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Kann mir jemand meinen Konfirmationsspruch erklären...?

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29397

Ich habe da eine Frage, und ich wundere mich gerade selbst, warum ich sie jetzt erst stelle, wo es doch so viele kompetente Leute hier gibt, die sich mit der Bibel und Textinterpretationen auskennen...

Ich habe seinerzeit die Möglichkeit gehabt, mir einen Konfirmationsspruch auszuwählen. Da gab es ein paar dutzend Vorschläge, und ich habe mir daraus Psalm 36, 10 ausgesucht: "Du, Herr, bist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht"

Ich habe das damals ausgesucht, weil mir die Sache mit der "Quelle des Lebens" sehr gut gefiel. Das klang für mich sehr positiv und optimistisch. Quelle fand ich gut. Erfrischend und belebend... und ohne Wasser kein Leben.

Die Sache mit dem Licht habe ich allerdings nie so recht verstanden... hat das noch einen tieferen Sinn, oder gibt es dazu eine konkrete Bedeutung?

Ich meine "Du bist das Licht" erscheint recht klar... "Du leuchtest uns, mit dir sehen wir klar... " das passt schon.

Aber "In deinem Licht sehen wir das Licht"? Also, ein doppeltes Licht? Was für ein Licht im Licht?

Das habe ich nie so recht verstanden. Gibt es da eine konkrete Bedeutung... oder bleibt das unklar, so nach dem Motto: "In deinem Licht gibt es noch mehr Licht, und alles ist geheimnisvoll und trotzdem klar... weil noch mehr Licht!"?

Würde mich nach all der Zeit wirklich mal interessieren... ist ja nur... na ja, schon ziemlich lange her...

 

Antwort
83 Antworten
3 Antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 1518
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich habe das damals ausgesucht, weil mir die Sache mit der "Quelle des Lebens" sehr gut gefiel. Das klang für mich sehr positiv und optimistisch. Quelle fand ich gut. Erfrischend und belebend... und ohne Wasser kein Leben.

Die Sache mit dem Licht habe ich allerdings nie so recht verstanden... hat das noch einen tieferen Sinn, oder gibt es dazu eine konkrete Bedeutung?

"Und wie Gott der Lebensquell ist, so ist er auch der Lichtquell:

בְּאוֹרְךָ נִרְאֶח־אוֹר außer Gott sehend sehen wir nur Finsternis, dagegen in das Lichtmeer Gottes vertieft werden wir von göttlicher Erkenntnis erleuchtet und von geistlicher Freude durchleuchtet."

 

Delitzsch, Franz. 1883. Biblischer Commentar über die Psalmen. Herausgegeben von Carl Friedr. Keil und Franz Delitzsch. Vierte überarbeitete auflage. Bd. 1. Biblischer Commentar über das Alte Testament. Leipzig: Dörffling und Franke.

 

martha antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 655
Veröffentlicht von: @lucan-7

Psalm 36, 10 ausgesucht: "Du, Herr, bist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht"

Aber "In deinem Licht sehen wir das Licht"? Also, ein doppeltes Licht? Was für ein Licht im Licht?

Das habe ich nie so recht verstanden. Gibt es da eine konkrete Bedeutung... oder bleibt das unklar, so nach dem Motto: "In deinem Licht gibt es noch mehr Licht, und alles ist geheimnisvoll und trotzdem klar... weil noch mehr Licht!"

 

Ich habe bei dem Teil "in deinem Licht sehen wir das Licht" immer im Kopf, dass "das Licht sehen" ein Synonym für "sterben" ist. Dann wäre die Interpretation einfach. Ob der Autor das so gemeint hat, weiß ich aber nicht.

tojak antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29397

@tojak 

Ich habe bei dem Teil "in deinem Licht sehen wir das Licht" immer im Kopf, dass "das Licht sehen" ein Synonym für "sterben" ist. Dann wäre die Interpretation einfach. Ob der Autor das so gemeint hat, weiß ich aber nicht.

Ich denke, das mit Licht, das man kurz vor dem Tod sieht, ist aber eine moderne Vorstellung, oder?

Klar, sonst würde es bedeuten, Gott ist da von der Geburt bis zum Tod... aber ich denke nicht, dass man dabei eine solche Formulierung verwendet hätte. "Licht" erscheint in der Bibel in anderen Zusammenhängen.

lucan-7 antworten
Lightfire89
Beiträge : 82

Hallo Lucan, da hast du dir einen schönen Vers rausgesucht.

extra für dich gefunden von Pfarrer i.R. Friedhardt Gutsche:

Viele sehnen in diesen letzten Januartagen die Frühlingssonne herbei. Die langen Nächte, die oft so langen Phasen des Morgengrauens sind manchem eine Qual. Dass es jetzt an jedem Morgen schon wieder etwas früher hell wird, lässt viele aufatmen. Wir sehnen uns nach Licht und Wärme. Das selbst hergestellte elektrische Licht und die brennenden Kerzen sind nur ein begrenzter Ersatz. Auch das so genannte Licht im eigenen Herzen reicht nicht aus. Wie schnell schlägt die Lebensfreude, der Strahl der Hoffnung, das Licht großer Pläne um in das Dunkel von Zweifel, Sorge, Angst, Resignation, Trauer. Wir brauchen ein Licht, das von außen kommt und das unabhängig ist von unserem augenblicklichen Befinden, unserer wechselhaften Stimmung, unseren schwankenden Gefühlen - so wie die Sonne, ohne die kein Leben auf Erden möglich wäre, einfach da ist, ob wir sie in strahlendem Licht sehen oder ob sie hinter verhangenen Wolken verborgen ist.

So ist das erste Schöpfungswerk Gottes das Licht. Gott sprach: "Es werde Licht, und es ward Licht." Das Licht ist die Grundlage für alles Leben. Licht und Leben gehören untrennbar zusammen. Deshalb heißt es auch am Anfang des Johannesevangeliums, im so genannten Christushymnus: durch Jesus, den Schöpfungsmittler, ist alles geschaffen, was ist. "In ihm ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen."

In dem Wort für den heutigen Tag, im Psalm 36 Vers 10, ist Licht und Leben so zusammengebunden: "Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht!"

Wir sind Geschöpfe Gottes, er hat uns das Leben gegeben, wir sind lebendig, weil er uns Zeit zum Leben und zum Leben Zeit gibt. Auch der heutige Tag ist Geschenk, ein Lebens-Geschenk. Aber die Quelle des Lebens - das ist einzig und allein der lebendige Gott, der uns teilhaben lässt an seinem Leben, an seiner Lebenskraft, an der Fülle des Lebens. Ohne ihn wären wir wie ein Fisch ohne Wasser, wie ein Vogel ohne Flügel. "Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens", der unaufhörlich quellende Ursprung des Lebens. Deshalb beten viele zu Beginn der Mahlzeiten: "Alle gute Gabe, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir, wir danken dir dafür." Wir sind nicht die Produzenten des Lebens, wir haben das Leben nicht aus uns, wir sind Empfänger des Lebens, wir sind mit Leben Beschenkte. Wer das nicht nur im Kopf weiß, sondern wer dieses Beschenktsein täglich mit jedem Atemzug, mit jeder Handbewegung, mit jeder Mahlzeit neu erfährt, der kommt ins Danken, ins Loben, in die Anbetung dessen, der der Quellgrund des Lebens ist. 

Und so ähnlich ist es auch mit dem Licht. Im Psalm 36 bekennen die Beter: "In deinem Lichte sehen wir das Licht!" Um die Sonne zu sehen, müssen wir keine Kerze anzünden. Wir sehen die Sonne in ihrem eigenen Glanz, und durch ihre Strahlen sehen wir alles andere in ihrem Licht. Wenn wir diese Welt, unsere Geschichte, unser eigenes Leben mit unseren Augen, mit unseren gelegentlich hellen Gedanken verstehen, durchschauen, überblicken wollen, dann stochern wir oft im Nebel, wir kommen zu Teilerkenntnissen, aber im nächsten Augenblick kann es passieren, dass uns alles wieder dunkel, rätselhaft, undurchdringlich erscheint. Wie viele sind an dieser Suche nach einem Durchblick, bei diesem Ringen, sich selbst besser zu verstehen, irre und zu Skeptikern geworden. Wir merken, wenn nicht Licht von dem kommt, der dieser Welt und uns das Leben gegeben hat, dann bleiben wir in Vermutungen, in Hypothesen, in Scheinwahrheiten hängen. Es ist wie mit der Sonne, - nur im Licht Gottes, also von seinem Licht, von seinem Blick her, kommen wir selbst ins rechte Licht, gewinnen wir Klarheit über Gott, diese Welt, über uns selbst. Ein Kirchenvater des Mittelalters hat es aus persönlicher Erfahrung so formuliert: "Gott, als ich dich fand, da fand ich mich selbst!"

 

 

lightfire89 antworten


Lightfire89
Beiträge : 82

Er muss uns sagen, wer wir sind, - er muss uns offenbaren, was Sinn und Ziel der Weltgeschichte ist. Deshalb die Einladung, der Anstoß Jesu: "Ich, ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben." Im Licht Jesu fällt Licht auf unser Leben und damit auch auf sinnvolle Aufgaben in und für diese Welt.
"Bei ihm ist die Quelle des Lebens, und in seinem Lichte sehen wir das Licht!"
Ihnen einen gelingenden Tag im Lichte unseres Gottes, der die Quelle des Lebens ist!

lightfire89 antworten
Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29397

Da der Thread gerade noch mal aus der Versenkung aufgetaucht ist wollte ich mich bei der Gelegenheit nochmal bei allen Beteiligten bedanken. Es war interessant zu sehen, was man alles in diese wenigen Worte legen kann, und ich denke ich habe jetzt auch nach all den Jahren eine Antwort bezüglich der Bedeutung gefunden.

Denn ich fand den Satz immer etwas nichtssagend... "in deinem Licht sehen wir Licht". Na ja, was denn sonst...? Wenn da Licht ist, dann ist da halt Licht...

Oder "in deinem Licht sehen wir das Licht". Hm... noch ein Licht? Ein Licht im Licht? Alles sehr merkwürdig...

Am wahrscheinlichsten erscheint mir jetzt die Interpretation: "In deinem Licht sehen wir (das) Licht (das wir gesucht haben)", als Ausdruck erfüllter Hoffnung.

Eigentlich irgendwie naheliegend, aber manchmal steht man halt auf dem Schlauch. Ob das nun wirklich zutreffend ist wird kaum weiter zu entscheiden sein, aber mir erscheint es sinnvoll, so dass mein Konfirmationsspruch jetzt insgesamt auch einen Sinn ergibt.

Danke nochmal an Alle und einen einen guten Rutsch bei der Gelegenheit!

lucan-7 antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1626

@lucan-7 guten Abend,

In der Ortodoxen Kirche wird meine ich zwischen Licht und Göttlichem Licht Unterschieden. Letzteres ist - ich hoffe ich irre mich nicht - auch das, was im Dornenbusch brannte. 

Es gibt natürliches Licht, aber Gott selbst hat auch eine Art Licht das Übernatürlich ist und sehr nah an ihm ist.

Man sagt das dies zu erleben ist, wenn man das in der Ortodoxie bekannte Jesus Gebet intensiv betet.

 

Ich hoffe ich hab es richtig zusammen bekommen.

 

Grüße und guten Rutsch 

kappa antworten
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