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Heilige Schrift und kirchliche Lehre

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Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 407

Die Gesamtproblematik von „Heiliger Schrift und kirchliche Lehre“ dreht sich mE um die Frage, wo die letztgültige Autorität des Glaubens verortet ist.

Da die Bibel kein systematisches Lehrbuch, sondern ein vielstimmiges Zeugnis ist, erfordert sie eine Instanz der Auslegung. Zwei unvereinbare (?) Systeme der Autoritätsbegründung stehen sich dabei gegenüber: 

 

(1) Interpretations-Dilemma (Protestantismus): Das Prinzip „Sola Scriptura“ setzt das geschriebene Wort als Letztinstanz und vertraut auf die Klarheit des Textes. 

Da jedoch ein verbindlicher „Schiedsrichter“ fehlt und jeder Gläubige die Bibel selbst auslegt, führt dieser Ansatz zwangsläufig zu innerprotestantischen Widersprüchen und einer Zersplitterung der Lehren.

 

(2) Kontinuitäts-Prinzip (Katholizismus): Der katholische Ansatz gründet auf der Annahme, dass Jesus Christus die Vollmacht zur Lehre und Leitung direkt an die Apostel und deren Nachfolger (das Lehramt) übertragen hat. 

Diese Vollmacht existierte vor den Texten. Die Heilige Schrift begründet das Lehramt daher nicht, sondern bezeugt und bestätigt dessen göttliche Einsetzung im Nachhinein.

 

Unauflösbare (?) Differenz: Aus dieser Vollmacht heraus entfaltet die katholische Tradition Lehren (wie Mariendogmen), die im Bibeltext nur als Samenkorn angelegt sind, vom Lehramt aber als verbindlich erklärt werden. 

Für Protestanten hingegen bleibt jede Lehre illegitim, die sich nicht direkt aus dem Wortlaut der Schrift herleiten lässt – sie lehnen eine personelle, vom Text unabhängige Vollmacht ab.

 

Im Kern geht es also um die Frage: Bezeugt die Bibel eine von Christus eingesetzte, lebendige Lehrautorität der Kirche, oder ist die Bibel selbst die einzige und direkt zugängliche Autorität für den Gläubigen?

 

 

Was mich beschäftigt:

A) Ist die Problemanalyse richtig?

B) Ist diese Differenz unauflösbar?

Antwort
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Holger F.
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Veröffentlicht von: @kerygma

Du sagtest, für die Rettung würden einem katholische Lehrsätze eh nicht helfen. Hast Du darüber mal intensiver nachgedacht? Du hast ein riesiges Lehrgebäude, das über Jahrhunderte gewachsen ist, aber hilft es Dir? Nein, es hilft Dir nicht.

Das ist übrigens interessant, denn die Reformatoren haben genau diesen Punkt gesetzt, sie wollen nämlich das fürs Heil Notwendige von den menschlich gewachsenen Traditionen lösen, um klar zu machen, was die Leute nicht beschweren soll. Damit waren sie genau Anhänger dieser notwendigen Entschlackung.

Das für das Heil Notwendige ist denkbar schlicht: der Glaube an Jesus und seinen uns zugute kommenden Tod, der Glaube an seine Auferstehung, die Hoffnung auf unsere eigene Auferweckung und die tägliche Nachfolge.
 
Das sehe ich so und du vermutlich auch. Dazu sind keine Dogmen nötig. Aber auch nicht die Kenntnis der gesamten Heiligen Schrift und ebensowenig die Bejahung von Luthers oder Calvins Lehrgebäuden.
 
Dein reformatorische Einwand übersieht - immer noch - das eigentliche Wesen eines Dogmas: Es will diese einfache Heilsbotschaft nicht erschweren, sondern genau diesen Kern des Evangeliums vor Verfälschung schützen.
 
Für das persönliche Heil sind abstrakte katholische Dogmen und theoretische protestantische Lehrgebäude weit weniger entscheidend als der gelebte Glaube – aber eben auch viel weniger als die komplette Heilige Schrift. Ein Dogma fügt der Bibel nichts hinzu, sondern setzt Leitplanken, um ihre Wahrheit zu sichern.
 
 
Zudem führte der protestantische Versuch einer Entschlackung paradoxerweise zu einem eigenen, riesiges Lehrgebäude. Allein die Werkausgaben von Martin Luther und Johannes Calvin umfassen weit über 120 Bände (Weimarer Ausgabe) bzw. dutzende Bände der Institutio, die von Theologen zur Kenntnis genommen zu werden haben.
 
Diese Lehren wurden bald wie Dogmen festgehalten. Der Protestantismus „verewigte“ seine Dogmatik in verbindliche Bekenntnisschriften und schuf gängige Katechismen, die bis heute normativ sind:
  • Luthers Kleiner und Großer Katechismus (1529)
  • Der reformierte Heidelberger Katechismus (1563)
  • Der Genfer Katechismus von Calvin
Wer der katholischen Kirche ihr Lehrgebäude vorwirft, übersieht, dass der Protestantismus das kirchliche Lehramt durch ein ebenso komplexes System aus Bekenntnisschriften und Katechismen ersetzt hat.
 
holger-f antworten


kerygma
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Veröffentlicht von: @holger-f
Das für das Heil Notwendige ist denkbar schlicht: der Glaube an Jesus und seinen uns zugute kommenden Tod, der Glaube an seine Auferstehung, die Hoffnung auf unsere eigene Auferweckung und die tägliche Nachfolge.
 
Das sehe ich so und du vermutlich auch. Dazu sind keine Dogmen nötig. Aber auch nicht die Kenntnis der gesamten Heiligen Schrift und ebensowenig die Bejahung von Luthers oder Calvins Lehrgebäuden.

Es wäre mir ganz neu, dass die Kirche lehrt, dass es nicht heilsnotwendig wäre, die mit dem höchsten Gewissheitsgrad (de fide) erkannten Glaubenswahrheiten anzunehmen.

Du reduzierst gerade die Anspruch der katholischen Kirche, Glaubenswahrheiten erkennen, verkünden und verbindlich festlegen zu können, auf einen Ökumenismus: nicht Glaubenswahrheiten, die von der Kirche erkannt werden, wären heilsnotwendig, sondern praktisch nur noch jene, die von allen Christen erkannt werden.

Das für Dich "schlicht denkbar" ist eben so gar nicht katholisch.

Veröffentlicht von: @holger-f

Wer der katholischen Kirche ihr Lehrgebäude vorwirft, übersieht, dass der Protestantismus das kirchliche Lehramt durch ein ebenso komplexes System aus Bekenntnisschriften und Katechismen ersetzt hat.

Nette Apologetik. Zum einen sind Bekenntnisschriften keine Dogmen, zum anderen kann schon ein Blick in diese Schriften erkannt werden, wie sie hinsichtlich ihrer Komplexität gegenüber dem römischen Lehramt aufgestellt sind.

kerygma antworten
Holger F.
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Veröffentlicht von: @kerygma

Du sagtest selbst, dass Mariendogmen nicht heilsnotwendig sind. Das konnte ich jetzt nicht nachprüfen, aber ich bin mir recht sicher, dass sie doch in ihrer Bedeutung darauf hinauslaufen.

Gut, dass du nicht alles glaubst 😅, sondern nachprüfst. Um dir das Nachprüfen zu erleichtern, hier einige Hinweise zu lehramtlichen Dokumenten, die belegen, dass Mariendogmen nicht heilsrelevant sind und das Seelenheil nicht eigenständig begründen oder vermitteln:

 
  1. Das Zweite Vatikanische Konzil legt in Unitatis Redintegratio (Nr. 11) das Prinzip der „Hierarchie der Wahrheiten“ fest. Dieses besagt, dass Glaubenssätze „verschiedenartig mit dem Fundament des christlichen Glaubens verknüpft sind“. Die Mariendogmen gehören explizit nicht zu diesem direkt heilsbegründenden Fundament! 
  2. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 90) bestätigt diese theologische Rangordnung. Er ordnet alle Dogmen nach ihrer Nähe zum eigentlichen, allein heilsentscheidenden Mysterium Christi ein.
  3. Die Dogmatische Konstitution Lumen Gentium (Nr. 60) stellt klar, dass Maria über keinerlei eigene, von Christus unabhängige Heilsrelevanz verfügt. Jeglicher Einfluss „fließt aus dem Überfluß der Verdienste Christi, stützt sich auf seine Mittlerschaft, hängt von ihr gänzlich ab und schöpft aus ihr seine ganze Erregerkraft.“

Weitere Belege für diese theologische Einordnung findest du in der Erklärung Die Interpretation der Dogmen (1990) der Internationalen Theologischen Kommission sowie im Dokument Dominus Iesus (Nr. 14) der Kongregation für die Glaubenslehre. 

 
holger-f antworten
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kerygma
(@kerygma)
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@holger-f Standardliteratur. Ich würde bezüglich 1 und 3 allerdings eher das Kleine Konzilslexikon von Rahner/Vorgrimler empfehlen, da es noch etliche Dokumente mehr enthält. Dem Katechismus fehlt grundsätzlich die Rangordnung. Hier würde ich Dir eher eine gute Dogmatik empfehlen, Ott ist hier eindeutig zu nennen, die eben gerade die Einordnung nach den theologischen Gewissheitsgraden vornimmt. Die ich übrigens jedem Katholiken anstelle des Katechismus empfehlen würde. Alternativ noch "Der Glaube der Kirche" von Neuner-Roos als Standardwerk der systematischen Lehrverkündigung. "Gewissheitsgrade" sucht man im Katechismus übrigens vergeblich, da gibt es nicht einmal das Wort. Zum Katechismus muss man übrigens auch immer Läpple mit seinem dazugehörigen Arbeitsbuch zum Katechismus empfehlen, der das ganze fundiert. Den Denzinger sollte man auch gelesen haben, um auch als Katholik zu lernen, ob man eigentlich schon im Bann ist.

Wünsche Dir viel Erfolg beim Kennenlernen Deiner eigenen Religion. 👍 

kerygma antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@kerygma 

Danke für die Literaturhinweise, die meisten der von dir angegeben Bücher findest du in meinem Arbeitszimmer. 😀

Ich würde deine empfehlenswerte Literaturliste zur katholischen Dogmatik unbedingt noch ergänzen um die beiden Dogmatikbände von Theodor Schneider: Handbuch der Dogmatik 1/2, Patmos.

Um den Horizont zu erweitern, würde ich auch noch „Grundkurs des christlichen Glaubens - Alte Lehren neu betrachte“ von Albert Keller empfehlen.

Joseph Ratzingers „Einführung in das Christentum“ ist so sehr und schon so lange Standardliteratur, dass ich selbstredend davon ausgehe, dass du dieses immer noch erhellende Buch kennst bzw. gelesen hast!? 😀

holger-f antworten
kerygma
(@kerygma)
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@holger-f  Bei Schneider fehlt mir allerdings auch der Punkt der Gewissheitagrade, was ich für einen wichtigen Punkt halte. Außerdem finde ich Ott griffiger, aber das mag Geschmacksfrage sein.

kerygma antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@kerygma 

In der Tat scheint das so zu sein, zumindest habe ich im Stichwortverzeichnis beider Schneider-Bände auf die Schnelle dazu nichts gefunden. Vermutlich ist der Grund, dass die Orientierung an der klassischen dogmatischen Gliederung und der anvisierte Adressatenkreis eine solche Fragestellung für nicht so relevant eingeschätzt wurde.

Da der Adressatenkreis des KKK aber ein anderer ist und sich auch und gerade an Laien richtet, ist das Fehlen einer Auseinandesetzung mit den Gewissheitsgrsden dort ein Manko. Im Kompendium des KKK steht dazu auch nichts.

Also hinsichtlich dieser Einschätzung hätten wir schon einmal Einigkeit erzielt… 😀

holger-f antworten
kerygma
(@kerygma)
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@holger-f Deswegen ist der Ott so empfehlenswert, weil hinter jeder Lehraussage steht, wo sie  vom Gewissheitsgrad her eingeordnet wird. Der Katechismus und auch andere Werke liefern genau das nicht, was ich oft problematisch finde, weil ich im Katechismus eben nicht unterscheiden kann, was "de fide" ist, was katholische Wahrheit, was Theologenmeinung oder offene Diskussion. Deswegen würde ich interessierten Katholiken immer eher den Ott als den Katechismus empfehlen. Nichtkatholiken natürlich eher nicht, da würde ich aber auch eher das Kompendium des Katechismus empfehlen.

https://www.booklooker.de/B%C3%BCcher/Angebote/autor=Ludwig+Ott&titel=Grundriss+der+Dogmatik

kerygma antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@kerygma 

Wirklich nochmal danke für den Hinweis, denn „den Ott“ habe und kenne ich tatsächlich (noch) nicht. Danke auch für den Link. 👏👏👏

holger-f antworten
kerygma
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@holger-f Viele gute Literatur ist von früher. Ich würde zum Verständnis des Leibes Christ auch immer die Dissertation von Vitus Huonder, dem früheren Bischof von Chur, der später zur Piusbruderschaft abgewandert ist, "Israel Sohn Gottes" (1975), und von Josef de Fraine "Adam und seine Nachkommen" (1962) empfehlen.

kerygma antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@kerygma 

Die Piusbrüder wären auch ein interessantes Thema, bei dem ich sofort nachdenken würde, ob die Protestanten auch ihre „Piusbrüder“ haben - Olaf Latzel vielleicht? 🙃

holger-f antworten


Holger F.
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Veröffentlicht von: @kerygma

Es wäre mir ganz neu, dass die Kirche lehrt, dass es nicht heilsnotwendig wäre, die mit dem höchsten Gewissheitsgrad (de fide) erkannten Glaubenswahrheiten anzunehmen.

Wie schön, dass du noch für neue Einsichten offen bist 😉. Also gerne noch einmal:

Selbst die Dogmen der höchsten Stufe (de fide definita) haben im katholischen Verständnis keine eigenständige, erlösende Kraft. Sie bewirken das Heil nicht, aber sie sind für katholische Gläubige die zuverlässigsten Wegweiser. 

holger-f antworten
Holger F.
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Veröffentlicht von: @kerygma

Du reduzierst gerade die Anspruch der katholischen Kirche, Glaubenswahrheiten erkennen, verkünden und verbindlich festlegen zu können, auf einen Ökumenismus: nicht Glaubenswahrheiten, die von der Kirche erkannt werden, wären heilsnotwendig, sondern praktisch nur noch jene, die von allen Christen erkannt werden.

Du denkst - so mein Eindruck - immer noch, die Katholische Kirche würde das Heil der Menschen, der Christen, ja selbst der katholischen Christen vom Glauben an ihre Dogmen abhängig machen? Das kannst du nicht wirklich meinen!

Wäre dem so, gäbe es so gut wie keinen (katholischen) Christen, der das Heil erlangen könnte oder jemals erreicht hätte. Denn es gibt - von einigen Theologen vielleicht abgesehen - keinen, der alle ca. 250 Dogmen überhaupt kennt. 

Außerdem müsste dann auch noch festgelegt werden, dass man die Dogmen in ihrer ganzen Tiefe richtig verstanden hat, was schon deshalb unmöglich ist, weil sie geistliche, göttliche Wahrheiten festhalten, die nie vollständig erfasst und ausgeschöpft werden können.

Nehmen wir als Beispiel die Dogmen/ Lehren zur Dreifaltigkeit, die von Protestanten ja auch geglaubt werden. Kennst du die? Und hast du sie wirklich umfassend verstanden? Und was machen wir - Protestanten wie Katholiken - mit einem jungen Menschen, dessen Verstandeskräfte nicht einmal ausreichen, das Problem zu verstehen, auf das die Trinitätslehre eine Antwort gibt?

Also: Die Vorstellung, die Katholische Kirche würde das Heil der Menschen vom Glauben und Verstehen all ihrer Dogmen abhängig machen, gehört ins Reich der neuzeitlichen Mythen…

holger-f antworten
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Chai
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(@chai)
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Veröffentlicht von: @holger-f

Nehmen wir als Beispiel die Dogmen/ Lehren zur Dreifaltigkeit, die von Protestanten ja auch geglaubt werden.
Kennst du die? Und hast du sie wirklich umfassend verstanden?
Und was machen wir - Protestanten wie Katholiken - mit einem jungen Menschen, dessen Verstandeskräfte nicht einmal ausreichen, das Problem zu verstehen, auf das die Trinitätslehre eine Antwort gibt?

Vielleicht hat er damit einfach kein Problem?
Vielleicht gibt es auch kein Problem, das eine Antwort braucht? 
Vielleicht sollte man dann auch kein Problem konstruieren?
(Erinnert mich so ein bissel an 'für jede Antwort ein Problem')

'Wir' lassen ihn einfach glauben. 

chai antworten
kerygma
(@kerygma)
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@chai Ich glaube, in dem Beitrag hat sich die katholische Hybris gut gezeigt, die den Gesprächspartnern abspricht, die Dreifaltigkeit zu kennen. Funfact: die katholische Kirche hat eigenmächtig einen Konzilsbeschluss verändert und damit ein neues Verständnis der Dreifaltigkeit eingeführt, die gegen das Verständnis der Kirche verstößt. Entgegen der Auffassung der ganzen Kirche, der Geist ginge vom Vater aus, führten die Katholiken zusätzlich ein, dass der Geist auch vom Sohn ausgeht. Deshalb gilt aus orthodoxer Sicht die katholische Kirche als häretisch.

kerygma antworten
Chai
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(@chai)
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@kerygma Vielleicht bin ich einfach zu doof, das verstehen zu wollen.

chai antworten
kerygma
(@kerygma)
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@chai Eigentlich ganz einfach. Die römische Kirche hat das Glaubensbekenntnis verändert. Während ursprünglich Gott Vater der Ursprung des Geistes war, wie es auch in der Bibel steht, hat die katholische Kirche Jesus Christus zum zweiten Ursprung des Geistes erklärt, wie es nirgendwo in der Bibel steht. Deswegen wird die römische Kirche von allen anderen traditionellen Kirchen als häretisch eingestuft.

kerygma antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@kerygma 

Erstens ist die katholische Sichtweise sehr wohl biblisch unterfüttert (auch wenn hier mE wieder einmal deutlich wird, dass die Bibel kein eindeutiges Lehrbuch ist), zweitens muss die Bedeutung des Häresie-Vorwurfs unbedingt auf den heutigen Stand gebracht werden.
 
Die biblische Begründung der katholischen Kirche für den Zusatz „und dem Sohn“ (Filioque) ist nämlich gut nachvollziehbar: Zwar geht der Geist laut Joh 15,26 vom Vater aus, doch Jesus bezeichnet ihn im selben Vers als den Geist, „den ich euch vom Vater senden werde“. Zudem haucht Jesus die Jünger an, um ihnen den Geist zu schenken (Joh 20,22), und die Schrift spricht explizit vom „Geist Christi“ (Röm 8,9; Gal 4,6).
 
Da nun alles, was der Vater hat, auch dem Sohn gehört (Joh 16,15), geht der Geist für die klassische katholische Theologie aus der ewigen Gemeinschaft und Liebe von Vater und Sohn hervor.
 
Die gegenläufige biblische Begründung seitens der Orthodoxie ist nicht weniger überzeugend. 😊
 
Der von dir erwähnte Vorwurf der Häresie stimmt nur teilweise. In der orthodoxen Tradition gilt nämlich das Filioque historisch tatsächlich als Irrlehre, da es den Vater als alleinigen Urgrund der Gottheit zu schwächen scheint. Ein universelles ökumenisches Konzil hat dies jedoch nie formal dogmatisiert.
 
Zudem wird der Vorwurf nicht von „allen“ traditionellen Kirchen erhoben: Die gesamten protestantischen und anglikanischen Kirchen des Westens teilen den katholischen Zusatz im Glaubensbekenntnis bis heute!

 
Abschließend hat sich im ökumenischen Dialog gezeigt, dass der Streit im Kern auf einem sprachlichen Missverständnis beruht. Die katholische Kirche versteht den Sohn nicht als zweiten, separaten Ursprung neben dem Vater. Wird der Zusatz im Sinne eines Hervorgangs „aus dem Vater durch den Sohn“ verstanden, schwindet der theologische Gegensatz und beide Seiten meinen dasselbe trinitarische Mysterium.
 
Kardinal Koch, der im Vatikan für die ökumenischen Bemühungen, insbesondere mit den Orthodoxen Kirchen zuständig ist, hat das vor kurzem in einem Interview auf eine ganz einfache Formel gebracht:
 
„Im Grunde genommen können wir im Westen auch ohne das Filioque leben.“ 👏
 
Das zeigte sich dann auch bei den ökumenischen Feierlichkeiten zum 1700. Jahrestag des Konzils von Nicäa. Die im türkischen Iznik versammelten Kirchenoberhäupter (Papst Franziskus für die katholische Kirche und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. für die Weltorthodoxie) beteten das ursprüngliche Glaubensbekenntnis – als starkes Zeichen der Einheit ganz ohne den westlichen Filioque-Zusatz… 👏
holger-f antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@kerygma 

Sorry, wenn das so angekommen ist. Die Frage war nicht, ob du die Dreifaltigkeislehre kennst, sondern, ob du meinst sie in ihrer ganzen Tiefe schon begriffen zu haben. Ich jedenfalls nicht… 

holger-f antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@chai 

Du hast den vollständigen Absatz dankenswerterweise kopiert. Daraus geht deutlich hervor, dass ICH immer wieder Probleme damit habe, die Dreifaltigkeitslehre zu verstehen. Je mehr ich mich mit ihr beschäftige, desto „unfassbarer“ ist sie für mich…

Wenn du damit kein Problem hast, wunderbar…

holger-f antworten
Chai
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(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5255
Veröffentlicht von: @holger-f

@chai 

Du hast den vollständigen Absatz dankenswerterweise kopiert. Daraus geht deutlich hervor, dass ICH immer wieder Probleme damit habe, die Dreifaltigkeitslehre zu verstehen. Je mehr ich mich mit ihr beschäftige, desto „unfassbarer“ ist sie für mich…

Wenn du damit kein Problem hast, wunderbar…

Ich mache mir keine Probleme damit. 
Mir reicht im Prinzip der Gedanke an die verschiedenen Aggregarzustände des Wassers. 
Wobei mir natürlich bewusst ist, dass dieser Vergleich hinkt. 

chai antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@chai 

Exakt das hatte ich gemeint! Versucht man sich die Dreieinigkeit irgendwie verständlich zu machen und hat eine Veranschaulichung gefunden, freut man sich zunächst, um dann etwas „frustriert“ festzustellen, dass man sich bei genauer Betrachtung selbst in Widersprüche verwickelt.

Das ist ja auch in gewisser Weise das Dilemma im Gespräch mit versierten Muslimen, die um die „Verlegenheit“ der meisten Christen in dieser Frage wissen…

Gut jedenfalls, dass das Missverständnis ausgeräumt ist, ich hätte gemeint, kerygma oder du würdet die Trinitätslehre nicht „kennen“…

holger-f antworten
Chai
 Chai
(@chai)
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@holger-f Wenn Du mal ganz viel Zeit hast, Dich mit der Suchfunktion zu beschäftigen, wirst Du unter den Stichworten 'Trinität' oder 'Dreieinigkeit' den einen oder anderen Thread finden. 
Es ist ja nicht so, dass dieses Thema neu ist.

chai antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@chai 

Danke. Welche knappe Veranschaulichung würdest du denn empfehlen, insbesondere für Kinder im Alter von ca. 12 bis 18?

holger-f antworten
Chai
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(@chai)
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@holger-f Frage 1: Fragen die Kinder danach? 
Frage 2: Wie kompliziert soll es sein? 
Ich finde den Vergleich mit Wasser immer noch am griffigsten. 
Egal, ob flüssig, als Wasserdampf oder als Eis - die Grundlage ist immer Wasser.

chai antworten
Holger F.
(@holger-f)
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@chai 

Es müsste eine Veranschaulichung für eher ältere Kinder (15 aufwärts) sein. Denn den Haken bei dem Wasser-Vergleich finden analytisch veranlagte, ältere Kinder zumeist schnell (Wasser kann nur nacheinander Eis oder Dampf sein. Wenn Gott wie Wasser ist, war er erst der Vater, dann hat er sich in Jesus verwandelt und heute ist er der Geist?)

holger-f antworten
AWHler
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(@awhler)
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@holger-f 

Es stimmt aber als Erfahrungswert! 🙂

In dem Trinitäts-Thread an anderer Stelle hatte ich den Vergleich auch schon benutzt und es kamen Einwände "analytischer " Art - aber wenn die trinitarische Rede meint, dass wir Menschen Gott auf dreifache Weise erfahren bzw. ihm begegnen dürfen, dann gibt es auch für mich kein anschaulicheres Beispiel.

L'Chaim

awhler antworten
kerygma
(@kerygma)
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@holger-f existiert Wasser nicht am Tripelpunkt in den Aggregatzuständen gleichzeitig?

kerygma antworten
Holger F.
(@holger-f)
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Beiträge : 407

@kerygma 

Wusste ich bis gerade noch nicht, stimmt tatsächlich 😀. Am sog. Tripelpunkt (Dreiphasenpunkt) existiert Wasser wirklich in allen drei Aggregatzuständen gleichzeitig.

Wikipedia sagt mir, dass sich bei einer exakten Temperatur von 0,01 °C und einem minimalen Druck von 6,1167 Millibar die drei klassischen Phasen im thermodynamischen Gleichgewicht befinden.

Damit wird die Wasser-Analogie tatsächlich auch für ältere Kinder wieder interessant, da sich neue gedankliche Möglichkeiten ergeben, dem „Geheimnis des dreieinigen Gottes“ näher auf die Spur zu kommen.

Danke für den wertvollen Hinweis! 😃

holger-f antworten


kerygma
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Veröffentlicht von: @holger-f

Kennst du die?

Alles klar. Damit ist das Thema beendet.

kerygma antworten
Seite 7 / 8
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