Abstieg der Grünen
Heute haben Frau Lang und Herr Nouripour ihren Rücktritt und den Rücktritt des gesamten Bundesvorstands der Grünen bekannt gegeben, wie unter anderem die Tagesschau berichtet. Als Grund werden die schlechten Ergebnisse der letzten Wahlen genannt.
Wird das den Abstieg in der Wählergunst bremsen oder ist es unerheblich, wenn Gesichter an der Spitze ausgetauscht werden?
Frau Lang sagt, sie übernähmen Verantwortung, indem sie zurücktreten. Kann das auch als Flucht gesehen werden, um nicht die Folgen auszubaden?
Wird das Folgen für die Ampel haben? Ist die Position der Grünen innerhalb der Koalition geschwächt oder gestärkt?
Gelten die Gründe für den Rücktritt nur für den Bundesvorstand? Oder sind sie das Bauernopfer, eigentlich sollten auch andere Spitzenpolitiker der Grünen Konsequenzen ziehen?
Was sind aus Eurer Sicht die Gründe für die verlorenen Wahlen?
@mikefrommuc Nun, der bloße Austausch des Vorstands allein dürfte nicht viel bringen. Aber es ist das ja auch ein Signal, dass ihnen ihre Situation in der Wählerschaft bewusst geworden ist und sie jetzt vor noch weiteren Veränderungen stehen dürften. Ich weiß nicht, wohin das geht - aber auf jeden Fall ist eine Neuorientierung notwendig.
Ich habe schon in Schulzeiten in den 70igern und 80igern von der BBU etwas mitbekommen. Eine Studentin, die dort aktiv war, hat meine Familie gelegentlich mit Infomaterial versorgt. Damit war ich früh im Thema drin. Ich habe die Grüne Partei mit Sympathie seit ihrer Gründung mitverfolgt - obwohl ich im Grunde genommen eher in konservativen Haltungen mein Fundament habe.
Ich habe dann später Biologie studiert, wo ich von den Notwendigkeiten einer wirtschaftlichen Veränderung ebenso gelernt habe - wie auch, dass man Argumente und angedachte Wege sehr kritisch prüfen muss, da nicht alles zielführend ist.
Die Grünen haben wichtige Impulse gesetzt und ich hatte die Hoffnung bei der aktuellen Regierung, dass sie da einiges bewegen würde. Ich hatte auch den Eindruck, dass grad Herr Habeck versuchte die Menschen da mitzunehmen und in der Bevölkerung hatte ich den Eindruck, dass man auch zu Veränderungen bereit war - selbst wenn die einiges kosten würden.
Dann kam die Sache mit der Heizung, die mehr als unglücklich gelaufen ist. Es zeigten sich mehr und mehr sozialistische Ansätze in der Methodik, mit der man Veränderungen erreichen wollte - und das ist nun einmal vor allem destruktiv. Es gibt keine Patentlösungen für alle und wenn ich etwas pushen möchte, dann geht das nur über marktwirtschaftliche Instrumente. Für mich wäre der Austausch der Gasheizung mit einer Wärmepumpe mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Wir haben ein gut gedämmtes Haus - verbrauchen aber so wenig Gas, dass dieser Heizungsanteil mit einer Wärmepumpe abgedeckt (was technisch ginge) sich in 40 Jahren nicht amortisieren würde. Wir sind mit unserem Strom- und Gasverbrauch mit einem 4-Personen Haushalt auf dem Niveau eines 1-Personen Haushaltes.
Wenn ich dringende Veränderungen umsetzen will, muss ich ja schauen, dass ich mit meinem Kapital möglichst effizient umgehe. Wenn ich also das Geld statt in eine Heizung in ein e-Auto stecken würde, dann wäre das deutlich CO2 einsparender eingesetzt. Aber solche Lösungen sind bei planwirtschaftlichen Hau-weg-das-Geld Ansätzen nicht zu erwarten.
Meine Frau hat viele Jahre bei einem Unternehmen gearbeitet, dass hochwertige und hochpreisige Wand- und Bodenfliesen hergestellt hat. Dort hat es Brennöfen mit hohem Gasverbrauch. Die Baukrise, die ja auch durch Öko-Auflagen mitzuverantworten ist, haben die Verkäufe gedrückt und dann kam der Gaspreisschock, der in die Insolvenz geführt hat. Das Unternehmen gab es seit über 100 Jahren am Standort. Es wurde geschlossen, die Mitarbeiter entlassen. Ich hätte jetzt erwartet, dass Lokalpolitiker für die Arbeitsplätze kämpfen würden, weil es ja ein renommiertes Unternehmen war und viele Familien davon lebten - aber es geschah absolut nichts. Es schien, man war froh, diesen großen Gasverbraucher loszusein.
Ich erlebe die grünen Bemühungen also in erster Linie als praktisch destruktiv. Klar kann es sein, dass bei einem Wandel etwas verloren geht - aber diesen Schritt darf ich eigentlich erst gehen, wenn ich simultan den Aufbau von neuen Unternehmen vorbereite. Aber ich seh da nichts - wirklich absolut nichts!
Wir erleben eine Deindustrialisierung ohne jede Perspektive.
Dinge, wo ich mich privat investieren würde, sind entweder noch nicht ausgereift, oder aber es gibt keine Handwerker, die sie einem sinnvoll vernetzt installieren könnten. Ich verfolge den YouTube Kanal Spiel & Zeug eines YouTubers, der sich schon lange mit moderner Haustechnik beschäftigt. Er baut seit einiger Zeit ein Haus um und versucht da wirklich alles richtigzumachen. Der Link geht übrigens auf die aktuelle Folge, in der er von Handwerkermurks berichtet, der das Leben eben nicht einfacher macht.
Selbst wenn die Gerätschaften so weit gereift sind, dass sie funktionieren sollten,sind oft die Handwerker komplett damit überfordert, die auch richtig anzuschließen. Der ursprüngliche Elektriker, den er hatte, hat die Segel gestrichen und es kamen dann ein paar befreundete Handwerker, die ihm die Sache in einer Nacht- und Nebelaktion klargemacht haben. Und selbst die hatten zu kämpfen, weil sich in einem wichtigen Gerät während des Transportes was verstellt hatte, das dann die korrekte Funktion verhinderte.
Mit anderen Worten: theoretisch könnte man was machen - aber wenn man nicht selber der absolute Bastler ist, wie der hier (der Link geht auf Akkudoktor, Andreas Schmitz Youtube Kanal), dann wird das eher nichts.
Wir sollten an sich mit Innovationen überschwemmt werden, die alte Technik durch bessere ersetzt. Und wir sollten Experten haben, die uns die einbauen können. Von all dem sehe ich viel zu wenig. Jedenfalls deutlich zu wenig, um die alte Industrie schon abschalten zu können. So tun wir im Grunde genommen nichts, außer unser Land und die Wirtschaft zu ruinieren. Klar könnte man noch mehr Solaranlagen auf Dächer setzen - aber die Gemeindewerke sehen das inzwischen auch nicht mehr so gerne, weil keiner Bock auf Zahlungen für die "Entsorgung" von überschüssigem Strom hat. Es bräuchte große Speicherkapazitäten, um weitermachen zu können - aber die gibt es nicht. Da passt einfach viel nicht zusammen.
Und an dem Punkt stehen wir heute mit den Vorantreibern der Grünen. Ich kenne viele, die die nie mehr wählen werden. Und dabei geht die Ablehnung dann gegen die Partei generell -also sogar gegen die Gemeindeebene, wo die Themen ganz andere sind und man den Leuten den Mist der Bundespolitiker schwer unterschieben kann. Die Partei hat sich mit sozialistischer Methodik und absolute Unkenntnis von wirtschaftlichen Prozessen und Notwendigkeiten selber kein gutes Zeugnis gegeben. Die energiepolitische Wende ist vor der Wand und ich bin gespannt, wer die wirklich notwendigen Prozesse in Zukunft (hoffentlich mit mehr Sachverstand) vorantreiben wird.
Noch ein kleiner Nachtrag zu den Grünen:
Am meisten ärgert mich bei ihnen der ideologische Ansatz mit klar sozialistischem Profil.
Ökologie ist ja die Ökonomie der Natur - zumindest ein Teil davon. Die Natur organisiert sich selbst. Das sind vielfach rückgekoppelte Mechanismen, die in extremer Weise optimiert sind und auch mit Veränderungen meist gut klarkommen (innerhalb von Grenzen, die in den letzten Jahren mit extremen Wetterbedingungen mitunter überschritten wurden).
Planwirtschaft ist so unökologisch wie nur was. Weder die Natur und schon gar nicht Gott käme auf die Idee, Dinge, die selbstorganisiert auf den Weg gebracht werden können, mit planerischem Ansatz zu ersetzen. Auf so einen Schwachsinn kann nur der Mensch kommen. Der Vorteil von Planwirtschaft ist nur bei machtbesessenen Menschen, die hierüber Vorteile und Nachteile verteilen können und so Stiefellecker generieren. Eine Wirtschaft, die ohne straffe Planung auskommt und wo der Markt die Dinge regelt, braucht nur einen ethisch gegründeten, funktional gerechtfertigten und gesetzlich definierten Rahmen, in dem sich das System dann selbst aufbaut. Da braucht es keine Funktionäre, weil es selbst funktioniert.
Planwirtschaft eignet sich also auf keinen Fall, um irgendetwas ökonomisch sinnvolles aufzusetzen. Der einzige Zweck von Planwirtschaft ist es, die Gelüste perverser Naturen zu befriedigen. Zumindest habe ich noch keinen anderen "Vorteil" darin erkannt.
Es sind also grundlegende Dinge, die sich bei den Grünen ändern müssen, damit sie wieder wählbar werden.
Ich glaube eher, dass sich bald eine andere Partei durchsetzen wird, um die Lücke, die der Ausfall der Grünen auf Grund ideologischer Fehlhaltungen zu schließen: Die ÖDP.
Diese Partei gibt es seit vielen Jahren und sie ist vielen aufgefallen, weil sie im Wahl-O-Mat immer oben mit dabei war - jedenfalls bei ganz vielen Menschen. Die Partei ist unbelastet und orientiert an ökologischen Veränderungen, die sie so effizient wie möglich durchsetzen wollen. Sie wollen Veränderung mit der Natur und natürlichen Prinzipien, die gut sind für die Ökonomie des Menschen, die nicht zerstören, sondern aufbauen.
Die Grünen waren von Anbeginn ein wilder Haufen - inklusive Altnazis und Pädophilen aber auch rational und wertkonservativ denkenden Menschen wie Herbert Gruhl. Die eher Linken setzen sich durch (wobei sich extrem rechts und extrem links ja nach der Hufeisentheorie überschneiden können). Dass damit unökologische und somit erwartbar dysfunktionale Konzepte durchsetzen können, ist dabei eine große Gefahr. Die Linke Szene ist ja doch durch geisteswissenschaftlich-ideologische Ansätze schwer belastet.
Da wir aber eine ökologische Wende dringend benötigen, hoffe ich sehr, dass mehr Menschen diese in Parteien mit funktionalem Ansatz suchen und finden. Was aus den Grünen wird, ist mir egal, solange sie nicht mehr in die Regierungsverantwortung kommen. Was wir brauchen sind Menschen, die erfolgsorientiert und mit ökologischem wie ökonomischen Sachverstand an die Sacher herangehen. All denen wünsche ich - egal in welcher Partei, bestes Gelingen und viel Freude an der politischen Arbeit. Solche Veränderungen gehen besser mit Begeisterung, mit dem guten Verve für die Sache. Wer den hat, wird die Finger von Konzepten lassen, die Begeisterung mit der Gesetzesknute töten.
Herr Habeck hatte anfangs den Eindruck erweckt, er wolle mit der Begeisterung aus der Bevölkerung die Veränderung auf den Weg bringen. Vielleicht ist es eine gute Sache, dass dieser Schwindel aufgeflogen ist und die unguten Dimensionen seiner Persönlichkeit so zu Tage kamen.
Zuerst mal sei der weisse Elefant im Raum adressiert: Sowohl Frau Lang als auch Herr Nouripour sind alles andere als telegen. Jedes Mal, wenn ich Frau Lang irgendwo mit in einer Talk-Runde oder sonstwo sitzen sah, kam ich nicht umhin, dem kleinen PR-Teufel (er sieht so ähnlich aus wie Stanley Tucci in "Der Teufel trägt Prada", nur eben mit Fledermausflügeln, kleinem roten Schwänzlein und Kinnbart), der mir immer auf der Schulter hockt, zuzustimmen: "Die geht aber mal so gar nicht!" Wollten die Grünen ehrlich den Wählern gegenüber sein, müsste ihr Slogan lauten wie jener Film-Titel: "Die fetten Jahre sind vorbei!" Und zu so einem Slogan, der also die bittere Nachricht, dass ohne gegebenenfalls schmerzhaften Konsumverzicht die diversen sich nähernden Katastrophen kaum zu vermeiden sein dürften, kann eine Frau Lang unmöglich das Aushängeschild/Gesicht sein. Auch Herr Nouripour (der, wie seine Kollegin, nicht unbedingt dummes Zeug redete, wenn man ihm mal zuhörte und dafür am besten die Augen schloss) sieht nicht wie ein DND-Charakter mit Charisma 18.
Jaja, ich weiß, es kommt nicht auf Äußerlichkeiten an im Polit-Geschäft. Und die Erde ist eine Scheibe.
Soviel zu diesem Aspekt, dessentwegen ich, als ich gestern davon hörte, so reagierte: "Na, die haben aber lange gebraucht, bis sie's eingesehen haben!"
Inhaltlich deutlich interessanter finde ich, was ich heute von der "Grünen Jugend" erfuhr. Deren Vorstand (die Gesichter von denen kenne ich gar nicht) tritt kollektiv zurück, verzichtet also auf eine Kandidatur auf Wiederwahl beim nächsten Parteitag. Aber nicht nur das: sie treten aus der Partei geschlossen aus, angeblich, um eine neue linke Bewegung (nicht: Partei) zu gründen. Bei dem, was man in diesem SPON-Artikel über ihre Gründe lesen kann, musste ich andauernd nicken. Insbesondere hierzu:
Wer sich weigert, die Reichen zur Kasse zu bitten, lässt im Ergebnis die breite Bevölkerung bezahlen.
Was soll ich sagen: Recht haben sie.
Was nun die Zukunft der Grünen angeht: Parteien an sich haben für mich keinen Mehrwert, es geht um die Politik, die sie verfolgen. Wenn unsere Gesellschaft keine links-liberale und ökologische Politik will, dann werden links-liberale und ökologische Parteien halt nicht gewählt. Wir - als westliches Kollektiv - gleichen einem (Konsum-)Süchtigen. Suchtkranke ändern ihr Verhalten nicht, bis der Leidens-Druck groß genug ist. Bei Süchtigen tritt dieser Moment häufig erst kurz vorm Suizid (oder gar erst nach dem ersten Suizid-Versuch) auf: erst dann "raffen" sie, dass es so wie bislang unmöglich weiter gehen kann. Bis dahin verhalten sie sich allerdings zunehmend irrational, belügen sich selbst und andere, suchen Heil in Aktionismus an der falschen Stelle usw. usf. Das lässt sich leicht auf die Situation der westlichen Gesellschaften übertragen, aber ich will an dieser Stelle nicht zu ausführlich werden.
Die Grünen, so wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr etabliert haben - Danke, lieber Realo Fischer! - sind keine Partei des Wandels mehr, insbesondere, da bei ihnen die anti-kapitalistische Grundidee abhanden gekommen ist, bzw. der Mut, antikapitalistische Ideen öffentlich auch zu vertreten, den Schreihälsen und Wutbürgern der rechts-reaktionären Seite (die, wer wollte es bestreiten, an Gewicht zugenommen hat in den letzten Jahren) zum Trotz.
Wenn ich an meine jungen, idealistisch-optimistischen Jahre zurückdenke, in denen mich die Grünen als Erst-Wähler und dann für ein paar Jahre lang als Stammwähler gewinnen konnten: dafür hatte ich Gründe. Mit denselben Gründen könnte ich heute unmöglich die Grünen wählen. Daher verstehe ich vollkommen, dass nun die Grüne Jugend aus diesem "Etablissement" austritt.
Wird die "neue linke Bewegung", die sie gründen wollen, politischen Erfolg haben? Ich befürchte, traurig gestimmt, eher: nein. Aber zumindest müssen sich deren Mitglieder nicht schämen und verbiegen in den letzten Tagen der Demokratie.
@jack-black Danke für Deine Sichtweise. Du hast mit dem weißen Elefanten sicherlich recht - der Aspekt wird kaum thematisiert.
Zum Abtritt der Grünen Jugend: Das ist dann sicherlich konsequent, sich einer linken Bewegung anzuschließen. Im Gegensatz zu Dir hatte ich Grün nicht von Anfang an als links, sondern als außerhalb des Spektrums gesehen. Vielleicht hilft es ihnen, wenn die ökologischen und die sozialistischen Lager getrennte Wege gehen.
@mikefrommuc Vielleicht hilft es ihnen, wenn die ökologischen und die sozialistischen Lager getrennte Wege gehen.
Naja, das glaube ich eher nicht, denn das eine Thema ist m.A.n. untrennbar mit dem anderen verquickt. Um eine Analogie passend zum Forum zu bemühen: Wirtschaft und Ökologie in der Politik gehören so sehr zusammen wie das Ontologische (Sätze über das So-Sein Gottes und der Welt) und das Ethische (Sätze darüber, wie Menschen sich verhalten/verhalten sollten) in der Religion.
Kurz: es ist nicht möglich, ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Aspekte eine ökologische Politik zu betreiben - und umgekehrt.
@jack-black ich denke es gibt Grenzen. Wie bei allem.
Wenn Ideologie über Soziales geht. Wenn nüchterner Pragmatismus fehlt und man den Focus auf Dinge steckt, die unterm Strich nicht viel bringen.
Besser 2045 nur zu 80 Prozent Klimaneutral und ein stabiles Land als 100 Prozent und das Land im Arsch (die Produktion im Ausland...).
Das gute alte Pareto Prinzip sollte nicht vergessen werden wenn man mit knappen Mitteln zu kämpfen hat. In Deutschland wird es auf allen Ebenen Gefühlt ignoriert und ins Tausendstel zu jedem Preis gegangen.
Vielleicht nicht das beste Beispiel, aber;
Bevor ich verheiratet war, lebte ich Quasi nach dieser Regel und war recht Diszipliniert auch im Kleinen. Obwohl ich ein Lohn wie ein Hund bekommen oder auch Arbeitslos war, habe ich echt quasi nie auf mein Konto kucken müssen. Hatte ne Wohnung gekauft. Hobbies, nicht ganz billig (Autos), gehabt.
Mit meiner Frau und Kindern ging das irgendwann mal im Stress und Zielkonflikt mit Faulen Kompromissen verloren. Seitdem haben wir mehr Geld verblödelt und ineffizient ausgegeben wie sonst was. Wir kommen nicht mehr zu wirklich was neuem obwohl wir mittlerweile deutlich mehr verdienen
Wenn es in den Dicksten Jahren Deutschlands in der Niedrigzinsphase nicht wirklich alles rund lief, was soll in 10, 20 Jahren noch werden. Ja Ökologisch prächtig. Nur zu essen können sich die Menschen dann nicht unbedingt was davon Kaufen. Wo soll das Kapitel herkommen um die Alte Bevölkerung zu versorgen? Das braucht eine Industrie mit starker Wertschöpfung.
Letztes Verlieren wir gerade.
Die USA, einst die moderne "Dienstleistungswirtschaft" Investiert brutal in diesem Bereich. Dort hat man es kapiert.
Hierzulande wird der Wegfall von klassischer Industrie von Leuten wie dem Fratzscher noch begrüßt. So jemand gehören seine Diplome und Titel schlicht aberkannt.
Besser 2045 nur zu 80 Prozent Klimaneutral und ein stabiles Land als 100 Prozent und das Land im Arsch (die Produktion im Ausland...).
"2045 zu 80% Klimaneutral" ist nur leider nicht "stabil"... nur 100% Klimaneutral sind "stabil".
Und das verstehen die meisten Leute immer noch nicht.
So lange wir weiter CO2 in die Atmosphäre blasen wird es immer schlimmer und schlimmer werden. Und zwar genau so lange, wie wir mehr CO2 produzieren als absorbiert wird.
Das ist Mathematik der Grundschule.
Und trotzdem verweigern sich etliche Menschen dieser simplen Logik...
@lucan-7 "2045 zu 80% Klimaneutral" ist nur leider nicht "stabil"... nur 100% Klimaneutral sind "stabil".
Ich denke, da hast Du Kappa nicht richtig verstanden, er hatte den entscheidenden Hinweis, wie er verstanden werden wollte, aber durchaus mit hingeschrieben:
Das gute alte Pareto Prinzip (...)
Selbstverständlich ist eine Volkswirtschaft nur dann klimaneutral, wenn sie's hundertprozentig ist. Aber soweit sollte ja Einigkeit bestehen, dass es bis dahin einen Weg zu beschreiten gilt, den man zu einem beliebig gewählten Zeitpunkt entweder vollständig oder erst zu achtzig Prozent zurückgelegt hat.
Es geht Kappa also wohl um das Tempo und darum, dass zur Erreichung des letzten Fünftels der Zielvorgaben 80 Prozent der insgesamt aufzuwendenden Anstrengungen benötigt werden.
Damit wird er vermutlich richtig liegen, falls das Pareto Prinzip so ungefähr die üblichen Relationen zwischen Aufwand und Nutzeffekt einer beliebigen wirtschaftlichen Maßnahme beschreibt.
Mit "stabil" meinte Kappa vermutlich nicht das Klima, sondern die Volkswirtschaft. Sein Argument lautet also: besser, wir haben im Jahr XXX erst achtzig Prozent jener Wirtschaftsleistung, die heute durch klimaschädliche Methoden wie z.B. Kohleverfeuerung entsteht, auf klimaneutrale Methoden umgestellt und dafür noch eine Volkswirtschaft, welche die Bedürfnisse des Volkes befriedigt, als dass wir zwar überhaupt keine klimaschädigenden Emissionen mehr produzieren, aber eben auch die Volkswirtschaft zerstört wurde, weil die 80 Prozent Aufwand für die Erreichung der letzten 20% der Zielvorgabe sie zum Kollabieren brachten.
Allerdings lässt sein Argument dabei ausser acht, dass die hundertprozentige Erreichung des Ziels nicht endlos auf sich wird warten lassen dürfen, weil dann nämlich das eintritt, was mit Erreichen des Ziels verhindert werden sollte: der Klima-Kollaps, den keine Volkswirtschaft der Welt überstehen wird.
Falls also das Pareto-Prinzip auch auf den Umbau unserer (und weltweit aller anderen) Volkswirtschaft(en) anzuwenden sein sollte, dann müßte dieser Umbau entsprechend so geplant werden, dass man die letzten 20 Prozent des Ziels, für die 80 Prozent des Aufwands nötig sind, rechtzeitig fertig bekommt.
Die eigentliche Frage, die zu beantworten wäre, ist also: bis wann müssen wir das mit der Klimaneutralität spätestens hinbekommen? Dann könnte man einen Zeitplan erstellen, in welchem die ersten 80 des Wegs im ersten Fünftel des Gesamtzeitraums zurückgelegt worden sein müssen.
Die Jahreszahl 2045 erscheint mir persönlich ein reines Stehgreif-Datum zu sein, und, falls an dem Ding mit den Kipppunkten was dran sein sollte, reichlich spät.
p.s.: Ich habe jetzt auch die Diskussionsseite zum Pareto-Prinzip-Wikipedia-Artikel gelesen und kann die nur all jenen empfehlen, denen dieses Prinzip allzu leicht einleuchtet. Statt von einem Prinzip könnte man ebensogut auch von einem Muster sprechen, wobei Muster wieder eine Sache der Betrachtungsweise sind...
Wie dem auch sei: Falls man sich darauf einigen wollte, das die Transformation unserer Volkswirtschaften hin zu klimaneutralen Volkswirtschaften nach dem Pareto-Muster abläuft, also die letzten 20 Prozent des notwendig zu erreichenden Ziels der Klimaneutralität 80 Prozent des Aufwands erfordern, dann wäre dies ein Argument für all jene, die sofortige oder doch asap Maßnahmen fordern: Kohlekraftwerke jetzt abschalten statt erst 2035 etc..
Jede Planzielverfehlung ist mit Hinblick auf das Pareto-Prinzip also doppelt oder gar vierfach gravierend, denn mit jedem Jahr, das wir länger auf eine 80%ige Zielerreichung warten, müssen wir dann ja 4 weitere Jahre auf die 100%ige Erreichung drauf legen...
Während ich vermute, dass das Pareto-Prinzip vor allem von jenen als Argument in's Feld geführt wird, die das Tempo des Wirtschaftssystem-Umbaus lieber drosseln möchten *düdeldidelCDUFDPflötitüt* 🤑 😜 🤪 🤡 🤫 , passt es besser als Argument gegen ihr Anliegen.
@jack-black Bevor ich mir über die letzten 20% Gedanken machen würde, fände ich es wichtig, sich zunächst einmal Gedanken über die leicht erreichbaren Verbesserungen zu machen. Und dazu gehört als erstes eine Analyse, die solche Maßnahmen erkennt.
Mein Eindruck ist der, dass heute Geld unnötig für vergleichsweise ineffektive Maßnahmen verschleudert wird und dann Dinge, die man mit geringem Aufwand umsetzen könnte, links liegen bleiben. Wie kann ich mit dem geringsten Kapitaleinsatz den größten Effekt erzielen - und wie kann ich dieses Kapital am leichtesten freisetzen, dass die Chance auch realisiert wird? Wer etwas von Marktwirtschaft versteht, ist hier klar im Vorteil!
Wer einen Gipfel erklimmen will, der schaut am Besten zunächst einmal auf die aktuelle Etappe, auf den Wegabschnitt, der aktuell zu bewältigen ist - alles andere kann Mut und Kraft rauben.
Wir dürfen bei der Aufgabe auch nicht vergessen, dass überraschende Innovationen Dinge verändern und leichter machen können. Dann nämlich wären Befürchtungen über die schwierigen letzten 20% unnötige Sorgen gewesen.
@goodfruit So nebenbei - möchte ich gerne noch ergänzen - sollten wir (das ganz große Wir) nicht vergessen, uns ((nicht nur) nebenbei) um die Nöte im hier und jetzt zu kümmern…
@seidenlaubenvogel Sorry ich bin nicht wokisiert und wenn ich von "wir" rede, dann lade ich dazu ein, sich meinen Gedanken anzuschließen. Da ich demokratisch und pluralistisch gesinnt bin, brauche ich nicht zu erwähnen, dass jedes "wir" selbstverständlich die Möglichkeit bietet, eine ganz andere Meinung zu haben und zu vertreten.
@goodfruit Ich verstehe deine Antwort auf meinen Beitrag nicht. Mit meiner Bezeichnung von „wir“ wollte ich darauf hinweisen, dass es uns alle angeht - in jedwedem Bereich. Und unabhängig von allen Differenzierungen teilen Menschen immer wieder auch „umfassende Wirs“.
Deine Ansätze habe ich weder kritisiert noch bestätigt. Mir war wichtig einen weiteren Aspekt einzubringen, der ziemlich banal ist - aber kaum geäußert wird und den ich für äußerst relevant halte. Es hat aus meiner Sicht sogar etwas Zynisches, wenn wir (diesmal nicht alle, sondern die, die es tun) uns Sorgen - ich formuliere es mal so - um „unsere“ zukünftigen, nachfolgenden Generationen ((oder gar um den Erhalt der Erde) /(oder auch den „wohlverdienten Lebendsabend“)) machen bzw. hehre Pläne schmieden und aktuelle Missstände aus den Augen verlieren.
Woke - ich müsste es erneut nachschlagen, was ich schon oft getan habe… Ich komme und komme mit der Verwendung dieses Wortes nicht klar und die Definition des Wortes will mir nicht in den Kopf. Es wirkt auf mich immer nur wie ein Schimpfwort für jemanden, der etwas Gutes will, das einem vom anderen aber nicht zugestanden wird. Kurz: Das Wort „woke“ in jeder Variante verwirrt mich.
@seidenlaubenvogel Da hatte ich Dich falsch verstanden.
Ich bin schon öfter für die Verwendung des Wortes "wir" kritisiert worden, weil sich da Menschen in ein Gedankenfeld eingemeindet fühlten, von das sie sich lieber distanzierten. Das war dann eine Sache, die man im Umfeld von "woke" sehen kann - aber das gab es schon länger.
Ich sehe das Problem, glaube aber, dass es eher beim Empfänger ist als beim Sender. Klar könnte ich das vermeiden - aber wenn ich "wir" verwende, dann signalisiere ich damit, dass es sehr viele etwas angeht. Es gibt Empfänger die da offenbar unter einen gewissen Ich-schwäche leiden und alles, wo wir drauf steht, gleich auf sich beziehen. Das erwarte ich von niemanden. Ich erwarte da eher einen kritischen Umgang mit allem - also auch dem, was ich schreibe - und der Fähigkeit, sich davon distanzieren zu können. Und wenn es einem wichtig ist, dann freue ich mich, wenn ich von der anderen Position etwas zu lesen bekomme.
Deine Position kann ich nachvollziehen.
Ich meine, dass man nicht etwas einreißen kann, bevor eine erwiesenermaßen funktionierende Alternative nicht auf dem Weg ist. Ja, es gibt Schwimmlehrer, die lehren schwimmen, indem sie Menschen einfach ins Wasser schmeißen. Von denen erwarte ich dann aber auch, dass sie zuverlässig retten können, wenn es schiefläuft. Und wenn ich da gleich eine ganze Wirtschaft umkrempeln, dann ist das etwas, was man von keinem erwarten kann.
Keiner kann erwarten, dass alles ewig währt - zumindest, was materielle Dinge angeht. Von einer Regierung erwarte ich, dass sie zumindest ein gewisses Netz erhalten, in dem die Menschen zuverlässig ihr Leben organisieren können. Dazu gehört die Grundversorgung und der Erhalt von Arbeitsplätzen. Nur müssen da dann Alternativen da sein, wenn bestimmte Arbeitsplätze systembeding verloren gehen.
Meine Frau hatte den Arbeitsplatz verloren, weil keiner ein Traditionsunternehmen retten mochte, das viel Gas verbraucht. Es war schwer, da etwas neues zu finden.
Aber für all die, die z.B. wegen des Niedergangs von Automotive ihren Job verlieren, dürften es noch schwerer haben, da sie nicht in der ersten Welle dabei waren (da gab es tatsächlich noch die einen oder andren offenen Stellen), sondern auch, weil es die großen Mengen an Arbeitskräften sind, die da freigesetzt werden.
Ich bin aber auch bei Automotive enttäuscht, dass sie nicht mehr zu bieten haben.
Ich erinnere mich, dass VW schon einmal vor einer Krise, die den Fortbestand in Frage stellte, stand. Damals kam als Rettung der VW Golf, der mit seinem innovativen Konzept (Schrägheck, Frontantrieb) den Menschen gefiel und wo wir ein wirkliches neues Fahrzeugkonzept angeboten bekamen. Ich dachte lange, dass Ferdinad Pierch der Entwickler des Fahrzeugs sein. Jetzt habe ich mal gegoogelt und es ist ein Italiener:
https://de.wikipedia.org/wiki/Giorgetto_Giugiaro
Wenn ich mir ansehe, was für große Würfe dieser Mann in seinem Leben hinbekommen hat, dann kann ich nur staunen. So jemand bräuchten wir - besser noch gleich mehrere davon!
@seidenlaubenvogel Im Hier und Jetzt ist der Bodycount von Hurricane Helene allein in den USA inzwischen bei 44 angelangt. Meinst Du solche Nöte?
Nebenbei bemerkt: warum vermute ich nur sicher genug, um gern auch Geld drauf zu verwetten, dass sich unter den 44 Toten kein einziger Multimillionär befindet? Ach ja: weil die "Kleinen Leute" stets an vorderster Stelle der Opferfront stehen...
Im Hier und Jetzt ist der Bodycount von Hurricane Helene allein in den USA inzwischen bei 44 angelangt. Meinst Du solche Nöte?
Auch. Ja. Ich würde es noch weiter fassen: Also, was generell unsere jetzigen Lebensverhältnisse auf der Erde angeht. Mir ist schon klar, man kann nicht alles gleichzeitig betrachten und angehen. Mir fällt einfach (nur) eine gewisse Unverhältnismäßigkeit auf und ich befürchte eine Priorisierung, die ich nicht nachvollziehen kann.
Aber gut - ich vertrete auch nicht den Ansatz, dass „der Mensch“ diese Erde retten wird und seine selbstgemachten Probleme lösen kann. Dennoch ist mir wichtig, dass „der Mensch“ möglichst viel dazu beiträgt* - aktuell wie auch im Blick auf einen zukünftig sorgsameren Umgang mit der Erde.
*Am meisten im Blick behalten will ich dabei meinen kleinen, bescheidenen Beitrag.
@goodfruit Bevor ich mir über die letzten 20% Gedanken machen würde, fände ich es wichtig, sich zunächst einmal Gedanken über die leicht erreichbaren Verbesserungen zu machen. Und dazu gehört als erstes eine Analyse, die solche Maßnahmen erkennt.
vs.
Wer etwas von Marktwirtschaft versteht, ist hier klar im Vorteil!
Ja, das ist immer so in der Marktwirtschaft, nicht wahr? Da werden also Verträge abgeschlossen, aber man macht sich erstmal nur Gedanken, wie man die zu 80 Prozent erfüllen könnte. Das weiss man ja als Häuslebauer beispielsweise, dass man vertrauensvoll den Bauauftrag einer Firma gibt, die dafür einsteht, dass das Haus zu 80% fertig wird bis zum Tag X....
Sorry, aber überdenkt Ihr Eure Argumente auch mal kritisch? In "der Marktwirtschaft" gibt es bei Vertragsunterzeichnungen häufig schon die Festlegung von Konventionalstrafen für den Fall, dass bis zu einem festgelegten Datum der Auftrag nicht vollständig erfüllt ist. Denn, um beim Beispiel zu bleiben: ein zu 80% fertiges Haus, bei dem "nur noch" ein Fünftel der Dachziegel fehlen und die Stromanschlüsse für Waschmaschine und Aquariumbeleuchtung... das ist ein 100prozentig nicht beziehbares Haus.
Und wer würde einen Vertrag unterzeichnen, in dem steht: Firma X baut das Haus zu 80% für den Preis Y fertig und danach, wenn nix dazwischen kommt, baut sie es ganz fertig, wobei dann nochmal 4xY Kosten anfallen für den Fall, dass abzusehen ist, dass es überhaupt fertig gebaut werden kann... ?
Wer einen Gipfel erklimmen will, der schaut am Besten zunächst einmal auf die aktuelle Etappe, auf den Wegabschnitt, der aktuell zu bewältigen ist - alles andere kann Mut und Kraft rauben.
Ja - und?! Bei der Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft geht es nicht um eine Mutprobe, sondern um eine allein das Überleben garantierende Notwendigkeit. Niemand muss irgendwelche Gipfel erklimmen, das ist optionaler Privatspaß, und wer auf dem Weg zum Gipfel merkt, dass er's wohl nicht lebend ganz bis oben schaffen wird, der dreht halt wieder um (den Weg zurück muss man ohnehin schon mit eingeplant haben, sonst ist man im Hochgebirge schlicht fehl am Platz).
Deine Metapher besteht also aus einer völlig unpassenden Analogie, was soll daraus gelernt werden können?
Wir dürfen bei der Aufgabe auch nicht vergessen, dass überraschende Innovationen Dinge verändern und leichter machen können.
Mit Betonung auf "überraschend" und "können". Was ja sehr viel mit marktwirtschaftlicher Kompetenz zu tun hat, auf "überraschende" Innovationen zu hoffen... Klar, überraschende Innovationen sind stets möglich, wiewohl sie sich - daher ja die Eigenschaft "überraschend" - schlecht einplanen lassen.
Die andere Möglichkeit, nämlich dass unvorhergesehene (also auch irgendwie überraschende...) Probleme auftreten können, welche das Erledigen einer Aufgabe verzögern, besteht übrigens ebenso. Und davon lässt sich ein Lied singen in einem Land, in welchem Großprojekte wie der von allen Satirikern geliebte BER sich ab und an bis ins nächste geologische Zeitalter zu ziehen scheinen...
@jack-black Oh, Jack-Black, Du enttäuscht mich! Bei all der Differenziertheit Deiner Gedanken und der offenbaren Bildung, hast Du wohl übersehen, dass die Marktwirtschaft reichlich Möglichkeiten bietet, das Gute zu fördern und das Schlechte auszubremsen.
Ja, das ist immer so in der Marktwirtschaft, nicht wahr? Da werden also Verträge abgeschlossen, aber man macht sich erstmal nur Gedanken, wie man die zu 80 Prozent erfüllen könnte.
Du scheinst wirklich vom planwirtschaftlichen Geist durchdrungen!
Mein Vorgehen, an das ich mit marktwirtschaftlichem Hintergrund denke, wäre, sich Gedanken zu machen, wo man mit dem geringsten Einsatz die größte Menge emittierten CO2 sparen könnte, um auf dem Weg möglichst schnell und weit voran zu können.
Das bedeutet, dass ich mir anschaue, wo Bremsen auf dem Weg sind, wo ein einfach lösen dieser Bremsen einen nächsten Schritt automatisch auslösen würde. Zum Beispiel ist der Ausbau und die Sinnhaftigkeit zusätzlicher Photovoltaik aktuell wegen fehlender Speichermöglichkeiten ausgebremst. Wenn da mehr Speicher wären, dann bräuchte keine bei saisonbedingter Überkapazität Geld zu zahlen, damit jemand den Strom abnimmt und das ganze System nicht in Gefahr gerät.
Überhaupt sind solche Überkapazitäten auf der einen und Mangelsituationen in Zeiten von Flaute und wenig Sonne ja ein zentrales Problem, dass als erhebliche Bremse wirkt. Dies zu lösen - zum Beispiel durch Speicherkraftwerke, bei denen Wasser auf einen Berg hinauf (bei Stromüberschuss) und hinunter (um in Mangelsituation mit Turbinen Strom zu liefern) - wäre eine wichtige Aufgabe, die nicht der Verbraucher, sondern der Staat und die Energieversorger lösen müssen. Das würde dann wieder Kapazitäten für zusätzliche (gerne auch private) Photovoltaikanlagen liefern.
Dann ist es sinnvoll, durch marktwirtschaftliche Instrumente sinnvolle Technologie zu pushen - und nicht durch gesetzliche Vorgaben.
Für mich macht zum Beispiel eine Wärmepumpe absolut null Sinn. Die Dinger sind alle überdimensioniert bei der geringen Menge an Wärme, die ich aus fossilen Quellen oder Strom benötige. Jemand, der diese benötigt aber, wird sich sicher über einen größeren und leicht abrufbaren Zuschuss freuen.
Das weiss man ja als Häuslebauer beispielsweise, dass man vertrauensvoll den Bauauftrag einer Firma gibt, die dafür einsteht, dass das Haus zu 80% fertig wird bis zum Tag X....
Das ist ja absolut nicht vergleichbar - weil sich unter jedem erreichten Zustand leben lässt. Das Gleichnis würde eher so funktionieren, dass man eine ganze Stadt bauen lässt - und den Vertrag so gestaltet, dass die Ausführung gestaffelt ausgelöst werden kann. Die zentralen Bereiche werden sofort gebaut, für die leichteren nächsten Schritte wird auch schon geplant und die schwierigen Bereiche sind zunächst nur angedacht.
In "der Marktwirtschaft" gibt es bei Vertragsunterzeichnungen häufig schon die Festlegung von Konventionalstrafen für den Fall, dass bis zu einem festgelegten Datum der Auftrag nicht vollständig erfüllt ist.
Nun, das ist ja eine Frage der Vertragsgestaltung. Im juristischen Bereich scheint es aktuell schlimme Defizite zu geben. Handwerklich schlechte Gesetze, Unterschätzung von juristischen Möglichkeiten und Gefahren, Bereitschaft, Schritt zu gehen, von denen man keine Ahnung hat. "Dicke Backen" sind da nicht selten eine absehbare Folge.
Niemand muss irgendwelche Gipfel erklimmen, das ist optionaler Privatspaß, und wer auf dem Weg zum Gipfel merkt, dass er's wohl nicht lebend ganz bis oben schaffen wird, der dreht halt wieder um (den Weg zurück muss man ohnehin schon mit eingeplant haben, sonst ist man im Hochgebirge schlicht fehl am Platz).
Nun, es ist das zunächst einmal eine Herausforderung und als solche gibt sie ein gutes Bild, an dem sich Lösungskonzepte aufzeigen lassen.
Wenn wir den Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft wollen, dann ist das eine Entscheidung, die von bestimmten Voraussetzungen ausgeht. Diese scheinen in der propagierten Dimension diskussionswürdig. Fest steht, dass die Richtung klar ist und dass es auch wichtig ist, hier schnell voranzukommen. Unklar ist, ob wir den totalen Ausstieg brauchen bzw. welche Zeit wir uns für die letzten 20% lassen dürfen. Unabhängig von dieser Betrachtung ist aber klar, dass für die letzten 20% Projekte vorgesehen werden müssen, die wirklich schwierig zu lösen sind. Wenn man Aufgaben aus diesem Bereich vorzieht, kann es sein, dass und schon bei 50% die Puste ausgeht und wir am Ende 30% unter unserem Potenzial bleiben.
Dann muss man sehen, wie die anderen Staaten mitziehen. Passiert da nichts, dann werden wir es uns überhaupt nicht leisten können, die letzten 20% anzugehen. Denn billige Energie bei den anderen muss preislich hier bei uns irgendwie kompensiert werden. Das geht nur in bestimmten Grenzen. Wenn wir uns selber ruinieren, um Ziele zu erreichen, die wir als einzige noch anstreben, dann gehen wir absehbar in den Ruin.
Und um bei Deinem Handwerkerbeispiel zu bleiben: Wenn der Handwerksbetrieb einen Vertrag unterzeichnet, bei dem er sich sehr schwertut bzw. bei dem von Anfang an klar ist, dass er ihn nicht erfüllen kann - dann wäre es gut für den Bauherrn und auch für die Angestellten des Unternehmens, dass das Unternehmen bis zum Bankrott möglichst weit kommt. Wenn es sich dann zuerst an den schwierigsten 20% verkünstelt, dann hat jeder am Ende am wenigsten davon.
auf "überraschende" Innovationen zu hoffen... Klar, überraschende Innovationen sind stets möglich, wiewohl sie sich - daher ja die Eigenschaft "überraschend" - schlecht einplanen lassen.
Im Moment scheint es nichts anderes zu geben. Mein Eindruck ist der, dass aktuell viele an kaltem Käse herumfeilen und tote Pferde wiederbeleben wollen. Das geht planwirtschaftliche und Planwirtschaft kann nichts anderes, weil das System an sich keine wirklichen Innovationen fördert und diese noch nicht einmal will.
Jede disruptive neue Technologe (und das sind ja überraschende Neuerungen) kann das Spiel ändern. Und solche Lösungen braucht Deutschland grad massiv. Ich kann marktwirtschaftlich Reize setzen, dass genau das passiert. Damit habe ich nicht, was ich fest einplanen kann - aber ich kann irgendwie darauf hoffen, dass, wenn die letzten 20% dran sind, Technoligen auf dem Markt sind, die die Erfüllung dieser Aufgabe deutlich leichter machen, als ich es mir zu Beginn gedacht habe.
In unserem Land scheint sich die schwere graue Decke planwirtschaftlichen Denkens jedenfalls schon derart auf uns gelegt zu haben, dass der Geist der Erneuerung, der Aufbruch in technologisch neue Möglichkeiten und das Streben nach besseren Lösungen erheblich erlahmt ist. Und leider können wir das auch international beobachten.
Schau Dir allein die Autos an. Klar gibt es kontinuierliche Verbesserungen - aber es gibt keinen großen neuen Wurf, der die Dinge auf den Kopf stellt. Mir scheint, die Leute haben aktuell einen so kleinen Horizont, dass es nicht einmal mehr Menschen gibt, die an so etwas denken!
Wer meint, dass, wer Visionen hat, zum Arzt gehen soll (Helmut Schmidt), der hat aktuell an entscheidenden Positionen nichts verloren. Die Gefahr wäre zu groß, dass er verhindert, dass wir in einen Zustand versetzt werden, der uns das Lösen der großen Aufgabe ermöglichen würde.
Auch Du scheinst mir von diesem Fortschrittspessimismus erfasst zu sein. Es mag sein, dass Visionen nicht real sind und dass wir sie auch nicht erreichen. Aber sie geben uns wenigstens eine Chance, wo dröges und rationales vorwärts kriechen absehbar in die Katastrophe führt.
Die andere Möglichkeit, nämlich dass unvorhergesehene (also auch irgendwie überraschende...) Probleme auftreten können, welche das Erledigen einer Aufgabe verzögern, besteht übrigens ebenso.
Das ist aber für planwirtschaftliche Konzepte das größere Problem. Herausforderungen und Probleme sind für freiheitlich denkende Menschen in erster Linie mal intellektuelle Herausforderungen, mit der Chance, bei der Lösung des Problems ganz neue Wege zu finden, die auch auf anderen Bereichen die Welt auf den Kopf stellen können. Jede Herausforderung ist immer auch ein Weg ins Wachstum. Wenn eine Herausforderung Dich mit einem Impuls des Wachwerdens, mit der Erwartung des Geschehens von Großem, mit der Vorfreude auf jetzt noch unerwartete Lösungen erfüllt, dann hast Du das Mindset für die Bewältigung solcher Aufgaben.
Meine Erfahrung ist die, dass jedes Problem zunächst einmal ein geistiges Problem ist. Wer sich unsicher aus ausgetrampelten Pfaden fühlt, wer bei Problemen gleich das Scheitern sieht, wer sich entmutigen lässt, der hat ein gravierendes Problem - denn er wird absehbar scheitern. Nicht ohne Grund sind Planwirtschaften in der Regel erfolglos.
Ohne Freiheit (die in erster Linie eine Freiheit im Denken ist), ohne Visionen und die Bereitschaft neue Wege zu gehen und Lösungen aus Perspektiven zu suchen, an die noch keiner gedacht hat, wirst Du keine neue Epoche begründen, werden wir den Einstieg in eine komplett neue Art des Wirtschaftens nicht schaffen. Unser Land hat ja nicht nur die planwirtschaftliche Tradition - aus diesem Grund habe ich noch Hoffnung!
Überhaupt sind solche Überkapazitäten auf der einen und Mangelsituationen in Zeiten von Flaute und wenig Sonne ja ein zentrales Problem, dass als erhebliche Bremse wirkt. Dies zu lösen - zum Beispiel durch Speicherkraftwerke, bei denen Wasser auf einen Berg hinauf (bei Stromüberschuss) und hinunter (um in Mangelsituation mit Turbinen Strom zu liefern) - wäre eine wichtige Aufgabe, die nicht der Verbraucher, sondern der Staat und die Energieversorger lösen müssen. Das würde dann wieder Kapazitäten für zusätzliche (gerne auch private) Photovoltaikanlagen liefern.
Deshalb werden neue Solarparks mittlerweile auch von Beginn an mit Batteriespeichern geplant... und das Feld wird immer weiter ausgebaut. Kannst ja mal danach googeln.
Da wartet niemand darauf, dass irgendwer Wasser auf Berge pumpt, damit man neue Solarzellen aufstellen kann. Der Bedarf nach Speicher ist da, also werden Speicher gebaut.
Wenn wir doch gerade von Marktwirtschaft sprechen.
...und nebenbei gibt es nicht nur "Marktwirtschaft" und "Planwirtschaft" (=Böse! Pfui!), sondern auch eine Menge Formen dazwischen, wie etwa eine geregelte Marktwirtschaft...
@lucan-7 Deshalb werden neue Solarparks mittlerweile auch von Beginn an mit Batteriespeichern geplant... und das Feld wird immer weiter ausgebaut. Kannst ja mal danach googeln.
Das ist ja auch gut, wenn das passiert. Es ist nur so, dass die Kapazität der privat installierten Photovoltaik stockt, weil Speicher fehlen. Zumindest werden die Gemeinden dies nicht weiter pushen, weil sie lokal mit dem Strom nichts anzufangen wissen.
Da wartet niemand darauf, dass irgendwer Wasser auf Berge pumpt, damit man neue Solarzellen aufstellen kann. Der Bedarf nach Speicher ist da, also werden Speicher gebaut.
Da ist eben Nachdenken gefragt - und Durchrechnen: Was brauche ich dringender? Ein Speicherbecken kann Energie längerfristig speichern in Skandinavien oder Österreich gibt es viele solcher Lösungen. Wenn die uns über den Winter mitversorgen können, ist das OK. Aber wenn wir über den Winter keine sg regenerative Energie haben und es ist möglich, dafür Quellen zu schaffen, kann es sein, dass so eine Lösung um ein Vielfaches wertvoller ist, als nur eine weitere größere Solaranlage, die ich lokal auf den Dächern sinnvoller unterbringen kann.
...und nebenbei gibt es nicht nur "Marktwirtschaft" und "Planwirtschaft" (=Böse! Pfui!), sondern auch eine Menge Formen dazwischen, wie etwa eine geregelte Marktwirtschaft...
Ich weiß halt um die systemtheoretisch unvermeidbaren Probleme der Planwirtschaft. Und ich weiß auch um das, was es für Marktwirtschaft benötigt. Und dies ist nicht allein die Freiheit, kaufmännische Entscheidungen zu treffen und Produkte anzubieten. Es braucht auch mehr als die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die eine Marktwirtschaft im sozialen Rahmen halten kann. Es braucht vor allen Dingen Menschen, die denken können, die an Schulen und in Universitäten nicht nur mit dem Nürnberger Trichter mit Wissen abgefüllt werden und in Prüfungen die zuvor geschlickten Konserven ausspucken können. Es braucht Menschen, die wirklich das Denken gelernt haben, die wissen, dass alles kritisch zu hinterfragen ist und die sich fortwährend um neue Perspektiven bemühen, die sie dann zur Diskussion stellen können.
Es ist ein großes Elend, dass dieses Denken und dass das hinterfragende und problemlösende Mindset nicht länger zentral an den Universitäten gelebt und gelehrt wird.
Woher sollen die disruptiven Ansätze kommen, wenn die Herde nur auf den klassischen Trampelfaden unterwegs ist. Wie können sich Studenten abseits der Pfade wagen, wenn keiner mehr die Kapazität und den Mut hat, über die Massen an Prüfungsstoff hinausgehend sich zu beschäftigen und dann in der Prüfung scheitern, weil es Lücken gibt oder sie gar wagen Gedanken zu äußern, die nicht zum Erwarteten Standard gehören.
Unsere Gesellschaft hat ein massives kulturelles Problem - und dieses Problem ist es, weshalb wir gute Chancen haben, zu scheitern.
Diese ganze graue Soße kann doch China viel besser. Und die wirklich neuen Ansätze sind in unserem sozialistisch abgedimmten kulturellen Umfeld kaum noch zu erwarten. Ich sage nicht, dass in der BRD alles klasse war. Ich stelle nur fest, dass wir als Nation in einen extrem bedauernswerten Zustand abgestürzt sind.
Ja, es gibt Dinge, die ich planerisch vorbereiten muss. Das war aber schon immer so. Funktionierende Fahrpläne zum Beispiel, haben einen gewissen Reiz. Ich muss die nächsten Tage verreisen. Ich würde gerne die Bahn nehmen, sehe aber die Menschen, die mich da für einen verwegenen Abenteurer halten, im Recht.
Diese ganze graue Soße kann doch China viel besser.
Was meinst du? In China bricht gerade die Wirtschaft aufgrund der Immobilienblase und die Gesellschaft aufgrund der Demographie zusammen... was genau können die besser...?
@lucan-7 Was meinst du? In China bricht gerade die Wirtschaft aufgrund der Immobilienblase und die Gesellschaft aufgrund der Demographie zusammen... was genau können die besser...?
Wie es mit China weitergeht, muss man abwarten. Sie haben eine Phase der Freiheit hinter sich, in der sie groß geworden sind. Das ist vorbei. Das kann auch alles verfallen, wenn der konstruktive Spirit mal raus ist.
Ich habe da nur für aktuell von chinesischen Unternehmen angebotene Produkte gesprochen - und auch an deren Pries-Leistungsverhältnis gedacht.
Mit "stabil" meinte Kappa vermutlich nicht das Klima, sondern die Volkswirtschaft. Sein Argument lautet also: besser, wir haben im Jahr XXX erst achtzig Prozent jener Wirtschaftsleistung, die heute durch klimaschädliche Methoden wie z.B. Kohleverfeuerung entsteht, auf klimaneutrale Methoden umgestellt und dafür noch eine Volkswirtschaft, welche die Bedürfnisse des Volkes befriedigt, als dass wir zwar überhaupt keine klimaschädigenden Emissionen mehr produzieren, aber eben auch die Volkswirtschaft zerstört wurde, weil die 80 Prozent Aufwand für die Erreichung der letzten 20% der Zielvorgabe sie zum Kollabieren brachten.
Ja, gut, aber das ist doch eine Banalität, dass wir schrittweise klimaneutral werden müssen und dass die einfachsten und kostengünstigsten Maßnahmen zuerst ergriffen werden.
Dass damit logischerweise auch eine Selbsttäuschung einhergeht, weil es dann so scheint, als wäre man auf einem guten Weg, obwohl die letzten 50% ungleich mehr Aufwand und Kosten erfordern, ist auch relativ banal.
Was mich aber bei der ganzen Argumentation ganz gewaltig stört ist die Mär, dass die Umstellung auf alternative Energien automatisch mit der Zerstörung der Wirtschaft einhergeht. Denn daraus folgt dann immer, dass die Erhaltung der Wirtschaft selbstverständlich Vorrang vor dem Klimaschutz haben muss, weil ohne Wirtschaft ist das Leben ja eh sinnlos. Oder so.
Und weil die Umstellung die Wirtschaft zerstört (Was nicht stimmt, aber munter verbreitet wird) muss die Umstellung so lange wie möglich verzögert werden, damit vorher noch kräftig abkassiert werden kann.
So wird das nichts...
@lucan-7 Ja, gut, aber das ist doch eine Banalität, dass wir schrittweise klimaneutral werden müssen
Korrekt. In der Sache bin ich ja auch völlig bei Dir, aber wollte halt drauf hinweisen, dass Du Kappas Argument vermutlich falsch aufgefasst hattest. Und auf Mißverständnissen lassen sich schwer weitere konstruktive Diskussionen gründen.
@kappa Wenn Ideologie über Soziales geht. Wenn nüchterner Pragmatismus fehlt und man den Focus auf Dinge steckt, die unterm Strich nicht viel bringen.
Das sehe ich ganz genau so wie Du. Wenn auf dem ideologischen* Altar des Neoliberalismus die 3. Welt ständig weiter ausgeblutet wird und unter anderem nun auch noch mit den ökologischen und also auch gesellschaftlichen Folgen des finanzkapitalistischen Goldrauschs der letzten vierzig Jahre weitgehend allein gelassen wird - unsozialer geht es wohl kaum noch! Und ja, nüchterner Pragmatismus würde die natur- wie auch wirtschaftswissenschaftlich ja nun längst erkannten Zusammenhänge berücksichtigen, würde zur Abwendung der schlimmsten Katastrophen durch Klimawandel, Artensterben und Übernutzung von Ackerflächen und Fischfanggebieten rechtzeitig wirkmächtige Naturressourcen-Besteuerung durchsetzen, statt den Focus auf nationalistische Identitätshuberei zu lenken und die unteren Einkommensschichten - die Arbeiterklasse und diejenigen, die nicht einmal Arbeit haben - gegeneinander aufzustacheln.
Wo soll das Kapitel herkommen um die Alte Bevölkerung zu versorgen?
Du wolltest wohl Kapital schreiben und hattest Dich da bloß vertippt. Allerdings: Kapital ist das, was der Kapitalist in Produktionsmittel investiert, welche wiederum ihm dazu dienen, von der Arbeitsleistung seiner Angestellten maximal zu profitieren. Nun ja: mit Kapital an sich versorgt man freilich keine Alten, auch Inkontinenz-Windeln würde ich nicht direkt als Kapital bezeichnen... Alte, insbesondere pflegebedürftige Alte versorgt man vor allem mit Pflegearbeit. Was eine Dienstleistung ist. 🙂
Was Du also vermutlich eigentlich meinst, ist: wo soll das Geld herkommen, um die Alten zu versorgen, d.h. diejenigen zu bezahlen, welche sie pflegen? Pragmatische Antwort: von dort, wo es im Überfluss vorhanden zu sein scheint. Erbschaftssteuern können dazu beitragen, eine angemessene Vermögenssteuer und so fort. Aber zuvorderst eben: eine gerechte Besteuerung von Naturressourcenverbrauch.
Nichts Prinzipielles einzuwenden gegen Industrieproduktion: wir Menschen brauchen neben Liebe und Rückenmassagen auch manches konkrete Zeug, Gegenstände, die möglichst effizient hergestellt werden sollten: um Arbeitaufwand und natürliche Ressourcen soweit wie möglich einzusparen. Aber was verstehst Du unter "klassischer Industrie"? Das Herstellen von (Verbrenner-)Autos für den wahnwitzigen Individualverkehr? Stahlverhüttung mittelst Kohleverbrennung? Diese Art von "klassisch" ist, weniger euphemistisch mit "veraltet", "überholt", "gestrig" und vor allem "fatal für unser aller Überleben" zu bezeichnen.
Hierzulande wird der Wegfall von klassischer Industrie von Leuten wie dem Fratzscher noch begrüßt. So jemand gehören seine Diplome und Titel schlicht aberkannt.
Ich weiß ja nun nicht, wer dieser Herr Fratzscher überhaupt ist, aber mir leuchtet es nicht ein, warum man jemandem, weil er eine Meinung zu einem beliebigen Thema äußert, die einem nicht passt, gleich Diplome und Titel aberkennen sollte. Ist das im Rahmen der seit neulich überall besungenen Cancel Culture inzwischen so üblich? 🤔
*Der Ideologievorwurf kommt dieser Tage in inflationärer Menge vor und ich habe so den vagen Verdacht, dass nur jeder zehnte, der ihn äußerst, auch imstande wäre, die Definition des Begriffs Ideologie halbwegs fehlerfrei aufzusagen.
Veröffentlicht von: @mikefrommuc@jack-black Danke für Deine Sichtweise. Du hast mit dem weißen Elefanten sicherlich recht - der Aspekt wird kaum thematisiert.
Wie auch? K(aum)ein Mensch will intolerant wirken.
Und wenn's satirisch aufgegriffen wird, merkt man ja auch, dass das nicht nett ist.
Wird die "neue linke Bewegung", die sie gründen wollen, politischen Erfolg haben? Ich befürchte, traurig gestimmt, eher: nein. Aber zumindest müssen sich deren Mitglieder nicht schämen und verbiegen in den letzten Tagen der Demokratie.
Dann machen sie also Politik für ihr Ego und nicht für die Menschen... womit sie sich dann wohl nahtlos in den Rest einfügen.
Zwar stimme ich grundsätzlich zu, dass die extrem reichen Menschen eine Hauptursache dafür sind, dass es zu viele extrem arme Menschen auf der Welt gibt und dass es hier ein grundsätzliches Problem gibt.
Aber obwohl man sich das schnell ausrechnen kann wird es offenbar nicht als Problem erkannt. Die sehr reichen Menschen werden nicht für ihre Gier und ihre Maßlosigkeit verachtet, sondern bewundert.
Und dass Menschen so gestrickt sind muss man halt zur Kenntnis nehmen. Das hat nichts mit Resignation zu tun - man muss nur die Leute dort abholen, wo sie sind, und sich nicht irgendwelchen Phantasien hingeben, wie Menschen doch bitteschön zu sein haben, damit man sie so regieren kann, wie man sich das vorstellt.
Daran scheitern die Linken schon seit Jahrzehnten... eigentlich von Beginn an.
Die sehr reichen Menschen werden nicht für ihre Gier und ihre Maßlosigkeit verachtet, sondern bewundert.
Gestern frisch in der ZEIT gelesen: Schon Kleinkinder bevorzugen Menschen, die über ein (kleinkindgemäßes) Vermögen verfügen. Und das, obwohl Kinder doch sonst wahre Gerechtigkeitsfanatiker sind.
@mrorleander Schon Kleinkinder bevorzugen Menschen, die über ein (kleinkindgemäßes) Vermögen verfügen. Und das, obwohl Kinder doch sonst wahre Gerechtigkeitsfanatiker sind.
Noch bevor sie das Konzept von "Gerechtigkeit" erlernen, sind sie schon durch ihre genetischen Anlagen geprägt. Gier dieser Art ist vermutlich so natürlich wie der Drang zu kacken: beides nicht schön und in beiden Fällen ist ein zivilisatorisch-sittlicher Überbau wünschenswert...
@lucan-7 Dann machen sie also Politik für ihr Ego und nicht für die Menschen... womit sie sich dann wohl nahtlos in den Rest einfügen.
Naja. "Die Menschen" oder auch "die Menschen im Lande", für die so manche behaupten Politik zu machen... Dahinter steckt so ein caritativer Gedanke, dass "die" betreut werden müssten, man "ihnen" was Gutes tun wolle... Politik ist in meinen Augen eher das Streiten für die jeweils eigenen Interessen.
Eigentlich hatte ich gestern schon ein sehr ausführliches Antwortposting auf einen anderen Beitrag von Dir geschrieben - so ausführlich, dass, als ich auf den "Antwort"-Buttom klickte, nur die Meldung "Etwas stimmt nicht mit deinen Daten" (sinngemäß) erschien und auch der Zurück-Buttom des Browsers nicht weiter half.
Da ging es kurz zusammengefasst darum, dass Du das Narrativ vom "grünen Wachstum", das den "Wohlstand sichern" soll, augenscheinlich ebenso vertrittst wie das grüne Establishment seit der Wahlschlappe nach dem 5-Mark-pro-Liter-Beschluss. Seit damals hat nicht etwa irgendein inhaltliches Vernunft-Argument die Grünen dazu bewegt, ihren grundsätzlich linken, antikapitalistischen Weg in einen marktkompatibel-ökologischen Weg zu ändern, sondern genau das, was Du hier mit der Floskel
man muss nur die Leute dort abholen, wo sie sind
zusammenfasst, die sie fortan zu ihrer wahltaktischen Maxime machten. Seither sind sie voll drin im Markt-Denken, nach welchem der Wähler als Kunde betrachtet wird, dem man eben Angebote machen müsse und so weiter und so fort. (<-- Das ist, nebenbei bemerkt, übrigens auch das Kernargument, dass viele der Kritiker von Wokism, "the message" und so fort dieser Tage immer gegen Disney, Marvel und amazon.prime mit höhnischem Tonfall anführen: dass sich all die diversity mit den Girlbosses etc. nicht so recht an den Kassen auszuzahlen scheint, weil die Leute nicht in die Kinos gingen, um sich politisch belehren zu lassen, sondern nur, um unterhalten zu werden. Naja, vielleicht nicht das Kernargument, aber jenes Argument, das sie besonders genüßlich vorbringen, weil es sich ja schlecht widerlegen läßt. So, wie sich die Wahlschlappen der Grünen nach dem 5-Mark-pro-Liter-Beschluss auch nicht widerlegen ließen.)
Und ja, als sie, die Grünen, dann auf den Realo-Weg einschwenkten, kamen sie in Regierungsverantwortung, durften unter Schröder dann aussenministermäßig wieder die Bundeswehr in Kriege "einbinden" und ein bisserl Umweltpolitik, die niemandem was abverlangt, ausprobieren. Marktverträglich eben.
Aber unter'm Strich bleibt dann von so einer "Politik", die sich kaum von einem religiösen Credo an das grüne Wachstum unterscheidet, nichts weiter, als dass ich jetzt ständig, wenn ich die Google-Seite aufrufe, unten den Slogan "Drei Jahrzehnte Klimaschutz - jede Entscheidung zählt!" zu lesen bekomme. Drei Jahrzehnte Klimaschutz? Das sollte man mal dem - freilich nicht zur Stimmabgabe in den blaunen Ländern befugten - Klima erzählen, welches davon nämlich offenbar noch nix mitbekommen hat. 😜 😯 😝
Es gibt, so meine zugegebenermaßen sehr wenig konstruktive oder pragmatische Sicht der Dinge, kein Wahres im Falschen: "die Menschen", die abgeholt werden wollen, wollen eigentlich bleiben, wo sie glauben, hinzugehören: im Wohlstand auf Kosten des Rests des Planeten. Sie wollen den Kapitalismus, für sie ist allein der Begriff "sozialistisch" schon ein rotes Tuch und mit dem lassen sie sich gern von gewieften Populisten wie ein wütender Stier durch die Arena an die Wahltöpfe dirigieren.
Und wenn nun einige der idealistischen jungen Leute aus der Grünen Jugend dies erkannt haben und merken, dass man in der Parteienpolitik, wenn man die Wähler stets als Kunden die bedient werden wollen versteht, zwar nach den Regeln spielen und dann auch Erfolge haben kann - dass diese Erfolge aber stets nur Wahlerfolge, keine politisch inhaltlichen Erfolge sein können... dann kann ich verstehen, dass diese jungen Idealisten da nicht mehr mitmachen mögen.
Man wird Moloch nicht besiegen können. Aber man kann sich immerhin dazu entscheiden, ihn nicht weiter mit anzubeten.
ceterum censeo pròblema alignment esse solvendum
"Die Menschen" oder auch "die Menschen im Lande", für die so manche behaupten Politik zu machen... Dahinter steckt so ein caritativer Gedanke, dass "die" betreut werden müssten, man "ihnen" was Gutes tun wolle... Politik ist in meinen Augen eher das Streiten für die jeweils eigenen Interessen.
Unter anderem das Interesse, gewählt zu werden... aber das scheint hier ja nicht gegeben zu sein. Denn dann müsste man sich an die realen Menschen und ihre realen Interessen wenden... statt sich ein Phantasievolk zurechtzubasteln, für das man dann seine so viel bessere Politik gestaltet...
Da ging es kurz zusammengefasst darum, dass Du das Narrativ vom "grünen Wachstum", das den "Wohlstand sichern" soll, augenscheinlich ebenso vertrittst wie das grüne Establishment seit der Wahlschlappe nach dem 5-Mark-pro-Liter-Beschluss.
Ich weiß nicht, ob es so etwas wie "grünes Wachstum" geben kann. Vielleicht ist das möglich, vielleicht ist es eine Illusion.
Was ich aber weiß ist, dass es die "fossile Vernichtung" gibt, also die Vernichtung der Wirtschaft, wenn wir keine regenerativen Energien einführen.
Es geht also erst mal gar nicht um "Wachstum", sondern darum, so viel wie möglich von dem zu erhalten, was wir haben. Und zwar auf einer Basis, auf der wir auch die nächsten Jahrzehnte aufbauen können (Was dann kommt weiß eh keiner...).
Wenn wir es richtig gut anstellen würden, dann wäre auf dieser Basis wohl auch wirtschaftliches Wachstum möglich... aber ich wäre schon sehr zufrieden, wenn in der Zukunft möglichst wenig vernichtet wird.
Seither sind sie voll drin im Markt-Denken, nach welchem der Wähler als Kunde betrachtet wird, dem man eben Angebote machen müsse und so weiter und so fort.
Das ist eine Methode, und vermutlich auch notwendig.
Eine andere Methode wäre es, den Menschen deutlich zu machen, das zu erhalten, was ihnen wertvoll ist. Damit müssten die Grünen eigentlich etliche AfD Wähler überzeugen... aber die denken ja im Gegenteil, dass die Grünen alles kaputt machen wollen.
Also klarer Fehler in der Kommunikation...
@lucan-7 Zitat von mir: Politik ist in meinen Augen eher das Streiten für die jeweils eigenen Interessen.
Unter anderem das Interesse, gewählt zu werden... aber das scheint hier ja nicht gegeben zu sein.
Dieses persönliche Interesse an Macht und Posten meinte ich gerade eben nicht. Sondern ich meinte jene Interessen, um die es eigentlich in der Politik geht: wirtschaftliche Interessen, Sicherheitsinteressen, kulturelle, ökologische, bildungsbezogene, gesundheitliche Interessen... Also auch und gerade die Interessen von Leuten, die nicht selbst politische Ämter haben oder anstreben. Politik besteht beispielsweise bei uns auch darin, zu wählen (jeder, der wählt oder auch bewußt nicht wählt, betreibt Politik): eben den eigenen Interessen gemäß.
Wenn nun die einzelnen Mitglieder der Grünen Jugend zu dem Schluss geraten sind, dass im Rahmen des hierzulande herrschenden parlamentarischen Systems ihre Interessen nicht durchsetzbar sind - dann ist es nur konsequent, aus diesem System auszusteigen.
Ich weiß nicht, ob es so etwas wie "grünes Wachstum" geben kann. Vielleicht ist das möglich, vielleicht ist es eine Illusion.
Es ist eine Illusion der schlimmsten Art, nämlich der zweckrationalistischen Art (der Zweck besteht darin, sich als "wählbar" den Bürgern, die nicht verzichten, die ihren "gewohnten Wohlstand" nicht aufgebe wollen, anzubiedern). Ich sprach das an, weil Du oben (ich finde gerade nicht das Posting von Dir, auf das ich da gestern reagierte...) etwas von Wohlstand schriebst, der erhalten werden solle: Wohlstand bedeutet: Geld zu haben, mit dem man sich Zeug kaufen kann.
Wenn nicht der Wohlstand (also das Geld, mit dem man sich Zeug kaufen kann) grundsätzlich anders verteilt wird in unserer Gesellschaft, dann muss er sich im Schnitt für jeden von uns um mehr als 50% verringern. Wer also behauptet, die ökologischen Probleme dieser Welt ließen sich lösen, ohne dass entweder die Verteilung des Wohlstands (Gesamtmenge an Zeug, das gekauft, und das vorher aus endlichen Ressourcen hergestellt wird) sich grundlegend ändert, oder eben dieser Wohlstand als Ganzer zurückgeht - der behauptet etwas physikalisch Unmögliches. Wenn man also den deutschen Wählern erzählt, ihr Wohlstand könne gewahrt bleiben (z.B. indem sie mit Umwelttechnolgien viel Geld verdienen - Geld, mit dem sie sich dann soviel Zeug kaufen können wie bisher...) und dennoch der Klimawandel gestoppt und das Artensterben beendet werden - dann lügt man ihnen etwas vor.
Der 5MarkproLiter-Beschluss hatte eine Logik: er sollte dafür sorgen, dass die Leute weniger Auto fahren, also weniger Benzin (begrenzte Ressource) verbrauchen. Dass damit zuerst diejenigen auf Mobilität würden verzichten müssen, bei denen das Geld knapp ist, war dabei ebenfalls logisch: Mobilität ist, objektiv betrachtet, eben Wohlstand.
So, wie (Fleisch-) Essen Wohlstand ist und beheizter Wohnraum und medizinische Versorgung und Medienkonsum und und und und...
Wenn man mal davon ausgeht, dass es für jeden Bürger so eine Art Grundversorgung geben sollte: Wohnraum, Wärme (im Klimawandel-Sommer: erträgliche Kühle), Essen, medizinische Versorgung etc. pp., und wenn man als Gesamtkollektiv um über fünfzig Prozent des Ressourcenverbrauchs zurückschrauben muss - dann bleibt ja wohl nur, dort zurückzuschrauben, wo die Leute überdurchschnittlich viel konsumieren. Deren Wohlstand muss also dann beschnitten werden, wenn man den Wohlstand derer, die eh schon am Existenzminimum herumkrebsen, nicht antasten kann.
Das funktioniert in einem kapitalistischen und demokratischen System nicht, jedenfalls nicht rechtzeitig, bevor die Physik uns gnadenlos die Grenzen des Möglichen aufzeigt (und dann ist es zu spät, naja, es war eigentlich vorgestern schon zu spät, aber wir sind halt sehr langsam im Kapieren).
Falls man an die Vernunft der Wähler appellieren möchte, dann muss man ihnen diese Wahrheit zumuten. Falls man denkt: "Nö, diese unangenehmen Wahrheiten können wir den Wählern nicht zumuten, wir erzählen denen lieber, was sie hören wollen und was uns in ihren Augen wählbar macht - also z.B. das schöne Märchen vom wohlstandserhaltenden grünen Wachstum. Sobald wir an der Macht sind, können wir dann ja dennoch das tun, von dem wir eigentlich denken, das es richtig ist..." dann spielt man mit falschen Karten und glaubt nicht wirklich an das Funktionieren der Demokratie.
ceterum censeo pròblema alignment esse solvendum
Dieses persönliche Interesse an Macht und Posten meinte ich gerade eben nicht. Sondern ich meinte jene Interessen, um die es eigentlich in der Politik geht: wirtschaftliche Interessen, Sicherheitsinteressen, kulturelle, ökologische, bildungsbezogene, gesundheitliche Interessen... Also auch und gerade die Interessen von Leuten, die nicht selbst politische Ämter haben oder anstreben.
Aber wir redeten doch von den Interessen der abgewanderten grünen Jungpolitiker...?
Wenn die sich eine Wunschwelt zurechtbasteln, die zwar schön und erstrebenswert ist, aber praktisch keine Berührungspunkte mit der Realität aufweist - dann geht es diesen Leuten offenbar nur darum, sich in ihre Wohlfühl-Blase zurückzuziehen und ihr gekränktes Ego zu pflegen... aber nicht darum, tatsächlich in der Welt etwas ändern zu wollen.
Denn dafür müsste man sich diese Welt - und die Menschen darin - erst einmal genau ansehen, um sie zu verstehen.
Ich sprach das an, weil Du oben (ich finde gerade nicht das Posting von Dir, auf das ich da gestern reagierte...) etwas von Wohlstand schriebst, der erhalten werden solle: Wohlstand bedeutet: Geld zu haben, mit dem man sich Zeug kaufen kann.
Da bin ich gerade nicht sicher, ob wir das gleiche meinen, wenn wir von "Wohlstand" sprechen. Für mich bedeutet "Wohlstand" in erster Linie Versorgungssicherheit, das heißt Wohnraum, Lebensmittel, medizinische Versorgung.
Natürlich schließt das auch ein gewisses Maß an "Luxus" ein - aber dieser ist höchst relativ. Vor 30 Jahren war es noch ein "Luxus", eine ledergebundene 30-bändige Ausgabe des "Brockhaus" zu besitzen... heute hat jeder Teenager mehr Informationen über sein Handy zur Verfügung, so dass dies kaum noch ein "Luxusgut" ist.
Es macht also einen Unterschied, ob "Wohlstand" jetzt bedeutet, einmal im Monat ins Kino zu gehen oder nach Dubai zu fliegen, um sich die neuesten Rolex-Modelle, passend zur Ferrari-Sammlung zuzulegen...
Wenn nicht der Wohlstand (also das Geld, mit dem man sich Zeug kaufen kann) grundsätzlich anders verteilt wird in unserer Gesellschaft, dann muss er sich im Schnitt für jeden von uns um mehr als 50% verringern.
Warum muss er das?
Was immer noch aufgrund massiver Lobbyarbeit übersehen wird: Die alternativen Energien sind sehr viel günstiger als Öl und Gas.
Und wenn es zutreffend ist, dass unser Wohlstand auf "billigem" Öl und Gas beruht... dann müsste unser Wohlstand durch Energie, die NOCH billiger ist, auch entsprechend steigen!
Ob das wirklich zutrifft oder nicht vermag ich nicht zu sagen... aber es erscheint mir zumindest nicht gänzlich abwegig. Denn wir sind die ganzen letzten Jahrzehnte von der Öl- und Gaslobby nach Strich und Faden verarscht worden. Und das sicher nicht zu unseren Gunsten...
Falls man an die Vernunft der Wähler appellieren möchte, dann muss man ihnen diese Wahrheit zumuten. Falls man denkt: "Nö, diese unangenehmen Wahrheiten können wir den Wählern nicht zumuten, wir erzählen denen lieber, was sie hören wollen und was uns in ihren Augen wählbar macht - also z.B. das schöne Märchen vom wohlstandserhaltenden grünen Wachstum. Sobald wir an der Macht sind, können wir dann ja dennoch das tun, von dem wir eigentlich denken, das es richtig ist..." dann spielt man mit falschen Karten und glaubt nicht wirklich an das Funktionieren der Demokratie.
Und deswegen sollte man den Wählern auch die echten Wahrheiten zumuten... die möglicherweise gar nicht so schlimm sind, wie du es hier suggerierst.
Und schon gar nicht so schlecht wie die Alternativen... "weitermachen" ist die schlechteste aller Optionen!
aber nicht darum, tatsächlich in der Welt etwas ändern zu wollen.
Doch schon, aber vielleicht nicht (mehr) mit den Mitteln unseres parlamentarischen Systems. Das will ja - mit ganz anderem Programm - auch die AfD überwinden und bekommt dafür hohe Zustimmungswerte. Möglich wäre es also, "in der Welt" etwas zu verändern.
Doch schon, aber vielleicht nicht (mehr) mit den Mitteln unseres parlamentarischen Systems. Das will ja - mit ganz anderem Programm - auch die AfD überwinden und bekommt dafür hohe Zustimmungswerte. Möglich wäre es also, "in der Welt" etwas zu verändern.
Die AfD versucht der Mehrheit die Meinung einer Minderheit aufzuzwingen... das mag sie mit den jungen Ex-Grünen gemeinsam haben... aber nicht unbedingt mit den gleichen Konsequenzen.
Kann das auch als Flucht gesehen werden, um nicht die Folgen auszubaden?
Michael Bröcker ("Table Media") hat zuerst darüber berichtet und scheint viel Insiderwissen zu haben.
Robert Habeck wollte den Rücktritt. Er will tatsächlich als Kanzler kandidieren und sieht sich als Merkel 2.0.
Merz rückt die CDU nach Rechts und Habeck die Grünen in die Mitte. So der Plan.
Damit das gelingt, braucht Habeck Franziska Brantner, sie genießt sein absolutes Vertrauen. Und verlangt ihrerseits den Parteivorsitz dafür.
Deshalb müssen Lang u Nouripour weichen.
Quelle:
Habecks Plan: Warum die Grünen-Spitze zurücktritt
Michael Bröker bei Paul Ronzheimer sm 25.09.24, Dauer ca. 30 min.
@martha Diese Theorie habe ich auch schon gehört. Da war Frau Lang wohl nur eine Alibi-Vorsitzende, und im Hintergrund hatten andere das Sagen?
Da war Frau Lang wohl nur eine Alibi-Vorsitzende,
Das glaube ich nicht. Eher scheint Habeck die Zeit davon zu laufen und er will die letzten Wochen für seine Kanzlerkandidatur nutzen.
@martha Vielen Dank für den Link. Habe es mir angehört und fand es sehr interessant. Table Media scheint auch ein interessantes neues Medienformat und eine wichtige Informationsquelle zu sein. Habe mir von denen mal ein Probeabo von ein paar Newslettern bestellt. Sehr informativ! Mal sehen, ob ich da etwas buchen werde, wenn die Probezeit vorbei ist.
Es geht weiter mit dem Abstieg. Nun ist auch der Vorstand der Grünen Jugend in Bayern ausgestiegen. Will Habeck seine Partei auf diese Weise aufpolieren, um sich als Koalitionspartner für die CDU/CSU anzubieten? Oder sinkt das Schiff der Grünen?
Will Habeck seine Partei auf diese Weise aufpolieren, um sich als Koalitionspartner für die CDU/CSU anzubieten?
Es macht den Eindruck.
Auch Boris Palmer meldet sich zu Wort: „Wer Politik gegen die Wirtschaft und mit Marx‘ Theorien machen will, ist bei einer grünen Partei einfach völlig falsch aufgehoben.“ Nach seinen Worten haben die Grünen zu viel ideologischen Ballast. Sogar Renate Künast bemängelt bei der Jugendorganisation, sie sei "nicht realitätstauglich".
Dann liegt der Schluß nahe, daß es nicht die Sündenbockkampagne ist, die den Abstieg begründet, sondern interne Gründe, nämlich die Ideologie. Hier wird zwar nur die Jugendorganisation kritisiert. Aber in der Partei selbst lassen sich ja ähnliche Stimmen wie in der Jugendorganisation finden.
Will Habeck seine Partei auf diese Weise aufpolieren
Unterstellst du jetzt, dass Habeck den Bundesvorstand und die Vorstand der Grünen Jugend entlassen hat? Was eine Unsinnige Formulierung.
Wenn ich so höre, was der Vorstand der Grüne Jugend so für Vorstellungen haben, verstehe ich auch voll und ganz, dass die bei den Grünen falsch waren.
um sich als Koalitionspartner für die CDU/CSU anzubieten?
Ich denke durchaus, dass die Grünen sich darauf vorbereiten. Läuft in einigen Bundesländern ja sehr gut.
Unterstellst du jetzt, dass Habeck den Bundesvorstand und die Vorstand der Grünen Jugend entlassen hat? Was eine Unsinnige Formulierung.
Ich unterstelle nicht, sondern frage, ob es möglich wäre. Außerdem steht bei mir nichts von "entlassen". Allerdings kann ich mir vorstellen, daß er im Hintergrund die Fäden zieht. Er profitiert doch vom Abgang, zumal als Nachfolger schon Vertraute von Habeck im Gespräch sind.
Hier findest Du auch einen Bericht, der das thematisiert:
Und vor allem Robert Habeck soll dabei Ausschlag gebend gewesen sein und auf den Rücktritt der Parteivorsitzenden Omid Nouripour und Ricarda Lang gedrängt haben.
Der Gedanke scheint also nicht so unsinnig zu sein.
Ich unterstelle nicht,
Dann solltest du die Frage nicht so Suggestiv stellen oder direkt eine Quelle mitliefern, um deine Aussage einzuordnen.
Der Gedanke scheint also nicht so unsinnig zu sein.
Ich habe deine Formulierung kritisiert, nicht die möglichen Sachverhalt.
Die Gründe für die verlorenen Wahlen? Guckt Euch doch die Leute an, die Politiker spielen wollen!
Das könnte ein Grund für allgemeine Politikmüdigkeit sein. Irgendwie fehlen mir die 'guten' Persönlichkeiten.
Und klar, damit meine ich natürlich die, die ich als 'gut' empfinden würde.
Vielleicht schon erwachsen und bodenständig, nicht von der Schule auf die Uni und von dort in den Bundestag.
Veröffentlicht von: @mikefrommucNa, wie auch immer. Von mir aus tragen die anderen eine Mitschuld daran.
Herr Merz persönlich hat ja gesagt, dass die Grünen der Hauptgegner sind.
Veröffentlicht von: @mikefrommucWelche Fehler haben die Grünen selbst gemacht?
Dass sie in der Migrationspolitik zuerst nicht so flexibel waren wie jetzt zuletzt.
Herr Merz persönlich hat ja gesagt, dass die Grünen der Hauptgegner sind.
Ja mei, des hat scho der Franz Josef Strauß gesagt. Und sogar noch deftiger, als es der Herr Merz kann.
Dass sie in der Migrationspolitik zuerst nicht so flexibel waren wie jetzt zuletzt.
OK, sie haben früher einen Fehler gemacht, den sie jetzt aber nicht mehr machen. Dann müßte der Absturz ja beendet sein?
Aber lassen wir es gut sein. Mittlerweile wurden hier ja schon andere Gründe genannt, und auch die Medien berichten mittlerweile differenzierter als anfangs. Ich kann auch verstehen, daß die Grünen es gerade nicht so recht fassen können. Sie erlebten viele Jahre einen Höhenflug und bekamen viel Unterstützung. Jetzt sinkt die Wählergunst, und es ist schwer, sich darauf einzustellen.
Es wird jedenfalls spannend, ob die Rück- und Austritte eine Wende bewirken.