Gottes Wohnort
Wohnort Gottes
Ich habe gerade einen Beitrag über Multiversen gesehen, in dem auch ein Zusammenhang dieser Theorie mit den Vorstellungen der (christlichen) Religion angesprochen wurde. Das möchte ich jetzt aber nicht thematisieren, weil es mir einfach zu schwer ist.
Aber es hat mich an eine Frage erinnert, die ich schon seit Jahren immer wieder mal habe: Wo lebt Gott?
Eine solche Frage stellt sich nur, wenn man davon ausgeht, dass sein Sein auch dem entspricht, wie er in der Bibel beschrieben wird: mit einer Reihe körperlicher und geistig-seelischer Eigenarten, die genau denen von Menschen entsprechen. Dann müsste er auch einen Wohnort haben, irgendwo außerhalb unseres Universums.
Geht man aber davon aus, dass er „irgendwie“ anders ist, besteht dazu keine Notwendigkeit. Dann wäre aber auch die Frage nach seinem Wohnort ohne Sinn und seine biblischen Beschreibungen höchst zweifelhaft.
Sein Geist wohnt in uns:
1Kor 3,16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?
1Kor 6,19Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst;
2Tim 1,14 Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt!
Andere Bibelstellen zum Thema:
Ps 113,5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der wohnt in der Höhe,
1Kön 8,27 Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.
2Chr 6,18 Wohnt denn Gott wirklich bei den Menschen auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.
Jes 33,5 Erhaben ist der HERR, denn er wohnt in der Höhe;
1Tim 6,16 der allein die Unsterblichkeit besitzt, der in unzugänglichem Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat noch je zu sehen vermag: Ihm gebührt Ehre und ewige Macht. Amen.
Und was schließt du daraus?
Das sind Metaphern, die keine Fakten zeigen.
…
Na, dass Gott in all dem nicht ist.
Guten Morgen,
also für mich sind das Fakten, dass Gott dann in uns ist bzw. wir in ihm bzw. dass es uns bewusst ist, dass es so ist (ich glaube, es ist die ganze Zeit so, aber wir können das Kraft unserer Freiheit/freien Willens ausblenden).
Wenn Jesus sagt, das Reich Gottes ist schon ausgebreitet auf der Erde, dann kann das ja hier erfahrbar sein und nicht erst in einer anderen Dimension weit weg irgendwo.
Es ist in dieser Frage etwas irritierend, dass mit "Wohnung" gleichermaßen der "Himmel" o.ä. und der Mensch selbst gemeint ist. Etwas weiter verstanden könnte man sagen, dass er in restlos allem ist, also in jedem Atom, Elektron und Photon. Letzteres würde ich bevorzugen.
Wobei "Wohnung" Gottes ohnehin Unsinn ist. Kaum vorstellbar, dass er in einem Wohnzimmer lebt mit Sofa, Couchtisch und angrenzender Küche und Bad.
Andererseits soll er aber auch in einem Palast wohnen und auf einem Thron sitzen.
@queequeg Es ist dann eine Metapher, wenn man von unserer Vorstellung von physischem Wohnen ausgeht.
Aber da muss es ja gar nicht um Gott gehen - es ist ja auch eine gängige Redewendung, dass der verstorbene Opa oder sogar die Heimat 'für immer in unseren Herzen' ist. Das ist ja auch nicht wörtlich zu verstehen.
Das ist eine spannende Frage.
Mit Blick auf deine Überlegungen würde ich antworten:
Gott hat Zeit und Raum geschaffen, ist somit überzeitlich und überräumlich. Er ist also nicht an einen bestimmten Ort gebunden, hat somit keinen Wohnort. In einer philosophischen Theologie ist die Frage nach Gottes Wohnort tatsächlich ohne Sinn.
Das macht konkrete "Wohnorte", die die Bibel Gott zuschreibt, aber nicht obsolet. Denn die Bibel geht über das Philosophische hinaus; sie schließt menschliche Erfahrung, das Poetische und das Symbolische mit ein.
Gott wird an Orten irdischer Immanenz erfahren. Das macht diese Orte für Menschen zu besonderen, zu heiligen Orten.
"Wohnorte" Gottes haben zudem einen Symbolgehalt, ob es der Tempel, der Gottesberg oder der Himmel ist. Wer zum Beispiel sagt: Gott wohnt im Himmel, sagt auch: Gott ist uns weit überlegen, Gott hat den Überblick über das große Ganze, und Gott ist nicht zu fassen. Wer in den Himmel schaut, schaut über sich hinaus und kann Demut und Staunen lernen.
Wichtig wäre dann nur, das Nebeneinander verschiedener Orte in ihrem Symbolgehalt zuzulassen und Gott nicht auf einen bestimmten Ort festzulegen. Dessen sind sich auch biblische Texte bewusst, wenn es etwa im Gebet des Tempelbauers Salomo heißt: "Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?" (1Kön 8,27).
"...das Nebeneinander verschiedener Orte in ihrem Symbolgehalt zuzulassen und Gott nicht auf einen bestimmten Ort festzulegen."
Ja, wenn das so christliches Allgemeingut wäre, würde ja alles gut sein. Nur wird von nicht wenigen - auch in den Foren hier - behauptet, dass es wörtlich und eben nicht symbolisch zu verstehen sei.
Hallo queequeg,
ich hoffe es geht dir gut?
Du hast letztens mal erwähnt das du nicht glaubst was in der Bibel steht weil es Menschen geschrieben haben.
Ich hab ein bischen was zusammengefasst, was mir so in den Sinn gekommen ist.
Hallo hesed,
Danke, mir geht es im Rahmen des Möglichen gut. Jedenfalls hat es schon schlimmere Zeiten gegeben.
Ich hoffe, dass es Dir auch gut geht und damit meine ich nicht nur körperliches oder seelisches Wohlsein, sondern dass Du mit Dir selbst in Frieden und Freundschaft bist.
Dein Verständnis der Bibel gefällt mir sehr. Auf dieser Grundlage könnten wir 4 Wochen durch das wilde Canada wandern und beide fröhlich wieder zurückkommen.
Nur "Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es auch noch nicht zu Ende!" kann ich je nach Verständnis so nicht sehen. Ich denke, dass auch dann alles gut ist, wenn im Moment nichts gut ist. So jedenfalls erlebe ich das seit Jahren.
Liebe Grüße
Queequeg