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Rosenkranzbeten

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Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 376

Im Rahmen eines anderen Threads kamen wir auf das Thema Rosenkranzbeten zu sprechen. Längst nicht alle Katholiken tun das und viele, gerade evangelikale Christen nehmen Anstoß daran. Der regelmäßige Einwand ist, das Rosenkranzbeten stelle die Gottesmutter Maria in den Vordergrund und lasse ihren Sohn gleichsam „blass“ aussehen, nicht „zur Sprache kommen“, verdränge ihn.

Somit würden Katholiken den Fokus von Jesus Christus Weg auf seine Mutter hin verschieben. Wäre dem so, könnte ich die evangelikalen Vorbehalte und geistlichen Warnungen verstehen. Nur, ist das wirklich so?

Da ich denke, dass das ein eigenständiges Thema sein könnte, hier meine an anderer Stelle erstellte Replik zu diesem Thema:

 

Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz (so wie ich es tue und nur empfehlen kann), dann hat er 

# 53 mal die Gottesmutter gegrüßt

# 50 mal Jesus hinsichtlich eines bestimmten „Geheimnisses“ angesprochen

# 3 mal Jesus gebeten, in ihm den Glauben zu vermehren, die Hoffnung zu stärken und die Liebe zu entzünden

# 5 mal das Vaterunser gesprochen

# 5 mal Jesus im dreieinigen Gott angebetet (Ehre sei dem Vater…)

# 5 mal ausdrücklich Jesus um die „Verzeihung der Sünden“ gebeten

# 12 wichtige Punkte des christlichen Jesus-Bekenntnisses bekräftigt (im Apostolicum)

# 2 mal durch Kreuzzeichen Jesus im dreieinigen Gott „körperlich“ unterstrichen.

 

Nimmt man dann noch hinzu, dass ein sich lediglich wiederholender, „formelhafter“ Mariengruß (Lk 1, 28 + 42)

a) anders zu gewichten ist als die Anbetung Gottes im Vaterunser,

b) deutlich weniger stark ins Gewicht fällt als die innige Bitte um Vergebung der Sünden durch Jesus

c) und anders zu bewerten ist als das variierende Erinnern und Bekräftigen der Christusgeheimnisse

dann komme ich zu dem Schluss, dass das Rosenkranzgebet objektiv ein Jesusgebet ist, das lediglich „durch die Brille“ seiner Mutter hindurch gesprochen wird.

 

Hinzu kommt, dass durch die regelmäßig gebeteten, im deutschsprachigen Bereich verbreiteten fünf (nicht nur vier) Rosenkränze zweimal die Woche das vollständige Evangelium „durchgebetet“ wird und zwar wie folgt inhaltlich fokussiert:

1 Menschwerdung Gottes in Jesus (5 freudenreiche Jesus-Geheimnisse)

2 Öffentliches Wirken Jesu (5 lichtreiche Jesus-Geheimnisse)

3 Leiden und Sterben Jesu (5 schmerzreiche Jesus-Geheimnisse)

4 Auferstehung und Verherrlichung Jesu (5 glorreiche Jesus-Geheimnisse)

5 Vollendung der Welt in Jesus Christus (5 trostreiche Geheimnisse)

 

Mir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist. Deshalb bete ich ihn gern.

Ob und in welcher Weise bestimmte Gebetsformen und Frömmigkeitssübungen einer Gotteserfahrung dienlich oder eher abträglich sind, hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich noch nie Gebetsformen anderer Konfessionen negativ beurteilt habe, sondern immer noch interessiert zur Kenntnis nehme und schaue, ob sie mir selbst guttun und weiterhelfen.

Lustigerweise waren es gerade die vehementen evangelikalen Vorbehalte gegen das Rosenkranzbeten, die vor ca. fünf Jahren mein Interesse für diese Gebetsart geweckt haben.

Ebenso bemerkenswert finde ich es im Nachhinein, dass es gerade meine muslimischen Schüler und Bekannten waren, von denen ich an den Wert eines regelmäigen Gebetslebens erinnert wurde…

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kerygma
Beiträge : 619
Veröffentlicht von: @turmfalke1

... womit aus protestantischer Sicht das katholische Dogma dazu hinfällig ist. Wenn die Schrift über eine Sache schweigt, hat Gott Seinen Grund dafür. Alles andere sind dann nur menschliche Spekulationen.

Sie schweigt über den Zeitpunkt, nicht zum Gnadenstand Marias. Das Dogma erklärt den Gnadenstand Marias. Die Schrift formuliert auch kein Trinitätsdogma. Ich wüsste jetzt nicht, warum eine christliche Konfession nicht einen Lehrsatz über eine Wahrheit formulieren können sollte, die sie in der Schrift erkennt. 

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Auf die Frage, wann Maria begnadet wurde, gibt uns die Bibel eine viel schönere und unkompliziertere Antwort als das Dogma von 1854: In Gottes ewigem Ratschluss.

Das ist jetzt aber ziemlich konstruiert... alles ist in Gottes ewigem Ratschluss. Nur ist das Christentum keine theoretische Religion, sondern eine, die in ganz konkreten geschichtlichen Bildern denkt. Wenn Maria also von Gott in seinem ewigen Ratschluss bewahrt wurde, wird es dafür ein geschichtliches Moment geben. Interessant ist: dadurch, dass man annimmt, Maria wurde bereits "unbefleckt" - also ohne Erbsünde - empfangen, verortet man das Wirken von Gottes ewigen Ratschluss an den Anfang des geschichtlichen Moments in Marias Leben.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Es war kein biologisches Reinigungswunder in der Gebärmutter ihrer Mutter Anna erforderlich, sondern schlicht das souveräne Handeln Gottes, der das Schwache dieser Welt erwählt, um das Starke zuschanden zu machen (1. Korinther 1,27).

Dass Maria von der Erbsünde befreit wurde, ist ja auch Gottes Souveränität geschuldet. Genau wie es Gottes Souveränität geschuldet ist, dass er uns in der Taufe begnadigt hat. Ich habe nirgendwo gelesen, dass Maria nicht erlösungsbedürftig gewesen wäre.

 

kerygma antworten
1 Antwort
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4460

@kerygma Sie schweigt über den Zeitpunkt, nicht zum Gnadenstand Marias.

Die Schrift berichtet nur über die Anrede Marias als "Begnadete" bzw. "voll der Gnaden". Nirgends steht in der Schrift geschrieben, dass Maria frei von der Erbsünde war. Das ganze NT bezeugt, wie Gott in seiner Souveränität sündige Menschen annimmt und in Seinem Dienst gebraucht. Begnadete Menschen sind niemals sündlos bzw. von der Erbsünde befreit. Warum sollte das bei Maria anders sein?

dadurch, dass man annimmt, Maria wurde bereits "unbefleckt" - also ohne Erbsünde - empfangen

Und genau das ist m.E. unbiblisch. 

turmfalke1 antworten


kerygma
Beiträge : 619
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Die Schrift berichtet nur über die Anrede Marias als "Begnadete" bzw. "voll der Gnaden". Nirgends steht in der Schrift geschrieben, dass Maria frei von der Erbsünde war.

Die Erbsünde ist die Trennung von Gott. Jemand, der voller Gnade ist, ist nicht von Gott getrennt.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Begnadete Menschen sind niemals sündlos bzw. von der Erbsünde befreit. Warum sollte das bei Maria anders sein?

Also ist die Taufe keine wirkliche Wiedergeburt ?

Offenbarung 21,27 sagt, dass nichts Unreines in den Himmel hineinkommen wird, niemand, der Gräuel verübe und lüge. In Johannes 3,5 sagt Jesus, dass ein Mensch aus Wasser und Geist geboren werden muss, um in das Reich Gottes zu kommen. Daran knüpft Paulus in Römer 6,3-4 an, dass wir durch die Taufe in Christus zum neuen Leben auferstehen werden.

Wenn Du in den Himmel kommst, bist Du offensichtlich frei von der Trennung von Gott. Der Himmel ist die direkte Nähe Gottes. Wer "voller Gnade" ist, ist nicht von Gott getrennt.

kerygma antworten
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Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3567

@kerygma 

Also ist die Taufe keine wirkliche Wiedergeburt ?

Nein. Das sind zwei paar Schuh.

adjutante antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 619

@adjutante Liest sich in den Bibelversen, die ich direkt nach der Frage zitiert habe, aber völlig anders.

kerygma antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4460

@kerygma 

Das kommt etwas darauf an, was Du unter der Taufe durch Wasser und Geist verstehst.
Gerade Römer 6, 4 fordert auf, dass derjenige, der in Christi Tod getauft ist, nun auch in einem neuen Leben wandeln soll.
Wer nicht in diesem neuen Leben wandelt, ist der dann wiedergeboren?

turmfalke1 antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3567

@kerygma 

Liest sich in den Bibelversen, die ich direkt nach der Frage zitiert habe, aber völlig anders.

Also, ich lese das so:

Johannes 3, 5 ... Ja, aus Wasser und Geist, zuvor Vers 3 bzw. der ganze Abschnitt in Kapitel 3 spricht von der Wiedergeburt.

Römer 6, 3-4: Es geht Paulus nicht um die Taufe. Aber er nimmt sie hier mit hinein, dass wir sehen, was wir vor Gottes Augen sind. Der Getaufte wird aufgefordert in dieser Konsequenz der Christusgemeinschaft bewußt leben zu wollen und danach zu handeln. Es geht also nicht um eine magische Wirklichkeit der Taufe. Wer Christus angehört oder zu ihm gehört, ist mit Ihm gestorben. Nicht wir sind uns gestorben, sondern mit Christus. Nicht wir leben uns, sondern mit Christus.

Christus hat nicht unser Fleisch physisch weggetragen, auch nicht unsre Sünde physisch oder mechanisch weggetragen, sondern das Urteil Gottes. Wir sind in den Augen Gottes der Sünde gestorben. Das Sterben und Auferstehen ist eine Tatsache im Urteil Gottes, Gottes Urteil am Kreuz gilt uns. Es geht um eine Wandlung: wir sind der Sünde gestorben um zu leben. Der Christ ist in der Lage, der Macht der Sünde ein "NEIN" entgegenzusetzen. Es geht um "in Christus drin sein".

 

adjutante antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 619

@adjutante Warum erhalten die Apostel den Auftrag, Menschen zu taufen, wenn es ein innerlicher Glaubensvorgang ist?

kerygma antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3567

@kerygma 

Warum erhalten die Apostel den Auftrag, Menschen zu taufen, wenn es ein innerlicher Glaubensvorgang ist?

Wie ich eben schon geschrieben habe, es geht um die Konsequenz, also um ein Versprechen.

Es ist ein Zeichen dafür: ich habe die alten Bindungen gebrochen.

adjutante antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 619

@adjutante Dann müsste es doch ausreichen, auf den Namen Jesu getauft zu sein, oder?

kerygma antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3567

@kerygma 

Die Taufe auf den Namen Jesu alleine ist keine Wiedergeburt.

adjutante antworten
kerygma
(@kerygma)
Beigetreten : Vor 2 Monaten

Beiträge : 619

@adjutante Vielleicht hatten wir jetzt nur ein Missverständnis oder auch generell andere Positionen.

Für mich ist die Taufe die Wiedergeburt in den Leib Christi. Ich würde sagen: die Taufe und Wiedergeburt ist ein Geschenk aus Gnade. Es ist wie ein Same, der sich entwickeln muss.

kerygma antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3567

@kerygma 

Vielleicht hatten wir jetzt nur ein Missverständnis oder auch generell andere Positionen.

Ich vermute, es sind eher unterschiedliche Positionen.

Für mich ist die Taufe die Wiedergeburt in den Leib Christi. Ich würde sagen: die Taufe und Wiedergeburt ist ein Geschenk aus Gnade. Es ist wie ein Same, der sich entwickeln muss.

Als ich getauft wurde war ich genau 6 Wochen alt, mit 14 Jahren habe ich mit der Konfirmation zu meiner Taufe Gott bewußt geantwortet. Beides war für mich keine Wiedergeburt.

 

adjutante antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4460

@kerygma Die Erbsünde ist die Trennung von Gott. Jemand, der voller Gnade ist, ist nicht von Gott getrennt.

Ist dann Deiner Ansicht nach jeder wiedergeborene Gläubige frei von der Erbsünde? 
Das Neue Testament lehrt unmissverständlich: Wer an Christus glaubt, ist durch die Gnade gerechtfertigt und nicht mehr von Gott getrennt. Dennoch bleibt im Menschen der Drang zur Sünde und wir sündigen täglich, wenn uns auch dieses nicht mehr zum Sünder macht und uns nicht mehr von Gott trennt. Ist dieser Drang nicht auch Auswirkung der Erbsünde?

Wenn Maria von der ersten Sekunde ihrer Existenz an sündlos war, war sie nie von Gott getrennt. Sie hätte also nie „begnadet“ werden müssen.

Die Bibel unterscheidet zwischen zwei Dingen - unsere Stellung vor Gott und unsere menschliche Natur:
Stellung: Durch den Glauben und Gottes Gnade werden wir vor Gott als "gerecht" angesehen. Die Trennung ist aufgehoben. Wir sind "voller Gnade":
Natur: Trotz dieses neuen Status bleibt unsere menschliche Natur in der gefallenen Welt unvollkommen. Wir kämpfen weiterhin gegen die Sünde und streben nach Heiligung.
Wie war das bei Maria?

Also ist die Taufe keine wirkliche Wiedergeburt ?

Nicht in dem Sinne, dass sie uns die persönliche Entscheidung für Jesus abnimmt. Wer als Kind/ Baby getauft wurde, in dessen Leben aber Jesus später keine Rolle spielt, ist nicht wiedergeboren.

 

turmfalke1 antworten
kerygma
Beiträge : 619
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Ist dann Deiner Ansicht nach jeder wiedergeborene Gläubige frei von der Erbsünde? 

Ja, in der Taufe erfolgt die Vergebung der Sünden und damit sind alle Sünden erlassen bzw. getilgt - auch die Erbsünde.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Das Neue Testament lehrt unmissverständlich: Wer an Christus glaubt, ist durch die Gnade gerechtfertigt und nicht mehr von Gott getrennt. Dennoch bleibt im Menschen der Drang zur Sünde und wir sündigen täglich, wenn uns auch dieses nicht mehr zum Sünder macht und uns nicht mehr von Gott trennt. Ist dieser Drang nicht auch Auswirkung der Erbsünde?

Ja. Es bleibt diese Neigung zur Sünde, die uns Menschen immer noch zu schaffen macht und unter der wir leiden. Deswegen sind wir auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen, weil auch äußerlich Gutes, das wir tun, häufig aus selbstischen Motiven passiert.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Wenn Maria von der ersten Sekunde ihrer Existenz an sündlos war, war sie nie von Gott getrennt. Sie hätte also nie „begnadet“ werden müssen

Diese Deutung finde ich auch bei den katholischen Ausführungen zu diesem Dogma nicht. So weit ich dieses verstanden habe, wird die Erbsünde bei Maria wie bei jedem Menschen, der sich taufen lässt, getilgt. Gott verstößt also nicht gegen sein Erlösungswerk, weil Maria wie jeder Mensch erlösungsbedürftig ist. Wenn wir in zeitlichen Kategorien denken wollen, hat Gott ihr die Taufgnaden bereits bei ihrer Empfängnis zukommen lassen. Interessant ist, dass ausgerechnet Menschen, die oft eine "Geisttaufe" vertreten, ausgerechnet bei Maria nicht daran glauben können, dass Gott einem Menschen die Taufgnaden noch vor seiner Geburt zukommen lässt.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Nicht in dem Sinne, dass sie uns die persönliche Entscheidung für Jesus abnimmt. Wer als Kind/ Baby getauft wurde, in dessen Leben aber Jesus später keine Rolle spielt, ist nicht wiedergeboren.

Ich finde, das widerspricht sich.

Einerseits wird immer betont, dass in der Bibel nichts zur Kindertaufe stehe. Andererseits wird argumentiert, dass doch jemand, der als Kind getauft wurde, nicht wiedergeboren wird. Damit macht man sich ein Argument aus dem Schweigen zu eigen, das man oft ablehnt.

Die Bibel sagt, dass man durch die Taufe wiedergeboren wird, gleichzeitig sagt sie, dass die Taufe ohne Glaube bedeutungslos ist. Ich würde sagen: der Glaube vollendet die Taufe.

Worin wir wohl einig sind: die Taufe allein rettet niemanden, aber der Glaube allen ebenfalls nicht. Trotzdem sind Taufe und Glaube zusammen eine Voraussetzung für die Errettung.

kerygma antworten


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 376
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Die Bundeslade war im Alten Testament kein heiliger Gegenstand, weil das Holz oder das Gold so besonders waren, sondern ausschließlich wegen der Gegenwart Gottes, die auf ihr thronte und wegen der heiligen Gegenstände in ihr.

 

Wenn Maria die Bundeslade ist, dann ist sie es (ebenfalls) ausschließlich wegen der Gegenwart Gottes. Heiliges ist nie aus sich heraus heilig, sondern immer nur aufgrund der Gnade Gottes. Und Maria war vollständig von dieser Gnade erfüllt, wie der Engel Gabriel in seinem Gruß ausdrückt: „Gegrüßet seist, du, Vollbegnadete…“ (nicht „ein bisschen“, „zur Hälfte“, „zu 70%“ o.ä.)

Du tust außerdem so, als hätte ich lediglich Holz und Gold der Bundeslade mit Maria isoliert analogisiert, was gar nicht der Fall ist. 

Gott war in Maria gegenwärtig. Genau das sagt das Bild von der Bundeslade. Der goldene Deckel mit dem sog. (von den Cherubim gebildeten) Gnadenthron versinnbildlicht die Gegenwart Gottes in und über Maria, Gesetztestafeln, Manna und blühender Stab Aarons versinnbildlichen Jesus, der in Maria heranwächst, von ihr im jüdischen Glauben erzogen und von ihr bis unter das Kreuz begleitet wird.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Auf Maria bezogen würde das bedeuten: Nachdem Jesus geboren war, war die „Lade“ leer. Das Neue Testament verliert danach kein Wort mehr über eine sakrale Sonderrolle Marias.

Die Lade war leer, seitdem Jesus geboren war? Das Brot, die Gesetzestafeln und der Stab Aarons haben also „Beine bekommen“ und das Innere der Bundeslade verlassen? Das ist eine überaus merkwürdige Ansicht und Analogie. Der Gnadenthron (als Bild Gottes) war auch nach der Geburt vorhanden, Jesus als Brot des Lebens (Manna), Gesetz des Neuen Bundes etc. ebenfalls. Und Maria als Bundeslade dann natürlich auch.

Hinsichtlich der Frage, welche „Sonderrolle“ Maria spielt, sagt die Heilige Schrift soviel aus, dass es einem regelrecht die Sprache verschlagen kann. Wenn dich das umfänglich interessiert, empfehle ich dir „Jesus and the Jewish roots of Mary“ von Brant Pitre.

Das sich die göttlichen Geheimnisse um Maria nicht explizit in Kapitel X im Bibelbuch Y findet, ist völlig verständlich, da die Bibel kein Lehrbuch ist. Man ist also bei jeder, selbst elementaren Frage darauf angewiesen, Bibelstellen zu finden, zu gewichten und zu deuten. Hinsichtlich der Rolle Mariens ist das in 2000 Jahren vollumfänglich passiert. Außerdem entfalten sich göttlich Erkenntnisse in ihrer ganzen Tiefe immer erst im Verlaufe der Zeit.

Veröffentlicht von: @turmfalke1

Außerdem war das wichtigste Teil der Bundeslade der goldene Deckel, der sogenannte Gnadenthron, auf den der Hohepriester einmal im Jahr das Blut der Versöhnung sprengte. Und Paulus schreibt über Jesus, nicht über Maria, in Römer 3, 25: "Ihn hat Gott hingestellt als Gnadenstuhl durch den Glauben an Sein Blut ..." Im griechischen Urtext steht hier das Wort "hilasterion" - exakt dasselbe Wort, das die Septuaginta für den Deckel der Bundeslade verwendet. Damit sagt Paulus klar, durch wen die Bundeslade im Neuen Testament ersetzt wird - durch Jesus Christus. Er ist Bundeslade und Inhalt in einem. In Ihm haben wir Versöhnung mit Gott (Gnadenthron/ Blutbesprengung); in Ihm ist das Gesetz erfüllt (die Tafeln); in ihm haben wir das Leben (der grünende Stab Aarons). 

Du widersprichst dir hier selbst. Römer 3,25 spricht - wenn überhaupt - nicht von der Bundeslade, sondern ausschließlich von seinem „Deckel“, dem Gnadenstuhl. Darüberhinaus ist selbst die sprachliche Deutung von Römer 3,25 nicht geklärt, wie aus allen gängigen Bibelkommentaren und z.B. im Anmerkungsapparat der Elberfelder Bibel nachzulesen ist. Aber selbst in der Elberfelder wird lediglich „Sühneort“ übersetzt mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die Übersetzungsproblematik.

holger-f antworten
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Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 3567

@holger-f 

Darüberhinaus ist selbst die sprachliche Deutung von Römer 3,25 nicht geklärt, wie aus allen gängigen Bibelkommentaren und z.B. im Anmerkungsapparat der Elberfelder Bibel nachzulesen ist. Aber selbst in der Elberfelder wird lediglich „Sühneort“ übersetzt mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die Übersetzungsproblematik.

Nur dazu ein kleiner Exkurs, für mich liegt der Schwerpunkt im Blut:

Der Gnadenstuhl kommt auch in Hebräer 9; 2. Mose 25,22 und 3. Mose 16,13 vor. Das war der Platz der Offenbarung des Blutes der Gerechtigkeit. Am Gnadenstuhl wurde das Volk mit Gott versöhnt, aber jetzt durch Christus - durchs vergießen Seines Blutes. Ich denke, für Paulus war der Gnadenstuhl vielmehr ein technischer Ausdruck bzw. Bild für die Gedenkplatte auf der Bundeslade. Das war der Platz, wo das Blut durch den Priester hingesprengt wurde, um das Volk für seine Sünden zu versöhnen. Im Blut ist das Leben, die reinigende, heiligende und stärkende Kraft. Heute ist Jesus dieser Hohepriester.

Für mich liegt die Deutung von Römer 3, 25 in der Anschauung des bundesstiftenden und sühnenden Wirkung des Blutes - wie im AT so auch im NT. Im AT wurde einmal im Jahr das Versöhnungsfest gefeiert, Versöhnung und Reinigung waren verschiedene Dinge. Jesus vereinigt das in sich: ER hat uns am Kreuz ein für allemal versöhnt und ermöglicht uns fortlaufende (die tägliche) Reinigung. Das ist nicht abhängig von Gefühlsschwankungen. Er reinigt die Leute immer wieder, die sein Blut angenommen haben.

Durch die Kraft des Opferblutes hat Jesus Frieden gestiftet mit Gott. Paulus begründet hier einen neuen Bund im Blut des sündlosen Sohnes Gottes. Das Blut Jesu stiftet einen neuen Bund. Die Sühnung des Blutes Jesu ist die Versöhnung des Menschen mit Gott. Im Blut liegt die Kraft zur Heiligung, zur Nachfolge. Da entsteht Glaubensgewißheit und Zuversicht in der Nachfolge. Das Blut Jesu wirkt Kräfte, wenn es gerühmt wird. Jesus hat mich durch das Blut freigekauft.

adjutante antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4460

@holger-f Wenn Maria die Bundeslade ist, dann ist sie es (ebenfalls) ausschließlich wegen der Gegenwart Gottes. Heiliges ist nie aus sich heraus heilig, sondern immer nur aufgrund der Gnade Gottes. Und Maria war vollständig von dieser Gnade erfüllt, wie der Engel Gabriel in seinem Gruß ausdrückt: „Gegrüßet seist, du, Vollbegnadete…“ (nicht „ein bisschen“, „zur Hälfte“, „zu 70%“ o.ä.)

Und warum ist dann nur Maria die Bundeslade? Sind es dann nicht wir alle, wenn wir Jesus in uns tragen?

Du tust außerdem so, als hätte ich lediglich Holz und Gold der Bundeslade mit Maria isoliert analogisiert, was gar nicht der Fall ist. 

Wo liest Du das aus meinen Worten heraus?

Die Lade war leer, seitdem Jesus geboren war? Das Brot, die Gesetzestafeln und der Stab Aarons haben also „Beine bekommen“ und das Innere der Bundeslade verlassen? Das ist eine überaus merkwürdige Ansicht und Analogie.

Ich habe nur Deine Analogie übernommen. Du hast doch selbst gesagt, Maria sei die Bundeslade, weil sie Jesus in sich getragen hat. Und das war ja nun mit Jesu Geburt nicht mehr gegeben.

Der Gnadenthron (als Bild Gottes) war auch nach der Geburt vorhanden, Jesus als Brot des Lebens (Manna), Gesetz des Neuen Bundes etc. ebenfalls. Und Maria als Bundeslade dann natürlich auch.

Der Gnadenthron war und ist vorhanden - in der Person Jesu. Das Brot, Gesetz, ... ebenso. Aber was hat das jetzt mit Maria zu tun? Nach Jesu Geburt?

Du widersprichst dir hier selbst. Römer 3,25 spricht - wenn überhaupt - nicht von der Bundeslade, sondern ausschließlich von seinem „Deckel“, dem Gnadenstuhl. 

Ich widerspreche mir hier nicht, denn das Wichtigste an der Bundeslade war der Gnadenstuhl. Er war maßgeblich für die Versöhnung. Und das ist heute Jesus. Und da man - wie Du schon angedeutet hast - Gnadenstuhl, Bundeslade und Inhalt nicht trennen kann, kann also Maria gar nicht "mehr" die Bundeslade sein, da sie Jesus - zumindest als Baby - nicht mehr in sich trägt. Und geistlich tragen wir alle Christus in uns, wenn wir wiedergeboren sind.

turmfalke1 antworten
Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 376
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Maria dagegen sagte (Lukas 1, 47): "... und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilands." Heiland = Retter/ Erlöser. Also brauchte Maria einen Erlöser.

Das ist deine immer wiederholte alte Falschaussage! Natürlich benötigt Maria Jesus als Retter. Nichts anderes lehrt die Katholische Kirche und das weißt du auch, weil ich es dir schon mehrfach geschrieben und erläutert hatte. 🫤

holger-f antworten
1 Antwort
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 5205

@holger-f Ich glaube aber schon (d.h. ich bin mir da ziemlich sicher), dass das in einzelnen Regionen und Gemeinden unterschiedlich gewichtet und handhabt.

chai antworten


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 376
Veröffentlicht von: @deborah71

Ich denke also ganz anders über den Begriff "Erbsünde". 

Das merke ich. Auf derlei theologisch ungleich definiere/ gefüllte Vokabeln beruhen viele Missverständnisse zwischen Protestanten und Katholiken. Insofern ist es gut, wenn dir das hier auffällt. 

Ich setze natürlich den katholischen Erbsündenbegriff voraus, „privat“ definierte Begriffe sind ja nett, helfen aber nicht weiter, um theologiehistorische Sachverhalte aufzuklären…

holger-f antworten
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