Bibellesen zweitrangig
So gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:
- In den ersten 1500 Jahren der Kirchengeschichte besaßen die wenigsten Menschen eine eigene Bibel oder konnten lesen. Dennoch hatten sie einen festen Glauben, denn dieser entsteht primär durch das Hören der mündlichen Verkündigung: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17).
- Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
- Ohne die Auslegung durch die Gemeinschaft und fundierte Begleitung führt das alleinige Lesen schnell zu Missverständnissen und Fehlern: „Dabei müsst ihr vor allem bedenken, dass keine Prophetie der Schrift eine Sache privater Auslegung ist“ (2. Petr 1,20).
- Christus wird für den Einzelnen vor allem im gemeinsamen Sakrament erfahrbar, was das gedankliche Studium von Texten weit übertrifft: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Kor 10,16).
- Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
- Am Ende zählt für die Rettung nicht das theoretische Textwissen, sondern das praktische Tun und die gelebte Nächstenliebe im Alltag: „Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).
- Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt; die tragende Säule der Wahrheit ist daher die Gemeinschaft: „...die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Fundament der Wahrheit“ (1. Tim 3,15).
- Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
- Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
- Jesus selbst hat seinen Jüngern keine Bücher hinterlassen, sondern den Heiligen Geist, der die Gemeinschaft der Glaubenden auch ohne geschriebenes Wort leitet und erinnert: „Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26).
Geht es euch ähnlich?
Veröffentlicht von: @holger-fSo gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:
[...]
Geht es euch ähnlich?
Mir persönlich ist das Selber-Lesen der Bibel in Ruhe und in meinem eigenen Tempo und mit Grundtext-Wortstudien schon wichtig und keineswegs zweitrangig - sowohl alleine als auch zu Zweit oder im Hauskreis. Und ich denke, damit bin ich in guter Gesellschaft:
Die Brüder aber schickten sogleich während der Nacht Paulus und Silas nach Beröa, wo sie sich nach ihrer Ankunft in die Synagoge der Juden begaben. Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte. Es wurden deshalb viele von ihnen gläubig, auch nicht wenige der angesehenen griechischen Frauen und Männer. (Apostelgeschichte 17,10-12)
Auch wenn das gemeinschaftliche Hören früher, als nur wenige Menschen lesen konnten oder eine Bibel besaßen, der übliche Zugang zum Wort Gottes war, heißt das ja nicht, dass das für alle Zeiten so bleiben sollte. Gott wacht doch über Sein Wort und sicher auch darüber, dass spätere Generationen mit anderen Lebensgewohnheiten "ihren" Zugang dazu finden würden. Predigten und Auslegungen werden dadurch nicht überflüssig, sondern ergänzt; und auch das Gemeinschaftliche bleibt weiterhin Kern gelebten Glaubens.
Mir persönlich ist das Selber-Lesen der Bibel in Ruhe und in meinem eigenen Tempo und mit Grundtext-Wortstudien schon wichtig und keineswegs zweitrangig - sowohl alleine als auch zu Zweit oder im Hauskreis. Und ich denke, damit bin ich in guter Gesellschaft:
Mir auch! Um es zu konkretisieren: Die täglichen katholischen Lesungen sind für mich Grundlage für meine Bibelstudien geworden…
Deine „Grundtext-Wortstudien“ in allen Ehren. Aber welchen Wert haben sie für andere Christen? Vor allem, wenn sie zu anderen Ergebnissen führen?
Sind für dich verschiedene Ergebnisse von „Grundtext-Wortstudien“ überhaupt ein Problem?
@holger-f Das Bibellesen ist aus meiner Sicht schon wichtig. Es kann den Glauben stärken und ausbauen. Es muss aber in diesem Sinne genutzt werden: um tiefer zu verstehen, woran Christen glauben. Kennenlernen des eigenen Glaubens. Die Fehlentwicklung ist hingegen, die Bibel zu nutzen, um einen neuen Glauben aufzubauen. Das eine passiert innerhalb der Gemeinde, das andere außerhalb. Letzteres steht auf der gleichen Stufe wie religiöser Pluralismus: Leute kaufen sich eine Bhagavad Gita und sagen, jetzt Hindus zu sein, die kaufen sich den Pali Kanon und sind jetzt Buddhisten, sie kaufen sich einen Koran und halten sich für Muslime. In diesem Sinne kann man auch eine Bibel aus ihrem Kontext reißen.
Ich sehe ebenfalls die von dir angesprochenen zwei Seiten. Allerdings war und ist immer noch überraschend, dass wir uns diesbezüglich in einer historisch und wohl auch kulturell völligen Ausnahmesituation befinden. Lehre, Brotbrechen, Gemeinschaft, Gebet - dieser Vierklang gilt IMO noch heute und in dieser Aufzählung kommt das private Bibellesen nicht vor. Um es noch provokanter zu sagen: Wenn ein böser Mensch alle Bibeln der Welt einsammeln und vernichten würde. Wäre das Christentum dann am Ende?
@holger-f Du hast ja schon geschrieben, was ursprünglich Kontext der Bibel war. Genaugenommen waren schon die Apostelbriefe ursprünglich nicht offen. Der Brief an die Philipper ging an die Philipper und nur an die Philipper. Später wurde alles das aufgeschrieben, was innerhalb der Kirche verwendet wurde. In Zeiten des Analphabetismus, also die meiste Zeit, war das auch kein Thema. Im 2. Petrusbrief wird sogar darauf hingewiesen, dass man sich die Bibel zum Gericht lesen kann, interessante Parallele übrigens zum Leib Christi, den man sich zum Gericht nehmen kann. Dass jeder die Bibel liest und irgendwie rumdeutet - und dabei einfach alles ignoriert, was Grundlage des Christentums ist - ist eher ein Problem, das auf den Subjektivismus und Relativismus der Postmoderne zurückzuführen ist. In der Moderne hatte der Materialismus bereits die Auffassung, dass Religionen überwunden werden. Tatsächlich hat die institutionalisierte Religion an Bedeutung verloren und wurde durch Patchwork-Religionen ersetzt, die Ausdruck von Subjektivismus und Relativismus sind. Die moderne Auffassung von Christentum, die sich als schriftbetont gibt, aber es letztlich nicht ist, ist auch nur eine weitere Form davon und nur bedingt Christentum im eigentlichen Sinne. Einmal ist es im religiösen Verständnis ungebunden, zum anderen ignoriert es die Auffassung des in der Geschichte wirkenden Heiligen Geistes und macht ihn zum subjektiven Erfüllungsgehilfen, der einem vor allem dann Recht gibt, wenn einem schon sonst niemand mehr Recht gibt. Gemeinden, deren Fokus Bibellesen ist, um das mal platt auszudrücken, überleben meist nicht. Sie entwickeln keine Kontinuität, auch keine in der Erkenntnis. Sie kommen und gehen. Gesicherte und tradierte Erkenntnis fängt erst an, wo sie über sich hinaus selbst Frucht bringen. Das sieht man eben nicht.
Einmal ist es im religiösen Verständnis ungebunden, zum anderen ignoriert es die Auffassung des in der Geschichte wirkenden Heiligen Geistes und macht ihn zum subjektiven Erfüllungsgehilfen, der einem vor allem dann Recht gibt, wenn einem schon sonst niemand mehr Recht gibt.
Gemeinden, deren Fokus Bibellesen ist, um das mal platt auszudrücken, überleben meist nicht. Sie entwickeln keine Kontinuität, auch keine in der Erkenntnis. Sie kommen und gehen. Gesicherte und tradierte Erkenntnis fängt erst an, wo sie über sich hinaus selbst Frucht bringen. Das sieht man eben nicht.
Wie kommst du auf solche Aussagen?
@adjutante und der Fokus ist das Lesen der Bibel ? Keine Sakramente, keine anderen Aktivitäten, keine Einbindung in eine übergeordnete Kirchenstruktur (egal welche) ?
Der Fokus ist das Lesen der Bibel zur Orientierung, zum Anteilhaben und zum Anteilgeben an etwas. Die biblische Begründung dazu sind die vier Heilsmittel aus Apostelgeschichte 2, 42. Es geht nicht darum dass wir unser Interesse in den Mittelpunkt stellen, sondern die verbindende Person Jesus Christus. Die Person Jesus Christus ist die Mitte.
Ich selbst befinde mich wie die meisten von uns innerhalb der evangelischen Kirche. Die Gemeinde besteht mit der Kirche, aber nicht unter der Kirche. Sie war von Anfang an eine Ergänzung dazu, weil die Leute mehr wollten.
Die Gemeinde besteht mit der Kirche, aber nicht unter der Kirche. Sie war von Anfang an eine Ergänzung dazu, weil die Leute mehr wollten.
Könntest du das einmal verdeutlichen? Mir will das nicht so recht einleuchten…
Könntest du das einmal verdeutlichen? Mir will das nicht so recht einleuchten…
Die Reformation ist eine Quelle unserer heutigen Gemeinschaftsbewegung, sie hat ihren Stammbaum in der Reformation. Es gab auch vor der Reformation schon manche Erweckung. Die Leute hielten sich treu zu dem Ortspfarrer und nahmen treu an den Gottesdiensten teil. Aber sie ließen es sich nicht nehmen, zusätzlich hin und her in ihren Häusern Gottes Wort zu hören und zu sagen.
So gibt es bis heute (mittlerweile) eigene Gemeinschaftshäuser und eigene Veranstaltungen (aus ihren eigenen Spendengeldern), unabhängig von Kirche und Pfarrer. Wobei, die Leute gehen auch in die Kirche, haben aber zusätzlich ihre eigenen Zusammenkünfte (Gottesdienste, Bibelgesprächskreise, Gebetsstunden etc.). Manche arbeiten ehrenamtlich bei kirchlichen Veranstaltungen mit, manche befinden sich im Kirchenvorstand.
Bei mir war es in meinen jungen Jahren auch so, daß ich sonntags um 14 Uhr in der Kirche zum Gottesdienst war und von da aus mit einigen Leuten anschließend zur Bibelstunde ging.
Gemeinschaftsbewegung, sie hat ihren Stammbaum in der Reformation
Darf man fragen, um welche Bewegung es sich handelt? Wenn du von Kirche sprichst, meinst du eine der Evangelischen Landeskirchen?
Darf man fragen, um welche Bewegung es sich handelt? Wenn du von Kirche sprichst, meinst du eine der Evangelischen Landeskirchen?
Ja, die Gemeinschaftsbewegung ist die evangelische landeskirchliche Gemeinschaft innerhalb der evangelischen Kirche.
Merci! Jetzt habe ich deine Bemerkung zu Gemeinde/ Kirche verstanden bzw. kann sie einordnen.
Interessanterweise gibt es Vergleichbares auch im Katholizismus. Neue Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen wie z.B. die Schönstatt-Bewegung, die Fokolar-Bewegung und die Charismatische Erneuerung wären da zu nennen, die ebenfalls parallel zur normalen Gemeinde-/ Pfarrstruktur existieren und persönliche Frömmigkeit, Gemeinschaft, Bibellesen und Alltagsengagement betonen.
Wenn ein böser Mensch alle Bibeln der Welt einsammeln und vernichten würde. Wäre das Christentum dann am Ende?
Wenn die „Kinder des Christentums“ den geistigen Inhalt der Bibel gut in sich aufgenommen haben und er Wurzeln schlagen konnte, dann nicht. Dann kann es in den Kindern weiterleben…. Und es würde sich mit jeder Generation weiterentwickeln…
Bleibt die Frage, ob man die weitere Entwicklung noch abgleichen könnte: sind wir noch auf dem richtigen Weg? Erinnern wir uns an alles, was der Herr uns hinterlassen hat? Vermutlich würde wieder irgendjemand auf die Idee kommen, das aufzuschreiben….damit es nicht verloren geht.
Das will ich nur ergänzen. Ich liebe die Bibel. Aber sie ist es nicht, um die sich alles dreht. Das ist Jesus Christus!
Die Bibel inspiriert mich. Aber sie überfordert mich auch…
Nach 40 Jahren intensiven Nachdenkens muss ich gestehen, dass ich nun froh bin, die Heiligen Schrift in ihren entscheidenden Aussagen verstanden zu haben…
Durch die Kirche. Durch die Tradition…
Bibellesen ist für mich leben mit Gott, leben mit Jesus.
Gedankenspiel. Alle Bibeln der Welt würden eingesammelt und vernichtet. Was wäre dann mit unserem Glauben?
Wäre das nur eine Sache zwischen dir und Jesus oder wie genau kommt die „Gemeinschaft der Glaubenden“ dann ins Spiel?
zu 5.) Du erlebst Jesu Gegenwart nicht zu Hause oder unterwegs, im Beruf oder beim Bibellesen?
Natürlich. Immer und überall. Die Frage war die, welchen Stellenwert dabei die Bibel hat, haben soll, haben kann…
Ja, ich hab noch nie wirklich die Bibel gelesen, außer die Schöpfungsgeschichte, Kain und Abel, die Sintflut, ..., was man halt im Religionsunterricht lernt und liest. Trotzdem erfahre ich Gott in meinem Leben immer wieder.
Also es ist trotzdem wichtig sich damit zu beschäftigen. Es geht auch über Auslegungen zu Textpassagen zum Beispiel. Die Theologie fusst ja auf der Schrift.
@kappa Bin ich zwiegespalten, aber aufgrund meiner Resonanz hier.
Bisher hab ich es nicht vermisst aber ja, seit ich mich etwas mehr mit Themen und dem, was die Bibel dazu sagt, beschäftige, kehrt mehr Frieden in mein Leben ein. Halt aber wegen meinem Verständnis der Stellen...
Das finde ich interessant, denn wie dir geht es vermutlich den allermeisten Christen. Die Vorstellung, jeder säße zu Hause und ließt täglich die Bibel, ist mE ein Zerrbild bzw. ein Wunschbild. Hast du Anschluss an eine Gemeinde/ Kirche?
Ja, ich hab noch nie wirklich die Bibel gelesen,
Was einiges Erklährt.
Trotzdem erfahre ich Gott in meinem Leben immer wieder.
Tat John Smith auch.
PS: Was nicht heist das ich deine Beziehung zum Herrn in frage stelle. Das ist eine Sache zwischen dir und dem Herrn. Ich frage mich nur, warum will man nich wissen was Jesus über Sich offenbart hat, wenn man doch Jesus liebt. Das ist irgendwie so als ob man einen Liebesbrief erhält diesen aber nicht lesen will.
Vielleicht, weil man es auch im Gottesdienst erfahren kann?
Man kann im Gottesdienst und in der Gemeinschaft und Dienst am Nächsten ganz viel erfahren, genauso wie im Bibellessen und in der Meditation.
Das eine machen und das andere nicht lassen.
@arcangel Was meinst du mit "das eine machen und das andere nicht lassen"?
@arcangel Ich hab mich da noch nicht so rangewagt ... es scheint mir ... noch zu groß, das ganze Thema.
Ich empfehle dir Rebekka im AT, Liebe auf den ersten Blick☺️ einfach Wundervoll.
Josef im AT was er erlebt mit Gott wirklich wundervoll.
Das wird dir gefallen, da bin ich mir sicher.
Ich gehöre eindeutig zu den Bibellesern. Warum? Weil ich in der Kirche (und zwar egal in welcher) sehr abgelenkt bin von den Menschen da.
zu deinen Punkten etwas ausführlicher:
1. Zum Selbststudium gehören ja auch Predigten, die man auf YouTube schauen kann.
2.
Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
Eine Predigt beinhaltet nicht zwangsläufig eine Lehre, eine Ermahnung hingegen schon. Nicht jeder Pfarrer bietet „Lehrstunden“ an, ehrlich gesagt: die wenigsten. Am ehesten noch in Freikirchen zu finden unter dem „Alpha-Kurs“ oder ähnlichem…
3. Stimmt. Bibellesen alleine ohne Input von aussen ist gefährlich.
4.
Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“
Ein gemeinschaftliches Brotbrechen gibt es im katholischen Gottesdienst nicht, wenn jeder in der Reihe stehend nach vorne alleine geht, um die Hostie zu empfangen und auch alleine wieder zurück. Nicht jeder Gottesdienst vermittelt das, was du beschreibst.
5.
Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser
Das stimmt nicht. Der Heilige Geist weht wo er will. Er ist auch bei jedem einzelnen Menschen im stillen Kämmerlein.
6.
Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“
Das hat nichts mit Bibellesen zu tun, sondern mit Tun. Auch was du im Gottesdienst hörst und nicht tust, ist ein Fallstrick.
7.
Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt
Jesus selbst hat aus den Heiligen Schriften gelesen, gelernt und gelehrt….
8.
Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt.
Es ist kein Ersatz. Das sind einfach zwei verschiedene Arten Gott zu erleben. Selbst Jesus hat die Stille gesucht und gebraucht, um sich zu sammeln.
9.
Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
Uneingeschränkt ja.
Wobei ich diesbezüglich höflich anmerken möchte, dass du gerade eine Herangehensweise zum Glauben über eine andere stellst. Das könnte man auch als Hochmut interpretieren.
10.
Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26).
Eben. Dieser braucht keinen Gottesdienst, damit er das tun kann. Aber er tut es auch da.
Zu dem einen Punkt - der christliche Glaube hat schon eine starke Fixierung auf die Gemeinschaft. Es ist grundsätzlich keine Solo Religion.
Klar kann Gott dir im Kämmerlein begegnen.
Aber die Verheißung hat er auf "2oder3 in seinem Namen" gemacht.
Aber die Verheißung hat er auf "2oder3 in seinem Namen" gemacht.
Hand aufs Herz: begegnet dir Gott im Gottesdienst? Hast du da so eine innige Gemeinschaft mit deinen Banknachbarn? Man wendet sich einander zu, schüttelt sich beim Friedensgruss die Hand (und meint es auch so, das ist echt) aber ist da sonst noch was?
Und wenn er dir in der Lesung aus dem Evangelium begegnet, dann kann ich das auch zu Hause haben.
Ich bin eigentlich ganz bei dir: ich liebe christliche Gemeinschaft. Aber ich erlebe sie nicht sonderlich ausgeprägt im sonntäglichen Gottesdienst. Ich erlebe sie so wenig, dass ich deswegen nicht hingehen brauche.