Woher der Hass?
Wenn man in den sog. sozialen Medien unterwegs ist, erlebt man ja so einiges an Hass und Hetze, Gewaltphantasien und Todesdrohungen gegen Andersdenkende und Andersseiende.
Aber erst heute hat mich folgender Beitrag eines Hamburger Verlages betroffen gemacht:
Aggressive "Wal-Freunde" drehen freiNach Umweltminister Till Backhaus (SPD) berichtet nun dieBürgermeisterin der kleinen Insel Poel von Drohungen gegen Mitarbeiter. Der Druck ist anscheinend so groß, dass die Gemeinde eine Stellungnahme veröffentlichte. Wörtlich heißt es:"Mit großer Sorge beobachten wir jedoch das Verhalten einzelner Personen, die ohne jegliche fachliche Qualifikation den zuständigen Stellen ein vorsätzliches, kriminelles Handeln zum Nachteil des Tieres vorwerfen oder sogar Morddrohungen gegen einzelne Personen aussprechen."Wir haben es auf unseren Seiten z.B. gestern nach dem Beitrag über die fachliche Einschätzung der angesehenen britischen Walretter* auch erlebt: Leute, die geifernd und wütend und ehrverletztend um sich schlagen, über "die Experten" herziehen und Vorlagen für "Dienstaufsichtsbeschwerden" und Strafanzeigen (!) verbreiten, mit dem Ziel, einzelne Personen fertig zu machen.Angestachelt wird dieser virtuelle Wal-Mob von Seiten, die sich mit KI-generierten Schwachsinns-Inhalten ("So kann Hope noch gerettet werden") Klicks generieren oder dubiose Spendenaufrufe teilen. Einige Aufrufe kommen auch aus dem Rechtsdraußen-Spektrum, mit dem Ziel, Politikverdrossenheit zu schüren.Die Hybris des (angeblichen?) Meeresbiologen mit dem Selfie-Stick, der die Debatte auch immer wieder emotionalisierte, ist ein weiteres, unrühmliches Thema. Wir haben viel mit Wissenschaftlern zu tun - niemand, der seriös arbeitet, führt sich so auf und setzt sich so ins Zentrum.Aus unserer Sicht wird es Zeit, dass die Behörden dort, wo möglich und nötig, mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, um Straftaten aufzuarbeiten. Hier werden Menschen belästigt und bedroht und Opfer übler Nachrede, was für die Betroffenen schlimme Folgen haben kann.Diese "Wut-Walschützer" sollten sich schämen, aber nicht nur das. Sie müssen lernen, dass sie sich mit ihrer Hirnschiss-Mission nicht im rechtsfreien Raum bewegen.Es reicht.
Schon drei Stunden nach Veröffentlichung dieses Beitrags sah man sich zu folgendem Statement genötigt:
Nach Anrufen mit Beleidigungen im Verlag ein zarter Hinweis: Wir lassen jede Drohung und jede Beleidigung strafrechtlich verfolgen.Unterdrückte Rufnummern helfen nicht, anonym zu sein - das werden diese Leute nun lernen und spüren.
Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor?
@alescha Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor?
Welche Menschen meinst Du da? Diejenigen, die den Artikel verfasst haben oder diejenigen, über die sie berichten? Da für mich das Gestrandeter-Wal-Thema ziemlich schnell abgehakt war als verfrühter Saure-Gurkenzeit-Füller, habe ich mich damit und mit seiner Durchreichung quer durch die Skandalisierungsmangelstationen nicht weiter beschäftigt, weswegen diejenigen, die im Artikel ungenannt angsprochen werden, mir nix sagen. Hängen bleiben mir hier also nur Formulierungen wie:
(...) virtuelle Wal-Mob von Seiten, die sich mit KI-generierten Schwachsinns-Inhalten (...)
(...) Rechtsdraußen-Spektrum (...)
oder, am zügellosesten:
(...) mit ihrer Hirnschiss-Mission (...)
Wenn das Problematisieren von zunehmenden Enthemmungerscheinungen hier im Zentrum stehen sollte, wäre ein erster Ansatz, sich selbst Zügel hinsichtlich seiner Formulierungsweisen* aufzuerlegen, da man ansonsten beiträgt, das Kritisierte noch zu verstärken.
*Nix gegen Kraftausdrücke und Verbalinjurien im Prinzip. Aber in meinen Augen sind sie nur in bestimmten ästhetischen Zusammenhängen (beispielsweie Rocksongs von Medizinern oder so...) sinnvoll und begrüßungswert und drücken in Zeitungsberichten schlicht das Niveau.
Welche Menschen meinst Du da?
Gegen diejenigen, die im Netz nicht nur mit Beleidigungen und Diffamierungen um sich schmeißen, sondern die, die auch noch Gewaltphantasien raushauen und Morddrohungen verfassen.
Wenn das Problematisieren von zunehmenden Enthemmungerscheinungen hier im Zentrum stehen sollte, wäre ein erster Ansatz, sich selbst Zügel hinsichtlich seiner Formulierungsweisen* aufzuerlegen, da man ansonsten beiträgt, das Kritisierte noch zu verstärken.
Jein.
Das, was Du gerade zitiert hast, ist ja noch vergleichsweise harmlos.
Ich verkneife mir sowas nach Möglichkeit, habe inzwischen aber volles Verständnis dafür, dass Leuten, die tagtäglich mit Beleidigungen und Drohungen konfrontiert werden, irgendwann der respektvoll-höfliche Tonfall abhanden kommt.
Es ging mir mehr um die schweren Beleidigungen, Gewaltan- und Morddrohungen.
Warum etwa muss man konkret Verwaltungsangestellte bedrohen, weil ein Buckelwal gestrandet ist und man den nicht mehr wegbekommt?
Warum muss man Leute bedrohen, die einfach nur anderer Meinung sind, eine andere Partei unterstützen, eine andere Hautfarbe haben oder nicht ins binäre heteronormative Weltbild passen?
@alescha Warum etwa muss man (...)
Das vermag ich so nicht auf die Schnelle zu beantworten; die Fragestellung ist aber durchaus korrekt formuliert: in einer determinierten Welt können die Leute nicht anders handeln, als sie's tun. Also müssen sie's ...
Dass ich auf Deine Frage nicht so ohne Weiteres, also ohne in die ad-hoc-Erklärungskiste mit all den Zeitgeistkritik-Versatzstücken und Multifunktionspauschalargumenten zu greifen, eine Antwort finde, deutet darauf hin, dass die erkenntnisgewinnträchtigen Antworten irgendwie unangenehm für mein eigenes Ego sein könnten. Oder, um mal eben, weil's das eigene Nachdenken gemütlich substituiert, einen alten DÄ-Song zu zitieren:
"Es ist nicht deine Schuld,
dass die Welt ist, wie sie ist.
Es wär nur deine Schuld,
wenn (falls *Sprachnazihüstel*) sie so bleibt."
Das mag ich nicht. Hört sich so an, als müsse man irgendwas tun, am Ende noch das Richtige. An dem Punkt der Kontemplation angekommen knarzt es hinten in den Rückgrat-Knochen und ich fühl mich viel zu alt für diesen Sch...
Aber okay, Schluss mit dem Geschwafel, zumindest kann man ja mal einen Problemanalyse-Anfang wagen: Die Bereitschaft, online über die Stränge zu schlagen und waghalsig mit Straftaten zu drohen, deutet auf zweierlei hin:
Erstens, dass man sich so viel in virtuellen Räumen aufhält, dass man verlernt, bzw. gar nicht erst ausreichend erlernt, soziale Mechanismen in der analogen Welt (Morddrohungen können Strafanzeigen nach sich ziehen, und dann muss man am Ende ganz physisch mit Bus, Bahn, Auto oder zu Fuß vor den Kadi reisen) zu durchschauen. Das wäre ein tatsächlich quantitativ zu beschreibender Zusammenhang: Weniger Smartphone, PC oder Tablet --> näher an einer Problem(auf)lösung dran. Es könnte - mein Name sei Konstruktivus Maximus - Online-Zeit mit einer Art Gesundheitsgebühr belegt werden: pro Stunde z.B. zwanzig Cent. Oder Euro, dann entfaltet es womöglich echte Lenkungswirkung... Die solcherart generierten Einnahmen könnten zielgerichtet und zweckgebunden in eine bessere sozial- und psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Gebieten und rund um die von gestrandeten Walen heimgesuchten Ostseegebiete investiert werden. (Wär selbstverständlich politisch nicht umzusetzen, weil der Leidensdruck durch Phänomene wie die in Deinem zitierten Bericht noch viel zu gering ist.)
Zweitens: Dass da irgendwo gewaltiger Frust vorliegt, für den "Hasstaten" dann die manifesten Symptone sind. Da könnte man nun nach Frust-Gründen suchen und schauen, ob die in letzter Zeit zugenommen haben. Aber nicht alles, was auf den ersten Blick wie Hass aussieht, ist auch Hass*. Es kann sich auch um schiere Lust an der Übergriffigkeit handeln, um eine Unterversorgung emotionaler Reize: um Langeweile, die Suche nach echten Abenteuern in einer zunehmend entzauberten Welt, das Bedürfnis nach Bedeutung und gespürter Wirk-Macht: Nervenkitzel, Adrenalinpegel...
Ich bin da jetzt schon wieder ganz auf der biologistischen Schiene, aber vielleicht ist ja was dran an folgendem Gedanken: Wir Menschen sind nicht nur auf soziale Kooperation hin evolviert, sondern auch auf erfolgreiche Konfrontation und Aggression. Darauf, in Gefahrensituationen zu handeln. In einer durchregulierten Welt ohne konkrete, aktuell fassbare Gefahren (Klimawandel und Rentenlöcher in der nächsten Jahrhunderthälfte sind keine solchen) fehlen den Leuten solche Erfahrungen existentieller Bedrohung und des sich in ihnen Bewährens. Sie wollen kämpfen. Also richtig kämpfen, so mit Feind und Sieg oder Niederlage, mit einer Richtung, in welche geschlagen und getreten, gekratzt und gespuckt werden kann. Dazu sind wir Menschen (Männer vermutlich noch stärker als Frauen) genetisch eingerichtet - körperlich und psychisch**.
Mit dieser allgemeinmenschlichen Disposition, sich in Gefahren- und Kampfsituationen zu begeben, umzugehen - darin besteht ganz allgemein das Projekt der Zivilisation. Und dazu gehört vermutlich auch, Räume für Enthemmungsserfahrungen zu lassen oder gar anzubieten.
Die in dem Artikel Kritisierten sollte man vielleicht einmal in einen echten Fightclub schicken, damit sie sich wieder richtig lebendig fühlen können. Schade, dass es den nur als Kunstwerk gibt...
*Hass bezieht sich nicht auf einen beliebigen Gegenstand. Man kann sich nicht aussuchen, was oder wen man hasst, der Hassende ist gleichsam unfrei, dem Objekt seines Hasses verfallen. Hass lässt sich nicht kanalisieren, im Gegensatz zur Wut. Die ist im Vergleich sozusagen a priori vorhanden - und kann sich dann recht frei in der Wahl ein Objekt suchen, sei es ein dickes Mädchen in der Nachbarschaft, ein Idiot mit tuntiger Hosenfarbe an der nächsten Ampel oder ein Verwaltungsangestellter in einer kleinen Ostseegemeinde mit Walalarm...
** Von Dschingis Khan stammt angeblich dieses Zitat: "Das größte Glück ist es, deine Feinde zu besiegen, sie vor dir zu jagen, sie ihres Reichtums zu berauben, ihre Lieben in Tränen zu sehen, ihre Frauen und Töchter an deine Brust zu rücken. Die größte Freude eines Mannes ist es, seine Feinde zu vernichten." Im Film Conan der Barbar wurde das paraphrasiert: "Was ist das Beste im Leben? Seine Feinde zu zermalmen, sie vor sich hertreiben zu sehen und das Wehklagen der Frauen zu hören." Ob das so stimmt - pauschal - sei mal dahingestellt. Aber es resoniert offenbar bei vielen quer durch die Jahrhunderte und deutet auf eine nicht ganz liebenswerte Wahrheit hin: dass daraus, andere zu demütigen und ihnen Schmerzen und Leid zuzufügen, in bestimmten Zusammenhängen und selbstverständlich auch typabhängig Lust generiert werden kann. In uns allen steckt, von der evolutiven Selektion begünstigt, ein kleiner (oder manchmal eben auch größerer) Sadist.
Es könnte - mein Name sei Konstruktivus Maximus - Online-Zeit mit einer Art Gesundheitsgebühr belegt werden: pro Stunde z.B. zwanzig Cent. Oder Euro, dann entfaltet es womöglich echte Lenkungswirkung
Bevormundung!
(Das ist ja inzwischen auch ein beliebter Reflex)
Darauf, in Gefahrensituationen zu handeln. In einer durchregulierten Welt ohne konkrete, aktuell fassbare Gefahren (Klimawandel und Rentenlöcher in der nächsten Jahrhunderthälfte sind keine solchen) fehlen den Leuten solche Erfahrungen existentieller Bedrohung und des sich in ihnen Bewährens.
Die sollen sich dann lieber bei Ballerspielen abreagieren.
Oder im Haushalt: Da gibt haufenweise Daily Quests, 1586 Level und so viele Quest-Gebiete, die kannst Du gar nicht alle schaffen. Und der heftigste Dungeon ist der Wäschekeller. Der Wäscheberg ist ein Endgegner, den ich noch nie bezwungen habe.*
Ansonsten ist da, denke ich, hauptsächlich Frust dabei.
Das Blöde ist, dass das inzwischen demokratiegefährdende Ausmaße annimmt. Ich weiß, ich hab schön öfter zitiert:
Wir beobachten eine sichtbare Verrohung der Sprache im realen Leben, als auch im Netz. Wut, Ängste und Verunsicherungen werden auf allen Seiten immer größer. Die Grenze des Sagbaren hat sich verschoben und eine hasserfüllte, diskriminierende und verrohte Sprache ist fast schon salonfähig geworden. Laut der dbb-Bürgerbefragung nehmen dies 80 Prozent der Befragten wahr. Einige Medienvertreter, teilweise aber auch Politiker, betreiben eine Empör-, Protest- und Betroffenheitspolitik, ohne den komplexen Zusammenhängen von gesellschaftsrelevanten politischen Entscheidungen auf den Grund zu gehen. Die Simplifizierung von Aussagen, die Begrenzung auf eine alternativlose Lösung oder aber das Anbieten von einfachen Lösungen oder die Kritik um das Kritisieren Willens schüren Wut und Ängste und führen zu einer gefühlten Hilflosigkeit, die in Hass umschlagen kann. Von dieser Entwicklung ist auch die Debattenkultur in der Politik bis hin die kommunale Ebene betroffen. Insbesondere die AfD trägt dazu bei, den öffentlichen Diskurs zu verändern. Es werden Grenzüberschreitungen durch verbale Provokationen begangen, Falschnachrichten und Desinformationen verbreitet und vielerorts eine effektive politische Arbeit verhindert.
[…]
In den sozialen Netzwerken findet sich für jede noch so groteske Meinung ein Verbündeter, jede noch so schräge These findet ihre Belege, jeder menschenverachtende Aufruf zur Beleidung, Bedrohung oder Selbstjustiz findet andere Nutzer, die liken, teilen und weiterverbreiten. Während früher die Wut an der Tür des Stammtisches endete, besteht heute über soziale Netzwerke die Möglichkeit, sich sekundenschnell Verbündete und darüber hinaus auch Anerkennung zu suchen und vor allem zu finden. Gleichzeitig wird Hass und Hetze schon zur „Normalität“, dass vielen Nutzer*innen überhaupt nicht bewusst ist, dass ihre Äußerungen auch im Internet strafbar sind. Hier steht nicht etwa der Austausch über Inhalte im Vordergrund, sondern die Suche nach Anerkennung durch Provokation und immer öfter auch das Brandmarken einzelner Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als Projektionsfläche für die eigene Unzufriedenheit. Viele Täter fürchten im Netz keine unmittelbaren Konsequenzen und verstecken sich hinter einem anonymen Profil. Dagegen sind die Folgen für die Betroffenen oft schwerwiegend und die Möglichkeiten, dagegen vor zugehen, rufschädigende, rechtswidrige und schlicht weg falsche Informationen, richtig zu stellen und zu intervenieren, sehr begrenzt. Die Folgen sind, das Mei den oder der Verzicht auf Meinungsäußerungen im Netz. Dies gefährdet die Demokratie.
* basierend auf einem Netzfund
@alescha Bevormundung!
Erwischt! Da hatte mich mal wieder meine preußischlinksgrünversiffte Anlage zum Autoritären und zur Regelungsmanie übermannt.
Der Wäscheberg ist ein Endgegner, den ich noch nie bezwungen habe.*
😀 😀 😀
Als alter Zocker kann ich über solche Luxusproblemchen freilich nur mitleidig lächeln. Solche Endgegner besiegt man locker, indem man die Grafikeinstellungen bis zum Anschlag runterregelt. In der guten alten Zeit vor DirectX, als all der Chichi noch nicht die Welt verstopfte, hatten die Leute zwei Hosen - eine für die Woche und eine für sonntags. Und statt in den Wäschekeller gingen die Weiber runter zum Fluss. 😎
Das Blöde ist, dass das inzwischen demokratiegefährdende Ausmaße annimmt. (...) Wir beobachten eine sichtbare Verrohung der Sprache im realen Leben, als auch im Netz. Wut, Ängste und Verunsicherungen werden auf allen Seiten immer größer. Die Grenze des Sagbaren hat sich verschoben und eine hasserfüllte, diskriminierende und verrohte Sprache ist fast schon salonfähig geworden (...)
Nun ja. Ich kann da nur begrenzt "mitgehen". Allein schon weil ich ja Demokratie nicht als Selbstzweck verstehe. Die "sichtbare Verrohung der Sprache" mag letzten Endes nur darin, in der Sichtbarkeit, sich von den guten alten Zeiten unterscheiden. Sie mag, so spekuliere ich jetzt mal fröhlich vor mich hin, Ausdruck der Zwänge des kapitalistischen Systems sein insofern, als rohe Sprache sehr effektive Sprache ist: schnell und ohne viel aufwand können mit ihr Emotionen, insbesondere Wut und Frustration, transportiert werden. Und ist nicht dies der Kern, das Innerste des Kapitalismus'? Größtmögliche Effektivität im Kampf aller gegen alle?
Während früher die Wut an der Tür des Stammtisches endete, besteht heute über soziale Netzwerke die Möglichkeit, sich sekundenschnell Verbündete und darüber hinaus auch Anerkennung zu suchen und vor allem zu finden.
Nun ja, wo Qualität schmerzlich vermisst wird, muss sie eben durch Quantität ersetzt werden. Bekanntlich sind die Leute heute so einsam wie nie zuvor. Die gemeinsame Stammtisch-Wut, die übrigens nicht an der Kneipentür endete, sondern unterm Nürnberger Lichterdom, konnte zwar nicht so ratzfatz Reichweite entfalten, aber das Gemeinschaftserlebnis war dennoch viel intensiver, der Geruch von Zigaretten, Schweiß und Bier, das Aufdentischhauen, dass einander Umarmen und vielstimmige Mitgröhlen der Songs aus der Jukebox... das war pro Einheit viel intensiver als das Absetzen eines Postings und dann das ständige Tippen auf F5, bis die ersten Reaktionen eintrudeln, falls sie's denn tun... Von wegen Möglichkeit, sich sekundenschnell Verbündete zu suchen! In der höllischen Kakophonie der asozialen Netzwerke ist das Generieren von Likes und Klicks harte Kärrnerarbeit, weil man doch als kleiner Dödel gar nicht durchdringt. Um doch Aufmerksamkeit zu generieren, die einzige Währung, auf die's im Miasma ankommt, sieht man sich eben gezwungen, ständig die Grenzen des Sagbaren zu erweitern, weil ja alles, was schon an Sagbarem gesagt wurde, von allen als langweilig und vom Algorithmus als vernachlässigenswert empfunden wird. Auch hier sehen wir also wieder die zwingende Faust des kapitalistischen Primats der allumfassenden ökonomischen Verwertbarkeit am Werke: nicht nur den anderen mickrigen Heinis im Miasma gilt es zu gefallen, sondern auch Moloch: wenn das, was einer im Miasma von sich gibt, nicht als Content taugt (wobei Content all das ist, was die User an ihren Empfängnisgeräten hält), dann geht es gnadenlos darin unter, ungehört und ungelesen. Du hattest den anfangs verlinkten Artikel offenbar von Fratzenbuch, also einer jener Plattformen, auf welchen dieses Prinzip bis zum Exzess durchgezogen wurde und immer noch durchgezogen wird. Vermutlich wäre Dir der Artikel nicht in die Timeline gespült worden, wenn nicht solche Formulierungen wie die von mir oben Zitierten darin vorgekommen wären.
Womöglich gilt hinsichtlich des von Dir zur Diskussion gestellten Problem eben das, was generell hinsichtlich des Problems von Mord und Totschlag, von Gewalt und Gegengewalt, insbesondere von Krieg gilt: Selber erstmal nicht mitmachen. Damit beendet man's nicht. Aber man macht sich selbst nicht mitschuldig. In der Hinsicht fand ich Jesus ziemlich pfiffig...
Und statt in den Wäschekeller gingen die Weiber runter zum Fluss.
So alt bist Du dann doch nicht. 😄
Du hattest den anfangs verlinkten Artikel offenbar von Fratzenbuch, also einer jener Plattformen, auf welchen dieses Prinzip bis zum Exzess durchgezogen wurde und immer noch durchgezogen wird. Vermutlich wäre Dir der Artikel nicht in die Timeline gespült worden, wenn nicht solche Formulierungen wie die von mir oben Zitierten darin vorgekommen wären.
Doch. Weil ich den Kanal abonniert habe.
Überhaupt scheint das Fratzenbuch bei mir nicht so zu funktionieren, wie es gerne behauptet wird. Ich würde z.B. erwarten, dass mehr AfD-Content bei mir aufschlägt, tut es aber nicht. Oder nur selten (und wird dann ggf. geblockt mit dem Vermerk, dass mir der Creator nicht gefällt).
Es wird ja sowieso eifrig diskutiert, wie man den Algorithmus beeinflussen kann, welche Auswirkungen Daumen-hoch-, Heul- oder Wutsmileys haben. Oder der allseits beliebte Deppensmiley. Oder wie man auf wen antworten soll. Und dass man bekloppte Screenshots beim posten durchstreichen oder sonstwie verändern soll, um die Reichweite einzuschränken. Aber wer weiß, wie das wirklich funktioniert.
@alescha Doch. Weil ich den Kanal abonniert habe.
Zu dem Zeitpunkt, an welchem Du ihn abonniertest, waltete dort also noch durchgängig ein unaufgeregt nüchterner Tonfall? 😉
Es wird ja sowieso eifrig diskutiert, wie man den Algorithmus beeinflussen kann, welche Auswirkungen Daumen-hoch-, Heul- oder Wutsmileys haben. Oder der allseits beliebte Deppensmiley. Oder wie man auf wen antworten soll. Und dass man bekloppte Screenshots beim posten durchstreichen oder sonstwie verändern soll, um die Reichweite einzuschränken. Aber wer weiß, wie das wirklich funktioniert.
Ich: es funktioniert unter'm Strich sozial destruktiv, weil Engagement, d.h. Klickzahlen und Verweildauern sich per Streitschüren halt am kostengünstigsten erhöhen lassen. Ist dieser Befund nicht im Grunde genommen der Ausgangspunkt des hier von Dir gestarteten Threads?
Zu dem Zeitpunkt, an welchem Du ihn abonniertest, waltete dort also noch durchgängig ein unaufgeregt nüchterner Tonfall?
🤔
Vermutlich nicht.
Den erwarte ich aber auch gar nicht.
Ich behaupte auch nicht, dass ich selbst den durchgehend pflege. Ich bemühe mich darum, scheitere aber vermutlich öfter als mir lieb ist.
Das ist aber auch nicht das Thema.
Es geht doch nicht um Beiträge, die parteiisch sind oder auch mal deutlich sagen, was man von bestimmten Personen und deren Meinungen hält. Ich dachte, das sei klar geworden.
Es geht mir um Verhaltensweisen, die grob beleidigend sind, sich in Gewaltphantasien ergehen oder gar Gewalt androhen. Bis dahin, dass Leute ihrem Beruf nicht mehr unbehelligt nachgehen können oder sich gar umbringen.
Ich: es funktioniert unter'm Strich sozial destruktiv, weil Engagement, d.h. Klickzahlen und Verweildauern sich per Streitschüren halt am kostengünstigsten erhöhen lassen. Ist dieser Befund nicht im Grunde genommen der Ausgangspunkt des hier von Dir gestarteten Threads?
Nicht nur. Das geht ja schon so weit, dass man im Verlag, im Amt, in der Praxis oder sonstwo anruft oder E-Mails schreibt. Oder vor Wohnungen "Spaziergänge" veranstaltet. Also nicht nur feinselige Kommentare in den sozialen Medien hinterlässt, sondern anruft, mailt oder vor der Wohnung erscheint.
Die Geschichte mit dem Wal ist ja nur ein Beispiel von vielen.
@alescha Es geht doch nicht um Beiträge, die parteiisch sind oder auch mal deutlich sagen, was man von bestimmten Personen und deren Meinungen hält. Ich dachte, das sei klar geworden.
Es geht mir um Verhaltensweisen, die grob beleidigend sind, sich in Gewaltphantasien ergehen oder gar Gewalt androhen.
Das hatte ich schon so verstanden, aber meiner Ansicht nach haben wir hier nicht voneinander unabhängige Sachverhalte, sondern eben eine Entwicklung, startend von einer zivilisierten, nüchternen und auf die jeweiligen inhaltlichen Streitpunkte konzentrierteren Kommunikation hin zu einer Kommunikation, die immer unzivilisierter, immer emotionaler, immer stärker auf den Konflikt an sich zentriert ist. Und irgendwann ist der Ton der Kommunikation eben an dem Punkt angelangt, wo man entweder "aufgibt" oder den nächsten Schritt der Aggressions-Eskalation macht und Taten folgen lässt. Aus Trash-Talk werden konkrete, ernsthaft verletzen wollende Beleidigungen, wenn auf die nicht (verletzt) reagiert wird, droht man eben oder, ganz am Ende des Spektrums, setzt die Drohungen in konkrete physische Gewalt um.
So eskalierten Interessenskonflikte in der Vergangenheit auch: bevor man den anderen tötete, wurde - mal ausführlicher mal in sehr abgekürzter Weise - die verbale Eskalationsleiter hochgekraxelt.
Im Miasma wurden wir darauf geprägt, "die anderen", d.h. die Meinungsgegner oder die Gegenpartei in einem echten Interessenskonflikt schneller als einen Feind zu betrachten, mit dem ein zivilisierter Austausch, ein Verhandeln der Positionen nicht der Mühe wert sei, ja allein der Versuch, Kompromisslösungen zu finden, als Verrat in der Sache empfunden wird. Annika Brockschmidt hat in "Amerikas Gotteskrieger" (wie oft hab ich das Buch hier im Forum schon genannt und gepriesen? 😉 ) davon berichtet, wie das Freund-Feind-Denken seitens der republikanischen Strategen systematisch lanciert wurde. Schon bevor der Durchlauferhitzer der asozialen Medien die Sache so richtig in's Rollen brachte: indem sie Listen von besonders drastischen Begriffen/Bezeichnungen aufstellten, welche in den Reden republikanischer Politiker/Republikaner aufzutauchen hatten, um so peu a peu ein kommunikatives Umfeld zu schaffen, in welchem jeder Kompromißansatz verunmöglicht wurde, weil die Gegenseite nicht mehr als der legitime politische Opponent, sondern nur noch als Vertreter des Bösen betrachtet werden konnte. (Nebenbemerkung: Witzigerweise haben wir hier im Thread ja auch schon mal wieder den "Widersacher" genannt bekommen, der irgendwie an der Problematik schuld tragen soll.) So funktioniert eben das Schwarz-Weiss-Denken, das sich Probleme leicht für unlösbar im Kompromisssinne vorstellt: es ist ein ein Grunde religiöses Denken, das ernsthaft die Welt als in einem Konflikt zwischen Gut und Böse sich befindend wähnt.
Dieses Freund-Feind-Denken, zu dem wir im Sinne der weltanschaulichen Komplexitätsreduktion alle neigen (auch Nicht-Religiöse wie ich), gab's immer schon, weswegen die Leute sich ja auch seit ewig schon vorzugsweise die Köppe einschlugen, als nachhaltige Kompromislösungen hinsichtlich faktisch immer wieder mal auftretender Interessenskonflikte zu suchen.
Das Neue ist der Durchlauferhitzer der asozialen - weil mit Profitabsicht im kapitalistischen Wettbewerb betriebenen! - Plattformen, die halt nur dann Gewinn abwerfen, wenn das in Klicks und Verweildauern messbare Engagement der User ausreicht, Werbekunden zu akquirieren. Indem man sich auf diesen Plattformen bewegt und engagiert, belohnt man ihr Geschäftsmodell. Auch wenn man dies nicht will und auch, wenn der Impuls, sie endgültig zu verlassen, stets auf den rationalisierenden Gegenimpuls trifft, dass man dann ja den "anderen" gewissermaßen das Feld überlasse. Früher nannte man dieses Argument, warum jemand sich auf ein niedrigeres Niveau herablasse, als er/sie es eigentlich für anständig hielt: "Die Lufthoheit über den Stammtischen verteidigen."
Ich war lange auf facebook aktiv, auch, weil ich durchaus Lust aus "toughen" Diskussionen ziehe, also aus Spaß an der Freud streitlustig bin. Bis ich erkannte, dass es unter'm Strich diese Platform destruktiv wirkt und meine Streitlust dort nicht wirklich befriedigt wurde, sondern meist nur in Streit-Frust endete.
In den Principia Discordia beschwert sich ja Macalypse der Göttin gegenüber, wie übel es in der Welt zugehe. Die darauf hin (Übersetzungen von mir) antwortet:
“What is the matter with that, if it’s what you want to do?” (Wo ist das Problem, wenn ihr das doch so wollt?)
Malaclypse: “But nobody wants it! Everybody hates it!” (Aber das will ja gar keiner! Alle hassen es!")
Goddess: “Oh. Well, then stop.” (Oh. Na gut, dann hört halt auf.)
Diesen Gedanken hatte ich dann für mich auf meine engagierte Teilnahme an den asozialen Plattformen übertragen, zumindest teilweise (auf YT bin ich immer noch viel unterwegs, weil ich dort, praktisch kostenfrei, Informationen finde, für die ich sonst per Abonnement mehrerer Online-Zeitungen zahlen müsste). Ich sehe inzwischen keinen praktisch realistischen Weg mehr, diese durch das Miasma bedingte Entwicklung zur gesamtgesellschaftlichen Enthemmung, die hier das Threadthema ist, zu beenden oder gar umzukehren. Ich sehe nur die sich jedem Individuum bietende Möglichkeit, selbst dabei nicht weiter mitzumachen. Oder, um es in religiöser Terminologie zu sagen: Die Sünde vermag ich nicht aus der Welt zu bringen. Ich kann nur ganz allein für mich selbst darauf verzichten, zu sündigen.
Im Miasma wurden wir darauf geprägt, "die anderen", d.h. die Meinungsgegner oder die Gegenpartei in einem echten Interessenskonflikt schneller als einen Feind zu betrachten, mit dem ein zivilisierter Austausch, ein Verhandeln der Positionen nicht der Mühe wert sei, ja allein der Versuch, Kompromisslösungen zu finden, als Verrat in der Sache empfunden wird.
Ist so.
Neulich wurde ich sogar als "Blauzi" beschimpft. Jetzt bin ich verwirrt. Bis dahin dachte ich, ich sei eine Linksfaschistin und linksgrünversifft. Jedenfalls war ich das bisher immer laut der "Blauzis".
@alescha Neulich wurde ich sogar als "Blauzi" beschimpft.
Wüsste nicht mal, was genau so eine Beschimpfung bedeuten soll. 😀
Ich gehe jetzt aber mal davon aus, dass Du's Dir denken kannst.
@alescha Nee, tatsächlich nicht insofern, als ich da zwei diametral entgegengesetze Bedeutungen vermuten könnte. Einmal: Blau (AgD) + Nazi, also dass Du eine AgD-Nazi seiest. Und dann, dass Du nazimäßig hinsichtlich alles Blauen rüberkämst, also die AgD-Faschisten in Nazimanier als Faschisten darstellen würdest...
Bekannt war mir bisher nur die Zusammenziehung "Blaune" (Blau + Braun), dafür wäre dann die erste Bedeutungsvariante, die mir für Blauzi einfiel, einfach nur eine Art Billig-Surrogat, für alle, die nicht wissen, dass braun und nazimäßig praktisch synonym zu verwenden sind.
Da Du mir bisher aber immer deutlich anti-faschistisch vorgekommen bist, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass ausgerechnet Dich jemand mit den AgD-Faschisten in eine Schublade sortieren könnte. Dass man Dich als Zecke oder linkgsgrünversifft zu beleidigen versuchen würde, könnte ich mir jederzeit vorstellen.
Wenn man Dich nun (in traditioneller Terminologie) als Nazi beschimpft - dann hat da ja nur die Gegenseite einfach was nicht verstanden. Ging es Dir darum: das Beispiel anzuführen für die vollständige Konfusion hinsichtlich Freund und Feind, die inzwischen den *hüstel* Diskurs bestimme?
Vermutlich sind meine Beleidigungsterminologiekenntnisse inzwischen etwas veraltet, weil ich ja schon mehrere Jahre nicht mehr das Fratzenbuch frequentiere und mit Whatsapp, X oder Instagramm sogar gar nie erst angefangen hatte - insofern ist es gut möglich, dass mir die letzten dialektischen Volten der Dissing-Kultur im Miasma ganz einfach entgangen sind. Jedenfalls würde ich den Begriff Blauzi, käme er z.B. in irgendeinem Standup-Commedy- oder Satire-Beitrag vor, nur schwer verstehen und entsprechende Pointen vermutlich einfach verpassen. Aber was man nicht mitkriegt, juckt einen bekanntlich weniger. 😉
Da Du mir bisher aber immer deutlich anti-faschistisch vorgekommen bist, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass ausgerechnet Dich jemand mit den AgD-Faschisten in eine Schublade sortieren könnte.
Doch. Ist mir neulich tatsächlich passiert.
Hintergrund war die Meldung, dass Marla-Svenja Liebich im härtesten Männerknast Tschechiens gelandet ist. Man kann sich die Kommentare vielleicht vorstellen. U.a. kam das Wort "Seife" da häufiger vor. Ein Kommentar dünkte mich da obendrein noch frauenfeindlich, ich wagte Kritik, was mir als Unterstützung Liebichs ausgelegt wurde und zack war ich ein Blauzi.
Wenn man Dich nun (in traditioneller Terminologie) als Nazi beschimpft - dann hat da ja nur die Gegenseite einfach was nicht verstanden. Ging es Dir darum: das Beispiel anzuführen für die vollständige Konfusion hinsichtlich Freund und Feind, die inzwischen den *hüstel* Diskurs bestimme?
Ja.
Bzw. die Definition dessen, was als Feind zu betrachten sei. Und da bist du schon der Feind, wenn du nur eine minimal abweichende Auffassung vertrittst. Oder z.B. zur Mäßigung, Sachlichkeit o.ä. aufrufst.
Aber was man nicht mitkriegt, juckt einen bekanntlich weniger.
Wenn Du doch mal Nachhilfe bei den dialektischen Volten der Dissing-Kultur brauchen solltest, stehe ich gerne zur Verfügung.
@alescha Wenn Du doch mal Nachhilfe bei den dialektischen Volten der Dissing-Kultur brauchen solltest, stehe ich gerne zur Verfügung.
Die wurde mir ja gerade erteilt. 😀
@der_alte Den kannte ich auch noch nicht; ist aber sprachlich deutlich lustiger.
@jack-black wenn Du die Blaumiesen meinst: Die haben mit der AfD nichts zu tun (diese wird im Netz auch von Gegnern immer wieder als AgD bezeichnet), die Blaumiesen sind die Bösewichter aus dem Film "Yellow Submarine" 🙂 Gibt in Bezug auf DE auch die "Blaunen.
@jack-black P.S.: auch gerne in "Diskussionen" eingesetzt: "Tut es arg weh, Blondie?", "Ganz ruhig, Brauner". Verfolge "Diskussionen" aller Art auf FB. Da kriegt man so einiges an Politslang mit. Möchte man es ganz derb, dann auf X gehen. Da gibt es dan bspw. einen den ich links einordne und der seine eigen Hatergruppe hat.
Wie das Ganze eskalieren kann sieht man am Drachenlord.
Im Netz wird schon immer rumgezofft, früher halt in Mailboxnetzen (Fido, LifeNet, Churchmail), später dann bspw. bei CVMX-Usenetserver (gibt es nicht mehr m.W.).
"Zivilisiert" ging es im Usenet (den Erzählungen der Altvorderen nach) bis zum Eternal September in 1993 zu, als das bis dahin kleine Usenet von AOL aus ereichbar war und damit eine große Anzahl anders "sozialisierter" User dazukamen.
Als ich Usenet via DFN ab 2001(?) kennenlernte: Da ging es mitunter wild zu und rund...
Eine AOL-Adresse war damals keine zwingend gute Visitenkarte, als ich 2000 bei einem Bewerbungsgespräch war wurde mir gesagt dass sie sich überlegt hatten mich einzuladen, weil ich eine AOL-Adresse nutzte und man über AOL als "Army of Losers" spottete.
@der_alte P.S.: auch gerne in "Diskussionen" eingesetzt: "Tut es arg weh, Blondie?", "Ganz ruhig, Brauner". Verfolge "Diskussionen" aller Art auf FB. Da kriegt man so einiges an Politslang mit.
Was hat das mit Politslang zu tun? Nee, lass mal, die Frage war rein rhetorischer Art. Fühle mich nur gerade wieder darin bestätigt, FB den Rücken gekehrt zu haben.
Wie das Ganze eskalieren kann sieht man am Drachenlord.
Dass die causa mir überhaupt ein Begriff ist - dafür schäme ich mich. Aber na gut - als Referenzfall darf man sich sowas wohl als zur Allgemeinbildung hinzgehörend schönreden.
@jack-black es bezieht sich auf Politik und wird eigentlich nur eingesetzt um den Gegner zu reizen. Rein rhetorisch.
Ist bei X noch ne Ecke derber, da wird noch weniger moderiert.
FB mag ich sehr gerne, gibt ja auch anderen Content und interessante Werbung durch die ich auf so manchen aufmerksam wurde. Schreibe selbst fast nichts, teile nur wenig, wenn dann Content der unkritisch ist, schaue dafür aber nach was sich in meiner extrem heterogenen Timeline so treibt (und kann dich dann informieren -> nicht wahr @ga2 ? 😍 😍 😍 😍 )
😅😘
Nachdem du mir ja immer telefonisch berichtest, wenn du mich mal wieder erwähnt hast hier 🤭😘, musste ich mich jetzt doch mal wieder anmelden. ❤️
Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Facebook nicht unbedingt gut tut. 😉
Klar erfährt man auch mal was interessantes, aber in manches wird man auch „hineingezogen“.
Weiter möchte ich das jetzt auch nicht ausführen. 😉
Schön, dass du inzwischen akzeptiert hast, dass ich selbst kein fb mehr möchte. ❤️ Und du schreibst ja selbst, dass du mich gerne immer über alles mögliche (und vor allem unmögliche) was du dort so liest, auf dem Laufenden hältst…😅.
❤️
Das ist dann fb second read sozusagen. 😅
@ga2 Facebook ist recht harmlos 😘 X ist was anderes.
Auf FB kann ich halt schnell alle Seiten sehe, dazu noch Rezepte, Katzen und ob ein Promi tot ist.
Fukushima kriegte ich m.W. zuerst auf FB mit.
Habe selbst X ewig nicht verstanden wie das funktioniert 😘
Ist ja zum Glück nicht nur rainer Unsinn dort, sondern ich lese auch viel anderes.
Da ist Youtub momentan nerviger mit seinen Videos (die Leute reinstellen) und die nach Clikcbait "riechen", liegt halt auch daran was ich alles angeschaut habe...
Sind ja überall Algorithmen, wobei die FB mag ich, da sehe ich dann Werbung und damit neue Dinge die ich verschenken kann bspw. 🙂 😊 😍 😍 😊
Veröffentlicht von: @aleschaWenn man in den sog. sozialen Medien unterwegs ist, erlebt man ja so einiges an Hass und Hetze, Gewaltphantasien und Todesdrohungen gegen Andersdenkende und Andersseiende.
Diese sogenannten sozialen Medien verführen allein durch ihre Anonymität und leichte Verfügbarkeit. Sie zeigen dadurch ein Bild, unterdrückt worden zu sein, welches, neben weiteren Aspekten, Wut und Hass entstehen lässt.
Das ist sicher ein Faktor, wobei erschreckend ist, dass sogar Leute mit ihrem Klarnamen so ausfällig werden.
Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor?
Wer kann das schon sagen...?
Ich vermute mal, es wird ähnlich sein wie bei Fußball-Hooligans - denen geht es ja auch nicht um Fußball, sondern um einen Vorwand für Gewalt.
Was den "angeblichen" Meeresbiologen betrifft: Ja, der Typ ist Youtuber und Meeresbiologe und macht manchmal gute und lehrreiche Videos, manchmal nervt er auch mit seiner Art. Und wenn die Zuständigen dort es ihm gestatten, sich einzumischen und sich in Szene zu setzen, dann müssen sich sich auf fragen lassen, aufgrund welcher Qualifikation genau die ihn denn haben machen lassen... aber das ist ja nicht das Thema hier.
Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor?
Nichts. Hier wird nicht reflektiert, nachgedacht, abgewogen, auseinandergesetzt, … In den Köpfen geht nichts vor und nichts zurück. Ich führe das auf eine Art Reflex zurück. Leben ist nicht wie erwünscht (und gleichzeitig zu komplex, was man sich nicht zugestehen möchte), also braucht es Feindbilder, über die man sich abreagieren kann. Letztendlich ist ein Ausdruck von Hilflosigkeit - mit zerstörerischer Wirkung. Versuch einer einfachen Antwort.
Mich interessiert das Thema.
Ich habe jetzt mal fünf Punkte als Gründe für den Hass im Internet gelistet. Diese können auch als Kausalkette betrachtet werden:
1. Informations-Überflutung: Die Gesellschaft ist heute an der schieren Menge an Information überfordert. Unsere Gehirne sind nicht für die Verarbeitung von so viel und komplexer Information gemacht.
2. Suche nach Vereinfachung (Kategorienfehler): Um mit dieser Informations-Flut zurecht zukommen, versucht jedes Individuum nach einfachen Erklärungen und Mustern. Dabei entstehen Kategorienfehler, wie bspw. die Auffassung, Feminismus sei politisch links oder Rassismus sei rechts. Mit den jeweiligen Zuschreibungen werden die eigene "Lager-Zugehörigkeit" sowie Feindbilder zementiert. Diesem Punkt könnte auch die Filter-Blasen-Thematik angefügt werden.
3. Nur wer laut (böse) ist, wird - vor dem Hintergrund dieser Informationsflut - auch gehört. Hasserfüllte Posts und Äusserungen werden nicht nur verstärkt wahrgenommen, sondern auch um ein Vielfaches häufiger geteilt. Die sachlichen, freundlichen, anständigen Kommentare werden kaum jemals zitiert, so sie überhaupt wahrgenommen werden.
4. Die Anonymität: Wer sich laut und böse mitteilt, kann das im Internet anonym tun. Man braucht sich auch nicht mit einem Gegenüber zu befassen. Es wird kaum daran gedacht, dass es sich bei dem Gegenüber um einen Menschen handelt, da man ja nur einen Text sieht. Es entsteht eine "Wir gegen die anderen"-Dynamik. Empathie, den Standpunkt des Gegenübers nachzuvollziehen und zu verstehen, wird unnötig.
5. Bad Guys an der Macht: In den wichtigsten Machtpositionen dieser Welt sitzen heute erfolgreiche Bad Guys mit unermesslichem Reichtum, die ihr Verhalten als "Vorbilder" vorleben. Dabei liefern sie die ideologische Rechtfertigung für den Hass im Internet und machen ihn gesellschaftsfähig.
Das vorerst mal meine Gedanken zu diesem Thema.