Trinität
Da Du geschrieben hast, dass viele Menschen die Trinität nicht verstehen, dachte ich mir, wir öffnen dazu mal einen Thread.
Meiner Meinung nach wird durch westliche Christen das Trinitätsmodell deshalb nicht verstanden, weil es die römische Kirche verkompliziert hat. Es wurde auch das Glaubensbekenntnis der Christen eigenmächtig verändert, einer der Hauptgründe, warum es den Bruch zwischen Katholizismus und Orthodoxie gibt. Ironischerweise hat auch der Protestantismus dieses von Rom veränderte Glaubensbekenntnis unkritisch übernommen.
Die klassische Trinität:
Der Vater ist der Schöpfer, der Ursprung von allem.
Der Vater zeugt den Sohn, den Erlöser.
Der Vater haucht den Geist, der uns heiligt.
Das ist die klassische Trinität und biblisch für die meisten Christen nachvollziehbar.
Das ursprüngliche Nizänische Glaubensbekenntnis bekennt zum Geist:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater hervorgeht,
Die katholische Kirche hat später das Glaubensbekenntnis verändert:
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
Man nennt es Filioque-Streit. Filioque heißt eben "und (aus) dem Sohn".
Die katholische Kirche definiert die Trinität durch Relationen.
Daraus entsteht folgendes Problem:
Wenn der Geist als Liebesverhältnis zwischen Vater und Sohn von beiden ausgeht, wird der Geist nur dieses Verhältnis, aber er ist nicht im eigenen Sinn Person, sondern nur Relation.
Die Trinität besagt, dass alle 3 Personen 1 Gott sind. Im Wesen teilen sie alle das gleiche, weil sie alle Gott sind. In den Personen unterscheiden sie sich. Das römische Modell zerstört diese innere Einheit:
Denn wenn nicht mehr nur der Vater der Ursprungs des Geistes ist, sondern auch der Sohn, wird der Vater als Ursprung und Schöpfer relativiert. Die Orthodoxen sagen: die Monarchie des Vaters wird beschädigt, wenn der Sohn auf einmal Eigenschaften bekommt, die nur zum Vater gehören.
Wenn der Sohn und der Vater gemeinsam den Geist erschaffen, haben sie etwas gemeinsam in ihrem Wesen, das aber der Geist nicht hat. Damit hätten Vater und Sohn ein gemeinsames Wesen, das der Geist nicht teilt. Dabei wäre der Geist eines anderen Wesens als Vater und Sohn, der Geist wäre nicht mehr vollkommen Gott. Es gäbe also innerhalb der Dreifaltigkeit ein weiteres Wesen, das Vater und Sohn teilen, das aber den Geist ausschließt.
Deswegen zerstört die römische Trinitätsvorstellung im Grunde die Trinität wie sie ursprünglich verstanden wurde. Diese ganzen Relationsmodelle sind tief philosophisch und entziehen sich dem Verständnis der meisten Christen und widersprechen auch der Bibel.
Veröffentlicht von: @arcangelIch erlebe wie sich die Jugendliche ihre religiöse Ausbildung auf Youtube und TikTok holen, und da auf die zum Teil sehr gut gemachten Videos ungefiltert reagieren und annehmen.
Da ist dir unbedingt zuzustimmen und das betrifft in der Zwischenzeit alle Bereiche des Lebens (Politik, Weltanschauung, Lifestyle etc.). Ich nehme das - allein schon beruflich bedingt - ebenfalls als ein Problem wahr.
Hinsichtlich der infrage stehenden Thematik ist mein Eindruck aber, dass Jugendliche, die die christlichen Basics (!) kennen und vor allem vorgelebt bekommen haben, eher immun dagegen sind. Der Grund scheint mir nahe zu liegen: Der Glaube geht eher über das Herz als über den Verstand.
Bezogen auf die Trinität genügt mE das, was L‘Chaim so ausgedrückt hat:
„Dass Gott uns als Vater/Schöpfer - in Christus - und im Wirken des Hl. Geistes begegnet, erfahrbar ist und so von uns geglaubt werden darf, das ist der Kern.“
Die Erfahrungen in deinem gemeindlichen Umfeld kann und will ich gar nicht beurteilen, sondern lediglich meine oben geschilderten, erfahrungsbasierten Einschätzungen als Ergänzung verstanden wissen.
Veröffentlicht von: @wolframDer Heilige Geist ist keine (dritte) Person oder Wesenheit, sondern er ist die Kraft Gottes.
Heiliger Geist - Person ODER Kraft? Das ist eine Fragestellung, mit der ich mich erst vor wenigen Jahren intensiver beschäftigt habe. Die kirchlichen Lehren und theoretischen Dogmatiken dazu hatte ich zunächst bewusst zur Seite gelegt. Nur mit einer Konkordanz „bewaffnet“, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass sich für beide Sichtweisen biblische Belege finden lassen.
Während der Geist z.B. in Johannes 16,13 als tröstende und sprechende Person mit eigenem Willen beschrieben wird, tritt er in Lukas 24,49 als „Kraft aus der Höhe“ in Erscheinung.
Nach längerem Nachdenken wurde mir klar, dass das kein Widerspruch ist, der Heilige Geist ist einfach BEIDES. Er ist eine Persönlichkeit, deren Wirken sich den Menschen als „Kraft“ offenbart.
Der nächste Gedanke war dann, dass man ja auch von der „Kraft Gottes“ spricht, und ob deshalb nicht auch beide Sichtweisen (Gott als Kraft UND Gott als Person) biblisch möglich sind. Und siehe da, auch hier habe ich Belegstellen gefunden.
Als Person zeigt sich Gott-Vater unzweifelhaft in der Schöpfungsgeschichte, wo er „spricht“, „sieht“ und „ruhte“. Gleichzeitig wird er aber z.B. in Habakuk 3,19 direkt als Kraft besungen, wenn es heißt: „Gott der Herr ist meine Kraft“.
Die Abschlussfrage meiner elementar-biblischen Überlegungen war dann, ob nicht der ja ganz offensichtlich person-seiende Jesus AUCH als Kraft denkbar ist. Tatsächlich lässt sich diese Sichtweise biblisch unterfüttern.
Neben seinem unbestreitbaren historischen Auftreten als Person offenbart sich Christus auch als „Macht“, was man z.B. durch 1. Korinther 1,24 sehen kann, wo Jesus direkt als „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ definiert wird.
Gesamtergebnis war dann, dass BEIDE Sichtweisen über Gott-Vater, Sohn und Heiligem Geist gibt und dass sie kein Widerspruch sein müssen, sondern gleichsam nur zwei Seiten einer Medaille.
Die gängige Vorstellung, Gott sei in DREI Personen zu denken, gefällt mir persönlich am besten, insbesondere die Vorstellung, dass der Heilige Geist in uns „wohnt“. Da einige Kindergebete Jesus „im Herzen“ verorten, wären da also schon zwei. Zum Skatspielen noch einer zu wenig - es sei denn Gott-Vater wohnt da auch… 😂
Zum Abend vier weitere Einwürfe von mir:
- Gott (die göttliche Wirklichkeit, an die wir als Christen glauben) bleibt letztendlich immer noch ein Geheimnis, dessen Tiefe, Weite und Offenbarungsdimensionen (als Schöpfer/Erhalter/*ABBA* - in Jesus Christus - und im Wirken des Geistes) wir alle diesseitig und in dieser Welt NICHT und NIEMALS vollends ergründen werden, oder?
- Das Wunderbare an der trinitatischen Gotteswirklichkeit ist ja gerade die Ent-Faltung der Gotteserfahrung, die multi-dimensional in der Welt ist - und in der wir trinitarisch drei-fach unsere Erlebnis- und Glaubensbezüge haben dürfen (konkret: Die einen beten konsequent zu Gott, dem "Vater Unser" und betonen das 1. Gebot - andere leben und erleben ihren Glauben sehr christozentrisch als persönliche Lebensbeziehung zu Jesus - wiederum andere sind sehr im pneumatologischen Bezug zum Geist Gottes und seinem Wirken, sei es charismatisch, welt-engagiert oder/und inter-religiös) - Bezüge, die letztlich (eben trinitarisch) IN EINS geht.
- Sprache ist uns gegeben, mit Worten kommunizieren wir, in Sprache und in Worten spiegelt sich unser Bemühen, das Leben (und letztlich auch die göttliche Wirklichkeit) zu verstehen, zu bezeugen, auszudrücken - das ist so, das hat Wert und macht Sinn ... aber all unsere Worte, unsere Sprache (in denen sich Verstehen und Vorstellung zeigen und ausdrücken) bleiben letztlich ALLE "Finger, die zum Mond zeigen". (Eine ZEN-Wort) ... Sich nicht zu sehr an die Finger zu klammern, halte ich für weise.
- Der Islam (wie das Judentum) haben wohl durchaus - in der Rezeption ihrer Anhänger und zugleich als Ausstrahlungskraft in die Welt! - eine Anziehung darin, dass sie das ganze "Christentum-Gedöns" um das Wie-warum-und-Weshalb der trinitatirisch behaupteten Personen-Zuordnung "nicht an der Backe haben" (sorry für die Ausdrucksweise), sondern einfach, schlicht und konzentriert eine theo-zentrische Ausrichtung verfolgen ... Dies sollten wir zumindest mitbedenken, wenn wir uns zu sehr vertiefen in trinitarische Streitigkeiten.
L'Chaim
Veröffentlicht von: @wolframMein Hinweis auf die Taufe Jesu, dass - wenn der Heilige Geist eine dritte Person Gottes wäre - dann zwei Personen aus dem Jordan hätten steigen müssen - wird "gerne" überlesen. Entweder der Heilige Geist ist eine Person oder er ist eine (heilige) Kraft. Entweder oder, und nicht einmal so und einmal so.
Ich finde die Diskussion interessant, weil sie für mich die Frage aufwirft, wie weit das Prinzip trägt, ausschließlich und ganz am - sagen wir der einfachheitshalber - „Wortsinn“ des Textes entlang zu argumentieren. Das ist zwar nicht die Methode, mit der ich an Bibeltexte herangehen würde, aber ich lasse mich einmal darauf ein…
Das Argument, nach der Taufe Jesu müssten - falls der Heilige Geist eine Person wäre - zwei Personen (Jesus und der Heilige Geist) aus dem Jordan steigen, habe ich so noch nie gehört und lasse es einmal so stehen…
Dann wäre also der Heilige Geist keine Person, sondern ausschließlich (!) eine unpersönliche Kraft.
Selbst im engen Rahmen der Taufberichte Jesu erweist sich die Vorstellung aber als unschlüssig, da diese Berichte den Heiligen Geist als eigenständig handelndes Subjekt beschreiben, also als das, was wir unter „Person“ verstehen.
So zeigt Markus 1,12, dass der Heilige Geist unmittelbar nach der Taufe eine aktive Rolle einnimmt: „Und sogleich trieb ihn (Jesus) der Geist in die Wüste.“
Eine un-persönliche Energie kann man nur benutzen, hier jedoch lenkt und bewegt der Heilige Geist Jesus, was eine gezielte Absicht und einen Willen voraussetzt.
Zudem bildet der Taufbericht die Grundlage für Jesu anschließendes Auftreten in Lukas 4,18, wo er den Propheten Jesaja auf diese Situation bezieht: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat...“
Eine unpersönliche Kraft vollzieht keine Salbung oder Bevollmächtigung; der Heilige Geist handelt hier ganz klar als personhafter Akteur.
Nun zurück zu Lukas 3,22 („…und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn (Jesus) in leiblicher Gestalt wie eine Taube…“). Es ist unschwer zu erkennen, dass von einer leiblichen Gestalt die Rede ist und dem Bild einer Taube. Dieses Bild einer Taube soll aber sicher nicht nur eine Kraft/ Energie darstellen, sonst wäre hier zum Beispiel von einem Wind und von Feuer die Rede…
Mein klares Fazit: Selbst wenn man sich nur auf die Taufberichte und die unmittelbar folgenden Verse bezieht und nur die Methode der wortwörtlichen Interpretation verwendet, gibt es keinen plausiblen Grund, aus dem Bericht über die Taufe Jesu zu schließen, der Heilige Geist sei nur eine Kraft und keinesfalls (auch) eine Person…
Darüber hinaus sprechen andere Bibelverse davon, dass der Heilige Geist lehrt, tröstet, zeugt, überführt, leitet, verherrlicht, redet, hört, verkündigt, fürbittet, eintritt, sendet, erforscht, zuteilt, betrübt werden kann…
Das passt alles wunderbar zur personenhaften Vorstellung vom Heiligen Geist und lässt sich schwerlich wegargumentieren…
Die zitierten Bibelstellen, aus denen der Heilige Geist als eine Person gedeutet werden kann, sind m. E. keine "Indizien pro".
Wer an die Trinität glaubt, kann die Texte ohne Zweifel so lesen; sie lassen sich jedoch "problemlos" auch anders verstehen, wenn die eigene Sichtweise "Abweichungen" vom Mainstream zulässt. Und(!) wenn berücksichtigt wird, wo wir was lesen, wann es geschrieben wurde und von wem. In den Worten, die Jesus zugeschrieben werden, können wir lesen, dass er vom Vater gesprochen hat (im Sinne einer Person, wie wir einen perönlichen Vater haben). Von einem Heiligen Geist (als Person) hat Jesus meines Wissen nie gesprochen.
Wir diskutieren über den Geist Gottes, den Gott (selbstverständlich) aktiv wirken lässt. - Wenn ich von einem Geist getrieben bin/werde, beweist es doch nicht, dass mich hier eine Person "schiebt". Das Handeln erfolgt aus einem geistigen Antrieb. Auch in den Texten, die über den Beginn der Schöpfung berichten, lesen wir "nur" von Gott (als den Vater) und vom 'Wort' (das/der uns später als Jesus gegegnete und der von sich selbst stets als 'Menschensohn' gesprochen hat). - Dass diese beiden Wesen mit ihrer Geisteskraft wirken, ist unbestritten. Dazu benötigen sie aber keinen Dritten!
Ich vertraue weiter den Worten Jesu - in bestmöglicher Übersetzung.
Wenn man die Texte - wie du zugibst - sowohl in die eine als auch in die andere Richtung les- und deutbar sind, ist der logische Schluss, dass man die Deutung in beide Richtungen zulässt.
Die altkirchliche Sichtweise macht genau dies: Sie verdeutlicht die Personhaftigkeit des Heiligen Geistes ohne den Gedanken, er wirke wie eine Kraft, abzulehnen. Abzulehnen ist deshalb aber zurecht die ausschließliche Sichtweise, er sei auf keinen Fall als Person zu denken, sondern nur als Kraft.
Das ist durch die altkirchlichen Beschlüsse so festgehalten und zwar nach jahrzehntelanger intensiver theologischer Diskussion. Mich beruhigt das, denn dadurch können wir es uns sparen, (1) „das Rad neu erfinden“ zu müssen bzw. (2) die altkirchlichen Problem auf deutlich niedrigerem Niveau neu denken zu sollen und (3) meinen, Anhänger für unsere deutlich schlechtere Lösung gewinnen zu müssen.
Das „deutlich niedrigere Niveau“ (nimm‘s bitte nicht persönlich) sieht man an deiner Vorstellung von den zwei Personen, die nach der Taufe aus dem Jordan herauszukommen hätten, wäre der Heilige Geist Person.
Diese Argumentation ist so absonderlich und abwegig und auch ansonsten mit nichts sicher zu belegen, dass man sie - von mir aus - in seinem privaten Rahmen so denken, aber daraus sicher keine Wahrheitsansprüche ableiten kann…
Zunächst Danke holger-f, dass Du Deine Meinung in einer sachlichen Antwort postest.
Deine Ausführungen habe ich verstanden, wie ich auch Deine Sichtweise verstehen kann. Ich sehe darin viele Aspekte, die für Dich vermutlich die Grundlage Deiner Argumentation darstellen. Ich bewerte das geschriebene Wort (in der Bibel) grundsätzlich anders.
Für mich ist das Wort Gottes nicht interpretierbar, von wem auch immer, besonders dann gehen bei mir die "Warnlampen an", wenn der Bibeltext nach einer Diskussion in einem "Expertenkreis" als "So ist es" verbindlich präsentiert wird. - Gott und Jesus haben uns ihre 'Informationen' im Klartext vermittelt. - Was wäre das für ein Gott, dessen Aussagen / "Informationen" an seine Geschöpfe nur "Studierte" verstehen können? (In der Bibel lesen wir dazu, dass es "genau so nicht ist".)
Daraus folgt (für mich), wenn ein Textabschnitt in der Bibel unklar ist und interpretierbar, gilt es, die Quelle / Herkunft des Textes zu prüfen. Das kann ein mühsames Unterfangen sein/werden, weil erfahrungsgemäß oft die Ursache der Ursache gefunden werden muss.
Ich kenne keine unklaren Aussagen von Gott und Jesus, aber "unendlich" viele Versuche, die Worte der Bibel "auszulegen". Es wird nicht geprüft, die vermeintlich oder tatsächlich "unverständliche Botschaft" unter diesem Gesichtpunkt zu betrachten.
In unsere Diskussion hier zum Thema 'Trinität' verstehe ich Deine Ausführungen so, dass der Heilige Geist sozusagen beliebig verstanden werden "darf"; jeder wie er will ...
Das passt mit meinem Glauben an Gott nicht zusammen. - Die Probleme oder besser: das Dilemma der Kirchenlehre, hervorgerufen durch fehlerhafte Übersetzungen von Gottes Wort, zeigen mir (inzwischen) klar den Weg zur "Wahrheit". Viel zu viele "Experten" und andere "Klugschwätzer" haben mich zuvor davon abgelenkt. Das habe ich erst verstanden, als ich die Aussage Jesu gelesen (und verstanden) hatte, dass es nur ein "kleine Herde" ist / sein wird, die von ihm bei seiner Wiederkunft als "tauglich" bewertet wird.
Im Glauben an Gott sein "Gehirn" abzuschalten, halte ich für 'nicht zielführend' - und für eine Beleidung unseres Schöpfers. Er hat (uns Menschen allein) die Gabe der Logik geschenkt. Wir sollten sie täglich nutzen!
Veröffentlicht von: @wolfram... dass es nur ein "kleine Herde" ist / sein wird, die von ihm bei seiner Wiederkunft als "tauglich" bewertet wird.
Wobei in diesem Zusammenhang klar sein muss, dass Gott andere Maßeinheiten hat.
Egal, ob es um eine 'kleine Weile' oder um eine 'kleine Herde' geht.
Der Witz ist, dass das Nichtverstehen der anderen das Auserwählungsbewusstsein noch verstärkt. Da hat Gott mir mit meiner kleinen Herde so ein großes Geheimnis exklusiv anvertraut, das nur wir verstehen können. Und wenn „die Welt“ das anders sieht oft dieser Vers zitiert:
„Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt“. (Joh 15,19)
Diese Sprache, wird doch gerne von Randgruppen benutzt, um ihren exklusiven Wahrheitsanspruch zu legitimieren. Nach ihrer Logik: Weil wir klein sind, haben wir recht, denn die Mehrheit kann ja nicht recht haben.
Veröffentlicht von: @wolframVon einem Heiligen Geist (als Person) hat Jesus meines Wissen nie gesprochen.
Dafür schreibt er ihm aber ziemlich viele Attribute zu: er wird verkündigen, er wird erinnern, er wird hören, er wird leiten, er wird reden.
Interessanterweise sind die Beschreibungen so ausgeprägt personal, dass spätere Irrlehrer im Geist ein Synonym für ihren jeweiligen Gründer gesehen haben. Die Muslime in Mohammed, die Bahai in Bahaullah, die Mormonen Joseph Smith usw.
Gibt es in der frühen christlichen Tradition Kirchenlehrer oder Apostel, die Deine These stützen?
@kerygma Der Ausgangspunkt aller Betrachtungen waren meiner Meinung nach zwei Fragestellungen:
1. Was ist Gott - und:
2. In welchem Verhältnis stehen Vater, Sohn und Heiliger Geist in Bezug auf definierte Natur Gottes zueinander.
Hieraus ergab sich dritte Fragestellung:
3. Inwieweit ist dies alles überhaupt heilsrelevant?
Die frühen, christlichen Asketen der Wüste (besonders in Ägypten) betrachteten Frage 1 als grundsätzlichen Denkfehler, da sich Gott jeder notwendig beschränkten Definition entziehe und entsprechender Versuch nur in Idolisierung der Definition enden könne. Die Orthodoxie akzeptierte diesen Standpunkt dahingehend, das Sein Gottes als menschliches Mysterium über alle Versuche menschlicher Definition zu heiligen.
Dies ist im übrigen schon Anliegen des sog. Vater Unser Gebets: "Unser Papa (Abba) in den Himmeln (plural), geheiligt werde dein Name (das Tetragramm).
Für den allgemeinen Gläubigen hingegen ist die Anbetung des unbekannten Gottes ein durchaus schwieriges unterfangen, ganz im Gegensatz zu erwähnten Wüstenvätern: Denn jene brauchten Gott nicht definieren, Gott war ihnen mit geistigem Erleben essentiell präsent!
Wenn nun Christus das Haupt der Kirche darstellt, dann rückt notwendig die Gemeinschaft aller Gläubigen ins Zentrums der Heiligung. Wie nun, kann aber die Organisation Kirche jenen Aspekt individueller Heilung für eine Mehrheit sicherstellen, welche keine direkte mystische Erfahrung Gottes (ver)trägt noch fassen wird?
Das Ergebnis ist gestiftetes Mysterium der Eucharistie, welche den Geist Christi mit der Gemeinde vereint.
Damit bedurfte es allerdings einer Definition göttlichen Heils, denn was der Gläubige nicht versteht, wird er nur schwerlich liturgisch annehmen können. Aus diesem Grund entwickelte sich die Tendenz, Gott zu definieren und das Verhältnis Gottes zu den Begriffen Vater, Sohn und heiligen Geist logisch zu klären.
In der westlichen Theologie kam es hierdurch genau zu jener Entwicklung, welches die Wüstenväter fürchteten und vor welcher sie warnten: Die letztliche Identifikation Gottes mit seiner theologisch per Gewalt durchgesetzten Definition. Ob nun der Geist vom Vater und vom Sohne ausgehen soll oder nicht, ist dahingehend nur Symptom eines grundsätzlicheren Problems.
Ich halte viel von den Wüstenvätern und deren „mystische“ Gottesvorstellung. Die entscheidende Frage, welchen Stellenwert ihre „Befürchtungen“ haben und ob sie überhaupt berechtigt waren/ sind, ist damit weder gestellt noch beantwortet.
Wenn ich befürchte, dass hier gleich der Postbote vor der Tür steht (weil ich hier gerade am Tippen bin) und der dann tatsächlich vor der Tür steht und mir das bestellte Päckchen aushändigt, was sagt das über meine ursprünglichen Befürchtungen und deren Stellenwert aus? Wenig bis nichts…
Sorry für den profanen Vergleich…
@holger-f Ich weis nicht ob diese Diskussion nicht in Bezug zum Ausgangsthema zu weit führen würde, aber wie beschrieben hatten ihre Bedenken Eingang in die Liturgie und theologische Entwicklung der Kirchen gefunden (außer der westlichen, anscheinend). Damit ist dies heilsrelevant, denn das Heil liegt ja nicht im einzelnen, sondern ist kollektives Zusammenwirken und nach außen Wirken der Gemeinschaft aller Gläubigen und hier sehe ich schon in Konsequenz ganz andere Entwicklungspotentiale als etwa in der Orthodoxie, schließlich hat der Katholizismus den Protestantismus hervorgebracht. Ein Priester drückte dies einmal in Behandlung von jenem in etwa folgendermaßen aus: Wenn die Konfessionen der Reformation in ihrer Theologie wahr sind: Wo sind dann die (lebenden) Heiligen? Orthodoxie ist ein kollektiver Heilsweg im Sinne der gemeinsamen Heilung und geistigen Wiederherstellung gläubiger Christen durch ein Heilmittel: Den aktiven Lebensweg der Kirche. Wenn Jakobus schreiben konnte: Glauben ohne Werke sei tot, dann ist gleichsam Religion ohne mystisches Erleben tödlich. Ein juristisches Heilsverständnis ist dahingehend wie erwiesen eher hinderlich als heilsam, denn die dogmatisch auf das Selbstverständnis des Menschen zielende Verunsicherung durch juristisch formale Applikation kollektiver Erbsünde kann nicht dauerhaft wider den Verstand nieder gehalten werden. Eine Konfrontation wie durch Luther (anhand teilweise ganz anderer Probleme) musste früher oder später folgen. Hierin liegt auch der Grund, warum so etwas in der Orthodoxie (bisher) nicht vorgekommen ist.
Veröffentlicht von: @kerygmaGibt es in der frühen christlichen Tradition Kirchenlehrer oder Apostel, die Deine These stützen?
Kann ich nicht beantworten, weil mich die "christliche Tradition" nicht (mehr) kümmert. Ich habe mich mit der Geschichte des Christentums befasst und schließe für mich daraus, dass die 'Ur-Christen' - zur Abgrenzung von ihren "konservativen" jüdischen Glaubensbrüdern - mit eigenen 'Deutungen' der Worte Jesu ihren Weg gegangen sind. Der "Ober-Apostel" Paulus war überzeugt, seinen Glaubesbrüder und Schwestern mit eigenen Interpretationen die Botschaft Jesu "verständlich(er)" zu machen. Das Gegenteil davon hat er erreicht. Petrus hatte (vergeblich) vor seinen "Sprüchen" gewarnt. Heute gilt Paulus als "Geburtshelfer" der inzwischen unzähligen Glaubensgemeinschaft, die alle in ihrer unterschiedlichen Glaubenslehre - und zum "Beweis", die wahre Kirche zu sein - bevorzugt Paulus zitieren; den Mann, der sich selbst ("Damaskus-Erlebnis") zum Apostel ernannt hat und die von Jesus persönlich ernannten und geschulten Apostel mit seiner Text-Fülle im NT "erdrückt". (Wem fällt das auf?)
Bei dieser "christlichen Tradition", einer Kirche, die quasi von Anfang an - von den jeweiligen Herrschern beeinflusst - sich stetig von dem Mann und seiner Botschaft entfernt hat, schenke ich heute keine Stunde meiner Rest-Lebenszeit mehr. Geradezu tragisch finde ich, dass die christlichen Kirchen Jesus als ihren Gründer proklamieren. Jesus hat zur Verbreitung seiner Botschaft mit keinem Wort von der Schaffung einer „neuen Kirche“ gesprochen hat. - Der Menschensohn lehrte seine jüdischen Mitmenschen, sich christlich zu verhalten. Jesus forderte seine Zuhörer auf, Christ zu sein. Jesus lebte als Jude in seiner jüdischen Gemeinschaft und beachtete die Gesetze der Tora. (Wem fällt das auf?)
@wolfram Tradition ist genau das, was geschichtliche Entwicklung ist. Sich nicht mit christlicher Tradition, also geschichtlicher Überlieferung und Entwicklung zu befassen, aber sich mit der Geschichte des Christentums befasst haben zu wollen, ist völlig widersprüchlich. Das kann sicher reichen, um eine persönliche Meinung zu haben, aber darin steckt gleichzeitig kein Wahrheitsanspruch - insofern kenne ich jetzt Deine Meinung und Du meine.