Wozu Religionsunterricht an der Schule?
Ich möchte hier mal die Diskussion aus dem Thema "Woke Werte" auslagern, weil ich denke, dass es hier doch um andere Dinge geht.
Grundlage war die Tatsache, dass Religionsunterricht nach unserem Grundgesetz in öffentlichen Schulen angeboten werden muss (Als einzig dort erwähntes Fach).
Ich halte den Religionsunterricht zu einem bestimmten Bekenntnis an der Schule für einen Fehler. Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.
Meiner Ansicht nach steht der Religionsunterricht dem Lehrauftrag, die Schüler zu einem kritischen Denken zu ermutigen, entgegen. Denn Religion beruht darauf, dass Behauptungen geglaubt werden, nicht dass sie kritisch überprüft werden. Schlimmer noch: Wenn auch der Islam als weiterer Religionsunterricht angeboten wird, dessen Inhalte ebenfalls als "wahr" dargestellt werden, dann wird den Schülern im wesentlichen eines vermittelt: "Wahrheit" ist keine Frage der Argumentation und rationaler Überlegungen, sondern der Gruppenzugehörigkeit.
Genau das ist es aber, was unsere Demokratie und Gesellschaft zur Zeit am meisten gefährdet: Es geht nicht mehr darum, wer die beste Argumentation hat oder Behauptungen zu hinterfragen - es geht darum, zu welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt, und deren Behauptungen übernimmt man dann als die Eigenen.
Persönlich denke ich, dass religiöse Inhalte auf jeden Fall zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch an der Schule vermittelt werden sollten - also "Wer war Abraham?", "Was hat Mohammed gemacht?", "Wer war Jesus?" oder "War war Salomon?". Auch die Bedeutung religiösen Glaubens in der Geschichte gehört zu einer Bildung auf jeden Fall dazu.
Was nicht dazu gehört ist die Vermittlung religiöser Inhalte als vermeintliche Wahrheit. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil ja verschiedene "Wahrheiten" angeboten werden - und damit wird kritisches Hinterfragen, was gerade in der heutigen Zeit absolut wesentlich ist, geradezu zunichte gemacht. Wie will man Schülern Medienkompetenz vermitteln, wenn man ihnen gleichzeitig beibringt, einen 2000 Jahre alten Text unbesehen zu glauben?
Ich erwarte hier nicht viel Zustimmung... bin aber doch gespannt auf die Diskussion, welchem Zweck der Religionsunterricht eurer Meinung nach dienen sollte.
@lucan-7 Also, ich komme diesmal bei deinem Beitrag nicht ganz mit.
Veröffentlicht von: @lucan-7Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.
Wie kommst du darauf, daß das der Fall ist?
Veröffentlicht von: @lucan-7Persönlich denke ich, dass religiöse Inhalte auf jeden Fall zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch an der Schule vermittelt werden sollten - also "Wer war Abraham?", "Was hat Mohammed gemacht?", "Wer war Jesus?" oder "War war Salomon?".
Ich dachte, daß sollte auch Gegenstand des Religionsunterrichts sein?
Oder geht es hier um einen begründeten Einzelfall und ich habe es nicht kapiert?
Wie kommst du darauf, daß das der Fall ist?
Weil in der Regel Angehörige der jeweiligen Konfession den Unterricht gestalten und dieser dann logischerweise nicht neutral ausfällt.
Das muss nicht immer so sein... aber es ist ausdrücklich vorgesehen.
Ich dachte, daß sollte auch Gegenstand des Religionsunterrichts sein?
Ja, aber konfessionsgebundener Unterricht ist ja nicht neutral in dieser Frage.
Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.
Es ist sehr zweifelhaft, dass das so passiert.
Es ist sehr zweifelhaft, dass das so passiert.
Es ist aber ausdrücklich vorgesehen. Wie sonst soll man es denn verstehen, dass dort ausdrücklich Angehörige der jeweiligen Konfession etwas über ihren eigenen Glauben lehren sollen?
Es ist aber ausdrücklich vorgesehen.
Das passiert trotzdem nicht. In aller Regel wird Religion nicht von evangelikalen Hardlinern unterrichtet.
Wie sonst soll man es denn verstehen, dass dort ausdrücklich Angehörige der jeweiligen Konfession etwas über ihren eigenen Glauben lehren sollen?
Ja wer soll denn sonst machen? Atheisten die keinen blassen Dunst von Religion haben?
Konfession spielt im Religionsunterricht nicht unbedingt eine Rolle. Ich kenne Grundschüler die hatten das erste Halbjahr einen evangelischen Pfarrer und das zweite Halbjahr einen katholischen Religionspädagogen.
@jigal Merkwürdig. Das scheint von Bundesland zu Bundesland verschieden zu sein. Das Grundgesetz sieht das jedenfalls nicht vor.
@mikefrommuc Gut das war auch während der Pandemie, ich selbst hatte vor grob 30 Jahren aber auch nur das Angebot des römisch-katholischen Religionsunterrichts. Rein katholische Themen gab es da ja auch nicht. Die Shoah war da glaube ich auch mal Thema.
War bei unseren Kindern auch so. Unsere - im evangelischen Reliunterricht angemeldeten - hatten an der Grundschule auch Reli bei einer katholischen Lehrerin, und an der weiterführenden Schule gab's dann einen katholischen Pastoralreferenten. Umgekehrt wurden die katholischen Kinder mit unserer Pfarrerin konfrontiert.
Selbst wenn. Es sind interessante Gedanken und Sichtweisen, die du da hast. Aber du verschwendest sie meiner Ansicht nach hier. Geh dahin, wo sie etwas bewirken.
Selbst wenn. Es sind interessante Gedanken und Sichtweisen, die du da hast. Aber du verschwendest sie meiner Ansicht nach hier. Geh dahin, wo sie etwas bewirken.
Du möchtest, dass ich ein Volksbegehren anstoße, um den Religionsunterricht abzuschaffen?
Oder was meinst du mit "bewirken" im Sinne dieses Threads?
Im Moment "bewirke" ich nur etwas bei mir selbst, indem ich mich mit bestimmten Themen beschäftige.
Ja, auch Gedankenanstöße, wenn du etwas verändern möchtest, gehören an die richtige Stelle: also mit Politikern sprechen, wo auch immer.
Es sei denn, du möchtest gar nichts verändern. Dann natürlich nicht.
Selbst wenn. Es sind interessante Gedanken und Sichtweisen, die du da hast. Aber du verschwendest sie meiner Ansicht nach hier. Geh dahin, wo sie etwas bewirken.
Seit wann dürfen hier nur Themen diskutiert werden, die "was bewirken"?
Niemand sprach von "nur hier dürfen".
Du sprachst aber von
Geh dahin, wo sie etwas bewirken.
und das halte ich schon für eine Ansage Deinerseits.
Wenn es darum ginge, dass hier nur Threads gestartet würden, die nach Deiner oder einer anderen Meinung nach etwas "bewirken", dann steht hier die Hälfte der Threads nicht mehr 😉
Ich war an einer kath. Grundschule bzw. kath. Realschule und wir hatten noch Religionsunterricht mit der Bibel zur Hand, was mir persönlich gut gefiel. Es gab natürlich auch evan. Kinder, die aber gesondert "Relli" hatten. Damals (1974-84) gab es noch nicht so viele Muslime in einem Kaff im Rheinland. Die Eltern der Kinder haben dann entschieden, ob ihre Sprößlinge sich in den christlichen Unterricht setzen oder in einer anderen Klasse solange am normalen Unterricht mitmachen. Ab Kl. 8 hieß das Ganze dann Ethik und alle Schüler blieben zusammen.
Ich fand es nicht falsch in einem christlichen Land christlichen Religionsunterricht zu bekommen, aber heutzutage kommen so viele Kulturen und Glaubensrichtungen zusammen, das es kaum noch möglich ist - außer vielleicht in Bayern 😉. Über Gott, Religion und den Einfluss auf unser Leben kann man auch neutral sprechen, egal ob halt Herrgott, Allah oder JHW. Oder könnte man. Theoretisch.
Ein christlicher Lehrer kann halt nur von seiner Warte aus sprechen und vermitteln, sollte aber offen sein.
wir hatten noch Religionsunterricht mit der Bibel zur Hand
Noch oder schon? Vor 150 Jahren war ja ein unterschied zwischen ev. und kath. in D, dass ev. ermunterte, in der Bibel zu lesen, während kath. den Laien das Bibellesen verbot …
Kath. Reli mit der Bibel ist in D garantiert erst im 20.Jh. entstanden, vermutlich erst nach 45 (erst nach dem 2.Vat. Konzil?).
@lucan-7 Grundlage war die Tatsache, dass Religionsunterricht nach unserem Grundgesetz in öffentlichen Schulen angeboten werden muss (Als einzig dort erwähntes Fach).
Als ich vor vielen Jahren zur Schule gegangen bin, gab es die Möglichkeit "Ethik" zu wählen. Das war in Niedersachsen in den 70iger und 80iger Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das seitdem verschärft oder eingeschränkt wurde.
Ich finde es wichtig, dass den Schülern ethische Werte vermittelt werden. Als Christ finde ich es auch wichtig, dass diese von einem gütigen Gott ausgehen. Aber da es keine Zwangsmissionierungen geben darf und sollte, ist der Ethikunterricht dann die humanistische Alternative.