Gedenken der Befrei...
 
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Gedenken der Befreiung der KZ-Lager vor 80 Jahren - Warum hat Gott diese Vernichtungslager überhaupt zugelassen?

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Herbert52
Themenstarter
Beiträge : 244

Durch die vielen Berichte über die Gedenkfeiern zum Kriesgsende und den Befreiung der Juden und anderer KZ-Insassen finde ich die Frage der Theodizee wieder aktuell. Die einen sagen, Hilterfaschismus und KZ´s sind ein Beweis dafür, dass es kein Gott gibt oder das er sich nicht um die Menschen kümmert. Andere sagen, dass Gott das zugelassen hat muss einen tieferen Sinn haben und widerspricht nicht der LIebe Gottes. Denjenigen die Argumente für die letzte Gedanken vorbringen, wird dann Zynismus vorgeworfen. 

Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gibt es ebenfalls ganz unterschiedliche und teils ähnliche Überlegungen der Rechtfertigung. Mich spricht der Gedanken besonders an: Wenn man nach Auschwitz den Glauben an Gott verliert, dann erst hat der Faschismus wirklich gesiegt.

Der Gedanke, dass Gott diese Greul zugelassen hat wird aus meiner Sicht auch dadruch gestützt, dass die zahlreichen Hitlerattentate schief gelaufen sind. Manche Nazis sehen das wiederum als eine Bestätigung der göttliche Sendung von A.H.

Ihr seht, es hängen da viele Fragen dran, die ich nicht einfach finde zu beantworten. 

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41 Antworten
neubaugoere
Beiträge : 19188

@herbert 

Hi, willkommen hier auf jesus.de <- hatte ich beim letzten Mal nicht erwähnt. 🙂

Ich weiß ja nicht, in welchem Kontext/Zusammenhang sich dir solche Fragen stellen; dennoch möchte ich dir mit auf den Weg geben: Niemand muss alles beantworten können oder gar diskutieren. - Möglicherweise vermagst du in solchen Momenten nach der Motivation der/s Fragenden forschen? Oft stecken ganz andere Dinge hinter solchen Fragen ... 

neubaugoere antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779
Veröffentlicht von: @lucan-7

Und du solltest aufpassen, welche Geschichten genau du verbreiten möchtest...

 

Aha, das ist eine Drohung.

jigal antworten
6 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jigal 

Aha, das ist eine Drohung.

Vorhin habe ich auf den Unterschied zwischen "Meinung" und "Unterstellung" hingewiesen... soll ich das jetzt nochmal für "Drohung" und "Empfehlung" machen?

Womit sollte ich dir wohl "drohen" können?

Ich empfehle dir, keinen Unsinn zu verbreiten, das ist alles.

 

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@lucan-7 Es ist für mich kein Unsinn, Unsinn zu verbreiten ist bisher auch nicht strafbar.

Giordano schreibt im Buch auf Seite 282:  Im Kapitel Und die Deutschen. Gegenpäpste, Ordensburgen, Sonnenräder.

Gläubige und ihre Institutionen wären übel dran gewesen und zwar die aller Konfessionen.

In seinem Tagebuch geht Rosenberg auf Hitlers Pläne nach der Beendigung der Kampfhandlungen ein.

"Das Christentum sein durch menschliche Machtmittel eingeführt worden, also könne es auch durch menschliche Machtmittel wieder abgeschafft werden".

jigal antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jigal 

Es ist für mich kein Unsinn, Unsinn zu verbreiten ist bisher auch nicht strafbar.

Es ist gut, dass es nicht strafbar ist... aber dass es nicht strafbar ist heißt noch nicht, dass es gut ist.

 

Was genau ich bedenklich finde habe ich dir ja erklärt. Dass die Nazis dem Christentum kaum positiv gegenüberstanden ist wohl unbestreitbar.

Aber bevor man hier einen Vergleich zum Holocaust zieht sollte man doch etwas genauer hinschauen.

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

Eigentlich ist das nicht das Thema.  Gefragt wurde warum Gott das zu gelassen hat und die Auswirkungen auf Leute die seither nicht mehr an Gott glauben können.  Ich habe hunderte von Büchern gelesen und  kann mich nicht an jedes Kapitel das ich vor zig Jahren gelesen habe so erinnern wie manche das in Foren fordern.

Veröffentlicht von: @jigal

In seinem Tagebuch geht Rosenberg auf Hitlers Pläne nach der Beendigung der Kampfhandlungen ein.

"Das Christentum sein durch menschliche Machtmittel eingeführt worden, also könne es auch durch menschliche Machtmittel wieder abgeschafft werden".

Darum ging es, nicht um eine physische Vernichtung, auch wenn es in Dachau einen Pfarrertrakt gab und es Planungen geben die Kirchen gab.  Die Shoa hat etwas einzigartiges. SIcher ist aber die Bekämpfung der Kirchen.  Giordano erwähnt in dem Artikel eine Aussage Hitlers zu Bischof Galen.

 

Wenn man auf Leuten rumhackt und  Dinge schreibt die als Drohung aufgefasst werden können ist das für ein christliches Forum nicht gut.

Es führt dazu, zu überlegen ob man auf manche Menschen überhaupt noch reagiert. Das werde ich mir merken. Mir ist die Zeit dafür zu schade. Aber es gibt auch Leute die verstehen meine Sichtweise und die Reaktionen sind entsprechend.

jigal antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@jigal 

Wenn man auf Leuten rumhackt und  Dinge schreibt die als Drohung aufgefasst werden können ist das für ein christliches Forum nicht gut.

Nochmal: Wie und womit könnte ich dir wohl "drohen"?

Und welchen Grund hast du, es als "Drohung" aufzufassen, wenn ich dir eine Bitte oder Empfehlung herantrage?

Eine Kritik ist eine Kritik... eine "Drohung" beinhaltet aber die Androhung von Konsequenzen. Und dafür habe ich weder die Absicht noch die Möglichkeiten.

Entschuldige also, wenn es so bei dir angekommen ist... ich wüsste aber nicht, wie ich meine Kritik auf andere Weise hätte vortragen können.

lucan-7 antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@lucan-7  Nun  ist angenommen.  Ich habe Giordano zitiert.

jigal antworten
Herbert52
Themenstarter
Beiträge : 244

@ Lucan-7:

Erstmal vielen Dank für die vielen Gedanken, die du eingebracht hast.

 Meiner Ansicht nach lässt sich das nur durch die Worte Jesu sinnvoll beantworten: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Denn wenn man annimmt, dass Gott aktiv in unsere materielle Welt eingreift, dann entstehen in der Tat einige Probleme.

Mir ist nicht klar, wie ich das verstehen soll. Soll "Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ ausdrücken, dass mit der Genesis der Schöpfungsakt zum Ende gekommen ist und von da an alles den Weg nimmt, so wie es den Menschen in de Sinn kommt? Warum ist dann Jesus auf die Welt gekommen und hat sich mit Pharisäern rumgeplagt, hat Wunder bewirkt, Jünger und Apostel berufen und geschult (und erleuchtet) und hat dies mit dem Leben bezahlt? Ich halte dass schon für einen deutlichen Eingriff in die Welt. Auch die alttestamentarische Propheten mit ihren Ankündigen und Erklärungen für die Kriege und Vertreibungen des auserwählten Volkes verstehe ich als Eingriffe in die Welt.

wenn man annimmt, dass Gott aktiv in unsere materielle Welt eingreift … verstehen ich so, dass es stattdessen ein ´passives` Eingreifen in die Welt gibt, dass du mit … dass Gott nur im Geist der Menschen wirkt...  Dies Unterscheidung kann ich gut nachvollziehen. Ich verstehe die Offenbarung als ein Beispiel für Dein Argument. Nur wie wirkt der Geist in der Welt? Für mich ist das eine der Fragen, die hinter dem Thema stehen.

Wenn ich mir vorstelle, ich wäre Anfang der 1930 Jahre in dem katholische Milieu groß geworden, wie ich meine Großeltern erlebt habe, dann wäre ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein Nazianhänger geworden. Warum? Es gab keinen kritischen Geist in dem Umfeld, der mich vor den Verführungen der Nazis gewarnt hätte.

„Den Nazis ging es um materielle Vernichtung, nicht um Eliminierung eines Glaubens.“

Wer sollte materiell vernichtet werden? Sicher nicht die Masse des deutschen Volkes, denn die wurden ja gebraucht um in den eroberten Ländern die Vernichtung, Besetzung und Ausbeutung in der brutalen menschenverachtenden Weise durchzuführen. Und damit das gelingen konnte muss zuvor der Glaube vernichtet werden. Die geschieht nicht allein durch die Propaganda von Atheismus, sondern primär durch die Verbreitung eines falschen Glaubens. Wieso ist er falsch: weil er die Mitglieder der ´Herrenrasse` dazu befähigt ohne expliziten Befehl dem Wollen der herrschenden Elite nachzukommen. Die Vernichtung des Glaubens ist die notwendige Voraussetzung dafür, die Welt und vor allem Menschen ohne Gewissensbisse zu töten und bis aufs Blut auszubeuten.

Ich teile Deine Unterscheidung zwischen Welt und Geist, aber die Welt kann ohne einen darin wirkenden Geist nicht existieren. Das ist ja in dem Bild mit der ´Beatmung` des aus ´Ton` geschaffenen Adam gemeint und wiederholt sich z.B. im Pfingstereignis. Die Frage ist offen, welcher Geist hat nun Auschwitz bewirkt. Und warum war der Geist Jesu nicht stärker? Die Theodizee antworte darauf mit dem Hinweis auf die Freiheit des Menschen zur Sünde und zum Bösen.

 

@Jigal

Die Frage warum Gott das zugelassen hat ist eine Frage auf die es keine Antwort gibt, so wie Israel nie die Antwort erhalten hat, warum man Auschwitz nicht bombardiert hat, als es für die Bomber z.B. aus Frankreich und Italien errreichbar war

Was ist die Konsequenz aus der Erfahrung, wenn man auf Fragen keine Antwort erhält? Wenn ich meine und anderen Kinder beobachte gibt es einige, die geben sich damit zufrieden, anderen bohren mal länger mal weniger länger nach.

Es kann ja sein, dass es deshalb keine Antwort gibt weil die Suche danach in die falsche Richtung läuft (siehe die nächste Antwort @Deborah71). Oder, dass ist meine These, es hat einen tieferen Grund, dass es keine Antwort gibt. Und zwar: erstens gibt es keine für alle verbindliche allgemeine Antwort. Jeder muss eine für sich finden. Zweitens ist eine offene Frage quasi ein ´Stachel` im Fleisch gedankliche / religiöser Bequemlichkeit oder ein Wirken des Geistes den DU meinst, der produktive Unruhe erzeugt. Das der ´Stachel` in diesem Sinne wirkt, sieht man ja am Verlauf der vielen und unterschiedlichen Antworten im Forum.

 

@Deborah71

Auf rein menschlicher Verstandesebene an die Theodizeefrage heranzugehen, bringt keine befriedigenden Ergebnisse. Da haben sich schon etliche die intellektuellen Zähne ausgebissen

Hat der Mensch was anderes als seinen Verstand, um überhaupt Fragen zu stellen und zu beantworten. Ich verstehe dich so, dass du mit menschlicher Verstandesebene die theoretische Vernunft (Logik, empirische Wissenschaft) und die praktische (Alltagsvernunft) meinst. Beides würde dann unter das Wort fallen: „Der Weisen Weisheit mache ich zunichte, verwerfe die Klugheit der Klugen“ (1Kor.1,19 mit Bezug auf  Jes.29,14.)

Was könnte ein befriedigenden Ergebnis sein?

 

@Jack-Black

Gib mal Bescheid, wenn das Theodizee-Problem (es ist ein logisches Problem) gelöst wurde.

Dass man es als logische Problem auffasst, führt ja genau zu dem Zustand, den Du beschrieben hast. Also stellt sich die Frage nach der Alternative zur ´Logik`. Das ist der Glaube (Alternative heißt nicht Gegenteil !!!) Auf Leibnitz hat ja Kant reagiert und im Prinzip Deine Kritik aufgenommen und festgestellt, dass die Theodizee grundsätzlich keine Frage der Logik (theoretischen Vernunft) ist, sondern des Glaubens.

 Oder Schein-Lösungen, wenn einzelne Beispiele (wie eben das mit den KZs) angeführt werden. Da wird dann nicht das Theodizee-Problem direkt formuliert, sondern es wird gefragt: "Wo war Gott während des Holocaust?" - und gleich die Antwort hinterhergeliefert: "Bei den Opfern in den Gaskammern."

Ich kann nachvollziehen, dass dir die Antwort "Bei den Opfern in den Gaskammern unbefriedigend vorkommt. Spielte Gott gar keine Rolle? War der abwesend?  

 

@Tojak

Die Theodizeefrage halte ich für beantwortet. Wenn es Gott gibt, ist er jedenfalls nicht allmächtig und allgütig zugleich. … Wo ich mich zwischen Gottes Allmacht und Gottes Allgüte entscheiden muss, weil beides zusammen offenbar nicht geht, entscheide ich mich für Gottes Allmacht?

Mit dem letzten Satz weichst Du dem Problem aus. Wieso sollen Allmacht und Allgüte bei / in Gott unvereinbar sein. Es gibt das in der Theodizee gängige Argument, dass die Allgüte Gottes durch aus mit den Übeln der Welt und auch mit Auschwitz vereinbar ist, weil die Zulassung des einen Übel ein größeres verhindert.

Oder durch die Übel der Welt soll die Menschen einen Anreiz erhalten über sich und die Welt nachzudenken und sich entscheiden, ob sie die Welt so wollen, wie sie ist? Dass ist ja das Programm der Nachfolge Jesu.

 

 

herbert antworten
4 Antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@herbert Ich glaube Gott war nicht abwesend. Es gibt Berichte von Leuten die das Schmah Jisrael gesungen haben.

 

jigal antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@herbert Ich kann nachvollziehen, dass dir die Antwort "Bei den Opfern in den Gaskammern unbefriedigend vorkommt.

Sie kommt mir nicht unbefriedigend vor*: Sie kommt mir gleichzeitig dumm, läppisch und arrogant vor. Dumm, weil üblicherweise Gott neben all den anderen inkompatiblen Attributen auch Allgegenwärtigkeit zugeordnet ist. Wenn Gott überall ist, dann sicher auch bei den Opfern in den Gaskammern. So, wie er auch bei Mördern draussen ist. Und auf dem Mond under den sieben Bergen bei den sieben Zwergen.

Läppisch, weil die eigentliche Frage, die hinter der Formulierung: "Wo war Gott, als xyz geschah?" steht, geflissentlich ignoriert wird: Warum hat Gold den Leidenden nicht geholfen?! Man nimmt die Frage wörtlich und tut so, als würde naiv nach dem jeweiligen Aufenthaltsort Gottes gefragt (was, wie eben erläutert eine sehr dumme Frage wäre) - und dann beantwortet man sie entsprechend, wohl ahnend, dass niemand die Nachfrage wagt: "Ja, und was hat er da nun bei den Opfern in den Gaskammern gemacht? Mitgehustet? Krampfanfälle bekommen? Blut gespuckt? Geschrien, gekreischt, gewimmert, sich vor Angst eingepisst? Oder stand er da so in der Mitte mit seinem divinen Astralleib, durch den alles Giftgas smooth durchgeht ohne Schaden anzurichten, und hat sich die Sache angeguckt und ein immaterielles Mitleidstränchen verdrückt?" Läppisch, weil die Frage in ihrer naivst-möglichen Form vorsätzlich missvertanden adressiert und mit einer Floskel beantwortet wird.

Arrogant, weil in dieser Floskelhaftigkeit das ganze Desinteresse deutlich wird nach dem Motto: Wer doofe Fragen stellt, kriegt doofe Antworten. Wer mit Floskeln antwortet, signalisiert damit, dass ihn genaugenommen die Frage einfach nur nervt: man kann sie nicht sinnvoll, ehrlich und konsistent beantworten, solange man nicht seine Theologie ändert. Und da man dies weiß, aber keine Lust hat, seine Theologie zu verändern, und weil man ernsthaft meint, etwas darüber zu wissen, was hier thematisiert wird (Gottes Beziehung zum Holocaust), deswegen antwortet man nicht: "Ich habe keine Ahnung." Sondern man kommt mit der Floskel. Tut so, als hätte man Ahnung. Spekuliert womöglich sogar, die eigene Autorität damit noch ein klitzekleines bißchen aufzuhübschen.

Tojak hatte hier im Thread einen sehr gut formulierten Satz hingeschrieben:

Theologien, die so etwas behaupten, sind somit ganz unspektakulär falsch.

Unspektakulär. Eine unspektakuläre Art, als Gottesgläubiger auf die Frage: "Warum verhinderte Gott den Holocaust nicht?" würde ungefähr so lauten: "Keine Ahnung."

Spielte Gott gar keine Rolle? War der abwesend?

Wenn Du mir diese Frage stellst, ist sie rasch beantwortet: Nein, Gott spielte gar keine Rolle. Weder in den Gaskammern, noch sonst irgendwo.

Und ja, er war und ist und wird immer vollumfänglich abwesend sein.

Aber ich bin ja auch (was Dir womöglich nicht bewußt war) Atheist und warum sollte man einem Atheisten so eine Frage stellen?

 

Ich hätte hier im Thread eigentlich gar nicht mitschreiben wollen, aber mich triggerte nun mal dieser Satz:

Wenn man nach Auschwitz den Glauben an Gott verliert, dann erst hat der Faschismus wirklich gesiegt.

Und den halte ich nun mal für perfide, obwohl er sich meiner Vermutung nach auf eher wenige Ausnahmefälle bezieht. Unter Atheisten gibt es das Bonmot: "Wer nicht durch vernünftige Gründe zu einem Glauben gekommen ist, lässt sich auch nicht durch vernünftige Gründe von ihm Glauben abbringen."

Bezogen auf die Theodizeefrage bedeutet dies: die Einsicht darein, dass das Theodizee-Problem nicht lösbar ist, bestätigt zwar die atheistische Position hinsichtlich der üblichen Gotteskonzepte - ist jedoch in den wenigsten Fällen der Auslöser dafür, dass jemand mit seinem Gottesglauben bricht.

Was jedoch immer mal wieder Leute dazu bringt, mit ihrem Gottesglauben zu brechen, sind Geschehnisse, die einen starken emotionalen Impact auf sie haben. Geschehnisse, die es ihnen verunmöglichen, die Ignoranz-Wände, die bis dahin ihr Weltbild einhegten, aufrecht zu halten.

Wie hoch und stabil diese Wände sind, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Für den einen reicht der Blick auf einen Zeitungsartikel zum Holocaust, um zu dem Schluß zu gelangen, dass der Gott, wie man ihn ihm in seiner Kindheit beibrachte, unmöglich existieren kann. Für den anderen reicht das noch lange nicht aus. Und das hat wenig mit Intelligenz zu tun, es scheinen sogar gegenteilige Zusammenhänge möglich: Wer sehr intelligent ist, findet auch leichter zweckrationalistische Finten, um eine einmal angenommene Meinung gegen "scheinbar" widerprechende Indizien zu verteidigen. Beispiel dafür war ja Leibniz, der neben Newton vermutlich intelligenteste Kopf seines Jahrhunderts**.

Aber: Falls jemand in Konfrontation mit dem Beispiel des Holocausts so deutlich emotional erschüttert wird, dass die emotionalen Gründe, die ihn einst zu seinem Gottesglauben brachten, dadurch wegbrechen, er also in die Lage gerät, die Vernünftigkeit des Theodizee-Arguments nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern auch die sich aus ihm ergebenden Schlüsse anzuerkennen, kurz: seine Glaubensposition zu ändern...

Dann hat damit nicht der Faschismus gesiegt, sondern eher doch die Aufklärung. Dass es fiese ferne Verwandschaftsbeziehungen zwischen Faschismus und Aufklärung gebe, will ich überhaupt nicht abstreiten: "Die Dialektik der Aufklärung" ist eins meiner philosophischen Lieblingsbücher. Dennoch halte ich es für Unfug, aus Angst for dem Faschismus (bzw. Totalitarismus) sämtliche aufklärerischen Gedankenprozesse unter Generalverdacht zu stellen und im übrigen all die atheistischen Kommunisten, Sozialisten und Sozialdemokraten, die in den Nazi-Lagern ermordet wurden, oder eben auch draussen im Widerstand gegen den Faschismus kämpften, zu entehren.

 

 

 

 

*ich würde überhaupt nie eine entsprechende Frage stellen, geschweige denn hoffen, eine Antwort könne mich befriedigen.

** Interessant wäre herauszufinden, ob in einer Parallelwelt, in welcher Leibniz das Erdbeben von Lissabon persönlich miterlebt hätte, z.B. indem er selbst querschnittsgelähmt an der Beerdigung einiger unter den Trümmern zerquetschter Enkel hätte teilnehmen müssen - entweder müsste man freilich das Erdbeben vorverlegen, oder ein Alchemist müsste ihm ein Fläschchen mit deutlich lebensverlängernder geheimer Essenz spendieren - er womöglich seine Theodicée redigiert hätte. Sicher wäre ich mir da allerdings nicht...)

 

 

jack-black antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29331

@herbert 

Zum Beitrag

Der Mensch, der in einer Beziehung mit Gott lebt durch Jesus Christus hat einen erneuerten Geist und kann bei Gott Ruhe finden.  Eine Hilfe kann sein, nicht in "Warum" zu fragen, sondern "Wozu" kann mich Unverständliches herausfordern im Vertrauen zu wachsen.

 

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398

@herbert 

Mir ist nicht klar, wie ich das verstehen soll. Soll "Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ ausdrücken, dass mit der Genesis der Schöpfungsakt zum Ende gekommen ist und von da an alles den Weg nimmt, so wie es den Menschen in de Sinn kommt?

So ungefär. Nur dass Jesus ja darauf hinweist, dass es noch mehr gibt, als "den Menschen in den Sinn kommt". Gott kann durch Menschen wirken - wenn sie es zulassen und "von neuem geboren werden". Abr er wirkt eben nur dort. Und wenn sich Menschen, wie etwa die Nazis, dem verweigern und diese nur dem "Fleisch", also ihren Trieben folgen - dann können solche schrecklichen Dinge passieren. Und Gott verhindert es nicht.

 

Warum ist dann Jesus auf die Welt gekommen und hat sich mit Pharisäern rumgeplagt, hat Wunder bewirkt, Jünger und Apostel berufen und geschult (und erleuchtet) und hat dies mit dem Leben bezahlt? Ich halte dass schon für einen deutlichen Eingriff in die Welt. Auch die alttestamentarische Propheten mit ihren Ankündigen und Erklärungen für die Kriege und Vertreibungen des auserwählten Volkes verstehe ich als Eingriffe in die Welt.

Aber alle diese Leute haben durch Worte gewirkt - also durch "Geist".

Mir ist natürlich klar, dass im christlichen Glauben auch materielle Wunder zentral sind. Genau deshalb bin ich ja auch daran gescheitert - denn das ergibt für mich keinen Sinn. Wenn Gott auch nur einen einzigen Menschen ganz bewusst vor einem materiellen Unglück rettet, indem er materiell in die Welt eingreift - dann bedeutet das in der Konsequenz, dass er Millionen von Menschen ganz bewusst und willentlich in ihrem Eldend hat verrecken lassen.

Und das ist ja der Punkt: Was für ein Gott wäre das...?

Wenn Gott aber mit alledem nichts zu tun hätte und auch niemals eingreift, sondern nur geistig wirkt... dann wäre das zumindest eine gerechtere Vorstellung als die, dass Gott halt ab und zu nach Belieben jemanden rettet und den Rest verrecken lässt.

 

Ich verstehe die Offenbarung als ein Beispiel für Dein Argument. Nur wie wirkt der Geist in der Welt? Für mich ist das eine der Fragen, die hinter dem Thema stehen.

Durch Menschen, die sich dem Geist zuwenden und nicht dem dem Fleisch. So zumindest verstehe ich es.

 

Wer sollte materiell vernichtet werden? Sicher nicht die Masse des deutschen Volkes, denn die wurden ja gebraucht um in den eroberten Ländern die Vernichtung, Besetzung und Ausbeutung in der brutalen menschenverachtenden Weise durchzuführen. Und damit das gelingen konnte muss zuvor der Glaube vernichtet werden.

Hitler hat ja immer wieder sein rassistisches Weltbild deutlich gemacht. Nach diesem Weltbild ergibt sich der Wert eines Menschen aus dessen Abstammung. Die Juden waren nach dieser Vorstellung die "niederste Rasse", die deshalb vernichtet werden muss. Mit religiösem Glaube hatte das nichts zu tun.

 

Die geschieht nicht allein durch die Propaganda von Atheismus, sondern primär durch die Verbreitung eines falschen Glaubens. Wieso ist er falsch: weil er die Mitglieder der ´Herrenrasse` dazu befähigt ohne expliziten Befehl dem Wollen der herrschenden Elite nachzukommen. Die Vernichtung des Glaubens ist die notwendige Voraussetzung dafür, die Welt und vor allem Menschen ohne Gewissensbisse zu töten und bis aufs Blut auszubeuten.

Es ist komplizierter als das. Natürlich spielt "Glauben" bei alledem eine Rolle, aber in sehr vielfältiger Form.

Die Nazis haben mit den SS-Totenkopfverbänden ja eine eigene Mörder-Elite geschaffen, welche die Massenmorde durchgeführt hat. Es war auch den Nazis klar, dass das nichts war, was man der Allgemeinheit hätte zumuten können - auch wenn es nicht vollständig zu verheimlichen war.

Der blinde Gehorsam war aber auch allgemein sehr verbreitet. So wurden die Einsatzverbände zur Ermordung ganzer Dörfer im Osten zu Beginn unter anderem aus Polizisten gebildet, welche nur bedingt tauglich für die Wehrmacht waren. Sie bekamen dann den Befehl zur Ermordung von Zivilisten im Hinterland. Den Berichten nach fiel das den Leuten oft nicht leicht - sie waren aber der Meinung, dass es halt gemacht werden muss, wenn die Führung das so will, und dass es dann schon richtig sei. Obwohl sie die Möglichkeit hatten, sich der Aufgabe zu verweigern, haben die meisten Leute die Ermordnungen durchgeführt, weil nach ihrem Ehrbegriff der Gehorsam wichtiger war als Mitleid oder Menschlichkeit.

Ein "Glaube" musste dafür nicht vernichtet werden... die Nazis arbeiteten mit dem, was sie hatten, und legten ihre eigene Ideologie darüber.

 

Ich teile Deine Unterscheidung zwischen Welt und Geist, aber die Welt kann ohne einen darin wirkenden Geist nicht existieren.

Das ist mir zu allgemein. Ich bin Naturwissenschaftler, was für ein "Geist" soll das sein, und was würdest du unter einer Welt ohne diesen Geist verstehen?

 

Das ist ja in dem Bild mit der ´Beatmung` des aus ´Ton` geschaffenen Adam gemeint und wiederholt sich z.B. im Pfingstereignis. Die Frage ist offen, welcher Geist hat nun Auschwitz bewirkt. Und warum war der Geist Jesu nicht stärker? Die Theodizee antworte darauf mit dem Hinweis auf die Freiheit des Menschen zur Sünde und zum Bösen.

Meiner Ansicht nach steht der "Atem" zu Beginn für das Phänomen des Lebens allgemein, während der "Heilige Geist" für den Teil des Geistes steht, der das "Fleisch", also die Triebe, überwinden kann.

Aber das ist meine persönliche Interpretation. Im religiösen Glauben wird da noch sehr viel "Jenseitiges" und "Übernatürliches" gesehen, mit dem ich aber nichts anfangen kann. 

 

 

lucan-7 antworten


Meriadoc
Beiträge : 990

@herbert 

 

Hi,

kaqnn dich da sehr gut verstehen. Ich finde es auch unerträglich. Leider habe ich auch keine Antwort. Nur Gott weiß (?) was er tut.

 

Eine sehr liebe Schwester aus meiner Gemeinde hat einen Hirntumor. Das ist auch heftig. Meine Schwester ist elendig dahingesieht.,,,,Alles sch....e

 

Die bösen haben oft ein gutes Leben. Unschuldige leiden unter diese bösen Menschen. 

meriadoc antworten
1 Antwort
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@meriadoc Die bösen haben oft ein gutes Leben.

Ich bin ja so froh, bei den Guten zu sein...

jack-black antworten
Jigal
 Jigal
Beiträge : 5779

Ganz neu war mir, Quelle eine MDR Doku, im Sommer 45 begann die Regierung Benes Deutsche aus der CSSR über die Grenze nach Auschwitz zu deportieren.

jigal antworten
2 Antworten
Herbert52
(@herbert)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 244

@jigal Ich verstehe den Zusammenhang mit der Ausgangsfrage nicht?

herbert antworten
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 5779

@herbert  ist nur eine Nebeninformation.

 

jigal antworten


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