Heilige Schrift und...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Heilige Schrift und kirchliche Lehre

Seite 1 / 8

Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 336

Die Gesamtproblematik von „Heiliger Schrift und kirchliche Lehre“ dreht sich mE um die Frage, wo die letztgültige Autorität des Glaubens verortet ist.

Da die Bibel kein systematisches Lehrbuch, sondern ein vielstimmiges Zeugnis ist, erfordert sie eine Instanz der Auslegung. Zwei unvereinbare (?) Systeme der Autoritätsbegründung stehen sich dabei gegenüber: 

 

(1) Interpretations-Dilemma (Protestantismus): Das Prinzip „Sola Scriptura“ setzt das geschriebene Wort als Letztinstanz und vertraut auf die Klarheit des Textes. 

Da jedoch ein verbindlicher „Schiedsrichter“ fehlt und jeder Gläubige die Bibel selbst auslegt, führt dieser Ansatz zwangsläufig zu innerprotestantischen Widersprüchen und einer Zersplitterung der Lehren.

 

(2) Kontinuitäts-Prinzip (Katholizismus): Der katholische Ansatz gründet auf der Annahme, dass Jesus Christus die Vollmacht zur Lehre und Leitung direkt an die Apostel und deren Nachfolger (das Lehramt) übertragen hat. 

Diese Vollmacht existierte vor den Texten. Die Heilige Schrift begründet das Lehramt daher nicht, sondern bezeugt und bestätigt dessen göttliche Einsetzung im Nachhinein.

 

Unauflösbare (?) Differenz: Aus dieser Vollmacht heraus entfaltet die katholische Tradition Lehren (wie Mariendogmen), die im Bibeltext nur als Samenkorn angelegt sind, vom Lehramt aber als verbindlich erklärt werden. 

Für Protestanten hingegen bleibt jede Lehre illegitim, die sich nicht direkt aus dem Wortlaut der Schrift herleiten lässt – sie lehnen eine personelle, vom Text unabhängige Vollmacht ab.

 

Im Kern geht es also um die Frage: Bezeugt die Bibel eine von Christus eingesetzte, lebendige Lehrautorität der Kirche, oder ist die Bibel selbst die einzige und direkt zugängliche Autorität für den Gläubigen?

 

 

Was mich beschäftigt:

A) Ist die Problemanalyse richtig?

B) Ist diese Differenz unauflösbar?

Antwort
126 Antworten
Kappa
 Kappa
Beiträge : 1688

@holger-f guten Abend, das ist doch eigentlich die Kernfrage der Reformation bzw. Der Zankapfel?

Vielen Dank für die Konzentration dieser Darstellung.

Für mich drehte es sich auch darum, weshalb ich dann Katholisch wurde. Nicht weil ich persönlich alles einzelne so prickelnd gefunden habe für mich. Nicht weil alle einzelnen Lehraussagen für mich auf den ersten Blick "wahrscheinlicher" Klangen.

-Sondern weil das Konzept hinter der bestehenden Lehre mehr Sinn macht. 

-Weil es Konsistenz hat und die Lehren letztlich begründet werden können

Ich hab mal gelesen;Jesus hat uns kein Buch hinterlassen. DAS trifft es auf den Kopf.

Das Alte Testament gab's auch ohne Jesus.

Die Bibel ist ein unersetzbarer Teil von dem allem. Aber nicht alles, auf was wir den Glauben stützen können.

Man muss sich auch vor Augen halten das die Schriftgut Religion frühestens mit Mose begann.

Wir wissen aber, das es eine Offenbarung davor gegeben haben muss. Diese war ohne eine uns bekannte Schrift und war vermutlich Tradition und mündliche Überlieferung pur 

 

kappa antworten
1 Antwort
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6497

@kappa 

Das Alte Testament gab's auch ohne Jesus.

WOW

Wer hat Mose das Gesetz gegeben, und wer hat Israel durch die Wüste geführt, wer hat Samuel im Tempel geweckt, wer hat mit Gideon gegessen, wer hat Hesikel durch den Tempel geführt. 

Der Engel des HERRN ist YHWH ist Jesus. 

Die Bibel ist ein unersetzbarer Teil von dem allem. Aber nicht alles, auf was wir den Glauben stützen können.

Unser Glauben stützt sich nicht auf die Bibel, das tut der Heilige Geist, aber die Bibel informiert unseren Glauben. 

arcangel antworten


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 336
Veröffentlicht von: @kappa

Jesus hat uns kein Buch hinterlassen. DAS trifft es auf den Kopf.

Da triffst auch du mE den Nagel auf den Kopf!

Gott hat kein Buch vom Himmel geworfen, er hat seinen Sohn gesandt. Sein Sohn hat kein Buch geschrieben, sondern Jünger erwählt und bevollmächtigt.

Und er hat schlussendlich weder einen Sekretär beschäftigt, der alles detailgenau aufzuschreiben gehabt hätte, noch hat er am Ende seines Lebens die Verschriftlichung seiner Überzeugungen in Auftrag gegeben.

Stattdessen hat er Jünger erwählt - die ich gerne „Gurkentruppe“ nenne -, die er zur Verkündigung und zum Taufen hinausgesandt hat, nicht zur möglichst detailgenauen Niederschrift einer möglichst präzisen Lehre, sondern zur Verkündigung der „guten Botschaft“…

 

 

 

 

holger-f antworten
4 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3602

@holger-f 

Stattdessen hat er Jünger erwählt - die ich gerne „Gurkentruppe“ nenne -, die er zur Verkündigung und zum Taufen hinausgesandt hat, nicht zur möglichst detailgenauen Niederschrift einer möglichst präzisen Lehre, sondern zur Verkündigung der „guten Botschaft“…

Durch die Kirche bin ich kein Christ geworden. Da hat es was anderes gebraucht für mich - nämlich ein Wort, das ich für mich alleine so zerkauen kann, dass ich weiss, worum es geht.

Die Kirche ist uU überhaupt nicht attraktiv, sowohl in der Gegenwart als auch in der Geschichte. Vielleicht in der Zukunft.

Ich habe da nicht die gute Botschaft gehört, sondern unverständliche Rituale gesehen und ein lebensfeindliches Gedankengut (ich bin katholisch aufgewachsen), inklusive Strafandrohungen. Irgendwie ziemlich daneben, wenn man die tatsächliche Botschaft bedenkt.

Aber es muss ja nicht so wir bei mir laufen. Es hat jeder einen anderen Zugang. Und die sind gleichwertig, finde ich. 

 

 

 

stern antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5157
Veröffentlicht von: @stern

Durch die Kirche bin ich kein Christ geworden.

Ich auch nicht.

Da hat es was anderes gebraucht für mich  ...

... bei mir war's das veränderte Vaterbild - weg vom strengen, überwachenden Vater hin zum Vater, der seine Kinder liebt und sich an ihnen freut. 

Die Kirche ist uU überhaupt nicht attraktiv, sowohl in der Gegenwart als auch in der Geschichte. ...

Ich habe da nicht die gute Botschaft gehört, sondern unverständliche Rituale gesehen und ein lebensfeindliches Gedankengut (ich bin katholisch aufgewachsen), inklusive Strafandrohungen. Irgendwie ziemlich daneben, wenn man die tatsächliche Botschaft bedenkt.

Für mich ist Kirche auch nicht attraktiv, auch wenn ich einen anderen Hintergrund mitbringe. 

Aber es muss ja nicht so wir bei mir laufen. Es hat jeder einen anderen Zugang. 

Richtig. 

chai antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5157
Veröffentlicht von: @holger-f
 
... sondern zur Verkündigung der „guten Botschaft“. 

So sollte es sein. 

chai antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6497

@holger-f 

Gott hat kein Buch vom Himmel geworfen, er hat seinen Sohn gesandt. Sein Sohn hat kein Buch geschrieben, sondern Jünger erwählt und bevollmächtigt.

Bist du dir da in dieser Aussage ganz sicher? 

2Mo 31,18 Und als er auf dem Berg Sinai mit Mose zu Ende geredet hatte, gab er ihm die zwei Tafeln des Zeugnisses, steinerne Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes.

5.Mose 10, 1 In jener Zeit sprach der HERR zu mir: Haue dir zwei steinerne Tafeln aus, wie die ersten, und steige zu mir auf den Berg herauf! Und mache dir eine Lade aus Holz! 2 Und ich werde auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast. Und du sollst sie in die Lade legen.

Sagt YHWH zu Mose. Wie stellst du dir das 'Geben' vor? Sind die Tafeln da irgendwie durch die Luft geflogen gekommen oder wurden die Mose einfach so in die Hände gebeamt? Da Mose mit den 70 ältesten auf dem Berg Sinai zusammen mit YHWH (der in Menschengestalt anwesend war) gegessen hat, und es auch andere Situationen gibt in denen Mose YHWH in physischer Form sieht und interagiert. Ist davon auszugehen das YHWH in Menschengestalt Mose die Steintafeln, die er selbst mit seinem Finger beschrieben hat, übergab. 

Und da niemand den Vater sehen kann und am Leben bleibt und noch nie jemand den Vater gesehen hat ausser dem Sohn, muss es Jesus gewesen sein der dies Tat. 

arcangel antworten
AWHler
 AWHler
Beiträge : 2458

@holger-f 

Zunächst Danke für die Thread-Eröffnung und das Thema.

Was Du schreibst - die zwei Wege im Verständnis bzw. in der Verhältnissetzung von Schrift & Tradition - ist wohl richtig.

Ich greife es auf, in zweierlei Hinsicht:

Zum einen zeigt sich hinter beiden Wegen das Bedürfnis und die Frage nach einer EINDEUTIGKEIT im Blick auf das, was wahr, richtig und lebensdienlich (im göttlichen und umfassenden Sinne) ist. Und die GRUNDSÄTZLICHE Frage lautet, ob es solche Eindeutigkeit (oder besser: Eindeutigkeiten?) überhaupt gibt? Ob es sie geben kann, geben soll ... und worin sie bestehen (was dann wiederum Behauptungen sind). - Vielleicht kollidiert das tief, menschliche Bedürfnis nach Eindeutigkeit(en) in dieser bunten, un-eindeutigen, ambivalenten Welt mit der Tatsache, dass es sie SO NICHT gibt?! - Das ist die philosophische Grundsatzfrage.

Zum anderen steht der christliche Glaube, der  auf beiden Wegen (katholisch und evangelisch) ja ANKNÜPFEND an Jesus, sein Wirken, sein Leben und Sterben, seine nach-österliche Präsenz und sein Geistes-Kraft unterwegs ist, vor der Frage, was denn die MITTE & ESSENZ ist, die "in der Welt n.Chr." Gültigkeit und Bestand hat, Kern und Auftrag, Mission und Evangelium ist. ... Das Christentum hat auf diese Frage VIELE Antworten gegeben, bis heute, und diese durchaus verschiedenen Antworten "unter dem großen christlichen Dach" lauten z.B.: Die Gottesschau der Seligen (Augustinus), die Vergebung der Sünden (Confessio Augustana), die Rechtfertigung des Gottlosen (Luther bis Käsemann), Bekehrung, Wiedergeburt und Rettung des Einzelnen (Pietismus), Vollendung des Geistes und Gott><Mensch-Findung (Hegel, Fichte), Unio Mystica und Überwindung des Dualismus (christliche Mystik), Praktische Nächstenliebe & Caritas (nach Mt.25), "Gottes Herrschaft"/das Reich Gottes ... usw. ... All das sind mMn Aspekte und Akzentuierungen im Grossen Ganzen des christlichen Glaubens, die sich sowohl im protestantischen wie katholischen Glauben wiederfinden, egal ob das "Sola Scriptura" oder die katholische Entfaltung in der "Tradition" leitend ist ... Ist es, dies ist meine zweite Rückfrage, überhaupt möglich, gefordert und notwendig, diese Vielfalt - dies ist jetzt inner-christlich gefragt - zu vereindeutigen? - Sowohl der strenge Protestantismus hat dies immer wieder versucht wie auch das "katholische Lehramt", das absteckt, wer und was (noch) katholisch oder nicht mehr katholisch ist (s. die Entzüge von Lehrerlaubnis, Ex-kommunikation ... Boff, Küng, Drewermann u.a.) --- Wobei mir im Katholizismus durchaus gefällt, dass (im Unterschied zum Protestantismus) immer wieder eine große Weite, Inkulturation und ein Anknüpfungs-Horizont vorhanden war und ist (ich denke daran, dass Enomya-Lassalle oder Bede Griffiths immer katholisch geblieben und zugleich Zen-Meister und Brückenbauer im indischen Kontext gewesen sind) .... Aber die katholisch-apostolisch behauptete Entscheidungs- & Lehrbefugnis und die sich auf die Tradition berufende Autorisierung muss sich auch fragen lassen, WODURCH SIE SICH SELBST immer wieder in Frage gestellt sieht, ob ALLES tatsächlich geistgewirkt und gottgewollt ist, was sie über die Jahrhunderte hin errichtet hat .

Oh, soviel Text im Flow ... ich hoffe, es wird deutlich 😉

L'Chaim

 

awhler antworten
1 Antwort
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 336

@awhler 

 

>> … Vielleicht kollidiert das tief, menschliche Bedürfnis nach Eindeutigkeit(en) in dieser bunten, un-eindeutigen, ambivalenten Welt mit der Tatsache, dass es sie SO NICHT gibt?! - Das ist die philosophische Grundsatzfrage.<<

Die Grundsatzfrage ist gut herausgearbeitet, ich würde sie allerdings so formulieren: „Vielleicht gibt es das Bedürfnis nach Eindeutigkeit, weil die Vieldeutigkeit der Welt auf DAS EINE oder DEN EINEN hinausläuft.“

 

>> Das Christentum hat auf diese Frage VIELE Antworten gegeben, bis heute, und diese durchaus verschiedenen Antworten "unter dem großen christlichen Dach" lauten z.B.: …<<

Das ist richtig und zeigt sich auch durch die unterschiedlichen „Theologien“ der Apostel, die man theologischerseits herausgearbeitet hat. Allerdings - und hier möchte ich eine biblische Rückbindung herstellen - gibt es diese apostolische Vielfalt des EINEN Evangeliums, aber auch solche „Varianten“ des Glaubens, gegen die insbesondere Paulus vehement vorgeht (Hymenäus, Philetus, Alexander, Phygellus, Hermogenes…)

Gerne neigt man um des lieben (ökumenischen) Friedens Willen dazu, alle Kirchen zu „apostolische Varianten“ zu erklären, aber liegen wir da immer bzw. grundsätzlich richtig? 

 

>> Ist es, dies ist meine zweite Rückfrage, überhaupt möglich, gefordert und notwendig, diese Vielfalt - dies ist jetzt inner-christlich gefragt - zu vereindeutigen? << 

„Gefordert“ ist die Einheit auf jeden Fall in Johannes 17,20–23 und man muss nicht biblizistisch veranlagt sein, um beim (mehrfachen) Lesen dieser Verse konsterniert festzustellen, dass dieses Eins-Sein (1-Sein) so noch nicht vorhanden ist. Ich kann jedenfalls nicht vergnügt die Bibel zur Seite legen und mich über die „bunte Vielfalt“ der vielen Kirchen freuen. Sie widerspricht auch dem paulinischen Verständnis der Kirche vom Leib Christi. Protestantische Theologen haben diesen Mangel ja erkannt und die dogmatische Vorstellung von einer „unsichtbaren Kirche“ geprägt. Nur überzeugt mich das nicht. Und es hat mich auch schon vor meiner Konversion zum Katholizismus nicht überzeugt…

Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.

 

>> katholische Lehramt", das absteckt, wer und was (noch) katholisch oder nicht mehr katholisch ist (s. die Entzüge von Lehrerlaubnis, Ex-kommunikation ... Boff, Küng, Drewermann u.a.) <<

Es ist unpopulär zu sagen, aber in allen drei Fällen hätte ich vermutlich genauso entschieden. In allen gesellschaftlichen Bereichen ist alles mögliche „erlaubt“, aber immer innerhalb bestimmter „roter Linien“. Die ACK Deutschland hat solche Linien - weder kommt man ohne klare Bedingungen hinein, noch kann man innerhalb der ACK tun und lassen, was man will. Und auch den Evangelischen Kirchen sind Lehrüberprüfungsverfahren und Suspendierungen nicht fremd (z.B. Paul Schulz, Carl Jatho, Gustav Sydow, Paul Schulz, Gerhard Ulrich)…

 

>> WODURCH SIE SICH SELBST immer wieder in Frage gestellt sieht, ob ALLES tatsächlich geistgewirkt und gottgewollt ist, was sie über die Jahrhunderte hin errichtet hat.<<

Absolut richtig! Aber weder du noch ich können absolut sicher wissen, ob sie das in der Vergangenheit getan hat bzw. gegenwärtig tut. Es ist ehrlich gesagt auch müßig darüber zu spekulieren, da „die Kirche“ nicht eine einzelne Person ist. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass sie das tut, zumindest in den Jahrzehnten, die ich nicht nur durch Geschichtsbücher kenne, sondern in denen ich mit (hoffentlich) wachem Geist „beobachten“ konnte.

holger-f antworten


kerygma
Beiträge : 565

Meinem Eindruck nach spricht die Bibel von der apostolischen Tradition, die vor allem bewahrt werden soll. Nicht von anderen Traditionen, die danach kommen. Wie passt die Idee, dass es den Aposteln wichtig war, das Überlieferte zu bewahren, zu einem Lehramt, das zusätzliche Lehren entfaltet?

Den Reformatoren ging es darum, die kirchlichen Traditionen - wie z.B. Wallfahrten etc - der apostolischen Tradition unterzuordnen. Das meint Sola Scriptura. Dass Menschen daraufhin ihre eigenen Deutungen machen, ist auf der gleichen Stufe wie Ergänzungen, die von einem Lehramt vorgenommen werden.

Paulus sagte zur Gemeinde:

“8 Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. 9 Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“ (Gal 1,8-9)

Paulus wendet sich hier also ganz klar gegen den Freibrief einer Tradition. Dieser Vers ist Sola Scriptura in der Bibel: Wenn das, was gepredigt wird, anders ist als das, was empfangen wurde, ist es abzulehnen. 

kerygma antworten
kerygma
Beiträge : 565
Veröffentlicht von: @holger-f

A) Ist die Problemanalyse richtig?

B) Ist diese Differenz unauflösbar?

Um Deine Frage noch zu beantworten:

Die Grundproblematik, die ich sehe, ist, Kirche im biblischen Sinne mit irgendeiner Konfession gleichzusetzen. Das ist meine grundsätzliche Haltung in diesen Dingen. Kirche als Leib Christi sind alle Getauften, die das Abendmahl feiern. Da Kirche auch immer sichtbar ist, haben sich um die Getauften herum auch immer Gemeinden gebildet. Letztlich dürfte Taufe auch immer in eine konkrete Ortsgemeinde erfolgen. 

Die Differenz ist auflösbar, wenn wir: Uns darauf besinnen, dass die Bibel alles enthält, sowohl die mündliche oder die schriftliche Tradition. Wäre es nicht merkwürdig, wenn die Kirche, von der Du sagst, sie sei unfehlbar und habe die Schrift zusammengestellt, etwas vergessen hätte, was fürs Heil notwendig ist? 

Der ganze Fehler liegt darin, den ursprünglich auf die apostolische Tradition bezogenen Traditionsbegriff auf jedwede Tradition anzuwenden, die in kirchlichen Strukturen - egal welcher Denomination - gewachsen ist. Dagegen wendete sich Luther. "Sola Scriptura" aus seinem geschichtlichen Kontext zu reißen, wie es freikirchliche Gemeinden häufig tun, ist nicht anders als den Traditionsbegriff aus seinem geschichtlichen Kontext zu reißen, wie es die sog. apostolischen Kirchen häufig tun.

Wir müssen Tradition auf das beziehen, was eine apostolische Kirche ausmacht: apostolische Tradition, nicht auf andere Evangelien, auch dann nicht, wenn sie in der Tradition von einem Apostel gelehrt würden - siehe Galaterbrief.

Wir müssen der Tradition folgen. Der Tradition, die in der Bibel verschriftlicht wurde und die vor der Verschriftlichung mündlich und schriftlich vorlag.

kerygma antworten
1 Antwort
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 4 Wochen

Beiträge : 336

@kerygma 

>> Kirche als Leib Christi sind alle Getauften, die das Abendmahl feiern. <<

Der erste Teil ist (fast vollständig) katholische Auffassung, nach der die Taufe die Aufnahme in den Leib Christi bewirkt. Beim Abendmahl aber beginnen schon die - aus meiner Sicht - innerprotestantischen Ungereimtheiten.

Das protestantische Abendmahl scheint mir einer Familie zu gleichen, die fröhlich verkündet, dass bei ihr jeder bedingungslos mitessen darf – während unklar bleibt, was, wann und warum überhaupt gegessen wird. 

Während die lutherische Seite betont, dass die Speise „real präsent“ ist und wöchentlich gereicht wird, versteht die reformierte Seite das Essen als bloßes, seltenes Erinnerungsritual. 

Der innerprotestantische Streit über „den Kern der Mahlzeit“ ging so tief, dass 1817 ausgerechnet der preußische Staat als „externer Schiedsrichter“ eingreifen und per Gesetz eine gemeinsame „Tischordnung“ diktieren musste.

 

>> Da Kirche auch immer sichtbar ist, haben sich um die Getauften herum auch immer Gemeinden gebildet. <<

Und da Einheit ebenfalls immer sichtbar sein sollte, stellt sich die Frage, wie diese Sichtbarkeit sichtbar ist/ wird. Oder gibt es einen triftigen (biblischen) Grund, warum Kirche sichtbar, Einheit aber unsichtbar zu sein hätte?

 

>> Uns darauf besinnen, dass die Bibel alles enthält, sowohl die mündliche oder die schriftliche Tradition. Wäre es nicht merkwürdig, wenn die Kirche, von der Du sagst, sie sei unfehlbar und habe die Schrift zusammengestellt, etwas vergessen hätte, was fürs Heil notwendig ist? <<

Das wäre nur merkwürdig, wenn sie die Schrift zusammengestellt hätte, um ein ewig geltendes Lehrbuch zu erstellen und in dem Bewusstsein, dass die Zusammenstellung eines solchen Buches ihre einziger Auftrag ist und sie sich danach in Luft aufzulösen hätte…

In Wirklichkeit war es aber so, dass sie sich als von Jesus gestiftete und mit Vollmacht ausgestattete Institution verstand, die darauf vertrauen konnte, dass der zugesicherte Beistand des Heiligen Geistes „zur Zeit und Stunde“ in alle „Wahrheit und Klarheit“ führen würde…

 

>> Der ganze Fehler liegt darin, den ursprünglich auf die apostolische Tradition bezogenen Traditionsbegriff auf jedwede Tradition anzuwenden, die in kirchlichen Strukturen - egal welcher Denomination - gewachsen ist.<<

Was ist denn dein genaues Verständnis von „apostolischer Tradition“. Ich frage, weil es diese Formulierung auch im Katholizismus gibt und ich vermute, dass du damit etwas anderes meinst…

 

>> Wir müssen der Tradition folgen. Der Tradition, die in der Bibel verschriftlicht wurde und die vor der Verschriftlichung mündlich und schriftlich vorlag.<<

Würden Christen wenigstens das tun, nämlich der verschriftlichen Bibel folgen, wäre schon sehr viel gewonnen, die evangelischen/ evangelikalen Brüdern und Schwestern leisten hier wirklich großartiges! 

LG

holger-f antworten


Seite 1 / 8
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?