Freiheit im Christe...
 
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Freiheit im Christentum

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29395

Dieses Thema kam kürzlich hier in einem anderen Thread auf, und wenn man über "Freiheit im Christentum" redet, dann muss man natürlich fragen, was "Freiheit" eigentlich überhaupt bedeutet. Und das kann sehr verschieden sein.

Für die meisten bedeutet "Freiheit" wohl so viel: "Ich kann tun, was ich will". Für den einen ist das Reisefreiheit, für den anderen die Freiheit der Rede. Viele meinen damit vor allem die eigene Freiheit... Faschisten wünschen sich allerdings die Freiheit, andere unterdrücken zu dürfen, wieder andere wünschen sich ein Land, das "frei" von Menschen ist, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, andere verstehen darunter Reichtum, etliche auch sexuelle Freiheiten... der Möglichkeiten sind da viele.

Ich möchte mich hier mal auf einen bestimmten Gegensatz konzentrieren, der wohl für das Christentum prängend ist. Denn das Christentum wird von vielen Menschen - häufig durchaus zu recht - als einengend und unfrei wahrgenommen. "Christentum" bedeutet für viele Menschen Beschränkungen und Verbote... dies ist schlecht, das ist "Sünde", alles ist verboten. Und etliche Threads hier im Forum in der Form: "Darf man als Christ dieses oder jenes tun...?" scheinen das auch zu bestätigen.

Häufig steht dabei eine generelle Lustfeindlichkeit des Christentums im Zentrum, wobei die Sexualität natürlich eine sehr große Rolle spielt. Kein Sex vor der Ehe, keine Selbstbefriedigung, kein Fremdgehen, keine lüsternen Blicke oder Fantasien... alles ist verboten und eingeschränkt. Manchmal sogar bis hin zu bestimmten Praktiken in der Ehe. Hinzu kommen auch andere Dinge wie Völlerei, Gier und anderes... manche mögen sagen: Alles was Spaß macht ist nicht erlaubt.

Folglich gibt es Tendenzen, die "Freiheit" als etwas betrachten, das dem christlichen Glauben entgegensteht. Warum soll man erwachsene Menschen nicht tun lassen, was sie wollen? Wenn sie sich sexuell austoben wollen... bitte sehr, ist doch nichts dabei, solange alle einverstanden sind! Sollen die Leute doch machen was sie wollen, wer will sich da von irgendwelchen Vorschriften irgendwas verbieten lassen...? Wer Spaß an Orgien hat, welcher Art auch immer... bitte sehr, Freiheit ist angesagt!

Interessanterweise hat Paulus den Begriff der "Freiheit" ganz anders aufgefasst, und das finde ich tatsächlich spannend. Denn Paulus betrachtete jene Leute, die sich ganz ihren Trieben hingaben, als "unfrei". Denn sie waren ja Sklaven des Fleisches, also ihrer Triebe, hatten ihr Leben nicht unter Kontrolle, gaben sich Dingen hin, die ihnen letztlich schadeten.

"Freiheit" bedeutete für Paulus, sich nicht von seinen Trieben beherrschen zu lassen, sondern die Kontrolle dem "Geist" zu übergeben - und nicht dem "Fleisch". 

Paulus hat den Begriff der "Freiheit" also quasi ins Gegenteil verkehrt: "Freiheit" bedeutete nicht, seinen Trieben jederzeit folgen zu können - sondern genau das eben nicht zu tun... bzw. nicht tun zu müssen!

Allerdings besteht der Verdacht, dass Paulus hier möglicherweise zu weit ging. Denn er hat ja auch die Ehelosigkeit propagiert, und das mit der Bemerkung, dass jene, die es halt sonst nicht aushalten, durchaus heiraten mögen... es aber besser sei, es nicht zu tun.

Hier zeigt sich wohl auch die Lustfeindlichkeit, die man dem Christentum oft vorwirft, in dem es nicht nur darum geht, die fleischlichen Gelüste zu kontrollieren - sondern sie vollkommen zu unterdrücken oder sogar zu negieren.

Damit geht der Glaube aber meiner Ansicht nach zu weit, weil das letztlich eine Selbstverleugnung bedeutet. Den Ansatz, die eigenen Triebe zu kontrollieren kann ich noch mitgehen... alles zu leugnen und zu unterdrücken hat aber nichts mehr mit "Freiheit" zu tun, meiner Ansicht nach.

Wichtig finde ich jedenfalls, die unterschiedlichen Vorstellungen von "Freiheit" zu berücksichtigen... und die Frage zu bedenken, wie viel "Freiheit" (in deren Vorstellung) man anderen Menschen zugestehen kann.

Wie sehr ihr das?

Ist Christentum mit "Freiheit" vereinbar... oder ist es eher eine Einschränkung...?

 

Antwort
510 Antworten
Katechon
Beiträge : 139
Veröffentlicht von: @tatokala

gratulier

Sagt mein jüngerer Bruder Methusalem auch immer, wenn er mich foppen will. Alter ist kein Verdienst, es kommt von alleine. 😉

katechon antworten


kerygma
Beiträge : 62
Veröffentlicht von: @lucan-7

Das kann nicht sein.

Interessant, dann glaubst Du an einen anderen Gott.

Denn der Gott der Bibel "will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen" (1. Tim 2,4).

 

In so einer fundamentalen Frage kann man nicht anderer Meinung sein, hier ist der Apostel Paulus sehr klar.

"Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht." (Gal 1,6 - 9)

Alles Gute für Dich.

kerygma antworten
4 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29395

@kerygma 

Interessant, dann glaubst Du an einen anderen Gott.

Als bekennender Atheist glaube ich an gar keinen Gott...

Und weil das vermutlich Fragen aufwirft: Ich war sehr viele Jahre auf der Suche und habe mich viel mit dem Glauben auseinandergesetzt. Ich war auch der Überzeugung, dass Gott existiert, habe viel gebetet und verschiedene Gemeinden besucht, um mehr über den christlichen Glauben und Jesus zu erfahren.

Aber je mehr ich mich damit befasste, desto widersprüchlicher und unglaubwürdiger erschien mir die Sache. So sehr, dass ich dann irgendwann auch nicht mehr glauben konnte. Das war keine Entscheidung meinerseits, sondern eine Feststellung - ich habe Gott also nie verworfen oder dergleichen.

Im Rahmen meiner Suche bin ich dann auch hier aufs Forum gestoßen und habe seitdem etliche interessante Diskussionen geführt.

 

Denn der Gott der Bibel "will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen" (1. Tim 2,4).

Das mag da stehen. Aber dann wäre Gott nicht allmächtig. Denn wenn Gott allmächtig ist, dann geschieht alles, was er will. Wollte er wirklich alle Menschen zum Glauben führen, dann wüsste er auch ganz genau, was er dafür tun müsste. So wie er ja auch bei Paulus eingegriffen hat, um ihn von seinem Irrweg abzubringen. Dem allmächtigen Gott ist nichts unmöglich.

Wenn es für Gott aber ein Leichtes wäre, jeden Menschen zum Glauben zu bringen, er es aber dennoch nicht tut - dann will er es auch nicht.

Aus dieser Logik kommst du nicht heraus.

 

In so einer fundamentalen Frage kann man nicht anderer Meinung sein, hier ist der Apostel Paulus sehr klar.

"Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht." (Gal 1,6 - 9)

Nicht der einzige Widerspruch der Bibel, der mir den Glauben unmöglich macht.

 

Alles Gute für Dich.

Danke, dir auch.

 

 

lucan-7 antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 853

@lucan-7 Ist dein Abwenden von Gott nicht auch der Beweis des freien Willens? Wäre alles Gott und seinem Willen unumgänglich unterworfen, wie du so oft schreibst, wäre das doch gar nicht möglich? Oder die anderen Religionen?

samira-jessica antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29395

@samira-jessica 

Ist dein Abwenden von Gott nicht auch der Beweis des freien Willens? Wäre alles Gott und seinem Willen unumgänglich unterworfen, wie du so oft schreibst, wäre das doch gar nicht möglich? Oder die anderen Religionen?

Nein. Ich WOLLTE ja an Jesus glauben. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ihn zu suchen und in der Bibel über ihn zu lesen.

Aber gefunden habe ich ihn nicht. Ich habe mich aber auch nie abgewendet. Ich habe also nie gesagt: "Ich will nicht mehr!" oder "Ich entscheide mich gegen den Glauben!".

Es war eine simple Feststellung, dass ich die bliblische Lehre für unglaubwürdig halte, aus etlichen verschiedenen Gründen. Und das kann ich nicht einfach ändern.

lucan-7 antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 853

@lucan-7 Oh, ich verstehe ... schwierig ...

samira-jessica antworten
Katechon
Beiträge : 139
Veröffentlicht von: @awhler

Ansonsten reagiere ich weiter und jederzeit auf Postings von Dir, wann und wo ich das will 😉

Nimm zur Kenntnis, dass ich auf keine Deiner (Re)aktionen (egal wo und zu welchem Thema) ab jetzt nicht mehr reagieren werde. Ich habe gesagt was ich zu sagen wünsch(t)e, ich sehe keinen Sinn in monothematischen Diskussionen. Sei der Rufer in der Einöde, das steht Dir frei, Du findest kein Gehör.

katechon antworten
2 Antworten
AWHler
 AWHler
(@awhler)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2295

@katechon 

Ach ja, da war was .... Das Mikro fallen lassen, performativ ... 😉 🤣 

L'Chaim

awhler antworten
Irrwisch
(@irrwisch)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 3640
Veröffentlicht von: @katechon
Veröffentlicht von: @awhler

 

Sei der Rufer in der Einöde, das steht Dir frei, Du findest kein Gehör.

Bei dir vielleicht nicht. Bei mir schon!! 😎 

irrwisch antworten


Irrwisch
Beiträge : 3640

@lucan-7 

Hi Lucan

Freiheit, ein ganz großes Wort.

 

Für mich stellt sich die Frage

Freiheit wovon?

Freiheit wofür?

Was beinhaltet für dich Freiheit?

Was beinhaltet für mich Freiheit?

 

Hat Freiheit für jeden Menschen gleiche Vorstellung, gleiche Bedeutung, gleichen Inhalt, gleichen Wert?

irrwisch antworten
kerygma
Beiträge : 62
Veröffentlicht von: @lucan-7

Als bekennender Atheist glaube ich an gar keinen Gott...

In diesem Fall würde ich sagen, bist Du selbst dieser andere Gott

Veröffentlicht von: @lucan-7

Aber je mehr ich mich damit befasste, desto widersprüchlicher und unglaubwürdiger erschien mir die Sache. So sehr, dass ich dann irgendwann auch nicht mehr glauben konnte. Das war keine Entscheidung meinerseits, sondern eine Feststellung - ich habe Gott also nie verworfen oder dergleichen.

Das scheint mir eine sehr rationalisierte Herangehensweise zu sein. Vermutlich würde ich diese Widersprüchlichkeit auch feststellen, wenn ich darüber nachdenke, wieso das menschliche Wesen sowohl lieben als auch grausam sein kann. 

Gelegentlich erlebe ich auch, wie Menschen Wahrheit und Rhetorik verwechseln. Der Sprechende mit der besseren Rhetorik und den vielleicht in einem Moment besseren Argumenten würde Wahrheit aussagen. Das halte ich aber auch für viel zu verkürzt.

Um die klassischen Gotteshinweise zu bemühen: wenn Gott das ist, über das nichts höheres gedacht werden kann, scheitert jede rationale Betrachtung. Das Christentum basiert im wesentlichen auf menschlichen Erfahrungen und Zeugen, die für ihre Erfahrungen in den Tod gegangen sind, oder Menschen, die von Erfahrungen sprechen, die ihnen widerfahren sind, die aber rein rational natürlich nicht zugänglich ist.

Erkläre mir rational, dass ein Toter auferstanden ist. Das überzeugt niemanden. Aber schon damals nicht. Die frühen Christen konnten schon zwischen Toten und Lebenden unterscheiden. Und trotzdem, obwohl eine Auferstehung von Toten überhaupt nicht in ihr religiöses Konzept passte und auch völlig abwegig ist, wenn wir rationale, logische oder empirische/wissenschaftliche Grundannahmen voraussetzen, bestanden diese Leute darauf, dem Auferstandenen begegnet zu sein. 

Das kann man zur Kenntnis nehmen. Das Christentum basiert eben wesentlich auf dieser Erfahrung und dass diese Erfahrung in der Schrift für die folgenden Generationen festgehalten wurde.

 

Veröffentlicht von: @lucan-7

Das mag da stehen. Aber dann wäre Gott nicht allmächtig. Denn wenn Gott allmächtig ist, dann geschieht alles, was er will. Wollte er wirklich alle Menschen zum Glauben führen, dann wüsste er auch ganz genau, was er dafür tun müsste. So wie er ja auch bei Paulus eingegriffen hat, um ihn von seinem Irrweg abzubringen. Dem allmächtigen Gott ist nichts unmöglich.

Wenn es für Gott aber ein Leichtes wäre, jeden Menschen zum Glauben zu bringen, er es aber dennoch nicht tut - dann will er es auch nicht.

Aus dieser Logik kommst du nicht heraus.

Interessant finde ich die Behauptung Deinerseits, dass Gott die Menschen nicht zum Glauben führt.  Das leitest Du aus der Tatsache ab, dass viele Menschen nicht glauben. Du behauptest also, weil sich ein Wanderer für Weg A statt für Weg B entschieden hat, gab es den Touristenführer nicht, der ihn zur Weggabelung führte.

Interessant ist aber auch Deine Grundannahme, die Deiner Schlussfolgerung vorausgeht. Für Dich ist Gott dann gut, wenn er den Menschen zu einem Sklaven macht. Wenn er ihm die Entscheidungsfreiheit nimmt. Ist das wirklich gut und hälst Du diesen Standpunkt konsequent durch?

Wie beurteilst Du die Moralität von Tieren, die keine freie Entscheidung haben, handelt ein Tier, das unfrei ein anderes Tier tötet, gut oder schlecht?

Wieso ist ein Gott, der Menschen zu Sklaven macht, für Dich ein guter Gott und vielleicht auch ein besserer Gott als einer, der die menschlichen Taten am Ende der Zeit beurteilt?

Und wie kann ein Gott die Wahrheit sein, wenn er den Menschen die Möglichkeit nimmt, authentisch zu handeln und sich frei zu entscheiden?

Diese Fragen müsstest Du beantworten: denn sowohl das moralisch Gute als auch die Wahrheit gibt es nur in Freiheit, die immer eine alternative Option zur Verfügung stellt.

kerygma antworten
8 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29395

@kerygma 

In diesem Fall würde ich sagen, bist Du selbst dieser andere Gott

Ich? Ich wüsste nicht, womit so eine Annahme zu rechtfertigen wäre. Ich habe nur einen relativ geringen Einfluss darauf, was mir geschieht und kann mein Leben nur sehr bedingt steuern. Ich habe nichts von einem "Gott", wie er in den Religionen der Welt beschrieben wird.

 

Das scheint mir eine sehr rationalisierte Herangehensweise zu sein. Vermutlich würde ich diese Widersprüchlichkeit auch feststellen, wenn ich darüber nachdenke, wieso das menschliche Wesen sowohl lieben als auch grausam sein kann.

Es waren eher die Widersprüche in der Bibel bzw. in der christlichen Lehre, die mich zweifeln liessen. 

Letztlich lautet die zentrale Frage: Was ist, nüchtern betrachtet, wahrscheinlicher - dass die Bibel von einem göttlichen Wesen mit einem konkreten Plan inspiriert wurde - oder dass sich das Geschriebene auch auf einer rein psychologischen und gesellschaftlichen Basis erklären und herleiten lässt?

Die Antwort fiel da für mich recht eindeutig aus.

Gelegentlich erlebe ich auch, wie Menschen Wahrheit und Rhetorik verwechseln. Der Sprechende mit der besseren Rhetorik und den vielleicht in einem Moment besseren Argumenten würde Wahrheit aussagen. Das halte ich aber auch für viel zu verkürzt.

Natürlich. Deshalb halte ich ja auch strenge Logik für die entscheidende Vorgehensweise hier - und nicht die Frage, welcher Prediger oder Theologe einem sympathisch sein mag.

Um die klassischen Gotteshinweise zu bemühen: wenn Gott das ist, über das nichts höheres gedacht werden kann, scheitert jede rationale Betrachtung.

In der Tat. Was soll hier als "höher" oder als "niedriger" angesehen werden?

Und selbst wenn man das philosophisch einigermaßen fassen kann: Dann ist darüber ja immer noch nichts über den christlichen Glauben konkret ausgesagt - sondern allenfalls, dass etwas "Höchstes" gibt.

Inwiefern das für uns relevant ist - das ist eine ganz andere Frage.

 

Erkläre mir rational, dass ein Toter auferstanden ist. Das überzeugt niemanden.

Ja und nein. In diesem Fall macht ja gerade das Unmögliche das Besondere aus. Wunder sind nicht rational erklärbar - sonst wären sie ja keine "Wunder" mehr. Theologisch betrachtet ist das nicht die Frage, sondern die Antwort.

Wissenschaftlich gesehen stellt sich hier natürlich dennoch die Frage: "Was ist als wahrscheinlicher zu betrachten - dass tatsächlich ein Mensch von den Toten aufersteht, oder dass einfach ein paar Leute so etwas behauptet und andere es geglaubt haben...?"

 

Interessant finde ich die Behauptung Deinerseits, dass Gott die Menschen nicht zum Glauben führt. Das leitest Du aus der Tatsache ab, dass viele Menschen nicht glauben. Du behauptest also, weil sich ein Wanderer für Weg A statt für Weg B entschieden hat, gab es den Touristenführer nicht, der ihn zur Weggabelung führte.

Die Frage ist doch, ob die Informationen tatsächlich ausreichend sind. Natürlich bekommen Nicht-Christen hierzulande etwas von Jesus mit. Sie wissen, dass es eine Bibel gibt, und dass die Kirche am Marktplatz dem christlichen Gott gewidmet ist.

Aber sind das tatsächlich ausreichende Hinweise, um womöglich sein ganzes Leben neu danach auszurichten? Wenn du an einem buddhistischen oder hinduistischem Tempel vorbeigehst - gehst du dann spontan hinein, um allen Hinweisen nachzugehen, ob sich darin womöglich die entscheidende Wahrheit finden lässt?

 

Interessant ist aber auch Deine Grundannahme, die Deiner Schlussfolgerung vorausgeht. Für Dich ist Gott dann gut, wenn er den Menschen zu einem Sklaven macht. Wenn er ihm die Entscheidungsfreiheit nimmt. Ist das wirklich gut und hälst Du diesen Standpunkt konsequent durch?

Bedeutet es denn, eine "Entscheidungsfreiheit zu nehmen", wenn man Menschen glaubwürdige Informationen vorenthält? Was ist denn ein Wegweiser wert, der sagt die eine Richtung ist "grün" und die andere Richtung ist "blau", wenn man nicht weiss, was diese Farben bedeuten? Zumal dann noch ein Haufen Menschen am Wegrand steht, von denen die Hälfte behauptet, man solle "grün" wählen, während die andere Hälfte sagt, nein, auf jeden Fall "blau", den "grün" führt in einen Abgrund... na danke auch, und dann heisst es: "Ja, hättest du halt geglaubt und vertraut!". Jau, vielen Dank... aber wem denn? 

Und Gott lässt das alles so geschehen, weil er annimmt, das würde an Informationen ausreichen, um die richtige Wahl zu treffen...?

 

Wie beurteilst Du die Moralität von Tieren, die keine freie Entscheidung haben, handelt ein Tier, das unfrei ein anderes Tier tötet, gut oder schlecht?

Ich  denke, dass das Konzept von "gut" und "böse" eine Metapher für unsere Entwicklung vom Tier zu Menschen ist. Wobei auch höhere Tierarten möglicherweise schon über so ein Konzept verfügen - aber das ist nach heutigem Wissensstand Spekulation.

 

Und wie kann ein Gott die Wahrheit sein, wenn er den Menschen die Möglichkeit nimmt, authentisch zu handeln und sich frei zu entscheiden?

Wie kann Gott die "Wahrheit" sein, wenn er es zulässt, dass Lügen über ihn verbreitet werden...?

 

Diese Fragen müsstest Du beantworten: denn sowohl das moralisch Gute als auch die Wahrheit gibt es nur in Freiheit, die immer eine alternative Option zur Verfügung stellt.

Kann man so sehen... hat aber mit der Fragestellung hier erstaunlich wenig zu tun.

 

lucan-7 antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 853

@lucan-7 Mir fällt gerade ein, eigentlich ist ja ganz einfach. Egal ob Tür A und Tür B, Richtug grün oder rot, gut oder böse; es steht dir ja frei auszuprobieren.

Du wirst dann halt sehen, dass das eine in eine ungesunde Richtung führt. Aber wie bei vielem, muss man vielleicht immer die Erfahrung selbst machen.

samira-jessica antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29395

@samira-jessica 

Mir fällt gerade ein, eigentlich ist ja ganz einfach. Egal ob Tür A und Tür B, Richtug grün oder rot, gut oder böse; es steht dir ja frei auszuprobieren.

Du wirst dann halt sehen, dass das eine in eine ungesunde Richtung führt. Aber wie bei vielem, muss man vielleicht immer die Erfahrung selbst machen.

Es gibt ja sehr viel mehr Richtungen als nur zwei oder drei... und ob es einem gut tut oder nicht merkt man womöglich erst nach Jahren.

Wenn ich mir so überlege, wann ich anfing mich ernsthaft mit dem Christentum zu befassen, bis ich dann irgendwann daran gescheitert bin, dann waren allein das wohl etwa acht Jahre. 

lucan-7 antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 853

@lucan-7 Ja und dann kann man ja umkehren ... (soweit man noch die Kraft dazu hat)

samira-jessica antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 62
Veröffentlicht von: @samira-jessica

@lucan-7 Mir fällt gerade ein, eigentlich ist ja ganz einfach. Egal ob Tür A und Tür B, Richtug grün oder rot, gut oder böse; es steht dir ja frei auszuprobieren.

Du wirst dann halt sehen, dass das eine in eine ungesunde Richtung führt. Aber wie bei vielem, muss man vielleicht immer die Erfahrung selbst machen.

Wobei das verrückte ist, dass Gott bereits in der Bibel vorgelegt hat, wie das Gerichtsurteil sein wird und welchen Anwalt man nehmen muss, um nicht verurteilt zu werden. Mehr geht eigentlich nicht.

kerygma antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29395

@kerygma 

Wobei das verrückte ist, dass Gott bereits in der Bibel vorgelegt hat, wie das Gerichtsurteil sein wird und welchen Anwalt man nehmen muss, um nicht verurteilt zu werden. Mehr geht eigentlich nicht.

Und dann frag' mal einen Muslim, was er davon hält... der wird da was ganz anderes erzählen.

Und wie stellt man dann ganz objektiv fest, wer hier recht hat?

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4812
Veröffentlicht von: @kerygma
Veröffentlicht von: @samira-jessica

@lucan-7 Mir fällt gerade ein, eigentlich ist ja ganz einfach. Egal ob Tür A und Tür B, Richtug grün oder rot, gut oder böse; es steht dir ja frei auszuprobieren.

Du wirst dann halt sehen, dass das eine in eine ungesunde Richtung führt. Aber wie bei vielem, muss man vielleicht immer die Erfahrung selbst machen.

Wobei das verrückte ist, dass Gott bereits in der Bibel vorgelegt hat, wie das Gerichtsurteil sein wird und welchen Anwalt man nehmen muss, um nicht verurteilt zu werden. Mehr geht eigentlich nicht.

Und das ist ja nicht alles - der 'Anwalt' ist auch der 'Angeklagte' und hat die Strafe schon übernommen. 
Logisch? Nein. 

chai antworten
Samira-Jessica
(@samira-jessica)
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Beiträge : 853

@kerygma xD Das Bild ist super!

samira-jessica antworten


Katechon
Beiträge : 139
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich WOLLTE ja an Jesus glauben. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ihn zu suchen und in der Bibel über ihn zu lesen.

Man kann den Glauben nicht erzwingen, ihn nicht ›herbeipfeifen‹. Meistens findet man nicht sondern wird gefunden. Ich für meinen Teil bin froh, dass wir nicht mehr in den Zeiten leben in denen man als Nicht-Gläubiger gesteinigt wurde. Und als Nicht-Gläubiger den Glauben heucheln musste um nicht gesteinigt zu werden.

Mir ist ein ehrlicher Nicht-Gläubiger lieber als ›ein falscher Fuffziger‹, der den Glauben nur heuchelt. Glauben ist etwas höchst privates und persönliches … ich würde ihn nicht performativ und plakativ vor mir hertragen. Einen Nicht-Gläubigen würde ich bitten mit seiner Einstellung ebenso zu verfahren. 

katechon antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29395

@katechon 

Man kann den Glauben nicht erzwingen, ihn nicht ›herbeipfeifen‹. Meistens findet man nicht sondern wird gefunden. 

Dennoch sind die meisten Gläubigen der Ansicht, dass jeder, der Gott aufrichtig sucht, ihn auch finden wird. Und wer ihn nicht findet - der hat ihn halt nicht aufrichtig gesucht.

Letztlich liegt der Ball also immer beim Menschen, und dass er sich gefälligst Mühe zu geben hat. Und wenn es nicht klappt - dann liegt die Schuld immer beim Menschen.

lucan-7 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4812
Veröffentlicht von: @katechon
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich WOLLTE ja an Jesus glauben. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ihn zu suchen und in der Bibel über ihn zu lesen.

Man kann den Glauben nicht erzwingen, ihn nicht ›herbeipfeifen‹. Meistens findet man nicht sondern wird gefunden. Ich für meinen Teil bin froh, dass wir nicht mehr in den Zeiten leben in denen man als Nicht-Gläubiger gesteinigt wurde. Und als Nicht-Gläubiger den Glauben heucheln musste um nicht gesteinigt zu werden.

Mir ist ein ehrlicher Nicht-Gläubiger lieber als ›ein falscher Fuffziger‹, der den Glauben nur heuchelt. Glauben ist etwas höchst privates und persönliches … ich würde ihn nicht performativ und plakativ vor mir hertragen. Einen Nicht-Gläubigen würde ich bitten mit seiner Einstellung ebenso zu verfahren. 

Da sprichst Du sehr wichtige Dinge an. 
Man weiß ja nicht, ob die Menschen früher wirklich 'gläubiger' waren oder ob es eben einfach Teil des Alltags war, bestimmte Dinge und Rituale einzuhalten, weil man sonst einfach Probleme bekam. 
(Ich kann mich z.B. an eine Mit-Azubine entsinnen, die kam aus einem der katholischen Dörfer im Umland und für die gehörte der samstagabendliche Kirchgang vorm Saturday-Night-Fever einfach dazu, weil sie sonst die Oma geärgert hätte. Und bevor man am Sonntag nach der Disco früh aufstehen musste, ging man dann halt am Samstag-Abend.)

Ich selber hab mich in jungen Jahren sehr an diesen 'Traditionschristen' gerieben, für die der sonntägliche Kirchgang eben einfach auch zum Sehen und Gesehenwerden dazugehörte. Heute denke ich, dass ich manchen vielleicht auch unrecht damit tat. 

chai antworten
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