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"Ist Ihr Opa dabei?"

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der_alte
Themenstarter
Beiträge : 1854

Hallo,

 

kommt ja schon eine Weile in der ZEIT und jetzt (Threadtitel) im aktuellen Spiegel.

Frage mich welchen Erkenntnisgewinn man ziehen kann, ob einer der Ahnen dabei war, denn man bekommt ja nur die Mitgliedskarte im Fundfall zu sehen, man kann noch erkennen ob derjenige früh eintrat, sehr spät, eintrat, ein "Märzgefallener" war.

Da steht ja kein Biografie drauf, den einen Opa habe ich (wahrscheinlich) gefunden (mein Name ist häufig wenn auch nicht Häufig @ga2 😘 *scnr*).

Der andere war zu der Zeit gar nicht im Deutschen Reich wohnhaft.

Die Großmütter zu finden wäre schwierig, Mädchennamen weiss ich nicht.

Der eine Opa (der den ich fand) soll in einer Wachmannschaft eines KZ gewesen sein, aber das habe ich mal beiläufig gehört, der Vater der mir was dazu sagen könnte (der aber auch damals gerade geboren war) ist nun auch schon lange in die Ewigkeit gegangen...

Das wäre interessanter wenn es solche Liste im Netz gäbe (ich habe da bisher nichts gefunden).

Wobei ich diesen Opa kaum kannte, er starb als ich gerade 7 Jahre war.

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35 Antworten
Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

@der_alte Man kann auf diese Liste nur gegen Bezahlung nachschauen.

Eine Mitgliedschaft sagt auch wenig aus. 

Angenommen du hast im Weltkrieg gekämpft.

Du triffst die regelmäßig mit den Kameraden,  ihr wollt dem einen entsprechenden Rahmen geben. Heute gibt es z.B. den Verband der Reservisten der Bundeswehr. Damals gab es mehrere. Der Kyffhäuserbund war vor dem Krieg nur für Offiziere und ihr könnt als "Frontsoldaten" jetzt da Mitglied werden. Das macht ihr vielleicht 1919, 1920. In Dritten Reich seit ihr immer noch in diesem Verein, ob jüdische Frontkämpfer aufgenommen wurden, weiß ich nicht. Es gab auch Vereine die jüdische Frontkämpfer gegründet haben. Der Verein wird gleichgeschaltet und in eine NS Organisation überführt. Somit bist du vermutlich automatisch Mitglied der Partei.  Ich wäre da vermutlich nicht ausgetreten und hätte mich dann nicht mehr zum Stammtisch treffen können. 

Auf dieser Liste würde ich aber jetzt erscheinen und die Spruchkammer (ich komme aus der US-Zone) hätte die Mitgliedschaft geprüft.  

 

jigal antworten
18 Antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@jigal 

Man konnte nicht automatisch,  also quasi aus Versehen, in die NSDAP aufgenommen werden. Es setzte immer einen persönlich unterschriebenen Einzelantrag voraus.

Siehe:

Informationen zum Verfahren der Aufnahme in die NSDAP - Bundesarchiv https://share.google/dO7mTKhr22A72cJP2

VG

Chey

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Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@chey Ich weiß nicht wie das bei den Leuten aus dem Kyffhäuserbund war, die ja zwangseingegliedert wurden. Ihr Aufnahmeantrag war ja ggf. schon einige Jahre vorher beim Kyffhäuserbund gestellt worden.

Mitglieder der Pfadfinder und ähnlicher Organisationen wurden ja auch automatisch Mitglied der HJ.

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Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jigal 

Ich weiß nicht wie das bei den Leuten aus dem Kyffhäuserbund war, die ja zwangseingegliedert wurden. Ihr Aufnahmeantrag war ja ggf. schon einige Jahre vorher beim Kyffhäuserbund gestellt worden.

Mitglieder der Pfadfinder und ähnlicher Organisationen wurden ja auch automatisch Mitglied der HJ.

Den Organisationen konnte man sich kaum entziehen... aber Mitgliedschaft in der NSDAP war ja nochmal was anderes.

Und ich denke, es war auch im Interesse der NS-Führung, dass die Mitgliedschaft nicht durch Leute entwertet wurde, die davon gar nicht überzeugt waren. Auch wenn manche da ganz andere Gründe hatten und vielleicht nur an ihre Karriere dachten.

Dass es da manchmal auch Gruppenzwang gegeben hat, davon kann man wohl ausgehen. Also, dass irgendwer am Stammtisch Aufnahmeanträge verteilt hat mit den Worten: "So, jetzt tragen wir uns da mal alle ein!". Da hat sich vielleicht mancher bequatschen lassen, aber Konsequenzen waren nicht zu fürchten, wenn man das ablehnte.

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@lucan-7 Das weiß ich nicht. Wenn da alle vom Stammtisch dabei waren, dann grenzt du dich aus, wenn du es nicht machst. Bei dem einem weiß ich aber auch er war im öffentlichen Dienst als Straßenwärter, da kannst du dann erst recht nicht sagen ich mach das nicht.

Ich kannte einen der hätte gerne Bäcker gelernt, ging nicht, er war nicht in der HJ. So hat er Schuhmacher gelernt. Das ging nur da sein Vater einen Schuhmachermeister kannte und dieser gute Beziehungen aufs Arbeitsamt hatte. Er hat dann einen sehr guten Abschluss gemacht, die Leute mit den schwarzen Mänteln haben ihm aber seinen Preis verwehrt. Sie kamen in die Werkstatt. Fritz du hast den 1. Preis gemacht, den bekommst du dann später.  Nach dem Krieg hat er gesagt er würde sich mit Landwirtschaft auskennen und meinen Heimatort als seinen Heimatort angegeben. Der lag in der US Zone und nicht wie sein eigentlicher im Schwarzwald (franz. Zone).

jigal antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@jigal 

In die Organisationen einzutreten gab es oft Druck, in die NSDAP meines Wissens nicht. Es gab eine Zeit lang sogar einen Aufnahmestopp.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mitglieder-Aufnahmesperre_der_NSDAP

Interessant ist auch die Mitgliedsnummer. Überzeugungstäter haben eine niedrige. Denn sie sind schon früh eingetreten.

VG

Chey

chey antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@chey Da die Liste hinter einer Bezahlschranke ist kann ich es nicht sehen.

Wäre ich jetzt im öffentlichen Dienst und es ist da üblich in der Partei zu sein, dann wäre ich da auch Mitglied um meinen Beruf ausüben zu können. Im Kaiserreich aufgewachsen wäre ich dann auch froh gewesen in der Zeit der Weltwirtschaftskrise diesen Beruf gehabt zu haben und so meine Familie über die Runden gebracht zu haben. Da braucht es auch nicht viel Überzeugung. Die Leute sagten sich vielleicht als ich ein junger Mann war hatte ich Lohn und Brot. Nach dem Krieg habe ich mein erspartes verloren, mit dem Kaiser war es besser. Der "Führer" war sicher für viele eine Art "Ersatzkaiser", deshalb hatten sie ja auch einen Kriegshelden als Reichspräsidenten gewählt.

 

jigal antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jigal 

Wenn da alle vom Stammtisch dabei waren, dann grenzt du dich aus, wenn du es nicht machst. Bei dem einem weiß ich aber auch er war im öffentlichen Dienst als Straßenwärter, da kannst du dann erst recht nicht sagen ich mach das nicht.

Doch, man konnte das sagen: "Ich mache das nicht!"

Selbst bei den Sondereinsatzkommandos, die in die Sovietunion geschickt wurden und dort die Aufgabe bekamen, ganze Dorfgemeinschaften zu exekutieren wurde niemand gezwungen, sich daran zu beteiligen. Natürlich hatte es Konsequenzen, wenn man sich weigerte - dann musste man eben Latrinen putzen und alle sonstigen unangenehmen Arbeiten erledigen. Und die Verachtung der Kameraden ertragen. 

Aber diese Wahl hatte man. So wie auch kein freier Deutscher dazu gezwungen wurde, im KZ zu arbeiten.

Die Geschichte des "Befehlsnotstandes" hielt sich hartnäckig, entsprach aber in der Regel nicht der Wahrheit (Abgesehen von Frontsoldaten, da bekam man bei Befehlsverweigerung Probleme).

Während die Rote Armee kaum Probleme damit hatte, Verweigerer ganz offen einfach irgendwo im Wald verschwinden zu lassen, hielt man bei den Nazis zumindest für die deutsche Bevölkerung noch die Illusion eines "Rechtsstaates" aufrecht, auch wenn dieser letztlich nur Fassade war, an den sich die Regierung und deren Organisationen nicht halten mussten.

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@lucan-7 Ich denke du bist nicht im Dorf aufgewachsen. Der Druck im Dorf, wenn man sich von der Gemeinschaft ausschließt war enorm. Ich kenne Fälle in denen sich die ganze Familie abgewandt hat, wenn man aus Liebe geheiratet hat. Die Familie hat früher nach Hektar geschaut. 

Da kann so eine Gemeinschaft ehemaliger Soldaten ein Ersatz sein. Ich rede da von Leuten mit Geburtsjahr zwischen 1880 und 1895.  Das hat rein nichts mit dem II. Weltkrieg zu tun.  Das ist schlicht und einfach ein sozialer Druck im Dorf. 

Ich denke mir der Straßenwart wäre ohne Parteimitgliedschaft seinen Job los gewesen.

Ich kenne viele Geschichten der Bauern aus dem Dorf. Der Straßenwart konnte wohl nur überleben, weil er das ganze Gras vom Straßenrand und das ganze Obst der Alleebäume verwenden durfte. Gänse hat er auch verkauft an die jüdischen Kriegskameraden. 

Der andere bekam Ärger, weil er abgelehnt hat Ortsbauernführer zu werden, als größter Bauer im Ort. Die älteren Frauen haben gesagt, BDM war toll. Wir haben Handarbeiten gemacht und Hauswirtschaft gelernt und das tollste war. An diesem Nachmittag mussten wir Mädchen nicht auf den Acker. 

Ein anderer hat mir erzählt wie schwer es seine Mutter als einzige Katholikin im Dorf hatte, sie hatte ein gutes Verhältnis zu einer anderen Frau im Dorf, die auch etwas ausgegrenzt wurde. Sie war zwar evangelisch, aber auch aus dem Süden und sprach den gleichen Dialekt. 

Als der Bauer, der nicht Ortsbauernführer werden wollte, einen Sohn bekam und ihn nach dem Opa nennen wollte, zickte der Ratsschreiber rum, er müsse mal schauen ob Adolf auf der genehmigten Liste stehen würde.

 

Die deutschen sind sehr effektiv darin, Leute zu triezen. Ich habe mich mit ehem. DDR Bürgern unterhalten die dort Christen waren. Die DDR hatte mehr Zeit, die waren in der Richtung noch effektiver. Da gab es eben keine Chance auf eine Plattenbauwohnung, wenn man keine Jugendweihe hatte.

jigal antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jigal 

Ich denke du bist nicht im Dorf aufgewachsen. Der Druck im Dorf, wenn man sich von der Gemeinschaft ausschließt war enorm. Ich kenne Fälle in denen sich die ganze Familie abgewandt hat, wenn man aus Liebe geheiratet hat. Die Familie hat früher nach Hektar geschaut. 

Da kann so eine Gemeinschaft ehemaliger Soldaten ein Ersatz sein.

Das ist wohl genau der Grund, weshalb diese ganzen Verbrechen und Grausamkeiten möglich wurden. Die Nazis haben diese Gemeinschaftsmentalität ausgenutzt, weil sie um diesen Gesellschaftsdruck wussten. Das wurde auch bei der Ausbildung der SS berücksichtigt (Dort konnten, hatte man sich erst einmal dafür entschieden, die Strafen auch drastischer sein).

Das ändert aber nichts an den Möglichkeiten, die man als Individuum hatte. Niemand musste an den Erschießungen teilnehmen oder KZs bewachen. Man konnte sich auch an die Front melden oder etwas anderes. 

Psychologische Wirkungen, auch wenn sie das eigene Verhalten erklären, befreien einen ja nicht automatisch von der persönlichen Verantwortung.

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@lucan-7 Ja da stimme ich zu. Es ging hier aber nur um die einfache Mitgliedschaft in einer Partei von Leuten die nicht mehr eingezogen wurden, weil sie 1933 schon 45 Plus waren und bei denen auch die Erziehung im Kaiserreich und der Prägung der Gemeinschaft des Weltkrieges eine Rolle spielen.   Eine meiner Omas hat erzählt, es wären jüdische Kriegskameraden gekommen und hätten sich  von ihrem Vater verabschiedet, ob die ausgewandert sind, weiß sie nicht.  Wenn ich schon sehe wie der gemeinsam durchstandene Wehrdienst in der Bundesrepublik und der DDR verbunden hat, muss das Erlebnis der Westfront die Soldaten des 1. Weltkrieges deutlich mehr geprägt haben.

jigal antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@jigal 

Richtig ist, daß die Mitgliedschaft in der NSDAP nichts über die Motive und über die Schuld an Verbrechen aussagt. Wobei eben Mitgliedsnummer und weitere Hinweise wie weitere Ämter schon Anhaltspunkte darauf geben können.

Aber es musste wirklich niemand zwangsweise in die NSDAP eintreten. 

VG

Chey

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Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@chey Bei Angestellten des öffentlichen Dienstes bin ich mir sicher gab es keine Wahl.

jigal antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@jigal 

Kannst du das belegen oder vermutest du das nur?

Ich habe gerade mal ein bisschen dazu gesucht. Nichtmitgliedschaft in der NSDAP war sicherlich ein Karrierehindernis, aber von einem absoluten Zwang konnte ich nichts finden.

Wohl aber, dass nach 45 schnell die Geschichte aufkam, dass man ohne Wissen Mitglied werden konnte. Etwas, was die Geschichtsforschung inzwischen als Schutzbehauptung widerlegt hat.

Bei den Mitgliedsnummern galt übrigens: Unter 100.000 Nazi der 1. Stunde und ganz sicher Überzeugungstäter. Bis 1.000.000 ebenfalls frühe Nazis aus Überzeugung. Höhere Nummern gab es ab 33 und da gingen auch die Nazis selbst in der Regel von Mitläufer aus, Das war intern ein Makel.

VG

Chey

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Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@chey Da ich in dieser Zeit nicht gelebt habe, kann ich nicht sagen welcher Druck auf die Angestellten des öffentlichen Dienstes ausgeübt wurde auch habe ich keine Erfahrungen wie die Mitglieder von Organisationen behandelt wurden, die zwangseingegliedert wurden.

Auf Flohmärkten findet man gelegentlich alte Schriftstücke. So habe ich eines von einem Mann der wohl auf dem Dorf gelebt hat und als Angestellter im öffentlichen Dienst in der Partei war. Die Aussagen vor der Spruchkammer sind positiv, laut Spruchkammer war er " nicht parteipolitisch aktivistisch".  Das klingt für mich nach. Parteimitglied weil es üblich war, oder die Vorgesetzen sagten, tritt da mal ein, wie wir alle, er seine Arbeit aber wie vorher gemacht hat und niemand mit der Ideologie belästigt hat.

jigal antworten
Chey
 Chey
(@chey)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 1200

@jigal 

Ob er sich schuldig gemacht hat, weißt du nicht. Wie gesagt, dazu braucht es mehr Quellen.

Aber den Zwang gab es so wohl nicht.

VG

Chey

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DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2120

@jigal 

Ich habe mich mit ehem. DDR Bürgern unterhalten die dort Christen waren. Die DDR hatte mehr Zeit, die waren in der Richtung noch effektiver. Da gab es eben keine Chance auf eine Plattenbauwohnung, wenn man keine Jugendweihe hatte.

Ist nicht so gewesen, nicht in dieser Absolutität. Was nicht heisst, dass es deinen Bekannten nicht so gegangen wäre, aber es war deswegen nicht bei allen anderen auch so. Der Druck auf Christen war orts-, zeit- und personenspezifisch unterschiedlich hoch.  

derelch antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@derelch Mag sein, dass es nur bei den Leuten die ich kenne so war. Allgemein ist bekannt, dass ohne Jugendweihe ein Studium nicht möglich war.  Es ist mir nicht bekannt, ob Angela Kasner eine Jugendweihe hatte, unüblich für eine Pfarrerstochter war das Studium auf jeden Fall. Pfarrer Kasner war aber ja auch von der DDR überzeugt, sonst wäre er nicht aus Hamburg übergesiedelt.

 

jigal antworten
DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2120

@jigal 

Allgemein ist bekannt, dass ohne Jugendweihe ein Studium nicht möglich war.

Nein ist es nicht. Es gibt durchaus Christen, die in der DDR studiert haben. man wurde oft sanktioniert, vielleicht sogar meisten, aber eben nicht immer.

-> Der Druck auf Christen war orts-, zeit- und personenspezifisch unterschiedlich hoch. 

Es ist mir nicht bekannt, ob Angela Kasner eine Jugendweihe hatte, unüblich für eine Pfarrerstochter war das Studium auf jeden Fall.

Angela Merkel hat nicht an der Jugendweihe teilgenommen, sondern wurde konfirmiert.
Sie war aber Mitglied der FDJ.  

derelch antworten


MrOrleander
Beiträge : 2444

@der_alte 

Frage mich welchen Erkenntnisgewinn man ziehen kann, ob einer der Ahnen dabei war, denn man bekommt ja nur die Mitgliedskarte im Fundfall zu sehen, man kann noch erkennen ob derjenige früh eintrat, sehr spät, eintrat, ein "Märzgefallener" war.

Wir wissen jetzt immerhin wieder das Geburtsdatum vom  Opa (meiner Mutter war es entfallen, ihr Vater war bereits in den frühen 70igern gestorben, und das Familienstammbuch ist verschollen). 😀 

Davon abgesehen wußten wir bereits, wer 'dabei' gewesen war. Ich hab's trotzdem recherchiert, einfach, weil ich es konnte. 😀 Und weiß jetzt, daß die heutige Hauptstraße früher mal eine Hort-Wessel-Straße gewesen ist. Mein Opa, der in Russland war und von der Zeit dort wie vom schönsten Urlaub geschwärmt haben soll (ich habe ihn nicht mehr bewußt erlebt), je nun, da habe ich schon mal überlegt, ob ich eine Anfrage ans Bundesarchiv stellen sollte, um zu schauen, wo er denn so gewesen ist und was er gewußt haben könnte. Aber meine Mutter ist nur mäßig interessiert, und letztlich wäre es ja nur für sie noch von Belang. 

mrorleander antworten
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BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 630

@mrorleander 

Wenn es meine Zeit zulässt, dann treibe ich gern etwas "Ahnenforschung". Dabei kam ich auf ganz interessante Ergebnisse, die bei meinen Vorfahren väterlicherseits ein sehr ambivalentes Verhalten zeigten.

Ich fand z.B. Briefe, in denen sich mein Opa über "diesen Gefreiten" (gemeint war Hitler) und dessen "Mob von der Straße mit dem  schwulen Anführer" (gemeint war die SA) ausgelassen hatte. Und nachweislich waren weder mein Großvater noch mein Vater in der NSDAP, worüber sich irgendein Ortsgruppenführer aufregte und sie mehrfach zum Eintritt aufforderte. 
Andererseits zeigten beide eine starke "vaterländische Begeisterung", was sich bei verschiedenen Sammlungen der NSDAP zeigte und in Spenden (nebst entsprechenden Dankschreiben) zeigte. Ich denke, beide hatten so eine Art "großbürgerliche deutschnationale Haltung", wie sie damals (leider) weit verbreitet war und letztlich auch zum Aufstieg Hitlers beitrug. Sie hatten - wie wohl viele Deutsche - "die Bewegung" wohl nicht ernst genommen und nicht als Gefahr für die Demokratie gesehen. Aber lupenreine Demokraten waren sie sowieso nicht - sie waren wohl eher "Kaisertreu" und wünschten sich einen "starken Mann" an der Spitze der Republik. 

Da mein Großvater ein für die Versorgung der Bevölkerung wichtiges Unternehmen (Brotfabrik) leitete, war er (wie auch mein Vater) vom Wehrdienst freigestellt, lediglich zum Schluss sollte er sich zum Volkssturm melden.

Im WK1 arbeiteten in der Bäckerei mehrere französische Bäcker (Kriegsgefangene) die später (in den 20-er Jahren) meinem Opa noch eine nette Karte schrieben. Es muss ihnen damals wohl nicht schlecht ergangen sein.

Und im WK2 hatten wir einige polnische Fremdarbeiter, von denen ich leider nicht weiß, wie es ihnen erging.
Einer von ihnen ging allerdings nach Kriegsende nicht nach Polen zurück, sondern blieb und arbeitete in der Bäckerei bis in die 50er Jahre. An ihn kann ich mich noch dunkel erinnern. Er hieß "Orzeschowski" (oder ähnlich), ich nannte ihn immer "Onkel Schoffski". 

Leider muss ich sagen, dass mein Vater im hohen gelegentlich gewisse antisemitische bzw. sehr völkische Gedanken entwickelte...
Man darf darüber grübeln, wie es bei ihnen gelaufen wäre, hätten sie nicht das Glück, mit dem Privileg "UK" (unabkömmlich) gewesen zu sein. 

bepe0905 antworten
Seite 2 / 2
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