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Probleme mit dem Dekalog

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Arcangel
Themenstarter
Beiträge : 3624

Bei allem Detail der Sinai Episode in 2 Mose ist diese lange Erzählung reich an Unstimmigkeiten und anderen Schwierigkeiten. Hier sind einige der Hauptprobleme:

- In der ersten Hälfte von Exodus 19:9 verkündet Gott Mose, dass die Sinai-Theophanie bald stattfinden wird. Die zweite Hälfte des Verses besagt, dass Mose als Nächstes die Antwort des Volkes an Gott übermittelt hat. Antwort auf was? Ihre positive Antwort auf den Vorschlag des Bundes wurde bereits übermittelt (2. Mose 19,8); es wurde keine Antwort auf etwas anderes erbeten.

- Mehrere Verse (Exodus 19:12-13, 21-25) deuten darauf hin, dass die Israeliten begierig darauf sind, die Theophanie am Sinai zu sehen. Um zu verhindern, dass sie den Berg stürmen, sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich, da dies fatale Folgen hätte. Andere Verse vermitteln jedoch den gegenteiligen Eindruck. Man sagt, dass das Volk von Angst ergriffen ist, und Mose muss es an den Fuß des Berges bringen und es zum Zuhören bringen (2. Mose 19,16-17). Nachdem Gott nur zehn Sätze gesprochen hat, sind sie so sehr vom Schrecken getroffen, dass sie sich weigern, weiter zuzuhören (2. Mose 20,15- 17). Wurden die Israeliten unwiderstehlich angezogen oder vor Angst zurückgeschreckt?

- Die Erzählung betont, dass die Sinai-Erfahrung des Göttlichen nur hörbar war. Die Wolke bedeckte den Berggipfel, so dass nichts als Gewitter zu sehen war. Der eigentliche Zweck des Ereignisses war, dass das Volk hörte, wie Gott mit Mose sprach. Das Deuteronomium bekräftigt dies: Feuer und Wolke waren tatsächlich vorhanden, aber nichts Göttliches wurde gesehen; nur Geräusche wurden erlebt (Deuteronomium 4,9-12). Was hält der Leser also von der Beharrlichkeit der Geschichte, dass JHWH selbst vor dem ganzen Volk herabgestiegen ist (2. Mose 19,11.21)?

- Nachdem der Dekalog gehört wurde, bleibt Mose allein auf Wunsch des Volkes auf dem Berg, damit Gott ihm die aktuellen Gesetze mitteilen kann. Wenn diese befreit sind (2. Mose 23,33), ist Mose noch immer mit Gott auf dem Berggipfel. Warum weist Gott Mose dann an, "zum Herrn heraufzukommen" (Exodus 24,1)? Ist Moses nicht schon mit ihm auf dem Berggipfel? Das ist er in der Tat, weshalb er genau das Gegenteil tut: "Mose kam herab und sagte es dem Volk" (2. Mose 24,3).

- Mose steigt auf den Berg (Exodus 24,18), um die Tafeln zu erhalten, die Gott geschrieben hat (Exodus 24,12). Als er jedoch ankommt, stellt er fest, dass er aus einem ganz anderen Grund vorgeladen wurde: um die Anweisungen für die Stiftshütte zu erhalten, über die er vorher nicht informiert worden war. Mose wird informiert, dass er etwas als Abschiedsgeste erhalten wird - nicht jedoch die Tafeln, sondern etwas, das als "Edut" oder, wie üblich übersetzt, als "Zeugnis" bezeichnet wird (Exodus 25,16).

- Gott teilt Mose mit, dass die Stiftshütte als Ort dienen soll, von dem aus er "alles, was ich euch für die Israeliten befehlen muss" (2. Mose 25,22), vermitteln wird. Aber sind nicht alle Befehle gegeben und der Bund geschlossen und ratifiziert worden? Und wenn Mose aufsteigt, um die zweite Reihe von Tischen beschriftet zu bekommen, warum erhält er dann noch einen weiteren Bund und eine weitere kleine Sammlung von Gesetzen (2. Mose 34,10-26), von denen fast alle die zuvor gegebenen Gesetze wiederholen?

- Am Ende seiner Karriere (Deuteronomium 19-28) erinnert Mose die Israeliten daran, dass er nach der Verkündigung des Dekalogs allein mit Gott auf dem Berggipfel blieb, um die restlichen Gesetze zu erhalten. Aber die Art und Weise, wie Mose das Ereignis beschreibt, entspricht nicht dem, was im Exodus erscheint: Er erwähnt nicht, dass er dann herabgestiegen ist und dem Volk die Gesetze verkündet, sie aufgeschrieben und ratifiziert hat. Der weit verbreitete Eindruck, dass das Deuteronomische Gesetz eine "Wiederholung" des Gesetzes ist (wie sie mit dem Namen Deuteronomium oder "zweites Gesetz" bezeichnet wird), ist im Text nirgendwo impliziert und in der Tat nicht der Fall.

- Welches Verhältnis besteht zwischen der Version der Gesetze, die Mose auf dem Sinai schreibt, und dem "Buch der Thora", das er am Ende seiner Karriere schreibt (Deuteronomium 31,9)? Soll der Leser davon ausgehen, dass es zum Zeitpunkt des Todes von Moses zwei geschriebene Gesetzesbücher gab?

Warum ist die Geschichte so uneinheitlich und diskontinuierlich? Warum wurden die Gesetze schrittweise erlassen? Warum nicht alle auf einmal an die Menschen weitergeben, entweder auf dem Berggipfel oder im Stiftshütte? Warum duplizieren und widersprechen sich die in diesen einzelnen Phasen gegebenen Gesetze in Hunderten von Einzelheiten?

Ich bin nicht der Erste, der sich diese Fragen stellt, und ich bin kürzlich über einen interessanten Artikel gestolpert, aber ich würde gerne hier im Forum euere Expertise einholen.

Gruss
Lars

Antwort
31 Antworten
Helmut-WK
Beiträge : 5205
Veröffentlicht von: @arcangel

- In der ersten Hälfte von Exodus 19:9 verkündet Gott Mose, dass die Sinai-Theophanie bald stattfinden wird. Die zweite Hälfte des Verses besagt, dass Mose als Nächstes die Antwort des Volkes an Gott übermittelt hat. Antwort auf was? Ihre positive Antwort auf den Vorschlag des Bundes wurde bereits übermittelt (2. Mose 19,8); es wurde keine Antwort auf etwas anderes erbeten.

V.9b ist ne Dublette zu V.8b, die offenbar aus literarischen Gründen da steht (Chiasmus mit dem dazwischen sehenden, oder noch größere konzentrische Struktur?). Orientalen erzählen eben anders als wir.

Veröffentlicht von: @arcangel

Mehrere Verse (Exodus 19:12-13, 21-25) deuten darauf hin, dass die Israeliten begierig darauf sind, die Theophanie am Sinai zu sehen. Um zu verhindern, dass sie den Berg stürmen, sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich, da dies fatale Folgen hätte. Andere Verse vermitteln jedoch den gegenteiligen Eindruck.

Auch hier lohnt es sich, sich den Ablauif anzuschauen.

V.12-13: Unmittelbar nach dr Ankündigung, dass das Volk sehen wird, wie Gott auf den Sinai herabkommt, wird gesagt, dass es den Berg nicht betreten darf.
V.14-15: Weitere Anordnungen, die Mose trifft (offenbar soll der Leser verstehen, dass auch die von Gott stammen)
V.16: Als Gott kommt, ist das so furchtbar, dass das Volk sich fürchtet
V.16: Mose führt das Volk an den Fuß des Berges (vor die Absperrung)
V.17-20: Details dazu, wie gewaltig diese Theophanie war
V.21-24: Noch einmal wird betont, dass niemand (auch kein Priester!) die Grenze übertreten darf.

Veröffentlicht von: @arcangel

Wurden die Israeliten unwiderstehlich angezogen oder vor Angst zurückgeschreckt?

Nun, nachdem in V.13b gesagt wurde, dass bei der Theophanie gewisse (nicht näher spezifizierte) Leute auf den Sinai steigen können, ist V.21-24 durchaus angebracht, um zu verhindern, dass sich jemand für befugt hält, ohne es zu sein.

Veröffentlicht von: @arcangel

Was hält der Leser also von der Beharrlichkeit der Geschichte, dass JHWH selbst vor dem ganzen Volk herabgestiegen ist (2. Mose 19,11.21)?

Das hängt wohl vom Leser ab. Der intendierte Leser schließt offenbar, dass die Geräusche und sie sichtbaren Blitze etc. Beleg genug sind, dass es Gott war.

Veröffentlicht von: @arcangel

Mose wird informiert, dass er etwas als Abschiedsgeste erhalten wird - nicht jedoch die Tafeln, sondern etwas, das als "Edut" oder, wie üblich übersetzt, als "Zeugnis" bezeichnet wird (Exodus 25,16).

Und wieso soll das "Edut" nicht aus den Tafeln bestehen?

Veröffentlicht von: @arcangel

Aber sind nicht alle Befehle gegeben und der Bund geschlossen und ratifiziert worden?

Es gab immer wieder Fragen, die in der Offenbarung am Sinai nicht geregelt waren, und wo Gott später in der Stiftshütte befragt wurden. beispielsweise 3.Ms 24,10ff.

Veröffentlicht von: @arcangel

Am Ende seiner Karriere (Deuteronomium 19-28) erinnert Mose die Israeliten daran, dass er nach der Verkündigung des Dekalogs allein mit Gott auf dem Berggipfel blieb, um die restlichen Gesetze zu erhalten. Aber die Art und Weise, wie Mose das Ereignis beschreibt, entspricht nicht dem, was im Exodus erscheint:

Dass bei einer Wiederholung nicht alle Details genannt werden, galt als normal. Um daraus ein Problem zu machen, muss jemand schon sehr "fundamentalistisch" denken.

Veröffentlicht von: @arcangel

Welches Verhältnis besteht zwischen der Version der Gesetze, die Mose auf dem Sinai schreibt, und dem "Buch der Thora", das er am Ende seiner Karriere schreibt (Deuteronomium 31,9)? Soll der Leser davon ausgehen, dass es zum Zeitpunkt des Todes von Moses zwei geschriebene Gesetzesbücher gab?

Das erste Buch, das erwähnt wird, findet sich in 2.Ms 17,14. Offenbar ist gemeint, dass das alles ein Buch ist, das eben nicht an einem einzigen Tag offenbart wurde, sondern es gab einen Prozess.

Veröffentlicht von: @arcangel

Warum ist die Geschichte so uneinheitlich und diskontinuierlich?

Weil es in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Standards von "gut erzählen" gibt. Du musst u.U. auch damit rechnen, dass zugunsten einer literarischen Figur nicht linear erzählt wird, auch wenn es dafür keine Marker gibt, wie wir sie in einem modernen europäischen Roman erwarten würden.

Veröffentlicht von: @arcangel

Warum wurden die Gesetze schrittweise erlassen?

Warum dauerte es so lange von Adam bis Abraham, von Abraham bis Mose, und von Mose bis Jesus? Hätte Gott die Heilsgeschichte nicht auch in einem halben Jahrtausend zu Ende bringen können?

Es gibt Fragen, da wissen wir die Antwort nicht. Wir könnten höchstens spekulieren und damit (hoffentlich) zeigen, dass es sinnvolle mögliche Antworten gibt - aber die können natürlich alle total falsch sein 😉

Helmut

hkmwk antworten
8 Antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2523
Veröffentlicht von: @hkmwk

Warum dauerte es so lange von Adam bis Abraham, von Abraham bis Mose, und von Mose bis Jesus? Hätte Gott die Heilsgeschichte nicht auch in einem halben Jahrtausend zu Ende bringen können?

Die Heilsgeschichte ist doch an das "Alter"😀 der Erde gekoppelt.

500 Jahre sind ein zu überschaubarer Zeitraum. Das wirkt längst nicht so majestätisch. 😇

lg
Tatokala

tatokala antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3624
Veröffentlicht von: @hkmwk

V.9b ist ne Dublette zu V.8b, die offenbar aus literarischen Gründen da steht (Chiasmus mit dem dazwischen sehenden, oder noch größere konzentrische Struktur?). Orientalen erzählen eben anders als wir.

Das ist irgendwie der Grundtenor, in der Sinai Theophany und gesetzgebung, da muss sehr viel annehmen hineindenken und als literarisches Stil element betrachten um aus dem Text etwas homogenes zu machen.

Veröffentlicht von: @hkmwk

Und wieso soll das "Edut" nicht aus den Tafeln bestehen?

Das kann durchaus sein, das die identisch sind, es wird allerdings nur in zwei unmittel bar aufeinander folgenden Versen von den Tafeln als das Zeugniss gesprochen.

Veröffentlicht von: @hkmwk

Es gab immer wieder Fragen, die in der Offenbarung am Sinai nicht geregelt waren, und wo Gott später in der Stiftshütte befragt wurden. beispielsweise 3.Ms 24,10ff.

Na das ist ja das was Gott Mose angekündigt hat, dass Gott von der Stiftshütte aus, die Gesetze für das Vokl geben wird. Es ist somit durchaus konsistent. Es ist nur die Frage warum erfolgte neben dem Dekalog auch noch die ganzen Detail Gesetze befor die Stiftshütte errichtet wurde.

Veröffentlicht von: @hkmwk

Weil es in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Standards von "gut erzählen" gibt. Du musst u.U. auch damit rechnen, dass zugunsten einer literarischen Figur nicht linear erzählt wird, auch wenn es dafür keine Marker gibt, wie wir sie in einem modernen europäischen Roman erwarten würden.

Oder es wurde verschiede Berichte zu einem einzelen verschmolzen, auch eine Praxis die durchaus üblich war. Wen die einzelenen Texte als Göttlich inspiriert betrachtet werden wird man sich beim zusammenfügen dafor hüten den Text zu verändern auch wenn es dadurch zu diskontinutät und ungereimtheiten kommt.

Veröffentlicht von: @hkmwk

Es gibt Fragen, da wissen wir die Antwort nicht. Wir könnten höchstens spekulieren und damit (hoffentlich) zeigen, dass es sinnvolle mögliche Antworten gibt - aber die können natürlich alle total falsch sein 😉

Sinnvoll ja, wahrschein, hmm.

arcangel antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 5205
Veröffentlicht von: @arcangel

Das ist irgendwie der Grundtenor, in der Sinai Theophany und gesetzgebung, da muss sehr viel annehmen hineindenken und als literarisches Stil element betrachten um aus dem Text etwas homogenes zu machen.

Literarische Formen lassen sich in altorientalischen Texten erkennen, und sie finden sich nicht nur bei der Gesetzgebung, sondern überall im AT.

Veröffentlicht von: @arcangel

Das kann durchaus sein, das die identisch sind, es wird allerdings nur in zwei unmittel bar aufeinander folgenden Versen von den Tafeln als das Zeugniss gesprochen.

Ja und?

Veröffentlicht von: @arcangel

Es ist nur die Frage warum erfolgte neben dem Dekalog auch noch die ganzen Detail Gesetze befor die Stiftshütte errichtet wurde.

Einerseits ist es möglich, dass manche Regelungen in 2. Ms erst nachher in der Stiftshütte gegeben wurden. Andererseits: "Warum" ist immer schwer zu beantworten, wenn es um Gottes Gründe geht.

Veröffentlicht von: @arcangel

Oder es wurde verschiede Berichte zu einem einzelen verschmolzen, auch eine Praxis die durchaus üblich war.

Hast du dazu ein eindeutiges Beispiel?

Helmut

hkmwk antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3624
Veröffentlicht von: @hkmwk

Oder es wurde verschiede Berichte zu einem einzelen verschmolzen, auch eine Praxis die durchaus üblich war.

Hast du dazu ein eindeutiges Beispiel?

Der Gilgamesch Epos basiert auf älteren Erzählungen ist in seiner aus dem 7jhr vChr. Stammenden Version eine Kompilation aus diversen Erzählungen.

arcangel antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 5205
Veröffentlicht von: @arcangel

Der Gilgamesch Epos basiert auf älteren Erzählungen ist in seiner aus dem 7jhr vChr. Stammenden Version eine Kompilation aus diversen Erzählungen.

Wie sicher ist das?

Oder ist das auch nur so ne Theorie wie JEPD?

Helmut

hkmwk antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Das ist relativ sicher, da es Gilgamesch-Funde verteilt über ca. 1500 Jahre Geschichte gibt. Im Unterschied zu JEDP sind die verschiedenen Stufen also materiell belegt. Gegen Ende 3. Jt. v. Chr. gibt es sumerische und babylonische Stücke, jeweils mit Kurzerzählungen über Gilgamesch. Das jüngste Werk stammt dann aus der Bibliothek Assurbanipals (7. Jh.), wird allerdings in der Regel ins 12./11. Jh. datiert. Es ist das so genannte 11-Tafel-Epos, wo die Kurzgeschichten in eine übergreifende Geschichte übergeführt sind, wobei einige alte Geschichten ganz verschwinden, dafür aber auch neue Elemente dazu kommen (z.B. die Flut-Erzählung, die wohl aus dem Athrahasis ins Gilgamesch-Epos gelangt ist). Ab ca. 1100 v.Chr. wurde es dann in den Schreiberschulen unverändert (sozusagen kanonisch) weitertradiert.

Es gibt ganze Studien darüber, auch aus bibelwissenschaftlicher Sicht. Allerdings wird am Gilgamesch-Epos nicht nur deutlich, dass es ein solches Zusammenwachsen von Einzelgeschichten gab, sondern auch, dass aufgrund der jüngsten Version es methodisch völlig unmöglich wäre, die Quellen hinter dem Text zu rekonstruieren (so wenig wie man aus den Chroniken die Könige- und Samuelbücher rekonstruieren kann).

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tf8
 tf8
(@tf8)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 1276
Veröffentlicht von: @hkmwk

V.9b ist ne Dublette zu V.8b, die offenbar aus literarischen Gründen da steht (Chiasmus mit dem dazwischen sehenden, oder noch größere konzentrische Struktur?). Orientalen erzählen eben anders als wir.

Ich weiß nicht worüber genau ihr sprecht. Die vielen Fachbegriffe werde ich jetzt nicht alle nachschlagen und lernen.

Für mich stehen da erst einmal zwei verschiedene Worte in den beiden Versen.
וַיָּשֶׁב und וַיַּגֵּד

וַיָּשֶׁב מֹשֶׁה אֶת־דִּבְרֵי הָעָם אֶל־יְהוָה׃

וַיַּגֵּד מֹשֶׁה אֶת־דִּבְרֵי הָעָם אֶל־יְהוָה

Dann gibt es auch einen anderen Kontext.
In Vers 8 spricht Gott nicht.
In Vers 9 spricht Gott.

Ich habe keine Ahnung wie das gemeint ist, wie das ablief. Aber von der Formulierung könnte es so sein: Vers 8 - Mose nimmt die Worte (zu Gott) (packt sie in die "Kiste," aus der er sie später herausnehmen wird und Gott überbringen wird).

Vers 9 - Mose überbringt die Worte zu Gott

Nun, das wäre ein Ansatz zur Untersuchung der Gespräche, ich werde den hier und jetzt nicht verfolgen.

Wie liefen die Gespräche ab?
Wer beginnt die Rede?

Vom brennenden Dornbusch erinnere ich Gott als Gesprächsbeginner.

tf8 antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @hkmwk

V.9b ist ne Dublette zu V.8b, die offenbar aus literarischen Gründen da steht (Chiasmus mit dem dazwischen sehenden, oder noch größere konzentrische Struktur?). Orientalen erzählen eben anders als wir.

Zustimmend und ergänzend dazu:

Die Dublette (Parallelismus Membrorum) ist ja geradezu das Stilmittel altorientalischer (auch hebräischer) Poesie, aber sie hat eben auch in der Prosa eine Funktion. Wiederholung an sich kann auch einen eigenen Bedeutungsgehalt haben, z.B. in Gen 42 bei Josefs Traumdeutung der beiden Träume des Pharaos:

V.25: "Josef antwortete dem Pharao: Beide Träume des Pharao bedeuten das gleiche."

Warum dann zwei Träume?, fragt sich der moderne Leser.

V.32: "Dass aber dem Pharao zweimal geträumt hat, bedeutet, dass Gott solches gewiss und eilends tun wird."

Die zwei Träume haben also nicht die Funktion, verschiedene Aussagen zu machen oder verschiedene Aspekte zu betonen. Sie bedeuten zweimal dasselbe. Die Doppelung an sich ist die eigentliche Aussage. Sie besagt, dass der Traum sozusagen in Kursivschrift steht, d.h. ein besonderes Gewicht hat.

Anonymous antworten


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