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Kann mir mal jemand erklären,

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hallo,

Meine Kindheit und auch das ganze Leben ist etwas härter ausgefallen, als das vieler anderer Menschen.
Trotzdem denke ich, es gibt auch genug andere, die es auch hart, oder sogar härter hatten.

Seit einigen Jahren mache ich eine Trauma Therapie.
Nun möchte meine Therapeutin, daß ich meine Kindheit betrauere, und mich selbst mehr bemitleide.
Wo soll es mir helfen?
Lande ich da nicht in einem Loch, aus dem ich nicht wieder raus komme?
Auch ist Kindheit usw gelaufen. Es ist nicht mehr zu ändern.

Sicher habe ich mit anderen mehr Mitleid, als mit mir selbst, und deckele Gefühle wie Trauer, Wut, Hass und Schmerz.
Trotzdem kann ich Freude und Glück empfinden.

Kann mir das jemand erklären?

LG Ano

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39 Antworten
Queequeg
Beiträge : 5490

Erfahrung
Ich kann Deine Situation nicht erklären oder Dir den klassischen "guten Rat" geben. Aber ich kann Dir von einer meiner Erfahrungen mit Menschen berichten, die als Kinder traumatisiert wurden.

Nicht immer, aber fast immer, hatten sie ein diffuses oder seltener konkretes Gefühl, selber an allem Schuld gewesen zu sein - was natürlich völlig unzutreffend ist.

Daraus ergab sich dann eine Problematik, die auch in Therapien kaum angesprochen wird: das weitere und noch destruktivere Gefühl, so wie sie als Menschen sind, nicht richtig zu sein, weil sie von Kindheit an nicht sein konnten, was sie waren.

Wenn das bearbeitet werden kann, kann das eine ungeheure Befreiung bedeuten. Eine Frau hatte das so zum Ausdruck gebracht: "Die - die Täter - konnten doch nur an Schale. So wie bei einer Muschel. da haben sie nur die Oberfläche verschandelt, aber selbst die Schale sieht von innen mit ihrem Perlmutt schön aus. Und der wirkliche Schaft, die Perle selbst, das konnten sie überhaupt nicht ran."

Zum Schluss der Therapie hatte sie gesagt: "Es darf gewesen sein". Und damit meinte sie nichts Entschuldigendes oder Zustimmendes. Sie meinte ganz einfach, dass sie mit jedem Recht der Welt ist, wer sie ist, völlig gleichgültig, was in ihrer Kindheit war.

queequeg antworten
1 Antwort
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Danke für Deine Antwort!

Ich hatte schon vor Jahrzehnten Aha-Erlebnisse dazu, daß das, was mir meine Eltern einredeten nicht stimmte.
Z.B. behaupteten sie, sie streiten sich nur wegen mir.
Ich wohnte schon im Internat, kam nach Hause, und hörte schon von weitem den Streit meiner Eltern.
Auch hatte ich geschickte Hände, und war kreativ, habe das hin bekommen, was andere nicht geschafft haben.
Und ja, wenn ich mich auch von meinen Eltern nicht geliebt gefühlt habe, hatte ich doch immer Menschen um mich, die mich mochten.
Sicher fühlte ich mich in eine kalte Welt ausgesetzt, durch eine schlimme Krankheit kam ich zu der Entscheidung, daß ich leben will, in dieser Welt.

Veröffentlicht von: @queequeg

....das weitere und noch destruktivere Gefühl, so wie sie als Menschen sind, nicht richtig zu sein

Ich war eben da, und wollte leben. Ob ich richtig bin oder nicht, war mir egal.
Aber das ist alles schon Jahrzehnte her.

LG Ano

Anonymous antworten


franan
 franan
Beiträge : 109

Hallo Anonyma

Genau diese Frage musste ich mir vor einigen Jahren auch stellen.

Heute bin ich froh, dass ich den Prozess durchgemacht habe. Man kann nicht abschliessen, wenn man eine Abkürzung nimmt.

Ich bin sehr gut darin, andere zu bemitleiden, mich um sie zu sorgen oder wütend zu werden über die Ungerechtigkeit, die anderen angetan wird/wurde. Aber was mich selber betrifft, lasse ich das Ganze ausser Acht.

Um wirklich frei zu werden von den traumatischen Erlebnissen und vor allem von den Trigger-Momenten und -Erlebnissen, musste ich den Prozesse vollständig durchmachen. Es machte mir Angst, aber es hat sich gelohnt. So konnte ich das Erlebte abschliessen, weil ich das fühlte, was ich in jenen Momenten nicht fühlen konnte/durfte. Ich konnte mit Zorn und Trauer reagieren, wo mir Unrecht getan wurde. Ich durfte wütend auf Menschen sein. Vergebung war danach erst möglich. Und ich durfte lernen, dass meine Grenzen von niemandem jemals wieder übertreten werden dürfen. Dazu konnte ich Strategien erarbeiten, die mir heute enorm helfen. Im ganzen Prozesse erlebte ich Trost und Mut, ja sogar Freude und Glück, weil Gott über den ganzen Details gewacht hatte!

Ich glaube, dass Gott uns heilt, davon bin ich hunderprozentig überzeugt. Aber für einige von uns ist ein Prozess nötig. In meinem Prozess drin habe ich erlebt, dass Gott jederzeit an meiner Seite stand. Mir hat es geholfen zu fragen: Wo war Jesus, als ich dies oder jenes erlebt hatte. So habe ich Gott von einer ganz neuen Seite kennen gelernt. Und ich bin nicht daran zerbrochen, meine Ängste haben sich nicht bewahrheitet. Ich bin gestärkt und befreit daraus hervorgegangen.

Dafür braucht man professionelle Begleitung, manchmal sogar Medikamente. Und nie vergessen: Gott ist immer da, jederzeit.

Wenn wir in einen solchen Prozess starten, dann schauen wir nicht rückwärts sondern arbeiten an unserer Zukunft. Und zwar nachhaltig.

Ich wünsche dir Mut, Kraft, Trost, Gelassenheit und Vertrauen!

franan antworten
6 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Hallo franan,

danke für Deine Antwort.

Veröffentlicht von: @franan

Ich bin sehr gut darin, andere zu bemitleiden, mich um sie zu sorgen oder wütend zu werden über die Ungerechtigkeit, die anderen angetan wird/wurde. Aber was mich selber betrifft, lasse ich das Ganze ausser Acht.

Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Veröffentlicht von: @franan

Mir hat es geholfen zu fragen: Wo war Jesus, als ich dies oder jenes erlebt hatte

Vor Jahren hat es mir mal geholfen, daß Jesus selbst fast jegliche Art von Leid und Schmerz durchlebt und durchlitten hat.
Aber zu fragen, wo warst du? ist mir doch etwas zu heftig, weil sich dann auch gleich die Frage anschließt: warum hast du es zugelassen.

Veröffentlicht von: @franan

Dafür braucht man professionelle Begleitung

Das ist der Punkt, wo ich es als schade empfinde, daß meine Thera nicht an Jesus glaubt.

Veröffentlicht von: @franan

Ich wünsche dir Mut, Kraft, Trost, Gelassenheit und Vertrauen!

Dake, Dir auch!

LG Ano

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franan
 franan
(@franan)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 109

Liebe Ano

Mein Therapeut hat auch nicht an Jesus geglaubt. Aber er war sein Werkzeug. Ich habe immer wieder gebetet, dass er von Jesus geführt wird. Und ich habe viele Bestätigungen erhalten in meinem Alltag. Bibelstellen, die sich auf Themen bezogen haben, die wir besprochen haben, Bilder, Erlebnisse usw. Es war eine sehr spannende Zeit. Und mein Therapeut wusste Bescheid über meinen Glauben, fand es selber spannend, wie sich alles gefügt hat.

Die Frage "Warum hast du das zugelassen" kann ich bis jetzt nicht beantworten. Aber inzwischen bin ich an dem Punkt angelangt: Was mir zugestossen ist und was ich verarbeiten konnte, macht mich zu der Person, die ich heute bin. Ich bin stärker, lebe bewusster, entscheide für mich selber und lasse mir nicht mehr "in mein Universum kotzen", wie das mein Therapeut so oft gesagt hat. Ich werde Jesus dann mal fragen, weshalb ich das alles erleben musste, diese Antwort schuldet er mir noch! 😉

franan antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Hallo Du,

nochmals danke!

Veröffentlicht von: @franan

Und mein Therapeut wusste Bescheid über meinen Glauben

Auch meine weiß, daß ich glaube, hat sich aber vor Jahren vom christlichen Glauben abgewandt.
Aber das ist ihr Problem, nicht meins.
Sie respektiert meinen Glauben, und ich ihren.

Veröffentlicht von: @franan

Aber inzwischen bin ich an dem Punkt angelangt: Was mir zugestossen ist und was ich verarbeiten konnte, macht mich zu der Person, die ich heute bin.

Das ist auch seit Jahrzehnten meine Einstellung.
Und ich war ausgeliefert, ich war nicht Täter.
Heute bin ich nicht mehr ausgeliefert, kann selbst handeln und bestimmen.

Veröffentlicht von: @franan

"Warum hast du das zugelassen"

Ich sage mir, es waren Menschen, die über gut und böse bescheid wußten. Mag sein, sie waren selbst überfordert oder mal Opfer.

LG Ano

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franan
 franan
(@franan)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 109
Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Ich sage mir, es waren Menschen, die über gut und böse bescheid wußten. Mag sein, sie waren selbst überfordert oder mal Opfer.

Vermutlich ist das genau der Punkt. Und wir können mit unserer Aufarbeitung dafür sorgen, dass wir nicht auch zu Tätern werden.

Alles Gute dir!

franan antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Danke.

Veröffentlicht von: @franan

Alles Gute dir!

Dir auch!

LG Ano

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franan
 franan
(@franan)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 109

Danke 😊

franan antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Liebe Ano

Ich war über mehrere Jahre in Traumatherapie und gehe noch sporadisch, weil meine Kindheit nicht so gelaufen ist, wie es gut gewesen wäre.

Früher habe ich keine Trauer empfunden. Es wäre mir auch gar nicht in den Sinn gekommen. Stattdessen war da u.a. Schmerz, Einsamkeit, und immer das Gefühl und die Überzeugung, selbst schuld zu sein.

Das Gefühl von Trauer kam erst irgendwann im Verlauf der Therapie auf und auch erst, nachdem ich generell erst mal gelernt hatte, Gefühle nicht nur abzutöten, sondern auch zuzulassen, ohne mich dafür zu verurteilen oder zu bestrafen.

Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich dann sehr intensiv und andauernd Trauer und Schmerz empfand. Mittlerweile ist das wenig geworden. Aber es gibt Momente oder Situationen, wo Trauer in mir aufsteigt. Weil meine Kindheit eben so war, wie sie war, weil ich als Jugendliche mehr überlebte anstatt mein Leben entfalten zu können, weil ich vieles im menschlichen Miteinander nicht lernen konnte und heute noch Schwierigkeiten damit habe, weil....

Durch die traumatischen Erfahrungen wurde mir vieles genommen oder vorenthalten. Das prägte mein ganzes bisheriges Leben und prägt es wahrscheinlich bis an mein Lebensende.

Eben neulich war ich wieder bei der Therapeutin und Trauer war auch Thema. Und sie sagte, was sie schon oft gesagt hatte, dass es gilt, über das zu trauern, was mir verwehrt, was kaputt gemacht wurde, um es dann auch loslassen zu können.

Es hat auch mit Wertschätzung mir selbst gegenüber zu tun, wenn ich über Verlorenes in meiner Kindheit/Jugendzeit trauere.

Trauer ist ein Prozess, der verschiedene Phasen hat, der auch durch Tiefen geht, der aber auch durchlaufen und "abgeschlossen" werden kann. Ich erlebe das so bei mir, dass ich heute zwar noch immer wieder Trauermomente erlebe, aber nicht mehr in dieser Intensität wie auch schon.

Liebe Grüsse
auch Ano

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1 Antwort
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Hallo auch Ano,

danke für Deine Antwort!

Viel Kraft Dir weiterhin!

LG Ano

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Nun möchte meine Therapeutin, daß ich meine Kindheit betrauere, und mich selbst mehr bemitleide.

Das war bei mir der Punkt, an dem ich die Therapie abgebrochen habe.
Das kam und kommt für mich überhaupt nicht in Frage.

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Auch ist Kindheit usw gelaufen. Es ist nicht mehr zu ändern.

Eben. Wat war is jewesen, sagt der Rheinländer. Ist nicht mehr zu ändern.

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Sicher habe ich mit anderen mehr Mitleid, als mit mir selbst, und deckele Gefühle wie Trauer, Wut, Hass und Schmerz.

Das mache ich auch so. Ich versuche, solchen Gefühlen nicht zu viel Raum zu geben und sie vor allem nicht an Menschen auszulassen, die damit nichts zu tun haben. Klappt dank Verhaltenstherapie ganz gut.
Die hat bei mir übrigens gute Resultate erzielt - und kam mir auch sonst sehr entgegen.
Man vereinbart realistische und erreichbare Ziele und wenn die erreicht sind, endet die Therapie und man geht wieder seiner Wege.
Man bekommt kein neues Leben, aber das Leben, das man hat, wird erträglicher.

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1 Antwort
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Hallo Ano,

danke für Deine Antwort.

Veröffentlicht von: @anonyma-e1712e838

Das war bei mir der Punkt, an dem ich die Therapie abgebrochen habe. Das kam und kommt für mich überhaupt nicht in Frage.

Na, dann bin ich ja mit meinem Problem nicht allein.

Veröffentlicht von: @anonyma-e1712e838

Man vereinbart realistische und erreichbare Ziele und wenn die erreicht sind, endet die Therapie und man geht wieder seiner Wege.

Meine Thera ist allround.
Teile von der Verhaltenstherapie hat sie auch im Programm.
Auch hat sie einen FA für Innere Medizin.
(Ich habe verschiedene Baustellen, da ist das ganz gut.)

Veröffentlicht von: @anonyma-e1712e838

Man bekommt kein neues Leben, aber das Leben, das man hat, wird erträglicher.

Ich denke, in einer Therapie bekommt man nie ein neues Leben, man kann nur in seinem eigenen Leben. Verliert Ängste und ein paar Macken, bekommt neue Verhaltensmuster gezeigt, kann da auch mal was ausprobieren.
Über die Zeit mit Ihr habe ich mich schon verändert. Dank Ihr habe ich keine Panikattacken mehr.

Viel Kraft au Deinem Weg!

LG Ano

Nachtrag vom 26.09.2019 1004
sollte #auf# Deinem Weg heißen.

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szia
 szia
Beiträge : 1

Liebe Ano,
stört dich vielleicht einfach die Aufforderung dich selbst "mehr zu bemitleiden"?
Zumindest mir fiel es sehr schwer, die kleine Szia anzuschauen und stehen zu lassen in ihrem Erleben, als Baby und Kind nicht ausreichend versorgt worden zu sein von den Eltern.

Es geht hier um das große Thema "Bindung" (intensiver als Beziehung, da es sich um einen Austausch auf seelischer Ebene handelt). Kommt es in der Erstbindung (an die Eltern, insbesondere an die Mutter), zu Störungen, aus welchem Grund auch immer, hat das Folgen. Im Idealfall erlebt ein Kind bei den Eltern Geborgenheit, Sicherheit, Versorgung, Schutz und entwickelt so ein Urvertrauen ("Ich fühle mich verstanden und angenommen", "Es lohnt sich zu leben"). Daraus folgt die Bejahung der eigenen Existenz. Erlebt ein Kind dagegen früh Enttäuschungen und einen Mangel an Liebe und Zuwendung, kann es dieses Urvertrauen nicht entwickeln.
Die Folgen sind weitreichend. Es entstehen Zweifel (Selbstzweifel, Zweifel an der Zuverlässigkeit anderer, Zweifel am Sinn überhaupt, der Welt, des Lebens, der Existenz).
Diese sogenannten Bindungsstörungen/-verletzungen haben häufig gravierende Folgen für den Lebensweg eines Menschen, auch als Erwachsener.

Die gute Nachricht: Gott wünscht sich eine Bindung zwischen Ihm und mir, er möchte mir Erstattung schenken, also das geben, was mir noch fehlt aufgrund meiner "unsicheren Bindung". Er möchte mir eine stabile Identität schenken.

Heilung geschieht jedoch nicht auf Knopfdruck oder (nach meinem Verständnis) durch ein kopflastiges Abgeben meiner Schwierigkeiten am Kreuz. Es ist ein Prozess. In diesem Prozess durchlaufe ich wie bei der Trauerarbeit verschiedene Stufen. Schock - Abwehr - Wut, Aggression - Depression - Trauer - Tod.
Diese Trauerarbeit ist jedoch nur möglich, wenn ich mich dem "Bindungsschmerz" stelle, dem Bewusstsein, dass mir in meiner Entwicklung etwas Entscheidendes gefehlt hat. Dieser Schmerz löst meist einen Fluchtreflex aus, kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Doch eine Heilung ohne das Zulassen von Gefühlen wie Wut und Empörung und Trauer kann (aus therapeutischer Sicht) nicht stattfinden. Mir hat hier die Aussage geholfen (einer christlichen Traumatherapeutin), dass Wut und Empörung schlicht die angemessenen Gefühle für das sind, was mir passiert ist, nämlich, dass ich, Szia, vernachlässigt wurde.
Bei der Trauerarbeit können übrigens die Psalmen helfen oder das Schreiben eines Briefes.
Nach diesen Stufen kommt es zu einem Neuanfang.

Mir wurde auf meinem Weg klar, dass Heilung nicht im Denken bestehen kann. (Mein Weg ist noch nicht abgeschlossen.) Der Heilungsprozess beinhaltet das Realisieren, dass etwas Wichtiges in meiner Entwicklung gefehlt hat. Ich darf mich den verschiedenen Gefühlen auf den Stufen des Heilungsprozesses stellen. Am besten übrigens durch Malen oder Schreiben, nicht durch reines Nachdenken. Erst dann kann ich aus meinen Mustern ausbrechen, die unbewusst aus meinem frühen Erleben entstanden sind.
Also:

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

mich selbst mehr bemitleide

Finde ich blöd ausgedrückt. Ich würde es als Aufforderung verstehen, hinzuschauen, dass in meiner Kindheit eben dies und das (was halt bei dir schlecht lief) schlecht lief. Und zu realisieren, dass das etwas mit mir gemacht hat, und zwar nichts Gutes. Ich habe schließlich einen Mangel erlitten oder noch Schlimmeres.

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Wo soll es mir helfen?

So komme ich an den Schmerz ran, der sich ja, ob mir das nun bewusst ist oder nicht, sowieso in meinem Leben auswirkt.

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Lande ich da nicht in einem Loch, aus dem ich nicht wieder raus komme?

Dafür gibt es ja die verschiedenen Stufen dieses Heilungsprozesses, der von deiner Therapeutin begleitet wird. Mir hilft das Bewusstsein, dass die kleine Szia verletzt wurde und dem hilflos ausgeliefert war, dass ich heute aber erwachsen bin und damit handlungsfähig in der Gegenwart.

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Auch ist Kindheit usw gelaufen. Es ist nicht mehr zu ändern.

Stimmt. Doch an den Folgen leidest du heute noch und das kannst du ändern.

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Sicher habe ich mit anderen mehr Mitleid, als mit mir selbst, und deckele Gefühle wie Trauer, Wut, Hass und Schmerz.
Trotzdem kann ich Freude und Glück empfinden.

Das kommt sehr häufig vor bei Bindungsstörungen. Entschuldige die platte Aussage. Macht ja auch Sinn, denn aus der Verletzung in der Kindheit ist zumindest bei mir der Eindruck entstanden, dass ich nicht so viel wert bin wie andere und mir daher kein Mitleid zusteht oder zumindest verdienen andere natürlich mehr Mitleid als ich. Ich wollte mich auch nicht als Opfer sehen, das hat so einen faden Beigeschmack.
Freu dich daran, dass du Freude und Glück empfinden kannst und genieß es.

Soweit, ich wünsche dir Mut für deinen Weg, Gottes Beistand ist dir sicher,
Szia

szia antworten
1 Antwort
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Danke für Deine Antwort!

Anonymous antworten


Erz
 Erz
Beiträge : 50

Hallo Anonyme,

Veröffentlicht von: @anonyma-9cedebbcf

Nun möchte meine Therapeutin, daß ich meine Kindheit betrauere, und mich selbst mehr bemitleide.

Warum fragst Du nicht die Therapeutin, was das helfen soll?
Anmerkung: Therapeuten dürfen hinterfragt werden. Du machst das. Gut so.

cheers
Erz

erz antworten
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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Ich habe sie schon gefragt. Die Antworten kamen hier schon, die sie mir gesagt hat.

LG

Anonymous antworten
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