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Rosenkranzbeten

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Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 372

Im Rahmen eines anderen Threads kamen wir auf das Thema Rosenkranzbeten zu sprechen. Längst nicht alle Katholiken tun das und viele, gerade evangelikale Christen nehmen Anstoß daran. Der regelmäßige Einwand ist, das Rosenkranzbeten stelle die Gottesmutter Maria in den Vordergrund und lasse ihren Sohn gleichsam „blass“ aussehen, nicht „zur Sprache kommen“, verdränge ihn.

Somit würden Katholiken den Fokus von Jesus Christus Weg auf seine Mutter hin verschieben. Wäre dem so, könnte ich die evangelikalen Vorbehalte und geistlichen Warnungen verstehen. Nur, ist das wirklich so?

Da ich denke, dass das ein eigenständiges Thema sein könnte, hier meine an anderer Stelle erstellte Replik zu diesem Thema:

 

Nehmen wir an, jemand betete einmal am Tag den Rosenkranz (so wie ich es tue und nur empfehlen kann), dann hat er 

# 53 mal die Gottesmutter gegrüßt

# 50 mal Jesus hinsichtlich eines bestimmten „Geheimnisses“ angesprochen

# 3 mal Jesus gebeten, in ihm den Glauben zu vermehren, die Hoffnung zu stärken und die Liebe zu entzünden

# 5 mal das Vaterunser gesprochen

# 5 mal Jesus im dreieinigen Gott angebetet (Ehre sei dem Vater…)

# 5 mal ausdrücklich Jesus um die „Verzeihung der Sünden“ gebeten

# 12 wichtige Punkte des christlichen Jesus-Bekenntnisses bekräftigt (im Apostolicum)

# 2 mal durch Kreuzzeichen Jesus im dreieinigen Gott „körperlich“ unterstrichen.

 

Nimmt man dann noch hinzu, dass ein sich lediglich wiederholender, „formelhafter“ Mariengruß (Lk 1, 28 + 42)

a) anders zu gewichten ist als die Anbetung Gottes im Vaterunser,

b) deutlich weniger stark ins Gewicht fällt als die innige Bitte um Vergebung der Sünden durch Jesus

c) und anders zu bewerten ist als das variierende Erinnern und Bekräftigen der Christusgeheimnisse

dann komme ich zu dem Schluss, dass das Rosenkranzgebet objektiv ein Jesusgebet ist, das lediglich „durch die Brille“ seiner Mutter hindurch gesprochen wird.

 

Hinzu kommt, dass durch die regelmäßig gebeteten, im deutschsprachigen Bereich verbreiteten fünf (nicht nur vier) Rosenkränze zweimal die Woche das vollständige Evangelium „durchgebetet“ wird und zwar wie folgt inhaltlich fokussiert:

1 Menschwerdung Gottes in Jesus (5 freudenreiche Jesus-Geheimnisse)

2 Öffentliches Wirken Jesu (5 lichtreiche Jesus-Geheimnisse)

3 Leiden und Sterben Jesu (5 schmerzreiche Jesus-Geheimnisse)

4 Auferstehung und Verherrlichung Jesu (5 glorreiche Jesus-Geheimnisse)

5 Vollendung der Welt in Jesus Christus (5 trostreiche Geheimnisse)

 

Mir ist in 40 Jahren keine protestantische Gebetsform begegnet, die all das „leistet“, was das Rosenkranzbeten zu leisten in der Lage ist. Deshalb bete ich ihn gern.

Ob und in welcher Weise bestimmte Gebetsformen und Frömmigkeitssübungen einer Gotteserfahrung dienlich oder eher abträglich sind, hängt von so vielen Faktoren ab, dass ich noch nie Gebetsformen anderer Konfessionen negativ beurteilt habe, sondern immer noch interessiert zur Kenntnis nehme und schaue, ob sie mir selbst guttun und weiterhelfen.

Lustigerweise waren es gerade die vehementen evangelikalen Vorbehalte gegen das Rosenkranzbeten, die vor ca. fünf Jahren mein Interesse für diese Gebetsart geweckt haben.

Ebenso bemerkenswert finde ich es im Nachhinein, dass es gerade meine muslimischen Schüler und Bekannten waren, von denen ich an den Wert eines regelmäigen Gebetslebens erinnert wurde…

Antwort
239 Antworten
Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 372
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Und warum ist dann nur Maria die Bundeslade? Sind es dann nicht wir alle, wenn wir Jesus in uns tragen?

Du kommst der Wahrheit immer näher. 😀 Maria ist Urbild, Typus und Symbol für die Kirche. All das, was sich über Maria sagen lässt, lässt sich auf die Kirche übertragen. Die Kirche teilt so wesentliche Eigenschaften Marias. Wie Maria das Wort empfing und Christus geboren hat, so nimmt die Kirche das Evangelium auf und bringt Christus durch Verkündigung und Sakramente in die Welt.

In der altkirchlichen Tradition wird sie daher wie Maria als „Mutter“ verstanden, die im Glauben neue Christen gebiert, und als „Jungfrau“, was die Treue zum göttlichen Wort symbolisiert. Zudem gilt Maria durch ihr vorbehaltloses Ja zu Gottes Plan als das vollkommene Urbild für den Gehorsam und die Hingabe der Kirche.

holger-f antworten
3 Antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4460

@holger-f 

Sie darin als Sinn- und Vorbild zu sehe, da kann ich mitgehen. 
Mir fällt dazu ein weiteres ein. Auch der Satz "Was er euch sagt, das tut!", sollte Inhalt der kirchlichen Botschaft sein.
Und so wie Maria der Geburt ihres Sohnes entgegenfieberte, sollte die Gemeinde der Wiederkunft Christi entgegenfiebern. Mit einem Unterschied, während Maria den Zeitpunkt wusste, kennen wir ihn nicht.

turmfalke1 antworten
Holger F.
(@holger-f)
Beigetreten : Vor 1 Monat

Beiträge : 372

@turmfalke1 

>>>Auch der Satz "Was er euch sagt, das tut!", sollte Inhalt der kirchlichen Botschaft sein.
Und so wie Maria der Geburt ihres Sohnes entgegenfieberte, sollte die Gemeinde der Wiederkunft Christi entgegenfiebern.<<<

Der von dir erwähnte marianische Satz „Was er euch sagt, das tut“ ist zentral für alles, was Katholiken über Maria wissen und aussagen, deshalb ist die Mariologie dogmatisch betrachtet lediglich ein Unterkapitel der Christologie. 

Die Art der kirchlichen Verkündigung unterstreicht genau dies: Es dreht sich immer und einzig um das, was Jesus lebte und lehrte. Deshalb wird z.B. in jeder Heiligen Messe zwar auch aus AT und Episteln gelesen, aber das Evangelium (so wie wir es durch die vier Evangelisten vorliegen haben) ist der Mittelpunkt. Das wird durch die feierliche Darstellung des Evangeliars liturgisch unterstrichen und dadurch, dass genau diese Evangeliums-Lesung das ist, worum sich die folgende Homilie dreht. Im Zentrum steht wahrlich die reine Jesulehre; alles, was im AT steht oder was die Apostel erklärend dazu geschrieben haben, rückt in die zweite Reihe.

In jeder Heiligen Messe ist die Wiederkunft Christi fest im Kern der Liturgie verankert!  Direkt nach der Wandlung ruft die Gemeinde im Geheimnis des Glaubens aus, dass sie die Auferstehung preist, bis der Herr in Herrlichkeit wiederkommt. Auch das Vaterunser und das anschließende Begleitgebet richten den Blick der Gläubigen explizit auf das Warten und die Hoffnung auf das Erscheinen des Erretters.
 
Auch im Kirchenjahr ist diese Naherwartung der Dreh- und Angelpunkt zweier zentraler Phasen. Die Adventszeit bereitet in ihren ersten Wochen nicht nur auf die historische Geburt Jesu vor, sondern thematisiert vor allem seine Wiederkunft am Jüngsten Tag. Am Ende des Kirchenjahres, insbesondere am Christkönigssonntag, runden endzeitliche Evangelien diesen Zyklus ab und lenken die Sehnsucht auf die endgültige Vollendung der Welt.
 
“Entgegenfiebern“ trifft es deshalb meines Erachtens nicht ganz. So wie Maria glaubensfest sagte „Mir geschehe, wie du gesagt hast“ (ohne „fiebrige“ Übertreibung) und die Zeit des Wartens auf die Niederkunft mit Hilfestellungen für andere (Unterstützung der Elisabeth) verbrachte, sieht die Kirche hoffnungsvoll in die Zukunft und erwartet den Herrn - nicht „fiebrig“, sondern gelassen. Eben genauso wie Maria, die als werdende Mutter auch ganz sicher wusste, dass „er“ kommt…
 
holger-f antworten
Turmfalke1
(@turmfalke1)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 4460

@holger-f 

Es ist schön, wenn Jesus der Mittelpunkt und Kern ist. 😀 

“Entgegenfiebern“ trifft es deshalb meines Erachtens nicht ganz. 

Vielleicht trifft es "mit Sehnsucht erwarten" besser - wie die Braut ihren Bräutigam erwartet. Das kommt m. E. im Maranatha zum Ausdruck. Ebenso im vorletzten Vers der Bibel:

Offenbarung 22,20: „Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, ja, komm, Herr Jesus!

 

turmfalke1 antworten


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 372
Veröffentlicht von: @turmfalke1

Wenn Maria von der ersten Sekunde ihrer Existenz an sündlos war, war sie nie von Gott getrennt. Sie hätte also nie „begnadet“ werden müssen.

Du verwechselst begangene Sünden mit der grundlegenden Eigenschaft der Erbsünde. Selbst im äußersten Fall, dass jemand keine Sünden begehen würde, wäre er die erbschuld-behaftet.

Wenn also biblischerseits Maria „voll der Gnade“ ist, dann ist diese Gnade kein nachträgliches Pflaster, das erst nach einer Sünde aufgeklebt zu werden hätte, sondern Gottes unverdientes Geschenk. Maria ist nicht deshalb begnadet, weil ihr eine Sünde vergeben wurde, sondern weil Gott sie von Anfang an unverdient mit seiner Gegenwart erfüllt hat, anders gesagt: sie in den Stand der Gnade versetzt hat, so wie das bei Christen durch die Taufe geschieht.

holger-f antworten
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