Zweifel und Fragen: Wie können unterschiedliche Religionen Gott ‚spüren‘?
Hallo zusammen,
ich befinde mich derzeit auf dem Weg zum christlichen Glauben. Ich lese die Bibel und bete regelmäßig, würde mich aber noch nicht als Christ bezeichnen, da ich merke, dass ich viele Zweifel habe. Ich bin ein sehr kopflastiger Mensch, der vieles zerdenkt und hinterfragt.
Wenn ich Christen frage, wie sie zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus gefunden haben, höre ich oft, dass sie ihn „spüren“. Sie erzählen von einer persönlichen Beziehung zu ihm, von erhörten Gebeten und Wundern, durch die er sich offenbart.
Aber ich frage mich: Muslime berichten Ähnliches über ihren Glauben an Allah. Auch sie erzählen von Wundern, erhörten Gebeten und einer Gewissheit, dass Allah real ist. Wie ist das zu beurteilen? Schließlich gibt es gemäß beiden theologischen Vorstellungen nur einen Gott. Wie können dann beide Religionen Gott „spüren“?
Man könnte als Christ zu dem Schluss kommen, dass Muslime sich die Wunder einbilden. Doch dann höre ich manchmal das Argument: „Gott ist groß und wirkt auch unter Andersgläubigen, um sie zum Glauben zu führen.“ Aber macht das Sinn, wenn ein Muslim durch Gebete zu Allah bestärkt wird? Wenn Jesus Christus das Gebot erfüllt und erhöht, wie kann es dann sein, dass ein Muslim durch seinen Glauben an Allah zu einer scheinbaren Gewissheit gelangt?
Wie kann ich Andersgläubigen sagen, dass ihr Gefühl nur Einbildung ist, und gleichzeitig sicher sein, dass mein eigenes Gefühl real ist?
Wie seht ihr das? Ich würde mich sehr über eure Gedanken dazu freuen.
Wie kann ich Andersgläubigen sagen, dass ihr Gefühl nur Einbildung ist, und gleichzeitig sicher sein, dass mein eigenes Gefühl real ist?
Gar nicht, denn das stimmt ja auch nicht, was du schreibst. In Wahrheit sind die Gefühle der Muslime real, und dein Gefühl ist nur Einbildung.
Würdest du da widersprechen wollen? Ja?
Eben... den Anderen geht es da umgekehrt vermutlich genau so wie dir, was wolltest du also mit so einer Aussage überhaupt erreichen? Man kann nur zur Kenntnis nehmen, dass man halt etwas Anderes glaubt... und dann hoffentlich trotzdem einen freundlichen Umgang miteinander finden.
Davon abgesehen halte ich ein Gefühl für keine gute Grundlage für einen Glauben. Denn Gefühle ändern sich ja. Und ich denke kaum, dass du jeden Morgen mit einem anderen Glauben aufwachen willst, je nachdem was für ein Gefühl du gerade hast.
Es sollten sich also noch bessere Gründe finden lassen, gerade diesen einen Glauben anzunehmen und einen anderen nicht. Und da sollte es dann schon um Inhalte gehen - also um die Frage, was dich persönlich mehr überzeugt.
Und das sollte dann auch Bestand haben, über reine Gefühle hinaus.
@brooknets Ich bin ein sehr kopflastiger Mensch, der vieles zerdenkt und hinterfragt.
Nicht die schlechtesten Eigenschaften. Bis auf das "Zerdenken". Das ist für mich eher eine Art Negativformulierung für "Skepsis", die wird oft als Vorwurf von Leuten formuliert, die davon genervt sind, wenn man ihnen den Bullshit, den sie einem auftischen wollen, nicht abnimmt.
Wenn sich etwas "zerdenken" läßt, dann hatte es keine stabile Konsistenz.