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Bibellesen zweitrangig

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Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 408

So gerne ich die Bibel studiere und darüber diskutiere, so sind mir doch die Grenzen des eigenen „Lesens“ bewusst. Dazu zehn kurze Überlegungen:

  1. In den ersten 1500 Jahren der Kirchengeschichte besaßen die wenigsten Menschen eine eigene Bibel oder konnten lesen. Dennoch hatten sie einen festen Glauben, denn dieser entsteht primär durch das Hören der mündlichen Verkündigung: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi“ (Röm 10,17).
  2. Die biblischen Texte wurden für das gemeinsame Hören und Erleben im Gottesdienst verfasst, nicht für die Privatlektüre zu Hause: „Bis ich komme, achte auf das Vorlesen, auf das Ermahnen, auf das Lehren“ (1. Tim 4,13).
  3. Ohne die Auslegung durch die Gemeinschaft und fundierte Begleitung führt das alleinige Lesen schnell zu Missverständnissen und Fehlern: „Dabei müsst ihr vor allem bedenken, dass keine Prophetie der Schrift eine Sache privater Auslegung ist“ (2. Petr 1,20).
  4. Christus wird für den Einzelnen vor allem im gemeinsamen Sakrament erfahrbar, was das gedankliche Studium von Texten weit übertrifft: „Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1. Kor 10,16).
  5. Gott schenkt seine Gegenwart und Erkenntnis dort, wo Menschen zusammenkommen, und nicht dem einsamen Leser: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).
  6. Am Ende zählt für die Rettung nicht das theoretische Textwissen, sondern das praktische Tun und die gelebte Nächstenliebe im Alltag: „Werdet aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst“ (Jak 1,22).
  7. Die Kirche und ihre lebendige Gemeinschaft waren zuerst da und haben die Bibel überhaupt erst zusammengestellt; die tragende Säule der Wahrheit ist daher die Gemeinschaft: „...die Kirche des lebendigen Gottes, Säule und Fundament der Wahrheit“ (1. Tim 3,15).
  8. Gott offenbart sich dem Gläubigen direkt im Mitmenschen, besonders im Bedürftigen, was jede theoretische Textarbeit im stillen Kämmerlein ersetzt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40).
  9. Ein rein intellektuelles Aneignen von Schriftwissen ohne geistliche Einbindung in das Miteinander führt oft zu Hochmut statt zu echtem Glauben: „Die Erkenntnis bläht auf, aber die Liebe baut auf“ (1. Kor 8,1).
  10. Jesus selbst hat seinen Jüngern keine Bücher hinterlassen, sondern den Heiligen Geist, der die Gemeinschaft der Glaubenden auch ohne geschriebenes Wort leitet und erinnert: „Der Tröster, der Heilige Geist [...] der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26).

Geht es euch ähnlich?

Antwort
12 Antworten
Deborah71
Beiträge : 29618

@holger-f 

Nein. Es geht mir nicht ähnlich. 

Am Anfang nach meiner Begegnung mit Jesus wollte ich mehr über Ihn wissen und hatte regelrecht Hunger zum Bibellesen. 

Wochenlang sang ich das Gebetslied morgens im Bad: Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt.....
Dieses Gebet hat ER erhört. 

Ich bekam eine Zusage: Du wirst alles  bekommen, was du brauchst.  Die geistliche Versorgung läuft immer noch, obwohl es meine gewünschte Gemeindeform weder am Ort noch in der Nähe gibt. Denn zwei Tage Reise wäre schon sehr aufwendig. Das fällt mir körperlich inzwischen schwer. 

Gute Bibellesepläne kamen über meinen Weg, Gott sprach aus der Schrift zu mir, ich wäre so gerne mit dem Emmausjüngern gegangen, als Jesus ihnen die Inhalte über sich aus dem AT erklärte. Ein Jahr lang las ich jeden Tag 5 Psalmen, die deckten immer einen Monat ab. Am Ende der 12 Monate begann Gott mit mir über die Nummern der Psalmen Hinweise zu geben, wenn ich nicht wusste, was ich für jemanden beten sollte, besonders, wenn ich mich trotz Abschlußgebet nicht von Nöten meiner Patienten trennen konnte. Ging ich dann mit dem Psalm nach Anweisung um, dann kam ich zur Ruhe. Aufgabe erledigt. 

Die Bibel ist ein -1- Kanal über den Gott mit seinen Kindern spricht. So habe ich das erfahren. Einige seiner weiteren Kanäle sind direkte Ansprache (meine Schafe hören meine Stimme); treffende Worte durch Menschen, die etwas sagen, das den Geruch des Himmels trägt; etwas, das ich sehe und Gott lenkt meine Aufmerksamkeit darauf, verbindet es mit einem Bibelvers; Predigten im GoDi oder auf youtube; Ohrwurmlieder und Liedzeilen; Wunder durch Bibelworte wirken (Heilung, Befreiung); Träume; ......

Das Leben mit Ihm (Vater-Sohn-Heiliger Geist) ist spannend und entspannend. 

 

deborah71 antworten


Kappa
 Kappa
Beiträge : 1739

@holger-f 

Vielen Dank, wichtige Aspekte gut zusammen gefasst.

Bezüglich dem "Erleben" gibt's es wirklich starke Unterschiede zwischen Kirchen.

Das ist auch nicht bei allen Freikirchen gleich gewichtet. Auf der einen Seite stehen hier Brüdergemeinden, auf der anderen Charismatische Gemeinden. Diese beiden Seiten stehen sich leider Diametral gegenüber - hier in der Region Stuttgart erlebbar.

Die BGG, größte lokale Gemeinde unter den Pfingstlern auf der einen Seite, auf der anderen Seite der Pietismus mit starken Kritikern (treffen natürlich auch uns Katholiken..)

Glauben kann nicht nur was für den Kopf sein. Es muss durchs Herz. Die Seele sollte erfasst werden. Glauben nur abstrakt sag ich mal, kann sehr schwer werden.

kappa antworten
kerygma
Beiträge : 739
Veröffentlicht von: @kappa

Zu dem einen Punkt - der christliche Glaube hat schon eine starke Fixierung auf die Gemeinschaft. Es ist grundsätzlich keine Solo Religion.

sogar noch mehr. Durch den Heiligen Geist wird die Deutung der offenbarten Wahrheiten auf die Gemeinde verlagert, damit übersteigt die biblische Offenbarung die Grenzen des bereits offenbarten und umfasst die Gläubigen als lebendige Empfänger und Ausleger.

kerygma antworten


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