Corona-Pandemie - vergessen oder noch sehr präsent
Vorab, mir geht es nicht um die heutigen Impfungen, denn Corona ist ja nicht vorbei, sondern um die Zeit mit den vielen Einschränkungen.
Ich dachte, Corona mit der Pandemie wäre so langsam aus meinem Blick verschwunden. Die Pandemie-Zeit ging an meiner Familie eh recht gut vorbei.
Aber gestern telefonierte ich mit einer alten Freundin und das Thema war schnell präsent mit den Erfahrungen, die wir da gemacht haben. Auch im TV kommt ja immer mal eine Wiederholung, wo die Menschen plötzlich alle Masken tragen, Abstand halten, etc.
Wie ist das bei Euch? Ist die Pandemiezeit immer noch präsent oder inzwischen Vergangenheit?
VG
Chey
Veröffentlicht von: @cheyWie ist das bei Euch? Ist die Pandemiezeit immer noch präsent oder inzwischen Vergangenheit?
Für mich ist das gefühlt sehr lange her, aber ich erinnere mich schon noch.
Als die ersten Fälle in Asien auftauchten und in Südkorea fast alle Masken trugen, habe ich gedacht, dass so etwas bei uns nicht funktionieren würde, weil wir dazu zu freiheitlich oder auch undiszipliniert wären. 😀
Als die Bilder aus Bologna im Fernsehen kamen, war für mich die Lockerheit vorbei. So etwas wollte ich hier in Deutschland nicht erleben. Mein Anspruch an die Regierung war: Trefft Anordnungen dagegen und setzt die durch. Ich mache mit. Nutzt euren Spielraum aus, und ich werde euch auch nicht hart kritisieren, wenn ihr dabei den einen oder anderen Fehler macht. Wer arbeitet, macht Fehler.
Ich fand, dass die Gegenmaßnahmen sehr schleppend vorangingen. Immerhin waren sie am Ende halbwegs erfolgreich, auch, weil die Pandemie wohl doch nicht ganz gefährlich war, wie es am Anfang aussah. (Denen, die daran gestorben sind, nützt das auch nichts.)
Zuerst, als es noch keinen Impfstoff gab, habe ich zugesehen, dass ich mich fit halte und meine Kontakte auf das Nötigste beschränke. Als es Impfstoffe gab, die aber zunächst knapp waren, habe ich mich um die erste Impfung intensiv gekümmert. Eine Bratwurst musste mir keiner dafür spendieren. Später wurde es dann einfacher.
Ich war positiv überrascht, wie viele Leute doch die Maske angenommen haben. Und negativ überrascht, wie viele Leute gegen die Impfungen waren und deswegen so viel Wirbel gemacht haben. Wenn es um Dinge geht, die einen nur selbst betreffen, sollte man das selbst entscheiden können, aber hier ging es auch um das Wohl anderer. Ich hätte mir da eine Impfpflicht und ihre konsequente Durchsetzung gewünscht, aber das ging wohl juristisch nicht. Wenn uns irgendwann eine noch gefährlichere Pandemie trifft, hilft wohl nur noch beten.
Als das Gröbste überstanden war (Anfang 2022), waren wir im Urlaub in Holland. Anscheinend existierte Covid-19 dort nicht. Im Supermarkt waren wir die einzigen Maskenträger und schon dadurch als Deutsche erkennbar. Ich habe mir daraufhin die Statistik angesehen. Die Niederlande hatten eine etwas schnellere Durchseuchung als wir und eine höhere Sterblichkeit in dieser Zeit, aber das öffentliche Leben ist dadurch nicht zum Erliegen gekommen. Wieviel mehr private Dramen es dafür gegeben hat, weiß man nicht.
Unmittelbar nach diesem Urlaub bin ich dann an Corona erkrankt. Das war mehr als eine normale Grippe. Ich habe von 48 Stunden 36 geschlafen und pro Nacht drei Hemden völlig durchgeschwitzt. Danach war es ausgestanden. Ich vermute, dass ich ohne meine drei Impfungen nicht so glimpflich davongekommen wäre.
Für mich hat diese Pandemie keine negativen Folgen gehabt, aber in meinem Umfeld habe ich schon Menschen wahrgenommen, die darunter (Pandemie + Einschränkungen) gelitten haben.
Das Thema scheint ja wirklich noch emotional zu erregen.
Ein bisschen was zum runterfahren über Schwierigkeiten von Berufsgruppen während Corona, hier: Einbrecher
https://youtu.be/yXSSsMJt5RY?si=XgHewLzJvtchsDX6
VG
Chey
Privat ist das bei uns Vergangenheit. Seitdem gibt es ein paar Verfahren oder Interviews hie und da zu den Coronahilfen; für kleine Unternehmer und im Steuerberatermilieu ist das noch ein leidiges Thema. Ich schätze in der nächsten Pandemie werden die Steuerberater diese haufenweise Extraarbeit nicht mehr so bereitwillig mitmachen.
Erschreckend ist, wie schnell Totalitarismus gefeiert und staatlich und gesellschaftlich durchgesetzt wird.
Ich lese gerade noch mal deine gewählte Threadüberschrift und denke: Die will jeder vergessen, sie ist aber noch sehr präsent (sobald du die Leute ansprichst, kochen offenbar die Emotionen wieder hoch)
jep.... da merkt man, wieviel verdrängt und unter den Teppich geschoben wurde.
@deborah71 Es war halt schon eine prägende Zeit, in der vieles auf den Kopf gestellt wurde.
Ich hab so ein paar 'Marker' in meiner Zeitrechnung -
berufliche Stationen, vor und nach den Kindern, vor und nach dem Umzug, vor und nach einigen Diagnosen, seit Corona, ...
kürzlich konnte ich mir morgens im Schlaf am Traumende zuschauen, wie sich eine Menge nach der Diskussion hier im Hirn sortierte, fein säuberlich abgelegt wurde und dann Ruhe gab. Das dauerte bis ca 10:30 Uhr, dann war die Ablage fertig. Ich schlafe selten so lange.
Schwiegervater hatte die zwei Impfungen mit 88 Jahren gut vertragen; Schwiegermutter lief 2 Tage im Hirn rund, ebenfalls 88 Jahre. Mann kam auch klar und ich hatte ein klares Nein. Alles, was auf Hühnerei gezüchtet war, ist für mich mit der Allergie verboten. Und mRNA kam auch nicht in Frage nach dem Trauma mit dem Malariamittel.
Intuition hat mir schon mehrfach das Leben gerettet.
@deborah71 Ja, manchmal sortiert sich das Hirn im Schlaf.
Ich hab meine Impfungen unterschiedlich weggesteckt - nach der ersten fühlte ich mich ziemlich 'doof' im Kopf (also anders als mein 'normales Doof'), vor der zweiten hatte ich logischerweise Bammel, aber die machte mir gar nix, an die dritte kann ich mich gar nicht entsinnen (war vielleicht auch Corona-Demenz).
Mein Mann hatte keine Probleme, die Senioren steckten sie erstaunlich gut weg.
Auch bei meinen Kolleginnen war es sehr unterschiedlich.
Unser damaliger Heizungsmann hatte es nicht gut vertragen. Er ist inzwischen vorzeitig aus der Arbeit ausgeschieden. Er war ein ausgezeichneter Heizungsfachmann und hat unsere Heizung jahrelang gewartet.
Bei uns in der Familie einschließlich unserer Eltern im höheren Rentenalter haben das alle gut vertragen. Mal etwas höhere Temperatur oder einen Tag Unwohlsein, das war es. Vergleichbar mit der Grippeimpfung.
VG
Chey
Bei mir in der Familie (und ich) haben das auch alle gut vertragen.
Inzwischen wissen wir, dass es mit der Hühnereiallergie zusammenhängt. Alles, was auf Hühnerei gezogen ist an Impfstoff, fällt raus.
Eigentlich geht es keinen was an, welche Schwierigkeiten ich mit Impfstoffen und teils anderen Medikamenten habe....aber es gibt viele Menschen, die nicht geimpft werden dürfen. Wie massiv alle in einen Topf geworfen und abgeurteilt werden in der Gesellschaft als Impfunwillge, Covidioten, und sonstige Bezeichnungen geht mir gehörig gegen den Strich, deswegen sage ich was dazu.
Von früher kenne ich noch:
"Alle denken nur an sich!!! *beschwer* Nur ich denk an mich." 😆 🙄 😉
Aber - ja, das nimmt Überhand und wir dürfen da auch was sagen, wenn da jemand "alles zu einfach" macht oder sieht. 👍
Ich bin ein Spezialist für extrem seltene Nebenwirkungen. Bei einem Magenschutzmedikament, was früher wohl fast jeder 2. im Krankenhaus bekam, weil super und nahezu ohne Nebenwirkungen bin ich der 2. Fall überhaupt in meinem Bundesland, der darauf mit Bauchspeicheldrüsenentzündung reagierte. Bis die darauf kamen...
VG
Chey
Veröffentlicht von: @cheyIch bin ein Spezialist für extrem seltene Nebenwirkungen.
Seltene Erkrankungen sind Mist.
(Wir sind hier im Haus sozusagen ein Sammelbecken für seltene Erkrankungen).
Erst wirst Du nicht ernstgenommen - was nicht sein kann, ist auch nicht.
Und dann bist Du zwar interessant, aber Du musst jemanden finden, der sich mit dieser Sache auskennt (und dann auch noch erreichbar ist und Zeit für Dich hat) ...
Ach ja - und dann ist da auch noch die Sache mit der Krankenkasse ...
Wie ist das bei Euch? Ist die Pandemiezeit immer noch präsent oder inzwischen Vergangenheit?
Zu Beginn der Pandemie war vieles nicht klar, und es war für alle schwierig, die Risiken abzuschätzen. In dieser Situation ist es nachvollziehbar, daß man lieber auf Nummer Sicher geht. Im Laufe der Zeit hat sich das relativiert. Je länger die Situation anhielt, desto besser konnte man die Risiken einschätzen.
Mir ist in dieser Zeit aufgefallen, daß die Amtskirche sehr eng mit den staatlichen Behörden kooperierte und die Maßnahmen wie ein Staatsbetrieb umsetzte.
Hier hätte ich mir ein anderes Auftreten gewünscht. Ich finde, daß Gottesdienste, Seelsorge und kirchliche Feiertage eine Sonderstellung haben sollten. Nicht aus Sicht des Staates, sondern aus der Selbstsicht der Kirche. Ich hätte mir entweder mehr Widerstand gegen die Maßnahmen gewünscht. Oder die Kirchen hätten sich auch selbständiger Maßnahmen überlegen und begründen können. Wenn Kirche die Maßnahmen mitträgt, dann erwarte ich eine theologische Begründung. Natürlich nicht zu den medizinischen Fragen, aber zu den ethischen, moralischen Fragen und den Konsequenzen. So entstand bei mir der Eindruck, daß sich Kirche hinter dem Staat versteckt und nicht eigenständig auftritt.
Ich hatte damals ganz konkret einen Konflikt in der Schule meiner Kinder. Dort wurde gemeinsamer Religionsunterricht angeboten. Eigentlich hätten die Eltern vorher gefragt werden müssen und alle zustimmen müssen. Doch die Schule fragte nicht. Ich hatte mich dann beim zuständigen Kirchen-Schulamt erkundigt. Die gaben mir im Prinzip recht. Aber die Antwort klang sehr hilflos. Ihnen seien die Hände gebunden. Da hatte ich mir mehr erwartet. Vor allem eine theologisch begründete Handlungsempfehlung: Ist es im Sinne der evangelischen Kirche, in dieser Situation nicht aus einer Mücke einen Elefanten zu machen und es auf sich beruhen zu lassen? Oder ist es richtig, auf Einhaltung der Vorgaben zu drängen, speziell weil Religion kein Fach wie jedes andere ist? So fühle ich mich bis heute alleine gelassen in dieser Frage.
Es gab auch schöne Aktionen aus dem Kirchenumfeld. Wir haben damals fleißig den Kindergottesdienst aus Dettingen auf YouTube geschaut und uns schon immer auf den nächsten Sonntag gefreut; eine richtig tolle Truppe mit ihrem schwäbischen Dialekt!
Außerdem haben wir regelmäßig die Sendung von Mike Müllerbauer geschaut, der aus seinem Wohnzimmer heraus mit der ganzen Familie seine Songs live übertrug. Auch das eine tolle Entdeckung!
Meine alte Kirchengemeinde in München übertrug ebenfalls ihre Gottesdienste über YouTube. Wir schrieben dem Pfarrer mal einen netten Brief - den er prompt in der nächsten Predigt erwähnte!
Unterm Strich bleibt aber die Enttäuschung über Ostern und Weihnachten, die wir nicht in der Kirche, sondern nur als Familie alleine im Wald feierten.
Mir geht es nicht darum, daß sich Kirche gegen den Staat stellt. Wir sind weder im "3. Reich" noch in der DDR. Aber wenn Kirche zu sehr kooperiert und in einer Ausnahmesituation kein eigenes Gesicht zeigt, welche Berechtigung hat sie dann noch? Ich denke hier vor allem an die Landeskirche, die eine nicht unbedeutende Anzahl Gläubiger vertritt. Wer ihr vorsteht, sollte ihr auch eine kirchlich fundierte Stimme in der Öffentlichkeit geben, gerichtet an die eigenen Mitglieder.
Die Argumentation war wohl, dass der Virus nicht unterscheidet zwischen Kirche und Kneipe.
VG
Chey
Die Argumentation war wohl, dass der Virus nicht unterscheidet zwischen Kirche und Kneipe.
Richtig, der Virus unterscheidet nicht. Aber ich unterscheide. Vom Ratsvorsitzenden der evangelischen Landeskirche oder seinen Bischöfen erwarte ich etwas anderes als vom Kneipenwirt nebenan.
@mikefrommuc Als Verantwortlicher musste man jeden Sonntag anhand der Zahlen entscheiden. Die Vorgaben waren eindeutig. Abstandregelungen etc.
Wenn Gottesdienst war, konnten aber auch alle daran teilnehmen. Teilweise mit Registrierung, nur wenn man bereit war Abstand zu halten und immer entweder geimpft, genesen, oder mit aktuellem negativem Test.
Ich wollte nicht registriert werden und dann als Kontakperson zu hause sitzen müssen.
Also habe ich die Angebote angenommen, Gottesdienste im Freien und wenn da trotzdem registriert werden musste, mit noch mehr Abstand. Lautsprecher machten es möglich.
Veröffentlicht von: @mikefrommucDie Argumentation war wohl, dass der Virus nicht unterscheidet zwischen Kirche und Kneipe.
Richtig, der Virus unterscheidet nicht. Aber ich unterscheide.
Und wie?
Vom Ratsvorsitzenden der evangelischen Landeskirche oder seinen Bischöfen erwarte ich etwas anderes als vom Kneipenwirt nebenan.
Vom EKD-Vorsitzenden erwarte ich verantwortliches Verhalten.
Was ich beim Kneipenwirt nicht zwingend voraussetze.
Vom EKD-Vorsitzenden erwarte ich verantwortliches Verhalten.
Was ich beim Kneipenwirt nicht zwingend voraussetze.
Verantwortliches Handeln erwarte ich von jedem Erwachsenen. Du nicht? 😉
Vom EKD-Vorsitzenden erwarte ich in einer Ausnahmesituation, daß er wie ein Kapitän den Kurs seines Schiffs vorgibt. In diesem Fall: Daß er klar sagt, daß es für den Staat eine rote Linie gibt und wo die rote Linie verläuft. Und daß er den Mund aufmacht, wenn die rote Linie überschritten wird.
Die Kirche betonte vor allem Verantwortung, Solidarität und Gesundheitsvorsorge. Erwartet hätte ich, daß sie die besondere Bedeutung von Gottesdiensten, Sakramenten, Religionsunterricht, kirchlicher Gemeinschaft hervorhebt - also das, was Kirche von beliebigen anderen sozialen Gemeinschaften unterscheidet.
Veröffentlicht von: @mikefrommucVom EKD-Vorsitzenden erwarte ich verantwortliches Verhalten.
Was ich beim Kneipenwirt nicht zwingend voraussetze.Verantwortliches Handeln erwarte ich von jedem Erwachsenen. Du nicht? 😉
Doch schon. Aber ein Kirchenmann ist nochmal anders als der Wirt einer Eckkneipe.
Ich nicht. Ich erwarte sowohl von den Gemeindeverantwortlichen wie auch dem Kneipenwirt, dass sie sich an die Empfehlungen der Fachleute und staatliche Vorgaben halten.
Wie gesagt, es gibt da keinen Unterschied bei Viren.
VG
Chey
Vielleicht gibt es einen Unterschied in der Herangehensweise an ein Problem ... Worauf schaue ich zuerst? Wer oder was ist mein "Berater"? So in der Art meine ich.
Verstehe ich nicht.
Es gab damals Gemeinden, die auf alle Regeln gepfiffen haben, weil sie meinten, ihr Glaube rechtfertigt dieses Verhalten. Für mich eine Versündigung vor Gott und ein klares Zeichen, dass die Gemeindeverantwortlichen nicht geeignet waren für ihre Aufgabe.
VG
Chey
@neubaugoere Wenn ich staatliche Vorgaben habe, dann sind die umzusetzen.
Wir haben die Ergebnisse der Gemeinden die meinen "Luther bekam in Wittenberg auch nicht die Pest" also bekommen wir das auch nicht gesehen.
Die Landkreise hier und die Nachbarlandkreise hatten Ausbrüche praktisch gar nicht. Mitbekommen hat man nur eine rumänische Gemeinde.
Die "Haredim" dachten in Israel auch, interessiert uns nich.
Die größten Infektionsquoten hatten diese strenggläubigen orthodoxen Juden.
Danach sind sie schlauer geworden und haben sich doch an die Regeln der Staates Israel gehalten.
@jigal Richtig. Es gab ein paar Gemeinden mit dokumentierten Ausbrüchen.
Und irgendwann hab ich mich über diverse erbitterte Diskussionen nur noch gewundert.
Und manchmal hätte ich mir auch ein bissel mehr Freiwilligkeit und Einsicht gewünscht statt starres Sich-an-die-Regeln-halten.
(Gegen die Masken haben ja hauptsächlich die gemotzt, die sie gar nicht die ganze Zeit über tragen mussten - Mimimi, die Maske stört beim Einkaufen etc. - Medizinisches Personal war da deutlich pragmatischer.)
Niemand hier sagt, dass wir unseren Verstand ausschalten sollen. Gehört nicht Gott die erste Stelle? Ja, wir beugen uns unter den Staat.
Ich hätte mir damals mutigere Menschen gewünscht. Wenn ein Virus über Tröpfcheninfektion übertragen wird (überwiegend), kann ich auch mal mit Maske den Atem anhalten und jemanden umarmen, mich dann gleich wieder entfernen. (Beispiel) Versteht ihr, was ich meine?
Ich brauche in einem Gottesdienst auch keine Scheinwerfer, keine Technik, Verstärker etc. Es ist keine Frage, das alles ist gut, wenn es da ist, wenn Menschen da sind, die alles bedienen können etc. Was machen nur die in ärmeren Ländern/Regionen, die das alles nicht haben?
Mein Anliegen ist es, einen Bogen zu schlagen dahin (also bitte nicht das eine vom anderen trennen), dass es wichtiger ist, Beziehung zu leben, Kontakte zu halten, das Evangelium zu verkündigen und aus diesem Grund, aus dieser Motivation genau hinzuschauen und sich nicht von Ängsten leiten zu lassen. Ja, vielleicht spricht meine "Coronaerfahrung" aus mir. Mag sein. Sind wir nicht genau dafür hier, um über UNS zu reden? Über Emotionen, Beweggründe, Erfahrungen ... sind wir nicht hier, um uns auszutauschen, einander zuzuhören?
Gottesdienste kann man auch unter freiem Himmel stattfinden lassen, an frischer Luft mit genug Abstand. Wenn's enger wird, kann man Masken aufsetzen. - Ich wünschte, wir hätten alle genauer hingeschaut, was geht, was möglich ist, was man machen kann ... Ich kann doch Glauben nicht einfach wegstecken ... Konntet ihr das?
Du hast da in einigen Punkten durchaus recht. Es wäre wohl mit etwas Phantasie mehr gegangen.
Aber der Widerstand in einigen Gemeinden ging ja gegen vernünftige Regelungen. Man meinte offenbar, der eigene Glaube mache immun. Und folgert daraus das Recht, das Virus dann auch zu Nachbarn, zum Einkaufen usw. zu tragen. Sprich man hatte mehr Aluhut als Heiligenschein auf. Das kritisiere ich.
Freiluftgottesdienste mit Abstand, Maske und weniger Menschen hätte man sicherlich mehr machen können
So haben wir das z.b. in unserer damaligen Welpengruppe gehalten. Immer 3 Meter Abstand und draußen, da ist folglich auch nie was passiert.
VG
Chey
Mich interessiert weniger, was "andere" machen. Mich interessieren meine unmittelbaren Geschwister, meine unmittelbare Familie, meine unmittelbaren Freunde, Nachbarn etc. - Wie war es in deiner Gemeinde?
Widerstand in Gemeinden? Den einzigen "Widerstand", den ich hautnah erlebte, ist ein älteres Ehepaar zwischen 85 und 90, die sich einfach nicht die Hände desinfizieren wollten 😀 und ständige ihre Masken vergaßen etc. Es war zu spüren, dass sie das alles nicht wollten und sich weigerten, die gestrengen Auflagen zu erfüllen, gerade weil sie wohl dachten, mei, wir sterben alle an irgendwas und irgendwann und stehen dann vor unserem Schöpfer ... ich weiß es nicht. Aber ich hab sie lieb. Ich machte mir einfach Sorgen ...
In meiner alten Gemeinde habe ich sehr gelitten in der Pandemie. Und es hätte andere Wege gegeben. Ich war verantwortlich für ein Nachmittagscafe und ich habe das nach draußen verlegt, hab mir was einfallen lassen, dass wir eine gute Zeit hatten, gerade mit den Älteren. Ja, es war mehr Aufwand. Aber das Ziel war es mir wert. Ich hab stundenlang ausgemessen, um die Stühle und Tische in den erforderlichen Abstand zu bringen auf dem Hof. Ich hab "Speisekarten" geschrieben und Verpacktes gekauft, Handschuhe angezogen etc. Einfach, damit wir uns live sehen können und uns austauschen können, miteinander reden können, eine gute Zeit haben können.
Wir hatten uns eine Kirche angemietet, um Abendmahl zu feiern ... wir stellten uns alle entlang der Mauern innen auf mit dem mindestens Armlänge (ausgestreckte Arme) Abstand. Die Austeilenden hatten Masken und Handschuhe an ... Es war gigantisch, den Zusammenhalt zu erleben.
Für die Gemeinde bot ich ein digitales "Café" an nach dem digitalen Gottesdienst, für die, die noch schwatzen wollten ...
Wenn ich staatliche Vorgaben habe, dann sind die umzusetzen.
Im Grunde gebe ich Dir recht. Ich bin der Typ, der sogar nachts um drei Uhr an der roten Fußgängerampel stehen bleibt, auch wenn weit und breit kein Auto kommt.
Doch ich erwarte auch, daß sich Behörden und die Kirche an die Regeln halten. In meinem Fall gab es eine Verwaltungsregel, an die sich der Staat nicht gehalten hat und die Kirche nur mit den Schultern gezuckt hat (hier nochmal zum Nachlesen).
Ich sah damals zwei Möglichkeiten für mich:
"Hier stehe ich und kann nicht anders!" Inspiriert von Luthers Standhaftigkeit hätte ich auf meinem Recht bestehen können und einen riesigen Wirbel machen können. Nicht weil es mir um den Widerstand an sich geht oder weil ich die eine oder andere Regel unsinnig fand. Sondern weil mir der Glaube wichtig ist und damit auch der konfessionelle Religionsunterricht. Ich wollte ja nichts außergewöhnliches, sondern nur, daß sich der Staat an die eigene Regel hält.
Die zweite Möglichkeit war, es auf sich beruhen zu lassen. Ich hätte dem gemeinsamen Religionsunterricht ja zugestimmt, wenn sie mich gefragt hätten. Mir ging es darum, nicht in meinem Recht übergangen zu werden. Gehört zu werden, und die Sichtweise der anderen zu hören.
Aber ich will den Fall an sich nicht diskutieren, das hatte ich früher schon mal hier gemacht. Mir geht es darum, was ich damals von der Kirche erwartet hatte und was sie nicht erfüllt hatte.
Ich hatte die Erwartung, eine theologische oder moralische Richtschnur zu bekommen, egal in welche Richtung. Ich bin sehr offen für gute Hinweise, im richtigen Ton. Ich kann bis heute die zurückhaltende Reaktion der evangelischen Kirche nicht nachvollziehen.
So habe ich auch im weiteren Verlauf darauf geachtet, wie sich meine Landeskirche verhält und wie sie sich zu den Maßnahmen äußert. Viele Maßnahmen wurden später von Gerichten kassiert, und Politiker geben selbst zu, daß sie manches überzogen haben. Ich kann mich aber nicht erinnern, daß die Kirche hier der Motor war, die Maßnahmen kritisch zu betrachten, die sie in ihrem Wesen betrafen: Gottesdienste, Seelsorge, kirchliche Feiertage. Ich spreche auch nicht vom Anfang der Pandemie, als niemand wußte, was kommt. Sondern von der Mitte und dem Ende, als abzusehen war, daß Corona kein Ebola-Virus ist.
Ich wünsche mir besonders in einer Ausnahmesituation, daß die Kirche sichtbar ist und für ihre Mitglieder da ist. Sie soll zuhören, was ihre Mitglieder bewegt, und soll sich theologisch positionieren. Nicht verstecken hinter dem Staat.
@neubaugoere hat es hier sehr schön beschrieben. Vieles war möglich, ohne Regeln zu brechen. Ich finde es toll, wenn Menschen konstruktive Wege finden, um einerseits die Vorgaben einzuhalten und andererseits zu zeigen, was ihnen trotz allem wichtig und ein Bedürfnis ist.
Vieles war möglich, ohne Regeln zu brechen.
Stimmt! Es gab durchaus einen gewissen Spielraum.
In meiner Gemeinde wurde der Spielraum genutzt, um soviel Gemeinschaft wie möglich stattfinden zu lassen. Trotzdem haben wir uns an die Regeln gehalten. Besonders ein Bruder hat die aktuell gültigen Bestimmungen immer sehr genau studiert.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir die Sitzordnung für die jeweiligen Sonntage ausgetüftelt haben, als nur 1 oder 2 Haushalte beieinander sitzen durften mit 2 m Abstand zur nächsten Gruppe. Die Sitzordnung wurde jedes Mal auf die Anzahl und Familienkonstellation der angemeldeten Teilnehmer angepasst, um so viele wie möglich unterbringen zu können.
Interessant fand ich, dass theologisch eher liberale Gemeinden die Maßnahmen tendenziell oft sehr streng angewandt haben. Teilweise weit über das geforderte Maß hinaus.
Eine Freundin, die in einer evangelisch landeskirchlichen Gemeinde ist, wurde an einem Sonntag sogar wieder nach Hause geschickt, weil nur Geimpfte Zutritt hatten. Und das, obwohl sie geimpft war und ihren Ausweis zu Hause vergessen hatte und obwohl man sie und ihren Impfstatus eigentlich kannte. Das war sehr enttäuschend für sie.
Ja, dieses Tüfteln - ich kann mich erinnern.
Ich war auch mal in Coronazeiten bei einer nähergelegenen Kirche zu Besuch - Kirchengebäude (schön kühl 😉 ) die hatten einen "Mittelpunkt" gebildet und U-förmig Stuhlreihen darum "drapiert" und Stühle gekennzeichnet, die man nicht besetzen darf, damit die Abstände nach vorn, hinten und zur Seite eingehalten werden. Das war toll gemacht. Zusätzlich stand jemand vorn und hat die Leute zu ihren Sitzplätzen dirigiert. Er hatte den Überblick, wie viele Plätze noch da waren und wer evtl. wo sitzen kann (Familien, Einzelpersonen). Ich fand das sehr gut organisiert. Die Stimmung war gut in dem Raum.
Es ging schon etwas. Ich bilde mir ein, daran erkennen zu können, wem was wichtig ist und wer wovon geleitet war.
Gerade Beziehungsarbeit ist in solchen Zeiten notwendig, weil diese Dinge ja nicht "einfach so" geschehen ... es gibt auch immer noch diesen "Gegenspieler", der in Beziehungen reingrätscht und sie zerstören will. Er hatte einigen Erfolg in der Coronazeit. Und das ist so schade für den Leib.
es gibt auch immer noch diesen "Gegenspieler", der in Beziehungen reingrätscht und sie zerstören will. Er hatte einigen Erfolg in der Coronazeit.
Ja, leider, es entstand extrem viel Spaltung.
Deswegen bin ich ganz besonders dankbar, dass wir als Gemeinde davon verschont geblieben sind und auch unsere Gemeindeleitung so weise war, die Corona-/Impf-/etc.-Themen nicht in den Mittelpunkt zu stellen.
Jeder konnte seine Meinung dazu haben, aber letztlich sind das untergeordnete Themen.
Also mein Bruder war damals mit vier Freunden in Ischgl und gehörte zu den ersten Schweizern, die sich angesteckt haben, von den 5 landeten 2 im Spital, einer davon mehrere Wochen auf der Intensivstation, die akute Phase war bei meinem Bruder nicht sonderlich schwer, aber danach konnte er mehrere Monate nicht mehr arbeiten, hatte schlicht die Kraft nicht mehr. Dann ist die Mutter meines Chefs gestorben, zwei Lehrer sind mehrere Monate ausgefallen, und eine Schülerin musste das Gymnasium abbrechen und leidet bis heute unter den Folgen. Gleichzeitig gab es einige die haben Corona durchgemacht und haben es kaum wahrgenommen, das sie krank waren. Ich persönlich wurde auch positiv getestet, hatte aber nie Symptome, impfen liess ich mich dennoch.
Was mir geblieben ist der totale Lockdown und dass ich ganz alleine im Zug sass (ich musste an die Schule, um die Tiere zu füttern).
Was heute noch geblieben ist, ist ein Bekannter, den die Pandemie definitiv über die Klippe gestossen hat und seit da nur noch verschwörungstheoretisch unterwegs ist.