Habermas - Was blei...
 
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Habermas - Was bleibt für euch?

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JohnnyD
Themenstarter
Beiträge : 1778

Habermas ist verstorben und es gibt allerlei Lobeshymnen auf ihn.

Warum?

Und was hat er aus eurer Sicht geleistet und wofür behaltet ihr ihn in Erinnerung?

Antwort
16 Antworten
Lucan-7
Beiträge : 29450

@johnnyd 

Habermas sagt mir insofern etwas, dass er mir als zeitgenössischer Philosoph bekannt war. Hier und da habe ich mal etwas über ihn gelesen, aber nichts, das von ihm selbst geschrieben wurde.

Habermas gehört zu den Leuten, mit denen ich mich in Zukunft noch einmal befassen wollte... er liegt sozusagen auf meinem inneren Bücherstapel. Denn hin und wieder befasse ich mich ganz gerne mit Philosophie, bin aber über einen groben Überblick bislang nicht hinaus gekommen. Ab und zu lese ich dann mal etwas über den einen oder anderen Philosophen, bislang bin ich da aber noch nicht zu den Neueren vorgestoßen, und deshalb war auch Habermas bislang noch nicht dabei.

Ob ich jemals wirklich dazu komme... wer weiß, aber ich finde es wichtig, immer Pläne zu haben und sich für Dinge zu interessieren, also mal sehen - vielleicht läuft er mir ja doch noch einmal über den Weg. 

lucan-7 antworten


Jack-Black
Beiträge : 6205

@johnnyd Im Rahmen meines Philosophie-Studiums (ohne Abschluss, ich bin also nicht mehr "studierter Philosoph" als ein Precht... 😉 ) kam ich in ein Seminar, bei dem Habermas "Erkenntnis und Interesse" von 1968 das Thema war - in irgendeinem Zusammenhang stehend mit der Frankfurter Schule. Als Adorno-Fan war ich anfangs ganz begeistert, merkte dann aber, dass ich mit Habermas wenig anfangen konnte und schaffte es nicht mal, diese Primärquelle ganz durchzulesen: eine Mischung aus Langeweile und Überforderung hinderte mich dran. Und zwar in genau dieser Reihenfolge: Weil mich die Lektüre langweilte, der Text aber anspruchsvoll geschrieben war, man also aufmerksam und mit vielem Nachschlagen in Fach- und Wörterbüchern hätte lesen müssen, verstand ich das Gelesene nicht wirklich und zurück blieb ein Gefühl a la: "Der Typ labert mich voll und tut so, als seien seine Gedanken viel wichtiger, als sie's sind!"

Kurz: ich schaffte es nicht, ihn philosophisch (Philosophie ist Arbeit am Begriff <-- diese Definition hielt ich immer schon für so prägnant wie richtig) zu lesen, insbesondere nicht unparteiisch: ich hatte unter'm Strich den Eindruck, er schlage sich gewissermaßen auf die Seite der Wichtigkeit der Geisteswissenschaften und positioniere sich gegen die Wichtigkeit der Naturwissenschaften. Da ich als Adorno-Fan in das Seminar gekommen war und noch ganz unter dem Eindruck der Lektüre von dem Adorno/Horkheimer-Werk "Dialektik der Aufklärung" stand, deren Analyse m.A.n. auf das Gegenteil hinaus lief: Dass die Wichtigkeit der Naturwissenschaften im Zuge der Aufklärung die "Geisteswissenschaften" sozusagen überwogen hatte (woraus dann am Ende die Gefahren bis hin zum Faschismus entstanden) - fand ich das, was Habermas hier sagen wollte, schon falsch, bevor ich es überaupt halbwegs verstanden hatte. Meine Seminararbeit gab mir der Dozent mit den Worten zurück: "Ist ja ganz interessant, aber deutlich am Thema vorbei. Versuchen Sie's noch einmal; ich gebe Ihnen da gern noch drei Wochen. Oder Sie müssen eben auf den Schein verzichten."

Ich verzichtete lieber auf den Schein. 😀

Seit damals (ist mehrere Jahrzehnte her) habe ich in kein Buch von Habermas mehr reingeschaut und nur manchmal, wenn er wieder zu irgendeinem tagesaktuell politischen Thema in irgendeiner großen Zeitung 'nen Beitrag hinterließ, was von ihm gelesen. Er hat mich regelmäßig nicht beeindruckt, aber das kann halt auch an meiner Erwartungshaltung - nicht beeindruckt zu werden - gelegen haben.

Hing wohl auch damit zusammen, dass für mich die Frankfurter Schule nur bis in die 68er-Umwälzungen wirklich Gewicht zu haben schien und Habermas, der ja gemeinhin als zur 2. Generation der Frankfurter Schule gehörend betrachtet wird, erst später sozusagen die Frankfurter Schule repräsentierte. Danach kamen die RAF und der deutsche Herbst, wozu deutsche "Geistesgrößen" wie Habermas für meinen Geschmack nichts sonderlich Originelles mehr zu sagen hatten - noch weniger zu den späteren gesellschaftspolitischen* Themen. Oder vielleicht hatten sie was Originelles zu sagen: aber ich kriegte das nicht mehr mit, weil mich die tagesaktuelle Politik eh schon zu sehr überforderte, als da nun auch noch einen soziologisch-philosophischen Blick draufzuwerfen.

Also sind Habermas u.Co mehr oder weniger an mir vorbeigegangen und ich habe keine begründete Meinung mehr über ihn, denn die persönliche Enttäuschung damals im Studium ist ja nun wirklich keine Basis für ein vernünftiges Urteil. Vielleicht bin ich da so ähnlich drauf wie ein Freund, der mal über einen Künstler sagte: "Der ist noch nicht lange genug tot, um sagen zu können, ob sein Zeug gut war."

 

 

 

*Zu 09/11 und dem sich daraus entwickelnden Irak-Krieg schrieb Habermas meines Erinnerns ein paar gute Zeitungsbeiträge, mehr als ein Gefühl der Zustimmung zu seiner Meinung damals ist mir aber nicht in Erinnerung: wenn ein anerkannter Intellektueller mal das sagt, was man auch selbst denkt, freut einen das, aber man merkt sich da keine Details...

jack-black antworten
4 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4866

@jack-black Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, hast Du mit vielen Worten gesagt, dass der Herr Habermas zu viele Worte machte ...

chai antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 641

@chai 

Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, hast Du mit vielen Worten gesagt, dass der Herr Habermas zu viele Worte machte ...

Sehe ich auch so - aber einen Philosophen zu beschreiben gelingt nur selten mit wenigen Worten. 
Ich glaube, dass ich auch zwei Bücher von ihm (also von Habermas, nicht von jack-black 🧐 ) im Regal stehen habe, aber ziemlich weit hinten. Eines hatte ich mal zu lesen angefangen..... (muss ich jetzt weiterschreiben??

 

bepe0905 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6205

@chai Touché! 😳 😇 😳

 

 

 

 

... also was meine zu vielen Worte angeht. Über Habermas will ich das nicht gesagt haben. De mortuis nil nisil bene.

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29450

@jack-black 

Weil mich die Lektüre langweilte, der Text aber anspruchsvoll geschrieben war, man also aufmerksam und mit vielem Nachschlagen in Fach- und Wörterbüchern hätte lesen müssen, verstand ich das Gelesene nicht wirklich und zurück blieb ein Gefühl a la: "Der Typ labert mich voll und tut so, als seien seine Gedanken viel wichtiger, als sie's sind!"

Das haben wohl auch andere über ihn gesagt. Er hat wohl auch absichtlich sehr anspruchsvoll geschrieben, weil er sich an Fachleute wandte, obwohl das gar nicht immer notwendig gewesen wäre.

Seine letzte Schrift soll etwas zugänglicher gewesen sein, ich weiss jetzt aber nicht mehr genau welche das konkret gewesen sein soll. Jedenfall schien er in den letzten Jahren doch etwas mehr Interesse daran zu haben, auch von Nichtfachleuten verstanden zu werden.

Zum Inhalt vermag ich aber auch nichts zu sagen...

lucan-7 antworten
Seite 2 / 2
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