Benachrichtigungen
Alles löschen

Es ist wieder soweit - Judenhass in Deutschland!

Seite 2 / 2

Helle
 Helle
Themenstarter
Beiträge : 806

Leider muss ich feststellen, dass in Deutschland immer mehr Judenhass offenbar wird. Gerade die letzten Tage haben viele Demonstranten den Raketenbeschuss Israels gefeiert. Fanatische Demonstranten offenbarten ihre ablehnende Haltung Israels gegenüber. Gewalt gegen Polizisten waren Begleiterscheinungen der Demos. Einige Juden wurden angefeindet bzw. es gab Übergriffe gegen jüdische Symbole. Sind wir wieder dort, wo wir 1933 waren? Haben die Deutschen nichts aus der Geschichte gelernt?

 

Gott sagt: Wer mein Volk segnet, den werde ich auch segnen! DAS sollte die Herzenshaltung sein. Deutschland hat aufgrund seiner Geschichte eine ganz besondere Verantwortung, jegliche Ansätze judenfeindlicher Auswüchse im Keim zu ersticken.

 

Eine Frage noch: Wie kann man dem entgegenwirken? Es kann doch nicht sein, dass jüdische Mitbürger in Deutschland in Angst leben müssen!

 

Ein besorgter Helle

Antwort
97 Antworten
25 Antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536
Veröffentlicht von: @helle

Eine Frage noch: Wie kann man dem entgegenwirken? Es kann doch nicht sein, dass jüdische Mitbürger in Deutschland in Angst leben müssen!

Wenn Palästinenser für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen auf unseren Strassen demonstrieren wollen, müssen sie sich an Regeln halten. Antisemitismuspropaganda gehört nicht dazu.

Wenn Flüchtende in unser Land einreisen u bleiben wollen, muss ihnen klar gemacht werden, dass Antisemitismus in Deutschland verboten ist.

Wenn wir antisemitische Äußerungen im Miteinander vernehmen, sollten wir klar Stellung beziehen und uns dagegen aussprechen.

Wichtig: Bildung in Kitas, Schulen, Berufsschulen, Volksschulen, Vereinen, Kirchen u Gemeinden (ja, auch da...), Haltung zeigen in Hochschulen.

Der Antisemitismus war in D nie weg. Er ist in allen polit. Spektren, im Christentum, in der Mittel- und Oberschicht. 

Meiner Beobachtung nach kommen die "einfachen Arbeiter", denen eingewanderte Helfer zur Seite gestellt werden, um das Ganze packen zu können, noch am ehesten schnell mit den untersch. Prägungen klar. Durch gemeinsame (körperliche) Anstrengung an einer Sache relativiert sich so manche ideolog. Aufgeblähtheit. 

martha antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29478

@martha 

Wenn Flüchtende in unser Land einreisen u bleiben wollen, muss ihnen klar gemacht werden, dass Antisemitismus in Deutschland verboten ist.

Auch Antisemitismus ist durch die Meinungsfreiheit geschützt. Verboten sind öffentliche Hetze und die Verwendung von Nazisymbolik.

Das heißt für uns, dass wir zumindest einen Teil davon aushalten müssen, so unerträglich das im Einzelfall auch sein mag.

Und natürlich sollten wir genau hinschauen, wer sich da entsprechend äußert. Vereine und Organisationen, die sich antisemitisch positionieren, sollten keine Förderung mehr erhalten, da ihre Ideale sich gegen die Werte der Bundesrepublik richten.

Es sollte auch in Schulen darüber gesprochen werden und Projekte stattfinden. Auch wenn wir Antisemitismus in geringen Maßen hinnehmen müssen, sollten wir nicht akzeptieren, dass er sich allgemein  weiter etabliert. 

lucan-7 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536
Veröffentlicht von: @lucan-7

@martha 

Wenn Flüchtende in unser Land einreisen u bleiben wollen, muss ihnen klar gemacht werden, dass Antisemitismus in Deutschland verboten ist.

Auch Antisemitismus ist durch die Meinungsfreiheit geschützt. Verboten sind öffentliche Hetze und die Verwendung von Nazisymbolik.

Das heißt für uns, dass wir zumindest einen Teil davon aushalten müssen, so unerträglich das im Einzelfall auch sein mag.

Danke für den Hinweis.

In der "Aktuellen Stunde" der BR vom 18.10. 23 war zu hören, dass beim "Staatsangehörigkeitsrecht klargestellt wird, dass Antisemiten künftig nicht Deutsche werden können" (Benjamin Strasser, FDP). 

Das habe ich wohl etwas zu euphorisch aufgenommen. 👇

Aktuelle Stunde Debatte zur Bekämpfung von Anti­semitismus in Deutschland am 18.10.23

martha antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

Der sächs. Innenminister Armin Schuster wünscht sich eine Aktualisierung des AufenthaltsG in Paragraf 54:

Aufgrund der aktuellen Demonstrationen mit Hass u Hetze gegen Israel soll schwerer Landesfriedensbruch als Ausweisungsgrund hinzukommen. 

Er hofft auf das Parlament beim Diskutieren des Gesetzesentwurfs u die MP-Sitzung im.November.

Interview mit Armin Schuster am 25.10.23 im DLF

martha antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 1854

@lucan-7 es sind auch einige andere Symbole verboten in Bezug sie zu verwenden, das ist nicht auf Symbole aus dem Nationalsozialismus beschränkt.

Und zur Meinungsfreiheit:

" Demokratischer Umgang mit Rechten: Meinungsfreiheit ist nicht beliebig
Die Politikwissenschaft hat die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus vernachlässigt. Das zeigt sich im Umgang mit AfD und Pediga."

https://taz.de/Demokratischer-Umgang-mit-Rechten/!5456062/

der_alte antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 962

@der_alte Die taz wird in der Wikipedia als grün-links und linksalternativ beschrieben, ist somit vielleicht nicht gerade als neutrale Quelle zu verstehen. Ich finde den Text auch ziemlich schwer zu lesen. Puh.

Eine Essenz lautet: "Positionen, die den demokratischen Grundkonsens bekämpfen, nicht nur als solche zu benennen, sondern konsequent auszugrenzen."

Vermutlich ist damit die Brandmauer gegen die AFD gemeint, oder?

Aber sind es nicht auch undemokratische Positionen, wenn man Gesetze beschließt, die Freiheit und Gleichheit der Wahl beeinträchtigen (Paritätsgesetz in Thüringen)?

Ich will darauf hinaus: Es ist schwer, festzustellen, wer den "demokratischen Grundkonsens" bekämpft. Die taz ist für mich ebenso wenig hilfreich bei der Antwort wie die AFD. Im Zweifel sollten das unabhängige Gerichte entscheiden. Ebenso die Frage nach der Meinungsfreiheit.

mikefrommuc antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 1854

@mikefrommuc der Artikel ist von einem Gastschreibenden -> https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Salzborn

der_alte antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 962

@der_alte Auch der Autor ist eher umstritten, wenn man sich die Diskussionsseite seines Wikipedia-Eintrags ansieht. Mal direkt gefragt: Wer sollte denn feststellen, was der demokratische Grundkonsens ist oder was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist? Das kann in letzter Instanz nur ein Gericht sein.

Für sich selbst kann das natürlich jeder feststellen und das auch als eigene Meinung kundtun.

mikefrommuc antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@mikefrommuc 

Auch der Autor ist eher umstritten, wenn man sich die Diskussionsseite seines Wikipedia-Eintrags ansieht

Nö, die drehen sich größtenteils um Punkte seiner Biographie, nicht um seine Positionen o.ä.

Und wo es darum geht, kommt die Kritik größtenteils aus einer bestimmten, relativ rechten Ecke.

Mal direkt gefragt: Wer sollte denn feststellen, was der demokratische Grundkonsens ist oder was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist? Das kann in letzter Instanz nur ein Gericht sein.

Und dazu gibt es ja schon durchaus Gerichtsurteile, angefangen vom Verbot der SRP und der KPD in den 50-er Jahren.

Konsens wie, dass es für Antisemitismus keinen Platz in D gibt, sollte doch unbestreitbar sein.

hkmwk antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29478

@mikefrommuc 

Ich will darauf hinaus: Es ist schwer, festzustellen, wer den "demokratischen Grundkonsens" bekämpft. Die taz ist für mich ebenso wenig hilfreich bei der Antwort wie die AFD. Im Zweifel sollten das unabhängige Gerichte entscheiden. Ebenso die Frage nach der Meinungsfreiheit.

Hast du den Artikel gelesen?

Es wird hier zu Recht darauf hingewiesen, dass "freie Meinungsäusserung" von radikalen Kräften gerne verwendet wird, um ihre Weltsicht zu verbreiten - obwohl sie an persönlichen Freiheiten, zu denen auch die Meeinungsäusserung gehört, selbst gar kein Interesse haben.

Das zu berücksichtigen ist sicher kein Fehler. Hamas Sympathisanten und AfDler dürfen sich in Deutschland  äußern - sie haben aber kein Recht auf eine große Bühne. Und wenn Medien ihnen eine solche bieten, weil sie sich davon Aufmerksamkeit versprechen, dann sollte man deren Motive hinterfragen.

Dabei geht es auch hier nicht um Verbote, sondern um Aufmerksamkeit einer demokratisch geschulten Gesellschaft. Ist die nicht mehr gegeben, dann kann es wirklich kritisch werden.

 

lucan-7 antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 962

@lucan-7 Danke für die Zusammenfassung. 👍 

Hast du den Artikel gelesen?

Ich habe es versucht, aber mir ist er zu kompliziert geschrieben. Deshalb bin ich nur auf die eine Essenz eingegangen, die ich meinte verstanden zu haben.

mikefrommuc antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@mikefrommuc 

Die Essenz ist doch wohl eher in dem Abschnitt:

[Taz:] Wirft man einen Blick auf die aktuellen Strategien der extremen Rechten, dann ist diese Erkenntnis erschreckend aktuell: AfD, Pegida und Co. nutzen das demokratische Recht der Meinungsfreiheit, wo immer es ihren Zielen nutzt, und verwerfen es dort, wo es ihrem politischen Willen zuwiderläuft.

Und daraus müssen - so der Autor, die entsprechenden Konsequenzen gezogen werden. Insbesondere auch für die Politikwissenschaft, die sich mit »Zeitgeschichte« kaum noch beschäftigt und so unfähig ist, etwas zur Bekämpfung der rechten Demokratiefeinde zu tun.

[Taz:] Wer Politikwissenschaft betreibt, muss dies unter Einbeziehung einer Herrschaftsanalyse des Nationalsozialismus tun, um Ziele, Strategien und Taktiken der extremen Rechten der Gegenwart zu verstehen.

[Mike:] mir ist er zu kompliziert geschrieben

Ja, ein ziemlich elitärer Stil. »Entantwortung«, also Aufgabe der Verantwortung, war das Beispiel, das mir am meisten aufgestoßen ist. Dazu noch ein Verweis auf relativ wenig bekannte Vorgänge oder Autoren, von denen viele auch mir neu waren.

hkmwk antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536
Veröffentlicht von: @martha
Veröffentlicht von: @helle

Eine Frage noch: Wie kann man dem entgegenwirken? Es kann doch nicht sein, dass jüdische Mitbürger in Deutschland in Angst leben müssen!

Wenn Palästinenser für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen auf unseren Strassen demonstrieren wollen, müssen sie sich an Regeln halten. Antisemitismuspropaganda gehört nicht dazu.

Gestern Abend endlich die Meldung, dass sich der Zentralrat der Muslime zu den Demonstrationen geäußert hat (Quelle: LVZ).

Er appelliert zu Zurückhaltung und genauem Hinschauen, wer die Betreiber sind. Alternativ rät er zu Friedensgebeten und Äusserungen der Trauer über im Gazastreifen verlorene Angehörige.

Antisemitismus unter Muslimen sei zu bekämpfen, jede Form von Antisemitismus und Rassismus sei eine Sünde im Islam. 

Na dann?

martha antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251
Veröffentlicht von: @helle

Leider muss ich feststellen, dass in Deutschland immer mehr Judenhass offenbar wird.

Ja, jetzt kommt manches zutage, was auch vorher zu entdecken war, wenn man genau hinschaute, jetzt reicht ein Blick in die Tagesschau …

Sind wir wieder dort, wo wir 1933 waren?

Nö. Wir sind eher bei 1929 (das messe ich insbesondere, aber nicht nur an den Wahlerfolgen der AfD).

Gott sagt: Wer mein Volk segnet, den werde ich auch segnen! DAS sollte die Herzenshaltung sein. Deutschland hat aufgrund seiner Geschichte eine ganz besondere Verantwortung, jegliche Ansätze judenfeindlicher Auswüchse im Keim zu ersticken.

Volle Zustimmung.

 Eine Frage noch: Wie kann man dem entgegenwirken? Es kann doch nicht sein, dass jüdische Mitbürger in Deutschland in Angst leben müssen!

Flagge zeigen. Nach dem Anschlag von Halle hab ich beschlossen, mit nem Davidstern durch die Gegend zu laufen. Geht in Kreuzberg ziemlich problemlos, in Neukölln überleg ich mir es, bevor ich das tue. Aktuell trag ich auch noch ein Kreuz dazu - damit ich im Zweifelsfall zeigen kann, dass ich kein Jude bin (sicher ist sicher).

Gestern war ich bei ner Mahnwache vor der Synagoge in meiner Nähe. Vorige Woche hatte die Synagoge selber um solchen Schutz gebeten (das hatte ich nicht mit´bekommen), da waren hunderte da. gestern grob geschätzt 30.

Ich überleg auch, an einigen Orten »Kindermörder Hamas« auf den Boden zu sprühen, weiß aber immer noch nicht, ob das gut wäre.

 

hkmwk antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@hkmwk 

Zum Beitrag

Ich überleg auch, an einigen Orten »Kindermörder Hamas« auf den Boden zu sprühen, weiß aber immer noch nicht, ob das gut wäre.

Da du zögerst und kein klares Ja hast, ist es eher ein Nein.  Gefühlt transportiert für mich diese Sprühaktion ein Runtergehen auf die Aggressionsebene und würde die Aggression füttern.

Ich wünsche dir Weisheit, das Richtige zu finden.

deborah71 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@hkmwk 

Flagge zeigen. Nach dem Anschlag von Halle hab ich beschlossen, mit nem Davidstern durch die Gegend zu laufen. Geht in Kreuzberg ziemlich problemlos, in Neukölln überleg ich mir es, bevor ich das tue. Aktuell trag ich auch noch ein Kreuz dazu - damit ich im Zweifelsfall zeigen kann, dass ich kein Jude bin (sicher ist sicher).

In "meinem" Bezirk laden die Synagogen zum gemeinsamen Gebet (mit Christen) ein. 🙂 Ich glaube, nur die kommende Woche, bin mir nicht ganz sicher.

neubaugoere antworten
Helle
 Helle
(@helle)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 806
Veröffentlicht von: @hkmwk
Veröffentlicht von: @helle

Leider muss ich feststellen, dass in Deutschland immer mehr Judenhass offenbar wird.

Ja, jetzt kommt manches zutage, was auch vorher zu entdecken war, wenn man genau hinschaute, jetzt reicht ein Blick in die Tagesschau …

.

 

Die Tagesschau zeigt nur selten etwas von den rechtsradikalen Demonstranten wie z.B. in Essen oder Berlin. Mittlerweile denke ich, dass das Demonstrationsrecht eingeschränkt werden muss, und zwar, wenn man davon ausgehen kann, dass Antisemitismus im Mittelpunkt einer Demo stehen wird! Es kann doch nicht sein, dass immer noch judenfeindliche Demos stattfinden. Viele Deutsche haben wohl nichts aus der Geschichte gelernt!

 

Die tagesschau halte ich mittlerweile für nicht mehr unabhängig und verlogen. Die hatten vor drei Wochen doch behauptet, die Israelis hätten im Gazastreifen ein Krankenhaus beschossen. Diese Meldung wurde nicht journalistisch geprüft, sondern einfach so übernommen. Erst tags darauf hat sich die tagesschau korrigiert. Mich entsetzt einfach, dass Meldungen ungeprüft gesendet werden. Unter Qualitätsjournalismus verstehe ich etwas anderes! Aber das ist ein anderes Thema.

 

 

helle antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@helle 

Die Tagesschau zeigt nur selten etwas von den rechtsradikalen Demonstranten wie z.B. in Essen oder Berlin.

Stimmt, es wurden nur Demos von Arabern und/oder Muslimen gezeigt. Hast du Infos (links?) zu Berichten über rechts-Demos?

Die hatten vor drei Wochen doch behauptet, die Israelis hätten im Gazastreifen ein Krankenhaus beschossen

Das kam von einer als seriös geltenden Nachrichtenagentur. Darauf sind auch Qualitätsmedien in anderen Ländern hereingefallen.

Erst tags darauf hat sich die tagesschau korrigiert

Wobei die Korrektur auch wieder eine Art Schnellschuss war: Es wurde ein Video gezeigt, dass den Beschuss zeigen soll: Eine Rakete die steigt und dann explodiert, inzwischen haben Faktenchecker herausgefunden, dass zwar tatsächlich das Krankenhaus gezeigt wurde, aber die Rakete gehörte zum iron dome und ist irgendwo weiter hinten explodiert (vermutlich hat die eine Hamas-Rakete abfangen können) und hat mit der Explosion vor dem Krankenhaus nichts zu tun.

Da hat die ARD also am nächsten tage die Darstellung der israelischen Armee »ungeprüft« übernommen.

Mich entsetzt einfach, dass Meldungen ungeprüft gesendet werden.

Man prüft, was man kann, aber nicht alles geht, schon gar nicht auf die Schnelle. und wenn man wartet, bis die Sache wasserdicht ist, kommt der Vorwurf, warum man erst drei Tage später was sagt und nicht sofort …

Immerhin habe ich fast täglich so was gehört wie »diese Info (von Hamas oder IDF) lässt sich nicht unabhängig überprüfen«. Mehr kann man nicht verlangen. Armeen halten Journalisten möglichst davon ab, direkt von der Front zu berichten, seit die US-Army schlechte Erfahrungen damit gemacht hat (in Vietnam). Entsprechend sieht die Nachrichtenlage dann in nem Krieg aus.

hkmwk antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536
Veröffentlicht von: @helle
 
Eine Frage noch: Wie kann man dem entgegenwirken? Es kann doch nicht sein, dass jüdische Mitbürger in Deutschland in Angst leben müssen!
 
Ein besorgter Helle

Auf nach Berlin!

Ein breites Bündnis verschiedener Organisationen hat für den Nachmittag in Berlin zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus und für Solidarität mit Israel aufgerufen. 22.10.2023

martha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@martha 

Phönix überträgt live aktuell

deborah71 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

@deborah71 

Von religiöser Seite aus trafen sich Rabbi Ehrenstein,

Eren Güvercin vom muslimischen Verein Alhambra, 

Bischof Michael Gerber (stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz)

und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus 

um zu den Menschen zu sprechen. 

Der Rabbi sang das Totengebet für die Opfer des Terrors und definierte "Shalom",

Herr Güvercin stellte u.a. klar, dass zwei Religionen, die gemeinsam einen Propheten verehren, sich im Glauben nicht entzweien dürfen,

Fr. Kurschus u Herr Gerber verschwiegen den christlichen Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht. 

 

martha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@martha 

Große Teile der Veranstaltung habe ich gehört und gesehen, Teile nur gesehen, weil gleichzeitig das Zoomgebetstreffen von JHOPFAN lief.

Den Namen des Bischofs hatte ich nicht mitbekommen.

Rabbi Ehrenstein strahlte eine liebevolle Würde aus, das war sehr wohltuend. Das Kaddish von ihm war wesentlich in dem Ganzen.

Es gab ansonsten noch einiges bemerkenswerte. Jetzt hat auch campact ein Gesicht für mich. Der Petitionsseite bin ich schonmal online begegnet.

deborah71 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536
Veröffentlicht von: @deborah71

@martha 

Rabbi Ehrenstein strahlte eine liebevolle Würde aus, das war sehr wohltuend. Das Kaddish von ihm war wesentlich in dem Ganzen.

❤️

martha antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@martha (zum Beitrag)

Eren Güvercin vom muslimischen Verein Alhambra,

Sviw der einzige islamische Verband, der dabei war. Ich habe auch Fahnen des Irans, Version Schah gesehen - das müssen nicht unbedingt Fans des Schahs bzw. seines Sohns sein, aber auf jeden Fall iranische Opposition. Die wissen, warum sie auf Seite Israels stehen.

hkmwk antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@martha  (Zum Beitrag)

Auf nach Berlin!

Als inzwischen Berliner war der Weg für mich entsprechend kurz, dummerweise waren die U-Bahnstationen Brandenburger Tor und Bundestag gesperrt, weshalb ich etwas verspätet ankam.

Und bis Ende bleiben ging auch nicht - bin ca. 16:00 gegangen.

Von den Worten der Politiker* hat mich Esken enttäuscht. Die anderen Politiker* haben klarere Worte gefunden. Berührend waren die beiden Zeugnisse von Angehörigen der Entführten.

Wichtig fand ich den Hinweis, dass es gut ist, sich schützend vor Synagogen zu stellen. Hab ich letzten Freitag (zum Schabbesgebet) gemacht, habe es für diese Woche wieder vor. Wo es noch keine Initiative dafür gibt (hier kam die von einem Adventistenpastor) kann man ja selber so was behördlich anmelden und dafür werben.

hkmwk antworten
Helle
 Helle
Themenstarter
Beiträge : 806
Veröffentlicht von: @lucan-7

Da ist mir allerdings auch die Fragestellung viel zu allgemein. "Besondere Verpflichtung", das ist ja eine sehr schwammige Formulierung... was soll das sein, und wem gegenüber gilt diese Verpflichtung?

Gut, dass Du hinterfrägst! Konkret: Wenn in Deutschland irgendwelche antisemitische Auswüchse, wie momentanvorwiegend in einigen Großstädten zu beobachten ist, zutage treten, muss der Staat eingreifen! In Schulen muss die Geschichte genau gelehrt werden! In Konfliktsituationen im Nahen Osten muss Deutschland Israel zur Seite stehen! Vor vielen Jahren hat Joschka Fischer in einem solchen Konflikt sehr gut verhandelt. Das sollte sich Deutschland wieder zur Aufgabe machen.

 

An dieser Stelle danke für Eure Antworten zu diesem ernsten Thema. Mich erschreckt, dass auch gestern wieder hunderte Deutsche auf den Straßen antijüdische Parolen riefen (und die sind sicher nicht alle in der AfD). Deshalb lag meine Betrachtungsweise auf die Allgemeinheit fokussiert. Ich vermute, dass in allen gesellschaftlichen Schichten vereinzelt Antisemitismus herrscht, und in bestimmten Stadtteilen deutscher Großstädte in einem sehr konzentrierten Maße. Ich selbst sehe hier ein Versasgen der letzten Bundesregierungen, deren Aufgabe es gewesen wäre, alles dafür zu tun, dass niemand auf die Idee kommt, auf deutschen Straßen dem Judenhass freien Lauf zu lassen. Dies beschädigt auch das Ansehen Deutschlands im Ausland.

 

Geistlich gesehen hat Deborah es auf den Punkt gebracht. Vielen Dank für den Hinweis,welche Herzenshaltung wir einnehmen sollten! Es ist eine Ermutigung, dass Gott eine Gebetserhörung nicht an einer räumlichen Entfernung festmacht.

 

Was wir tun können, ist für die Situation zu beten, vor allem, dass unsere Regierung im Sinne Gottes handelt!

 

Gruß Helle

helle antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

Heute vor 100 Jahren war der Marsch auf die Feldherrnhalle. Auf youtube sah ich gestern einen Film über eine Frau die damals beim Völkischen Beobachter gearbeitet hat. Der Völkische Beobachter war die Parteizeitzung der NSDAP.  

Mir war neu, dass es in Bayern eine Stimmung zur Trennung vom Deutschen Reich gab und am 8. Nov eine Versammlung in München gab, die von der SA gestört wurde und in der Hitler in die Decke geschossen hat.

Am 9. November dem Jahrestag der Ausrufung der Republik 1919 marschierte Hitler mit Ludendorff und anderen auf die Feldherrnhalle in München. Vorbild war Mussolinis Marsch auf Rom. Die Bayerische Landespolizei hat dies mit Waffen verhindert, es kamen Menschen dabei ums Leben. Die NSDAP wurde verboten und Hitler kam nach Landsberg. Dort schrieb er "Mein Kampf".

 

...   so und diejenigen die so gegen die IDF wettern können jetzt auch gegen die bayrische Polizei wettern.

jigal antworten
12 Antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559

@jigal 

Heute vor 85 Jahren war auch die Reichsprogromnacht. 

Der Beginn der offenen Judenverfolgung in Deutschland, ein ganz schwarzes Kapitel unserer Geschichte. 

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@tristesse Ja das hängt wie Helmut geschrieben hat zusammen. Die Standarten der SA wurden mit der "Blutfahne" geweiht und der Träger der "Blutfahne" wurde den Jugendlichen als Vorbild gezeigt.

jigal antworten
Scylla
 Scylla
(@scylla)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 351

@jigal 

Der 9.11 scheint so eine Art deutscher Schicksalstag zu sein

9.11.1848

Hinrichtung von Robert Bkum nach dem Oktoberaufstand in Wien

9.11.39 Reichspogromnacht

9.11.89 Mauerfall

9.11.1918 Novemberrevolution

scylla antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@scylla 

Bei einigen Daten gibt es Zusammenhänge.

Der Hitlerputsch 1923 war absichtlich auf den 5. Jahrestag der Ausrufung der Republik gelegt, der Zusammenhang ist eindeutig. Und da die Nazis den Tag jedes Jahr zu Ehren der dort gefallenen »Märtyrer« begingen, eignete er sich gut, um 1938 an alle NSDAP-Ortspruppen die Nachricht weiterzuleiten, dass der von einem Juden angeschossene Botschaftsangehörige jetzt verstorben ist. Also von der Parteiversammlung auf die Straße, um den »Volkszorn« zu entfachen. Aber außer den Parteileuten (SA etc.) hat da fast niemand mitgemacht, für die Nazis etwas ernüchternd. Der Holocaust wurde dann deshalb auch etwas verschleiert - auch wenn die Behauptung überhaupt nichts darüber gewusst zu haben, bei allen entsprechenden Zeitzeugen unglaubwürdig war (wäre).

Diese drei Tage hängen also ursächlich miteinander zusammen.

Blums Hinrichtung ist weniger wichtig, für die Niederschlagung der 1848-er-Revolution waren andere Tage bedeutender. Habe vorgestern eine Fernsehsendung gesehen, die noch alle möglichen andere Dinge, die an einem 9.November passierten, nannten, bis hin zum Geburtstag von Hedy Lamarr, der wohl intelligentesten Schauspierin aller Zeiten (u.a. hat sie das Frequenzsprungverfahren erfunden, gedacht zur verschlüsselten Steuerung von Torpedos, aber weil das Militär die nicht für voll nahm, kam es erst bei der Verschlüssung von Funkdaten zum Einsatz, bis heute auch z.B. bei Bluetooth; der 9.11. gilt ihr zu Ehren auch als »Tag der Erfinder«). - Gut, das war jetzt endgültig off-topic.

Bleibt noch der Mauerfall - da hat noch niemand einen Zusammenhang mit der Reichsprogromnacht etc. entdeckt.

Der 9.11 scheint so eine Art deutscher Schicksalstag zu sein

In einem Andachtsbuch, dass gefühlt zu jeden dritten Tag einen Gedenk- oder Feiertag nennt, stand heute tatsächlich »9.November - Schicksalstag der Deutschen«.

hkmwk antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@scylla  Von Robert Blum habe ich noch nie etwas gehört, Wien ist aber auch nicht meine Region, so dass es im Lehrplan stehen würde. Bei uns geht es eher um die badische Revolution um Friedrich Hecker und andere die in die USA ausgewandert sind. In der ehemaligen Kreisstadt gibt es eine General-Siegel-Straße  da er dort geboren wurde. Er war badischer Militär und auf Seiten der Union im US-Bürgerkrieg General.

jigal antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@scylla Nicht zu vergessen: 9.11. 1941 - Geburt meiner Nachbarin, ohne deren stetige Kuchen-Geschenke ich heute rank und schlank und unglücklich wäre... Zählt doch auch, oder?

 

Als deutsche Schicksalstage würde ich den 10. bis 12 August bezeichnen: seither gibt's sozusagen den deutschen Michel. 🙂

jack-black antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@jack-black 

Na, dann war aber die Schlacht am Kahlenberg genauso schicksalhaft. 12.09.1683.

Seitdem wird im Wien Kaffee getrunken. Heißt es jedenfalls 😉

hkmwk antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@hkmwk Nicht nur dies! Anläßlich der Schlacht um Wien lernte ja mein Namenspatron Jack (Shaftoe) per Befreiung aus dem türkischen Harem seine geliebte Eliza kennen. Eine schicksalhaftere Begegnung hat das gesamte Abendland* nie erlebt. 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

*Du müsstest diese Romane, insbesondere "Quicksilver", eigentlich lieben.

jack-black antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@jack-black 

Ich kann mir nicht leisten, andauernd neue Bücher zu kaufen 😉

Fiktive Figuren wollte ich eigentlich außen vor lassen.

hkmwk antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@hkmwk Ich kann mir nicht leisten, andauernd neue Bücher zu kaufen 😉

Angesichts diesen teuflischen Problems hat der liebe Gott Leihbüchereien erschaffen. Na, genug des offtopics, wollte hier die schlechte Stimmung nicht zu sehr stören.

jack-black antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@jack-black 

Angesichts diesen teuflischen Problems hat der liebe Gott Leihbüchereien erschaffen

Auch die kosten, und haben nicht jedes Buch.

hkmwk antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@hkmwk Auch die kosten

Meine örtliche Stadtbibliothek kostet mich, als Erwachsenen ohe Ermäßigung (Arbeitslosengeldempfänger, Ehrenamtsbekleider usw.)  12,-Euro pro Jahr. (Kinder bis 14 Jahre zahlen nix für den Leseausweis).

haben nicht jedes Buch.

Und per Fernleihe ist so ziemlich alles zu bekommen, was einen interessiert.

Aber ich vermute, dass ich Dir da nichts sonderlich Neues erzähle. Eigentlich ist nur eine Ausrede dafür, ein gutes* Buch nicht lesen zu wollen, gültig: Keine Zeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

*Oder man kann ein Buch natürlich auch doof finden (und manche Leute haben tatsächlich mir meinen Quicksilver-Band, den ich ihnen auslieh, bzw. aufschwatzte, schon zurückgegeben mit der Begründung: "Nö, is nix für mich, viel zu langatmig/kompliziert/langweilig/doof!"). Aber ich schätze Dich nach dem, was Du hier schreibst, halt so ein, dass Dir Stephensons Barock-Trilogie gut gefallen könnte. Für mich ist sie der beste Europa-Roman, der je verfaßt wurde (traurig, dass es dafür wieder eines US-Amerikaners bedurfte), ja überhaupt der beste historische Roman überhaupt: in einer seltsam literarisch unterrepräsentierten Epoche (gefühlt spielen zehnmal soviele Romane im Hochmittelalter wie im Barock) angesiedelt, in der gewissermaßen die moderne Bürgergesellschaft entstand, samt Börse und naturwissenschaftlichen Fakultäten. Mit den zwei bedeutendsten Wissenschaftlern der Neuzeit: Newton und Leibniz im erzählerischen Zentrum... Ach ja, ich hör ja schon auf zu schwärmen... 😉

jack-black antworten
Martha
 Martha
Beiträge : 1536

Herbstspaziergang am Tag des Gedenkens der Novemberpogrome 1938.

Robert Habeck fragt Igor Levit angesichts der Kälte des Antisemitismus auf deutschen Straßen:

"Glaubst du an Versöhnung?" "Da gehört Ehrlichmachung dazu." 

Lied ohne Worte von F Mendelssohn Bartholdy.

(Quelle Youtube, Dauer 9:37 min)

 

 

martha antworten
23 Antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

"Glaubst du an Versöhnung?"

Ahmad Mansour:

„Wir müssen in Gaza ein Versöhnungsprojekt starten“

Noch ist ein Frieden in Gaza nicht in Sicht – doch was kommt nach einem Ende der Kämpfe? Aus Sicht des Psychologen Ahmad Mansour braucht es zwischen Israel und den Palästinensern ein Versöhnungsprojekt „in den Dimensionen wie Deutschland nach 1945“.

Quelle: DLF, heute morgen

martha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@martha 

Das passt genau zu dem Filmausschnitt, den ich gestern abend gesehen habe von "Against all Odds", wo berichtet wurde, dass den jordanischen Kämpfern auf dem French Hill den Zeugen nach Abraham erschienen ist und sie dann von den 9 jüdischen Kämpfern abgelassen haben.

Mein Gedanke heute morgen: Was würde Abraham sagen? > Kinder, vertragt euch (Isaak und Ismael)

deborah71 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

@deborah71 

Was würde Abraham sagen

Schließlich haben Ismael u Isaak ihren Vater gemeinsam begraben. (1. Mose 25 9)

Aber ich weiss nicht, ob dieses blutige Gemetzel tatsächlich vergeben werden kann?

Es waren (lt. Arye und den von der Hamas geposteten Videos vom 07.10.) ja auch Zivilisten beteiligt am Greuel. 

All diese wird man nicht mehr aus den Millionen, die in den Süden gezogen sind gemäß  der Anweisung, herausfiltern können vom unbefleckten Rest.

Also ist ein "Darüberhinwegsehen" bereits in Kauf genommen für die Zeit danach. Es geht nicht anders. Dennoch stelle ich mir das schlimm vor, dass du mit dem bestialischen  Brudermörder an einem Tisch sitzen musst. 

 

martha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@martha 

Zum Beitrag

Aber ich weiss nicht, ob dieses blutige Gemetzel tatsächlich vergeben werden kann?

Es ist wohl die einzige Möglichkeit, aus der Anbindung herauszukommen und innerlich frei zu werden und mMn ein Schritt in ein Nebeneinander, wenn Versöhnung nicht möglich ist.

Die Geschichte von Corrie ten Boom ist mir da prägend, als nach einer Evangelisation, die sie gehalten hat, ein Mann auf sie zukam und sie ihren Peiniger im KZ erkannte, der um Vergebung bat.

Im aktuellen Geschehen stelle ich mir das wesentlich schwieriger vor, denn die Vorstellung von Vergebeung ist im Islam sicher eine andere, als bei Christen.

Es gibt ja Ansätze seit langem: https://musalaha.org/

Musalaha ist eine glaubensbasierte Organisation, die auf der Grundlage biblischer Versöhnungsgrundsätze vor allem Israelis und Palästinenser unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkunft sowie internationale Gruppen unterrichtet, ausbildet und die Versöhnung fördert.

Es gibt auch viele arabische Israelis, die kein Problem haben.

Sie alle können zusammenwirken und es gibt ja schon friedliche Koexistenz, wenn da kein Extremist reingrätscht.

deborah71 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

@deborah71 

wenn da kein Extremist reingrätscht.

...Er [Ismael] wird ein wilder Mensch sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird wohnen all seinen Brüdern zum Trotz.

1. Mose 16,12

Weisste,  wenn's ein gezielter Schuss gewesen wäre. Aber dieses sadistische Gequäle, Körper zerschneiden u Leichen fleddern... 🤢

martha antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@martha 

Zum Beitrag

Je mehr du diese Grausamkeiten wiederkäust, gibst du dem Zugriff auf deine Seele und bei dir zu wirken, da brauchen diese nicht mal anwesend sein.

Mir ist da auch was durchgerutscht und triggert, wenn ich den Backofen verwende. Das hab ich noch nicht ganz wieder raus.

Ich stimme mit etlichen Pastoren und Israelis überein, die von einer dämonischen Ebene sprechen. Die Beschreibung aus 1. Mose 16,12 mit Wildheit begründet für mich nicht ausreichend diese extreme Grausamkeit.

deborah71 antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@deborah71 

dem Filmausschnitt, den ich gestern abend gesehen habe von "Against all Odds"

Gibts das irgendwo im Netz? Es gibt zwei Hollywoodfilde (1947, Remake 1984) und einen Song mit diesem Titel, aber was du schreibst ist definitiv was Anderes.

hkmwk antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@hkmwk 

Ich hatte gestern bei Sid Roth It's Supernatural reingeschaut, was er gerade so an Interviews produziert hat. Da findet man oft erstaunliche Zeugnisberichte.

MUST WATCH! God Protects Israel! [Miraculous Stories]

https://www.youtube.com/watch?v=CEFFsBaP59U

Der Filmproduzent war im Interview und er hatte von seiner Recherche berichtet bzgl der existenszbedrohenden Kriege Israels und was da zwischen den Zeilen passierte und nie in den Medien erscheint. Dazu wurden kleine Filmausschnitte eingespielt, die Suche nach den Zeitzeugen beschrieben... 

deborah71 antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@deborah71 

Leider wird da übertrieben. Israel 1948 ein schutzloses Land von Händlern und Bauern? Als ob sich in den immer blutiger werdenden Auseinandersetzungen keine jüdische paramilitärische Organisationen gebildet hätten. Doch, es gab Haganah (aus der die IDF hervorging), es gab Irgun (aus heutiger Sicht eine Terrororganisation).

Es ist schon Erstaunliches passiert, wie sagte ben Gurion: Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist 😉 Aber zuweilen gibt es eben ganz profane, natürliche Erklärungen.

Die einzelnen Episoden werde ich nicht bezweifeln, mit Ausnahme der mit dem Gespräch zwischen Golda Meir und Nixon. Denn was da die Augenzeugen verschweigen: Das wichtigste Argument, dass die USA überzeugte, war die Aussicht, dass Israel Atombomben einsetzen würde, wenn nicht bald Hilfe kommt.

Und noch was zum 6-Tage-Krieg: Israel konnte (dank moderner Technik) die ägyptische Luftwaffe an einem Tag ausschalten (während die Weltöffentlichkeit und auch viele Israelis dachten, es hätte einen Luftangriff auf Tel Aviv gegeben). Und der Mossad hatte den Code mehrerer arabischer Armeen und konnte so den feindlichen Soldaten scheinbar authentische, weil verschlüsselte, Befehle geben … wenn man das weiß, versteht man, warum Israel den 6-Tage-Krieg gewonnen hat. Der Sieg 1948 ist ein Wunder (auch ohne die Übertreibung von Roth), 1967 eher nicht.

 

hkmwk antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29382

@hkmwk 

Filmisch wird meistens einiges aufgeblasen. Was real übrig bleibt, ist immer noch erstaunlich genug.

 

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29478

@martha 

Ahmad Mansour:

„Wir müssen in Gaza ein Versöhnungsprojekt starten“

Noch ist ein Frieden in Gaza nicht in Sicht – doch was kommt nach einem Ende der Kämpfe? Aus Sicht des Psychologen Ahmad Mansour braucht es zwischen Israel und den Palästinensern ein Versöhnungsprojekt „in den Dimensionen wie Deutschland nach 1945“.

Quelle: DLF, heute morgen

Das wäre schön, aber es gibt da entscheidende Unterschiede. Mit dem Kriegsende hörte auch der Nationalsozialismus auf zu existieren... zumindest taten die Deutschen so, als gäbe es ihn nicht mehr. Es wurde versucht, alles unter den Teppich zu kehren, und selbst jene, die nach wie vor von den Ideen der Nazis überzeugt waren, taten sich leicht damit, sich in den Strukturen der Demokratie zurecht zu finden und Karriere zu machen als wäre nie etwas gewesen.

Teilweise macht Vieles im Nachhinen fassungslos, etwa dass so viele Täter einfach davonkamen... aber es erleichterte natürlich auch den Neustart. Selbst die Alliierten waren wohl überrascht, wie handzahm die Deutschen plötzlich waren, nachdem sie doch im Krieg bis zuletzt fanatisch Widerstand geleistet haben. Davon war plötzlich nichts mehr zu sehen, und deutsche Flugzeugmechaniker, die kurz zuvor noch deutsche Kriegsflugzeuge für die Front bereitstellten, halfen jetzt dabei die Flugzeuge der Alliierten zu warten. Irgendwie musste es ja weitergehen, und der Krieg war vorbei...

Dass es bei den Palästinensern einen ähnlichen Umschwung in ihrer Einstellung gegenüber den Israelis geben wird ist aber kaum anzunehmen - auch wenn ich es mir wünschen würde. Dafür sind die Strukturen und die Einstellungen der Menschen doch zu verschieden. Im Sinne der Hamas wird es, anders als in Deutschland, auch nie ein Kriegsende geben - das wäre aber Voraussetzung für den Beginn einer Aussöhnung.

 

lucan-7 antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

@lucan-7 

Dass es bei den Palästinensern einen ähnlichen Umschwung in ihrer Einstellung gegenüber den Israelis geben wird ist aber kaum anzunehmen - auch wenn ich es mir wünschen würde.

Das sehe ich leider genauso. 

martha antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@martha Aus Sicht des Psychologen Ahmad Mansour braucht es zwischen Israel und den Palästinensern ein Versöhnungsprojekt „in den Dimensionen wie Deutschland nach 1945“.

Wenn man da eine Analogie erkennen wollte, müsste vorher allerdings die bedingungslose Kapitulation der Palästinenser* erreicht werden.

Solch utopische Ideen kommen dabei heraus, wenn man politische, militärstrategische und sozioökonomische Dimensionen ausblendet und bloß in psychologischen Kategorien wie "Versöhnung" denkt: schon die Analogien geraten völlig schräg. Man muss nur mal sich das konkret durchdenken, um ein paar Fallstricke klar zu erkennen: Was wäre denn da die Entsprechung zur "Entnazifizierung" (die ja obendrei so ganz erfolgreich gar nicht ausfiel)? Die Ent-Muslimisierung der Palästinenser (denn dass gemäß der Analogie die Palästinenser am Ende diejenigen sind, die die Rolle der Nachkriegs-Deutschen zu spielen haben, ist vermutlich als selbstverständlich vorausgesetzt) ? Na, viel Erfolg dabei! Was ist mit den "Achsenmächten" Saudi-Arabien, Katar oder Iran? Bekommen die vorher noch ein paar Nagasakis verpaßt, damit es mit dem Versöhnungsprojekt dann so richtig losgehen kann?

 

*Wer könnte die überhaupt anbieten/beschließen/ausrufen?

jack-black antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@jack-black 

Und noch ein Aspekt: Die Versöhnung mit den USA wäre ohne den beginnenden kalten Krieg wohl nicht so schnell gekommen. Grade die Luftbrücke nach Berlin hat ja viel bewirkt - und schon bei den Nazis waren die Russen ja schlimmere Feinde (Untermenschen!) als Engländer & Co.

Wer könnte die Rolle des gemeinsamen Feindes spielen? Iran fällt wg. Sympathien aus, China ist viel zu abstrakt …

hkmwk antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@hkmwk Wer könnte die Rolle des gemeinsamen Feindes spielen?

Niemand. Man tut der Analogie eigentlich schon zu viel der Ehre, wenn man länger als ein, zwei Minuten darüber nachdenkt.

Aber wo Du den "gemeinsamen Feind" in's Spiel bringst: der wird ja nirgendwo gesehen/erkannt - weder in Israel/Gaza, noch hier in Deutschland. Vorhin hörte ich im DLF zwei Leute - einen deutschen Juden und eine deutsche Palästinenserin, die momentan irgendwelche Angebote in deutschen Schulen machen, wo "betroffende SchülerInnen" über die Thematik reden dürfen und wo ihre "Gefühle akzeptiert" werden und so weiter und so fort. Wo "beide Seiten" Gehör finden und "in ihrer Lebenswirklichkeit wahrgenommen" werden - was natürlich alles "dankbar angenommen" wird und "manche echt weinen können". Und so weiter und so fort.

Der eigentliche "gemeinsame Feind", den diese Schüler - mögen sie einem jüdischen oder einem muslimisch-arabischen Familienhintergrund entspringen - in ihrer großen Majorität haben, ist ihnen vermutlich nicht bekannt: die finanzkapitalistischen Eliten, deren Reichtum und Macht beispielsweise auf der rücksichtslosen Ausbeutung der modernen Gold- pardon! -  Ölreserven in Nahost beruht und damit nicht nur eine praktische Beendigung des bewaffneten Konflikts in der Region verunmöglicht (denn das würde ja bedeuten, mal Big Business der Friedenspolitik unterzuordnen), sondern die Zukunftsperspektiven auf ein glückliches Leben dieser jungen Leute einfach ausradiert.

Tatsächlich interessiert mich das längerfristige Schicksal von Israel und Palästina inzwischen gar nicht mehr so großartig, weil die Gegend in dreissig, vierzig oder sechzig Jahren (der Konflikt schwelt schon länger!) eh nicht mehr für normale Menschen bewohnbar sein wird. Ob sie da jetzt schon alles mit Raketen und Bomben platt machen oder ob sie's dem ganz normalen Klimawandel überlassen, das gelobte Land in eine unbewohnbare Zone zu verwandeln - who cares? Ich jedenfalls nicht mehr.

Und auch unser deutsches Judenhass-Brauchtum ist mir inzwischen relativ wurscht. Jetzt haben wir da halt eine Re-Import-Konjunktur, wo mal unser guter alter deutscher Judenhass im muslimisch geprägten Ausland ein bisserl generalüberholt wurde und dann per Arbeits- und Kriegsflüchtlingsemigranten wieder zurück kam. So what? Wen sollte das überraschen? Wer glaubt jetzt irgendwelchen Beteuerungen von Politik-Darstellern, dass alles getan werde, um eine "Wiederholung" zu verhindern? Gewalt und Ausschreitungen gegenüber Juden sind ebenso das Werk krimineller Idioten, wie Gewalt und Ausschreitungen gegenüber Ausländern es waren. Wenn man keine kriminellen Idioten haben will, dann muss man halt verhindern, dass die Leute idiotisiert werden. Erstens per Bildung beispielsweise und insbesondere per Bildungsförderung für Menschen aus den unteren und somit regelmäßig bildungsfernen Schichten. Zweitens: dass ihre Motive für kriminelles Verhalten ab- statt zunehmen. Stichwort: Arm-Reich-Schere. (<-- Michael Hartmann hält einen Vortrag darüber, wie die Konjunktur des Nazi-Wesens - euphemistisch: zunehmende Wahlerfolge und Zustimmungsraten für die AgD - mit dem Agieren der Eliten zusammenhängt. Ich hab durch diesen Vortrag zum ersten Mal überhaupt verstehen können, warum die Blaunen von derart vielen Leuten gewählt werden, woher kausal die letztlich halt in die faschistoide Blödsinnigkeit führende Wut in manchen Bevölkerungskreisen stammt: sie hat handfeste ökonomische Ursachen).

Man stelle sich mal vor, die Wut, die sich jetzt da auch hier in Deutschland entlang des Juden-vs.-Palästinenser-Grabens Luft schaft, würde auf die echten Feinde der jungen Leute fokussiert: auf diejenigen, die im Interesse der Finanzeliten und des finanzkapitalistischen Systems jeden Tag herumlügen und ablenken und nichts auch nur ansatzweise Erfolgversprechendes gegen die großen drei Gefahren für die Menschheit tun:

1. Nichts gegen die himmelschreienden und Demokratie praktisch verunmöglichenden Reichtumsunterschiede*.

2. Nichts gegen den Klimawandel*.

3. Und nichts gegen die existentielle Bedrohung durch die KI.

 

 

 

*Jüngstes Beispiel: Verbilligter Industriestrom in Deutschland: wenn schon mit Unweltsauereien Aktien-Dividenden erwirtschaftet werden können, dann doch bitte hier in Deutschland. Nicht, dass die Kapitalisten noch Arbeiter im Ausland statt bei uns ausbeuten können...

jack-black antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

@jack-black 

Was wäre denn da die Entsprechung zur "Entnazifizierung" (die ja obendrei so ganz erfolgreich gar nicht ausfiel)? Die Ent-Muslimisierung der Palästinenser (denn dass gemäß der Analogie die Palästinenser am Ende diejenigen sind, die die Rolle der Nachkriegs-Deutschen zu spielen haben, ist vermutlich als selbstverständlich vorausgesetzt) ? Na, viel Erfolg dabei! 

Ich bin da auch desillussioniert. Noch schlimmer: ich habe meine Zweifel, dass wir das  in Deutschland hinkriegen. 

martha antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@martha das eine ist eine Ideologie, das andere ist eine religiöse Überzeugung, die kann man nicht ausrotten und dass die NS-Ideologie in Deutschland nicht verschwunden ist sieht man ja.

Im Baden-Württembergischen Landtag war jetzt der Antisemitismus ein Thema. Eine Partei hat nur den importierten Antisemitismus gesehen, der natürlich durch Schulbildung in den arabischen Ländern.

 

jigal antworten
MrOrleander
(@mrorleander)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2445

@jack-black 

Wenn man da eine Analogie erkennen wollte, müsste vorher allerdings die bedingungslose Kapitulation der Palästinenser* erreicht werden.

Vielleicht dachte er eher an die Versöhnung bspw. zwischen Deutschland und Frankreich. Der Wandel von der Erbfeinschaft zu einem gedeihlichen Miteinander war ja auch ein längerer Prozeß, getragen von staatlichen wie zivilgesellschaftlichen Projekten, die (erst) 1963, also fast 20 Jahre nach Kriegsende, dann in einen Freundschaftsvertrag mündeten. 

Aber stimmt schon: So wirklich paßt der Vergleich nicht. 

mrorleander antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29478

@mrorleander 

Vielleicht dachte er eher an die Versöhnung bspw. zwischen Deutschland und Frankreich. Der Wandel von der Erbfeinschaft zu einem gedeihlichen Miteinander war ja auch ein längerer Prozeß, getragen von staatlichen wie zivilgesellschaftlichen Projekten, die (erst) 1963, also fast 20 Jahre nach Kriegsende, dann in einen Freundschaftsvertrag mündeten. 

Wie du selber sagst: so ganz passt es halt nicht. Die Kriege zwischen Deutschland und Frankreich waren immer begrenzt, mit einem klaren Beginn und einem klarem Ende. Am Ende ging es dabei und wirtschaftliche und machtpolitische Interessen.

Das ist auch bei den Palästinensern der Fall - nur dass die wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen auf deren Kosten gehen, weil sie von ihren eigenen Anführern betrogen werden.

Würden sie das erkennen wäre schon viel gewonnen....

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6215

@mrorleander Vielleicht dachte er eher an die Versöhnung bspw. zwischen Deutschland und Frankreich.

Vielleicht - aber warum dann der Hinweis auf die Zeit nach dem 2. WK? Dieses deutsch-französische Versöhnungsprojekt wurde ja schon in der Zeit zwischen den Kriegen mit Locarno in die Wege geleitet (Friedensnobelpreis ging damals an Stresemann und Briand - wer erinnert sich noch? 😉 ).

stimmt schon: So wirklich paßt der Vergleich nicht.

Darum ging es mir.

Ich bin ja nicht gegen "Völkeraussöhnung" - einer meiner großen literarischen Helden, Kurt Tucholsky, war ja sehr stark in genau dieser deutsch-französischen Aussöhnung involviert, man lese seine journalistischen Beiträge für die Weltbühne aus der Zeit, wo er in Frankreich/Paris lebte. Und der von Dir angesprochene Élysée-Vertrag von 63 war eine tolle Sache. Aber nur, weil mal irgendwann in der Geschichte einst in innigster Feindschaft verbundene Völker die Kurve kriegten und "zueinander" fanden, taugen solche erfreulichen Ereignisse ja nicht automatisch als Blaupause.

Wenn jemand in einer Krisensituation abwegige Vorschläge macht, dann hilft derjenige nicht, sondern vergrößert nur die Kakophonie des allseitigen aufgeregten Durcheinanderredens. Jeder hat natürlich seine Meinung zu dem Palästina-Israel-Konflikt, und je mehr man sich da emotional reinsteigert, desto fester wird die Gewißheit, dass die eigene Meinung die richtige sei und entsprechend die Ad-hoc-Vorschläge, die man sich aus dem Ärmel schüttelt, unbedingt diskutiert werden sollten.

Das lenkt aber eben dann unnützlich ab und trägt zur allgemeinen Verwirrung bei, wenn man eigentlich überhaupt keine Kompetenz in der Sache hat, aber irrig annimmt, man sei kompetent.

Ich möchte das mal an einer eigenen Analogie erläutern. Angenommen,  ein Dutzend Leute wurde von bösen grönländischen Terroristen festgenommen und in einer Eishöhle auf einer Eisinsel eingesperrt, vermutlich "für immer". Nun hocken die Gefangenen da mit kaltem Hintern und beratschlagen: Wie kommen wir aus dieser schrecklichen Situation wieder heraus?!

Da meldet sich Jack, seines Zeichens Illustrator und leidlicher Kenner der europäischen Literaturklassiker: "Wir sollten es so wie einst Daedalus und später Wieland der Schmied machen: wir basteln uns aus Vogelfedern und Wachs Flügel und fliegen einfach weg. Und im Gegensatz zu Ikarus vermeiden wir es, allzu hoch zu fliegen, damit die Sonne nicht das Wachs in unseren Flügeln zum Schmelzen bringt! Na, was denkt ihr?!"

"Super Idee!", befinden die anderen. "Bräuchten wir also nur noch genügend Wachs und Vogelfedern und irgendwelche Befestigungen für die von dem gerade durch Abwesenheit glänzenden Superhandwerker hergestellten Flügel." Und dann knebeln sie Jack, damit er die Erwachsenen nicht mit seinem dämlichen Gelaber zur Weißglut treibt...

 

Wenn ich nach historischen Konstellationen in der Geschichte suche, die Parallelen zu dem Israel-Palästina-Konflikt aufweisen, dann werde ich kaum fündig. Am ehesten kommen mir dann der Nord-Irland-Konflikt oder Spanien unter den Mauren in den Sinn: Konflikte zwischen Parteien mit grundsätzlich unterschiedlicher religiös-ideologischer Identität. Wie wurden diese Konflikte gelöst - falls überhaupt?

Die Mauren wurden aus Spanien im Rahmen der Reconquista mit Gewalt vertrieben. Nix mit Zwei-Staatenlösung. Es gab die Gewinner und es gab die Verlierer.

Historisch näher an uns dran ist der Nordirland-Konflikt (typischer Bruchlinienkonflikt) zwischen den englischen Protestanten und den irischen Katholiken. Wir haben da dann mit der IRA auch eine Parallele zur Hamas insofern, als die eben auch sich für die "assymetrische Kriegsführung" entschlossen.

Ist der Nordirland-Konflikt überaupt schon gelöst? Da darf man skeptisch sein, zwar hat die Gewalt, mit der man sich traditionell entlang der Gemarkungslinien das Leben sauer machte, in den letzten Jahren fast gegen Null tendiert, aber das Gezerre um den Grenz-Status zwischen Irland und Nordirland im Zusammenhang mit dem Brexit wurde stets vor dem Angst-Hintergrund, die Gewalt könne wieder ausbrechen, diskutiert.

Aber nehmen wir mal als gegeben an, dass dieser Konflikt inzwischen hinreichend befriedet ist und also als Vorbild für eine Konfliktlösung im Nahost dienen könnte. Was ließe sich da von Nordirland her lernen? In beiden Fällen handelt es sich um Bruchlinienkonflikte: Hier die Bruchlinie zwischen katholisch und protestantisch/anglikanisch, dort die Bruchlinie zwischen jüdisch und islamisch.

Wie stark ist diese Parallelität? Wenn man meint, dass es sich im Nordirlandkonflikt doch genaugenommen auf beiden Seiten um Christen gehandelt hätte, kann man diese Parallelität kaum erkennen: Religionskriege zwischen unterschiedlichen christlichen Konfessionsgruppen? Sind die nicht seit geschlagenen fünfhundert Jahren ausser Mode gekommen? Aber ich würde darauf antworten: wenn man die ideologisch-kulturelle Bruchlinie zwischen den irischen Katholiken und den englischen Anglikanern solcherart wegdiskutieren will, kann man auch die ideologisch-kulturelle Bruchlinie zwischen den Juden und den Muslimen wegdiskutieren, indem man sagt: Letztlich sind das doch beides abrahamitische Monotheismen...

Wenn man mit also soweit folgt, dass man konzediert: Ja, in beiden Fällen handelt es sich um Bruchlinienkonflikte - dann kann man dazu übergehen zu untersuchen: warum war eine Befriedung des Nordirland-Konflikts möglich? Und da kann man sich dann mal anschauen, wie sich die "Kernstaaten" da verhielten, bzw. die mächtigen Player in den jeweiligen Kulturblöcken. Die IRA konnte zwar einige Terror-Angst verbreiten - aber wurden ihre führenden Köpfe beispielsweise aus dem katholischen Südamerika, aus Spanien, Italien, Frankreich oder Bayern tatkräftig unterstützt? Lieferten katholische Länder der IRA, von kulturellen Solidaritätsmotiven getrieben, Raketen, Panzerfäuste, leichte Artillerie und so fort? Stellten sich umgekehrt die USA und Brandenburg auf die Seite der protestantischen Unionisten und schickten schon mal, wenn die IRA es zu krass trieb, zur Abschreckung Kriegsschiffe in die nordirische See?

Nein. Dieser Bruchlinienkonflikt schwelte zwar über viele Jahrzehnte hinweg (und aus Perspektive der Involvierten über Jahrhunderte) - aber er eskalierte nicht und zwar, weil sich die Kernstaaten der entsprechenden Kulturblöcke da raus hielten. Ja, der Konflikt bildete auch seine Metastasen, beispielsweise in die USA hinein, wo sich ja eine große irisch-katholische Community befindet. Aber womöglich war der Umstand, dass in den mehrheitlich protestantischen USA sich so viele irisch stämmige Katholiken befanden, sogar ein positiver Faktor, insofern die USA so ein geringeres Interesse hatten, sich auf die eine (unionistische) Seite zu schlagen.

Was sich am Nordirland-Konflikt vielleicht "lernen" läßt, ist dies: keine Eskalation, sondern eher eine Ermüdung führte zu seiner (vorläufigen) Beendigung. Die Bevölkerung auf beiden Seiten der ideologischen Grenze bekam immer mehr "die Schnauze voll". Und dann war da die Sache mit der ökonomischen Integration beispielsweise von Irland und Großbritannien in die EG (heute EU): weder in GB noch in Irland bestand da noch ein objektives Interesse daran, diese (identitäts-) profilneurotische Zankerei weiter zu befeuern oder auch nur zu perpetuieren.

Aber wenn man sich so anschaut, wie der Nordirlandkonflikt "befriedet" werden konnte, fällt einem halt neben einigen Parallelen zum Nahostkonflikt auch ein Haufen Unterschiede auf: war die religiöse Identität in den letzten fünfzig Jahren in Nordirland überhaupt noch ein so wesentlicher Faktor, also weltanschauungsmäßig und nicht nur brauchtumsmäßig?  Ohne mir jetzt sonderlich viel Expertise anmaßen zu wollen, würde ich sagen: nein: die religiösen Differenzen spielen im Nahostkonflikt eine wichtigere Rolle als in Nordirland. Dann: wäre überhaupt eine mit der EG vergleichbare, beide Seiten zu kooperativem Verhalten motivierende Struktur für den Nahost-Raum in Sicht? Da hab ich grad keine Idee, aber ich bin ja auch kein Polit-Ökonom.

Der gravierendste Unterschied scheint mir darin zu bestehen, dass sich die "Kulturblöcke" und deren Kernstaaten aber mal so überhaupt nicht aus dem Nahostkonflikt heraushalten. Darüber hinaus gibt es eigentlich gar keinen über Israel hinaus reichenden "jüdischen Kulturblock". Genaugenommen hat der US-geführte Westen kein objektives Interesse an Israel, welches doch gerade erst deswegen entstand, weil die kulturelle Integration der Juden in der christlichen Welt nicht funktioniert hatte: es gäbe heute überhaupt keine jüdische Kultur mehr, wenn sie sich integriert/assimiliert hätten.

In diesem grundsätzlichen Unterschied zu allen anderen Konflikten, die man als Vegleich zum Nahostkonflikt heranziehen wollte, hakt es immer, wenn man sich nach Konfliktlösungs-Vorlagen umschaut: Israel gehört zu keinem großen Kulturblock, es ist gewissermaßen ähnlich kulturell allein wie Japan, dessen tradierte Identität ja ebenfalls in einer nationalreligiösen und somit notwendig alle anderen Nationen exkludierenden Melange (was die Eroberungskriege Japans im Rahmen des 2. WK angeht, hab ich bis heute keinen Schimmer, warum oder wozu die überhaupt initiiert wurden: hatte man vor, über die eroberten Gebiete zu herrschen wie weiland Rom über seine Provinzen? WTF?!) besteht. Nur, dass es eben noch eine ganze Menge mehr Japaner als israelische Juden gibt.

Naja, langen Gelabers kurzer Sinn: mir fielen bessere Analogien zum Palästina-Konflikt ein als der 2. Weltkrieg oder auch nur die "Erbfeindschaft" zwischen Deutschland und Frankreich. Aber selbst diese besseren Analogien bringen mich nicht auf die Idee, aus ihnen konstruktive Problemlösungsvorschläge für den hier diskutierten Krieg ableiten zu können.

Mein Dank gilt allen, die an dieser Stelle immer noch nicht eingeschlafen sind, für ihre Aufmerksamkeit. 😀

jack-black antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@jack-black 

die USA und Brandenburg

🤣 🤣 🤣 🤣 

hkmwk antworten
MrOrleander
(@mrorleander)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2445

@jack-black 

(was die Eroberungskriege Japans im Rahmen des 2. WK angeht, hab ich bis heute keinen Schimmer, warum oder wozu die überhaupt initiiert wurden: hatte man vor, über die eroberten Gebiete zu herrschen wie weiland Rom über seine Provinzen? WTF?!)

Japan ist rohstoffarm. Korea oder China sind dagegen reich an Bodenschätzen. Soweit die Ratio. Daneben war Japan vom Imperialismus infiziert und träumte von einer Großasiastischen "Wohlständssphäre" unter seiner Führung und zu seinem alleinigen Nutzen. Japanische Nationalisten waren zudem der Meinung, daß Korea historisch recht eigentlich zur japanischen Kultur und Nation gehöre. 

Mein Dank gilt allen, die an dieser Stelle immer noch nicht eingeschlafen sind, für ihre Aufmerksamkeit.

Das sich zur "Arglosigkeit"nun auch noch die Bescheidenheit gesellt...  Es ist wahrlich noch nicht aller Tage Abend. 😀 

mrorleander antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536
Veröffentlicht von: @mrorleander

@jack-black 

Mein Dank gilt allen, die an dieser Stelle immer noch nicht eingeschlafen sind, für ihre Aufmerksamkeit.

Das sich zur "Arglosigkeit"nun auch noch die Bescheidenheit gesellt...  Es ist wahrlich noch nicht aller Tage Abend. 😀 

😉

martha antworten


Furzwitz
Beiträge : 124
Veröffentlicht von: @hkmwk

Das kam von einer als seriös geltenden Nachrichtenagentur. Darauf sind auch Qualitätsmedien in anderen Ländern hereingefallen.

Also das war sehr leicht als Angabe des palästinensichen Gesundheitsministeriums in Gaza zu erkennen. Und das ist von der Hamas beherrscht. Das passt sehr gut in eine Reihe von Pannen, die sagen wir mal eine Blindheit auf dem linken Auge demonstrieren. Wenn im Deutschlandfunk Faktentreue als DIE wichtigste Grundlage von Nachrichten beworben wird, anders kann man das nicht ausdrücken, dann haben sich es da einige Damen und Herren sehr viel zu einfach gemacht. Angesichts der Tragweite dieser Nachricht ist das ohne Konsequenzen nicht hinnehmbar. Dieses Recht auf Quellen quasi blind vertrauen zu dürfen, das billige ich Empfängern zu aber dem ÖRR nicht!

furzwitz antworten
1 Antwort
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10251

@furzwitz 

Also das war sehr leicht als Angabe des palästinensichen Gesundheitsministeriums in Gaza zu erkennen

Und wenn das als solche weitergegeben wird, ist das in Ordnung. Mein Gedächtnis gibt das nicht zu 100% her, aber ich meine, das wurde auch in der ARD mit »unabhängig lässt sich das nicht überprüfen« gemeldet.

Wenn im Deutschlandfunk

Was hat der denn genau gemeldet?

hkmwk antworten
Martha
 Martha
Beiträge : 1536

Johannes Hartl vom Gebetshaus  Augsburg geht in einem Vortrag "Warum Israel" vom 09.11. ab ca 1:50 min auf christlichen Antisemitismus ein. Hörenswert:

Warum Israel? Gibt es so etwas wie ein "erwähltes Volk" und hat ein solches Konzept uns heute noch etwas zu sagen?

Der Vortrag (Beginn ab ca 1:15 min) ist gut strukturiert und hörenswert.

Hartl schlüsselt darin verschiedene Dinge auf. Z.B., dass die Idee vom Gewissen aus dem jüd. Glauben kommt. Wie auch das "Konzept" Dialog u dass das Wort als solches und der Umgang mit Worten einen hohen Stellenwert im Judentum haben. 

Er zitiert (natürlich auch) Hanna Ahrendts "Banalität des Bösen" und dass es Gut u Böse gibt und keiner sich drücken kann vor einer Entscheidung ... im Sinne von: das war damals eben so (das Verschwimmen in einer Masse). 

martha antworten
1 Antwort
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1536

Betrifft diesen Beitrag

Der Link ist falsch. Deshalb hier nochmal:

Johannes Hartl: "Warum Israel?"

 

martha antworten


Seite 2 / 2
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?