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Mehl und Öl und leere Regale

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Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1243

Seit mehr als sechs Wochen gibt es in meinen Supermärkten zuerst kein Öl, dann kein Weizenmehl, dann kein anderes Mehl, dann keine Backmischungen und jetzt auch keine Margarine mehr. Klopapier ist auch vergriffen. Auch sonst sind viele Regale leer. Nudeln oder Dosennahrung, dann mal H-Milch. Kaffeweißer (sah jemanden mit zwei Kartons abziehen- Idiot-Kaffeeweißer ist kein Milchpulver! Denken ja einige..)

Schon zum dritten Mal habe ich heute erlebt, dass eine Aldi-Verkäuferin vor Dienstschluss mit eigenem Einkaufskorb zur Kasse kam, gefüllt mit Mehl und Öl. Heute habe ich sie darauf angesprochen. Der Chef habe es erlaubt, meinte sie. Da also bleibt die Ware. Bereits die Lieferung wird im Hinterzimmer zwischen den Angestellten verteilt. Das ärgert mich.

Mir macht der Mangel Angst. Die Geschichten meiner Eltern, die als Kriegskinder Hunger litten, kommen mir wieder in Erinnerung. "Bückware" gabs auch in der DDR. Diese Hamstermentalität in Deutschland nervt mich. In Dänemark gibt es alles. Die Dänen hamstern nicht. In Dänemark ist allerdings auch alles teuer, schon immer.

Ich bin auch bereit 2 Euro fü ein kg Mehl zu zahlen. Vielleicht werden durch die Krise die Preise fairer. Schleißlich ist das Getreide aus der Ukraine so billig, weil die Menschen dort schlecht verdienen.

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Händler in der Krise nur den großen Reibach machen wollen. Und die Leute, die alles wegkaufen vielleicht auch. Wenn Pfannkuchen plötzlich zu einem Luxusartikel wird, ist es schon komisch. Oder dass ich meine zwei kg. Mehl aufbewahre, damit ich zum Geburtstag Kuchen backen kann.

Und da fiel mir dann mitten im Aldi Markt zwischen leeren Regalen diese Bibel Geschichte ein:

Elia bei der Witwe zu Sarepta (1. Kön. 17)

Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe:

Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn.         (...)

Da kam das Wort des Herrn zu ihm: Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort;

denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf.

Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!

Sie sprach: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug.

Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will’s mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben.

Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden. Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elia.

Irgendwie cool, oder? Immerhin ist das Problem des Öl- und Mehlmangels nicht neu 😉

Antwort
23 Antworten
Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1243

Jetzt fehlt der wichtigste Teil der Story:

Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast.

Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir’s heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen.

Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der Herr regnen lassen wird auf Erden.

Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag.

Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des Herrn, das er geredet hatte durch Elia

murphyline antworten


Deborah71
Beiträge : 15900

@murphyline 

Das Anti-Hamster-Schild am Öl-Regal ist in meinem gewohnten Supermarkt wieder weg. Es gibt wieder Rapsöl.

Sonnenblumenöl noch nicht wieder.

Der 5kg Dinkelsack zum Selbstmahlen ist 1 Euro günstiger geworden.

Mein Schärmehl (Schär kommt aus Italien) hatte bislang keine Einschränkungen, ist etwas teurer geworden, obwohl kein Weizen drin ist.

Die Butter, die mein Mann bevorzugt,  ist im Preis verdoppelt.

deborah71 antworten
Lucan-7
Beiträge : 15321

@murphyline

Veröffentlicht von: @murphyline

Irgendwie cool, oder? Immerhin ist das Problem des Öl- und Mehlmangels nicht neu

Mit dem kleinen, aber nicht unwichtigen Unterschied dass es damals ums reine Überleben ging... während wir einfach nur vor der Wahl stehen, statt Sonnenblumenöl einfach Olivenöl oder Margarine zu verwenden und statt Weizenmehl Roggen- oder Dinkelmehl...

 

Ich sehe da gar keine Gemeinsamkeit.

lucan-7 antworten
1 Antwort
Murphyline
(@murphyline)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 1243

@lucan-7 In der dritten Welt geht es tatsächlich schon ums Überleben.

Das Angebot in Deutschland ist wohl sehr unterschiedlich.

In meiner Stadt gibts keine Margarine mehr und auch kein Roggen und Dinkelmehl, Olivenöl nur extrem teuere Sorten, nicht mal Brotbackmischungen sind zu haben. Das einzige, was als Bratfett noch käuflich ist, ist Butterschmalz. Aber es gibt natürlich noch Brot und Kuchen und Kekse und noch genug zu essen, verhungern werde ich nicht.

murphyline antworten


der_alte
Beiträge : 385

@murphyline was ich als großen Vorrat habe ich Katzenstreu und Katzenessen, habe dafür den Platz durch Haus plus Scheune.

Was ein Unding ist, ist, dass soviel weggeworfen wird. Kaufe selbst sehr viel "MHD-Ware", die gibt es beim Lidl hier mit i.d.R. 50% Rabatt. Da liegt dann oft auch was, das gar nicht am ablaufen ist, aber halt Regalmeter wegnimmt, die man anderweitig braucht.

Das wird eingefroren tlw., das andere eingelagert und verbraucht (auch wenn ich schonmal etwas zuviel kaufe und dann schauen kann wie ich es verbrauche...).

Oder dass heutzutage nicht mehr i.d.R. das Tier "verbraucht" wird, weil die Menschen sich vor Innereien ekeln. Ich liebe die, kann nur selbst nicht kochen...

Bei den Eltern war das üblich, dass man das macht, also Nieren, Magen (hier als Kuttelsuppe, die Türken kennen das bisschen anders gemacht als Iskembe) und und und. Und es wurde nichts weggeschmissen, solange nicht zwingend nötig. Der verstorbene Vater hatte in der Jugend bei einer Großschlachterei gearbeitet, die assen dort Stierhoden sehr gerne, in den USA als Rocky Mountain Austern bekannt.

Schaue auch, dass bei mir nichts weggeschmissen wird, das Katzenessen bspw. das meine Kleine nicht mehr mag (die ist eine empfindliche Maine Coon Dame...) bekommen die Streuncherchen in der Scheune, das istd ann restlos weg und die freuen sich.

Wobei die Märkte da schon vorsichtiger sind, es bleibt da weniger über (kostet ja Geld es zu entsorgen oder als MHD zu verkaufen), die Backwarentheke beim Lidl ist abends meist recht leer (die Reste dann am anderen morgen als MHD soweit cih sehe). Ist dann schade, wenn ich abends einkaufe und die Brötchen nicht mehr bekomme die ich wollte, aber besser als man schmeisst dann weg und ich friere mir immer ein paar im Kühlschrankfach ein.

Und wenn ich dann Sachen habe, die schon eine Weile "drüber sind", wie YumYum-Nudeln, dann esse ich die trotzdem. Will das nun nicht empfehlen, ich mache es so.

Auch beim Fleisch werden die Märkte, ich sehe das halt beim Lidl, wohl vorisichtiger, gestern am Samstag waren die Fächer schon ziemlich leer, die planen das wohl genauer.

Interessiert mich halt, arbeitete selbst eine Zeit im Non-Food-Handel, machte mal Praktikum beim Discounter in den 80ern und später dann eine Fortbildung zum Handelsfachwirt (IHK).

Kaufe meist auch Eigenmarken, auch wenn die meist nicht so prominent platziert sind. Dafür viel billiger, bspw. das Non-Name-Cola für 45 Eurocent die 1,5l Flasche, Markenprodukt über 1 EUR, das kaufe ich dann nur wenn reduziert.

Und da ich ein Singlehaushalt mit Kochinkompetenz bin, muss ich dann genau schauen, was ich kaufe. Leider auch mit viel Verpackungsmüll.

Nutze gerne den Airfryer, geht schnell, schmeckt gut, braucht m.W. viel weniger Energie als ein Backofen, dazu kann ich fettfrei braten. Und brauche auch kein Öl...

Viele doch schmackhafte Gerichte von früher sind heute eher vergessen, wie Kartoffeln mit Butter/Salz und Quark/Joghurt. Einfach zu machen, nicht sehr teuer. Oder im Schwabenland früher beliebt: Saure Nieren mit Nudeln oder auch Reis.

Und Reste dann später aufbrauchen. Ich schaue, dass erst gar nichts überbleibt und ich eine Packung immer komplett verbrauche. Kein Essensabfall und damit auch Geld gespart.

Auswärts esse ich gar nicht mehr, wenn dann mal zum Döner was mitnehmen oder zum Asia-Fast-Food, aber sehr sehr selten inzwischen.

Die Verschwendung ist ein Problem, ein Problem dass die Kunden beim Bäcker am Abend noch ein reichhaltiges Sortiment erwarten. Was sich auch nur durch Teiglinge realisieren lässt m.W.

Eine Erziehungsfrage, d.h. man muss Kinder Ehrfurcht vor Lebensmittel lehren und dass Verschwendung zu vermeiden ist. Und dass man von Tieren alles was essbar ist auch verbraucht.

Das muss Kindern klein beigebracht werden, denn viele Dinge wird man sonst nicht mögen nennt sich m.W. "aquired taste". Sieht man an Dingen im Ausland die einen ekeln, wie Natto in Japan, oder der berüchtigte Surströmming in Schweden. In DE halt Dinge wie Rollmops bspw.

Da kann man von den Vorfahren viel lernen, lebe selbst in Baden-Württemberg, im schwäbischen Teil, eine sehr arme Gegend früher, da musste man schauen, wie man sich verpflegt bekommt.

Finde persönlich den ganzen Spargelanbau so eine Verschwendung, großer Aufwand, mit tlw. Beheizung, die enstehenden Spargel haben kaum Kalorien und belegen große Felder. Am Ende landet dann eine fette Sauce Hollandaise drauf...

der_alte antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15321

@der_alte 

Oder dass heutzutage nicht mehr i.d.R. das Tier "verbraucht" wird, weil die Menschen sich vor Innereien ekeln. Ich liebe die, kann nur selbst nicht kochen...

Das wird auch heute noch genutzt... oder was denkst du, was so im Tierfutter alles landet? Und nicht nur dort...

Finde persönlich den ganzen Spargelanbau so eine Verschwendung, großer Aufwand, mit tlw. Beheizung, die enstehenden Spargel haben kaum Kalorien und belegen große Felder. Am Ende landet dann eine fette Sauce Hollandaise drauf...

Diese Dinge werden in Zukunft sicher immer mehr hinterfragt werden.

 

lucan-7 antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 385
Veröffentlicht von: @lucan-7

Das wird auch heute noch genutzt... oder was denkst du, was so im Tierfutter alles landet? Und nicht nur dort...

Hoffentlich. Dann wird weniger verschwendet. Ineterssanter Artikel dazu, gerade gefunden

https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/fleischabfall-keiner-will-mehr-innereien-91919/

Veröffentlicht von: @lucan-7

Diese Dinge werden in Zukunft sicher immer mehr hinterfragt werden.

 

Hoffentlich. Ebenso auch ob es exotischen "Superfood" braucht. Wobei das m.W. gerade in Kreisen "hip" ist, die sich sonst Umweltschutz auf die Fahne schreiben.

Hier in der Gegend wird Streuobst leider auch nicht mehr unbedingt verwertet, früher hat man das gegessen oder eher noch zu Saft/Most verarbeitet.

Spargel ist eigentlich mit das "obszönste" was mir da an Landverbrauch für Nahrungsmittel einfällt. Und Energieverbrauch.

Bei den Preisen die dafür aufgerufen werden, auch eher ein Essen für die besser betuchten. Die die sich dann auch wieder gerne für den Umweltschutz stark machen.

Auch ein interessanter Artikel, Interview mit Pollmer (der nicht so ganz unumstritten ist, lese ihn gerne):

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-02/artikel-2010-02-udo-pollmer-ein-bisschen-salat-koennen-sie-essen.htm l" target="_blank" rel="noopener"> https://web.archive.org/web/20100815054949/http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2010-02/artikel-2010-02-udo-pollmer-ein-bisschen-salat-koennen-sie-essen.html

Wobei ich Salat liebe, könnte ich kiloweise essen. Esse ihn aber recht selten, kann ihn selbst nicht machen, wenn dann als MHD-To-Go...

Esse selbst viel Fleisch, zuviel, seit ich einen Airfryer habe besonders gerne, da schnell gemacht, schaue dass es i.d.R. MHD ist. Und ohne Fett zubereitet von mir.

Esse keine Butter, da wir das früher vermieden, weil beide Eltern Blutdruckprobleme hatten. Ja, die Fresswelle nach dem Krieg hatte da ihre Spuren hinterlassen, Vater wäre mit noch nichtmal vierzig fast an hohem Blutdruck verstorben, der war irgendwo bei 300. Danach war Fett eher verpönt im elterlichen Haushalt. Und Salz. Und Eier, wegen Cholesterin.

der_alte antworten
bepe0905
Beiträge : 1093
Veröffentlicht von: @der_alte

Und da ich ein Singlehaushalt mit Kochinkompetenz bin, muss ich dann genau schauen, was ich kaufe. Leider auch mit viel Verpackungsmüll.

alte Weisheiten für moderne Menschen:
Die Höherentwicklung einer Gesellschaft erkennt man daran, dass die Menge der zum Glascontainer gebrachten Rotweinflaschen größer ist als der in die gelbe Tonne entleerte Kunststoff-Verpackungsmüll. 🧐 

bepe0905 antworten
1 Antwort
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 385

@bepe0905 ich trinke am liebsten den Wein aus "Tetrapaque"... 🙂

der_alte antworten


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