Gottes Wohnort
Wohnort Gottes
Ich habe gerade einen Beitrag über Multiversen gesehen, in dem auch ein Zusammenhang dieser Theorie mit den Vorstellungen der (christlichen) Religion angesprochen wurde. Das möchte ich jetzt aber nicht thematisieren, weil es mir einfach zu schwer ist.
Aber es hat mich an eine Frage erinnert, die ich schon seit Jahren immer wieder mal habe: Wo lebt Gott?
Eine solche Frage stellt sich nur, wenn man davon ausgeht, dass sein Sein auch dem entspricht, wie er in der Bibel beschrieben wird: mit einer Reihe körperlicher und geistig-seelischer Eigenarten, die genau denen von Menschen entsprechen. Dann müsste er auch einen Wohnort haben, irgendwo außerhalb unseres Universums.
Geht man aber davon aus, dass er „irgendwie“ anders ist, besteht dazu keine Notwendigkeit. Dann wäre aber auch die Frage nach seinem Wohnort ohne Sinn und seine biblischen Beschreibungen höchst zweifelhaft.
Das ist eine gute Frage.
Da wir uns weder Gott noch Ewigkeit etc. vollständig oder auch nur im Ansatz richtig vorstellen können, plädiere ich schon seit langem dafür, die dafür vorhandenen biblischen Bilder zu erhalten und z.B. in Predigten nicht „wegzurationalisieren“. (Darüber hinaus darf man neue „Bilder“, die der Verständlichkeit dienen, ergänzend hinzunehmen.)
Ein wichtiges biblisches Bild ist das eines riesigen Thronsaales, in dem Gott thront und um ihn herum viele Engel/ Engelschöre. Die Orthodoxe Kirche spricht (wie auch die Katholische) hier von Heiliger Liturgie und sieht ihre gottesdienstliche Aufgabe darin, diese himmlische Liturgie zu vergenwärtigen und uns so zu zeigen „wo Gott ist“ bzw. „wie es bei Gott“ sein wird und heute schon ist.
Du widersprichst.
Du willst wissen wo Gott lebt oder seine Hütte hat. Was würde es dir nützen?
Im AT zeigte sich Gott in einer Feuersäule. Dann wohnte er im Tempeln und diese Tempeln sind heute seine Menschen. Du willst wissen wo Gott wohnt, geh unter Menschen *grins*
Es ist vor vielen Jahren tatsächlich mal eine Frage von mir gewesen. Das ist sie inzwischen schon längst nicht mehr. Aber wenn sich so viele Gläubige Gott wie eine Person vorstellen, ist es unlogisch keinen Wohnort anzunehmen. Dahin ging meine Frage.
@queequeg, es ist halt schwierig, sich innerhalb von Zeit und Raum „etwas“ vorzustellen, das sozusagen die Ursache dafür ist. Und zugleich das Sein an sich.
Letztlich ist jedes Wort falsch. Zu klein?
Ich selbst fühle da etwas Umfassendes. Gott „wohnt“ nicht und „existiert“ nicht.
Gott IST.
Ja, das ist eine Sprache, die ich verstehe und für angemessen halte. Wenn ich sage, das Gott umfassend ist, haben ich die Vorstellung, das er buchstäblich überall ist. So ähnlich wie Sauerstoff, der um uns rum ist, unter uns in der Erde, im Wasser und in uns selbst.
@queequeg Mir ist vor ein paar Wochen im Gottesdienst mal aufgefallen, daß dieser Gedanke in dem Lied "Gott ist gegenwärtig" ausgedrückt wird, besonders in der fünften Strophe:
1. Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte. Alles in uns schweige
und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt,
wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder;
kommt, ergebt euch wieder.
5. Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder:
Ich senk mich in dich hinunter.
Ich in dir,
du in mir,
lass mich ganz verschwinden,
dich nur sehn und finden.
6. Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen willig sich entfalten
und der Sonne stille halten,
lass mich so
still und froh
deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.
Ein Hörbeispiel:
(1) Gott ist gegenwärtig (Männerchor) - YouTube
Ein Gedanke, der sicher kulturübergreifend verstanden werden kann - möglicherweise auch von räumlich weit entfernten Zen-Buddhisten, war so meine Assoziation...
lg Tatokala
Ich mache es mir da sehr einfach (und kann gut damit leben):
Gott wohnt im Himmel, wie auch immer der aussehen mag,
und seine Sprechstunden hat er (meistens sonntags zwischen 10:00 und 11:00 Uhr) in der Kirche.
Ich muss es mir nicht noch komplizierter machenals es ohnehin schon ist...
Veröffentlicht von: @lucan-7Gottes Offenbarung ist allerdings geprägt von einer klaren zeitlichen Abfolge und Ursache-Wirkungs Zusammenhängen.
Offenbarung würde wenig Sinn machen, wenn sie nicht verstanden werden kann, dazu dienen Analogien oder Bekanntes. Ich würde sogar noch weiter gehen: die eigentliche christliche Offenbarung, Jesus Christus, ist nicht nur geprägt von zeitlichen Abfolgen, sondern agiert als direktes geschichtliches Subjekt innerhalb der Schöpfung.
Veröffentlicht von: @lucan-7Für ein Wesen, das "außerhalb von Zeit und Raum" steht, also außerhalb von unserer Welt und dieser zeitlichen Abfolge, ergäbe eine solche Offenbarung wenig Sinn. Zumal Gott innerhalb von Zeit und Raum handelt und nicht außerhalb davon.
Außerhalb von Zeit und Raum kann sich Gott nicht offenbaren, weil außerhalb von Zeit und Raum nichts offenbar werden kann. Offenbarung geschieht in der Geschichte durch Jesus Christus.
Deswegen:
....können wir im Grunde keine Aussagen über Gott machen, wenn wir sie nicht aus einer Offenbarung erhalten.
Dann wäre aber auch die Frage nach seinem Wohnort ohne Sinn und seine biblischen Beschreibungen höchst zweifelhaft.
Ich gehe davon aus, dass "alles" irgendwie a n d e r s ist und dennoch alle (auch die der Bibel) Erfahrungen und Beschreibungen ihre Berechtigungen haben. Es darf uns Annäherung sein.
@queequeg Um die Zeit herum, als ich Konfirmandin war, habe ich mir beim Blick ins Kirchenschiff Gott versucht so vorzustellen, daß er als unsichtbare Wolke kurz unter der Decke des gotischen Spitzbogengewölbes des Altarraums schwebt. Klar, daß er auch woanders sein kann, aber da wäre er auf jeden Fall.
Das passt, finde ich, ganz gut auch zu der hier formulierten These, daß Gott außerhalb von Zeit und Raum sei - denn in gewisser Weise sind diese Räume auch mit dem Anspruch gebaut worden, etwas außerhalb von Zeit und Raum zu verbildlichen... falls man versteht, was ich meine.