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Forschungsstand zur „Early High Christology“ vs. Vermittlung in der Gemeindepraxis
24. September 2026 10:10
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich beschäftige mich aktuell mit der Entstehung des frühen Christentums und der Entwicklung des Christusglaubens. Zu diesem Themenkomplex habe ich zwei Fragen an Sie, die das Verhältnis von theologischer Forschung und kirchlicher Verkündigung betreffen:
- Zum aktuellen Forschungsstand: In der neutestamentlichen Wissenschaft (u. a. durch die Arbeiten von Larry Hurtado, Richard Bauckham und Martin Hengel) gilt das alte evolutionäre Modell – wonach sich der Glaube an Jesu Gottheitsstatus erst über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg im hellenistischen Umfeld entwickelt hat – als überholt. Stattdessen wird von einer „Early High Christology“ ausgegangen: Bereits in den Jahren 30–40 n. Chr., lange vor den ersten Schriften des Neuen Testaments, wurde Jesus in den jüdischen Gemeinde als göttlich angebetet und das Abendmahl als Feier seiner Auferstehung und Gegenwart als Sättigungsmahl gefeiert. Ist diese Ablösung des Evolutionsmodells hin zur „Early High Christology“ im aktuellen wissenschaftlichen Konsens der evangelischen Theologie so anerkannt?
- Zur kirchlichen Praxis: Wenn die Forschung zeigt, dass die hohe Christologie und die Anbetung Jesu auf die frühesten Augenzeugen (Jahre 30–40) zurückgehen und nicht das Produkt einer langen Kirchen- und Dogmengeschichte sind – warum wird in den Predigten und der Erwachsenenbildung der evangelischen Landeskirchen oft gefühlt immer noch das alte „Evolutionsmodell“ transportiert? Warum wird den Gemeinden nicht offensiver vermittelt, dass der christliche Glaube historisch extrem nah an den ersten Zeugen von Tod und Auferstehung ansetzt, anstatt den Eindruck zu erwecken, Jesus sei erst nachträglich zum Mythos erhoben worden?
Ich freue mich auf Ihre theologische Einschätzung und eine spannende Antwort. Danke dafür im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen, Bernd Isenbeck
Antwort
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