Wir sind die Guten ...
Hallo ihr Lieben,
wie wir alle wissen, kann es nach hinten losgehen, wenn man etwas (nur) gut meint - es aber wahrhaft nicht gut ist.
Welche Auswirkungen hat es, wenn man sich selbst "zu den Guten" zählt? Schwingt da schnell nicht eine seltsame Art von Selbstverherrlichung oder Selbstgerechtigkeit mit? Kann uns diese Einschätzung blind für eignes Fehlverhalten machen?
Und wie kann jemanden der Spiegel vorgehalten werden, so dass diese*r selbst erkennt, dass er sich in seiner Rolle "als Guter" gewissermaßen überhebt und der Situation oder Thematik nicht mehr gerecht wird?
Fragende Grüße in die Runde!
Moin,
ich habe mir vorgenommen "böse" aus meinem Vokabular zu streichen.
Das vereinfacht mein Leben sehr.
Nicht zuletzt auch deshalb, weil auch ich dann nicht mehr "böse werden" kann. 😉
Es ist spannend, z.B. mal die aktuelle Tageszeitung von allen "böse"-Zuschreibungen befreit zu lesen.
Kurz und gut:
Wenn ich aufhöre zu glauben, dass ich "der Gute" bin,
wenn ich aufhöre zu glauben, dass du "böse" bist,
kann ich beginnen die Dinge realistischer einzuschätzen
und sie vielleicht einer Problemlösung näher bringen.
Feindesliebe Grüße
Johannes
@johannes
Wenn ich aufhöre zu glauben, dass ich "der Gute" bin,
wenn ich aufhöre zu glauben, dass du "böse" bist,
kann ich beginnen die Dinge realistischer einzuschätzen
und sie vielleicht einer Problemlösung näher bringen.
Inwiefern? An den Intressenskonflikten ändert das ja nichts.
Interessenskonflikte lassen sich aber leichter zu Interessenausgleichen führen, wenn man weiß, dass die eigenen Absichten nicht guter oder böser sind als die des Gegenübers. Meiner Meinung nach.
@johannes
Interessenskonflikte lassen sich aber leichter zu Interessenausgleichen führen, wenn man weiß, dass die eigenen Absichten nicht guter oder böser sind als die des Gegenübers. Meiner Meinung nach.
Wenn ein Diktator ein Land überfällt, um seinen Machtbereich zu vergrößern und um zu verhindern, dass das Land frei und unabhängig wird, dann hat er ganz spezifische Interessen.
Wenn das überfallene Land aber nicht von diesem Diktator beherrscht werden will, dann haben die Leute dort ein völlig gegensätzliches Interesses.
Ein "Ausgleich" kann nur so erfolgen, dass einer von beiden in seinem Interesse vollkommen zurückteckt und der andere sich durchsetzt.
Ob man da jetzt irgendwas "gut" oder "böse" nennt spielt dabei überhaupt keine Rolle, diese Begriffe werden von beiden Seiten im Sinne ihrer Propaganda gebraucht... damit erschöpft sich die Sache aber auch schon.
Inwiefern kommt man damit jetzt weiter?
Du und ich würden schon mal deutlich weiter kommen, wenn wir akzeptieren, dass wir von den Hintergründen dieses Konfliktes zu wenig wissen um überhaupt Partei ergreifen zu können.
Man kann hier nur aus Loyalität Partei ergreifen.
Ich bin aber kein Freund von Loyalität, sondern von Fairness.
@johannes
Du und ich würden schon mal deutlich weiter kommen, wenn wir akzeptieren, dass wir von den Hintergründen dieses Konfliktes zu wenig wissen um überhaupt Partei ergreifen zu können.
Zunächst mal habe ich ein allgemeines Beispiel genannt. Manche Konflikte sind komplexer als andere, aber manche Konflikte sind zumindest eindeutig genug, um sich eine begründete Meinung bilden zu können.
Von so einem Beispiel bin ich ausgegangen.
Man kann hier nur aus Loyalität Partei ergreifen.
Ich bin aber kein Freund von Loyalität, sondern von Fairness.
Ich nehme an, dass du dich hier konkret auf den Ukrainekrieg beziehst. Das habe ich in meinem Beispiel bewusst nicht getan.
Inwiefern es möglich ist, genug Informationen zu bekommen, um auch den Ukrainekrieg so sachlich und fair zu beurteilen, dass man sich dazu eine begründete Meinung bilden kann wäre dann nochmal eine andere Frage.
Ich halte das für möglich - wenn man sich vor allem damit befasst, wie russische Propaganda funktioniert.
Und das tue ich schon eine ganze Weile, schon weit vor 2022...
Insofern: Nein, ich akzeptiere nicht, dass ich "zu wenig" über diesen Krieg weiß, um mir eine fundierte Meinung bilden zu können.
Ich weiß auch nicht, ob dir das bewusst ist oder ob es ein Zufall ist, aber genau diese Haltung, dass niemand etwas Genaues wissen kann, ist ein ausdrückliches Ziel russischer Propaganda - und ein Grund dafür, dass aus dieser Richtung so viele verschiedene, auch widersprüchliche Informationen kommen.
@johannes Wie praktisch, wenn blau meine Lieblungsfarbe ist und gelb blau ist, ist meine Lieblingsfarbe noch viel öfter vertreten - ja, macht Sinn. 😉😌
Warum aber setzt du Feindesliebe Grüße unter dein post? Deiner Logik nach dürften wir all über all nur von Freunden umgeben sein.
Ich bin ja kein Feindleugner.
Ich bin FeindBILDverweigerer.
Das bedeutet: Ich verweigere mich dem Versuch mir Feindbilder reinzubilden.
Ein Feind zu sein ist stets der Wunsch desjenigen, dessen Feind ich sein soll.
Er ist mein Feind nicht.
Und deshalb sind meine feindeslieben Grüße ein Angebot.
Muss man ja nicht annehmen.
Es gibt ja auch Verirrte, die spucken auf die ausgestreckte Hand des Gegenübers, weil sie anstelle Feindesliebe es lieben sich Feinde zu schaffen. Blaugelb steht dafür als irrlichternd wetterleuchtendes Beispiel so seit rund 20 Jahren stramm.
@johannes Und ich geh einfach erst mal von gegenseitigem Wohlgesonnensein aus - à la wie man in den Wald ruft, schallt es zurück. 🙂
@seidenlaubenvogel Im Grunde genommen passiert dieses Spiegel-Vorhalten beim Bibellesen. Und wenn Gott uns da überführt, wissen wir, dass Umkehr dran ist.
Ich denke schon in "gut" und "böse". Aber ich weiß, dass das nie schwarz-weiß ist, sondern, dass des da Abstufungen und Schattierungen gibt. Und dann ist es wichtig, sich davon zu befreien, diese Einschätzungen als final zu betrachten. Ich verändere mich und bekomme vielleicht eine andere Perspektive auf eine Sache. Menschen verändern sich und werden besser oder schlechter.
Und wenn ich in meinem Umfeld einen Menschen habe, den ich für ausgesprochen schlecht, durchtrieben und intrigant halte, dann darf der Ausdruck "böse" nicht zu einem Label werden, mit dem ich diese Person abstempeln. Diese Person ist dann automatisch auf meiner Fürbittenliste, ich bin dann bemüht, diese Person oft ins Licht Gottes zu rücken und ihn an ihr arbeiten zu lassen, sie zu verändern.
Jesus ist nicht zu den Perfekten bekommen, sondern zu denen, die einen Arzt brauchen, die oft nicht gut sind. Ich brauche den und wegen guter Erfahrungen, empfehle ich diesen Arzt gerne weiter.