Straße traut oder ob ein Chef / eine Chefin sich blöd benimmt.

Ja und nein... ich sehe da schon einen möglichen Zusammenhang. Nicht immer, aber manchmal schon.

 

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @lucan-7

@chai 

Aber es ist ein Unterschied, ob sich eine Frau nachts nicht auf die Straße traut oder ob ein Chef / eine Chefin sich blöd benimmt.

Ja und nein... ich sehe da schon einen möglichen Zusammenhang. Nicht immer, aber manchmal schon.

Heißt? 
Es könnte einen Zusammenhang geben, aber möglicherweise auch nicht?

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@chai 

Heißt? 
Es könnte einen Zusammenhang geben, aber möglicherweise auch nicht?

Wenn Männer glauben, sie könnten sich aufgrund ihres Geschlechts alles erlauben und ihnen gehöre die Welt - dann wirkt sich das sowohl auf deren Führungsstil aus als auch auf die Tatsache, dass Frauen sich nicht mehr auf die Straße trauen.

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@lucan-7 Kann und könnte. 
Das ist schon eine dünne Argumentationskette.

chai antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@chai 

Kann und könnte. 
Das ist schon eine dünne Argumentationskette.

Ich habe eine Menge Männer kennengelernt, die dem Typ "Rücksichtloses Schwein" entsprachen.

Dazu gehört schon eine entsprechende Grundeinstellung, und die wirkt sich halt auf alle Bereiche aus.

 

 

lucan-7 antworten


Chey
 Chey
Beiträge : 1200

Vielleicht sollten wir ein Manifest verfassen  wie Männer sich die GRÜNEN wünschen. 😉 

Jedesmal, wenn sich die GRÜNEN den 12 bis 15 Prozent nähern, werden sie nervös und bringen den Veggiday o.ä., um bloß schnell wieder einstellig zu werden.

VG

Chey

chey antworten
Channuschka
Beiträge : 5441

@lucan-7 

Gibt's den auch als TikTok/Short/Reel ?

Denn der Ausgangspunkt ist ja

Männlichkeit – und wie Influencer aus der „Manosphere“, rechte Politiker und andere sie gezielt definieren wollen.

 

Es soll also ein wichtiger und überfälliger Gegenendwurf geschaffen werden. Das Thema ist in dem was mir so in den Sozialen Medien angezeigt wird gerade durchaus präsent. Nicht überpräsent, sondern so am Rande von anderen Themen. Vermutlich weil ich ein paar Interviews/Potcasts mit Marcant anhört habe und eben er auch auf dieses rechten Rollenbilder hinweist - und das ein Gegenentwurf dazu fehlt. Und als fleißige Leserin von Kommentarspalten (weil ich nicht stundenlang nur zuhören kann und dann eben parallel höre und lese) wird dann durchaus auch gefragt, warum von den anderen Parteien nichts kommt.

Alle sind sich einig, dass da was fehlt. Der Text ist wenigstens mal ein Anfang. Jetzt braucht es eben noch die Form, in der es dort ankommt, wo die Diskussion stattfindet.

 

 

 

Ich musste übrigens hier lachen 

Du kannst Karriere machen oder Hausmann sein, und sogar beides.

Bleiben wir mal realistisch - auch ein Mann muss sich zwischen Karriere und Hausmann dasein entscheiden. ein paar Monate Hausmanndasein in Elternzeit zählt nicht. Und ein paar Jahre aus dem Job raus, ist auch für Männer nicht mit Karriere vereinbar. Und parallel zu einander....ähm...genauso wenig wie seine Partnerin. Karriere als Hausmann und Influenzer wäre vielleicht noch denkbar. Aber auch der Tag eines Mannes hat nur 24h und seine Energie ist beschränkt.

channuschka antworten
5 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@channuschka 

Gibt's den auch als TikTok/Short/Reel ?

Das fehlt wohl noch...

 

Es soll also ein wichtiger und überfälliger Gegenendwurf geschaffen werden. Das Thema ist in dem was mir so in den Sozialen Medien angezeigt wird gerade durchaus präsent.

Es ist ein Thema, gerade für Jugendliche bzw. junge Männer.

Und ich weiss auch, wie sehr soziale Medien da verunsichern können... gerade wenn man als verunsicherter Jugendlicher in die Incel/Manosphere Szene reinrutscht, wo aus zwei extremen und gegensätzlichen Positionen heraus dasselbe toxische Männlichkeitsbild vermittelt wird, in denen Frauen den Männern willig und unterwürfig dienen zu haben und es nur noch um die Wege geht, wie man das als Mann durchsetzen kann... oder was man zu tun hat, wenn die Weiber nicht willig sind.

 

lucan-7 antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 5441

@lucan-7 

Was mir aus einem Interview mit Marcant im Kopf geblieben ist, was AfD (und etwas auch die Linke) von anderen Parteien unterscheidet, das sind die Nicht-Politiker-Influencer, die diese Themen aufgreifen und einerseits die Partei bewerben und andererseits eben auch die Werte vertreten. Und die neben den Politikern eben solche Dinge wie Männlichkeit (aber auch Weiblichkeit) aufgreifen. Es fehlt auch ein Pendant zu den rechten Trad-Wife-Influencerinnen. Wie sieht Weiblichkeit neben einem GRWM (get ready with me) und Sauerteigbrot aus? Wobei ich auch noch nie ein politisches GRWM gesehen habe, dass nicht einen rechten Touch hatte...nicht bewusst zumindest....

(Und ja, das geht über das eigentliche Thema hinaus)

channuschka antworten
Kappa
 Kappa
(@kappa)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1626

@channuschka 

Es gibt unglaublich viele Influenzer ich denke das auch Feministische dabei sind.....? 

kappa antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 5441

@kappa 

Darum geht es doch gar nicht

channuschka antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 5441

Nachtrag:

Auf Insta scheint er tatsächlich selbst zwei Beiträge dazu gemacht zu haben. Leider bin ich nicht auf Insta und kann daher nicht beide anschauen und Julian Joswig hat leider seinen Insta-Kanal nicht mit seiner FB-Page synchronisiert oder läd bei YT hoch. Das muss er von den echten Influencern und Co noch lernen.

channuschka antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1626

@lucan-7 Interessant. Ich denke das es in der Praxis viel stärker durch Familie und Umfeld geprägt wird. 

Wünsche von Parteien oder sowas Haben für sich genommen, wenig Einfluss.

kappa antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@kappa 

Wünsche von Parteien oder sowas Haben für sich genommen, wenig Einfluss.

Jein...

Keiner übernimmt so ein Bild, weil es die "Grünen" sind, genau so wenig wie jemand eine Vorstellung von Männlichkeit übernimmt, weil sie von der AfD propagiert wird.

Aber manche Vorstellung kann einen Nerv treffen, und davon mögen auch jene profitieren, die es vorgestellt haben.

Vielleicht gibt es ja genügend Jungs, die genervt sind von "Machos", die andere fertigmachen, und sich lieber Leute wünschen, die unterstützen und anderen Menschen Raum geben.

Es wäre nun naiv zu denken, dass das jetzt das neue "große Ding" wird - aber vielleicht hilft es hier und da, vielleicht gibt es Anregungen, vielleicht bewirkt es etwas hier und dort.

Das wäre schon etwas wert. Ich werde das bei meinen nächsten Gesprächen mit Jugendlichen auf jeden Fall aufgreifen.

 

lucan-7 antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 5441

@kappa 

Es geht da eher um die "parteinahen" Influencer. Etwas, dass die "Parteien der Mitte" (Grüne, SPD, CDU) nicht haben.

Politiker sind da dann eher ein Beispiel; Die eigentlichen Vorbilder sind diejenigen, die uns eher nicht in die Timeline gespült werden, weil wir schon vom Alter aus der Zielgruppe fallen und selbst ich doppelt so alt bin, wie jenigen, die zeigen, wie Frau oder Mann sein sollten. Die verbreiten die Botschaften.

Es gibt zig Menschen, die dem Text von Joswig zustimmen würden, aber es fehlen etwas diejenigen, die es verbreiten. Und da wo Vorbilder vor allem im Internet gefunden werden, da muss dieses Bild dann auch dort vorkommen.

Es gibt unzählige Content Creator, die dem Text zustimmen, aber das gehört nicht zu ihrem Content und daher werden sie auch nicht als Gegenpol in die Timelines derer gespült, die den Müll aus Manosphäre und AfD sehen. Dafür reicht einmal ein reel dazu eben nicht aus.

 

channuschka antworten
CredoGer
Beiträge : 143

Oha!

Was aus einer kleinen Antwort werden kann.

Es wird Hass und Unfrieden geschürt, nur für den eigenen Standpunkt.

Wenn alles gleich sein soll dann ist mir schleierhaft warum es Männer und Frauen gibt?

Warum hat Gott das so gemacht?

Miteinander war es gedacht so wie ich die Bibel lese.

Alle Menschen sind gleich wichtig egal wie sie nun mal geboren sind.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Ich bin immer wieder überrascht.

 

 

 

rudi antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

Für diesen Beitrag gibt es eine GELBE KARTE 

(Begründung siehe Antwort; mfg fr:-)sch80-mod)

 

@lucan-7 Artikel auf Jesus de   zum Männerbild und Jesus.

https://www.jesus.de/glauben-leben/glaube/der-starke-jesus/?utm_source=webpushr&utm_medium=push&utm_content=news

 

jigal antworten
1 Antwort
frosch80-mod
Moderator
(@frosch80-mod)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 1459

@jigal 

 

Hallo Jigal,

wie oft du schon darauf hingewiesen worden bist, dass du nicht einfach kommentarlos oder fast kommentarlos Artikel posten sollst oder Links dorthin, weiß ich nicht genau, aber einige Male waren es.

Hier dazu aus den Regeln:

 

"11. Darf ich auf sonstige Seiten außerhalb von Jesus.de verlinken? (*)

Ja, wenn diese Links für die Diskussion im Forum wichtig sind. Auch bei Links gilt selbstverständlich unsere Netiquette; ebenso die Erläuterungen zu Fremdsprachen in dieser FAQ.
Bitte stelle Links nicht kommentarlos ins Forum: Links können einen Forenbeitrag ergänzen, sollten aber in aller Regel nicht sein Hauptbestandteil sein."

Die Regeln scheinen dir, so mein Eindruck, der sich in den letzten Monaten mehr und mehr verfestigt hat, ziemlich egal zu sein. In deiner Sprache: sie gehen dir offenbar am Toches vorbei.

Daher jetzt ein klares Stopp-Schild! Drei Gelbe Karten (ich könnte dir auch fünf oder sechs geben, Verstöße gibt es mehr als genug) führen normalerweise zu einer Sperre, die mindestens ein Jahr dauert. Weil die GK jetzt alle auf einmal kamen, hier das Angebot an dich, bereits in drei Monaten anzufragen, ob du wieder am Forum teilnehmen darfst. Bei dieser Anfrage sollte aber bitte eine Erklärung enthalten sein, dass du die Regeln gründlich gelesen hast und bereit bist, sie in Zukunft auch einzuhalten.

Alternativ kannst du dir natürlich auch überlegen, ob du vielleicht besser einen eigenen Blog eröffnest, mit deinen eigenen Regeln. Es könnte sein, dass das zu dem, was dir wichtig ist, besser passt als ein Forum (und das ist ein durchaus ernstgemeinter Gedanke).

 

Freundliche Grüße

fr 🙂 sch 

 

(*) Sollte der Einwand kommen, dass hier ja INNERHALB von jesus.de verlinkt wird (was ich vom Geist der Regeln her für irrelevant halte), der Hinweis, dass es etliche Postings mit Links gibt, die nach außerhalb führen.

 

 

 

frosch80-mod antworten
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