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Theodizee

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Queequeg
Themenstarter
Beiträge : 7591

Wenn von irgendwoher die Frage nach der Theodizee gestellt wird, ist so gut wie immer damit gemeint, wie ein gütiger Gott die Menschen so in ihrem Elend belassen kann , dem sie durch Krieg, Krankheit und Böswilligkeit anderer verharren müssen.

Am Wochenende ist mir eine interessant Variante begegnet, bei der es darum ging, warum dann die irdische Wirklichkeit so gestaltet wurde, dass auch bei den Tieren das eine des anderen Wolf ist und sie auf schlimme Weise als Nahrung für andere dienen.

Das hat mich dann wieder zu der Frage geführt, die sich mir immer wieder mal stellt: Wieso geht man davon aus, dass es bei Pflanzen keine Schmerzen und auch Empfindungen wie Gefühle gibt? 

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371 Antworten
Queequeg
Themenstarter
Beiträge : 7591
Veröffentlicht von: @stern

Also scheint das blutrünstige Essverhalten ja doch nicht so für die Ewigkeit zu sein.

Nein, aber wir kennen die Vergangenheit und Gegenwart, können dabei aber keinen Zeitraum oder Ort erkennen, zu dem Tiere nicht andere Tiere gefressen haben.

Es wäre auch absurd und gar nicht möglich, dass tierische Wesen ewig leben würden, weil dann die Erde in kurzer Zeit völlig überbevölkert sein würde. Der Tod muss also zwangsläufig von Anfang an Teil der Schöpfung gewesen sein. Es hätte nur so geschaffen sein können, dass die Wesen nach einer bestimmten Lebensphase friedlich und ohne Schmerzen einfach aus ihrem letzten Schlaf nicht mehr erwachen.

Nochmal zur Erinnerung: Das Thema steht unter der Prämisse, dass Gott gütig sein soll.

queequeg antworten


Stern
 Stern
Beiträge : 3214
Veröffentlicht von: @queequeg

Nochmal zur Erinnerung: Das Thema steht unter der Prämisse, dass Gott gütig sein soll.

Ich habe mich schon oft gefragt, warum Gott Menschen erschaffen hat, die krank werden können und sterben. Wäre ich Gott, hätte ich das anders gemacht 😄🙃. Auch wieso wir andere Lebewesen verspeisen müssen (Früchte kann ich noch gelten lassen als Konzept) und ihrem Leben damit ein Ende setzen müssen, um selbst zu überleben, ist mir nicht einleuchtend. Auch da hätte es sicher andere Lösungen gegeben…🙄Egal. Ich bin nicht Gott, und nun ist es hier halt wie es ist. Der Tod und Verlust scheinen hier dazuzugehören- biologisch/territorial sinnvoll…seelisch/geistig überhaupt nicht.

In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns ohne hinter die Absicht des Ganzen schauen zu können, so kommt es mir vor.

Ich kann Gott trotzdem irgendwie (und ich weiss nicht warum, vermutlich weil ich alles andere nicht ertragen könnte) als gütig, liebend und weise begreifen…indem ich einfach beschließe, diese Widersprüche zu ignorieren und ich sage mir, dass ich es schlicht und einfach nicht weiss, wieso das so Sinn ergeben soll.

Es ist eine Entscheidung, daran zu glauben…ein Hoffen auf das, was man nicht sieht.

stern antworten
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Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @stern

Ich kann Gott trotzdem irgendwie (und ich weiss nicht warum, vermutlich weil ich alles andere nicht ertragen könnte) als gütig, liebend und weise begreifen…indem ich einfach beschließe, diese Widersprüche zu ignorieren und ich sage mir, dass ich es schlicht und einfach nicht weiss, wieso das so Sinn ergeben soll.

Es ist eine Entscheidung, daran zu glauben…ein Hoffen auf das, was man nicht sieht.

🙂

chai antworten
Queequeg
Themenstarter
Beiträge : 7591
Veröffentlicht von: @stern

ch kann Gott trotzdem irgendwie (und ich weiss nicht warum, vermutlich weil ich alles andere nicht ertragen könnte) als gütig, liebend und weise begreifen…indem ich einfach beschließe, diese Widersprüche zu ignorieren und ich sage mir, dass ich es schlicht und einfach nicht weiss, wieso das so Sinn ergeben soll.

Gut, das kannst Du für Dich mit jedem Recht der Welt so handhaben.

Veröffentlicht von: @stern

ein Hoffen auf das, was man nicht sieht.

Auch das ist natürlich völlig legitim.

Für mich sieht die Sache nur anders aus. Diese innere Widersprüchlichkeit - und natürlich noch einige andere - macht es für mich nicht nur zweifelhaft, dass Gott eine Person ist, die in einer Welt die Himmel heißt, ein Königtum regiert, sondern gewiss, dass es so nicht ist.

Einem Freund jedenfalls der weiß, dass ich veganer bin, und mich zum Gartenfest mit Grillen einlädt und mir sagt, dass er schönes Essen für mich dabei hat, würde ich gerne folgen.

Hat er jedoch ausschließlich Fleischprodukte, obwohl er weiß, dass ich die nicht esse, ist die längste Zeit mein Freund gewesen.

queequeg antworten


Stern
 Stern
Beiträge : 3214
Veröffentlicht von: @queequeg

Hat er jedoch ausschließlich Fleischprodukte, obwohl er weiß, dass ich die nicht esse, ist die längste Zeit mein Freund gewesen

Meinst du damit, dass Gott nicht dein Freund ist, weil er sich hier nicht wie einer verhält? 

stern antworten
Queequeg
Themenstarter
Beiträge : 7591
Veröffentlicht von: @stern

Meinst du damit, dass Gott nicht dein Freund ist, weil er sich hier nicht wie einer verhält? 

Er verhält sich laut Texten der Bibel ziemlich oft so, wie ich bei einem Freund nicht erwarten und nicht tolerieren würde.

queequeg antworten
2 Antworten
Stern
 Stern
(@stern)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 3214

@queequeg

 

Ich kenne Gott nicht gut genug, um dir darauf etwas wirklich Wahres antworten zu können.

Vielleicht ist es so, dass wir aus der Bibel unterschiedliche „Charaktereigenschaften“ für ihn herauslesen. Wie man auch über dieselbe Person unterschiedlicher Auffassung sein kann. 

 

 

stern antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@stern Vermutlich ist das so.

chai antworten


Herbert52
Beiträge : 244

@queequeg 

Ich finde das Thema auch zentral wichtig, weil im Grunde die ganze Theolgie daran hängt. Es geht letztlich um die Vorstellung über Gott, Gottes LIebe, Allmacht, Allwissenheit etc. und die Freiheit des Menschen geht.

Manche denken ja, weil keine sichere Antwort zu bekommenn ist und alles nur Spekulation bliebt, sollt man diese Frage lassen. Ich meine aber, dass es ein wesentliches Element der Theodizee - quasi als Aufgabe, die Gott den Menschen stellt - ist, diese Frage offen zu halten und als Herausforderung zu nutzen, um sich im Glauben weiter zu entwickeln. 

Was den Aspekt Fressen und Gefressen werden angeht, so gehört es offensichtlich zu Stoffwechsel des Kosmos und dem Tod ist ja nicht zu Ende. Alles geht ja weiter.

Ich denke auch, dass Tiere und Pflanzen Schmerzen und Schmerzähnliches spüren. Schmerzen haben ja auch eine positive Funktion, was allerdings das unnötige Zufügen von Schmerzen in keiner Weise rechtfertigt.

Was den Menschen angeht liegt es ja auch der Hand, dass sie sich das meiste Elend selbst zufügen. Auch was die sog. natürliche Übel angeht (z.B. Erdebeben) liegt es insofern in Menschenhand, als die Folgen eines Erdbebens davon abhängen, wie die Menschen sich darauf vorbereiten. Das Erdebeben in der Türkei war letztlich deshalb so verherend, weil viele Häuser entgegen den Vorschriften nicht erdbebensicher gebaut wurden. Der Tsunami in Japan war vor allem deshalb so katatrophal, weil die Menschen dort ein Atomkraftwerk betrieben haben, ua. weil sie das Wäremeproblem billig lösen wollen. Und das Hochwasser im Ahrtal war deshalb so verherrend, weil u.a. der Fluss in eine enges Bett gezwängt war und überhaupt die Warnung bwzüglich Klimaveränderungen nicht ernst genommen werden. Mir scheint, die Masse der Menschheit lernt noch dem Prinzip: wer nicht hören will (auf die Ordnung Gottes), muss fühlen (am eigenen Schicksal lernen) fühlen.  

Das Theodizeeproblem ist sowas wie der Stachel im FLeisch der Menschheit und kann dazu dienen, sich die Frage zu stellen, warum Gott den Menschen die Freiheit lässt sich gegenseitig zu schaden bzw. jeder sich fragen, wie nutze ich meine Freiheit in Hinblick auf das Gute bzw. Nicht-Gute.  

 

herbert antworten
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