Wozu Religionsunterricht an der Schule?
Ich möchte hier mal die Diskussion aus dem Thema "Woke Werte" auslagern, weil ich denke, dass es hier doch um andere Dinge geht.
Grundlage war die Tatsache, dass Religionsunterricht nach unserem Grundgesetz in öffentlichen Schulen angeboten werden muss (Als einzig dort erwähntes Fach).
Ich halte den Religionsunterricht zu einem bestimmten Bekenntnis an der Schule für einen Fehler. Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.
Meiner Ansicht nach steht der Religionsunterricht dem Lehrauftrag, die Schüler zu einem kritischen Denken zu ermutigen, entgegen. Denn Religion beruht darauf, dass Behauptungen geglaubt werden, nicht dass sie kritisch überprüft werden. Schlimmer noch: Wenn auch der Islam als weiterer Religionsunterricht angeboten wird, dessen Inhalte ebenfalls als "wahr" dargestellt werden, dann wird den Schülern im wesentlichen eines vermittelt: "Wahrheit" ist keine Frage der Argumentation und rationaler Überlegungen, sondern der Gruppenzugehörigkeit.
Genau das ist es aber, was unsere Demokratie und Gesellschaft zur Zeit am meisten gefährdet: Es geht nicht mehr darum, wer die beste Argumentation hat oder Behauptungen zu hinterfragen - es geht darum, zu welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt, und deren Behauptungen übernimmt man dann als die Eigenen.
Persönlich denke ich, dass religiöse Inhalte auf jeden Fall zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch an der Schule vermittelt werden sollten - also "Wer war Abraham?", "Was hat Mohammed gemacht?", "Wer war Jesus?" oder "War war Salomon?". Auch die Bedeutung religiösen Glaubens in der Geschichte gehört zu einer Bildung auf jeden Fall dazu.
Was nicht dazu gehört ist die Vermittlung religiöser Inhalte als vermeintliche Wahrheit. Das kann schon deshalb nicht funktionieren, weil ja verschiedene "Wahrheiten" angeboten werden - und damit wird kritisches Hinterfragen, was gerade in der heutigen Zeit absolut wesentlich ist, geradezu zunichte gemacht. Wie will man Schülern Medienkompetenz vermitteln, wenn man ihnen gleichzeitig beibringt, einen 2000 Jahre alten Text unbesehen zu glauben?
Ich erwarte hier nicht viel Zustimmung... bin aber doch gespannt auf die Diskussion, welchem Zweck der Religionsunterricht eurer Meinung nach dienen sollte.
Grundlage war die Tatsache, dass Religionsunterricht nach unserem Grundgesetz in öffentlichen Schulen angeboten werden muss (Als einzig dort erwähntes Fach).
Ich finde es vielleicht nicht unbedingt nötig, dass es im Grundgesetz steht, aber es ist gut so. Es zeigt, dass die Neutralität des Staates kein Instrument für eine Intoleranz ist, sondern die Absicht in der Neutralität soll eine möglichst breite Toleranz bringen soll. Der Staat ist für das Volk da und nicht das Volk für den Staat. Das gilt auch für die staatlichen Schulen.
Veröffentlicht von: @lucan-7Ich halte den Religionsunterricht zu einem bestimmten Bekenntnis an der Schule für einen Fehler.
Ich halte es nicht für einen Fehler, sondern für goldrichtig. Es gibt nichts besseres, als eine Grundethik, die sich aus dem Grundgesetz ergibt, als aus der Perspektive der Religion der Schüler die sie angehören zu vermitteln. Kein Mensch wird dazu gezwungen hier mitzumachen. Katholische Kinder lernen die ethischen Grundwerte, die sich aus dem Grundgesetz ergeben, aus katholischer Perspektive. Evangelische Kinder lernen die ethischen Grundwerte, sie sich aus dem Grundgesetz ergeben aus evangelischer Perspektive. Jüdische Kinder lernen die die ethischen Grundwerte, die sich aus dem, Grundgesetz ergeben, aus jüdischer Perspektive usw. Zum Thema Ethik gehört auch die Frage der Weltanschauung und warum sollte man die Menschen zwingen, dies abseits ihrer Religion, also auch ihrer Identität, zu unterrichten. Die Religionen zu verdrängen, hat nicht unsere freiheitliche Demokratie zur Aufgabe, sondern andere ideologische, oder religiöse Staaten versuchen das. Schüler die aus Elternhäuser kommen, die sich an keiner Religion gebunden fühlen können ersatzweise Ethik, Philosophie, oder ähnlichen teilnehmen. Das gilt auch für Schüler, die einer Religion angehören, die ausdrücklich keinen Religionsunterricht wünschen. Wie es z.B. bei den Zeugen Jehovas der Fall ist. Toleranter kann man kaum einen neutralen Anspruch erheben. Schüler ab 14 Jahre können sich frei entscheiden, was sie machen wollen. Jüngere Schüler, dürfen nicht gegen ihren Willen in eine Konfession unterrichtet werden. Der Staat wird, seinem Anspruch der Freiheit und Neutralität gerecht.
Veröffentlicht von: @lucan-7Es kann nicht Aufgabe der Schule sein, religiöse Inhalte zu vermitteln - und schon gar nicht, diese als "Wahrheit" zu verkaufen.
Der Staat verkauft niemand eine Wahrheit, sondern lässt die Wahrheiten, die verschiedene Religionen haben, zu!!! Das ist ein wesentlicher Unterschied. Was der Staat hier macht, macht er aus Respekt und die Schüler, oder späteren Erwachsenen können sich völlig frei entscheiden, was sie daraus für ihr Leben machen. Wo ist hier das Problem?
Veröffentlicht von: @lucan-7Meiner Ansicht nach steht der Religionsunterricht dem Lehrauftrag, die Schüler zu einem kritischen Denken zu ermutigen, entgegen.
Was ist denn der Lehrauftrag. Da überhebst du doch etwas ungefähres, was bestenfalls, teils in den Ländern geregelt ist. Die Schulpflicht an sich, die ich aus guten Gründen für richtig halte, steht ja selbst im Widerspruch zu den freiheitlichen Werten. Es gibt Elternhäuser, die wollen ihre Kinder am Küchentisch unterrichten wollen. Es gibt Elternhäuser, die rein kulturell die Schule für nicht wichtig halten. usw. Einen klaren Lehrauftrag was die Weltanschauung betrifft gibt es nicht. Auch keinen Lehrauftrag explizit weltanschaulich kritisch zu denken. Kritische denken, wird in den Schulen, wenn sie gute Lehrer haben, ohnehin vermittelt. Es liegt am Einzelnen, was er daraus macht.
Veröffentlicht von: @lucan-7Denn Religion beruht darauf, dass Behauptungen geglaubt werden, nicht dass sie kritisch überprüft werden.
Davon abgesehen, dass für mich die Frage, wie die einzelnen Konfessionen zu dem realen Religionsunterricht an den Schulen stehen, interessieren würde. Wo dürfen die Schüler nicht kritisch zu den Themen stehen? Es ist doch gar nicht der Fall, dass die Schüler etwas vermittelt bekommen, dass nicht kritisch gesehen werden darf. Was denkst du denn?
Veröffentlicht von: @lucan-7Persönlich denke ich, dass religiöse Inhalte auf jeden Fall zur Allgemeinbildung gehören und deshalb auch an der Schule vermittelt werden sollten - also "Wer war Abraham?", "Was hat Mohammed gemacht?", "Wer war Jesus?" oder "War war Salomon?".
Nichts anderes passiert doch im Religionsunterricht. Die die sich keiner Religion zuordnen, bekommen es jenseits der Religion vermittelt, die, die einer Religion bekommen es aus der Perspektive ihrer Religion vermittelt und hierzu gehört auch die Perspektive aus der Ökumene. Kirchen suchen vielleicht mehr Toleranz, als du siehst.
Veröffentlicht von: @lucan-7Was nicht dazu gehört ist die Vermittlung religiöser Inhalte als vermeintliche Wahrheit.
Es geht beim Religionsunterricht nicht darum, dass eine vermeintliche Wahrheit verkauft wird, sondern die religiöse Wahrheit, die ihrer Religion entspricht, zu vermitteln. Der Staat verwirklicht seine neutrale Haltung, indem sie die Glaubensrichtung aus der die Schüler kommen, zulassen und nicht ein vermeintlich kritisches Denken vermitteln. An welcher staatlichen Schule, werden den Schüler religiös indoktriniert? Der Religionsunterricht, der in keiner Weise ein Zwang ist, ist vielmehr eine Vollendung der bestehenden Religionsfreiheit!
Veröffentlicht von: @lucan-7Wenn auch der Islam als weiterer Religionsunterricht angeboten wird, dessen Inhalte ebenfalls als "wahr" dargestellt werden, dann wird den Schülern im wesentlichen eines vermittelt
In NRW wird mindestens seit Heinz Kühn ein islamischer Unterricht als Option ins Auge gefasst. Wenn ich die letzten 25 Jahre zurückschaue, dann suchen die Länder verzweifelt einen Weg, islamischen religiösen Unterricht zu gewähren. Wenn mir auch klar ist, dass wenn etwas mit dem Islam nicht funktioniert, dann ist immer Deutschland schuld, so ist es hier nicht der Fall. Im Regelfall findet Religionsunterricht von Religionen statt, die Körperschaft des öffentlichen Rechts sind. Schäuble hatte damals als Ziel der Islamkonferenz deutlich gesagt, dass das Ziel ist, am Ende der Verhandlungen die islamischen Gemeinden als KdöR in Aussicht steht. Voraussetzung für eine KdöR ist immer eine Rechtreue. Also wären diese Gruppen am Grundgesetz gebunden. Es hätte zur Folge, dass auch ein Staatsvertrag für einen islamischen Unterricht entstanden wäre. Das ist Ländersache, aber die Länder könnten und wollen sich dann dem nicht entziehen. Bislang ist die Islamkonferenz gescheitert, weil sie aus ihren Zusammenschlüssen die Fanatiker nicht aussondern wollen.
Als Erdogan frisch an die Macht kam, wollte er den islamischen Religionsunterricht über seine türkische Behörde organisieren. Darauf hat der Bund seine Zuständigkeit abgelehnt und die Länder haben, sich nicht darauf eingelassen. Zum Glück haben sie es nicht. Dann haben einige Länder einen Kunstgriff versucht und islamische Randgruppen für das Fach Religion gewinnen wollen. Das Problem ist, dass ein Unterricht bei dem die Mehrheit der Muslime diese nicht als islamische Gemeinschaft anerkennen nicht funktioniert. In Münster versucht man Islam an der Universität einzuführen. Doch die, die in diesem Fachbereich studiert haben, haben zum größten Teil, keine Aufgabe in einer islamischen Vereinigung zu bekommen. Es sei denn, sie machen möglichst im Ausland eine Zusatzausbildung, die den liberalen Ansatz eliminiert. Wenn sich innerhalb der islamischen Gemeinschaften etwas grundlegendes ändern würde, dann würde ich selbstverständlich auch einen islamischen Religionsunterricht begrüßen.
Es zeigt, dass die Neutralität des Staates kein Instrument für eine Intoleranz ist, sondern die Absicht in der Neutralität soll eine möglichst breite Toleranz bringen soll. Der Staat ist für das Volk da und nicht das Volk für den Staat. Das gilt auch für die staatlichen Schulen.
Nur Religionsunterricht bestimmter Konfessionen zuzulassen ist das Gegenteil von "Neutralität".
Ich halte es nicht für einen Fehler, sondern für goldrichtig. Es gibt nichts besseres, als eine Grundethik, die sich aus dem Grundgesetz ergibt, als aus der Perspektive der Religion der Schüler die sie angehören zu vermitteln. Kein Mensch wird dazu gezwungen hier mitzumachen. Katholische Kinder lernen die ethischen Grundwerte, die sich aus dem Grundgesetz ergeben, aus katholischer Perspektive. Evangelische Kinder lernen die ethischen Grundwerte, sie sich aus dem Grundgesetz ergeben aus evangelischer Perspektive. Jüdische Kinder lernen die die ethischen Grundwerte, die sich aus dem, Grundgesetz ergeben, aus jüdischer Perspektive usw.
Die Werte unseres Grundgesetzes sind unabhängig von einer Religion gültig. Das und nichts anderes sollte auch den Schülern vermittelt werden.
Nichts anderes passiert doch im Religionsunterricht. Die die sich keiner Religion zuordnen, bekommen es jenseits der Religion vermittelt, die, die einer Religion bekommen es aus der Perspektive ihrer Religion vermittelt und hierzu gehört auch die Perspektive aus der Ökumene. Kirchen suchen vielleicht mehr Toleranz, als du siehst.
Ich halte es für wesentlich sinnvoller, nicht die eigene Perspektive, sondern ganz im Gegenteil die Perspektive der anderen Konfessionen zu vermitteln. Denn die Auseinandersetzung mit anderen Perspektiven ist etwas, das in unserer Gesellschaft heutzutage definitiv fehlt.
In NRW wird mindestens seit Heinz Kühn ein islamischer Unterricht als Option ins Auge gefasst. Wenn ich die letzten 25 Jahre zurückschaue, dann suchen die Länder verzweifelt einen Weg, islamischen religiösen Unterricht zu gewähren. Wenn mir auch klar ist, dass wenn etwas mit dem Islam nicht funktioniert, dann ist immer Deutschland schuld, so ist es hier nicht der Fall.
Der Islam sollte auf jeden Fall Thema an der Schule sein - aber es sollte auf keinen Fall islamischen Religionsunterricht an den Schulen geben. Denn im Gegensatz zum Christentum hat der Islam auch einen politischen Anspruch. Spätestens dann wird man auch daran scheitern, das Grundgesetz mit den Worten Mohammeds zu begründen. Wie soll das auch gehen?
Nur Religionsunterricht bestimmter Konfessionen zuzulassen ist das Gegenteil von "Neutralität".
Im Prinzip werden alle Konfessionen zugelassen. Die Bedingungen sind religionsneutral formuliert: Rechtstreue (also insbesondere Akzeptanz des GG) und Gewähr auf Dauer.
Ich halte es für wesentlich sinnvoller, nicht die eigene Perspektive, sondern ganz im Gegenteil die Perspektive der anderen Konfessionen zu vermitteln.
Stell dir vor: Das geschieht sogar - im evangelischen Religionsunterricht.
Spätestens dann wird man auch daran scheitern, das Grundgesetz mit den Worten Mohammeds zu begründen.
Es gibt ja auch den Ansatz von Mouhanad Khorchide … nur fehlt da bislang Gewähr auf Dauer.
Veröffentlicht von: @lucan-7Nur Religionsunterricht bestimmter Konfessionen zuzulassen ist das Gegenteil von "Neutralität".
Religionsgemeinschaften die Möglichkeit eines Religionsunterricht zu gewähren, ist nicht das Gegenteil, sondern die Erfüllung einer Neutralität. Jede Religionsgemeinschaft, sogar auch eine gottlose Religionsgemeinschaft kann, wenn sie die Grundbedingungen erfüllt, ihren Religionsunterricht geben. Nicht Neutral wäre der Staat, wenn er zwangsweise eine kritische Sichtweise den Schülern aufzwingen würde. Das würde auch tatsächlich gegen das Grundgesetz verstoßen. Das ist die gängige Praxis des Staates und warum ist das so? Weil es im Grundgesetz explizit steht. Frei geschrieben beinhaltet das Grundgesetz die Pflicht des Staates niemanden zu einer religiöse Übung zu zwingen. Ein kritisches auseinandersetzen zum Glauben, darf es zwar geben, aber der Staat darf nicht eine derartige Auseinandersetzung in Form von Pflichtfach erzwingen. Deshalb kann der Staat zwar eine kritische Auseinandersetzung anbieten, aber er darf dies nicht erzwingen, sondern ist verpflichtet Religionsfreiheit zu gewähren. Steht in unserem guten Grundgesetz!!!
Veröffentlicht von: @lucan-7Die Werte unseres Grundgesetzes sind unabhängig von einer Religion gültig. Das und nichts anderes sollte auch den Schülern vermittelt werden.
Das ist falsch. Das Grundgesetz bekennt sich nicht nur zu Gott, sondern legitimiert sich in der Verantwortung vor Gott und natürlich sahen hier die Väter den christlichen Gott, denn sie gehörten ja dieser Religion an. Ein Gesetz in der Verantwortung vor Gott zu machen, schließt nicht eine Toleranz anderen Religionen aus. Selbstverständlich ist das Grundgesetz christlich. deswegen ist der Sonntag auch im Grundgesetz festgehalten und geschützt. Andere Religionen können allerdings auch an eine anderen Tag ihren Feiertag machen. Der Samstag. oder der Freitag kann völlig frei ein Feiertag sein. Gesondert geschützt, ist im Grundgesetz nur der Sonntag. Die Freiheit anderer Religionsgemeinschaft ist trotz des christlichen Anspruchs gewährt. Genau das ist die staatliche Neutralität und genau das, wird auch den Schülern vermittelt und kein kritisches Denken aufgezwungen. Jedoch achtet der Staat kritisches Denken.
Veröffentlicht von: @lucan-7Ich halte es für wesentlich sinnvoller, nicht die eigene Perspektive, sondern ganz im Gegenteil die Perspektive der anderen Konfessionen zu vermitteln.
Siehst du, genau das ist ja das geniale am Grundgesetz. Du kannst fei diese Meinung vertreten, aber du kannst nicht deine Meinung zur staatlichen Norm machen, denn das würde gesellschaftlich andere mit ihrer Religion ausschließen.
Veröffentlicht von: @lucan-7Denn im Gegensatz zum Christentum hat der Islam auch einen politischen Anspruch.
Genau davon ist seit über zwanzig Jahren meine Rede. Ich sehe im Islam keine Kongruenzreligion, sondern die islamische Ordnung ist, so wie sie heute meistenteils gelebt wird, mir unserem Land und Gesellschaft nicht kompatibel. Das bedeutet nicht, dass jeder Moslem mit unserem Land nicht kompatibel ist. Jeder Moslem kann selbst in der CDU sein und innerparteilich einer islamischen Gruppe anschließen. Das ist kein Problem, er muss allerdings unseren Staat durch das Grundsetz annehmen. Genau das ist der Konflikt, der sich durch die Islamkonferenz herauskristallisiert hat und deswegen ist auch die Islamkonferenz vorläufig gescheitert. Ich denke, es wird noch Generationen dauern, bis es in nennenswerter Zahl islamische Glaubensgemeinschaften gibt, die in einem Einklang mir dem GG stehen.
Veröffentlicht von: @lucan-7Spätestens dann wird man auch daran scheitern, das Grundgesetz mit den Worten Mohammeds zu begründen.
Warum sollten Moslems unser Grundgesetz konkret mit den Worten Mohammads begründen. Das Grundgesetz steht so, weil wir mitten im christlichen Abendland sind, aber biblisch muss es deswegen auch nicht begründet werden. Das offensichtlich christlich geprägte GG, welches sich auch auf Gott bezieht, hat als Grundlage eine Toleranz, die die Neutralität ausmacht. Jede Konfession, jede Religion, sogar eine gottlose Religion hat vom Kindergarten, über das Krankenhaus, wie im Altenheim ihre religiösen Abhandlungen zu halten. Nur niemand darf dazu gezwungen werden. Genau das steht im Grundgesetz Genau das ist auch die Basis, für den explizit genannten Religionsunterricht. Wer keinen Reli an der Schule haben will, kann auch alternativ Ethik wählen, oder in einigen Gebieten auch an der kirchenfeindlichen geprägten Lebenskunde teilnehmen. Nur darf nicht ein Mensch dazu gezwungen werden. Ich weiß wirklich nicht, warum du dich beschwerst. Alles ist nach Bedarf möglich.
Religionsgemeinschaften die Möglichkeit eines Religionsunterricht zu gewähren, ist nicht das Gegenteil, sondern die Erfüllung einer Neutralität.
"Neutral" wäre es, alle Religionsgemeinschaften gleich zu behandeln. Indem man keiner Religion einen Vorteil gewährt und sie aus öffentlichen Schulen heraushält.
Jetzt werden bestimmte Religionen bevorzugt.
Das ist falsch. Das Grundgesetz bekennt sich nicht nur zu Gott, sondern legitimiert sich in der Verantwortung vor Gott und natürlich sahen hier die Väter den christlichen Gott, denn sie gehörten ja dieser Religion an.
Das hat allerdings historische und kulturelle Gründe. Würde sich das Grundgesetz tatsächlich allein auf den christlichen Glauben stützen, dann hätte es für mich und alle anderen Nicht-Christen keinerlei Wert. Ich müsste mich auch nicht verpflichtet fühlen, mich daran zu halten. Leuten wie mir gegenüber würde das Gesetz nur durch staatliche Autorität und Gewalt durchgesetzt werden, und das wären die einzigen Gründe, weshalb ich mich daran halten würde.
Es kann also nicht sein, dass hier nur der christliche Gott die Grundlage ist. Vielmehr muss das Grundgesetz eine übergeordnete, allgemeingültige Grundlage haben, die noch über den Religionen steht und für alle Menschen, gleich welchen Glaubens, verpflichtend ist.
Und zwar "verpflichtend" auf eine Weise, dass man auch als Atheist oder Muslim mit Überzeugung dahinter stehen kann - nicht weil man von gläubigen Christen dazu gezwungen wird.
Siehst du, genau das ist ja das geniale am Grundgesetz. Du kannst fei diese Meinung vertreten, aber du kannst nicht deine Meinung zur staatlichen Norm machen, denn das würde gesellschaftlich andere mit ihrer Religion ausschließen.
Sich mit anderen Weltbildern auseinanderzusetzen gehört zum Bildungsauftrag des Staates und wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie. Die Isolierung von Glaubensgemeinschaften in der Schule, und sei es auch nur für einige Schulstunden, steht diesem Prinzip entgegen.
Genau davon ist seit über zwanzig Jahren meine Rede. Ich sehe im Islam keine Kongruenzreligion, sondern die islamische Ordnung ist, so wie sie heute meistenteils gelebt wird, mir unserem Land und Gesellschaft nicht kompatibel.
Dann stimmst du also zu, dass das Grundgesetz für Muslime keine Gültigkeit haben kann, weil es ja deiner Ansicht nach auf dem christlichen Glauben beruht?
Warum sollten Moslems unser Grundgesetz konkret mit den Worten Mohammads begründen. Das Grundgesetz steht so, weil wir mitten im christlichen Abendland sind, aber biblisch muss es deswegen auch nicht begründet werden. Das offensichtlich christlich geprägte GG, welches sich auch auf Gott bezieht, hat als Grundlage eine Toleranz, die die Neutralität ausmacht.
Das muss man auch erst mal hinbekommen... die Tatsache, dass das Grundgesetz auf einer ganz bestimmten Religion beruht macht seine Neutralität aus...
Ich fürchte, mit deiner Objektivität ist es an dieser Stelle nicht weit her.
Vielmehr muss das Grundgesetz eine übergeordnete, allgemeingültige Grundlage haben, die noch über den Religionen steht und für alle Menschen, gleich welchen Glaubens, verpflichtend ist.
Die gibt es so nicht. Höchstens den Anspruch, für alle Menschen gültig zu sein, aber da gibt es eben Menschen, die dem widersprechen und sich gegen westliche Bevormundung etc. wehren.
Historisch stammen Werte wie Gleichheit vor dem Gesetz, Religionsfreiheit und soziale Verantwortung aus biblischem Glauben, wurden zunächst von kleinen christlichen Gruppen (Religionsfreiheit z.B, von manchen Täufern, Quäkern und Baptisten) proklamiert und praktiziert, dann von der Aufklärung übernommen …
Und es gibt eben Religionen oder Weltanschauungen, die dem widersprechen (der Hinduismus widerspricht beispielsweise der Gleichheit vor dem Gesetz).
Und deshalb ist das Grundgesetz eben nicht neutral, sondern wertebasiert.
Dass es sinnvoll ist, wenn man im Namen einer Neutralität gegen die Religionen (Juden- und Christentum) kämpft, von denen die wesentlichen Werte des Grundgesetzes stammen, wage ich zu bezweifeln.
Die gibt es so nicht. Höchstens den Anspruch, für alle Menschen gültig zu sein, aber da gibt es eben Menschen, die dem widersprechen und sich gegen westliche Bevormundung etc. wehren.
Es gibt sogar Menschen, die Götter nicht als übergeordnete Grundlage akzeptieren... das heißt aber nicht, dass es deshalb sinnvoll wäre, auf derartige Grundlagen zu verzichten. Denn auf irgendwas muss sich eine Gesellschaft ja einigen - sonst wird sie nicht lange bestehen können...
Historisch stammen Werte wie Gleichheit vor dem Gesetz, Religionsfreiheit und soziale Verantwortung aus biblischem Glauben, wurden zunächst von kleinen christlichen Gruppen (Religionsfreiheit z.B, von manchen Täufern, Quäkern und Baptisten) proklamiert und praktiziert, dann von der Aufklärung übernommen …
Wer hier für was genau eine Grundlage geliefert hat scheint mir eher eine Frage der eigenen Brille zu sein, durch man die Weltgeschichte betrachtet... auch das Christentum hat einige Federn durch die Aufklärung lassen müssen, bis wir zu den modernen Menschenrechten gekommen sind...
Und deshalb ist das Grundgesetz eben nicht neutral, sondern wertebasiert.
Wie sollte ein "neutrales" Grundgesetz denn im Gegensatz dazu aussehen...?
Dass es sinnvoll ist, wenn man im Namen einer Neutralität gegen die Religionen (Juden- und Christentum) kämpft, von denen die wesentlichen Werte des Grundgesetzes stammen, wage ich zu bezweifeln.
Kämpfe sind nie "neutral". Das heißt aber nicht, dass sie sinnlos wären... kommt halt drauf an, welchen Sinn man verfolgt.
auch das Christentum hat einige Federn durch die Aufklärung lassen müssen
Fakt ist jedenfalls, dass Locke (und die nach ihm kamen) den Gedanken der Religionsfreiheit von täuferischen Gruppen übernommen hat. »Das« Christentum ist mir zu allgemein, da ist viel passiert, was der Bibel widerspricht. Ich hab bewusst nicht von christlichem, sondern biblischem Glauben gesprochen (und das kann im Einzelfall auch jüdischer Glaube sein).
kommt halt drauf an, welchen Sinn man verfolgt.
Wobei das Ziel, dass man de facto verfolgt, nicht immer das Ziel ist, dass man verfolgen möchte.