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Israel und der vermeintliche Genozid

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29450

Das ist ein Thema, das mir seit geraumer Zeit auf den Nägeln brennt, weil ich hier eine Entwicklung sehe, die mich mehr und mehr fassungslos macht: Die inzwischen weit akzeptierte Behauptung, dass Israel in Gaza einen "Genozid" durchgeführt hätte.

Und nur um das von Anfang an richtig einzuordnen: Zu sagen, dass in Gaza kein Genozid stattgefunden hat, ist weder eine Verharmlosung des unsäglichen Leids, das die Menschen dort erfahren haben, noch eine Verleugnung der Kriegsverbrechen, die dort durch Israel an der Bevölkerung stattgefunden haben und deren Aufklärung durch die israelische Regierung verhindert wird!

Was mich heute aber tatsächlich schockiert hat ist der folgende Artikel:

Spiegel online - die Lage am morgen

Konkret: der Abschnitt etwas weiter unten, Überschrift: "Das Erbe von Srebrenica"

Dort wird an das Kriegsverbrechen, wahlweise auch Völkermord in Srebrenica von 8000 Bosniern durch serbische Truppen vor 31 Jahren erinnert.

Das ganze wird dann eingerahmt in das Gedenken an den Holocaust und das Versagen der Menschheit darin, so etwas "nie wieder" stattfinden zu lassen... und dann die Aufzählung wo "es" dann eben doch stattfand: Srebrenica, Ruanda, Gaza, Sudan.

Zack, einfach so. Mir wäre noch mehr eingefallen (kennt noch jemand die Roten Khmer?), aber an dieser Stelle schockiert mich die Selbstverständlichkeit, mit der Gaza in die Reihe - und damit Israel als verbrecherischer Staat aufgenommen wird, wohlgemerkt ausgehend vom Holocaust, also in einer fortlaufenden Reihe mit dem Naziregime. Und das ohne jede Einordnung, ganz selbstverständlich!

Die Anhänger der Hamas dürfen jubeln. Denn genau darum geht es ja... es geht weniger um juristische Spitzfindigkeiten, ab wann genau denn eigentlich von einem "Genozid" gesprochen werden sollte, es geht um das framing: Israel ist ein verbrecherischer Staat, der Völkermord begeht!

Und was muss mit einem verbrecherischen Staat, der Völkermord begeht, gemacht werden? Er muss bekämpft werden! Und wer bekämpft Israel? Die Hamas, die Hisbollah, der Iran und wer immer sich auch dazu berufen fühlt... das bekommt durch dieses framing eine Rechtfertigung. Und nur darum geht es. Die Propaganda wirkt!

Die Bereitschaft, mit der linke Politik dazu bereit ist, dieses Framing zu unterstützen, finde ich erschreckend. Und bitter... sehen diese Leute eigentlich, mit wem sie sich da gemein machen? Für die Linke im Iran gab es jedenfalls einst ein böses, ein sehr böses Erwachen, nachdem auch diese das System bekämpft und sich mit Islamisten gemein gemacht haben... wer aus der Geschichte lernen will sollte vielleicht irgendwann mal damit anfangen in die Geschichtsbücher zu schauen.

Aber moment - wenn so viele es sagen, dann wird es doch vielleicht stimmen? Wo doch so viele Organisationen von einem "Völkermord" sprechen und sich auch Juristen damit befassen... da wird doch wohl auch irgendwas dran sein?

Nun, die Motivation der Juristen ist mir nicht bekannt. Aber ich denke, man kann objektiv sagen, dass zu einem "Völkermord" einerseits eine entsprechende Absicht gehört - und andererseits eine entsprechende Durchführung.

Die meisten Leute machen es sich hier einfach: Es sind unbestreitbar sehr viele Menschen in Gaza gestorben - und zwar auf Basis einer Kriegshandlung, der eine Absicht zugrunde lag - nämlich die Absicht, diesen Krieg zu führen. Und natürlich hat niemand Israel dazu gezwungen diesen Krieg zu führen, man hätte auch darauf verzichten können. Die entscheidende Frage für einen "Völkermord" ist aber nicht, ob Israel die Absicht hatte, diesen Krieg zu führen - sondern, ob Israel die Absicht hatte (oder noch hat), die Zivilbevölkerung in Gaza zu vernichten.

Nach offizieller Darstellung geht es Israel um die Bekämpfung der Terrorgruppe Hamas. Die entscheidende Frage, ob es sich hier um eine Völkermord handelt, lautet also: Hätte Israel die Hamas genau so effektiv mit weniger zivilen Opfern bekämpfen können? Oder hat die israelische Armee ganz bewusst ein Vorgehen gewählt, bei dem möglichst viele palästinensische Zivilisten ums Leben kommen sollten - um damit auch die Kriterien für einen "Völkermord" zu erfüllen?

Die nüchterne Analyse zeigt, wenn man den Gazakrieg mit anderen Kriegen vergleicht: für einen Krieg in einem derartig dicht besiedelten und eng bebauten Gebiet waren die zivilen Opfer vergleichsweise gering!

Wohlgemerkt: "Gering" im militärischen Sinne im direkten Vergleich, nicht im Sinne von "vernachlässigbar", denn jedes Opfer ist eines zu viel!

Von einem "Völkermord" kann in diesem Zusammenhang objektiv keine Rede sein - dennoch wird der Begriff jetzt im Zusammenhang mit "Israel" und "Gaza" so selbstverständlich verwendet, dass er sogar in einer Reihe mit dem Holocaust steht - und Israel damit in eine direkte Nachfolge zu Nazideutschland bringt! Und das noch unter dem Label, dass "nicht vergessen" werden darf... geht es noch zynischer?

Noch ein kleiner historischer Vergleich: Die Alliierten haben im 2. Weltkrieg ganz bewusst die deutsche Zivilbevölkerung angegriffen und nicht-militärische Ziele bombardiert. Bisher ist niemand auf die Idee gekommen, dass hier ein "Völkermord" vorliegen könnte... sondern eben "nur" ein Kriegsverbrechen.

Die Entwicklung und die Willfährigkeit, mit der sich hierzulande linke Politik mit Narrativen des islamistischem Terrorismus und damit mit den Terroisten selbst gemein macht finde ich mehr als erschreckend...

Wie seht ihr das?

 

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416 Antworten
DerElch
Beiträge : 2120

@lucan-7 

Wie seht ihr das?

Eine Diskussion, die schon reichlich geführt wurde. Am Ende haben alle genau die gleiche Meinung wie vorher. Du wirst mit deiner Argumentation niemanden überzeugen. Dafür ist sie zu feindseelig. 

Ob der Gazakrieg ein Genozid war oder nicht, wird sich mit 1 bis 3 Generationen Abstand herausfiltern. Die Motivation der israelischen Regierung ist derzeit nicht greifbar. Ein juristisches Verfahren, wird daher mangels Beweisen scheitern. Das heisst aber nicht, dass die Geschichtsschreibung zum gleichen Ergebnis kommen wird.

Technisch ist es auch egal. Weder wird es einen Blauhelmeinsatz oder eine Friedenserzwingung seitens der UNO, noch einen sonstigen militärischen Eingriff (ähnlich Kosovo) von Dritten geben. Weiterhin werden sich weder Netanjahu, noch ein anderes Mitglied der israelischen Regierung dafür verantworten müssen. Ein paar Botschafter werden einbestellt, einige Länder werden sich überlegen, ob sie weiterhin Waffen liefern. Aber sonst, ändert sich genau nichts. 

 

 

derelch antworten


Maria
 Maria
Beiträge : 1277

@lucan-7 Spricht man eigentlich auch von einem Genozid, wenn er aus Mangel an Mitteln (noch) nicht ausgeführt aber ganz eindeutig beabsichtigt ist? Ich meine, das müsste man. Dann frage ich mich, warum Iran, Hamas und Hizbollah nicht auch in die Liste aufgenommen wurden. Schließlich ist es seit Jahrzehnten ihr erklärtes Ziel, Israel und die Juden zu vernichten.

Israels erklärtes Ziel ist es ja zur Zeit, alle Terroristen zu vernichten. Das Problem dabei ist, wie kann man sicher sein, dass ein beliebiger Palästinenser kein Hamas-Terrorist ist? Daraus folgt unweigerlich, dass man erst sicher sein kann, alle Hamas-Terroristen vernichtet zu haben, wenn alle Palästinenser getötet oder vertrieben worden sind, was dann wiederum ein Genozid von Seiten der Israeli wäre. Ich denke, aus diesem Misstrauen heraus ist es zu den fürchterlichen Folgen für die Zivilbevölkerung Gazas gekommen.

 

maria antworten
1 Antwort
DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2120

@maria 

Spricht man eigentlich auch von einem Genozid, wenn er aus Mangel an Mitteln (noch) nicht ausgeführt aber ganz eindeutig beabsichtigt ist? Ich meine, das müsste man.

Die Definition von Völkermord findest du in den Römischen Statuten in Art. 6.

Dann frage ich mich, warum Iran, Hamas und Hizbollah nicht auch in die Liste aufgenommen wurden. Schließlich ist es seit Jahrzehnten ihr erklärtes Ziel, Israel und die Juden zu vernichten.

Es gibt zwei Schwierigkeiten bei der Geschichte:
Nur natürliche Personen können für den Tatbestand "Volkermord" vom Internationalen Strafgerichtshof (keine UNO-Organisation) angeklagt werden, keine Organisationen, keine Staaten. Das zweite Problem ist, ausser dem IStGH gibt es keine Instanz, die handlungsfähig wäre*. 

Allerdings gilt deren Zuständigkeit nur für Vertragsstaaten, die Taten müssen auf dem Boden eines Vertragsstaates oder Angehörigen eines Vertragsstaates begangen werden. Israel und Iran sind keine Vertragsstaaten. Palästina allerdings schon. Insofern gibt es auch Haftbefehle gegen Netanjahu und Deif, einen der Hamasführer (wobei letzterer mutmasslich tot ist) und nicht gegen Khamenei.

*Der IGH (Uno Organisation), der zuständig wäre für Streitigkeiten zwischen Staaten, ist ein zahnloser Tiger weil er noich weniger anerkannt ist, als der IStGH. 

derelch antworten
Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779
Veröffentlicht von: @lucan-7

Nur zur Erinnerung: Sowohl Hamas als auch Hisbollah verstecken ihre militärischen Strukturen ganz bewusst zwischen zivilen Gebäuden, um bei einem Angriff so viele zivile Opfer wie möglich zu provozieren, die sie dann für ihre Propaganda auschlachten können

Jepp.  so ist es. 

jigal antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779
Veröffentlicht von: @lucan-7

Hier sehe ich aber eine gewisse Unterwanderung von Leuten, die eher links gerichtet sind - zu denen ich mich eigentlich auch zähle - mit radikalen Islamisten. Und das ist gerade in der Partei "die Linke" und in gewissen Kreisen an den Hochschulen gerade festzustellen.

Ich habe nicht vor zu diskutieren, aber es wird Leute geben, die diesen Artikel interessant finde, gerade bezüglich der Hochschulen.

Ehemalige „Pro-Palästina“-Aktivistin berichtet über Sinneswandel

Taryn Thomas war Teil der „Pro-Palästina“-Bewegung an der US-Universität Stanford. Nach dem Besuch einer Nova-Ausstellung kehrte sie der Bewegung den Rücken zu. Und erfuhr soziale Isolation.

STANFORD (inn) – Eine ehemalige pro-palästinensische Aktivistin der Stanford-Universität im US-Bundesstaat Kalifornien hat öffentlich erklärt, warum sie der Bewegung den Rücken gekehrt hat. In einem Interview der „Jerusalem Post“ schildert Taryn Thomas ihre Erfahrungen innerhalb studentischer Protestgruppen und beschreibt, was schlussendlich der Wendepunkt für sie war.

Thomas zufolge begann ihr Engagement mit „guten Absichten“. Sie habe sich aus Mitgefühl mit der palästinensischen Bevölkerung engagiert, zugleich aber nur über begrenztes Wissen zu internationalen Zusammenhängen verfügt. Wie viele andere Studenten habe sie sich stark auf Darstellungen in Sozialen Medien sowie auf das Umfeld an der Universität verlassen, ohne diese kritisch zu hinterfragen.

Ihre politische Sozialisation verortet Thomas in der „Black Lives Matter“-Bewegung. Dort seien palästinensische Symbole und Narrative häufig präsent gewesen. Rückblickend bewertet sie diese Verknüpfung jedoch kritisch. Begriffe wie „Apartheid“, „Kolonialismus“ oder „Jim Crow“ (Begriff für die rassistischen Gesetze der USA) seien ihrer Ansicht nach oft unreflektiert auf den Nahostkonflikt übertragen worden.

Im Herbst 2024 besuchte Taryn in Los Angeles die Ausstellung über das Massaker beim Nova-Musikfestival. Eigentlich wollte sie sich über die vermeintliche „zionistische Propaganda“ amüsieren. Doch es kam anders: Zum ersten Mal, ein Jahr nach dem Großangriff, habe sie umfassendes Bildmaterial der Anschläge gesehen. Die Eindrücke über den Terror an diesem Tag trafen sie tief und ließen sie ihre Haltung hinterfragen.

Im Rückblick sieht sie mit Schrecken auf den 7. Oktober 2023. Entscheidend sei dabei weniger gewesen, was sie gesehen habe, sondern vielmehr, was nicht. In ihren sozialen Netzwerken und im universitären Umfeld habe sie kaum Informationen, geschweige denn Betroffenheit über die Angriffe der Hamas auf israelische Zivilisten wahrgenommen. Stattdessen seien die Ereignisse unmittelbar relativiert oder in bestehende politische Deutungsmuster eingeordnet worden.

Das ist nur ein Auszug.

Ehemalige „Pro-Palästina“-Aktivistin berichtet über Sinneswandel - Israelnetz

 

Es macht keinen Sinn auf antworten zu drücken. Ich sehe keinen Diskussionsbedarf und werde nicht diskutieren.

jigal antworten
4 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29450

@jigal 

Es macht keinen Sinn auf antworten zu drücken. Ich sehe keinen Diskussionsbedarf und werde nicht diskutieren.

Diskussionen in diesem Bereich sind in der Tat anstrengend und frustrierend. Und die Weigerung, über das eigene Narrativ und Weltbild hinaus zu schauen ist in der Tat für viele Menschen prägend - und es ist immer wieder bitter, das zu erleben, gerade bei Menschen die sich als politisch interessiert sehen.

Danke für deinen Beitrag.

lucan-7 antworten
DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2120

@lucan-7 

Und die Weigerung, über das eigene Narrativ und Weltbild hinaus zu schauen ist in der Tat für viele Menschen prägend

Einschliesslich Jigal und deinereiner. 

derelch antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29450

@derelch 

Einschliesslich Jigal und deinereiner. 

Was genau nehme ich deiner Ansicht nach nicht wahr?

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@derelch proviozieren zu wollen ist auch für Dich prägend.  Der Holocaust ist ein singuläres Verbrechen und auch wenn Israel die bewusste Vernichtung der Armenier als Genozid anerkennt  hat Israel nicht vor die Palästinenser, sondern deren gewählte Regierung, eine Terrororganisation zu vernichten.

Für mich sind die Leute der Hamas Terroristen, nicht nur für das was sie den Israelis angetan haben, auch für den Verkauf der Hilfsgüter die über Israel nach Gaza gekommen sind und den Umgang mit Palästinensern die der Fatah anhängen. Die Ermordung des politischen Gegners Fatah.

Auf die palästinensischen Christen will ich gar nicht eingehen, ihre Häuser hat man mit Absicht als Abschussbasen verwendet, damit christliche Häuser und keine Muslimische bei der Gegenreaktion zerstört werden. Ebenso hat man die Leute gezwungen auf Gebäuden zu bleiben, wodurch die israelische Luftwaffe die Bombardierung abgebrochen hat. Das ist aber schon lange bekannt, nach rund 20 Jahren.

 

Für Dich scheinen sie Freiheitskämpfer zu sein, für mich Terroristen.

Das ist kein Grund micht an dieser Diskussion zu beteiligen, für mich bleiben sie Terroristen.

jigal antworten
1-ichthys
Beiträge : 857

@lucan-7 

Nein, es ist definitiv kein Genozid!

Aber, was die israelische Regierung, nicht Israel und die Juden, gegenüber der Zivilbevölkerung in Gaza tut, ist nicht UN-konform!

1-ichthys antworten


Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29450

Kleiner Hinweis: Bei mir sammeln sich schon wieder 70 Benachrichtigungen (ich hätte wohl den Thread zur Männlichkeit nicht parallel starten sollen...), und ich komme wieder kaum hinterher.

Das Thema hier ist emotional stark aufgeladen, mein Anspruch dabei ist es in erster Linie, Aussagen faktenorientiert zu begründen und auf ebensolche faktenbasierten, begründeten Antworten zu reagieren, egal wie diese auch ausfallen.

Dass ich diesem Anspruch nicht immer gerecht werde ist mir klar, vor allem die Frage was eine "gute Begründung" ist wird natürlich sehr unterschiedlich bewertet.

Ich werde versuchen, hier auch weiter noch auf einige Beiträge zu reagieren, aber das wird mir nicht in jedem Fall gelingen (Und ist vermutlich auch nicht in jedem Fall sinnvoll) und ich bitte das schon mal zu entschuldigen.

lucan-7 antworten
Seite 2 / 6
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