Heilige Schrift und kirchliche Lehre
Die Gesamtproblematik von „Heiliger Schrift und kirchliche Lehre“ dreht sich mE um die Frage, wo die letztgültige Autorität des Glaubens verortet ist.
Da die Bibel kein systematisches Lehrbuch, sondern ein vielstimmiges Zeugnis ist, erfordert sie eine Instanz der Auslegung. Zwei unvereinbare (?) Systeme der Autoritätsbegründung stehen sich dabei gegenüber:
(1) Interpretations-Dilemma (Protestantismus): Das Prinzip „Sola Scriptura“ setzt das geschriebene Wort als Letztinstanz und vertraut auf die Klarheit des Textes.
Da jedoch ein verbindlicher „Schiedsrichter“ fehlt und jeder Gläubige die Bibel selbst auslegt, führt dieser Ansatz zwangsläufig zu innerprotestantischen Widersprüchen und einer Zersplitterung der Lehren.
(2) Kontinuitäts-Prinzip (Katholizismus): Der katholische Ansatz gründet auf der Annahme, dass Jesus Christus die Vollmacht zur Lehre und Leitung direkt an die Apostel und deren Nachfolger (das Lehramt) übertragen hat.
Diese Vollmacht existierte vor den Texten. Die Heilige Schrift begründet das Lehramt daher nicht, sondern bezeugt und bestätigt dessen göttliche Einsetzung im Nachhinein.
Unauflösbare (?) Differenz: Aus dieser Vollmacht heraus entfaltet die katholische Tradition Lehren (wie Mariendogmen), die im Bibeltext nur als Samenkorn angelegt sind, vom Lehramt aber als verbindlich erklärt werden.
Für Protestanten hingegen bleibt jede Lehre illegitim, die sich nicht direkt aus dem Wortlaut der Schrift herleiten lässt – sie lehnen eine personelle, vom Text unabhängige Vollmacht ab.
Im Kern geht es also um die Frage: Bezeugt die Bibel eine von Christus eingesetzte, lebendige Lehrautorität der Kirche, oder ist die Bibel selbst die einzige und direkt zugängliche Autorität für den Gläubigen?
Was mich beschäftigt:
A) Ist die Problemanalyse richtig?
B) Ist diese Differenz unauflösbar?
Du präsentierst uns hier mit einer falschen Dichotomie. Zwischen dem Interpretations-Dilemma, welches in Zersplitterung und Widersprüchen endet und dem Kontinuitäts-Prinzip (Katholizismus) welches göttlich inspiriert eine Autorität und Einheit bildet (jedenfalls implizit).
Also entweder Sola Scriptura und Zersplitterung oder Tradition und Einheit. Dabei scheinst du ausser Acht zu lassen das auch der Traditionsansatz zu Zersplitterung führt. Katholiken, Orthodoxe, Kopten, Pius Bruderschaft, Christ Katholiken, Anglikanische Kirche usw. usv.
Also keiner der beiden Ansätze sind dafür geeignet eine geeinte Kirche zu schaffen.
Aus dieser Vollmacht heraus
Aus welcher Vollmacht? Die Vollmacht die sich selbst zuschreibt. Ich gestehe der katholischen Kirche und deren Lehramt nicht die geringste Vollmacht zu. Ihre Historie und ihr Gebaren, geben keinerlei Anlass der römischen Kirche in irgendeiner Art und Weise Autorität oder Glaubwürdigkeit zuzuschreiben.
Warum Sola Scriptura, trotz aller Probleme dennoch die einzige wirkliche alternative ist die. Römer 14
12 Also wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben.
...
22 Hast du Glauben? Habe ihn für dich selbst vor Gott! Glückselig, wer sich selbst nicht richtet in dem, was er gutheißt!
Sola Scriptura, führt ein Individuum dazu selbstverantwortlich Gott zu suchen im Wissen das am Tag des Herr jeder alleine für sich vor dem Herrn steht und Rechenschaft ablegen muss.
Im Kern geht es also um die Frage: Bezeugt die Bibel eine von Christus eingesetzte, lebendige Lehrautorität der Kirche, oder ist die Bibel selbst die einzige und direkt zugängliche Autorität für den Gläubigen?
Die Bibel belegt in der Tat eine Autorität der Kirche, die Frage ist nur, was konstituiert die Kirche. Die RKK schloss und schliesst jegliche Autorität die sich nicht ihr und ihrer Meinung unterwirft aus der von ihr definierten Kirche aus. Fairerweise muss man sagen, dass es auch protestantische Kirchen gibt, welche dies tun.
Aber weiter zu deiner Frage auch hier hast du wieder eine falsche Dichotomie, es ist kein entweder Lehramt oder Bibel. Luther hat nicht das Lehramt als solches Kritisiert, sondern das Lehramt dort kritisiert, wo es die Bibel verlässt. Die römische Kirche hat ja dann auch Jahre später einen Grossteil der Kritik Luthers aufgenommen und adressiert. Dort wo ein Lehramt die Offenbarung Gottes verlässt, verliert sie ihre Autorität.
Und hier fällt mir der Ablass ein.
1472 Um diese Lehre und Praxis der Kirche zu verstehen, müssen wir wissen, daß die Sünde eine doppelte Folge hat. Die schwere Sünde beraubt uns der Gemeinschaft mit Gott und macht uns dadurch zum ewigen Leben unfähig. Diese Beraubung heißt „die ewige Sündenstrafe". Andererseits zieht jede Sünde, selbst eine geringfügige, eine schädliche Bindung an die Geschöpfe nach sich, was der Läuterung bedarf, sei es hier auf Erden, sei es nach dem Tod im sogenannten Purgatorium [Läuterungszustand]. Diese Läuterung befreit von dem, was man „zeitliche Sündenstrafe" nennt. Diese beiden Strafen dürfen nicht als eine Art Rache verstanden werden, die Gott von außen her ausüben würde, sondern als etwas, das sich aus der Natur der Sünde ergibt. Eine Bekehrung, die aus glühender Liebe hervorgeht, kann zur völligen Läuterung des Sünders führen, so daß keine Sündenstrafe mehr zu verbüßen bleibt [Vgl. K. v. Trient: DS 1712-1713; 1820].
1478 Der Ablaß wird gewährt durch die Kirche, die kraft der ihr von Jesus Christus gewährten Binde- und Lösegewalt für den betreffenden Christen eintritt und ihm den Schatz der Verdienste Christi und der Heiligen zuwendet, damit er vom Vater der Barmherzigkeit den Erlaß der für seine Sünden geschuldeten zeitlichen Strafen erlangt. Auf diese Weise will die Kirche diesem Christen nicht nur zu Hilfe kommen, sondern ihn auch zu Werken der Frömmigkeit, der Buße und der Nächstenliebe anregen [Vgl. Paul VI., Ap. Konst. „Indulgentiarum doctrina" 8; K. v. Trient: DS 1835].
Das ganze Konzept widerspricht gänzlich dem biblischen Zeugnis, und das Preisgericht eignet sich nicht als Argument für diese Sicht. Besonders stossend ist das Ablauf "erkauft" werden kann, durch Riten die alleine in der Kontrolle einer Kirche steht, die damit ganz gut Geld verdient. Da wird aus erst Angst vor einer zeitlichen Sündenstrafe kreiert, für die es in der gesamten Offenbarung Gottes nicht einen Hinweis gibt. Und dann wird eine, für die Kirche lukrative, Lösung präsentiert. Dass diese Lehre abgeschwächt wurde, geschah einzig auf Druck durch die Reformation, in Trient wurden ja einige der Kritikpunkte Luthers adressiert.
Eine Echte bevollmächtige Kirche würde ein Konzil aller abhalten ohne irgendwelches Primat von Rom und würde sämtliche dogmatische Beschlüsse die an nicht ökumenischen Konzilien gefällt wurden als nichtig erklären. Nur so ein Lehramt würde Autorität und Glaubwürdigkeit bekommen.
Aber selbst so ein wirklich katholisches Lehramt würde wohl nicht verhindern, das sich Splittergruppen bilden.
So wie es jetzt steht, ist die RKK eben einfach nur eine 'römisch hemikatholische Kirche' und keine katholische.
>>Also entweder Sola Scriptura und Zersplitterung oder Tradition und Einheit. Dabei scheinst du ausser Acht zu lassen das auch der Traditionsansatz zu Zersplitterung führt. Katholiken, Orthodoxe, Kopten, Pius Bruderschaft, Christ Katholiken, Anglikanische Kirche usw. usv.<<
Das lasse ich nicht außer Acht! Es gibt aber einen Unterschied. Die protestantische „Zersplitterung“ ist systemimmanent, denn jeder darf aufgrund individueller Ansichten seine eigene Kirche gründen und sich gegenüber den anderen abgrenzen. Diese Vielfalt wird ja gelegentlich sogar als großer Fortschritt umjubelt, wobei ich mir nicht sicher bin, was Luther dazu sagen würde…
Im Katholizismus dagegen ist klar, dass ein Schisma ein nicht gewollter Akt ist und als „schmerzvolle Wunde des Leibes Christi“ bewertet wird.
>>Also keiner der beiden Ansätze sind dafür geeignet eine geeinte Kirche zu schaffen.<<
Vielleicht. Aber wenn ich es einem der beiden Ansätze - genügend Zeit vorausgesetzt - zutrauen würde, Einheit zu generieren, dann dem Katholischen Kontinuitätsprinzip. Denn erstens wird dort das „Eins-Sein“ der Kirche als jesuanischen Ziel hochgehalten („Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“) und zweitens existiert ein Amt, das genau diesen Einheitsdienst vollziehen soll. Das das nicht immer gelungen ist, spricht nicht gegen das Prinzip.
>>Aus welcher Vollmacht? Die Vollmacht die sich selbst zuschreibt. Ich gestehe der katholischen Kirche und deren Lehramt nicht die geringste Vollmacht zu. Ihre Historie und ihr Gebaren, geben keinerlei Anlass der römischen Kirche in irgendeiner Art und Weise Autorität oder Glaubwürdigkeit zuzuschreiben.<<
Ob die Bevollmächtigung der Kirche eine Selbstzuschreibung ist oder auf Jesus zurückgeht, beurteilen sachkundige kath. Theologen naturgemäß anders und wie ich mit Blick auf Matthäus 16,19; Matthäus 18,18; Johannes 20,22–23; Matthäus 28,18–20; Lukas 10,16; Johannes 13,20; Lukas 9,1; Apostelgeschichte 1,8; Johannes 14,26 meine, nicht ganz zu Unrecht.
Du begründest deine persönliche Ablehnung der Katholischen Kirche durch „Historie“ und „Gebaren“. Das scheint mir eine doch eher unhistorische Sichtweise zu sein, die heutige Maßstäbe undifferenziert in die Vergangenheit projiziert und dazu antikatholische Sichtweisen in die Gegenwart verlängert. Das kenne ich - spiegelverkehrt - von einigen Katholiken. Ich halte das nicht für zielführend.
Die Verse Römer 14,12.22 würde dir übrigens jeder Katholik blind unterschreiben. Nur begründen diese Verse nicht „Sola Scriptura“.
>>Sola Scriptura, führt ein Individuum dazu selbstverantwortlich Gott zu suchen im Wissen das am Tag des Herr jeder alleine für sich vor dem Herrn steht und Rechenschaft ablegen muss.<<
Das ist eine ziemlich neuzeitliche und zeitgeistige Sichtweise, die die Gegebenheiten der letzten 2000 Jahre und auch die der meisten heutigen Menschen ausblendet. Das selbstverantwortliche Individuum, das sich sein Leben lang allein mit der Bibel in der Hand in seinem Studierzimmer einschließt, um den Willen Gottes zu ergründen (sorry für die pointierte Übertreibung), kann nicht leitender Maßstab sein.
>>die Frage ist nur, was konstituiert die Kirche.<<
Stimmt! (Pfingsten; Heiliger Geist; Leib Christi; Volk Gottes; Tempel des Heiligen Geistes; Eucharistie; Taufe; Sündenvergebung; Fels; Kephas; Petrus; Schlüssel des Himmelreichs; Binden und Lösen; Apostel; Die Zwölf; Hirte; Herde weiden; Handauflegung; Älteste; Presbyter; Apostolische Sukzession; Säule und Fundament der Wahrheit; Überlieferung; Tradition; Geist der Wahrheit; Lehramt;…)
>>Die RKK schloss und schliesst jegliche Autorität die sich nicht ihr und ihrer Meinung unterwirft aus der von ihr definierten Kirche aus.<<
Das ist schlicht falsch! Gegen deine Behauptung spricht die reale Praxis der Ökumene: Das vatikanische Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen unter der Leitung von Kurt Kardinal Koch führt seit Jahrzehnten einen offiziellen, gleichberechtigten theologischen Dialog mit anderen Konfessionen. So erkennt die römisch-katholische Kirche die orthodoxen Kirchen ausdrücklich als „Schwesterkirchen“ mit gültigen Sakramenten an und sucht auch mit der Anglikanischen Gemeinschaft (über Kommissionen wie ARCIC) nach Wegen der Annäherung, anstatt sie einfach auszuschließen.
Von „Unterwerfung“ kann also nicht die Rede sein, wie auch ein Blick in folgende Dokumente zeigt: Unitatis redintegratio (1964); Ut unum sint (1995); Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999); Charta Oecumenica (2001); Das Ravenna-Dokument (2007); Der Bischof von Rom (2024).
>>Luther hat nicht das Lehramt als solches Kritisiert, sondern das Lehramt dort kritisiert, wo es die Bibel verlässt.<<
Das ist aber eine sehr beschönigende Sichtweise. Martin Luther hat das Papstamt grundsätzlich abgelehnt und es für eine rein menschliche Erfindung ohne göttliches Recht gehalten. Zwar setzte er anfänglich noch auf Reformen, dann aber sah er im Papst den biblischen „Antichristen“, die Kirche als „Hure Babylon“. Ich sehe solche Äußerungen gelassen als zeitbedingte - sagen wir - Entgleisungen, die es auf beiden Seiten gegeben hat. Es gibt aber evangelikale Kreise, die das immer noch exakt so verbreiten…
>>Und hier fällt mir der Ablass ein.<<
Der Ablass ist biblisch begründet, auch wenn man diese Begründung nicht teilen muss (die meisten Katholiken kennen sie gar nicht). Und das würde ich schon in einem ökumenischen Gespräch erwarten, dass man die biblischen und theologischen Begründungen des anderen versucht nachzuvollziehen und nicht vorschnell mit dem Etikett „unbiblisch“ versieht, nur weil es der eigenen Sichtweise widerspricht.
>>Eine Echte bevollmächtige Kirche würde ein Konzil aller abhalten ohne irgendwelches Primat von Rom<<
Nun, andere christlicher Kirchen waren im Zweiten Vatikanischen Konzil eingebunden! Der Vatikan lud über 100 protestantische, orthodoxe und anglikanische Beobachter nach Rom ein, die zwar kein Stimmrecht hatten, aber durch exklusiven Zugang zu allen Textentwürfen und theologische Fachgespräche die Konzilsdokumente maßgeblich mitprägten.
Wie ernst der Papst seinen Dienst an der Einheit der Christen nimmt, lässt sich am 2024 veröffentlichte Vatikan-Dokument ablesen, indem ein neues Verständnis des Papstamtes vorgeschlagen wird, das den Weg für einen synodalen Dienst und einen weltweiten Ehrenprimat öffnet. Heinrich Bedford-Strohm hat dieses Studiendokument ausdrücklich gewürdigt und positiv bewertet…
LG
Es gibt aber einen Unterschied.
Also ich sehe keinen Unterschied darin wie sich die Southern Baptist von dem Baptisten abgespalten haben wie sich die Christkatholiken von der Katholischen Kirche abgespalten haben. Also nein Zersplitterung ist nicht systemimmanent wie du es nennst es ist wenn schon den schon immanent Menschlich.
Einheit zu generieren, dann dem Katholischen Kontinuitätsprinzip.
Auch hier die katholische Kirche hat in ihrer 2000 Jahre Geschichte neben dem grossen Schisma noch ganz viel kleine und mehrere Protestbewegungen hervorgebracht. Also auch kein wirklich gutes Argument wie viel mehr Zeit braucht es denn bis endlich die grosse Einheit kommt.
Ob die Bevollmächtigung der Kirche eine Selbstzuschreibung ist oder auf Jesus zurückgeht, beurteilen sachkundige kath. Theologen
Da keine einzige von dir aufgelistete Bibelstelle von der Römisch Katholischen Kirche und dem Papst spricht ist das kein wirkliches Argument. Jede Gemeinschaft, die sich auf die Jesus beruft und die Bibel bemüht kann diese Stellen für sich reklamieren, und es gibt kein wirkliches Argument, dass diese stellen exklusiv auf die römisch-katholische Kirche limitiert.
Du begründest deine persönliche Ablehnung der Katholischen Kirche durch „Historie“ und „Gebaren“. Das scheint mir eine doch eher unhistorische Sichtweise zu sein, die heutige Maßstäbe undifferenziert in die Vergangenheit projiziert und dazu antikatholische Sichtweisen in die Gegenwart verlängert. Das kenne ich - spiegelverkehrt - von einigen Katholiken. Ich halte das nicht für zielführend.
Du meist also ich soll ignorieren, dass Konzilsbeschlüsse durch Erpressung, Korruption und Vetternwirtschaft zustande gekommen sind. Die gewissen Lehrmeinungen, direkt zur Bereicherung des Klerus und der Kirche geführt haben, das gewisse Dogmen bewusst so formuliert worden sind, um politisch unliebsame mundtot zu machen. Das sich die Kirche staatlicher gewallt bedient hat, um anderes denkende Christen zu verfolgen. Das auch heute noch Abweichler exkommuniziert werden. Nein eine Kirche, die Sukzession als das Alleinstellungsmerkmal hervorhebt durch welches sie sich über alle anderen stellt und eine alleine Deutungshoheit reklamiert, kann sich seiner Geschichte nicht einfach so entledigen. Entweder beruht die Autorität der Kirche auf Sukzession dann ist alles, was in ihrer Geschichte geschehen ist, heute noch genau so teil ihrer Identität, oder aber diese Kirche hat diese alten Kapitel zugeschlagen und macht ein neues auf, dann ist es aber nicht mehr viel mit Sukzession.
Beides kannst du nicht haben.
Das ist schlicht falsch! Gegen deine Behauptung spricht die reale Praxis der Ökumene: Das vatikanische Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen unter der Leitung von Kurt Kardinal Koch führt seit Jahrzehnten einen offiziellen, gleichberechtigten theologischen Dialog mit anderen Konfessionen. So erkennt die römisch-katholische Kirche die orthodoxen Kirchen ausdrücklich als „Schwesterkirchen“ mit gültigen Sakramenten an und sucht auch mit der Anglikanischen Gemeinschaft (über Kommissionen wie ARCIC) nach Wegen der Annäherung, anstatt sie einfach auszuschließen.
Och ok, dann kannst du mich sicher auf das Konzil hinweisen, wo besagten Bischöfe einen gemeinsamen Katechismus erarbeitet haben und eine gemeinsame dogmatische Basis aufgebaut haben. Die Gültigkeit der Sakramente schliesst die Eucharistie und Priesterweihe aus, die zwei fundamentalen.
Zusammenarbeit ist noch keine Anerkennung als gleichwertig, oder sogar die Betrachtung als eine Kirche. Alleine schon der Begriff "Schwesterkirche" verdeutlicht dies.
Das ist aber eine sehr beschönigende Sichtweise. Martin Luther hat das Papstamt grundsätzlich abgelehnt und es für eine rein menschliche Erfindung ohne göttliches Recht gehalten.
Ja, weil sich das Papstamt nicht aus der Bibel ableiten lässt.
Der Ablass ist biblisch begründet,
Ich kenne die Begründung und die stützt sich hauptsächlich auf Apokryphische Schriften die wenigen kanonischen Stellen die Bemüht werden sind bestenfalls zweideutig.
Nun, andere christlicher Kirchen waren im Zweiten Vatikanischen Konzil eingebunden! Der Vatikan lud über 100 protestantische, orthodoxe und anglikanische Beobachter nach Rom ein, die zwar kein Stimmrecht hatten, aber durch exklusiven Zugang zu allen Textentwürfen und theologische Fachgespräche die Konzilsdokumente maßgeblich mitprägten.
Wie gesagt ohne Primat Roms. Auch das zweite Vatikanum war ein römisch-katholisches Konzil, welches zwar den Dialog suchte, aber fest in der Hand Roms bliebt. Und notabene zu einer Spaltung der Kirche führte, so viel zum Thema Einheit.
Wie ernst der Papst seinen Dienst an der Einheit der Christen nimmt, lässt sich am 2024 veröffentlichte Vatikan-Dokument ablesen, indem ein neues Verständnis des Papstamtes vorgeschlagen wird, das den Weg für einen synodalen Dienst und einen weltweiten Ehrenprimat öffnet.
Und wenn diesen Weg dann wirklich einst begangen wird und es eine Synode mit Protestantischen, Koptischen, Orthodoxen, Charismatischen, Baptistischen, Evangelikalen "Bischöfe" welche alle Gleichberechtigt abstimmen können, abgehalten wird, dann kann ich auch hinter einem Ehrenprimat Roms stehen.
Bis dahin ist es eine weitere Absichtserklärung, Papier ist geduldig.
Veröffentlicht von: @sternDurch die Kirche bin ich kein Christ geworden.
Vielleicht nicht durch die direkte Erfahrung eines Gottesdienstes, aber doch durch die Bibel. Und die Bibel ist, egal wie man zu den jeweiligen Konfessionen stehen mag, historisch durch und aus der Kirche entstanden. Ohne Kirche hättest Du keine Bibel.
Veröffentlicht von: @kerygma... Und die Bibel ist, egal wie man zu den jeweiligen Konfessionen stehen mag, historisch durch und aus der Kirche entstanden.
Ohne Kirche hättest Du keine Bibel.
Ist es nicht eher so, dass es ohne Bibel auch keine Kirche gäbe?
Veröffentlicht von: @arcangelEine Echte bevollmächtige Kirche würde ein Konzil aller abhalten ohne irgendwelches Primat von Rom und würde sämtliche dogmatische Beschlüsse die an nicht ökumenischen Konzilien gefällt wurden als nichtig erklären. Nur so ein Lehramt würde Autorität und Glaubwürdigkeit bekommen.
Hälst Du Dich denn an die Beschlüsse der 7 ökumenischen Konzile? Z.B. die Ikonenverehrung? Und wieso akzeptierst Du Konzile als ökumenisch, wo bereits die orientalischen Kirchen nicht mehr dabei waren?
Veröffentlicht von: @chaiFür mich ist Kirche auch nicht attraktiv, auch wenn ich einen anderen Hintergrund mitbringe.
Das mag am Alter liegen. Trotzdem kann man Beziehungen nicht nur solange führen, wie der Partner jung und schön ist.
Veröffentlicht von: @kerygmaVeröffentlicht von: @chaiFür mich ist Kirche auch nicht attraktiv, auch wenn ich einen anderen Hintergrund mitbringe.
Das mag am Alter liegen. Trotzdem kann man Beziehungen nicht nur solange führen, wie der Partner jung und schön ist.
Meinst Du damit, dass die Kirche nicht mehr jung und schön ist?
Aus meiner Sicht kann man glauben, ohne sich zuviel mit Kirchengeschichte und kirchlichen Traditionen und Ritualen zu beschäftigen.
Man kann auch sogar ohne dieses ganze Wissen glauben.
Veröffentlicht von: @arcangelgab er ihm die zwei Tafeln des Zeugnisses, steinerne Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes.
Veröffentlicht von: @arcangelIst davon auszugehen das YHWH in Menschengestalt Mose die Steintafeln, die er selbst mit seinem Finger beschrieben hat, übergab.
Veröffentlicht von: @arcangelUnd da niemand den Vater sehen kann und am Leben bleibt und noch nie jemand den Vater gesehen hat ausser dem Sohn, muss es Jesus gewesen sein der dies Tat.
Ist das jetzt ernstgemeint von Dir? Oder fehlte der Ironie-Smiley?
Wenn ja, zeigt es nur, in welch merkwürdige Konstruktionen und akrobatische Verbindungs-Bemühungen man hineingerät, wenn man die Bild- und Symbolsprache der Bibel nicht versteht, sondern alles "irgendwie" WÖRTLICH deuten will.
Die Gebote sind nicht menschliche Erfindung, sondern haben ihre Bedeutung, ihren Sinn und ihren Ursprung in Gott, als Weisungen zum gelingenden Leben, Miteinander und zur Weltgestaltung. Darum geht's doch ...
Der Finger Gottes, Gott in Menschengestalt, der in Wahrheit Jesus von Nazareth ist - das ist schon schräg, oder? 😉 😎
L'Chaim
Veröffentlicht von: @arcangelDer Engel des HERRN ist YHWH ist Jesus.
Die Identität des „Engels des HERRN“ wird meines Wissens konfessionell sehr unterschiedlich gedeutet.
(1) In der evangelikalen und freikirchlichen Theologie gilt er als der präexistente Jesus Christus selbst (Christophanie).
(2) Die römisch-katholische und orthodoxe Kirche sieht in ihm dagegen einen geschaffenen Engel, der mit absoluter göttlicher Vollmacht spricht, da die Menschwerdung Jesu als ein historisch einmaliges Ereignis verstanden wird.
(3) Die moderne landeskirchlich-evangelische Theologie deutet die Figur eher als literarisches Stilmittel, um das Eingreifen des unnahbaren Gottes greifbar zu machen.
(4) Die Zeugen Jehovas identifizieren den Engel mit dem Erzengel Michael (den sie als Jesus, aber als geschaffenes Wesen verstehen).
(5) Das Judentum lehnt jede Verbindung zu Jesus oder einer Menschwerdung Gottes strikt ab und sieht in ihm einen rein himmlischen Boten im Sinne des antiken Gesandtenrechts.
Wer entscheidet nun? Die Schrift? Die Kirche? Jeder für sich?
Schrift und Kirche kämen vermutlich zu derselben Lösung: Da es sich nicht um heilsrelevante Deutungen handelt, sind alle zulässig…
Deute "Engel des HERRN" doch mal grammatikalisch. Es gibt keine zusammengesetzten Wörter im Hebräischen, wie z.B. Bundeslade. So etwas wird immer mit Genitivkonstrukt dargestellt meines Wissens. (Lade des Bundes).
Nun kannst du aber im Deutschen nicht sagen, der EngelHERR. Das ist nicht unser Sprachgebrauch. Die beste Annäherung ist 'der HERR in Engelsgestalt'.
Danke für den Hinweis, aber den Begriff „Engel des HERRN“ habe ich mir nicht ausgedacht und ihn auch nicht aus dem Hebräischen übersetzt, letzteres ist nämlich ziemlich eingerostet… 😊
Ja, ich weiß, dass du den Begriff nicht selbst ausgedacht hast.
Na, dann schubs mal dein Hebräisch an.... da lässt sich so viel finden. Nach den Basissemestern bin ich in einer Leseklasse aktiv geblieben. Wäre zu schade, wenn es Rost ansetzt.