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Wozu Religionsunterricht an der Schule?

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29398

Ich möchte hier mal die Diskussion aus dem Thema "Woke Werte" auslagern, weil ich denke, dass es hier doch um andere Dinge geht.

Grundlage war die Tatsache, dass Religionsunterricht nach unserem Grundgesetz in öffentlichen Schulen angeboten werden muss (Als einzig dort erwähntes Fach).

Ich halte den Religionsunterricht zu einem bestimmten Bekenntnis an der Schule für einen Fehler. Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.

Meiner Ansicht nach steht der Religionsunterricht dem Lehrauftrag, die Schüler zu einem kritischen Denken zu ermutigen, entgegen. Denn Religion beruht darauf, dass Behauptungen geglaubt werden, nicht dass sie kritisch überprüft werden. Schlimmer noch: Wenn auch der Islam als weiterer Religionsunterricht angeboten wird, dessen Inhalte ebenfalls als "wahr" dargestellt werden, dann wird den Schülern im wesentlichen eines vermittelt: "Wahrheit" ist keine Frage der Argumentation und rationaler Überlegungen, sondern der Gruppenzugehörigkeit.

Genau das ist es aber, was unsere Demokratie und Gesellschaft zur Zeit am meisten gefährdet: Es geht nicht mehr darum, wer die beste Argumentation hat oder Behauptungen zu hinterfragen - es geht darum, zu welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt, und deren Behauptungen übernimmt man dann als die Eigenen.

Persönlich denke ich, dass religiöse Inhalte auf jeden Fall zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch an der Schule vermittelt werden sollten - also "Wer war Abraham?", "Was hat Mohammed gemacht?", "Wer war Jesus?" oder "War war Salomon?". Auch die Bedeutung religiösen Glaubens in der Geschichte gehört zu einer Bildung auf jeden Fall dazu.

Was nicht dazu gehört ist die Vermittlung religiöser Inhalte als vermeintliche Wahrheit. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil ja verschiedene "Wahrheiten" angeboten werden - und damit wird kritisches Hinterfragen, was gerade in der heutigen Zeit absolut wesentlich ist, geradezu zunichte gemacht. Wie will man Schülern Medienkompetenz vermitteln, wenn man ihnen gleichzeitig beibringt, einen 2000 Jahre alten Text unbesehen zu glauben?

Ich erwarte hier nicht viel Zustimmung... bin aber doch gespannt auf die Diskussion, welchem Zweck der Religionsunterricht eurer Meinung nach dienen sollte.

Antwort
121 Antworten
Tatokala
Beiträge : 4579

@lucan-7  Also, ich komme diesmal bei deinem Beitrag nicht ganz mit.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.

 Wie kommst du darauf, daß das der Fall ist?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Persönlich denke ich, dass religiöse Inhalte auf jeden Fall zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch an der Schule vermittelt werden sollten - also "Wer war Abraham?", "Was hat Mohammed gemacht?", "Wer war Jesus?" oder "War war Salomon?".

Ich dachte, daß sollte auch Gegenstand des Religionsunterrichts sein?

 

Oder geht es hier um einen begründeten Einzelfall und ich habe es nicht kapiert?

tatokala antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@tatokala 

 Wie kommst du darauf, daß das der Fall ist?

Weil in der Regel Angehörige der jeweiligen Konfession den Unterricht gestalten und dieser dann logischerweise nicht neutral ausfällt.

Das muss nicht immer so sein... aber es ist ausdrücklich vorgesehen.

 

Ich dachte, daß sollte auch Gegenstand des Religionsunterrichts sein?

Ja, aber konfessionsgebundener Unterricht ist ja nicht neutral in dieser Frage.

 

 

lucan-7 antworten


DerElch
Beiträge : 2120

@lucan-7 

Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.

Es ist sehr zweifelhaft, dass das so passiert. 

derelch antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@derelch 

Es ist sehr zweifelhaft, dass das so passiert. 

Es ist aber ausdrücklich vorgesehen. Wie sonst soll man es denn verstehen, dass dort ausdrücklich Angehörige der jeweiligen Konfession etwas über ihren eigenen Glauben lehren sollen?

 

 

lucan-7 antworten
DerElch
(@derelch)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 2120

@lucan-7 

Es ist aber ausdrücklich vorgesehen.

Das passiert trotzdem nicht. In aller Regel wird Religion nicht von evangelikalen Hardlinern unterrichtet. 

Wie sonst soll man es denn verstehen, dass dort ausdrücklich Angehörige der jeweiligen Konfession etwas über ihren eigenen Glauben lehren sollen?

Ja wer soll denn sonst machen? Atheisten die keinen blassen Dunst von Religion haben? 

 

derelch antworten
Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

Konfession spielt im Religionsunterricht nicht unbedingt eine Rolle. Ich kenne Grundschüler die hatten das erste Halbjahr einen evangelischen Pfarrer und das zweite Halbjahr einen katholischen Religionspädagogen.

jigal antworten
4 Antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 962

@jigal Merkwürdig. Das scheint von Bundesland zu Bundesland verschieden zu sein. Das Grundgesetz sieht das jedenfalls nicht vor.

mikefrommuc antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@mikefrommuc   Gut das war auch während der Pandemie, ich selbst hatte vor grob 30 Jahren aber auch nur das Angebot des römisch-katholischen Religionsunterrichts. Rein katholische Themen gab es da ja auch nicht. Die Shoah war da glaube ich auch mal Thema.

jigal antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 8520

@jigal 

Gut das war auch während der Pandemie

Bei uns unabhängig von der Pandemie.

alescha antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 24 Jahren

Beiträge : 8520

@mikefrommuc 

War bei unseren Kindern auch so. Unsere - im evangelischen Reliunterricht angemeldeten - hatten an der Grundschule auch Reli bei einer katholischen Lehrerin, und an der weiterführenden Schule gab's dann einen katholischen Pastoralreferenten. Umgekehrt wurden die katholischen Kinder mit unserer Pfarrerin konfrontiert. 

alescha antworten


neubaugoere
Beiträge : 19188

@lucan-7 

Selbst wenn. Es sind interessante Gedanken und Sichtweisen, die du da hast. Aber du verschwendest sie meiner Ansicht nach hier. Geh dahin, wo sie etwas bewirken. 

neubaugoere antworten
5 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@neubaugoere 

Selbst wenn. Es sind interessante Gedanken und Sichtweisen, die du da hast. Aber du verschwendest sie meiner Ansicht nach hier. Geh dahin, wo sie etwas bewirken. 

Du möchtest, dass ich ein Volksbegehren anstoße, um den Religionsunterricht abzuschaffen?

Oder was meinst du mit "bewirken" im Sinne dieses Threads?

 

Im Moment "bewirke" ich nur etwas bei mir selbst, indem ich mich mit bestimmten Themen beschäftige.

lucan-7 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@lucan-7 

Ja, auch Gedankenanstöße, wenn du etwas verändern möchtest, gehören an die richtige Stelle: also mit Politikern sprechen, wo auch immer.

Es sei denn, du möchtest gar nichts verändern. Dann natürlich nicht.

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559

@neubaugoere 

Selbst wenn. Es sind interessante Gedanken und Sichtweisen, die du da hast. Aber du verschwendest sie meiner Ansicht nach hier. Geh dahin, wo sie etwas bewirken. 

Seit wann dürfen hier nur Themen diskutiert werden, die "was bewirken"?

tristesse antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@tristesse 

Niemand sprach von "nur hier dürfen".

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2028 Jahren

Beiträge : 20559

@neubaugoere 

Niemand sprach von "nur hier dürfen".

Du sprachst aber von

Geh dahin, wo sie etwas bewirken. 

und das halte ich schon für eine Ansage Deinerseits. 

Wenn es darum ginge, dass hier nur Threads gestartet würden, die nach Deiner oder einer anderen Meinung nach etwas "bewirken", dann steht hier die Hälfte der Threads nicht mehr 😉 

tristesse antworten
Millie49
Beiträge : 356

Ich war an einer kath. Grundschule bzw. kath. Realschule und wir hatten noch Religionsunterricht mit der Bibel zur Hand, was mir persönlich gut gefiel. Es gab natürlich auch evan. Kinder, die aber gesondert "Relli" hatten. Damals (1974-84) gab es noch nicht so viele Muslime in einem Kaff im Rheinland. Die Eltern der Kinder haben dann entschieden, ob ihre Sprößlinge sich in den christlichen Unterricht setzen oder in einer anderen Klasse solange am normalen Unterricht mitmachen. Ab Kl. 8 hieß das Ganze dann Ethik und alle Schüler blieben zusammen. 

Ich fand es nicht falsch in einem christlichen Land christlichen Religionsunterricht zu bekommen, aber heutzutage kommen so viele Kulturen und Glaubensrichtungen zusammen, das es kaum noch möglich ist - außer vielleicht in Bayern 😉. Über Gott, Religion und den Einfluss auf unser Leben kann man auch neutral sprechen, egal ob halt Herrgott, Allah oder JHW. Oder könnte man. Theoretisch. 

Ein christlicher Lehrer kann halt nur von seiner Warte aus sprechen und vermitteln, sollte aber offen sein.   

millie49 antworten
1 Antwort
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 10218

@millie49 

wir hatten noch Religionsunterricht mit der Bibel zur Hand

Noch oder schon? Vor 150 Jahren war ja ein unterschied zwischen ev. und kath. in D, dass ev. ermunterte, in der Bibel zu lesen, während kath. den Laien das Bibellesen verbot …

Kath. Reli mit der Bibel ist in D garantiert erst im 20.Jh. entstanden, vermutlich erst nach 45 (erst nach dem 2.Vat. Konzil?).

hkmwk antworten


GoodFruit
Beiträge : 4219

@lucan-7 Grundlage war die Tatsache, dass Religionsunterricht nach unserem Grundgesetz in öffentlichen Schulen angeboten werden muss (Als einzig dort erwähntes Fach).

Als ich vor vielen Jahren zur Schule gegangen bin, gab es die Möglichkeit "Ethik" zu wählen. Das war in Niedersachsen in den 70iger und 80iger Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das seitdem verschärft oder eingeschränkt wurde.

Ich finde es wichtig, dass den Schülern ethische Werte vermittelt werden. Als Christ finde ich es auch wichtig, dass diese von einem gütigen Gott ausgehen. Aber da es keine Zwangsmissionierungen geben darf und sollte, ist der Ethikunterricht dann die humanistische Alternative.

goodfruit antworten
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