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Zur Woche gegen Rassismus

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nonconformista
Themenstarter
Beiträge : 160

Hallo zusammen,

anlässlich der Woche gegen Rassismus habe ich letztens an einer Zoom-Diskussion teilgenommen und war doch ziemlich entsetzt darüber, wie Rassismus neuerdings definiert wird. Kannte ich Rassismus noch als Diskriminierung aufgrund der Ethnie - also vor allem der Hautfarbe - wurde es uns im Vorfeld der Runde in einer Powerpoint-Präsentation u.a. so verklickert:

- Ursprung von Rassismus wären europäischer Kolonialismus und transatlantischer Sklavenhandel
- es zählt allein die Perspektive der Betroffenen (also: Wenn jemand etwas als rassistisch empfindet, ist es automatisch Rassismus)
- Betroffene sind aber grundsätzlich niemals Weiße.

Auf meinen Einwand, dass aber doch gerade auch in der islamischen Welt aktiv Sklavenhandel betrieben wurde und der erst durch kolonialistische Einflüsse abgeschafft wurde, hier aber einzig und allein Europäer und Amerikaner als die bösen Verursacher dargestellt würden, bekam ich keine vernünftige Erklärung.

Auch wehrten sich die Veranstalterinnen gegen meine Ansicht, dass durchaus auch Weiße rassistisch diskriminiert werden könnten - ich wurde z.B. tatsächlich mal in der Fußgängerzone von dunkelhäutigen Männern wegen meiner hellen Hautfarbe angepöbelt. Das bezeichnete eine andere Diskussionsteilnehmerin als lächerlich.

Im Laufe der Diskussion berichteten Betroffene von ihren Erfahrungen, die ich ziemlich interessant fand. Teils konnte ich ihre Gefühle gut nachvollziehen, teils fand ich es aber auch verstörend. Z.B. wenn ganz offenbar einfach nur Sprachprobleme oder eigene Minderwertigkeitskomplexe zu einer vermeintlich "rassistischen" Beleidigung geführt haben, die aus meiner Sicht einfach nur ein Missverständnis war. Ein falsches Wort beim Elternsprechtag, eine harmlose Frage wg. der islamischen Kopfbedeckung und schon ist der Lehrer ein böser Rassist und die freundlich-interessierte Nachbarin eine böse Rassistin.

Weil eben jeder Dunkelhäutige oder Muslim bestimmen darf, was rassistisch ist und wer Rassist ist - "privilegierte Weiße" bzw. Nicht-Muslime haben nichts mehr zu melden und müssen sich dem Urteil beugen.

Diese neue Ideologie, die ich dem linksextremen Spektrum zuordne und die übrigens mit Landesmitteln gefördert wird, ist meiner Ansicht nach selbst zutiefst rassistisch. Sie schafft erst recht Gräben zwischen den einzelnen Ethnien, sie sorgt für ständiges Misstrauen und auch für Wut. Ich persönlich habe mich bei der Diskussion wie auf einem Minenfeld gefühlt, da mir als "privilegierte Weiße" ja keinerlei Kompetenz zugestanden wurde. Als am Ende ein orientalisch aussehender junger Mann meinte, dass ich Recht hätte - auch er war der Ansicht, dass es Rassismus gegen Weiße gibt - war ich sowas von erleichtert...

Wie seht Ihr das? Fühlt Ihr Euch als "privilegierte Weiße" und habt Ihr den Eindruck, dass dieses "Schwarz-/Weiß"-Denken unsere Gesellschaft weiterbringt?

Liebe Grüße
non

Antwort
238 Antworten
Miss.Piggy
Beiträge : 1627

Wir leben in seltsamen Zeiten... Was das Thema Rassismus anbelangt, bewegen wir uns doch tendenziell in eine gute Richtung, meiner subjektiven – und "weißen" – Einschätzung nach.

Es ist noch nicht alles gut, es gibt noch Rassismus, aber es hat sich doch schon viel getan.

Nur die Diskussionen werden immer hysterischer geführt, als ob wir mitten im Apartheidsregime leben würden oder in den USA der 50er Jahre. Statt dass man sich mal an dem erfreut, was schon erreicht ist und positiv nach vorne blickt.

Und wenn man gar keinen echten Rassismus findet, dann regt man sich halt über Faschingskostüme oder Zigeunersoße auf oder stürzt historische Persönlichkeiten vom Sockel, weil die damals nicht die korrekte Haltung hatten, wie wir sie heute haben.

Mir ist das alles viel zu verbissen.

miss-piggy antworten
32 Antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Mir ist das alles viel zu verbissen.

Ja, mir auch. Ich danke dir für deine Meinungsäußerung. Ich finde mich darin wieder.

ungehorsam antworten
Banji
 Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3583

*grün*
Für unsere Diskussionen in der Gesellschaft brauchen wir mehr solche Gedanken und positiven Sichtweisen.

banji antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Wir leben in seltsamen Zeiten... Was das Thema Rassismus anbelangt, bewegen wir uns doch tendenziell in eine gute Richtung, meiner subjektiven – und "weißen" – Einschätzung nach.

Und du meinst, sich "tendenziell in einer gute Richtung bewegen" sollte jetzt auch langsam mal ausreichen?

Oder wie ist das zu verstehen?

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Und wenn man gar keinen echten Rassismus findet, dann regt man sich halt über Faschingskostüme oder Zigeunersoße auf oder stürzt historische Persönlichkeiten vom Sockel, weil die damals nicht die korrekte Haltung hatten, wie wir sie heute haben.

Du meinst also, Karnevalskostüme und irgendwelche Bezeichnungen können gar keinen "echten" Rassismus darstellen?

Und historische Persönlichkeiten sollten auf ihren Sockeln bleiben, auch wenn sie für eine Ansicht stehen, die heute nicht korrekt ist?

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Mir ist das alles viel zu verbissen.

Du bist weiss und siehst nicht aus wie eine Migrantin, oder?

lucan-7 antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1627
Veröffentlicht von: @lucan-7

Und du meinst, sich "tendenziell in einer gute Richtung bewegen" sollte jetzt auch langsam mal ausreichen?

Oder wie ist das zu verstehen?

Lies halt einfach noch den nächsten Satz, den ich geschrieben habe:

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Es ist noch nicht alles gut, es gibt noch Rassismus, aber es hat sich doch schon viel getan.

Immer noch unklar?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Du bist weiss und siehst nicht aus wie eine Migrantin, oder?

Am ehesten sehe ich wohl aus wie eine Schottin oder Irin. Rote Haare, Sommersprossen. Ich habe diesbezüglich auch schon Sprüche gehört, die nicht schön waren.

Aber wenn sich jemand z.B. im Fasching eine rote Perücke aufsetzen oder als Pipi Langstrumpf verkleiden würde, würde ich darin kein Problem sehen. Obwohl das natürlich auch Klischees bedient à la Rothaarige sind frech und exzentrisch.

Und klar, das mit den Faschingskostümen hat auch seine Grenzen. Ich kann mir durchaus Verkleidungen vorstellen, die ich nicht ok fände, aber ein Indianerkostüm gehört nicht dazu.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Du meinst also, Karnevalskostüme und irgendwelche Bezeichnungen können gar keinen "echten" Rassismus darstellen?

Ich meine, dass man es mit allem übertreiben kann.

miss-piggy antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Immer noch unklar?

Ja, es ist unklar. Du sagst, es gibt noch Rassismus, aber es hat sich schon viel getan.

Was soll jetzt jemand, der immer wieder Rassismus ausgesetzt ist, daraus machen?
Ist alles gut, weil sich ja schon viel getan hat?
Oder ist es schlecht, weil es immer noch Rassismus gibt?

Also konkret... als Schwarzer bekomme ich zwar immer noch keine Wohnung und keinen Arbeitsplatz, aber zumindest werde ich nicht mehr jede Woche verprügelt?

Oder: Ich bekomme als Schwarzer problemlos sowohl Wohnung als auch Arbeitsplatz, aber zweimal im Jahr sagt jemand "Nigger" zu mir?

Was genau meinst du damit, dass es noch Rassismus gibt, aber sich schon viel getan hat? Das heisst so ziemlich alles und nichts...

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Und klar, das mit den Faschingskostümen hat auch seine Grenzen. Ich kann mir durchaus Verkleidungen vorstellen, die ich nicht ok fände, aber ein Indianerkostüm gehört nicht dazu.

Nun, es gab ja immer die "Wilden", eine Tradition im Karneval... schwarz geschminkt, mit Lockenperücke, Baströckchen und Knochen im Gesicht... ist das OK?

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Ich meine, dass man es mit allem übertreiben kann.

Sicher... aber wer bestimmt das?

Wie würdest du es finden, wenn man bei Umzügen in China oder Japan eurüpäische Christen durch den Kakao ziehen würde... mit albernen Kreuzen und Priesterverkleidungen? Wäre das in Ordnung?

Denn das entspräche ja den Indiandern, die du für akzeptabel hälst...

lucan-7 antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1627

Ich lasse es jetzt einfach mal dabei bewenden. Anscheinend treffen wir uns nicht auf einer gemeinsamen Verstehens-Ebene und ich habe den Verdacht, dass es mit zig weiteren Beiträgen auch nicht besser wird...

Nur dazu noch:

Veröffentlicht von: @lucan-7

Nun, es gab ja immer die "Wilden", eine Tradition im Karneval... schwarz geschminkt, mit Lockenperücke, Baströckchen und Knochen im Gesicht... ist das OK?

Ja, sowas hatte ich vor Augen, als ich von Verkleidungen schrieb, die ich nicht ok finde.

miss-piggy antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17058

Warum sind dann Indianerkostüme okay?

tristesse antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Ich lasse es jetzt einfach mal dabei bewenden. Anscheinend treffen wir uns nicht auf einer gemeinsamen Verstehens-Ebene und ich habe den Verdacht, dass es mit zig weiteren Beiträgen auch nicht besser wird...

Das wundert mich jetzt doch etwas... was war denn an meinem Einwand jetzt unklar?

Natürlich ist das ein schwieriges Thema, und ich denke auch nicht dass wir jemals in einer Welt leben werden, in der es überhaupt keinen Rassismus gibt. Und es wird auch nie eine vollkommene Einigung geben, was überhaupt "rassistisch" ist und was nicht.

Aber man sollte schon zumindest annähernd gemeinsam feststellen können, wo ungefär wir denn eigentlich stehen... und wo wir hinwollen. Und was wir jetzt tun sollten.

lucan-7 antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17058

Wer Roma und Sinti als "verbissen" bezeichnet, weil sie sich gegen das Wort "Zigeuner" in einem Schnitzelgericht wehren hat vielleicht das eigentliche Problem des Rassismus noch nicht so wirklich erfasst

tristesse antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1627

Unter den Sinti und Roma gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Die einen forderten die Umbenennung der Soße, andere schlossen sich der Forderung nicht an und wieder andere waren gegen die Umbenennung.

Hier jeweils ein Statement der zweiten und der dritten Gruppe:

Der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma begrüßte die Entscheidung. „Es ist gut, dass Knorr hier auf die Beschwerden offenbar vieler Menschen reagiert“, sagte der Vorsitzende Romani Rose dem Blatt. Ihm selbst bereite allerdings der wachsende Antiziganismus in Deutschland und Europa größere Sorgen. „Für den Zentralrat sind vor diesem Hintergrund Zigeunerschnitzel und Zigeunersauce nicht von oberster Dringlichkeit.“ Viel wichtiger sei es, Begriffe wie „Zigeuner“ kontextabhängig zu bewerten, „wenn etwa in Fußballstadien "Zigeuner" oder "Jude" mit offen beleidigender Absicht skandiert wird“.

Quelle

Die Sinti Allianz Deutschland wendet sich gegen eine Zensur des Wortes "Zigeuner". Der zweite Allianz-Vorsitzende, Drechsel, sagte der Zeitschrift "Deutsche Sprachwelt", die gegenwärtige Diskussion über die Umbenennung einer "Zigeunersauce" empfinde die Allianz als unwürdig. Diese Form der "Sprachhygiene" lehne man ab. Laut Drechsel verwenden Sinti selbst den Begriff "Zigeuner". Wenn das Wort wertfrei verwendet wird, gebe es keinen Grund darauf zu verzichten.

Quelle

Ich persönlich bestehe nicht darauf, dass diese Soße für immer und ewig Zigeunersoße heißen muss. Darum geht es mir nicht. Sondern darum, ob das wirklich das dringlichste Problem ist. Und ob das Wort Zigeuner wirklich unter allen Umständen ein böses Wort ist. Es kommt doch auf den Kontext an!

miss-piggy antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17058

Interssant, dass du die erste Gruppe so komplett unerwähnt lässt. Da gibt es dann kein Zitat?

Denn um die geht es ja, die es stört und sich diskriminiert fühlt.

Wie gesagt, so richtig scheinst du nicht verstanden haben, worum es geht. Du gehst ja auch einer Diskussion mit Lucan aus dem Weg, der in die Richtung gute Gedanken hatte...

tristesse antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1627
Veröffentlicht von: @tristesse

Interssant, dass du die erste Gruppe so komplett unerwähnt lässt. Da gibt es dann kein Zitat?

Wozu? Die erste Gruppe hast du doch schon erwähnt. Ich wollte aufzeigen, dass es unter den Betroffenen zu diesem Thema nicht nur eine Meinung gibt.

Veröffentlicht von: @tristesse

Wie gesagt, so richtig scheinst du nicht verstanden haben, worum es geht.

Ach weißt du, ich hab mich schon vor 30 Jahren mit Rassismus beschäftigt, hab ganze Bücher über das Thema "Negerkuss" usw. gelesen. Natürlich verstehe ich, worum es geht. Du scheinst aber nicht zu verstehen, worum es mir geht.

miss-piggy antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Ach weißt du, ich hab mich schon vor 30 Jahren mit Rassismus beschäftigt, hab ganze Bücher über das Thema "Negerkuss" usw. gelesen. Natürlich verstehe ich, worum es geht.

Und trotzdem kannst du den Rassimus in Detuschland offenbar nicht präzise benennen.

Was aber eben auch damit zusammenhängt, dass man sich ewig damit "beschäftigen" kann... und doch nichts versteht, wenn man selbst nicht betroffen ist.

Davon nehme ich mich selbst auch nicht aus.

lucan-7 antworten
Feliciah
(@feliciah)
Beigetreten : Vor 13 Jahren

Beiträge : 784
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Ich wollte aufzeigen, dass es unter den Betroffenen zu diesem Thema nicht nur eine Meinung gibt.

Unsere SHZ-Landeszeitung hatte dazu in unserer Wochenend-Beilage "Schleswig-Holstein am Wochenende" heute gerade einen Artikel über einen Enkel von Holocaust-Überlebenden.

Daraus:

"Der Zigeuner (er möchte selbst so genannt werden) Marcus Reinhardt spricht über Haltung, Stolz und Identität und warum wir lieber über die unfassbare Armut vieler Sinti und Roma reden sollten als über Begrifflichkeiten."

..."Ich finde den Begriff der Sinti und Roma schrecklich, vor allem auch deshalb, weil Deutsche, die keine Zigeuner sind, über unsere Köpfe hinweg entschieden haben: Ab sofort heißt ihr Sinti und Roma. Wir wurden nie gefragt...Es gibt so viele verschiedene Zigeunerstämme, die sich nicht zu Sinti und Roma zählen lassen..."

..."nur politisch Korrekte verwenden Sinti und Roma und bringen unseren Kindern bei, wie wir uns zu bezeichnen haben. Das ist für mich eine Form von Rassismus."

"Und jetzt sollen wir den Zigeunerbaron von Johann Strauss als Sinti-und Roma-Baron bezeichnen. Das ist lächerlich. Viel schlimmer als der Name sind doch die Vorurteile, die es über uns gibt...angeblich den Staat ausnehmen und Kinder zum Klauen schicken. Die, die das tun und auf der Straße betteln, machen es nicht, weil sie Zigeuner sind, sondern weil sie sehr arm sind. Darüber sollte diskutiert werden und nicht über die Zigeunersoße und das Zigeunerschnitzel."

Spannend, dieser Artikel passt gut zu dieser Diskussion hier. 😊
Leider konnte ich online dazu nichts finden, nur auf Papier.

Aber einen sehr ähnlichen Beitrag und fast gleiche Aussagen hier:

Und gleichzeitig finde ich es schwierig, dass einige meiner Bekannten mich nicht „Zigeuner“ nennen. Mit dem Gebrauch politisch korrekter Begriffe stellt sich nicht unmittelbar Respekt ein. Und die alltägliche Diskriminierung wird nicht dadurch geringer, dass man die Bezeichnungen „Sinti“ und „Roma“ benutzt.

https://taz.de/Politische-Korrektheit/!5012673/

feliciah antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627

Ich meine auch irgendwo gelesen zu haben, dass Roberto Blanco kein Problem mit dem Wort "Neger" hat, weil er halt weiss, dass es lange Zeit nicht diskriminierend gemeint war.

Also freuen wir uns, sagen weiter "Neger" und alles ist in Ordnung. Weil, der hat ja gesagt, dass das OK ist. Kein Rassismus, alles super.

Es sei denn natürlich, die anderen "Neger" finden das möglicherweise gar nicht so gut... was machen wir dann...?

lucan-7 antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036

Ich finde den Punkt, daß es auch eine Form von Rassismus ist, wenn eine Gruppe von außerhalb festlegt, wie eine andere Gruppe jetzt zu heißen hat.

Willst Du als Nicht-Zigeuner, -Sinti oder -Roma, jemandem, der eben kein Sinti- oder Roma ist und sich ausdrücklich als Zigeuner versteht, erklären, dass er jetzt ein Sinti oder Roma ist? Mit welchem Recht? Ist das nicht übergriffig?

Ähnliches ist bei den Eskimos zu beobachten. Heißen jetzt politisch korrekt Inuit, auch wenn sie keine Inuit, sondern Yupik, Aleuten oder sonstwas sind. Sagst Du denen auch nix da, auch wenn ihr euch selbst weiter Eskimos nennt, ihr seit jetzt Inuit?

Das Beispiel mit Roberto Blanco hinkt. Er hat gesagt, daß er den Begriff Neger nicht schlimm findet. Er hat aber nicht darum gebeten, so genannt zu werden.

alescha antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @alescha

Ich finde den Punkt, daß es auch eine Form von Rassismus ist, wenn eine Gruppe von außerhalb festlegt, wie eine andere Gruppe jetzt zu heißen hat.

Ist es denn unter den Betroffenen merhheitsfähig "Zigeuner" genannt zu werden?

Wird es denn tatsächlich von einer relevanten Zahl als Bevormundung empfunden... oder unterstellst du das jetzt nur?

Veröffentlicht von: @alescha

Sagst Du denen auch nix da, auch wenn ihr euch selbst weiter Eskimos nennt, ihr seit jetzt Inuit?

Die "Eskimos" nennen sich selber so? Seit wann das denn?
Das wäre ja so, als würden wir uns selbst als "Krauts" bezeichnen...

lucan-7 antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ist es denn unter den Betroffenen merhheitsfähig "Zigeuner" genannt zu werden?

Weiß ich nicht.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Die "Eskimos" nennen sich selber so? Seit wann das denn?

Manchmal reicht es einfach, mal bei Wikipedia vorbeizuschauen:

Das Wort „Eskimo“ ist ursprünglich eine Fremdbezeichnung, die seit dem 17. Jahrhundert bekannt und deren Etymologie nicht eindeutig geklärt ist.[1] Die von Inuit gegründete Nichtregierungsorganisation Inuit Circumpolar Council möchte den Ausdruck „Eskimo“ allgemein durch „Inuit“ ersetzen. Dieses Wort kommt jedoch nicht in allen Eskimosprachen vor und bezeichnet auch nur die kanadischen und grönländischen Volksgruppen, weshalb die Yupik und Inupiat ihre Eigenbezeichnung verwenden oder sich dem „Volk der Eskimos“ zugehörig fühlen. Auch die in Inuit-Besitz befindliche, international durch den Vertrieb von Inuit-Kunst bekannte Genossenschaft von Cape Dorset im Territorium Nunavut nennt sich seit ihrer Gründung West Baffin Eskimo Cooperative (WBEC). Die Bezeichnung „Eskimo“ wird in Alaska üblicherweise für Inuit und Yupik verwendet. Die meisten Menschen in Alaska akzeptieren weiterhin die Bezeichnung „Eskimo“,[2] möchten jedoch nicht als Inuit bezeichnet werden.[3]

Sprich: Daß hierzulande Eskimo durch Inuit ersetzt wird entspricht zwar den Wünschen des Inuit Circumpolar Council, manche indigenen Gruppen möchten aber schlicht nicht Inuit genannt werden, sondern möchten lieber so genannt werden wie ihr Volk heißt oder bevorzugen alternativ den Begriff Eskimo.
Das heißt doch, daß es irgendwie übergriffig ist, diese Menschen gegen ihr Empfinden Inuit zu nennen, weil sich das hier als politisch korrekt durchgesetzt hat.

Das ist ungefähr so, wie wenn Deutsche, wenn sie das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland meinen "England" sagen. Und alle, die auf der Insel hocken, sind Engländer.
Sag' das mal einem Schotten oder Waliser.

Oder früher waren ja alle Sovietbürger Russen. Ich weiß, daß die Ukrainer z.B. das nicht so toll fanden.

alescha antworten
BeLu
 BeLu
(@belu)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 4166
Veröffentlicht von: @alescha

Das ist ungefähr so, wie wenn Deutsche, wenn sie das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland meinen "England" sagen. Und alle, die auf der Insel hocken, sind Engländer.
Sag' das mal einem Schotten oder Waliser.

Oder einem sich als irisch identifizierenden Nordiren. Vorher unbedingt Fluchtwege checken! 😉

belu antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627

Nur mal so gefragt: Weisst du, wie Chinesen uns Deutsche nennen?

Kümmert dich das?

Die entscheidende Frage ist hier einzig, ob es abwertend gemeint ist, oder nicht.

Würden Chinesen also allgemein ein Schimpfwort (Etwa "Hitlers" für alle Deutschen) verwenden, dann würde mich das wohl stören.

Aber wenn sie Deutsche und Österreicher allesamt als "Wiener" bezeichnen... soll mich das jucken?

lucan-7 antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036
Veröffentlicht von: @lucan-7

Aber wenn sie Deutsche und Österreicher allesamt als "Wiener" bezeichnen... soll mich das jucken?

Mich würde das jucken, ja.

Und m.W. ist Eskimo nicht abwertend.

Bei Zigeuner ist das schon etwas anders.

alescha antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036

Gerade habe ich einen SPIEGEL+ Artikel gefunden.

Der Musiker Markus Reinhardt sagt: »Ich will gerne Zigeuner genannt werden.« Der Bürgerrechtler Marko Knudsen lehnt den Begriff als rassistisch ab. Ein Streitgespräch über Fremdbestimmung, Klischees und Kulturerbe.

Reinhardt ist Sinti, Knudsen Roma.

Ich greife mal einen Abschnitt heraus:

Reinhardt: Nein, warum? Ich gehöre hier im Rheinland und ganz Nordrhein-Westfalen einer großen Gemeinschaft an, der Gruppe der Sinti, und muss sagen: Die meisten wollen auch Zigeuner genannt werden, nicht Sinti und Roma. Es gibt so viele Stämme, »Sinti und Roma« wird ihnen nicht gerecht.

SPIEGEL: Warum nicht?

Reinhardt: Es gibt zu viele Untergruppen, die damit nicht angesprochen werden. Ich bin viel herumgekommen und kenne selber nicht einmal alle Stämme.

SPIEGEL: Aber das Schimpfwort wird allen gerecht?

Reinhardt: Für unsere Alten war das kein Schimpfwort, im Gegenteil! Das wurde erst im »Dritten Reich« negativ besetzt…

SPIEGEL: Im Nationalsozialismus wurde dem ohnehin abwertenden Begriff mit »ziehende Gauner« eine falsche Herkunftsgeschichte angedichtet und den Volksgruppen ein »Z« tätowiert.

Reinhardt: Ja, aber die meisten der Zigeuner, die die Konzentrationslager überlebt haben, nannten sich danach auch weiter so. Bis auf einen einzigen sagen alle Holocaustüberlebenden, mit denen ich für ein Zeitzeugenprojekt gesprochen habe, Zigeuner. Das waren sowohl Mitglieder meiner Familie als auch europäische Roma. Wir finden den Begriff der Sinti und Roma schrecklich, vor allem auch deshalb, weil Deutsche, die keine Zigeuner sind, über unsere Köpfe hinweg entschieden haben: Ab sofort heißt ihr Sinti und Roma.

Und:

Ich will mir auch von keinem Verband oder Verein sagen lassen, wann ich mich rassistisch beleidigt zu fühlen habe.

https://www.spiegel.de/kultur/diskriminierung-von-sinti-und-roma-wir-muessen-aus-dieser-opferrolle-raus-a-ac96bb2b-1dd2-4c21-acc5-b9186363ba55

Es gibt da also unter den Betroffenen durchaus unterschiedliche Befindlichkeiten. Als Außenstehender bin ich dafür, beide Positionen zu respektieren. Das heißt aber auch, daß ich einem, der Zigeuner genannt werden will und die Ersetzung von "Zigeuner" durch "Sinti und Roma" ablehnt, nicht das Recht absprechen darf, das so zu sehen, weil er damit gegen eine nicht zuletzt von außerhalb festgelegte Political Correctness verstößt.

alescha antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627

Alltagsrassismus

Veröffentlicht von: @alescha

Es gibt da also unter den Betroffenen durchaus unterschiedliche Befindlichkeiten. Als Außenstehender bin ich dafür, beide Positionen zu respektieren. Das heißt aber auch, daß ich einem, der Zigeuner genannt werden will und die Ersetzung von "Zigeuner" durch "Sinti und Roma" ablehnt, nicht das Recht absprechen darf, das so zu sehen, weil er damit gegen eine nicht zuletzt von außerhalb festgelegte Political Correctness verstößt.

Jeder Mensch hat das Recht, sich durch alles Mögliche beleidigt zu fühlen. Und ich bin gerne bereit, zuzuhören, zu lernen und mein Verhalten gegebenfalls zu ändern.

Allerdings wehre ich mich auch gegen den Versuch, hier eine ewige Opferhaltung zu generieren und "privilegierte" Leute vor sich herzutreiben. Das ist dann nämlich die andere Seite der Medallie, wenn es nicht mehr um Gleichberechtigung und kritische Wahrnehmung, sondern um das Erzeugen von Schuldgefühlen geht.

Ich ertappe mich immer wieder bei Dingen, die man neuerdings als "Alltagsrassismus" bezeichnet, worunter ich einen unterschwelligen Rassismus verstehe, dem sich die Leute oft gar nicht selbst bewusst sind. Da gibt es immer wieder Dinge, die ich auch bei mir selbst bemerke, wenn ich Menschen in Schubladen stecke, in die sie nicht gehören... oder auch, wenn ich Dinge für selbstverständlich halte, die für viele Leute hier im Land keineswegs selbstverständlich sind. Zum Beispiel, wie ich beim Arzt oder bei Behörden behandelt werde.

Das sind Dinge, die ich mir bewusst machen möchte... das hat aber nichts mit "Schuld" zu tun, schliesslich kann ich nichts dafür wie ich aufgewachsen bin.

Und ich halte es auch für übertrieben, sich ständig aktuelle Listen anschauen zu müssen, wie welche Ethnie jetzt neuerdings von uns genannt werden will... ich bin gerne bereit, immer wieder umzudenken, aber es gibt da auch irgendwo Grenzen des Machbaren.

Und dann mag man sich vielleicht darüber empören, wenn ich von Leuten, die Rassismus erfahren, hier und da eine gewisse Gelassenheit einfordere... aber anders funktioniert es nicht, weil wir hier von langfristigen Prozessen reden, die teilweise über Generationen laufen werden.

lucan-7 antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036

Sehe ich ähnlich.

Inzwischen gibt es ja welche, die sich am Begriff "Menschen mit Migrationshintergrund" stören, denn:

Der Begriff ist grob und fahrlässig, erfasst zu viele Menschen in einer Kategorie, ohne ihren spezifischen Erfahrungen gerecht zu werden: Man* schmeißt zum Beispiel Menschen mit Gastarbeiter*innengeschichte und Menschen mit Fluchtgeschichte zusammen, Menschen aus europäischen Kontexten mit Menschen aus afrikanischen Kontexten, verfolgte Minderheiten mit unterdrückenden Mehrheiten. Er verklärt und vereinfacht Biografien, suggeriert eine Einheitlichkeit, die es nicht gibt.

, so Sinthujan Varatharajah in einem SPIEGEL-Interview ( https://www.spiegel.de/kultur/identitaetspolitik-sind-weisse-deutsche-menschen-mit-nazihintergrund-a-5da7ce95-d83c-46c5-874f-8efb0cb26d7c?sara_ecid=soci_upd_j5FMWycn2aPum0F4COc40xUTUfLybp&fbclid=IwAR0PkN5WRiT_HaM8tXClwYdHNpGxt84yl4eR6RQeyB-OVGtvDUM-uZhaW-g , leider ein SPIEGEL+ Artikel.)

Der Einwand ist an sich natürlich richtig. Nur stoßen wir irgendwann tatsächlich an die Grenzen des Machbaren, wenn wir wirklich alles bis ins letzte Durchdifferenzieren. Irgendwann wird dann auch ein offener Dialog unmöglich, denn es findet sich garantiert immer einer, der sich an einem Begriff oder Zuordnung stört. Und dann, wie hier jetzt geschehen, den Begriff "Menschen mit Nazihintergrund" in den Raum werfen.

alescha antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627

Nun ja. Meine Neffen und Nichten haben "Migrationshintergrund". Hätte ich Kinder, dann hätten sie auch "Migrationshintergrund".
Und mein Opa war Nazi, also habe ich "Nazihintergrund".

Und jetzt?

Ich nehme das halb ernst, halb amüsiert zur Kenntnis und tue das, was ich für richtig halte... der Rest interessiert mich nicht!

lucan-7 antworten
DerNeinsager
(@derneinsager)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1449

Das ist trotzdem kein Rassismus. Nicht jede Gruppe ist eine Rasse oder zeichnet sich vorrangig durch genetische Unterschiede aus.

Ansonsten teile ich die Meinung nur bedingt.
Rassismus Respektlosigkeit oder Diskrimminierung fängt da an, wo man Sachen böswillig macht oder negatives bezweckt.

Wenn ich von einem Zigeunerschnitzel spreche dann tu ich das im positiven - ein leckeres Essen.

Wenn ich das Wort Zigeuner als Schimpfwort betreibe, ist es halt umgekehrt.

Abgesehen davon bleibt es jedem Volk denke ich selbst überlassen, wie es in seiner Sprache Sachen oder Dinge nennt. Bei Sinti und Roma wird wahrscheinlich Deutsch auch nicht Deutsch heissen.

Im Ausland heisen wir auch Alman, Tetetski, Germans etc. Solange man Namen nicht bewusst negativ wählt sehe ich damit kein Problem.

Ein andere kann sich nicht zum Herrn über meine Sprache schwingen und mir sagen wie ich was nenne- solange ich niemanden damit Schaden möchte.

Vg Eddie

derneinsager antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1627
Veröffentlicht von: @derneinsager

Rassismus Respektlosigkeit oder Diskrimminierung fängt da an, wo man Sachen böswillig macht oder negatives bezweckt.

Jain. Es gibt auch den sog. "positiven Rassismus", z.B. wenn man zu einer/m Schwarzen sagt: "Du kannst bestimmt gut tanzen und singen." So was kann auch nerven, besonders wenn Schwarze das immer wieder zu hören kriegen.

miss-piggy antworten
stallb
 stallb
(@stallb)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2

So was kann auch nerven

Autsch! 🙄

stallb antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1627
Veröffentlicht von: @stallb

Autsch!

Gute Besserung! Und willkommen bei jesus.de. 😊

miss-piggy antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17058
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Ach weißt du, ich hab mich schon vor 30 Jahren mit Rassismus beschäftigt, hab ganze Bücher über das Thema "Negerkuss" usw. gelesen. Natürlich verstehe ich, worum es geht. Du scheinst aber nicht zu verstehen, worum es mir geht.

Scheinbar nicht.

Ein paar Bücher zu lesen heißt noch gar nichts. Vielleicht wäre es gut, sich nicht auf das zu berufen, was man vor 30 Jahren gelesen hat, das Problem ist inzwischen wesentlich komplexer.

tristesse antworten
stallb
 stallb
(@stallb)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 2

Finde ich auch. Total ausgewichen!

Lucans Worte nochmal, die super wichtig sind:

„Ja, es ist unklar. Du sagst, es gibt noch Rassismus, aber es hat sich schon viel getan.

Was soll jetzt jemand, der immer wieder Rassismus ausgesetzt ist, daraus machen?
Ist alles gut, weil sich ja schon viel getan hat?
Oder ist es schlecht, weil es immer noch Rassismus gibt?

Also konkret... als Schwarzer bekomme ich zwar immer noch keine Wohnung und keinen Arbeitsplatz, aber zumindest werde ich nicht mehr jede Woche verprügelt?

Oder: Ich bekomme als Schwarzer problemlos sowohl Wohnung als auch Arbeitsplatz, aber zweimal im Jahr sagt jemand "Nigger" zu mir?

Was genau meinst du damit, dass es noch Rassismus gibt, aber sich schon viel getan hat? Das heisst so ziemlich alles und nichts...“

stallb antworten
1-ichthys
(@1-ichthys)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 643
Veröffentlicht von: @miss-piggy

Mir ist das alles viel zu verbissen.

Mir auch! Aber der linke Mainstream leistet leider ganze Arbeit.

1-ichthys antworten


lhoovpee
Beiträge : 2240
Veröffentlicht von: @nonconformista

- Ursprung von Rassismus wären europäischer Kolonialismus und transatlantischer Sklavenhandel
- es zählt allein die Perspektive der Betroffenen (also: Wenn jemand etwas als rassistisch empfindet, ist es automatisch Rassismus)
- Betroffene sind aber grundsätzlich niemals Weiße.

Diese Definition findet in den letzten Jahren tatsächlich Verbreitung. Sie ist aber nicht allgemeingültig und es gibt viel Kritik.

Wenn ich schaue, wie ich weniger rassistisch sein kann, dann kann ich diese Definition nutzen, da ich ein weißer deutscher Mann bin.

Aber zu behaupten eine POC könnte nicht rassistisch sein, erschließt sich mir nicht. Schlussendlich ist das dann aber nur eine Definitionsfrage, die dazu führt, dass die eigentlichen Problemen (Benachteiligung/Diskriminierung) nicht angegangen werden. Das ist schade.

lhoovpee antworten
Banji
 Banji
Beiträge : 3583

Ich habe auch den Eindruck, dass die Diskussion um Rassismus die Gräben in der Gesellschaft immer mehr vertieft, weil jeder für sich Rassismus anders definiert und / oder als Moralkeule gegen Andersdenkende verwendet.

Für mich als Christ steht damit die Alltags-Frage: wie kann ich Menschen wertschätzen unabhängig von ihrer Hautfarbe und wie gehe ich mit der Wahrheit eines Menschen um, unabhängig von seiner Hautfarbe.

banji antworten
1 Antwort
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17058

Grün
Tolle Antwort 😊

tristesse antworten


agapia
 agapia
Beiträge : 1359

Dass ich als Weiße in einem westlichen Land kaum eine Ahnung davon habe, was es bedeutet, auf Grund meiner Herkunft resp. meiner Hautfarbe diskriminiert zu sein, wurde mir erst so richtig durch die Debatten um Black Lives Matter bewusst. Mir wurde klar, dass ich selbst nicht frei davon bin, zumindest bestimmte Stereotypen zu unterstellen, z.B. wenn ich von Plattdeutsch sprechenden Schwarzen irritiert bin oder manchmal im Umgang mit rumänischen KollegInnen deren Sprechweise übernehme, in der irrigen Annahme, sie verstünden mich dann besser usw. Eine schwarze Kollegin habe ich anfangs grundsätzlich auf englisch angesprochen, bis sie mir in akzentfreiem Deutsch zu verstehen gab, was sie davon hält.
Das ist zumindest etwas, das man wohl als Alltagsrassismus bezeichnet. Zu meiner Ehrenrettung sei erwähnt, dass ich in einem Umfeld arbeite, in dem Sprachbarrieren den Alltag bestimmen. Dennoch...!

Ich stimme zwar dahingehend zu, dass der Begriff Rassismus vielleicht nicht immer greift und besser differenziert werden sollte. Aber dennoch ist struktureller Rassismus und subtile Diskriminierung Alltag, deshalb finde ich es schwierig, zuerst einmal festlegen zu wollen, was alles nicht Rassismus ist.

agapia antworten
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nonconformista
(@nonconformista)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 160

Aber ist es nicht völlig normal, erst einmal in bestimmten Stereotypen zu denken? Weil wir es einfach nicht schaffen können, allen Menschen alle erdenklichen Eigenschaften und Eigenarten gleichermaßen und gleichzeitig zuzusprechen? Sehe ich Personen in Dirndl und Lederhose, blinken in meinem Gehirn vielleicht automatisch die Begriffe "Bayern, Dialekt, Weißwürste" auf. Und denken Schwarze nicht genauso? Erst, wenn ich mit den Personen spreche und sie näher kennenlerne, kann ich doch feststellen: Bayern stimmt. Aber sie sprechen einen anderen Dialekt, weil sie eigentlich ursprünglich aus Norddeutschland stammen. Und sie sind tatsächlich Vegetarier, essen niemals Weißwürste.

Ich verstehe das nicht als Rassismus oder Diskriminierung. Das wäre erst der Fall, wenn ich es z.B. grundsätzlich ablehnen würde, mit Menschen, die Dirndl und Lederhose tragen, überhaupt zu sprechen.

nonconformista antworten
agapia
 agapia
(@agapia)
Beigetreten : Vor 10 Jahren

Beiträge : 1359

Wahrscheinlich ist das normal, ja. Aber es wird mich hoffentlich nicht davon abhalten, mir meiner Vorurteile weiter bewusst zu werden und abzubauen.

Ich befürchte, Diskriminierung kommt nicht immer mit offensichtlicher Ablehung daher, sondern geschieht viel häufiger auf ganz subtile Art. Z.B. wenn ich unterstelle, eine Schwarze beherrsche die deutsche Sprache nicht. Das schafft nicht nur eine unnötige Distanz, sondern kann, wenn andere ebenso denken wie ich, Folgen für sie haben, z.B. wenn ihr deswegen bestimmte Arbeitsplätze verwehrt bleiben.

agapia antworten
nonconformista
(@nonconformista)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 160

Wenn Du "unterstellst", dass eine Schwarze die deutsche Sprache nicht spricht, ist das für mich eher ein Zeichen, dass Du diese Annahme aufgrund einer Erfahrung getroffen hast - schließlich sprechen viele in Deutschland lebende Schwarze eben kein Deutsch. Selbst mit denen, die schon seit Jahrzehnten hier als Asylbewerber geduldet werden, kann ich mich am besten auf Englisch unterhalten. Ich finde, es ist ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt, wenn jemand erst einmal nachfragt, auf welcher Sprache man sich verständigen kann. Dadurch wird niemand abgewertet, ganz im Gegenteil.

nonconformista antworten
1-ichthys
(@1-ichthys)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 643

Ich möchte mal ein Beispiel nennen: Gestern in einer WDR-Sendung beklagte sich ein Schwarzafrikaner, dass viele Deutsche ihn links liegen lassen bzw. auf Fragen nicht antworten und bewertete das als
Alltags-Rassismus. Aber, dieser Mensch sprach nur Englisch und wenn er es dann mit Leuten zu tun hat, die ihn nicht verstehen, darf er sich nicht wundern, wenn man ihm nicht antwortet. Das hat aber m. E. nicht immer was mit Rassismus zu tun.

1-ichthys antworten
agapia
 agapia
(@agapia)
Beigetreten : Vor 10 Jahren

Beiträge : 1359

Ich finde es ja nett, dass du mir zur Seite springen willst, aber nein, mein Verhalten hatte nichts mit entsprechenden Erfahrungen zu tun. Und ich habe eben nicht einmal gefragt, in welcher Sprache wir uns verständigen können. Ich habe mich schlicht wenig respektvoll verhalten.

agapia antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @nonconformista

Ich finde, es ist ein Zeichen von Höflichkeit und Respekt, wenn jemand erst einmal nachfragt, auf welcher Sprache man sich verständigen kann. Dadurch wird niemand abgewertet, ganz im Gegenteil.

Nein, ist es eben nicht. Das ist der Punkt, den ich hier an anderer Stelle bemängelt habe.

Wenn ich jemanden sehe, der eher dunkelhäutig, asiatisch oder eben sonstwie nicht "typisch europäisch" aussieht, dann rechne ich natürlich eher mit der Möglichkeit, dass diese Person eventuell kein Deutsch spricht. Das ist normal aufgrund der Erfahrungen, die man macht.

Wenn man allerdings von vornherein voraussetzt, dass man mit dieser Person erst mal klären muss, in welcher Sprache man sich verständigen kann - dann würde ich das tatsächlich für "rassistisch" halten. Eben jene Art von unbewusstem "Alltagsrassismus".

Denn ich denke, jemand der von japanischen Eltern abstammt, aber hier in Deutschland geboren ist und perfekt deutsch spricht, wäre wohl auf Dauer ziemlich angepisst, wenn er jedesmal gefragt würde, in welcher Sprache man ihn den bitte ansprechen soll.

Ich spreche jeden hier grundsätzlich auf Deutsch an. Und wenn ich merke, dass das nicht gut funktioniert, dann frage ich, ob Englisch vielleicht besser wäre. Aber eben erst dann.

lucan-7 antworten
nonconformista
(@nonconformista)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 160
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich spreche jeden hier grundsätzlich auf Deutsch an. Und wenn ich merke, dass das nicht gut funktioniert, dann frage ich, ob Englisch vielleicht besser wäre. Aber eben erst dann.

Ja, so mache ich es auch. Ist wohl der Normalfall. Ich würde halt nur niemandem, der es mal anders gemacht hat, Rassismus unterstellen. Weil's halt keine Abwertung oder Benachteiligung ist und sicherlich auch nicht so gedacht war.

nonconformista antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @nonconformista

Ich würde halt nur niemandem, der es mal anders gemacht hat, Rassismus unterstellen. Weil's halt keine Abwertung oder Benachteiligung ist und sicherlich auch nicht so gedacht war.

Es ist sicher kein "Rassismus" im Sinne von, sagen wir mal, der Naziideologie, das sicher nicht. Das hat nichts mit bewusster Abwertung und Hetze zu tun.

Aber es ist eben trotzdem "rassistisch" in dem Sinne, dass man Menschen in bestimmte Schublade steckt - in diesem Fall: "Mit dem Aussehen kannst du kein Deutscher sein".

Das ist der "Alltagsrassismus"... und um den zu bedienen muss man selbst kein "Rassist" sein. Aber man sollte sich bewusst sein, wie das hier ankommen kann.

Ich kannte mal einen deutschen Mann, der eine japanische Mutter hat und deswegen recht asiatisch aussieht... aber natürlich perfekt Deutsch spricht (Und recht wenig Japanisch). Der würde sich ziemlich veralbert vorkommen, wenn er jedesmal von Fremden darauf angesprochen würde, welche Sprache er denn wohl spricht.

Auch wenn er nicht 100% europäisch aussieht... SOOO ungewöhnlich ist die Kombination ja nun auch wieder nicht...

Anders wäre es bei Afrikanern in traditioneller Kleidung. Da würde ich dann auch vermuten, dass die nicht von hier sind... aber bei Schwarzen generell weiss man das halt nicht.

lucan-7 antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036

Da fällt mir eine Anekdote ein: Ein Klassenkamerad meines Mannes war ein Schwarzer. Der wurde tatsächlich mal von einem weißen Einheimischen auf Englisch nach dem Weg gefragt. Warum derjenige annahm, daß der vermeintlich Fremde ohne Deutschkenntnisse sich in Stuttgart auskennt ist allerdings die Frage. Jedenfalls hat der Schwarze die auf Englisch gestellte Frage beantwortet - in akzentfreiem Schwäbisch.

Wie andere schon sagten: Ich glaube, es geht den Betreffenden irgendwann auf den Zeiger, wenn sie erstmal gefragt werden, in welcher Sprache sie angesprochen werden möchten.

Manche fühlen sich dadurch erst recht ausgegrenzt. Wenn sie, nur weil sie etwas anders aussehen, erstmal auf Englisch angesprochen werden oder die das Lob "Sie können aber gut Deutsch" bekommen. Ja, was denn sonst, wenn sie hier geboren und aufgewachsen sind? Aber denen wird auf diese Weise halt vermittelt: Du siehst anders aus, also kannst du nicht einer von uns sein.

alescha antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @agapia

Das ist zumindest etwas, das man wohl als Alltagsrassismus bezeichnet.

Da scheint mir allerdings auch oft übertrieben zu werden. Momentan sind Schwarze in Deutschland eine Minderheit, und die wenigsten Schwarzen, die ich kennen, sind hier geboren.
Da ist es völlig normal, dass ich bei einem Schwarzen, dem ich begegne, zunächst mal vermute, dass er nicht aus Deutschland stammt. Das hat nichts mit "Rassismus" zu tun.

Rassistisch wird es erst dann, wenn ich denke: "Das kann kein Deutscher sein, der ist ja schwarz!".

Der Unterschied mag gering erscheinen, ist es aber nicht.

Veröffentlicht von: @agapia

Aber dennoch ist struktureller Rassismus und subtile Diskriminierung Alltag, deshalb finde ich es schwierig, zuerst einmal festlegen zu wollen, was alles nicht Rassismus ist.

In der Tat. Zumal ja vieles auch unbewusst abläuft. Wenn mir ein Schwarzer unsympathisch ist, dann ist mir womöglich selbst nicht wirklich bewusst, ob das nun etwas mit seiner Ethnie zu tun hat, oder ob der Typ mir völlig unabhängig davon einfach nicht gefällt.

Aber über diese Dinge einmal (selbst-)kritisch nachzudenken, das halte ich schon für sehr wichtig.

lucan-7 antworten
BeLu
 BeLu
(@belu)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 4166
Veröffentlicht von: @lucan-7

Da scheint mir allerdings auch oft übertrieben zu werden. Momentan sind Schwarze in Deutschland eine Minderheit, und die wenigsten Schwarzen, die ich kennen, sind hier geboren.
Da ist es völlig normal, dass ich bei einem Schwarzen, dem ich begegne, zunächst mal vermute, dass er nicht aus Deutschland stammt. Das hat nichts mit "Rassismus" zu tun.

Naja, man kann aber zumindest eine Person, die in Deutschland lebt und arbeitet (wie es Agapias Kollegin vermutlich tut) trotzdem erst mal auf deutsch ansprechen. Wenn man dann eine Sprachbarriere feststellt, kann man immer noch auf englisch wechseln.

belu antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @belu

Naja, man kann aber zumindest eine Person, die in Deutschland lebt und arbeitet (wie es Agapias Kollegin vermutlich tut) trotzdem erst mal auf deutsch ansprechen.

Das sowieso.

lucan-7 antworten
joe390
 joe390
(@joe390)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 465

Alltagsrassismus?

Veröffentlicht von: @agapia

Mir wurde klar, dass ich selbst nicht frei davon bin, zumindest bestimmte Stereotypen zu unterstellen, z.B. wenn ich von Plattdeutsch sprechenden Schwarzen irritiert bin (...) Eine schwarze Kollegin habe ich anfangs grundsätzlich auf englisch angesprochen, bis sie mir in akzentfreiem Deutsch zu verstehen gab, was sie davon hält. Das ist zumindest etwas, das man wohl als Alltagsrassismus bezeichnet.

Ja, das kann wohl niemand sagen, 100%ig frei von jeglichen stereotypen Vorstellungen zu sein. Einerseits ist das nicht schön für den andern - andererseits, dürfen wir uns nicht auch etwas Unvollkommenheit zugestehen? Übrigens in beide Richtungen? Jedenfalls dann, wenn es nicht in bewusst herabsetzender Absicht geschah? Auch mir sind Menschen anderer Nationalitäten und Hautfarben schon auf eine Weise begegnet, die von Vorurteilen geprägt war. Aber manchmal muss man sich halt bewusst machen, dass wir Menschen nun mal unsere - mitunter irrigen - Vorstellungen haben. Ganz erstaunlich: Da kann man sogar Nachsicht üben 😉

Sofern man jedenfalls nicht bewusst herabsetzend miteinander umgeht, kann man das ja freundlich korrigieren oder anderweitig angemessen reagieren und muss nicht gleich den Rassismus-Kampfbegriff auspacken. Nach diesem Kriterium wäre die Erde nämlich zu 100% von Rassisten bevölkert, denn - wie du selbst sagst - völlig frei von Stereotypen ist wohl niemand.

joe390 antworten
agapia
 agapia
(@agapia)
Beigetreten : Vor 10 Jahren

Beiträge : 1359
Veröffentlicht von: @joe390

[...] Jedenfalls dann, wenn es nicht in bewusst herabsetzender Absicht geschah?

Das war mein springender Punkt. So lange ich mir meinen verletzenden Umgang nicht bewusst mache, habe ich keine Veranlassung, etwas zu ändern.

agapia antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
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Beiträge : 2447
Veröffentlicht von: @agapia

So lange ich mir meinen verletzenden Umgang nicht bewusst mache, habe ich keine Veranlassung, etwas zu ändern.

Das hatten wir aber an anderer Stelle hier im Thread auch schon - was derdie eine (ich spreche von denen, gegenüber denen gehandelt wird, nicht von Handelnden) als verletzendes Verhalten empfindet, ist unterschiedlich. Derdie eine mag "visuell herausgeforderter Mensch" als politisch korrekte Bezeichnung empfinden und wünschen, so bezeichnet zu werden, derdie andere empfindet das vielleicht als verletzend, weil gar keine visuelle Wahrnehmung vorhanden ist. Derdie eine versteht und bezeichnet sich selbst als Zigeuner und möchte gerne auch so genannt werden und fühlt sich herabgesetzt, weil ersie unter eine fremde Gruppe subsummiert wurde, derdie andere legt Wert auf "Sinti und Roma" und fühlt sich durch "Zigeuner" schwer beleidigt.

Es gibt also Bereiche, da hat man wenig Chancen, nicht in Gefahr zu laufen, irgendwem irgendwie ungewollt das Gefühl zu geben, herabgesetzt worden zu sein.

Und da wünsche ich mir tatsächlich auch ein Stück Entgegenkommen derer, die sich beleidigt fühlen: Dass sie bereit sind, zu hinterfragen, ob eine Herabsetzung intendiert war, und dass sie bereit sind, wohlwollend zu erklären, wie sie persönlich es gerne anders hätten, ohne ihr Gegenüber direkt in die Schublade "Alltagsrassist" oder "Ableist" oder wie auch immer zu packen.

lubov antworten
agapia
 agapia
(@agapia)
Beigetreten : Vor 10 Jahren

Beiträge : 1359

Die Diskussion ging aber aus meiner Sicht am Kern vorbei. Die Debatten darüber, was nun die politisch korrekten Bezeichnungen sind und wer und warum sich nun beleidigt fühlen darf und wer und warum nicht bringen nichts, so lange die Menschen dahinter benachteiligt werden.

agapia antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
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Beiträge : 2447

Ihr kamt von Stereotypen und von Handlungsweisen, die von anderen als herabwürdigend/diskriminierend/rasistisch verstanden werden.

Und da ist nunmal keine Eindeutigkeit, kein "so geht es, und nur so!"

Rassismus ist mMn mehr als allein Benachteiligung.
Die Frage ist aber, wenn du darauf fokussieren möchtest an der Stelle: Wird tatsächlich benachteiligt? Dadurch, dass ich jemanden Zigeuner nenne (ich überlege gerade, ich glaube, ich habe noch nie jemanden Zigeuner genannt, aber egal) erfolgt doch nicht unbedingt Benachteiligung?

Wenn ich lange unter Menschen gearbeitet habe, die sich optisch auf eine bestimmte Weise von mir abheben, und habe festgestellt, dass Englisch die Sprache der Wahl für eine erfolgreiche Kommunikation ist - und begegne dem nächsten Menschen, der sich optisch auf ebendiese Weise von mir abhebt, und spreche den auf Englisch an - das ist Übergeneralisierung, aber ist das Rassismus? Und ist das Benachteiligung?

lubov antworten
agapia
 agapia
(@agapia)
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Beiträge : 1359
Veröffentlicht von: @lubov

Ihr kamt von Stereotypen und von Handlungsweisen, die von anderen als herabwürdigend/diskriminierend/rasistisch verstanden werden.

Ja, ich habe es wohl nicht geschafft, die Diskussion davon wegzuführen. Das war nie mein Thema. Mir wurde nur bewusst, welchen Anteil ich selbst daran habe, dass Menschen um uns diskriminiert werden, auch wenn es noch so banal sein mag. Das habe ich versucht, in Worte zu fassen. Wenn nun versucht wird, das ganze wohlwollend einzuordnen, merke ich, dass es für mich nicht stimmig ist.

agapia antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2447
Veröffentlicht von: @agapia

Wenn nun versucht wird, das ganze wohlwollend einzuordnen, merke ich, dass es für mich nicht stimmig ist.

Und da stehe ich halt manchmal und bin mir nicht sicher, ob das fair ist. Dieses unterschwellige "ihr wollt doch eigentlich bloß Alltagsrassisten bleiben, euch ist im Grunde scheiß egal, dass ihr Menschen weh tut" - das ist jetzt überspitzt formuliert, aber im Grunde doch Kern der Aussage.

Denn "das Ganze" - hat hier wohl kaum jemand versucht, wohlwollend einzuordnen. Läufst du nicht gerade selbst Gefahr, andere in unverdiente Ecken zu stecken?

Ist denn tatsächlich alles, was herabwürdigend/diskriminierend verstanden wird, tatsächlich so?

Die Behauptung: "Dieser oder jene wird benachteiligt!" - ist sie denn immer wahr, wenn dieser oder jene gesagt hat, dass ersie sich benachteiligt fühlt?

lubov antworten
agapia
 agapia
(@agapia)
Beigetreten : Vor 10 Jahren

Beiträge : 1359
Veröffentlicht von: @lubov

Und da stehe ich halt manchmal und bin mir nicht sicher, ob das fair ist. Dieses unterschwellige "ihr wollt doch eigentlich bloß Alltagsrassisten bleiben, euch ist im Grunde scheiß egal, dass ihr Menschen weh tut" - das ist jetzt überspitzt formuliert, aber im Grunde doch Kern der Aussage.

Nein, so wollte ich nicht verstanden werden. Ich habe in erster Linie mein eigenes Verhalten kritisch unter die Lupe genommen.

agapia antworten
Kranich1
Beiträge : 20

Meiner Ansicht nach ist es extrem wichtig, dass wir uns ganz intensiv mit dem Thema "Rassismus" beschäftigen und zwar ohne bestimmte Positionen gleich als "linksextrem" abzuqualifizieren.

Für mich ist z.B. die These, dass die Perspektive der Betroffenen das entscheidende Merkmal ist, der wichtige Versuch, die Deutungshoheit über dieses Thema endlich dahin zurück zu holen, wo Rassismus passiert. Nämlich bei denen, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder kulturellen Hintergründe tagtäglich diskriminiert werden. Und wir als "Weiße" sind meiner Ansicht nach in der Pflicht, uns endlich einmal gründlich in Frage stellen zu lassen und nicht gleich reflexartig alles zurück zu weisen.

Wenn ich höre, wie viele Menschen es gibt, die schlicht behaupten, dass es in Deutschland keinen oder wenig Rassismus gibt, weil sie ja niemanden kennen, der rassistisch beleidigt wird und dass das alles völlig übertrieben sei, der hat sich wohl noch nicht damit beschäftigt, dass er vielleicht einfach in einem Umfeld lebt, das nicht besonders gemischt ist. Gerade Christen haben da oft ein schönes gemütliches Plätzchen.

Ich arbeite in Schulen mit hohem Migrationsanteil, in Stadtteilen mit vielen Kindern mit afroamerikanischen Vätern. Klar, gibt es den Rassismus in Deutschland und nicht zu knapp. Kinder müssen sich als "Affen im Dschungel" und "Bimbos" bezeichnen lassen, werden ständig von der Polizei kontrolliert usw. usw. Der Rassismus in Deutschland findet halt nur dort statt, wo viele von uns sich meist nicht aufhalten.

Können Weiße rassistisch diskrimiert werden? Klare Meinung: nein!
Warum nicht? Vielleicht wird man mal wg. der weißen Hautfarbe angequatsch oder blöd angemacht. Aber zeig mir ein Land, in dem es strukturellen Rassismus gegen Weiße gibt! Im Gegenteil, in vielen afrikanischen Ländern glätten sich Frauen die Haare, weil die "weiße" Norm ist, glatte Haare zu haben.

Es ist höchste Zeit, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen, sich in Frage stellen zu lassen, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist. Wir Christen tendieren dazu, zu sagen: "Gott liebt ja alle Menschen, also weiß ich, ich soll auch alle lieben". Aber der Rassismus in uns ist ja versteckt, der ist nicht offensichtlich.

Ich kann da z.B. sehr empfehlen "Engel fragt: Bin ich ein Rassist" oder von der Anstalt bei ARD und ZDF die Sendung zu Rassismus. Da kriegt man klar den Spiegel vorgehalten.

kranich1 antworten
13 Antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036
Veröffentlicht von: @kranich1

Aber zeig mir ein Land, in dem es strukturellen Rassismus gegen Weiße gibt!

In Simbabwe gab es sowas:

Die beim Ende der weißen Herrschaft von großen Teilen der Bevölkerung erwartete Landreform wurde erst jahrelang hinausgezögert, dann im Jahr 2000 chaotisch und gewaltsam durchgeführt. In mehreren Schritten hat Präsident Robert Mugabe seit dem Jahr 2000 rund elf Millionen Hektar Land der weißen Farmer enteignet und neu verteilt – offiziell an rund 300.000 Kleinbauern, während die Weißen nach dem sogenannten Land Acquisition Act für die Besitztümer auf dem Land entschädigt werden sollten. Viele Höfe gingen jedoch ohne eine Entschädigungszahlung an Politiker von Mugabes Regierungspartei ZANU-PF, die kein Interesse an einer wirtschaftlichen Verwendung des Farmlandes haben. Die Landbesetzungen wurden in einer Willkür-Aktion, häufig ohne Entschädigung, begleitet von Gewalt, organisiert. Viele weiße Siedler flüchteten oder wurden vertrieben, Vieh und Maschinen der Farmen wurden geplündert.[36][37][38] Durch diese Art der „Landreform“ verwandelte sich die einstige „Kornkammer“ Afrikas in ein von Hungersnöten und Unterernährung geplagtes, dauerhaft von Lebensmitteleinfuhren abhängiges Land.

https://de.wikipedia.org/wiki/Simbabwe

Klar kann man sagen, daß das eine Reaktion auf den Kolonialismus gibt. Trotzdem kann man sagen, daß die Enteignung und Vertreibung systematischer Rassismus war.

Jetzt kehren manche weiße Farmer zurück, aber da kann es passieren, daß sie im Gegensatz zu eingewanderten Chinesen als "nicht einheimisch" klassifiziert werden. https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Wie-die-vertriebenen-weissen-Farmer-von-Simbabwe-zurueckkehren-id53605661.html

alescha antworten
nonconformista
(@nonconformista)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 160
Veröffentlicht von: @kranich1

Ich arbeite in Schulen mit hohem Migrationsanteil, in Stadtteilen mit vielen Kindern mit afroamerikanischen Vätern. Klar, gibt es den Rassismus in Deutschland und nicht zu knapp. Kinder müssen sich als "Affen im Dschungel" und "Bimbos" bezeichnen lassen, werden ständig von der Polizei kontrolliert usw. usw.

Dabei ist doch gerade an sogenannten Brennpunktschulen, in denen deutschstämmige Kinder mittlerweile die Minderheit bilden, Gewalt und Mobbing gegen die verachteten "Kartoffeln" fast schon an der Tagesordnung. Selbst an Gymnasien werden mittlerweile Mädchen ohne Kopftuch als Schlampen beschimpft und ausgegrenzt.

Mehr dazu hier: https://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/schule-lehrer-beklagen-mobbing-gegen-deutsche-kinder/1946414.html und hier: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/politiker-warnen-vor-diskriminierung-deutschenfeindlichkeit-ist-rassismus-11052550.html und hier: https://www.derwesten.de/politik/mobbing-gegen-deutsche-schueler-auch-im-revier-id3984963.html

Wenn ich an Schulen diesen löblichen Hinweis "Schule ohne Rassismus" lese, erwarte ich, dass jeglicher Rassismus abgelehnt wird und nicht, dass den Kindern möglicherweise eingetrichtert wird

- bist du dunkelhäutig, bist du immer das Rassismus-Opfer
- bist du hellhäutig, bist du immer der Rassist.

Übrigens halte ich es nicht nur für Rassismus, Weißen grundsätzlich die Täterrolle zuzuschreiben, sondern auch, PoC immer nur als Opfer darzustellen.

Veröffentlicht von: @kranich1

Aber zeig mir ein Land, in dem es strukturellen Rassismus gegen Weiße gibt!

Ist in allen Ländern dieser Welt der Fall, in denen Weiße in der Minderheit sind. Die Schulbücher in Japan werden beispielsweise auf Japanisch sein - wenn ein deutsches Kind dort zur Schule geht, ist es vielleicht erst einmal etwas benachteiligt, wenn es die japanische Sprache nicht beherrscht. Es werden dort vor allem japanische Personen abgebildet, es wird um japanische Festtage, Riten, Speisen, Musik gehen. In islamischen Ländern wird es überall nur so vor islamischen Stereotypen wimmeln - islamische Regeln, Kopftuch und teilweise auch ein Hass auf alles, was irgendwie westlich erscheint, sind dort völlig gängig. Und natürlich werden Kinder, die die jeweilige Kultur total ablehnen und vielleicht auch nicht verstehen können, weil sie die jeweilige Landessprache nicht beherrschen, anders bewertet als diejenigen, die fleißig mitmachen und mitkommen.

Veröffentlicht von: @kranich1

Im Gegenteil, in vielen afrikanischen Ländern glätten sich Frauen die Haare, weil die "weiße" Norm ist, glatte Haare zu haben.

Und hierzulande hätten unzählige Frauen gerne einen Afro-Look - Du glaubst gar nicht, wie viel Zeit manche damit verbringen, ihre dünnen Spaghetti-Haare mit Papilloten und Haarnadeln in einen wilden Lockenkopf zu verwandeln. In der 70er Jahren trugen sogar Männer eine Dauerwelle, um irgendwie wie Jimi Hendrix auszusehen. Tja, man möchte immer das, was man nicht hat. Was soll das eigentlich mit Rassismus zu tun haben?

nonconformista antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @nonconformista

Ist in allen Ländern dieser Welt der Fall, in denen Weiße in der Minderheit sind. Die Schulbücher in Japan werden beispielsweise auf Japanisch sein

Ist das jetzt irgendwie satirisch gemeint?

lucan-7 antworten
nonconformista
(@nonconformista)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 160
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ist das jetzt irgendwie satirisch gemeint?

Nein, wieso? Südafrikas Apartheid-Regime bildete hier natürlich eine Ausnahme. Aber grundsätzlich ist es doch wohl so, dass Minderheiten, die über keinerlei ausreichende Sprachkenntnisse verfügen und vielleicht auch noch die Kultur der Mehrheitsgesellschaft ablehnen, eher benachteiligt werden. Nicht nur in der Schule, sondern auch am Arbeits- und Wohnungsmarkt.

nonconformista antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036
Veröffentlicht von: @nonconformista

Aber grundsätzlich ist es doch wohl so, dass Minderheiten, die über keinerlei ausreichende Sprachkenntnisse verfügen und vielleicht auch noch die Kultur der Mehrheitsgesellschaft ablehnen, eher benachteiligt werden. Nicht nur in der Schule, sondern auch am Arbeits- und Wohnungsmarkt.

Oft bekommt man als Person mit z.B. türkischem Migrationshintergrund gar keine Gelegenheit zu demonstrieren, daß man perfekt Deutsch spricht (womöglich sogar Schwäbisch/Platt/Hessisch oder einen anderen deutschen Dialekt), daß man super integriert ist und sich mit seiner deutschen Heimat identifiziert und super qualifiziert ist. Türkischer Name auf der Bewerbung, und ab in den Papierkorb.

alescha antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @nonconformista

Aber grundsätzlich ist es doch wohl so, dass Minderheiten, die über keinerlei ausreichende Sprachkenntnisse verfügen und vielleicht auch noch die Kultur der Mehrheitsgesellschaft ablehnen, eher benachteiligt werden.

Sprachkenntisse haben damit nur wenig zu tun, wenn überhaupt... und eine bestimmte Kultur abzulehnen ist natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

lucan-7 antworten
joe390
 joe390
(@joe390)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 465
Veröffentlicht von: @kranich1

Können Weiße rassistisch diskrimiert werden? Klare Meinung: nein! (...) Aber zeig mir ein Land, in dem es strukturellen Rassismus gegen Weiße gibt!

Kenia. Thailand. Afghanistan. Syrien. Südafrika. Du bezahlst als Weißer den x-fachen Preis für Lebensmittel, Taxifahren und was weiß ich noch alles. Auch wenn du als Sesshafter lebst und arbeitest. In einem Park kostete der Eintritt für Nichteinheimische ebenfalls ein Vielfaches. Versuch mal, eine Wohnung zu mieten oder ein Büro - sei es privat, sei es als NGO. Versuch mal, ein Geschäft aufzubauen. Usw usf...

PS: Diese Länder stechen sicher nicht hervor, und nicht alle Beispiele greifen für alle Länder. Aber zu den ersten vier kann ich von persönlichen Erfahrungen und/oder der von Freunden berichten. Und Südafrika... naja, so wirklich gerecht geht es seit dem Ende der Apartheid dort auch nicht zu...

joe390 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @joe390

Kenia. Thailand. Afghanistan. Syrien. Südafrika. Du bezahlst als Weißer den x-fachen Preis für Lebensmittel, Taxifahren und was weiß ich noch alles.

China und Ägypten genau so.

Und das ist in der Tat ein Punkt, den man als "Rassismus gegen Weisse" bezeichnen muss.
Zumindest dann, wenn man die gleichen Maßstäbe für alle anlegt.

Wobei es nichtsdestotrotz schon bezeichnend ist, dass das den meisten Weissen anscheinend nicht viel ausmacht...

lucan-7 antworten
joe390
 joe390
(@joe390)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 465
Veröffentlicht von: @lucan-7

Wobei es nichtsdestotrotz schon bezeichnend ist, dass das den meisten Weissen anscheinend nicht viel ausmacht...

Also, mir hat es durchaus etwas ausgemacht. Und meinen Freunden auch. Dort bleibt er (Deutscher) nämlich zu Hause, wenn seine Frau (Einheimische) einkaufen geht, damit sie ihre Lebensmittel zu normalen Preisen bekommen. Glaub nicht, dass die das schön finden und er nicht gerne mit über den Markt bummeln würde. Leider haben sie in dem Land keine Lobby.

joe390 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15627
Veröffentlicht von: @joe390

Also, mir hat es durchaus etwas ausgemacht. Und meinen Freunden auch.

In dem Sinne, dass es euch gestört hat... oder in dem Sinne, dass ihr es euch nicht leisten konntet?

Mich haben die in China auch mehrfach über den Tisch ziehen wollen... ich wusste allerdings, dass für Europäer der marktübliche Aufschlag das fünffache des regulären Preises war, was für mich selbst als Student immer noch lächerlich wenig war. Haben sie versucht noch mehr als das zu kassieren habe ich abgelehnt.

Heute dürfte sich das wohl geändert haben.

lucan-7 antworten
joe390
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(@joe390)
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Veröffentlicht von: @lucan-7

In dem Sinne, dass es euch gestört hat... oder in dem Sinne, dass ihr es euch nicht leisten konntet?

Aus meiner Warte: In dem Sinne, dass es verletzend ist. Aus Sicht der Freunde: Nun, abgenehm ist es auch nicht. Und in der Tat wird auch zum finanziellen Faktor, wenn man sich vor Ort niederlässt und "einheimisch" lebt (nicht als Expat entsendet mit westlichem Gehalt).

Und es geht ja nicht nur um die Ungleichbehandlung bei den Preisen, es geht um den generellen Umgang und auch einfach darum, ob man sich willkommen fühlt.

joe390 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
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Veröffentlicht von: @joe390

Und es geht ja nicht nur um die Ungleichbehandlung bei den Preisen, es geht um den generellen Umgang und auch einfach darum, ob man sich willkommen fühlt.

Ja, die chinesische Restaurantbesitzerin, wo ich mit den anderen Deutschen praktisch jeden Abend essen war, hat in uns eigentlich nur wandelnde Geldbeutel gesehen. Die hat sich immer zu uns an den Tisch gesetzt, um immer neue Getränke und Essen anzubieten. Immer freundlich, immer sehr distanziert... zumal es eh keine gemeinsame Sprache gab.

Bis ich ihr irgendwann mal auf chinesisch aufschrieb, wie gut ich das Essen finde. Die Frau hat mich daraufhin angestarrt, als ob sie mich das erste Mal sieht. Da konnte ich tatsächlich eine Änderung in der Wahrnehmung sehen.

Nicht, dass sich danach viel geändert hätte, das wäre auch zuviel verlangt gewesen. Vermutlich wird es auch da Generationen brauchen, bis es eine echte Annäherung auf Augenhöhe gibt. Aber Rassismus ist überwindbar... egal wo und in welcher Form auch immer.

lucan-7 antworten
Anonymous
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(@Anonymous)
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Das was mich am meisten verwundert ist, dass dieser rassistische Kommentar 5 Empfehlungen bekommen hat.

Ok in medias res:

Veröffentlicht von: @kranich1

Für mich ist z.B. die These, dass die Perspektive der Betroffenen das entscheidende Merkmal ist, der wichtige Versuch, die Deutungshoheit über dieses Thema endlich dahin zurück zu holen, wo Rassismus passiert. Nämlich bei denen, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder kulturellen Hintergründe tagtäglich diskriminiert werden. Und wir als "Weiße" sind meiner Ansicht nach in der Pflicht, uns endlich einmal gründlich in Frage stellen zu lassen und nicht gleich reflexartig alles zurück zu weisen.

Dies gestehst du jedem zu außer Weißen? Da gehen bei mir schon die Rassimus Warnlampen an.

Veröffentlicht von: @kranich1

Wenn ich höre, wie viele Menschen es gibt, die schlicht behaupten, dass es in Deutschland keinen oder wenig Rassismus gibt, weil sie ja niemanden kennen, der rassistisch beleidigt wird und dass das alles völlig übertrieben sei, der hat sich wohl noch nicht damit beschäftigt, dass er vielleicht einfach in einem Umfeld lebt, das nicht besonders gemischt ist. Gerade Christen haben da oft ein schönes gemütliches Plätzchen.

Ja du hast keine Ahnung wie oft ich als Kartoffel bzw. Alman bezeichnet werde.
Gerade Christen haben das in meiner Welt schon lange anders praktiziert, da gehören Mitglieder anderer Ethnien dazu, sind Teil einer großen Familie in Christus.

Veröffentlicht von: @kranich1

Ich arbeite in Schulen mit hohem Migrationsanteil, in Stadtteilen mit vielen Kindern mit afroamerikanischen Vätern. Klar, gibt es den Rassismus in Deutschland und nicht zu knapp. Kinder müssen sich als "Affen im Dschungel" und "Bimbos" bezeichnen lassen, werden ständig von der Polizei kontrolliert usw. usw. Der Rassismus in Deutschland findet halt nur dort statt, wo viele von uns sich meist nicht aufhalten.

Ja die Erfahrung habe ich auch gemacht. Sehr viele türkisch/arabisch stämmige haben mir offen gegenüber erklärt, dass sie Dunkelhäutige hassen, es Affen sind, schlimmer noch als Juden.

Veröffentlicht von: @kranich1

Können Weiße rassistisch diskrimiert werden? Klare Meinung: nein!
Warum nicht? Vielleicht wird man mal wg. der weißen Hautfarbe angequatsch oder blöd angemacht. Aber zeig mir ein Land, in dem es strukturellen Rassismus gegen Weiße gibt! Im Gegenteil, in vielen afrikanischen Ländern glätten sich Frauen die Haare, weil die "weiße" Norm ist, glatte Haare zu haben.

Da ist er ja wieder der Hinterhofrassimus. Strukturell ist die entscheidende Größe nicht das was die einzelnen machen oder tun.
In den USA wird ein behinderter weißer Junge von einer Gruppe Afroamerikaner entführt, geschlagen, gezwungen aus der Toilette zu trinken als weißer Abschaum bezeichnet. Das jedoch ist kein Rassismus sondern halt irgendwie nicht so gut aber irgendwie auch verständlich, da sich die angestaute Wut von vielen Jahrhunderten auch mal Bahn brechen muss...
Außerdem war bereits in den 1970ern der Afro gerade auch bei Weißen total in... was sagt mir das jetzt?
Ansonsten möchte ich mal ein paar Namen bringen: Nick Cannon (bezeichnete Weiße und Juden als "Wilde" irgendwas wegen dem Mangel an Melanin (osä), das die Leute erst zu Mitgefühl befähigen soll..., O. Winfrey, die meinte Weiße haben es immer besser... die Farmermorde in Südafrika (umstritten).
Wie werden Weiße im ostasiatischen Raum bezeichnet? Langnasen? Rothaarige Teufel? Ist sicher nur so eine Bezeichnung aber keinesfalls Rassismus! Solange es nicht strukturell ist, ist es ja kein Rassismus.
Wer ist eigentlich alles Weiß? Evtl. nur so ein rassistisches Verständnis von weiß (blond&blauäugig)? Ansonsten könnte man ja glatt auf den Gedanken kommen, dass Palästinenser rassistisch vom Staat Israel diskriminiert werden (-> beide weiß)

Veröffentlicht von: @kranich1

Ich kann da z.B. sehr empfehlen "Engel fragt: Bin ich ein Rassist" oder von der Anstalt bei ARD und ZDF die Sendung zu Rassismus. Da kriegt man klar den Spiegel vorgehalten.

War schon in einem Kurs von Robin Di Angelo und bin jetzt weniger weiß.

Anonymous antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Was ist mit dem Rassismus der anderen?

Wenn Migranten unter sich bleiben wollen. Verbieten wer was wem heiratet? Integration abgelehnt wird?
Kulturen bildet und Clans die die deutsche Justiz verhöhnen. Was ist mit Menschenhändlern aus anderen Ländern die andere Menschen missbrauchen? Vietnamesen, asiatische Frauen? Rassismus ist kein „weißes“ Problem.

Anonymous antworten
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