Trinität
Da Du geschrieben hast, dass viele Menschen die Trinität nicht verstehen, dachte ich mir, wir öffnen dazu mal einen Thread.
Meiner Meinung nach wird durch westliche Christen das Trinitätsmodell deshalb nicht verstanden, weil es die römische Kirche verkompliziert hat. Es wurde auch das Glaubensbekenntnis der Christen eigenmächtig verändert, einer der Hauptgründe, warum es den Bruch zwischen Katholizismus und Orthodoxie gibt. Ironischerweise hat auch der Protestantismus dieses von Rom veränderte Glaubensbekenntnis unkritisch übernommen.
Die klassische Trinität:
Der Vater ist der Schöpfer, der Ursprung von allem.
Der Vater zeugt den Sohn, den Erlöser.
Der Vater haucht den Geist, der uns heiligt.
Das ist die klassische Trinität und biblisch für die meisten Christen nachvollziehbar.
Das ursprüngliche Nizänische Glaubensbekenntnis bekennt zum Geist:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
Die katholische Kirche hat später das Glaubensbekenntnis verändert:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
Man nennt es Filioque-Streit. Filioque heißt eben "und (aus) dem Sohn".
Die katholische Kirche definiert die Trinität durch Relationen.
Daraus entsteht folgendes Problem:
Wenn der Geist als Liebesverhältnis zwischen Vater und Sohn von beiden ausgeht, wird der Geist nur dieses Verhältnis, aber er ist nicht im eigenen Sinn Person, sondern nur Relation.
Die Trinität besagt, dass alle 3 Personen 1 Gott sind. Im Wesen teilen sie alle das gleiche, weil sie alle Gott sind. In den Personen unterscheiden sie sich. Das römische Modell zerstört diese innere Einheit:
Denn wenn nicht mehr nur der Vater der Ursprungs des Geistes ist, sondern auch der Sohn, wird der Vater als Ursprung und Schöpfer relativiert. Die Orthodoxen sagen: die Monarchie des Vaters wird beschädigt, wenn der Sohn auf einmal Eigenschaften bekommt, die nur zum Vater gehören.
Wenn der Sohn und der Vater gemeinsam den Geist erschaffen, haben sie etwas gemeinsam in ihrem Wesen, das aber der Geist nicht hat. Damit hätten Vater und Sohn ein gemeinsames Wesen, das der Geist nicht teilt. Dabei wäre der Geist eines anderen Wesens als Vater und Sohn, der Geist wäre nicht mehr vollkommen Gott. Es gäbe also innerhalb der Dreifaltigkeit ein weiteres Wesen, das Vater und Sohn teilen, das aber den Geist ausschließt.
Deswegen zerstört die römische Trinitätsvorstellung im Grunde die Trinität wie sie ursprünglich verstanden wurde. Diese ganzen Relationsmodelle sind tief philosophisch und entziehen sich dem Verständnis der meisten Christen und widersprechen auch der Bibel.
Veröffentlicht von: @wolframKann ich nicht beantworten, weil mich die "christliche Tradition" nicht (mehr) kümmert.
Das muss dich auch nicht kümmern. Aber allgemeine Wahrheitsansprüche kannst du sicher nicht in Anspruch nehmen, dafür erfüllt deine Behauptung (es sei biblisch eindeutig, dass der Heilige Geist nur als Kraft, keinesfalls aber auch als Person gedacht werden könne) nicht ein einziges Wahrheits-Kriterium.
Das bloße Fürwahrhalten eines als notwendig erachteten Sachverhaltes reicht nicht einmal für die Rekrutierung einer ernst zu nehmenden Anhängerschaft - es sei denn, man setzt auf Leichtgläubigkeit, was in der Geschichte gelegentlich vorgekommen ist.
Veröffentlicht von: @wolframIch vertraue weiter den Worten Jesu - in bestmöglicher Übersetzung.
Tatsächlich vertraue ICH dem „Wort Gottes“ (nicht den „Worten“) und das ist Jesus selbst! Die Heilige Schrift „in bestmöglicher Übersetzung“ zeugt höchstens von ihm.
So ist auch Jesus selbst „die Wahrheit“, nicht eine auch noch so umfangreiche Sammlung Heiliger Worte von ihm.
Ironischerweise ist es zudem gerade der Heilige Geist,
- der lehrt und erinnert: Er führt die Jünger in die ganze Wahrheit und bringt ihnen alles ins Gedächtnis, was Jesus gelehrt hat. (Johannes 14,26; Johannes 16,13)
- der leitet und führt: Er gibt konkrete Richtungsanweisungen für das persönliche Leben und für die Mission. (Römer 8,14; Apostelgeschichte 13,2; Apostelgeschichte 16,6-7)
- der Jesus verherrlicht: Er stellt sich selbst nicht in den Vordergrund, sondern lenkt alle Aufmerksamkeit auf das Werk und die Person Jesu Christi. (Johannes 16,14).
Veröffentlicht von: @claudiusin Konsequenz ganz andere Entwicklungspotentiale als etwa in der Orthodoxie, schließlich hat der Katholizismus den Protestantismus hervorgebracht.
Ich möchte dir nicht gänzlich widersprechen. Nur ist die Diskussion, ob bestimmte Entwicklungen (die uns nicht fröhlich stimmen) verunmöglicht gewesen wären, hätte man ganz zu Beginn die Weichen etwas anders gestellt, müßig (da die Weichen nun mal so gestellt wurden, wie sie gestellt wurden). Andererseits sind geschichtliche Entwicklungen, auf eine so lange historische Strecke gesehen, schlicht nicht mehr sinnvoll induzierbar.
Ich befürchte sogar, dass sich bei solchen „Was-wäre-wenn“-Spielchen sehr schnell persönliche, unrealistische und idealistische Prämissen einschleichen würden, die nur ein Ergebnis hervorbringen in der Lage sind, nämlich das von uns so sehr gewünschte…
Ja. Das setzt aber voraus, dass die „Fehler“ wirklich erkennbar und als solche verifiziert wurden. Bei sog. vermeintlichen „historischen Fehlern“ gibt es die grundsätzliche Problematik, dass wir Gründe für die vor Hunderten oder gar Tausenden von Jahren erfolgten Entscheidungen der damaligen Entscheider nur sehr beschränkt rekonstruieren können. Die sich oft widersprechenden Sichtweisen von Historikern zu einem Sachverhalt legen davon beredtes Zeugnis ab.
Die gegenwärtig beliebte Vorgehensweise, lange zurückliegende Ereignisse nur durch die Brille heutiger Moralvorstellungen zu bewerten (um z.B. unsere Empörungs- und Sensationslust zu befriedigen), mag hier das Gesagte illustrieren:
Ob die damaligen religiösen Entscheidungen (gegen Vorstellungen der Wüstenväter) falsch oder richtig waren, können wir nicht abschließend beurteilen und schon gar nicht mit ja oder nein, mit falsch oder richtig beantworten…
Veröffentlicht von: @queequeg"können wir nicht abschließend beurteilen"
Richtig. Aber es ist auch zu bedenken, dass wir heute leben und unter Gegenwartsbedingungen die alten Texte für uns lesen müssen.
Außerdem haben die einzelnen Konfessionen auch jeweils auf mögliche Fehler reagiert und sie korrigiert. Das kann dazu führen, dass ein Problem beseitigt wird, es kann aber auch bedeuten, dass sich das ursprüngliche Problem in neuer Form zeigt und ggf. neue Fragen und Schattierungen aufwirft.
Veröffentlicht von: @claudius1. Was ist Gott - und:
2. In welchem Verhältnis stehen Vater, Sohn und Heiliger Geist in Bezug auf definierte Natur Gottes zueinander.Hieraus ergab sich dritte Fragestellung:
3. Inwieweit ist dies alles überhaupt heilsrelevant?
Das zielt erstmal auf die Frage ab, ob wir Gottes Wesen erkennen können. ok, schauen wir mal..
Veröffentlicht von: @claudiusDie frühen, christlichen Asketen der Wüste (besonders in Ägypten) betrachteten Frage 1 als grundsätzlichen Denkfehler, da sich Gott jeder notwendig beschränkten Definition entziehe und entsprechender Versuch nur in Idolisierung der Definition enden könne. Die Orthodoxie akzeptierte diesen Standpunkt dahingehend, das Sein Gottes als menschliches Mysterium über alle Versuche menschlicher Definition zu heiligen.
Hat die Orthodoxie recht? Entzieht sich Gott allen Begriffen? Wieso beansprucht die Orthodoxie, das westliche Verständnis der Trinität als häretisch abzulehnen, wenn sie doch selbst annimmt, keinen Zugang zum Wesen Gottes zu haben?
Außerdem widerspricht die Bibel selbst der Annahme, Gott könne nicht erkannt werden. Paulus macht im Römerbrief sogar klar, dass Gottes Wesen an den Dingen, die in der Welt sind, erkennbar ist (vgl. 1,19-20). Nicht nur sein Handeln, sondern sein Wesen. In dem Moment, wo Gott in der Welt als Vater, Sohn und Heiliger Geist handelt, kann daraus eine Aussage über Gottes Wesen abgeleitet werden. In der Annahme, Gottes Wesen wäre uns nicht zugänglich und es wäre ganz anders als sein Handeln, würde das im Widerspruch dazu stehen, dass Gott die Wahrheit ist. Wenn Gott sich anders zeigt als er ist, wäre Offenbarung auch nicht mehr Offenbarung. Anders als es Paulus verkündet, dass wir Gottes Wesen an den Dingen erkennen können, die in der Welt sind, würde sich Gott nicht mehr selbst mitteilen.
Veröffentlicht von: @claudiusDies ist im übrigen schon Anliegen des sog. Vater Unser Gebets: "Unser Papa (Abba) in den Himmeln (plural), geheiligt werde dein Name (das Tetragramm).
Für den allgemeinen Gläubigen hingegen ist die Anbetung des unbekannten Gottes ein durchaus schwieriges unterfangen, ganz im Gegensatz zu erwähnten Wüstenvätern: Denn jene brauchten Gott nicht definieren, Gott war ihnen mit geistigem Erleben essentiell präsent!
Ich muss an Paulus bei den Athenern denken. Auf Steinen stand dort „Der unbekannte Gott“. Paulus verkündete den Athenern den unbekannten Gott, den sie – wie er sagt – aus Unwissen anbeteten als den Vater, der sich durch Jesus Christus im Heiligen Geist offenbart hat. Der Unendliche Gott in seinem gleißenden Licht ist in die Endlichkeit hereingebrochen und hat als geschichtliches Ereignis sein Wesen offenbart, das in sich die Liebe ist.
Veröffentlicht von: @claudiusWenn nun Christus das Haupt der Kirche darstellt, dann rückt notwendig die Gemeinschaft aller Gläubigen ins Zentrums der Heiligung. Wie nun, kann aber die Organisation Kirche jenen Aspekt individueller Heilung für eine Mehrheit sicherstellen, welche keine direkte mystische Erfahrung Gottes (ver)trägt noch fassen wird?
Hat Jesus Christus eine mystische Offenbarung oder seine Nachfolge offenbart? Wer den Willen des Vaters tut, der ist für Christus Bruder und Schwester. Die negative Theologie hat einen Wert, weil sie uns immer die Begrenzungen unserer Aussagen über Gott vor Augen führt. Aber schon aufgrund der vielen positiven Beschreibungen Gottes im Ersten und Zweiten Testament, sollten wir nicht dem Irrtum anhängen, die negative Theologie und Gottes Unsagbarkeit als Letzterkenntnis sehen. Ihr gegenüber steht die Selbstmitteilung Gottes in der Welt.
Veröffentlicht von: @claudiusschließlich hat der Katholizismus den Protestantismus hervorgebracht.
Wobei man natürlich um der Wahrheit Willen sagen muss, dass der Protestantismus durch die politische Verfasstheit der damaligen Kirche und der Missbräuche, die später auch von Trient korrigiert wurden, hervorgebracht wurde und weniger durch den theologischen Aspekt der katholischen Kirche.
Veröffentlicht von: @kerygmaWieso beansprucht die Orthodoxie, das westliche Verständnis der Trinität als häretisch abzulehnen, wenn sie doch selbst annimmt, keinen Zugang zum Wesen Gottes zu haben?
Wenn ich es richtig sehe, behauptet die Orthodoxie nicht, „keinen Zugang“ zu haben, sondern, dass es prinzipiell keinen abschließenden „Zugang“ geben kann. Wenn das stimmt, ist die Ablehnung jeder Art von „abschließenden“ Erkenntnissen plausibel.
Das nur so als ersten Zwischenruf.
Ein zweiter: Dass sich das westliche Denken von der Art und Weise, wie sich z.B. andere Kulturen die Wirklichkeit (nahöstlich, fernöstlich etc.) erschließen, ziemlich verschieden sein kann und dann auch noch zeitlich variabel ist, sollte uns bescheidener machen hinsichtlich der Frage, wo und wie Dinge dort zu beurteilen sind.
Im Zweifelsfall dürfen wir immer „knapp daneben“ liegen…