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Neueste Kirchenaustrittszahlen der EKD und der RKK

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Banji
 Banji
Themenstarter
Beiträge : 3583

Die Kirchen-Austrittszahlen für 2020 liegen nun vor. Auch wenn die Austrittskurve leicht zurückgegangen ist: fast eine halbe Million Menschen sind aus der evangelischen und katholischen Kirche ausgetreten.

Wo liegen eurer Meinung / Erfahrung nach die Gründe?

vG
Banji

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110 Antworten
jour
 jour
Beiträge : 1895
Veröffentlicht von: @banji

Wo liegen eurer Meinung / Erfahrung nach die Gründe?

Mich würde auch deine Meinung dazu interessieren.
Was erzählen dir die Leute?

Veröffentlicht von: @banji

fast eine halbe Million Menschen sind aus der evangelischen und katholischen Kirche ausgetreten.

Also, wenn man einmal wirklich eine tiefe Bindung erfahren hat, tritt man nicht aus. Man denkt u.a. an die Leute, die es wert sind, Zuspruch und Unterstützung zu bekommen.

Man läßt sich ja auch nicht einfach so scheiden, mögen die Fehler noch so krass sein!

Wenn man wirklich liebt, trennt man sich nicht.
Aber ich weiß nicht, wer für das Gefühl der Liebe zuständig ist. Das Personal, das Gebäude, die Inhalte, oder einfach Liebe ohne bestimmten Grund? Bei mir entstand sie vor vielen Jahren, und heute lebe ich davon. 😊 - Ich rufe die schönen, reichhalltigen Memoiren hervor, wenn ich Unwohlsein empfinde.

Wie vermittelt man aber das, was unentbehrlich wird 🤨

Neulich kam ich zufällig ins Gespräch mit einer älteren Frau vor einer Kirche. Ich weiß nicht, wie es dazu kam, weil ich in Gedanken woanders war und Ausschau nach einer Freundin hielt. Jedenfalls sagte die ältere Frau: Gott ist nur in der Kirche.

Ich: ACH!

Sie: Ja, deshalb geht man ja auch in die Kirche.

Was soll ich dazu sagen!
Meine Freundin, die dann kam und den letzten Satz hörte, war genauso platt. Allerdings hatte ich keine Lust auf diese Diskussion, schon gar nicht vor der Tür, zumal die ältere Damen in mir einen Hang zu Allüren zeigte. Also eher zu einer Show, als zu einem Gespräch, bei welchem man das Gefühl hat, der Gesprächspartner hört zu.

Ich sagte meiner Freundin: Beängstigend, wenn Gott nur in der Kirche wäre! Wer ist dann überall? - Wobei ich manchmal schon das Gefühl habe, irgendwie tobt der Bär. Aber, auch in der Kirche 😀

Dennoch würde ich heute (=inzwischen) nicht mehr austreten! Und ich kann dir versichern, von den Mitgliedern her und manchem Personal hätte ich mindestens 1 Grund dazu! 🤓 .
Stattdessen gehe ich in mich und sage zu Gott: Herr, schau auf deine Kirche! Und ich schaue, daß ich meine Gedanken auf ihn richte, nicht auf das ganze drum herum, wenn es mal nicht ok ist.
Habe auch ein bestimmtes Lied dazu, die ich innerlich singe:

https://www.youtube.com/watch?v=V-pZp2OQm_0

VG J😊ur

Nachtrag vom 16.07.2021 1037
Blöd, die Werbung immer.
Es ist ein Taizee Lied mit dem Titel: Aber du weißt den Weg für mich.

Für mich ist interessant: Gott, laß meine Gedanken sich sammeln zu dir.

jour antworten
7 Antworten
Banji
 Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3583
Veröffentlicht von: @jour

Was erzählen dir die Leute?

Nichts. 😀

Veröffentlicht von: @jour

Mich würde auch deine Meinung dazu interessieren.

- Kirchensteuern (bei denen die ohnehin nur eine schwache bis gar keine Bindung an die Kirche haben)
- "Kirche jibt mir nischt."
- Kirche zu links/grün
- es gibt vor Ort immer weniger Berührungspunkte mit Kirche ... keine Pfarrer mehr, Pfarrstellen und Gemeindebüros geschlossen, Zentralisierung des kirchlichen Lebens
- Themen der Kirche sind nur noch: Öko, Digitalisierung, Flüchtlinge
(Parzany hat das in seinem Buch "Kirche, was nun?" und Oster in seinem Buch "Gott ohne Volk" sehr gut beschrieben.)

Veröffentlicht von: @jour

Wie vermittelt man aber das, was unentbehrlich wird 🤨

- gute Gottesdienste
- gute Kontakte an der Basis (für Mitarbeiter)

Veröffentlicht von: @jour

Dennoch würde ich heute (=inzwischen) nicht mehr austreten! Und ich kann dir versichern, von den Mitgliedern her und manchem Personal hätte ich mindestens 1 Grund dazu! 🤓 .

Mitglieder und Mitarbeiter an der Basis wären nicht der Grund. Mit ihrer Fehlbarkeit und könnte ich gut leben.
Aber das die Ev. Kirche keinen Platz mehr hat für Tradition, für konservatives Denken, für die Mitte, die Christus ist ... das wären für mich Austrittsgründe.
Ich würde dann zu euch kommen, meine Frau eher in eine freie Gemeinde 😀

Veröffentlicht von: @jour

Stattdessen gehe ich in mich und sage zu Gott: Herr, schau auf deine Kirche! Und ich schaue, daß ich meine Gedanken auf ihn richte, nicht auf das ganze drum herum, wenn es mal nicht ok ist.

Und genau deswegen würde ich die Kirche auch nicht verlassen.

banji antworten
ALF.MELMAC
(@alf-melmac)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2153
Veröffentlicht von: @banji

- "Kirche jibt mir nischt.

Was interessiert potentielle Kirchgänger denn möglicherweise ?

alf-melmac antworten
Banji
 Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3583

Eine Botschaft, die was mit ihrem eigenen persönlichen Leben zu tun hat. Denke ich mal.
Wenn Kirche aber nur noch als politischer und ökologischer Moralapostel daherkommt, dann mag sie vllt. hier und da jemanden erwischen - aber die Meisten sagen: "Dafür haben wir doch die Parteien und das Bundesumweltamt ... "

banji antworten
jour
 jour
(@jour)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 1895
Veröffentlicht von: @banji

Eine Botschaft, die was mit ihrem eigenen persönlichen Leben zu tun hat. Denke ich mal.

Ja.
Etwas zum Mitnehmen!
Keine archäologischen Texte, die einst stattgefunden haben und man sich manchmal fragt: Ja, schön, und?

Veröffentlicht von: @banji

Wenn Kirche aber nur noch als politischer und ökologischer Moralapostel daherkommt, dann mag sie vllt. hier und da jemanden erwischen - aber die Meisten sagen: "Dafür haben wir doch die Parteien und das Bundesumweltamt ... "

Ganz genau! Zumal man ja nicht diskutieren kann mit dem Prediger, wie mit Politikern!! Man kann ja nicht während oder nach der Rede sagen: Das sehe ich anders! Oder so.
Oder man ändert die Form der Predigt, aber dann würde ein Gottesdienst nicht das hergeben, wofür er gedacht ist?
Weiß nicht, ob Jesus politische Themen angesprochen hat und man dann mit ihm diskutieren konnte?

jour antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057
Veröffentlicht von: @jour

Ganz genau! Zumal man ja nicht diskutieren kann mit dem Prediger, wie mit Politikern!! Man kann ja nicht während oder nach der Rede sagen: Das sehe ich anders! Oder so.

Ei freilich geht das 😊
Ich mach das ab und an nach einer Predigt, dass ich hingehe oder ne Mail schreibe und sag, was ich gut oder weniger gut fand. Ich hab einen Freund, der Prediger ist und mir einen Feedbackbogen zur Predigt mitgibt, damit ich ihm nachher sage, wie ich es fand.

Veröffentlicht von: @jour

Weiß nicht, ob Jesus politische Themen angesprochen hat und man dann mit ihm diskutieren konnte?

Das kann ich mir gut vorstellen. Er war ja 24/7 mit den Jüngern unterwegs und da Israel zu der Zeit politisch ein Pulverfass war kann ich mir nicht vorstellen, dass die nur über das Reich Gottes gesprochen haben.

tristesse antworten
jour
 jour
(@jour)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 1895
Veröffentlicht von: @tristesse

Ei freilich geht das 😊
Ich mach das ab und an nach einer Predigt, dass ich hingehe oder ne Mail schreibe und sag, was ich gut oder weniger gut fand

Ja, das schon. Aber, es ist anders als bei einer Diskussion, bei welcher Wortmeldungen erwünscht sind. Das meine ich. 🙂

Veröffentlicht von: @tristesse
Veröffentlicht von: @jour

Weiß nicht, ob Jesus politische Themen angesprochen hat und man dann mit ihm diskutieren konnte?

Das kann ich mir gut vorstellen. Er war ja 24/7 mit den Jüngern unterwegs und da Israel zu der Zeit politisch ein Pulverfass war kann ich mir nicht vorstellen, dass die nur über das Reich Gottes gesprochen haben.

Aber, es gibt keine Stellen dazu in der Bibel, oder? *Nach Deborah such* 🙂

---
o.o.T
(Mehr Beiträgen kann ich momentan nicht antworten. Ich hoffe, diese Meldung kommt rüber, falls jemand sich wundert. Weiß nicht, wie ich das sonst mache.

Liebe Grüße
Jour

jour antworten
jour
 jour
(@jour)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 1895
Veröffentlicht von: @banji

Was erzählen dir die Leute?

Nichts. 😀

Gibt es vorher keine Signale? Unmut? Irgendwas?
Und traut man sich, die Leute zu Hause zu besuchen und nachzufragen?

Veröffentlicht von: @banji

- Kirchensteuern (bei denen die ohnehin nur eine schwache bis gar keine Bindung an die Kirche haben)
- "Kirche jibt mir nischt."
- Kirche zu links/grün
- es gibt vor Ort immer weniger Berührungspunkte mit Kirche ... keine Pfarrer mehr, Pfarrstellen und Gemeindebüros geschlossen, Zentralisierung des kirchlichen Lebens
- Themen der Kirche sind nur noch: Öko, Digitalisierung, Flüchtlinge
(Parzany hat das in seinem Buch "Kirche, was nun?" und Oster in seinem Buch "Gott ohne Volk" sehr gut beschrieben.)

Ich denke auch, daß die Kirchensteuer nicht wesentlich ist, weil ich mir vorstellen kann, daß man davon befreit werden könnte, sollte das Geld sehr knapp sein? Oder sehe ich das falsch?

Aber das hier ist schon ernst:

- "Kirche jibt mir nischt."

- Kirche zu links/grün

Ach! Geht es so politisch zu in manchen Kirchen?!

- es gibt vor Ort immer weniger Berührungspunkte mit Kirche ... keine Pfarrer mehr, Pfarrstellen und Gemeindebüros geschlossen, Zentralisierung des kirchlichen Lebens

Oh ja!
Können die Mitglieder motiviert werden, einander abzuholen?
Es gehört zum Beten, nach den anderen zu schauen. Wäre das eine Aufgabe (vielleicht für die Pfarrersfrau 😊 - öm, liest deine Frau mit ?!)

- Themen der Kirche sind nur noch: Öko, Digitalisierung, Flüchtlinge
(Parzany hat das in seinem Buch "Kirche, was nun?" und Oster in seinem Buch "Gott ohne Volk" sehr gut beschrieben.)

Meiner Meinung nach nicht in katholischen Kirchen. Jedenfalls nicht so auffällig.
Was ich manchmal bedauere, ist, wenn in einer Predigt (anstatt einer Predigt) einen Brief von einem Bischof / Kardinal vorgelesen wird. In voller Länge! Und sonst nix!!
Zum Glück kommt das sehr selten vor und eher in den gewöhnlichen Kirchen, in denen ein Pfarrer überfordert zu sein scheint.
(Ist gut für ein Nickerchen. 😀 )

Veröffentlicht von: @banji

Wie vermittelt man aber das, was unentbehrlich wird 🤨

- gute Gottesdienste

Ich weiß nicht, ob gute Gottesdienste ausreichen!
Mir gefällt z.B. wenn Kirchen offen sind. Wenn ich jederzeit in eine Kirche rein kann, alleine beten und mich besinnen kann. Ist durch Corona etwas eingeschränkt, leider, aber, auch das geht mal vorbei!

Oder wenn zusätzlich Begegnungen angeboten werden: Gespräche über religiöse Themen, Meditation ..
Archäologische Predigte sind öde. Also, wenn Sachen vorgelesen werden, die ich eh selber in der Bibel nachlesen kann.

Ich nenne sie inzwischen archäologische Predigte. Dann nämlich, wenn kommentarlos ein Ereignis vorgelesen wird. Wenn das Gefühl dadurch vermittelt wird, es handele sich um Dinge, die vor 2000 Jahren passiert sind. Gut, wie oft soll ich mir das anhören 🤨 Weißt, wie ich das meine?
In jedem Aufsatz verlangt der Dozent eine eigene Meinung / einen Kommentar dazu. Weil, lesen kann man ja selber!

Und die Predigt des Bischofs könnte man ausdrucken und verteilen. Auch wenn sich ein Kardinal geschmeichelt fühlt bei der Vorstellung, ein Pfarrer liest etwas vor, was in seinem Namen an die Kirchen verteilt wurde!

Veröffentlicht von: @banji

- gute Kontakte an der Basis (für Mitarbeiter)

Öm, ja, aber, das sind, .. Verstehe das nicht ganz.
Welche "Basis"?

Veröffentlicht von: @banji

Mitglieder und Mitarbeiter an der Basis wären nicht der Grund. Mit ihrer Fehlbarkeit und könnte ich gut leben.

Na, kommt drauf an. "Fehlbarkeit" wäre ja nicht unbedingt das Problem. Wobei der Begriff ja weit ist!

Veröffentlicht von: @banji

Aber das die Ev. Kirche keinen Platz mehr hat für Tradition, für konservatives Denken, für die Mitte, die Christus ist ... das wären für mich Austrittsgründe.

Ja. Das war auch der Grund, warum ich da nie Anschluß fand und mich immer fremd gefühlt habe. Und in meinem Fall kam ich mir oft vor, als wäre ich das persönliche Sekretariat des Papstes. 😀
Damals Ratzinger. "Sagen Sie mal, was fällt eigentlich Ihrem Papst ein, ..." 😕
Später habe ich dann so was gesagt wie: Ich werde ihn fragen.

Aber, ausgesperrt habe ich mich dann schon gefühlt. Kirchen, die kahl sind (wobei ich Katholiken kenne, denen die Kreuze und Maria und alles in den Kirchen nicht fehlen!!), Predigte, die mich nicht abholen und in Feierlichkeiten für den Papst gerade stehen! Nicht einladend.

Veröffentlicht von: @banji

Ich würde dann zu euch kommen, meine Frau eher in eine freie Gemeinde 😀

😀 😀
Laß sie erstmal ein Mal kommen, dann schauen wir weiter. 😉

Veröffentlicht von: @banji

Stattdessen gehe ich in mich und sage zu Gott: Herr, schau auf deine Kirche! Und ich schaue, daß ich meine Gedanken auf ihn richte, nicht auf das ganze drum herum, wenn es mal nicht ok ist.

Und genau deswegen würde ich die Kirche auch nicht verlassen.

😊
Ich finde es gut, daß du immer wieder nachfragst und dir Gedanken machst.

Viele Grüße!
J😊ur

Nachtrag vom 17.07.2021 0915
sorry, tippfehler. Wollte den Satz erst anders formulieren:
.. ein[del]en [/del]Brief von einem Bischof

jour antworten


Orangsaya
Beiträge : 2894

Als Jugendlicher unterhielt ich mich mit einem Freund. Unser Statement war jenseits der guten Gedanken bezüglich der Kirche. Ich fragte ihn, warum er überhaupt noch in der Kirche sei. Er meinte: "Wegen der Beerdigung. Eine Beerdigung ohne Kirche, war für ihn damals unvorstellbar."

Von mir aus, können einige das einfach als Quatsch abhaken, aber er lag gar nicht mal so falsch. Damals war den Menschen die Teilhabe am kirchlichen Leben wichtig. Von der Wiege bis zur Bare gibt es Stationen, zu denen man die Kirche wollte und es waren nicht selten wichtige Familienereignisse. Familie, noch heute meist der wichtigste Kern im sozialen Umfeld, wurde mit der Kirche eng verknüpft. Auch, wenn man die Familien selten sonntags in der Kirche geschlossen sehen konnte.

Anfang der Neunziger fingen die jüngeren Kirchenaustritte statt. Nicht nur meiner Meinung nach lag es am Solidaritätsbeitrag. In den Ländern ist er zwar nicht gleichhoch. aber so 𝞹 mal Daumen, war der Solidaritätzuschlag genau die Höhen der Kirchensteuer. So konnte man die erhöhten Kosten der Wiedervereinigung kompensieren. Das der Buß- und Bettag gestrichen wurde und später politische Feiertage eingeführt wurden, steht für mich als Symbol dafür, wie der Staat sich von der Kirche langsam entfremdet und eine neue Sinnesfülle sucht. Wie gesagt, es ist für mich ein Symbol dafür.

Bis ungefähr 2010 traf es in erster Linie die evangelische Kirche. Vorher waren die Ausstritte aus der Kirche in katholischen Gebieten signifikant niedriger. Durch den Kindesmissbrauch, dem Leichenfund in Nordirland und ähnliche Ereignisse hat sich das gedreht. So, wie die Kirche damit umgeht, teilweise verdient. Doch bei so manchen politisch, oder humanistisch mutierten Kirchenhasser, frage ich mich, wann wir endlich kommt gegenüber Dänemark und Norwegen die Forderung nach Reparationszahlung, weil sie ja die Wikinger waren. Ganz ehrlich irgendwann muss man das Vergangene auch mal als vergangen belassen. Insbesondere dann, wenn die Akteure schon lange tot sind.

Für die Enkel und Urenkel, wird die Kirche ein Gebäude sein, wie ein hinduistischer Tempel im Dschungel. Die Kirche muss einen neuen Weg zum Menschen finden. Sonst sind sie weg. Sie muss einen Weg in den Alltag finden, wie sie damals mit ihrer Basilika mitten unter den Menschen war.

Früher war der Dörflicherer nicht selten auch der Pfarrer. Zumindest in den katholischen Gebieten. Bevor unser Land ein Wohlfahrtsstaat so wurde, dass man ihn so nennen kann, hatte die Kirche wichtige Lücken gefüllt. Drei Onkel von mir, konnten das Abitur machen, weil es die Kirche ihnen bezahlte. Aber auch die Berufsausbildung wurde nicht selten mit der Hilfe der Kirche da. Heute gibt es zwar jede Menge Krankenhäuser, Altenheime, usw., aber diese Einrichtungen sind nicht selten vom Staat gut bezahlt. Na gut, die Kirche hat sich wohl nicht so selber bedient, wie die AWO in Südhessen, aber es sind zum größten teils Wirtschaftsunternehmen, die wie andere Einrichtungen auch, gemeinnützig genannt werden. Das christliche Ideal ist in vielen Häusern verloren gegangen, obwohl es gut wäre, wenn das die Antriebsfeder wäre.

Beide Kirchen müssen sich Reformerin, oder Unieren, weil sie zu klein sind. Das sind doch nur die Zahlen, der Kirchenaustritte. Die Zahlen der Kinder, die erst gar nicht getauft wurden, aber die Eltern in der Kirche sind, fehlen, aber auch das wird die Kirche nachhaltig schwächen.

orangsaya antworten
ALF.MELMAC
Beiträge : 2153

In jedem Unternehmen, in jeder politischen Partei wäre das ein schwerer Stockfehler

Ohne Marketing geht es unweigerlich weiter abwärts...

alf-melmac antworten
31 Antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Ich dachte, Kirchen hätten Mitglieder.

herbstrose antworten
ALF.MELMAC
(@alf-melmac)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2153

Mitglieder sind Kunden, Kunden sind Mitglieder

SPD, CDU, Bayern München haben auch Mitglieder, trotzdem müssen sie Marketing betreiben, sonst laufen ihnen die Menschen weg

So wie den Kirchen

alf-melmac antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Ein Kunde ist jemand, der ein bestimmtes Produkt erwirbt. Damit darf er das Produkt nutzen. Aber er hat im verlaufenden Unternehmen kein Mitspracherecht.

Ein Mitglied hat verschiedene Rechte und Pflichten, erwirbt aber nicht zwangsläufig ein Produkt.

herbstrose antworten
Blackhole
(@blackhole)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 951

Eben da ist das grundsätzliche Denkproblem
Die Gläubigen nur als KUNDEN zu betrachten, nicht als MITGLIEDER.
Und zwar geht diese Mentalität von beiden Seiten aus, von der kirchlichen Obrigkeit, wie auch von den Gläubigen selbst.

Nicht nur die Geistlichen sondern auch die Gläubigen haben dieses Denken: Kirche, das sind nur die Geistlichen. Die Gläubigen sind nur Kunden die Rituale abholen.

Hier auf Jesus.de waren früher viele radikale Evangelikale, deren Menschen-, Welt- und Gottesbild ich furchtbar fand. Aber einen einzigen positiven Wert habe ich von denen gelernt, eine einzige Sache habe ich übernommen: Daß sich bei denen jeder für die Verbreitung des Glaubens zuständig hält. Und nicht drauf wartet, daß Geistliche und andere "Berufschristen" alles machen.

Da kann man von Fußballfans lernen: Die lassen sich auch nicht einfach nur von den Funktionären bedienen, in letzter Zeit gibt es sogar Aufstände gegen die Funktionäre von DFB usw. Leider noch nicht wirksam genug. Die Fußballfans tragen die Leidenschaft für ihren Verein selbst und geben sie weiter.

Es muss auf allen Ebenen einen Mentalitätswandel geben.
Weg von KUNDEN hin zu MITGLIEDERN.

Nicht umsonst wurde ich altkatholisch, weil ich das synodale Kirchenbild richtig finde und mehr darüber lernen wollte.
Aber dadurch daß die meisten Altkatholiken konvertierte "Römer" sind, wie ich auch, ist dieses Denken selbst in unseren Gemeinden zu finden. Die Gemeinde Heßloch stibt aus, damit wird bereits fest gerechnet, weil es die Gemeindemitglieder versäumt haben, ihren eigenen Nachwuchs in die Kirche zu integrieren. Taufen lassen und zur Erstkommunion und Firmung schicken ist nicht alles.

blackhole antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 982

Glaube statt Marketing
Mit Marketing sieht es so aus: In meinem PLZ-Gebiet (30 000 EW) gibt es genau eine kleine, wenig aktive Kirche. Genauso ist nichts in den angrenzenden Regionen. Ein Stück weiter findet man gleich mehrere Gemeinden. Im innenstadtbereich ist das historisch begründet, aber auch neue Gemeinden gehen immer wieder dorthin. Warum?

Ich habe mich meiner Gemeinde angeschlossen, als sie einen Ableger in meiner Nähe gründen wollte. Ich war leider so naiv, anzunehmen, man würde dorthin gehen, wo viele unerreichte Menschen leben, die offensichtlich Hilfe brauchen.

Es wurden Kriterien entwickelt, wie sich Glaube am besten verbreiten lässt. Wer lässt sich leicht erreichen? Wer wird in wenigen Jahren großen Einfluss in der Gesellschaft haben? (Junge Mittelschichtler mit kirchlichem Hintergrund) usw. Der Blick war auf die Vorteile der Kirche gerichtet. Heraus kam, dass der kirchenableger an den Rand der Nachbarregionen gelegt wurde, der von Gemeinden gut bestückt ist.

Ich gebe zu, dass ich heimlich ein wenig lächle, weil es dort auch nicht geklappt hat. Die Begründung ist leider in meinen Augen ziemlich uneinsichtig: Es liegt daran, dass wir im ehemaligen Osten leben. So ein Quatsch, denn die ehemals ostdeutschen wurden ja mehrheitlich durch die Kriterien und Lage ausgeschlossen.

Wie wäre es, wenn wir als Kirche mal auf Glauben setzen würde und selbstlos an den Hecken und Zäunen Leute auflesen würden, die sich in einer Liturgie nicht zurechtfinden, weder cool noch fein gekleidet sind und mit Klassik nichts am Hut haben? Ja, das wäre für uns unkomfortabel. Geld würden sie auch wenig spenden können.

Mir scheint, wir sind an der Grenze angelangt, an der Kirche nicht mehr nach innen gerichtet, die „richtigen“ Leite anziehen kann, sonder Jesus ähnlicher werden muss, der sich hingegeben hat.

tagesschimmer antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Es gibt Milieustudien die zeigen eindeutig. Es gibt einen Teil der Bevölkerung den erreicht man mit Glaubensthemen gar nicht.
Zum Teil ist es verständlich, wer lange Arbeit sucht, dadurch existenzielle Sorgen hat wird eher nicht erreicht. Da ist oft kein Platz im Kopf für so etwas. Krass sagt die Studie, wer einen leeren Magen hat fragt nicht nach Gott, der denkt wie bekomm ich meine Familie satt.

jigal antworten
DerNeinsager
(@derneinsager)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1449

Ich glaube das ist im Rest der Welt durchaus anders.

Ich kenne es so das stark Gläubige Personen mit der Zeit im sicheren Deutschland den Pfad des Glaubens abschwächen

derneinsager antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 982

Klingt nach selbsterfüllender Prophetie. Ähnlich wie die Aussage: Ich erreiche eben am besten die Leute, denen ich am ähnlichsten bin. Der Studienaufbau wäre interessant, denn das Christentum hat sich immer schon in den verschiedensten Schichten verbreitet.

tagesschimmer antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Nun Landeskirche erreicht eher Menschen die im Urlaub eine Gruppenreise machen, also die jenigen mit dem Sangria-Eimer.

Nachtrag vom 19.07.2021 0735
Die Studie sagt z. B. dass FeG im Schnitt ein höheres Bildungsniveau erreicht, die Anzahl der Ingenieure höher sei als in der Bevölkerung.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057
Veröffentlicht von: @jigal

Nun Landeskirche erreicht eher Menschen die im Urlaub eine Gruppenreise machen, also die jenigen mit dem Sangria-Eimer.

Nicht unbedingt.

https://www.gospeltribe.de/projekte/reach-mallorca/

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Das ist ja nur ein eingetragener Verein und nicht EKD.
Die geht aber auch zu Urlaubern. Früher nannte man das Campingkirche, weil sie eher auf dem Campingplatz sind.
Ich kann mich natürlich auch an kurze Kindergottesdienste an der Nordsee erinnern. Die Leute mit dem Sangria-Eimer sind dazu aber um diese Zeit schon wegen des Alkoholspiegels nicht dabei.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057
Veröffentlicht von: @jigal

Das ist ja nur ein eingetragener Verein und nicht EKD.

Eben. Genau das sage ich ja auf Deine Bemerkung:
"Nun Landeskirche erreicht eher Menschen die im Urlaub eine Gruppenreise machen, also die jenigen mit dem Sangria-Eimer." hin.

Kann es sein, dass da ein "nicht" fehlt?

Die JMG geht übrigens auch zu den Alkoholpegeln, das ist denen egal.

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

ja schnell getippt. Ich denke die Leute am Ballermann 6 den es so ja gar nicht mehr gibt werden von der Landeskirche nicht erreicht.
Das liegt jetzt nicht am Alkoholspiegel sondern am allgemeinen Niveau.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

Finde ich irgendwie schade. Jesus hat ja auch mit den Zöllern und Prostituierten zusammen gesessen.

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Es ist ja nicht so dass jemand der von Hartz IV lebt nicht kommen darf,
sie kommen einfach sehr selten.
Man erreicht sie mit den Angeboten eher nicht.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

Ich sprach ja nicht von HartzIV. Ich sprach von Prostituierten und Alkoholikern.

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Es wird nicht gefragt was jemand beruflich macht und solange jemand nicht randaliert ist es auch wie viel Alkohol getrunken egal.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

Ich versteh nicht, was diese Antwort mit meinem Posting zu tun hat.

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

dann dann ich auch nicht weiterhelfen Zöller und Prostitierte sind Berufe und Alkoholiker randalieren auch mal.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

🤨
Häh???

tristesse antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Zitat:
Ich sprach ja nicht von HartzIV. Ich sprach von Prostituierten und Alkoholikern.

Prostitiuierte sind in Großstädten offizielle Berufe mit Krankenversicherung und Steuererklärung.

jigal antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

Darum fragte ich, wie Du auf meinen Beitrag hin auf HartzIV gekommen bist.

tristesse antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11895

Mal ein anderer Gedankengang:

Veröffentlicht von: @jigal

Es ist ja nicht so dass jemand der von Hartz IV lebt nicht kommen darf,
sie kommen einfach sehr selten.
Man erreicht sie mit den Angeboten eher nicht.

Wieso "kommen"? Ich dachte, der "Missionsbefehl" lautet: Gehet hin! 😉

Und wir glauben - ich zumindest - noch immer an den einen Gott, der vom Tode wiederauferstand und lebt - ich buchstabiere noch mal: L-E-B-T. 😀 Der sich also mitteilt und mit seinen Kindern redet und insgesamt eben auch einen Plan hat. - Wie wäre es, mit Gott genau dann dort ins Gespräch zu gehen und zu fragen: Herr, was hast du hier vor? - Der Herr geht ja nicht mit jedem seiner Schäfchen sozusagen "gleich vor". Möglicherweise hat das auch immer was mit uns zu tun ... 😉

neubaugoere antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Ja die Kirche könnte missionarischer sein.
Wenn man mit Veranstaltungen oder besonderen Gottesdiensten wirbt kann man leider nicht sagen welcher Weg der richtige ist.
Besondere Veranstaltungen haben wir im städtischen Mitteilungsblatt, auf der Homepage und hängen Plakate z. B. in Geschäften aus.
Im Schaukasten sowieso.

jigal antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 16282
Veröffentlicht von: @jigal

Ja die Kirche könnte missionarischer sein.

Du bist auch "Kirche". Möchtest du missionarischer sein?

deborah71 antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11895
Veröffentlicht von: @jigal

Ja die Kirche könnte missionarischer sein.
Wenn man mit Veranstaltungen oder besonderen Gottesdiensten wirbt kann man leider nicht sagen welcher Weg der richtige ist.
Besondere Veranstaltungen haben wir im städtischen Mitteilungsblatt, auf der Homepage und hängen Plakate z. B. in Geschäften aus.
Im Schaukasten sowieso.

Gott kann ... wenden "wir" uns auch an ihn?

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

In unserer Gemeinde gibt es eine Gruppe von Leuten, die am Wochenende zu den Junkies und Trinkern gehen, die sich hinter der Stadthalle rumtreiben. Inzwischen sind sie dort sehr bekannt und auch beliebt.

tristesse antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11895

mit Kaffee oder ohne?

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17057

Das ist mir nicht bekannt.

tristesse antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11895

Wäre mal interessant zu erfahren, wie der Kontakt zustande kam ...

neubaugoere antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

boh, Super Antwort. Liebenswürdig und fachlich fundiert. Danke, gefällt mir sehr gut. Grenzt Keinen aus, lädt Alle ein.

gruß

Anonymous antworten


Blackhole
Beiträge : 951

Zwei Punkte.

Zum einen den grundsätzlichen und überragend verbreiteten Denkfehler, sich selbst nur als KUNDE zu betrachten, nicht als MITGLIED.
Habe ich hier schon erläutert:
https://community.jesus.de/forum/ansicht/thread.html?ctrl [post_uid]=12872871
Durch die Art wie Autorität in den großen Kirchen über Jahrhunderte ausgeübt wurde, ist dieses Denken kulturell sehr sehr tief in uns drin: Wir sind nur KUNDEN der Kirche, keine Mitglieder. Und damit hat Kirche für uns auch nicht mehr Bedeutung als ein Netflix-Abo.

Zum anderen:
Wofür Christentum steht, bzw. stehen sollte ist garbnicht mehr so richtig klar, bzw. wird öffentlich nicht mehr so wahrgenommen.
Außer wenn sich einige stockkonservative zu gewissen Sexualthemen äußern, wir kennen das ja.
Arbeiter- und Frauenrechte, da mussten sich andere Bewegungen drum kümmern. Das Christentum war relativ still dazu, von Ausnahmen wie Kolping abgesehen. Obwohl Jesus zwar nichts über Homosexualität und Selbstbefriedigung usw. sagt, aber ausdrücklich verlangt, daß jeder Arbeiter fairen Lohn erhalten soll, und sich soweit es in der patriarchalischen Gesellschaft möglich war für Frauenrechte eingesetzt hat. Nicht zuletzt durch das in einem anderen Thread debattierte Scheidungsverbot, denn Scheidung war damals etwas völlig anderes als heute: Der Mann konnte beim geringsten Anlass die Frau vor die Tür jagen und die war dann völlig mittellos und hatte keine Chance, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.
Außerhalb von gewissen Sexualkrampfthemen die biblisch so nicht haltbar sind (Hand hoch, wer das Buch Levitikus ganz gelesen hat und nicht nur eine gewisse Stelle), weiß die Öffentlichkeit eigentlich nicht mehr so genau, wofür Christentum steht und woran es glaubt und was es will.

Ich habe daher die ketzerische Auffassung, daß wir Christen uns überkonfessionell auf einen verbindlichen Moralkodex einigen und dazu stehen sollten.

Umwelt- und Klimaschutz z.B. wäre äußerst wichtig, denn das ist Lebensschutz.
Lebensschutz ist nicht einfach nur gegen Abtreibungen sein, sondern das Leben an sich schützen wollen.

blackhole antworten
love.israel
Beiträge : 125

Neben den Austritten gibt es ja noch kirchlich gebundene Jahrgänge, die in den nächsten Jahren auch wegsterben. Ein Blick in das Gemeindeblatt (ev.-luth.) für das letzte Quartal sagt mir, dass in meiner Gemeinde eine Taufe und 16 Sterbefälle zu verorten sind. Das sind -15 Mitglieder plus Austritte.

Der Artikel vom 2.5.2019 "Kirchen verlieren bis 2060 fast die Hälfte ihrer Mitglieder" ist da sehr lesenswert. Siehe hier:
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-05/christentum-kirche-mitglieder-verlust-kirchenaustritt-taufe

Hier mal ein Blick auf die Neuapostolische Kirche:
Seit dem Jahr 2000 hat die Zahl der Mitglieder der NAK in Deutschland um rund 16 Prozent abgenommen. Die Zahl der Amtsträger nahm hingegen überproportional um 47 Prozent ab. Die Zahl der Gemeinden liegt sogar mit 55 Prozent unter dem Stand des Jahrs 2000 (alle Angaben bezogen auf den Stand vom 1.1.2019). Während im Jahr 2000 auf rund 16 Mitglieder ein Seelsorger kam, sind es im Jahr 2018 in etwa 22 Mitglieder je Seelsorger. Die durchschnittliche Gemeindegröße stieg im gleichen Zeitraum von rund 138 auf rund 205 Mitglieder.

Der Mitgliederrückgang der Römisch-Katholischen Kirche liegt im selben Betrachtungszeitraum (für die Jahre 2000 bis 2018) bei rund 12 Prozent, der der Evangelischen Kirchen bei rund 20 Prozent. Damit liegt die Neuapostolische Kirche mit 16 Prozent statistisch gesehen im Vergleich zu den beiden großen Kirchen in Deutschland im Betrachtungszeitraum im Mittelfeld.
Hier die Fundstelle:
https://apostolische-geschichte.de/wiki/index.php?title=Mitgliederzahlen_der_Neuapostolischen_Kirche_in_Deutschland

Das ist auch der Grund für zahlreiche zum Verkauf stehende neuapostolische Kirchen oder bereits erfolgte Zusammenlegungen von Gemeinden.

Bei anderen Freikirchen sieht das nicht anders aus. Zahlreiche Gemeinden, die ich als Jugendlicher (in Schleswig-Holstein) noch besucht habe gibt es heute nicht mehr und noch vorhandene Gemeinden sind selbst am Sonntag sehr schlecht besucht. Da ist das Klientel weggestorben.

love-israel antworten
1 Antwort
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2748

Man kann hier in der Gegend wo Freikirchen ausserhalb der Großstädte dünn gesäht sind auch eher sagen. Die Alten sind in den großen Kirchen.
Wir sind Kurstadt 3 Beerdigungen in der Woche sind nicht selten.

Nachtrag vom 19.07.2021 1543
Das hat die örtliche FeG nicht a) andere Alterstruktur b) keine 50 Leute.

jigal antworten


Tojak
 Tojak
Beiträge : 402

Glaubensgründe, gesellschaftliche und finanzielle Gründe

Veröffentlicht von: @banji

Wo liegen eurer Meinung / Erfahrung nach die Gründe?

- Menschen glauben nicht mehr, was sie glauben sollen, z. B. bestimmte Wundererzählungen der Bibel, und können mit vielen traditionellen kirchlichen Lehren nichts mehr anfangen,
- der Theologie ist es bis heute nicht gelungen, auch nur die Existenz ihres Gegenstandes nachzuweisen,
- es gibt keinen gesellschaftlichen Druck mehr, in der Kirche zu sein,
- das kirchliche Standardangebot wie Sonntagsgottesdienste oder gemeindliche Gruppen wirkt nicht interessant und bereitet keine besondere Freude,
- wegen Feierlichkeiten wie Hochzeit oder Beerdigung in der Kirche zu sein, lohnt sich auch nicht mehr. Es gibt alternative Angebote und die Kirchensteuer ist den Leuten in Summe dafür zu teuer.
- Skandale, wobei diese oft nur der Tropfen sind, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Ich war auch überrascht, dass es weniger Austritte als in den Vorjahren gab. Mich wies dann jemand darauf hin, dass man für den Kirchenaustritt ja z. T. auch Termine braucht, und diese natürlich im Corona-Jahr 2020 nur eingeschränkt angeboten werden konnten.

Für mich wird sich mit erwartbar weiter hohen Austritten nicht Kirche an sich erledigen, wohl aber das System Volkskirche. Der Kern wird dadurch aber nicht berührt. "Ihr seid das Salz der Erde." Zu viel Salz ist gar nicht gut.

Thomas

tojak antworten
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