AfD wählen?
Es ist ja hier schon an verschiedenen Stellen zur AfD diskutiert worden. Ich mache gerade die Erfahrung, dass viele, die sich selbst christlich nennen (Kulturchristen), geneigt sind die AfD zu wählen. Jedenfalls keine klare Kritik äußern. Die Gründe sind vielfältig. Die Enttäuschung über die traditionelle Parteien ist nur ein Aspekt. Worüber in den Diskussionen hinweggesehen wird, ist dass die AfD in ihrer Praxis ungeniert faschistoide Züge und Praktiken aufweist. Ihre Rhetorik wird entweder akzeptiert (man muss manche Sachen auch mal klar beim Namen nennen) oder als Randphänomen abgetan (Spinner gibt es überall). Genauso wie Gewalt gegen Politiker oder Migranten (dass sind wirkliche Rechtextreme, die mit der AfD nichts zutun haben). Dass die Agitation der AfD ein Gewaltklima schürt wird einfach nicht gesehen oder als irrelevant abgetan. Im Kern rechtfertigen die Befürworter viele Wahlaussagen aus dem AfD Programm. Das Argument, Papier ist geduldig und die AfD hängt sich ein bürgerliches Mäntelchen zur Tarnung um, wird als Verschwörungstheorie abgewiesen. Die verbale Entschärfung des AfD Programms (keine Leitkultur, keine Remigration mehr) wird stattdessen als Beweis für das Unrecht der Kritiker oder des Meinungsmonopols der ´Lügenpresse` genommen. Selbst dieser Begriffe tauchen im Wahlprogramm nicht mehr auf.
Im Bundestagswahlprogramm (BWP) 2025 heißt es unter der Überschrift Kampf gegen Desinformation: Die Äußerung der freien Meinung in Medien jeglicher Art stellt auch eine Kontrollmöglichkeit des Bürgers gegenüber dem Staat dar. Die freie Meinungsäußerung schließt auch das Recht auf Irrtum ein.“ (BWP 2025:48). Ich lese in dem letzten Satz einen Freibrief für die Verbreitung von Fake News und Straffreiheit für Fakenews, zumindest solange, wie die AfD nicht an der Macht ist. Von subtilen Falschinformationen macht sie dann auch im Programm reichliche Gebrauch: „Durch die aktuelle Regierung wird das Geschlecht nicht mehr als biologische Tatsache definiert, sondern als ein soziales Konstrukt, welches austauschbar und erweiterbar ist. …. Kinder und Jugendliche werden durch einen Trans-Kult in Kita, Schule, Medien, im Internet und durch Gleichaltrige manipuliert. Daraus kann eine falsche Wahrnehmung folgen. Vorschnelle Diagnosen führen dann zur Gabe von Hormonen wie Pubertätsblockern, die ein hohes Risiko für Herzinfarkt, Unfruchtbarkeit und … (BWP 2025:150)
Ebenso verhält es sich mit der Religionsfreiheit gegenüber dem Islam. Unter der Überschrift „Einer weiteren Ausbreitung des Islam treten wir entgegen“ finden sich die scheinbar harmlose Forderungen wie „Die AfD fordert, islamistische Vereine bzw. Moscheegemeinden konsequent zu verbieten, wenn die entsprechenden Voraussetzungen vorliegen … In Deutschland predigende Imame sollen sich zu unserer Verfassung bekennen, möglichst in deutscher Sprache predigen und in Deutschland ausgebildet sein….“ Ich finde, man sollte das letzte Kriterien erstmal auf die AfD selbst anwenden. Dass der Wolf Kreide gefressen hat und der faschistoide Charakter der AfD in ihren tatsächlichen Handeln zu suchen ist, kann man nur schwer klar machen.
Besonders bedenklich finde ich folgende ´christliche` Argumentation (nicht von Kultur- aber Kirchenchristen): „Egal wer in Deutschland regiert … Er hat seine Macht von Gott und wir sollen der Obrigkeit untertan sein“. Sie berufen sich auf Röm.13,1: „Ein jeder soll sich der obrigkeitlichen Gewalt unterordnen! …; Tit.3,1: „Erinnere sie, der obrigkeitlichen Gewalt untertan, gehorsam und zu jedem guten Werk bereit zu sein,… Die Diskussion läuft dann oft so:
(a): Wenn die AfD an die Macht kommt, dann hat das Gott gewollt.
(b): So wie damals, als Hitler an die Macht gekommen ist?
(a): Die AfD ist mit den Nazis nicht zu vergleichen?
(b): Es geht ja um das Prinzip, das dahinter steht. Selbst wenn man den Glauben teilt, dass Gott als Herrscher der Welt auch die NSDAP zugelassen hat, kann man nicht daraus schließen, dass Gott will, dass man das widerspruchslos hinnimmt. Im AT waren tyrannische Herrscher oft ein Mittel, um dem Volk Israel die Folgen ihrer Untreue zu zeigen. Gott hat schlechte Herrscher, Exil und Vertreibung zugelassen, nicht um zu strafen (im Sinne eines negativen Stimulus), sondern hat ihnen den Ungeist heidnischer Herrschaft als Folgen ihrer Abwendung von Gott und Hinwendung zu Götzen gezeigt. In diesem Sinne ist die AfD ein Abbild des bösen Geistes, der sich in der Nachkriegsgesellschaft zunehmende breit gemacht hat. U.a. weil aus der Naziherrschaft keine wirklichen Lehren gezogen worden sind.
Im Prinzip gilt dies auch für alle anderen Parteien, wenn auch in unterschiedlichen Ausmaß. Weder CSU noch CDU geben dem C in ihrem Namen wirklich die Ehre.
Am Ende stehe ich da, bin fest davon überzeugt, dass die AfD ein Gefahr für Deutschland und die Welt darstellt und man den Anfängen wehren muss; aber ich fühl mich überfordert, dass den Menschen, die ja an sich (subjektiv) das gute Wollen, davon zu überzeugen, dass man die AfD nicht verharmlosen und schon gar nicht an die Macht / kommen lassen / wählen darf. Ich halte es für erforderlich nachhaltige als bisher auf die Gefahren die von der AfD ausgehen hinzuweisen. DIe findet man aber nicht offen formuliert im Programm, sondern in den Taten. Z.B. in ihrem Verhalten im den Parlamenten und vor in anderen Bereichen der öffentlichen Lebens.
Veröffentlicht von: @herbertWorüber in den Diskussionen hinweggesehen wird, ist dass die AfD in ihrer Praxis ungeniert faschistoide Züge und Praktiken aufweist.
Das ist ein abgeschlossenes Urteil, dem die Begründung fehlt.
Das ist ein abgeschlossenes Urteil, dem die Begründung fehlt.
Nein, das ist eine Sachaussage, welche durch die Mitglieder der AfD selbst bestätigt wird.
Die politische Agenda der AfD ist durch Gleichschaltung der Bevölkerung, Rassismus und Ende der Meinungsfreiheit und Vielfalt geprägt.
Das als "faschistoid" zu bezeichnen ist eine sachliche Aussage.
Heinig: Kirchen und AfD betrachten sich gegenseitig als inkompatibel
Der Göttinger Staats- und Kirchenrechtler Hans Michael Heinig sieht im Programm der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Abkehr von bisherigen Prinzipien. Das Programm sei ein Bruch mit „der langen Tradition eines sehr religions- und kirchenfreundlichen Umgangs aller politisch maßgeblichen Kräfte“, sagte Heinig dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er sprach von einer „Zäsur“, selbst wenn die AfD im September nach der Landtagswahl nicht regieren sollte.
Der AfD-Landesverband hatte am Wochenende sein sogenanntes Regierungsprogramm für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September verabschiedet, darin greift er auch die Kirchen als Institution an. Die Partei will die Privilegien der „Kirchensteuerkirchen“ abschaffen, wie sie die evangelische und katholische Kirche nennt. Die Kirchensteuer soll nicht mehr von den staatlichen Finanzämtern eingezogen, das Kirchenasyl abgeschafft und staatliche Gelder für die Kirchen an Bedingungen geknüpft werden. Der Landesverband wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Heinig sagte, die AfD äußere sich in dem Programm kirchenfeindlich. Doch auch die Kirchen hätten sich im Vorfeld AfD-kritisch geäußert. Man betrachte sich gegenseitig mit den jeweiligen politischen Vorstellungen als „inkompatibel“, sagte Heinig. Die Frontstellung gegen die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer entspreche dem politischen Kampf gegen etablierte Institutionen.
Aber, gab der Professor für Öffentliches Recht zu Bedenken, möglicherweise hätten die Kirchen ungewollt auch selbst einen Beitrag zum Erstarken des Populismus geleistet. In der Politikwissenschaft werde über die Entstehungsbedingungen des autoritären Rechtspopulismus geforscht. Dieser werde von manchen auch als Gegenbewegung zu einer liberal-progressiven Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte gesehen.
Die evangelische Kirche habe sich als Motor der kulturellen Modernisierung gesehen, sagte Heinig. Dabei habe sie vielleicht in der Debatte über die Einwanderungs- und Migrationspolitik Diskussionsräume verengt. Er wolle eine selbstkritische Reflexion anregen, ob dies nicht ein Versäumnis der evangelischen Kirche sei. Sie wäre möglicherweise besser gefahren, wenn sie nicht-rassistische, migrations- und integrationspolitische Kontroversen stärker ermöglicht hätte und nicht primär als profilierter politischer Akteur in Erscheinung getreten wäre. Das Thema Migration sei ein Großtreiber der Polarisierung gewesen.
Heinig sagte, die Kirchen sollten die radikale Rhetorik der AfD ernst nehmen. Konflikte seien auf allen kirchlichen Handlungsfeldern absehbar, von der Diakonie mit ihrem Einsatz für Inklusion bis hin zur christlichen queersensiblen Jugendarbeit.
Die Partei will die Privilegien der „Kirchensteuerkirchen“ abschaffen, wie sie die evangelische und katholische Kirche nennt. Die Kirchensteuer soll nicht mehr von den staatlichen Finanzämtern eingezogen, das Kirchenasyl abgeschafft und staatliche Gelder für die Kirchen an Bedingungen geknüpft werden.
Was das Geld angeht, werden Freikirchler da kaum protestieren wollen.
Aber Kirchenasyl abschaffen -. damit konvertierte Muslime nach Iran oder Afghanistan, gewissermaßen zwecks Hinrichtung, abgeschoben werden können? Da sollte jeder Christ protestieren …
Aber, gab der Professor für Öffentliches Recht zu Bedenken, möglicherweise hätten die Kirchen ungewollt auch selbst einen Beitrag zum Erstarken des Populismus geleistet.
Das kann durchaus sein. Gerade von der evangelischen Kirche kamen nicht nur Appelle, die biblisch begründet oder mindestens biblisch begründbar sind, sondern auch politische Äußerungen zu Themen, wo man als Christ durchaus verschiedener Meinung sein kann. Eine Diskussion darüber lohnt sich auf jeden Fall,
Das Thema Migration sei ein Großtreiber der Polarisierung gewesen.
Gerade bei dem Thema ging nach meiner Wahrnehmung die Polarisierung aber nicht von den Kirchen aus.
Aber Kirchenasyl abschaffen -. damit konvertierte Muslime nach Iran oder Afghanistan, gewissermaßen zwecks Hinrichtung, abgeschoben werden können? Da sollte jeder Christ protestieren …
Niemand darf "zwecks Hinrichtung" abgeschoben werden. Dafür brauchen wir kein Kirchenasyl, das ist auch so schon verboten.
@lucan-7 das Kirchenasyl ist halt auch nicht rechtlich abgesichert, d.h. die Polizei kann (theoretisch) in ein Kirchengebäude ohne Zustimmung gehen. Der Staat wird das wegen der Aussenwirkung aber eher vermeiden. Eine Ausnahme ergäbe sich m.E. wenn die Nuntiatur des Vatikanstaates in Berlin Asyl gewährt. Denn diese geniesst m.W. diplomatischen Schutz und ein Vorgehen der Polizei ohne Zustimmung des Heiligen Stuhles würde für massive Verwerfungen sorgen. Wobei das dann kein Kirchenasyl sondern Botschaftsasyl (wie bei Assange) wäre.
Wobei Kirchenasyl nicht nur christliche Einrichtungen betrifft, 2014 gab es auch ein Synagogenasyl: https://www.tagesspiegel.de/politik/juden-bieten-muslim-asyl-3577840.html
Klar, offiziell wird niemand deswegen abgeschoben, aber darauf liefen doch de facto manche Abschiebungen heraus. Seehofers Herrschaft des Unrechts eben …
@jigal Kirchenasyl gibt es in Deutschland rechtlich nicht. Es gibt eine Verfahrensabsprache zwischen BAMF und den Kirchen, ohne Anerkennung eines eigenen Rechtes auf Kirchenasyl. Wie ich in einem anderen Post geschhrieben habe wäre das nur bei der RKK anders, wenn diese in der Berliner Nuntiatur Asyl gewähren würde, da dies in Botschaftsasyl wäre und das zu brechen gäbe internationale Verwicklungen. Und dürfte zu einem sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen führen (siehe Sturm in Ecuador auf die mexikanische Botschaft). Und die beteiligten Personen zögen sich m.E. (wenn katholisch) nach Can. 1370 § 2 CIC ein Interdikt zu.
Eine Kirchenstürmung einer katholischen Kirche dürfte nach Can. 1211 CIC als Schändung gesehen werden und würde einen Bußritus erfordern. Mit aller negativen "PR"...
Ein wenig Trivia:
CIC 1211 wurde durch "Die toten Hosen" mit einem Videodreh getriggert ("Eisgekühlter Bommerlunder"-Video) siehe: https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/vor-30-jahren-die-toten-hosen-entweihen-kirche-art-197300
In den USA wurde Saints Peter and Paul Kirche in Pearl River, Louisiana neu geweiht (und der Altar rituell verbrannt) weil der Priester mit zwei professionellen Dominas den Altar entweihte ( https://rp-online.de/panorama/ausland/pearl-river-polizei-verhaftet-priester-und-zwei-frauen-wegen-sex-auf-kirchenaltar_aid-53968303)
@jigal ich kennen den Fall nicht, wenn es um Kirchenasyl ging dass er gewährte dann war das ggf. im Rahmen der Verfahrensabsprache mit dem BAMF. Bisher gab es m.W. noch keine politischen Versihe Kirchenasyl rechtlich zu normieren als Anspruch und nicht nur als Absprache.
Die Partei will die Privilegien der „Kirchensteuerkirchen“ abschaffen, wie sie die evangelische und katholische Kirche nennt. Die Kirchensteuer soll nicht mehr von den staatlichen Finanzämtern eingezogen, das Kirchenasyl abgeschafft und staatliche Gelder für die Kirchen an Bedingungen geknüpft werden.
Das sind alles vernünftige und rechtsstaatliche Forderungen:
- Jeder Verein kümmert sich selbst um seine Mitgliedsbeiträge. Die Kirche kann das auch. Es ist eine Frechheit, dass die Kirchensteuer als Teil staatlicher Forderungen einfach vollstreckt werden kann. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber anderen Vereinen. Kritisch gegen diesen Kirchensteuereinzug sind auch die Linke und auch die FDP und die Säkularen Grünen.
- Kirchenasyl gibt es nicht und ist faktisch ein Vorteil der ehemaligen Staatskirchen, weil die Behörden dann zu faul sind rechtsstaatlich zu handeln. Das BAMF überprüft dann halt nochmal; die Erfolgsquote ist aber gering (denn fast immer geht es um Dublin-Fälle, also die Überstellung in ein EU-Land).
- Staatliche Gelder sollen immer an Bedingungen und Rechenschaftspflichten geknüpft sein. Auch das kennt jeder kleine gemeinnützige Verein.
Ich hätte noch erwartet, dass da etwas über die Ablösung der Staatsleistungen steht. Das kann PRO nicht überlesen haben. Die Ablösung ist Verfassungsauftrag seit der Weimarer Republik (Art. 138 I WRV; Art. 140 GG) und wird konstant ignoriert. Die Linke bemüht sich gelegentlich darum für die Ablösung zu sorgen. Ich halte das für eine heimliche Förderung der ehemaligen Staatskirchen gegen Freikirchen, Atheisten und Moslems; daher ist mir das durchaus recht. Fair und nach der Idee des Grundgesetzes ist das freilich nicht.
@johnnyd es gibt keinen Staatskirchen. Die Zeiten in der ein Landesherr Oberhaupt der Kirche war gibt es seit Ende des I. Weltkrieges nicht mehr und selbst die Landesherren konnten nicht mehr sagen alle müssen meine Konfession haben.
Der König von Württemberg hat zwar mal gesagt, zwei Kirchen der Reformation in meinem Land mag ich nicht, ihr seit jetzt alles württembergisch evangelisch. Herr Kretschmann konnte jetzt aber nicht sagen, ich bin katholisch und somit sind alle Baden-Württemberger katholisch. Das wäre dann Staatskirche.
Der Staat zieht die Kirchensteuer auch nicht aus Jux und Dollerei ein und jeder K d Ö R kann dies gegen Bezahlung tun, so wie sie auch von den Landeskrichen und der römisch-katholischen Bistümern dafür bezahlt wird.
2 % der Kirchensteuer behält der Staat für die Dienstleistung ein, das ist für ihn ja sehr einfach und für die Kirchen günstiger.
Staatskirchen bestanden ja nicht nur aus dem landesherrlichen Kirchenregiment. Ich schreibe bewusst in beiden Erwähnungen von den "ehemaligen Staatskirchen".
Schon die erwähnten Verfassungsartikel zeigen die fortbestehende Relevanz. Wir nennen das "hinkende Trennung", weil die Trennung von Staat und Kirche nicht vollständig vollzogen ist; anders zB in Frankreich.
Übrigens hießen die Vorlesungen noch in meiner Studentenzeit "Staatskirchenrecht" (auch Werke des angeführtes Prof. Heinig; besucht haben das allgemein gesellschaftswissenschaftlich interessierte Langzeitstudenten wie ich, die viel abseits des Curriculums unterwegs waren); es gibt nun mal weiterhin diese besondere Kooperationsmodell zwischen den Gebietskörperschaften und den ehemaligen Staatskirchen. Erst allmählich weiten sich diese Vorlesungen zu "Religionsverfassungsrecht" oder besser "Religions- und Weltanschauungsrecht".
Der Staat ist kein privates Inkassounternehmen, sondern treibt direkt mit staatlicher Gewalt Geld ein. Das ist keine Bagatelle; es ist eine wesentliche Unterstützung in der Vollstreckung offener Forderungen.
Es ist dafür irrelevant, ob diese Dienstleistung kostendeckend entgolten wird oder nicht.
Es ist dafür auch irrelevant, ob auch manche andere Körperschaften diese Dienstleistung buchen können; zumal das schon von vornherein so gebaut ist, dass es für die ehemaligen Staatskirchen locker passt und es für alle anderen Religionsgemeinschaften nicht leicht erreichbar und für gemeinnützige Vereine oder generell Vereine oder für Jedermann unerreichbar ist.
Für problematisch halte ich auch, dass man damit dem Arbeitgeber seine Religion bzw. Nichtreligion offenbaren muss. Für mich als Lutheraner ist das eine Luxussorge, aber für Freikirchler, Juden, Atheisten oder andere können Eintritte/Bekanntwerden/Austritte je nach Arbeitgeber durchaus unangenehme Konsequenzen haben.
@johnnyd Es geht nicht um normale Vereine, es geht um Körperschaften den kirchlichen Rechts und Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Das System Otto per Mille in Italien ist da besser. Der Staat zieht 8 Promille ein und der Steuerzahler sagt wo es hin gehen soll, wie verschiedenen Kirchen oder für Kultur, Sport und Mussen.
Es ist ja schon klar, wenn die Kirchenmitglieder nicht über die Steuer automatisch bezahlen würden, gäbe es einige Dinge wie kirchlichen Kindergärten und der restliche Bereich der Diakonie gar nicht mehr. Ich denke da n die gesamte Sozialberatung, Hilfen bei Anträgen, Mutterschaftskonflikt, Schuldnerberatung etc. Da mag es vielleicht Förderungen geben, kostendeckend arbeitet so ein Diakonisches Werk eines Kirchenbezirkes eher nicht.
Die israelitischen Kultusgemeinden könnten z.B. auch Mitgliedsbeiträge wie Kirchensteuer einziehen lassen.
@johnnyd der Arbeitgebende erfährt doch nur wenn man aus einer kirchensteuereinziehenden KdöR aus- oder in diese eintritt? Als ich aus der KdöR RKK austrat (was diese ja nicht anerkennt und einen als exkommuniziert betrachtet) habe ich das dem Arbeitgebenden mitgeteilt.
@der_alte Das benötigt ja die Personalabteilung, damit sie keine Steuer mehr abführt.
Die Mitgliedschaft interessiert ja auch kaum einen Arbeitgeber, wenn du nicht einen kirchlichen Arbeitgeber hast, der die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche fordert, die zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen gehört.
Die werden aber auch weniger, in der Pflege ist es nicht mehr relevant, für einfaches Personal.
Veröffentlicht von: @herbertEs ist ja hier schon an verschiedenen Stellen zur AfD diskutiert worden. Ich mache gerade die Erfahrung, dass viele, die sich selbst christlich nennen (Kulturchristen), geneigt sind die AfD zu wählen. Jedenfalls keine klare Kritik äußern. Die Gründe sind vielfältig. Die Enttäuschung über die traditionelle Parteien ist nur ein Aspekt.
Hallo Herbert,
die Zahlen stützen Deine Erfahrung leider nicht. Die Forschungsgruppe Wahlen sagt hierzu: Unter Gläubigen, die regelmäßig am kirchlichen Leben teilnehmen oder wöchentlich den Gottesdienst besuchen, ist die Zustimmung zur AfD am geringsten. Sie wählen traditionell sehr stark die Unionsparteien (CDU/CSU). Der AfD-Wähleranteil liegt in dieser Gruppe laut Langzeitbeobachtungen oft nur im einstelligen Prozentbereich.
Klar bekommt man jedoch subjektiv den Eindruck, dass der Anteil wesentlich mehr wären. Aber das Problem ist: Man nimmt die Lauten war. Die leisen nicht.
Ich könnte jetzt lang und ausschweifend darüber schreiben, warum ich die AfD sowohl aus Glaubensgründen aber sowohl auch als volkswirtschaftlichen Gründen und moralischen Gründen und politischen Gründen und historischen Gründen und hysterischen Gründen und aus Gründen generell als gefährlich empfinde, aber die Erkenntnis hast Du ja selbst richtig erfasst, daher spare ich mir das.
Daher möchte ich Dir nur 2 Gedanken mitgeben.
1. Jede Debatte, die Du mit Mitmenschen über Politik führst, ist im Grunde in unserer derzeitigen gesellschaftlichen Situation genauso wie wenn Du eine Debatte über den Glauben mit den Menschen führst. Du kannst die Menschen auf Jesus hinweisen, Du kannst ihnen den Weg zeigen / vorleben - aber ob sie den Weg letzten Endes beschreiten wollen, liegt an dem Menschen selbst. Seh es so: Du bist die Ampel. Du kannst noch so energisch rot zeigen - wenn der Autofahrer nicht anhalten will und sein Vehikel dann auf der Kreuzung erst mal von der Feuerwehr auseinander geschält werden muss ist nicht die Ampel dran schuld.
2. Aktuell wirkt die AfD riesig, und auch die Gefahr und der Zerriss unserer Gesellschaft wirkt gewaltig. Doch für uns als Christinnen und Christen gilt: Keine weltliche Macht und keine politische Bewegung ist größer als Gott.
Die Forschungsgruppe Wahlen sagt hierzu
Bei manchen Freikirchen sieht das anders aus, v.a. an der Basis. Natürlich nicht überall: In meiner Kreuzberger Gemeinde dürfte der Anteil der AfD-Wähler auch im einstelligen Bereich liegen. 😉 Aber in Sachsen soll das schon anders sein - letztens hat ja die AfD Freikirchen lobend erwähnt - die Vereinigung evangelischer Freikirchen hat da sofort darauf hingewiesen, dass sie die politischen Ansichten Blauen ablehnen. Der entsprechende Satz wurde aus dem Wahlprogramm-Entwurf entfernt.
und hysterischen Gründen
Gründe, weil du hysterisch bist, solltest du besser ablegen 😉
Heute im Hamb. Abendblatt zog Sigmar Gabriel eine Parallele zu Weimar.
So ganz unbegründet finde ich es nicht.
Es ist ja nicht nur die AfD allein sondern der immense Ansehensverlust des etablierten Parteienssystem.
VG
Chey
Es ist richtig, es gibt gewisse Parallelen, die damals zum Scheitern der Demokratie geführt haben. Aber heute sind die Rahmenbedigungen anders.
- Die heutige Bundesrepublik Deutschland verfügt über eine deutlich stabilere Verfassung als die Weimarer Republik.
- Das Grundgesetz enthält zahlreiche Schutzmechanismen gegen die Machtkonzentration einer einzelnen Partei.
- Das Bundesverfassungsgericht ist wesentlich stärker als die damaligen Kontrollinstanzen.
- Deutschland ist in europäische und internationale Bündnisse eingebunden, insbesondere in die Europäische Union.
- Die wirtschaftliche Lage ist trotz aller Probleme nicht mit Hyperinflation, Massenarbeitslosigkeit und den sozialen Verwerfungen der frühen 1930er Jahre vergleichbar.
Von dem her glaube ich nicht, dass die AfD die Demokratie in unserem Land tatsächlich nachhaltig gefährden kann.
LG
Mr.K
Das dachte ich bei den USA auch und dennoch gelingt es Trump nach und nach, eine Institution nach der anderen zu schleifen.
Und zerstören ist einfacher als wieder aufzubauen.
Ich glaube auch noch nicht, dass Deutschland extrem gefährdet ist.
Aber Tatsache ist eben auch, dass es kaum noch wechselnde demokratische Koalitionen geben kann. Und das verstärkt noch mal den Frust, wenn quasi gewählt werden kann wie man will und die Regierung bleibt dennoch immer gleich.
VG
Chey
Da stimme ich Dir sogar zu: Institutionen abzubauen ist meist deutlich einfacher, als sie wieder aufzubauen. Deshalb sollten wir demokratische Strukturen nie als selbstverständlich betrachten.
Gleichzeitig sehe ich einen wichtigen Unterschied zwischen den USA und Deutschland. Die USA sind stark präsidentiell geprägt, während in Deutschland Macht auf deutlich mehr Schultern verteilt ist. Das macht Veränderungen langsamer, manchmal frustrierend langsam, erhöht aber auch die Widerstandsfähigkeit des Systems.
Deinen Punkt mit den Koalitionen kann ich ebenfalls nachvollziehen. Wenn viele Menschen das Gefühl haben, dass sich trotz unterschiedlicher Wahlergebnisse politisch nur wenig verändert, entsteht Frust. Diesen Frust sollte man ernst nehmen und nicht einfach als irrational abtun.
Trotzdem würde ich daraus nicht den Schluss ziehen, dass Demokratie nicht mehr funktioniert. Demokratie bedeutet nicht zwingend, dass nach jeder Wahl ein radikaler Kurswechsel erfolgt. Manchmal bedeutet sie auch, dass unterschiedliche Parteien Kompromisse eingehen müssen, selbst wenn das für alle Beteiligten unbefriedigend wirkt.
Für mich ist deshalb die eigentliche Herausforderung, das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen, bevor der Frust so groß wird, dass demokratische Spielregeln selbst infrage gestellt werden.
Nun, die USA sind eigentlich noch föderaler als Deutschland. Der Unterschied liegt eher im dortigen faktischen 2-Partei-System.
Ich stimme Dir ansonsten voll zu. Nur wie soll das Vertrauen zurück gewonnen werden? Die derzeitige Kommunikation der Regierung sehe ich da eher kontraproduktiv.
Für mich selbst habe ich den Schluss gezogen, mehr zuzuhören, wenn jemand eine andere Meinung hat. Unvereinbar gegenüberstehen haben wir in Deutschland schon genug.
VG
Chey
Meines Erachtens haben wir bei CDU und SPD auch ein Parteiensystem, das solche Leute nicht nach oben kommen lässt. Man will berechenbare Funktionäre. Und dann werden es eben die Spahn, Amthor, Scholz und eben auch Merz.
VG
Chey
Nun, die USA sind eigentlich noch föderaler als Deutschland
Das war aber nicht der Unterschied, auf den es ankommt. Ein Präsidialsystem vereinigt viel Macht auf eine einzige Person.
Sowohl in den USA wie in der Weimarer Republik hat im Lauf der Zeit der Präsident mehr mach bekommen als von den Verfassungsvätern geplant.
Der Unterschied liegt eher im dortigen faktischen 2-Partei-System.
Das hängt wieder mit dem Wahlsystem zusammen (Mehrheitswahl), das ein Zweiparteiensystem bevorzugt. Auch in GB gab es meist nur zwei Parteien (und einige Splittergruppen), wenn es nicht so war war das meist der Übergang von einer zwei-Parteien-Konstellation zu einer anderen.
Von dem her glaube ich nicht, dass die AfD die Demokratie in unserem Land tatsächlich nachhaltig gefährden kann.
Nicht unmittelbar. Sie kann aber unser Land wirtschaftlich derartig vor die Wand fahren, dass wir um Jahrzehnte zurückgeworfen werden... und darin liegt dann wiederum eine Gefährdung der Demokratie.
Veröffentlicht von: @lucan-7Sie kann aber unser Land wirtschaftlich derartig vor die Wand fahren, dass wir um Jahrzehnte zurückgeworfen werden...
Das wiederum vermag jede Partei, egal ob mit oder ohne Regierungsbeteiligung.
Das wiederum vermag jede Partei, egal ob mit oder ohne Regierungsbeteiligung.
Das ist zu einfach. Ich gehe konkret vom Parteiprogramm aus.
Sowohl die Rückführung möglichst vieler "Nichtdeutscher", die Schliessung der Grenzen und die Rückkehr zu fossilen Energieträgern würde Deutschland in kurzer Zeit endgültig aus den führenden Industrienationen hinauskatapultieren.
Keine andere Partei vertritt so unverblümt ein derartig wirtschaftsfeindliches Programm.
Aber heute sind die Rahmenbedigungen anders.
Einige schon, aber:
-
Das Grundgesetz enthält zahlreiche Schutzmechanismen gegen die Machtkonzentration einer einzelnen Partei.
Wenn es nach Recht und Gesetz gegangen wär, wär das Ermächtigungsgesetz im Reichsrat (entsprach dem Bundesrat heute) gescheitert, und Hitler hätte es deutlich schwieriger gehabt, der Diktator zu werden der er wurde.
Das zeigt: Papier ist geduldig, die Schutzmechanismen müssen greifen, bevor die Gefahr größer ist als diese Mechanismen.
-
Deutschland ist in europäische und internationale Bündnisse eingebunden, insbesondere in die Europäische Union.
Nur wenn da dann woanders auch autoritäre Regierungen drankommen (z.B. ein Präsident des RN in F), ist das kein wirksamer Schutz mehr.
Im Moment ist es eher so wie 1930. Da hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass mal die NSDAP die Regierung stellt.
@herbert #
Ich sah heute Mittag ein paar Ausschnitte aus der Lanz-Sendung mit Harald Martenstein, der mittlerweile mit seinen Kolumnen von der ZEIT zu BILD gewechselt ist.
Ich habe ihn immer sehr gemocht, geschmunzelt und genickt, wenn ich seine Kolumnen las. Mittlerweile bin ich erschrocken, wi er drauf ist ... und was er z.Zt. bzgl. AfD von sich gibt: Es wäre ein Partei, wie jede andere. Da wir in einer Demokratie leben, gehöre sie ins wählbare Parteienspektrum - um der Demokratie willen. Vergleiche zur NSDAP seien falsch. Und sie als Partei "mit der Nazi-Keule" ausgrenzen zu wollen, sei grundverkehrt.
Ich bin entsetzt über H.M. ... und solch eine Meinung bestärkt mich erst recht darin, dass historisches Hinschauen auf Parallelitäten zwingend sind: Auch die NSDAP mit ihrer Machtergreifung war "vom Volke" gewählt, getragen und bejubelt als Retter in der Not. Mit Zynismus konnte Goebbels sagen, dass sie ja mit Hilfe demokratischer Legitimation ihren Weg gehen konnte, um selbst demokratie-zerstörend agieren zu können.
Wir müssen das Experiment "Lass sie mal machen!" (in der Erwartung des Scheiterns) nicht wagen, wir hatten es 1933 schon ...
Und wenn ich ehrlich bin, befürchte ich für die kommenden Jahre in D ein übles, innenpolitisches, immer bräunlicher gefärbtes Chaos.
L'Chaim
Die NSdAP hatte nie auch nur annähernd in einer demokratischen Wahl eine Mehrheit. Im Gegenteil, sie war bei der letzten freien Wahl sogar schon wieder am Sinken auf ca. 33 %.
Erst als sie von bürgerlichen Parteien durch Koalition an die Macht gebracht wurde und dann sofort demokratische Rechte abbaute, wurde sie (undemokratisch) zur Mehrheit.
Das sollte man auch im Hinterkopf haben , wenn man die Brandmauer in Frage stellt.
VG
Chey
Mich überzeugt es allerdings nicht den bürgerlichen Parteien anzukreiden, die Nazis an die Macht gebracht zu haben. Die waren nicht irgendeine Kleinpartei, sondern bereits die stärkste Partei.
Es war Wirtschaftskrise. Die demokratischen Parteien konnten keine stabilen Mehrheiten bilden. Die antidemokratischen Parteien beider Extreme bekamen Zulauf und haben mit Freuden immer wieder das Parlament arbeitsunfähig gemacht.
Hindenburg hatte sich jahrelang gegen die Antidemokraten gewehrt, mit seinen Präsidialkabinetten aber auch keine ausreichenden Erfolge damit.
Am Ende stand der Versuch einer Ausschaltung einer antidemokratischen Gegenmacht durch eine gewisse Einbindung; dass dann vom Establishment eine nichtkommunistische Partei bevorzugt werden würde ist klar.
Hindenburg hatte sich jahrelang gegen die Antidemokraten gewehrt
Nö, hat er nicht. Er hatte als Reichspräsident einen Eid auf die Verfassung geleistet, und den auch gehalten. Aber als sich 1930 die Möglichkeit ergab, eine Minderheitsregierung zu bilden, hat er die Uneinigkeit der Demokraten entsprechend genutzt. Irgendwann hat ihn jemand (oder waren es mehrere?) davon überzeugt, dass Hitler nicht so proletarisch ist wie er sich gibt, dann hat er Hitler ernannt, mit einer Notverordnung die Demokratie schwächen lassen, und bis an sein Lebensende Hitler nicht entlassen (obwohl er das hätte tun können).
Er war kein Nazi (hat sich z.B. schützend vor jüdische Weltkriegsveteranen gestellt), aber dass die Demokratie wieder abgeschafft wurde, damit war er einverstanden. Zumal das ja angeblich ohne Bruch der Verfassung geschah, er also seinen Amtseid nicht brechen musste …
Erst als sie von bürgerlichen Parteien durch Koalition an die Macht gebracht wurde
Die NSDAP hat mir der DNVP koaliert, und die war schon rechtsradikal bzw. reaktionär. Hugenbeg & Co, haben gedacht, sie könnten Hitler für ihre Zwecke benutzen, am Ende war es umgekehrt.
Bürgerliche Parteien haben nur bei der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz eine (unrühmliche) Rolle gespielt, zum Teil aus Naivität, zum Teil aus Angst …
… und wenn es nach Recht und Gesetz (bzw. dem Urteil des Staatsgerichtshof) gegangen wäre, hätte die SPD mit ihren preußischen Stimmen das Ermächtigungsgesetz im Reichsrat scheitern lassen können. Moral von der Geschicht’: Wenn es Spitz auf Knopf steht, ist Papier geduldig.
@awhler Und wenn ich ehrlich bin, befürchte ich für die kommenden Jahre in D ein übles, innenpolitisches, immer bräunlicher gefärbtes Chaos.
Vielleicht wird's ja gar kein Chaos, sondern einfach eine knallhart nationalistische Ruhe und Ordnung. 🙂 Solange die AfD es sich nicht mit Klasse der Besitzenden verscherzt, sehe ich nicht, wieso Chaos ausbrechen sollte, wenn sie das Ruder übernehmen*. Das Gewaltmonopol ist beim Staat - die kleinen Leute auf der Straße werden ebensoviel zu vermelden haben, wie unter anderen autoritären Regimes. Bestes Beispiel dafür: China. Oder die USA. In denen wird's gerade vorgemacht. Wenn da die religiös-nationalistische Clique, die gerade im Amt ist, es irgendwie hinkriegt, kommende Wahlen zu verhindern oder massiv zu manipulieren - was soll sie dann daran hindern, ihre Macht zu zementieren und per Staatsgewalt für Ruhe und Ordnung zu sorgen?
Wie gelegen kommt's da, dass unsere anderen, noch an der Regierung befindlichen, Vertreter der Kapitalsinteressen gerade dabei sind, tüchtig in Überwachungs- und Militärtechnologie zu investieren und die Wehrpflicht wieder einzuführen. Das Nest wird komfortabel, in welches sich die Faschisten demnächst einquartieren können.
Wäre ich ein AgD-Führer, würde ich intern dafür sorgen, dass man bei der nächsten Bundestagswahl noch allen Verlockungen widersteht, zu früh in eine Koalition zu gehen, in welcher man noch nicht die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt (z.B. in einer Koalition mit CDU und Grünen - welche Flagge hat eigentlich Schwarz, Blau und Grün als zentrale Farben? Das müsste man langsam mal herausfinden, um eine schmissige Bezeichnung für so eine Konstellation zu haben...). "Lasst und noch vier Jährchen warten, dann haben wir bundesweit über 40% und können locker durchregieren. Ausserdem könnte der Plan für die Machtergreifung und Gleichschaltung noch hier und da etwas verfeinert werden, während die Systemparteien gern noch ein Weilches unsere Politik unter anderem Label betreiben können: Konsolidierung des staatlichen Machtapparats und Dichtmachen der Grenzen, sowie Zermürbung der Feinde im Inneren: Streichung/Kürzung von Sozialleistungen für asoziale Zecken, also das Migrantenpacks, die alleinerziehenden woken Fotzen und arbeitsscheuen Drückeberger mit ihrem Burnout-Geheule. Und im Arbeitsrecht dürfen die gern auch noch tüchtig wegschnetzeln, Arbeitnehmerrechte braucht kein aufrechter Deutscher und alles, was im Sinne der Gewerkschaften wäre, dient nur den linken Volksverrätern, um deren Beseitigung wir uns nach der Machtergreifung ja kümmern müssen... Geduld, Kameraden, Geduld! Lasst sie ihren Job als nützliche Idioten in Ruhe zuende bringen!"
*Oder meinst Du mit den kommenden Jahren diejenigen vor Machtübernahme und Gleichschaltung? Okay, da würde ich Dir dann zustimmen, aber nicht von Befürchtung, sondern von sicherer Prognose sprechen.
Wir müssen das Experiment "Lass sie mal machen!" (in der Erwartung des Scheiterns) nicht wagen, wir hatten es 1933 schon ...
Die Partei ist nicht verboten. Und wenn Sachsen-Anhalt mehrheitlich eine AfD Regierung wünscht, dann bekommen sie eben das, was sie verdienen. Das ist Demokratie.
Normalerweise würde man dann auch schnell sehen, wie sehr die AfD dem Volk und der Wirtschaft schadet. Denn besser wird es dann dort kaum werden, Filz und Korruption werden manche AfD - Günstlinge reich machen, der Rest wird sozial absteigen.
Eigentlich sollte der Spuk dann vorbei sein. Ich fürchte nur, die AfD wird auch dann das tun, was sie am Besten kann: Anderen Leuten die Schuld geben.
Und die Wähler werden das machen, was sie am liebsten tun: Die Lügen der AfD weiterhin glauben.
Das ist wohl das eigentliche Problem.
Ja, so ist es wohl ...
Du schriebst zuvor bzgl der Mehrheitsfrage: "Erst als sie von bürgerlichen Parteien durch Koalition an die Macht gebracht wurde und dann sofort demokratische Rechte abbaute, wurde sie (undemokratisch) zur Mehrheit." Das ist präsziser (in der Frage der Macht-Entwicklung der NSDAP bis hin zur BREITEN, "vom Volk" getragenen Zustimmung) - aber nicht besser, da sind wir uns wohl einig.
Ich denke in den beiden Herbstwahlen wird die AfD tatsächlich ihren Zielen näher kommen. Wenn sie (mit)regieren, dann "sollte der Spuk dann vorbei sein. Ich fürchte nur, die AfD wird auch dann das tun, was sie am Besten kann: Anderen Leuten die Schuld geben. Und die Wähler werden das machen, was sie am liebsten tun: Die Lügen der AfD weiterhin glauben." Auch da gebe ich Dir recht.
Was also wird tatsächlich in der BRD in den kommenden Monaten & Jahren passieren?
Ich bleibe bei meinem Satz:"Ich befürchte ich für die kommenden Jahre in D ein übles, innenpolitisches, immer bräunlicher gefärbtes Chaos." --- Weil es Crashs, Zerteilungen, Widerstände, Gewalt/Gegengewalt und politisches Durcheinander in der Bevölkerung und in der Politik geben wird, die NICHTS lösen, nichts voranbringen, den Schlamassel (innen- und außenplitisch) verstärken.
L'Chaim
Ich bleibe bei meinem Satz:"Ich befürchte ich für die kommenden Jahre in D ein übles, innenpolitisches, immer bräunlicher gefärbtes Chaos." --- Weil es Crashs, Zerteilungen, Widerstände, Gewalt/Gegengewalt und politisches Durcheinander in der Bevölkerung und in der Politik geben wird, die NICHTS lösen, nichts voranbringen, den Schlamassel (innen- und außenplitisch) verstärken.
Ich sehe hier einen großen Teil der Verantwortung aber auch bei den etablierten Parteien, die sich mittlerweile nur noch über ihre Haltung zur AfD zu definieren scheinen, sonst aber nichts mehr anzubieten haben.
Merz redet irgendwas von neuen Technologien und wirtschaftlicher Zukunft - verhindert in seiner Politik aber konkret die Etablierung eben dieser Technologien, die jetzt nötig wären. Die SPD weiss selbst nicht mehr, wofür sie steht, die Grünen sind unglaublich schlecht darin, ihre Ideen zu verkaufen... und die Linken präsentieren sich als Alternative zur Alternative, indem sie sich aufs Meckern beschränken und Luftschlösser bauen. Und die FDP hofft, dass jemand bei ihnen aus purer Verzweiflung damnächst wieder ein Kreuzchen macht.
Diese unglaubliche Feigheit, nur nichts zu ändern und ja kein Risiko einzugehen, um ja niemanden zu verärgern fördert mit Sicherheit die Frustration der Bürger hierzulande... und auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, dass man deshalb eine noch viel korruptere, zynische, menschenfeindliche und zerstörerische Partei wählt... den Frust kann ich schon verstehen...
@lucan-7 Tja, und jetzt wissen wir, warum 'man' die etablierten Parteien nicht wählen mag.
Und auch, warum man die AfD nicht wählen kann.
Und das Problem mit den vertrauenswürdigen Personen haben wir auch noch nicht gelöst ...
Und jetzt?
wir brauchen mindestens eine neue Partei in der Mitte.
Aber ich habe den Verdacht, dass die etablierten Parteien zusammen mit den Medien genau das verhindern wollen.
Über populistische neue Parteien wie das BSW wird ohne Ende berichtet. Genau wie über die AfD, als sie noch unbedeutend war. Und kaum äußert sich Kubicki populistisch, wird sogar wieder über diese 3-4Prozentpartei berichtet und er in viele Talkshows eingeladen.
Eine neue Partei der Mitte wie z.b. Volt (oder früher die PIRATEN)wird hingegen nahezu tot geschwiegen, obwohl sie bei der Eiropawahl und auch schon bei Landtagswahlen durchaus beachtliche Erfolge hat.
Die PIRATEN waren 4 Jahre im Schleswig-Holsteinischen Landtag und erlangten durch ihre gute Arbeit den Respekt im Parlament. Die norddeutsche Lokalpresse schwieg sie dennoch so gut wie tot.
Populismus und Extremismus bringen halt Auflage, was neues in der Mitte gefährdet aber die Seilschaften in die Politik.
Meine 5 Cent dazu.
VG
Chey
wir brauchen mindestens eine neue Partei in der Mitte.
Aber ich habe den Verdacht, dass die etablierten Parteien zusammen mit den Medien genau das verhindern wollen.
Alle Verdachtsmomente mal beiseite gelegt, wäre zu der Gründung einer neuen Partei in der Mitte die Bildung eines Konsensus über eine Breite Menge von Menschen erforderlich. Dies dürfte meines Erachtens schon daran scheitern, dass jeder in unserer heutigen Gesellschaft in einer durch die sozialen Medien geprägte Egomanie durch die Gegend läuft und frei jedweder Kompromissbereitschaft seine Meinung als absoluten Fakt sieht, so dass eben jene Konsensbildung auch ohne präventive Maßnahmen der etablierten Parteien sich als schwierig, wenn nicht gar unmöglich, darstellen wird.
Wenn das so wäre, warum laufen dann derzeit fast 30 % blind den Parolen der AfD hinterher?
Oder warum legt die FDP, kaum das über Kubicki rauf und runter berichtet wird, fast 2 % aus dem Stand zu?
Warum folgen hunderttausende irgendwelchen YouTube-Spinnern?
Ist das nicht eher stumpfsinniger Herdentrieb als Egomanie?
VG
Chey
Eigentlich sollte der Spuk dann vorbei sein. Ich fürchte nur, die AfD wird auch dann das tun, was sie am Besten kann: Anderen Leuten die Schuld geben.
Wenn Sachsen-Anhalt ein unabhängiger Staat wäre, könnte die AfD bis zur nächsten Wahl ihre Macht ähnlich festigen, wie es Orban in Ungarn tat. Den wurden die Ungarn nur los, indem sie einen Parteikollegen von ihm wählten, der sich von Orban wegen dessen Korruption trennte. Unter »Aufsicht« der EU wird es jetzt dort sicher demokratischer zugehen, und bei der nächsten Wahl werden wir sehen, was die Ungarn wirklich wollen.
Zurück zu Sachsen-Anhalt: Eine AfD-Landesregierung könnte natürlich versuchen, ihre Macht entsprechend auszubauen (z.B. aus dem MDR aussteigen und einen eigenen »Staatsfunk« einrichten), nur dann gibt es Gegenwind aus Berlin und Karlsruhe. Und wenn die AfD sich stur stellt, kommt Art, 37 in Anwendung.
Dann wird die AfD sagen: seht, wie die Altparteien in Berlin ihre Macht missbrauchen und gegen die demokratisch gewählte Landesregierung vorgehen!
Und die Wähler werden das machen, was sie am liebsten tun: Die Lügen der AfD weiterhin glauben.
Genau das ist zu befürchten.
Dann wird die AfD sagen: seht, wie die Altparteien in Berlin ihre Macht missbrauchen und gegen die demokratisch gewählte Landesregierung vorgehen!
Das wird wohl die Methode sein. Sie werden sagen: "Wir können ja nicht machen, was wir wollen, die bösen Altparteien hindern uns! Ihr müsst uns in den Bundestag wählen!"
Und 30% sind ja anscheinend schon dazu bereit. Und wenn Merz weiterhin so verschlafen durch die Politik stolpert und nur dann auf sich aufmersam macht, wenn er mal wieder einen blöden Spruch raushaut... dann weiss ich auch langsam nicht mehr, wer die AfD noch aufhalten soll.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen haben wir da ja eher (unfreiwillige (?)) Steigbügelhalter in der Regierung...
Hallo Mr. K. vielen Dank für Deine Ausführungen.
Ich schätze die Hoffnung, die aus Deiner Glaubensüberzeugung spricht und die ich teile. Was die Umfragen angeht, habe ich extra den Begriff Kulturchristen gewählt, womit ich sagen wollte, dass sich viele AfD Wähler als solche sehen. Allein wenn sie ´deutsch` meinen und sich dagegen wenden, das der Islam zu Deutschland gehört, kennzeichnet diea ihr Verständnis von Christentum, dass mit Deinem und meinem nichts gemein hat.
Sätze wie: "Keine weltliche Macht und keine politische Bewegung ist größer als Gott" ist ein Satz, der im Grund nichts aussagt: für die, die glauben ist es eine Tautologie. Und für die, die nicht glauben ist er unglaubwürdig. Die negative Seite und die Gefahr darin sehe ich, dass man diese Aussage als Betäubungsmittel missbraucht und alles was danach folgt in der gleichen Logik, Gott weiß schon warum er das zulässt, hinnimmt. Natürlich weiß Gott, warum er die AfD zulässt, wie er auch weiß, warum den Nationalsozialismus. Ein Grund ist der, dass wir uns gefälligst Gedanken darum machen, warum wohl. Auch wenn es lertztlich Gottes Geheimnis bleibt. Klar ist doch, dass die AfD und alles was daran hängt, eine Herausforderung für Christen darstellt.
"So wie der junge David im festen Glauben an Gott dem Riesen Goliath entgetentrat und ihn bezwang.... " Ganz genau: ER IST ENTGREGENGETRETEN.!!!
" ... dass, Ausgrenzung und völkischer Nationalismus am Ende keinen Bestand haben werden". Klar am Ende ja, aber wir leben heute und die Herausforderung die Gott uns stellt ist auch heute. Solche Allgemeinplätze sind einfach nur furchtbar, auch wenn sie aus einem guten Willen heraus formuliert werden.
"Solange wir unser tiefes Vertrauen in Jesus Christus setzen und seine Botschaft der radikalen Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit mutig leben, ..." Finde ich prima. Was schlägst Du vor?
Veröffentlicht von: @herbert
"So wie der junge David im festen Glauben an Gott dem Riesen Goliath entgetentrat und ihn bezwang.... " Ganz genau: ER IST ENTGREGENGETRETEN.!!!
" ... dass, Ausgrenzung und völkischer Nationalismus am Ende keinen Bestand haben werden". Klar am Ende ja, aber wir leben heute und die Herausforderung die Gott uns stellt ist auch heute. Solche Allgemeinplätze sind einfach nur furchtbar, auch wenn sie aus einem guten Willen heraus formuliert werden.
"Solange wir unser tiefes Vertrauen in Jesus Christus setzen und seine Botschaft der radikalen Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit mutig leben, ..." Finde ich prima. Was schlägst Du vor?
Zunächst einmal ist die Aussage, dass Gott größer ist, kein Narkotikum, sondern ein Vitalikum, da dies fest in unserem Bewusstsein verankert ist. Daher können wir, wenn wir hier entgegentreten, das mit einer nicht enden wollenden Tranquilität tun.
Oder anders gesagt: Während unser Gegenüber geifernd beweist, wie wenig er mit dem Geist Gottes in Verbindung steht, können wir cool bleiben, uns zurücklehnen und ruhig für das sprechen, von deren Richtigkeit es aufgrund des Glaubens keinen Zweifel gibt. Wir müssen uns nicht auf denselben Pfad bewegen. Wir müssen auf unserem Weg bleiben und - wie es in Jakobus 1:22 steht - Täter des Wortes und nicht Hörer allein bleiben.