Benachrichtigungen
Alles löschen

Nachbarin- brauche euren Rat

Seite 2 / 3

Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1894

Ich wohne in einem Mietshaus, 2 Etagen, pro Eingang 5 Mieter. Nebenan ist ebenfalls ein Mietshaus, ähnlich gebaut. Dort kenne ich einen 78-jährigen Nachbarn recht gut, dem ich auch öfters helfe. Im Flur ihm gegenüber wohnt eine Frau. Bei ihr läuft seit einem halben Jahr der Briefkasten über und der ältere Herr regt sich darüber auf.

Selbst habe ich diese Frau vor ca 1,5 Jahren zuletzt draußen gesehen. Damals war sie schon extrem dünn (vermutlich Magersucht) und hatte einen kleinen Hund, den sie ausführte. Dann sah ich sie mit 2 kleinen Hunden, dannach eine andere Frau, die diese Hunde ausführte. Die  Nachbarin selbst habe ich nicht mehr gesehen.

Der 78-jährige erzählte mir, dass von ca 7 Monaten die Mieterin über der Frau in der Nacht Hilferufe aus der Wohnung gehört hatte und die Polizei gerufen hatte. Die Polizei hatte dann auch bei ihm geklingelt und nach ihr gefragt, nachdem sie nicht auf die Polizei reagiert hatte. Die Polizei hat wohl daraufhin die Fensterscheibe der Haustür eingeschlagen, was weiter passierte, ist unklar. Die Scheibe war sehr lange zerschlagen. Seitdem hat sie ihren Personalausweis ans Fenster geklebt. Außerdem stehen auf der Fensterbank draußen vor ihrem Fenster Klopapierrollen und weitere Sachen.

Vor zwei Wochen hat ein anderer Nachbarin Haus bei ihr geklingelt, weil ihre Post inzwischen aus dem Briefkasten fällt und im Treppenhaus herumliegt. Sie habe nicht geöffnet, aber gesagt, das dies so OK sei.

Heute habe ich von einer weiteren Nachbarin, einer Hundebesitzerin erfahren, dass diese dünne Frau hat ihre Hunde hat verhungern lassen. Dies wisse sie von der Schwester der dünnen Nachbarin. Bei dem Gespräch war auch die Nachbarin über der Wohnung der dünnen Frau, die damals die Polizei gerufen hatte und den überlaufenden Briefkasten ebenfalls beklagte. Ich habe ihnen gesagt, dass sie beim Sozialdienst der Stadt anrufen sollen und den Sachverhalt schildern sollten.

Alle Nachbarn im selben Flur sehen also, dass es ein Problem gibt, reden darüber, aber keiner tut was. Ebenso offenbar andere Nachbarn und auch die Polizei ist informiert.

Ich selber wohne von der Problemperson am weitesten weg und bekomme von ihr nichts mit, außer dass ich mich über die Klopapierollen vor ihrem Fenster gewundert habe. Ich befürchte, dass sich diese Frau in ihrer Wohnung, die sie seit ca. 1 Jahr nicht mehr verlassen hat, zu Tode hungert. Es gibt keine Anzeichen, dass ihr Lebensmittel geliefert werden oder sie irgendeinem Menschen öffnet.

Nach dem Gespräch heute, überlege ich, ob ich morgen den Sozialdienst anrufe. Aber irgendwie bin im Leben immer ich diejenige, die etwas unternimmt, wenn solche Dinge in meinem Umfeld auftreten. Eigendlich hatte ich beschlossen, mich nicht mehr um Dinge zu kümmern, die mich nicht unmittelbar betreffen, weil das meist nur Arbeit und Ärger macht. Schließlich wissen 4 Nachbarn im selben Haus um das Problem und die Polizei auch.

Was meint ihr - soll ich mich kümmern?

Antwort
39 Antworten
Jigal
 Jigal
Beiträge : 5224

Zuständig wäre eigentich das Ordnungsamt. Was für ein Sozialdienst soll sich denn da kümmern.  Stellen für Pflegeberatung / Pflegestützpunkte sind nicht dafür zuständig.  Jeder Mensch hat ein Recht auf Verwahrlosung.Das Ordnungsamt müsste eine Selbstgefährdung feststellen, sonst wird da nichts gemacht.

jigal antworten


Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1894
Veröffentlicht von: @ga2

Was meint denn Gott dazu?

Und wenn er meint, du solltest dich kümmern, hat er dann auch Vorschläge, wie das geschehen kann? Wie sähen die aus? 

Den habe ich ich nicht gefragt, weil er bloß geantwortet hätte "Was für eine dumme Frage?"

Ich bin von Beruf Sozialpädagogin und weiß daher im Gegensatz zu den Nachbarn, wie die Situation zu beurteilen ist und an welche Stelle ich mich wenden muß.

Veröffentlicht von: @jack-black

Aber moralisch verpflichtet bist Du dazu in meinen Augen nicht.

Fühle ich mich aber. Wahrscheinlich wegen meines Berufes.

Veröffentlicht von: @derelch

Hast du schon mal offensiv mit deinem Bekannten geredet, ob sie nicht was unternehmen wollen? Haben Sie schon mal den Vermieter in Kenntnis gesetzt?

Der bekannte 78 jährige Nachbar bittet mich selber ständig um Hilfe, weil er mit seinem Papierkram und Handy nicht zurechtkommt. Hab ihm in den letzten 4 Monaten mehrfach gesagt, dass er aktiv werden soll- hat er aber nicht gemacht.

Also bin ich heute doch aktiv geworden. 

1. Liegt Handlungsbedarf vor?

Habe die Gegenstände auf ihrer Fensterbank näher besichtigt (Besteck, Batterien und vieles mehr.) Ans Fenster war ein Brief von der Krankenkasse geklebt, dass sie bei der AOK versichert sei. Bei allen anderen Fenstern sind die Vorhänge seit Monaten geschlossen. Die Glasscheibe an ihrer Haustür ist weiterhin eingeschlagen und mit Pappe hinterklebt.

Die herausquellende Post im Briefkasten angesehen, ob es sich um Werbung oder Wichtiges handelt (nein- nicht geöffnet! Postgeheimnis!). Vier förmliche Zustellungen vom Jobcenter, die älteste vom November letzten Jahres, sowie weitere Jobcenterpost, Vermieter, Stadtwerke. Es waren noch weit mehr Briefe im Briefkasten, ich hab mir nur die ersten 24 Briefe angesehen, die quasi oben herausquollen.

Es besteht also Handlungsbedarf wegen der förmlichen Zustellungen seit mind. Nov. 2024. Habe dann alle Briefe wieder sorgfältig in den Briefkasten gesteckt, damit der Postbote wieder Platz hat.

2. Beim Sozialdienst angerufen

Veröffentlicht von: @ga2

Du scheinst negative Erfahrungen mit dem Kümmern um andere gemacht zu haben, was dich jetzt grundsätzlich davon abzuhalten scheint, dich in überhaupt etwas involvieren zu lassen. 

Nein, bloß sind Behörden sehr widerspenstig und unmotiviert und delegieren die Arbeit zurück. 

So auch heute. Ich erreichte den Sozialdienst, die Mitarbeiterin erklärte mir, dass sie grade zu einem Hausbesuch unterwegs sei, wollte erstmal die Adresse, ob sie überhaupt zuständig sei. Sie hörte kaum zu, meinte ich solle bei der Nachbarin klingeln, wenn keiner aufmache solle ich die Polizei rufen, weil Gefahr in Verzug, sie könne auch nix machen. Wenn die Nachbarin aufmache, solle ich festellen, ob diese offensichtlich verwirrt sei und wieder anrufen. Gespräch beendet.

Also habe ich todesmutig bei der Dame geklingelt. Diese öffnete ihr Badezimmerfenster, mit Maske vor dem Gesicht. Erklärte, dass sie chronische Grippe hätte, im Wechsel mit Covid. Auf die Post angesprochen meinte sie, dass "man " ihr versprochen hätte, dass jemand vorbeikäme und die Post herausnähme. Es sei alles geregelt.  Ich fragte, wer ihr das gesagt habe. Sie antwortete, das könne sie nicht sagen. Sie dürfe das nicht verraten (...)

Hab sie gefragt, ob sie Hilfe bräuchte, z.B. beim Einkaufen und ob sie genug zu Essen hätte. Sie erklärte, sie würde früh am Morgen einkaufen gehen, wenn noch keine Menschen unterwegs seien. Ansonsten sei sie in einer Frauenberatungsstelle, mit Jobcenter und Vermieter sei alles geregelt. Es würde jemand kommen, der die Post holen würde. Dies wiederholte sie öfters. Hab sie noch auf die Möglichkeit eines gesetzlichen Betreuers hingewiesen.

Fazit: Sie lebt- keine Selbstgefährdung- das ist schon mal gut.

Ob sie offensichtlich verwirrt ist, weil sie behauptet, dass "jemand käme und die Post abhole" werde ich nicht mit der unmotivierten Sozialarbeiterin vom Sozialdienst ausdiskutieren. (Nach meiner Einschätzung schon) Ebenso, dass sie nur mit Maske über ihr Fenster kommuniziert und eine "chronische Grippe" hat.

Zur Sicherheit habe ich den Mitarbeiter der Vermieter- Genossenschaft angerufen. Dem war der Fall schon bekannt, auch sie hätten schon Kontakt aufgenommen. Die Mieterin würde die Tür nicht öffnen, sondern nur über das Fenster kommunizieren. Sie behalten den Fall weiter im Blick, aber nett, dass ich mich gekümmert habe.

Also wird spätestens etwas passieren, wenn das Jobcenter wegen der fehlenden Reaktion nicht mehr die Miete überweist- denke ich mir.

Veröffentlicht von: @jack-black

Mich beschäftigen nach Deiner Erzählung vor allem die verhungerten Hunde. Da hätte eingeschritten werden müssen, sei es von den Nachbarn, sei es von der Frau, welche die mal Gassi führte (also definitiv wußte, was los war), denn da handelte es sich um einen klaren Fall von Tierquälerei.

Das hat mich auch geschockt. Da ich weder die Gassigeherin, noch die Hunde seit vielen Monaten gesehen habe, scheint was an der Geschichte dran zu sein.

Veröffentlicht von: @goodfruit

@murphyline Vielleicht mal ne Karte mit "Jesus liebt Dich" unter die Tür durchschieben?

Süße Idee, aber sie liest ja keine Post.

 

Mission beendet. Ich habe meine Bürger und Christenpflicht erfüllt.

Vielen Dank für eure Antworten.

murphyline antworten
3 Antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 1375

@murphyline 

Den habe ich ich nicht gefragt, weil er bloß geantwortet hätte "Was für eine dumme Frage?"

Das weißt du also? Interessant… oder ist es nicht eher das, was dir dein Verstand bzw. deine Ausbildung und berufliche Erfahrung vorgibt?

Ich lehne mich jetzt mal etwas weit aus dem Fenster und entschuldige mich schon mal im Voraus.

Es ist schon praktisch, dass man Verantwortung für seine Nächsten in Deutschland scheinbar inzwischen komplett an staatliche Stellen delegieren kann.  Nur schade, dass der Staat nicht genug Kapazitäten hat, sich um alles zu kümmern oder der Staat/die Leute in den Ämtern, nicht willens zu sein scheinen, die BürgerInnen von sämtlicher mitmenschlicher Fürsorge zu entlasten…ironieoff

Es ist sicherlich gut, dass du durch deinen Beruf einen Überblick hast. Aber irgendetwas fehlt mir bei deinen Schilderungen, tut mir leid. 

Ansonsten sehe ich in der Beschreibung deiner Nachbarin eine intelligente Frau, die Angst zu haben scheint und die alle möglichen Versuche unternimmt, dass man sie trotz aller ihrer Ängste und Einschränkungen in Ruhe lässt. Die vielleicht Angst vor einer Zwangseinweisung hat oder Angst ihr Zuhause zu verlieren, Angst, dass andere über sie bestimmen, in ihre Privatsphäre eindringen. Eine Frau, in deren Leben etwas aus den Fugen geraten ist und die das alleine nicht hinbekommt. Aber jeder größere Eingriff durch Fremde von außen, wird ihr mit Spucke und Pappe zusammen gehaltenes Gleichgewicht vermutlich zum Einsturz bringen. Und ich frage mich, ob es möglich ist, dass, wenn das einem Menschen in höherem Alter passiert, dieser Mensch so einen Einsturz noch überwinden kann und ob es nicht sanftere Möglichkeiten der Hilfe gibt, die von Liebe und Empathie geleitet sind? 

Sei es, dass man versucht, bei empörten Nachbarn zu vermitteln , wenn die sich über den vollen Briefkasten ärgern, dass ein freundlicher Nachbar zuviel gekocht hat und ihr die Möglichkeit! gibt, zu wählen, einen Teil davon anzunehmen oder man ihr anbietet, in einer Tüte einen Teil ihrer Post zu ihrer Wohnung zu bringen. Damit werden die Briefe zwar noch nicht geöffnet oder gar gelesen, aber die Hemmschwelle, der Stress, die Wohnung verlassen zu müssen, fällt schon mal ebenso weg wie der Ärger der Nachbarn über die „Unordnung“.

Dass diese Wege „Erfolg“ haben, ist nicht gesagt, aber vielleicht erfährt diese Frau so etwas Liebe und Entlastung. Und Liebe kann einiges bewirken und Angst nehmen. 
Es ist sicherlich gut, dass du einige Abfragen gestartet hast und ihr selbst die Möglichkeit einer Betreuung zur Unterstützung aufgezeigt hast. Nur gehört dazu auch Mut und Überwindung, so etwas in Anspruch zu nehmen, ist es ja auch ein Eingeständnis, etwas nicht alleine zu schaffen.

Aber wie schön für dich, dass du „deiner Bürger- und Christenpflicht“ nachgekommen bist und jetzt ein ruhiges Gewissen haben kannst. 🙂

Es tut mir leid, wenn ich da jetzt gemein klinge, du hast ja durchaus was getan. Aber irgendwas fehlt mir halt.

Vermutlich habe ich leicht reden bzw. schreiben, weil ich nicht von Nachbarn wegen aller möglichen Probleme ständig angesprochen werde um hier und dort zu helfen, und diese sich dann doch nicht danach richten bzw. Ämter nicht vernünftig funktionieren wenn man sie informiert, man mir nicht ständig mit einer Erwartungshaltung begegnet, die Probleme anderer zu lösen. 
Und man dadurch ohnehin meist nur  Arbeit und Ärger hat, wenn man handelt.

Vielleicht ist es das, was mir an deinen Beiträgen aufstößt. Und dir sollte es eigentlich auch aufstoßen. Denn irgendetwas ist da gewaltig in Schieflage meiner Meinung nach. Und das ist nicht nur „das System“. 

 

 

 

ga2 antworten
JohnnyD
(@johnnyd)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 1715

@murphyline 

Sehr gut gemacht. Die Schreiben deuten für mich darauf hin, dass sie in Richtung Obdachlosigkeit unterwegs ist. Wenn die förmlichen Schreiben noch draußen herumliegen, dann hat sie längst keinen Überblick mehr darüber.

johnnyd antworten
Murphyline
(@murphyline)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 1894

@johnnyd Die Befürchtung habe ich auch. Da sie etwas von jemandem erzählt hat, der "kommt und die Post abholt" vermute ich, dass für sie ein Antrag auf gesetzliche Betreuung gestellt wurde, vielleicht im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. Nur muss sie dafür begutachtet werden. Und wenn sie den Gutachter nicht hereinläßt, wird das Verfahren eingestellt.

Ich hatte einen ähnlichen Fall mal in meiner beruflichen Praxis. Oder sie hat einen gesetzlichen Betreuer, der aber nix tut und nur kassiert. Passiert leider auch sehr oft.

Übrigens gehört diese Frau zu den Menschen, die in der Jobcenterstatistik unter "Totalverweigerer" geführt werden und die jetzt durch Gesetzesänderung 100 % Kürzung erhalten sollen.

murphyline antworten
Meriadoc
Beiträge : 545

@murphyline 

 

Du solltest dich unbedingt darum kümmern. Die arme Person braucht unbedingt Hilfe.

 

Und ein Tierhalteverbot wäre angebracht. Das ist Sache des Tierschutzes. 

meriadoc antworten


Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1894
Veröffentlicht von: @meriadoc

Du solltest dich unbedingt darum kümmern. Die arme Person braucht unbedingt Hilfe.

Ja, sie braucht Hilfe und nein- ich muss nicht helfen. Ich habe ihr ja Hilfe angeboten und sie hat es abgelehnt. Vermutlich hat sie eine Sozialphobie- also Angst vor anderen Menschen- und ist eh schwer zu erreichen. Das sollen mal bezahlte Profis machen. Vielleicht schicke ich noch ne Mail an den Sozialdienst, der mich so abgewimmelt hat, damit der Fall aktenkundig wird.

murphyline antworten
1 Antwort
Meriadoc
(@meriadoc)
Beigetreten : Vor 9 Monaten

Beiträge : 545

@murphyline 

 

Genau das machst du richtig.

 

Ich meinte ja nicht, du musst dich jetzt für sie aufreiben. 

 

Aber Ämter, Behörden, auch Tierschutzverein einbeziehen mit Mails und so. Alles andere steht nicht zur Debatte. Es geht ja auch um Schutz der anderen. 

meriadoc antworten
Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1894
Veröffentlicht von: @ga2

Das weißt du also? Interessant… oder ist es nicht eher das, was dir dein Verstand bzw. deine Ausbildung und berufliche Erfahrung vorgibt?

Ja, das weiß ich.

Beten kann ich für Dinge, die nicht in meiner Macht, meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten liegen. Die liegen in Gottes Hand.

Veröffentlicht von: @ga2

Es ist schon praktisch, dass man Verantwortung für seine Nächsten in Deutschland scheinbar inzwischen komplett an staatliche Stellen delegieren kann.  Nur schade, dass der Staat nicht genug Kapazitäten hat, sich um alles zu kümmern oder der Staat/die Leute in den Ämtern, nicht willens zu sein scheinen, die BürgerInnen von sämtlicher mitmenschlicher Fürsorge zu entlasten…ironieoff

Wie du vielleicht gelesen hast, kümmere ich mich bereits seit drei Jahren um den 78-jährigen Nachbarn. Von Arztbegleitung, Kofferpacken fürs Krankenhaus, Briefverkehr mit dem Stromanbieter wegen falscher Abrechnungen, Zuzahlungsbefreiung Krankenkasse, Telefonausfall, Betrügerische Abbuchung hoher Summen von seinem Konto, Keller entrümpeln, Putzfrau besorgen, Gebrauchsanweisung des neuen Sauerstoffgerätes erklären, Probleme mit Handy, TV und Laptop lösen, in Notfällen einkaufen -  und und und - jede Woche was neues. So eine Hilfeleistung würde eine staatliche Stelle gar nicht leisten und bezahlen.

Das kostet mich viel Zeit und Arbeit. Und ich finde, das reicht völlig aus.  Denn staatliche Stellen sind auch sehr sparsam: warum helfen, wenns die Nachbarin kostenlos macht? Das ist meine Erfahrung bisher, auch mit Ärzten und dem Sozialdienst vom Krankenhaus.

Da binde ich mir nicht noch den nächsten Problemfall ans Bein. Zumal auch noch andere Leute aus meinem Umfeld ab und an mit ihren sozialrechtlichen Problemen zu mir kommen.

Deswegen habe ich überlegt, ob ich mich überhaupt in die Sache mit der dünnen Frau einmische.

Zudem kenne ich die Sozialpädagogenkollegen in meiner Stadt. Es gibt kompetente, fleißige, engagierte Amtsmitarbeiter, aber auch faule Sesselpuper, die alles, was Arbeit macht, abwimmeln oder ihrem Kollegen auf den Schreibtisch legen, wenn sie Urlaub haben.

Die dünne Frau nebenan wird viel Arbeit machen, wenn sie Hilfe zulässt. Und diese sollen mal die von den Steuerzahlern hochbezahlten Sesselpuper machen. Ich bin nicht Mutter Theresa.

 

murphyline antworten
2 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3567

@murphyline 'Ich bin nicht Mutter Teresa'.
Das klingt sehr hart, aber genau das hab ich auch schon mal gesagt, als ich den Impuls verspürte, mich zusätzlich zu meinen Senioren (meine Mama braucht ganz viel Hilfe und Zuwendung und meine Schwiegereltern sind auch noch da) und Junioren (meine Tochter und ihr Baby) und den Hund um eine einsame alte Frau ohne Kinder zu kümmern. Und ich stand dann auch für einmalige Aktionen zur Verfügung (mal was einkaufen und hinbringen und Zeit schenken), aber nicht für einen Dauerauftrag mit viel Arbeit, der da oftmals mit einher geht. Das wäre dann über meine Kraft gegangen und wenn ich zusammenklappe, bringt das denen, um die ich mich kümmern muss, auch nichts. 

chai antworten
Goldapfel
(@ga2)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 1375

@murphyline 

Danke, dass du ins Detail gegangen bist. Jetzt kann ich einiges besser nachvollziehen. Obwohl ich immer noch der Ansicht bin, dass es nicht verkehrt ist, Gott im Vorfeld zu fragen. Auch um sich vor Überlastung zu schützen und evtl. einen anderen Blick zu bekommen, was in dieser speziellen Situation angebracht wäre.

Ich bin ja auch nicht der Ansicht, dass du jetzt ständig bei der „dünnen Frau“ auftauchen solltest und ihre sämtlichen Probleme für sie lösen solltest. Was du auch gar nicht kannst. Und natürlich freut sich der Staat, wenn er nicht handeln muss und sich stattdessen Privatleute kümmern. 

Man kann diese Frau als „Problemfall“, „mögliche zukünftige Obdachlose“,„mögliche verwirrte Person“, „Fall“ oder eventuelle „Sozialphobikerin“ sehen oder als Mensch in einer schwierigen Situation. 

Wäre dein Nachbar, der so viel Hilfe von dir bekommt, evtl. bereit und in der Lage, seiner Nachbarin im kleinen zu helfen? Hast du eine Gemeinde, mit Menschen, die Freude daran hätten, gebraucht zu werden und sich auch mit engagieren wollen würden? Auch für deinen älteren bedürftigen Nachbarn zu deiner Unterstützung und Entlastung und zu seiner Freude? Weil er so vielleicht mehr soziale Kontakte bekommt? 

Sei gesegnet in deiner Unterstützung von anderen und mit Kraft, Liebe und Freude ausgerüstet!

 

ga2 antworten


FVRGliese667cc
Beiträge : 23

@murphyline

Wow, das ist wirklich eine Ausnahme-Situation. Das jetzt schon Tiere in Gefahr sind oder sogar sterben. Vielleicht stimmt es auch nicht. Aber wenn; ist es sehr schlimm. Weil, wenn sie nicht die Wohnung verlassen will, sind die Tiere ihre letzte Stütze eigentlich. Die werden quasi die Ersatz-Familie. Ja, das kann lange klappen nicht wahr. Aber reicht das? Braucht man nicht die eigene Familie dringender?

Offenbar ist die Familie völlig unbeteiligt?! Danach sollte die Polizei handeln und Sozialarbeiter, weil Leib und Leben in Gefahr ist.

Was ist jetzt mit dir?

Das können wir sicher nur sehr sehr schwer aus der Ferne bewerten/beantworten aber es scheint das du sehr nah dran bist!

Bitte lasst uns für die Person beten, die gerade eine unfassbar einsame Phase durchmacht. Doch sie war auch mal ein kleines Kind. Völlig hilflos. Und jetzt ist es wieder so. Das kann heute jedem passieren, ja leider.

Wenn unser lieber Herr möchte kann hier ein Wunder geschehen. Doch müssen wir hier handeln? Das ist sehr schwer.

Der Herr kann uns im Gebet einen Pfeil schenken. Wo wir genau wissen. Ja, Herr - danke dir - das ist dein Wille.

Und du wirst alles zum Guten führen. Auch wenn es noch lange dauert. Du bist Herr über alles.

Danke die für die Offenheit murphyline.

Bete für dich und die Situation.

fvrgliese667cc antworten
Seite 2 / 3
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?