Gibt es Menschen, die zwei Religionen gleichzeitig praktizieren?
Hallo zusammen,
kurz & knapp: Denkt ihr, es gibt Menschen, die zwei oder mehrere Religionen praktizieren?
Beispielsweise - kann jemand Christ & gleichzeitig Buddhist sein?
Freue mich auf eure Meinungen
"Praktizieren" - wohl kaum!
Denn jede Religion (oder jede Glaubensgewissheit) hat einen "Alleinvertretungsanspruch", der das Praktizieren anderer Religionsformen ausschließt - bekanntlich kann man nicht zwei Herren dienen.
Und wer von der Richtigkeit seinem Glaubens fest überzeugt ist, der wird keinen Grund sehen, sich noch eine zweite Religion zuzulegen.
Was ich aber schon einige Male erlebt habe, dass sind Menschen, die zwar einer bestimmten Glaubensgruppe angehören,
aber Versatzstücke, Riten, Elemente anderer Glaubensgemeinschaften nutzen.
Dies kenne ich z.B. bei (katholischen) Mönchen, die Elemente des Zen-Buddhismus zur christlichen Meditation übernommen haben.
Ob dies dann den eigenen Glauben bereichert oder verwässert - darüber möchte ich mir kein Urteil erlauben.
Ja, das habe ich auch bereits einige Male erlebt.
Beispielsweise kenne ich viele Christen, die an Reinkarnation (im Sinne von wiederholten Erdenleben) glauben & damit argumentieren, dass das die frühen Christen gelehrt hätten (ob es wahr ist oder nicht, sei mal dahingestellt)
@jigal
Der Buddhismus hat den Vorteil, dass er einige Meditations- und Konzentrationstechniken bietet, die andere Religionen so nicht haben. Und das Gute daran ist, dass man sie auch als Christ anwenden kann, ohne seine Religion zu verleugnen.
Und dann müssen Gedanken aus einer anderen Religion ja nicht grundsätzlich falsch sein - nur weil sie sich nicht mit dem Prädikat "christlich" schmücken oder nicht in der Bibel zu finden sind. Sowieso enthält die Bibel (besonders im AT) so viele Stellen, die von anderen Religionen übernommen wurden, dass eine zu starke Abgrenzung eigentlich unglaubwürdig ist.
Man sollte nur neben Gottvertrauen auch etwas Mut mitbringen, Neues und anfangs Andersartiges zu versuchen.
Pater Anselm Grün versteht das meisterlich!
@coffeeandbible Interessante Frage. Wie weit faßt Du den Begriff Religion?
Ich habe in der Schule zum Ersten Gebot gelernt, daß man auch bei Vorbildern/Idolen und Ideologien vorsichtig sein soll. Zum Beispiel wenn man einen Popstar zu sehr an"betet". Oder wenn man einem "-ismus" zu sehr folgt. Der Gedanke hat mich mein Leben lang begleitet.
Natürlich kann und soll man sich engagieren. Aber was zum Beispiel die "Letzte Generation" macht, halte ich für eine Art Ersatzreligion. Kann Gott bei so viel Eifer für eine Sache noch an erster Stelle stehen? Das muß man für sich selbst entscheiden. Für mich lautet die Antwort: nein. (Was politisches, soziales und ökologisches Engagement nicht ausschließt.)
@coffeeandbible Werd doch mal konkreter bei der Beschreibung von „Religionen“. Bestimmt gibt es eine Naturreligion, die die Sonne anbetet und eine, die einen bestimmten Baum anbetet. Das kann man wahrscheinlich gut vereinbaren. Aus meiner Sicht passiert das im Hinduismus. Immer dann, wenn ein Mensch sich etwas davon verspricht, durch Leistung quasi auf magische Weise etwas zu erhalten, kann es zu so einer Tendenz kommen, mehr davon zu tun, genauer zu sein, usw.
Falls du Christsein und andere Religionen verbinden möchtest, kommt es auf deine Auffassung von Christsein an. Für mich ist es ausgeschlossen, da ich immer die Person Vater/Sohn/Heiliger Geist suche und aus dieser Beziehung lebe. Gott hat aber eindeutig gesagt, dass er keine anderen Götter neben sich duldet. Es ist ein Teil meines Lebens, solche Götter in meinem Leben zu entmachten.
Veröffentlicht von: @mikefrommucWie weit faßt Du den Begriff Religion?
Damit meine ich alle Religionen, die es so gibt, ich schließe hier die Weltreligionen & die kleineren Naturreligionen mit ein..
Ich kenne ein paar (an Gott) gläubige Menschen, die über den christlichen Glauben zu Gott gefunden haben. Aber dann im Laufe der Zeit (für sich) festgestellt haben, dass nicht alles, was sie mit Gott erleben, zu den eigenen Erfahrungen passt. Sie suchten dann danach, wie Glauben denn "richtig" sei.
Das hat diese Menschen offen gemacht für gläubige Menschen aus anderen Religionen, und bei diesen manches gefunden, das zu den eigenen Erfahrungen passt - anderes auch wieder nicht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass es nicht die jeweilige Religionen sind, die Menschen zu Gott führen, sondern die Beziehung zu Gott selbst, welcher den Menschen auf deren Weg entgegen kommt und die Kommunikation mit ihnen sucht.
Ein Mann (aus der Schweiz) hat mir zB berichtet, dass er in einem Hauskreis sei, in dem Gläubige aus verschiedenen Religionen zusammen kommen und gemeinsam zu Gott beten. Der Mann, der das mir erzählte, versteht sich selbst als Christ und Buddhist. Er hat aber die Erfahrung gemacht, dass idR weder die Christen noch die Buddhisten ihn als Gläubigen anerkennen. So haben sie sich eben in diesem Hauskreis zusammen gefunden, um die Gemeinsamkeiten zu finden und sich über ihre Erfahrungen mit Gott austauschen und Gott danken für das, was ER in ihrem Leben tut.
Ich persönlich bin im Laufe meines Lebens zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht mehr "Christ" sein will - in dem Sinne, wie diese sich in Gemeinschaften verstehen wollen. Weil die Gemeinschaften immer viel mehr danach suchen, was von anderen Gläubigen abgrenzt, als das was verbindet. Wenn man Gemeinsamkeiten sucht, um "das Richtige" zu finden, braucht es keine Religion, sondern nur die Beziehung zu Gott mit aufrichtigem Herzen. Gott selbst sorgt dann dafür, dass der Glaubende unterscheiden kann, was "gut" für ihn (seinen Glauben) ist oder nicht.
Ein Satz klingt widersprüchlich, habe ich falsch ausgedrückt ... nämlich dieser....
Aber dann im Laufe der Zeit (für sich) festgestellt haben, dass nicht alles, was sie mit Gott erleben, zu den eigenen Erfahrungen passt.
....sollte heißen: Aber dann im Laufe der Zeit (für sich) festgestellt haben, dass nicht alles, was sie mit Gott erleben, zu dem passt, was sie über den christlichen Glauben gelernt hatten und wie es in den verschiedenen Gemeinschaften gelehrt wurde.
Veröffentlicht von: @coffeeandbibleBeispielsweise - kann jemand Christ & gleichzeitig Buddhist sein?
Gemäß der Lehre des Buddhismus gibt es nichts, das für sich selbst existiert, sondern alles existiert nur in irgend einer Form der Abhängigkeit von etwas anderem. Außerdem ist alles unbeständig und vergänglich, sowie leidvoll. Im Buddhismus ist in diesem Zusammenhang von den drei Daseinsmerkmalen die Rede. Das bedeutet insbesondere auch, dass es laut Buddhismus kein unabhängiges und beständiges Selbst gibt, insbesondere keine Seele im christlichen Sinn. Wie will man das miteinander in Einklang bringen?
Speziell in der römisch-katholischen Kirche gibt es immer wieder Leute, die das Christentum mit Zen, einer Variante des Buddhismus, verbinden. Ob das nun richtig und sinnvoll ist, sei einmal dahingestellt, aber einzelne Praktiken können wohl kombiniert werden und man findet in beiden Traditionen Gemeinsamkeiten (hier wird gerne auf christliche Mystiker verwiesen, ich kann mich dazu leider nicht kompetent äußern). Trotzdem sind die Lehren im Detail bei näherer Prüfung oft sehr unterschiedlich und letztendlich unvereinbar.
Ich bin daher der Meinung, dass es letztendlich nicht möglich ist, gleichzeitig Christ und Buddhist zu sein, ohne sehr grundlegende Lehren beider Religionen ignorieren zu müssen.