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Wie lange muss man Gedenken?

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hi,

es gab und gibt Dinge, die darf man nicht verharmlosen. Soweit mal ganz gut.

Aber wie lange muss ein "Gedenken" dauern?

Gedenkt man heute noch an die Opfer von Napoleon?
Des 30jährigen Krieges?

Was bringt ein Gedenken für die Generation in 150 Jahren oder 150 Jahren nach Holocaust?

M.

Antwort
124 Antworten
Tagesschimmer
Beiträge : 1248

Gedenken allein bringt es nicht. Es muss so lange weitergehen, bis aus dem Gedenken eine persönliche Betroffenheit wird, daraus schließlich eine Transformation. Dass dieser Prozess abgeschlossen ist, erkennst du daran, dass in der breiten Öffentlichkeit Dankbarkeit und Freude über die Veränderung besteht. Derzeit fast undenkbar, oder?

tagesschimmer antworten


andreas
Beiträge : 1985
Veröffentlicht von: @meriadoc

Gedenkt man heute noch an die Opfer von Napoleon?
Des 30jährigen Krieges?

Ja, tun wir.
2013 gab es Gedenkveranstaltungen zur Völkerschlacht bei Leipzig, 2018 zum Ausbruch des 30-jährigen Kriegs.

Aber wir gedenken noch auf andere Weise: Wir wissen, dass Kriege und Abgrenzung zwischen den Konfessionen nichts bringen. Wir versuchen, ein friedliches Miteiander von Christinnen der verschiedenen Konfessionen zu pflegen und Meinungsunterschiede durch den Austausch von Argumenten auszutragen und auch, wenn es zu keiner Einigung kommt, nicht einfach getrennte Foren zu errichten.

All das ist eine von uns längst internalisierte Konsequenz aus den Erfahrungen des 30jährigen Krieges. Es ist gedenkendes Handeln

So etwas wie jesus.de und auch dieses Forum gehören dazu. Und auch ein friedliches Miteinander über Religionsgrenzen hinaus ist etwas, was wir aus dem Gedenken an den 30-jährigen Krieg gelernt haben.

Wenn heute jemand vorschlagen würde, uns in katholische und evangelische (und vielleicht ein, zwei atheistische?) Bundesländer einzuteilen und notfalls umzuziehen, wenn man im falschen wohnt - wir würden es gar nicht mal verwerflich oder erschreckend finden, sondern schlicht absurd, albern und völlig unverständlich.

Vielleicht wird einmal der Tag kommen, an dem uns Diskriminierung und Abgrenzung in anderen Fragen ähnlich absurd vorkommen. An dem wir jemanden, der meint, die Juden (oder die Flüchtlinge oder die Frauen ....) seien an allem schuld, genauso seltsam finden, wie jemanden, der meint, es seien die Radfahrer oder die Katholiken.

Wenn es so weit ist, haben wir das Gedenken so weit internalisiert, dass man vielleicht keinen jährlichen Gedenktag mehr braucht, sondern nur noch die runden.

Aber das werden wir wohl zu unseren Lebzeiten nicht mehr erleben.

andreas-wendt antworten
2 Antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @andreas-wendt

Ja, tun wir.
2013 gab es Gedenkveranstaltungen zur Völkerschlacht bei Leipzig, 2018 zum Ausbruch des 30-jährigen Kriegs.

Viele Klassen in NRW fahren nach Münster auf den Spuren des Endes des 30jährigen Krieges

https://www.stadt-muenster.de/museum/museum/33-kabinette/1-obergeschoss/10-30-jaehriger-krieg-und-friedenskongress-1618-1648.html

der ganz Europa nachhaltig traumatisiert hat.

johannes22 antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 1985

Gedenken, Gedenktage und Gedenkveranstaltungen
Danke für die Ergänzung.

Vielleicht rührt die Frage im Eingang schlicht aus der Annahme, dass "Gedenken" nur in Form von Gedenktagen und Gedenkstunden (vielleicht noch Gedenkgottesdiensten) vorstellbar war. Aber Gedenken hat mehrere Formen.
Es ist ja auch schon vor Einführung des Holocaustgedenktags der Opfer der NS-Zeit gedacht worden.

Und vielleicht finden kommende Generationen neue Formate des Gedenkens.

andreas-wendt antworten
Tineli
 Tineli
Beiträge : 1380

So lange es Tendenzen in der Gesellschaft gibt, die denen des Nationalsozialismus gleichen, so lange ist ein Gedenken einfach wichtig.
Und leider gibt es davon derzeit eher mehr als weniger, und insofern ist es wichtig, die Erinnerung und das Wissen darum wachzuhalten.

Gruß, Tineli

tineli antworten


PeterPaletti
Beiträge : 1343

Tja, die Deutschen werden den Juden den Holocaust wohl nie verzeihen.

peterpaletti antworten
2 Antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559
Veröffentlicht von: @peterpaletti

Tja, die Deutschen werden den Juden den Holocaust wohl nie verzeihen.

Beim lesen dachte ich zuerst "Darf der dat?" (also sowas sagen?), weil es so ungeheuerlich klingt.

Aber irgendwie trifft es gerade genau ins Schwarze.

tristesse antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 8520
Veröffentlicht von: @tristesse

Beim lesen dachte ich zuerst "Darf der dat?" (also sowas sagen?), weil es so ungeheuerlich klingt.

PeterPaletti zitiert in abgewandelter Form, bekannt geworden ist der Satz "Auschwitz werden uns die Deutschen niemals verzeihen!" des österreichisch-israelischen Arztes und Autors Zvi Rix.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zvi_Rix#Zitat

alescha antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Guten Morgen,

also, ich habe mal weiter gedacht und in der Geschichte gegoogelt.

Was Deutschland und Belgien in Afrika angerichtet haben, da stockt mir den Atem. Viele Genozide haben einen Namen und Holocaust ist einer davon.

In Afrika, wo diese Dinge mehr als 100 Jahre zurück liegen, gedenkt man heute immer noch und dann habe ich was gelesen.

Die Folgen des Genozid wirkt bis in die dritte Generation hinaus.

Ich habe nie gegen das "Gedenken" gesprochen.

Nur fällt mir es schwer, dass ausgerechnet Deutschland Jahre braucht um einzugestehen was in Afrika passiert ist. Es ist Massenmord und es war Ausbeutung übelster Art. Bei Holocaust war es anders, aber das andere? Nur weil es "schwarze Ureinwohner" waren?

Anscheinend, so wie ich das gesehen habe, sind die Deutschen Meister in solchen Dingen ... Genozide und zeigen gerne auf andere.

M.

Anonymous antworten
3 Antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 14194

Jahre brauchen

Veröffentlicht von: @meriadoc

Nur fällt mir es schwer, dass ausgerechnet Deutschland Jahre braucht um einzugestehen was in Afrika passiert ist. Es ist Massenmord und es war Ausbeutung übelster Art. Bei Holocaust war es anders, aber das andere? Nur weil es "schwarze Ureinwohner" waren?

Die Türkei gesteht sich immer noch nicht ein, dass der Völkermord an den Armeniern auf ihr Konto geht.

Veröffentlicht von: @meriadoc

Anscheinend, so wie ich das gesehen habe, sind die Deutschen Meister in solchen Dingen ... Genozide und zeigen gerne auf andere.

Wie war das nochmal mit dem Völkermord in Ruanda?
Oder mit den Überfällen auf Christen in Nigeria?
Oder mit der Verfolgung von ethnischen oder religiösen Minderheiten im asiatischen Raum?
Wie war das nochmal mit den Kreuzzügen?

Es geht nicht alles auf die Kappe Deutschlands. Und ja, es kann keine Wiedergutmachung geben. Und du hast Recht, Deutschland hat ziemlich viel Mist gebaut.

Genau deshalb ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass solches Unrecht nie mehr geschieht. Wir hören erst auf zu gedenken, wenn kein Mensch mehr dem anderen Leid zufügt.

herbstrose antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

Für die Shoah gab es eben Überlebende die sich darum kümmerten dass die Täter vor Gericht kommen.

Fritz Bauer
Simon Wiesenthal um mal zwei wichtige zu nennen.

Der Krieg in Südwestafrika 1904-1906 ging praktisch durch den I. Weltkrieg im Gedächtnis unter wie der Burenkrieg.

jigal antworten
LittleBat
(@littlebat)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 1813
Veröffentlicht von: @meriadoc

Bei Holocaust war es anders, aber das andere?

Den Einwurf finde ich interessant. Was meinst du damit, warum machst du diesen Einwurf?

Veröffentlicht von: @meriadoc

Nur fällt mir es schwer, dass ausgerechnet Deutschland Jahre braucht um einzugestehen was in Afrika passiert ist. Es ist Massenmord und es war Ausbeutung übelster Art. [...] Nur weil es "schwarze Ureinwohner" waren?

Nur ist gut. Kolonialismus und Rassismus sind ja nicht weg, und es ist noch gar nicht so lange her, da war es gesellschaftlich völlig normal, dass Schwarze als minderwertig galten. Wie soll in dem gesellschaftliche Klima die Erkenntnis gedeihen, dass ein Genozid stattfand?
Und dann auch noch die Problematik, dass man die Kaiserzeit noch als "gute alte zeit" betrachtete... ganz schwierig!

Veröffentlicht von: @meriadoc

Anscheinend, so wie ich das gesehen habe, sind die Deutschen Meister in solchen Dingen ... Genozide und zeigen gerne auf andere.

Ich hab das gefühl, du fliegst gerade auf der anderen Seite vom Pferd 😉
https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleichende_V%C3%B6lkermordforschung

littlebat antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

Ich habe mir die 100 Meinungen jetzt nicht durchgelesen.

Ich berichte von einer Veranstaltung vor grob 10 Jahren.

Es gibt eine Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Baden.
Sie ist auf dem Gelände eines ehem. Lagers und der Berg darunter wird von der Bundeswehr als Lager genutzt. Die Militärische Nutzung gab es da schon vorher.

Es gibt ein Mahnmalprojekt für evangelische und katholische Jugendliche einen Gedenkstein zu machen, eigentlich zwei, einen für Neckarzimmern und einen für den Ort aus dem Menschen jüdischen Glaubens deportiert wurden.

Im Oktober 1940 wurden die Juden aus Baden und der Saarpfalz nach Gurs in Frankreich deportiert.

Zum Gedenken:

Der Landesrabbiner von Baden hat am Mahnmal gesprochen, die Jugendlichen haben den Stein ihres Ortes erklärt.

Der Landesrabbiner sagte, man gedenke nicht nur der Vertreibung damals. Man gedenkt auch der Vertreibung durch die Katholischen Könige Spaniens aus Andalusien. Das war im Mittelalter, da hast du also mehr als 500 Jahre Erinnerung an die Vertreibung.

jigal antworten
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