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Wie Leben aus "Zufall" entstehen kann

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 28955

Hier mal ein interessantes Video zum Thema, wie komplexe Strukturen aus einfachen Vorgaben entstehen können. 

Es widerlegt eindrucksvoll den Glauben, dass etwas "Komplexes" seinen Ursprung nur in etwas noch Komplexerem haben kann, dass also für komplexe Strukturen letztlich ein Schöpfer notwendig ist (Der selber nicht mehr erklärt wird).

Hier das Video, es ist angenehm kurz und übersichtlich:

 

https://www.youtube.com/watch?v=TCLvGLA3WPM&list=WL&index=18

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Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 642
Veröffentlicht von: @lucan-7

Bei dem Titel "Wie Leben aus "Zufall" entstehen kann" habe ich gestutzt. Entstehung von Leben in einem Wechselspiel von Zufall und Notwendigkeit - das hatte ich für mich als brauchbare Vorstellung abgespeichert, verbunden mit dem Namen Jacques Monod. Aber nur Zufall? Nein.

Hier mal ein interessantes Video zum Thema, wie komplexe Strukturen aus einfachen Vorgaben entstehen können. 

Ja, Conways Life Game, wie erwartet. Die Überleitung zur Werbung am Ende war etwas störend, ich habe mich gefragt, was die eigentlich verkaufen wollen, aber nicht weiter darauf nachgeschlagen.

Conways Spiel weckt nette nostalgische Erinnerungen an erste Programmierversuche, für die es sich anbot, an Commodore und Atari, an Pong, Star Wars und grobpixelige Computerspiele jeder Art.

Ich persönlich war es schnell leid, weil es bis auf die Ausgangsverteilung letztlich völlig deterministisch ist. Vieles, was man diesem Spiel jetzt beilegen will, z. B. "Spiel DES LEBENS", Turing-Vollständigkeit usw. halte ich für übertrieben.

Es ist eine schöne und anschauliche Demonstration von Emergenz. Als Modell für die Entstehung von Leben sehe ich es nicht an, weil nur die Ausgangsposition zufällig ist und danach alles determistisch abläuft. 

Es widerlegt eindrucksvoll den Glauben, dass etwas "Komplexes" seinen Ursprung nur in etwas noch Komplexerem haben kann, dass also für komplexe Strukturen letztlich ein Schöpfer notwendig ist (Der selber nicht mehr erklärt wird).

Es kann dazu beitragen, ja, indem es Emergenz demonstriert. Aber man kann auch anführen, dass Herr Conway sich dieses Spiel ausgedacht hat, und dass der mit Sicherheit komplexer ist als ein Computerprogramm, das Pixelmuster erzeugt.

tojak antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@tojak 

Bei dem Titel "Wie Leben aus "Zufall" entstehen kann" habe ich gestutzt. Entstehung von Leben in einem Wechselspiel von Zufall und Notwendigkeit - das hatte ich für mich als brauchbare Vorstellung abgespeichert, verbunden mit dem Namen Jacques Monod. Aber nur Zufall? Nein.

Deshalb ja in Anführungszeichen.

Das ganze ist ja auch kein Modell für unser Universum - es ist ein Beispiel, wie aus simplen Vorgaben komplexe Strukturen werden können.

 

Ich persönlich war es schnell leid, weil es bis auf die Ausgangsverteilung letztlich völlig deterministisch ist.

Ja. Aber es ist ja aufgrund der Quantenmechanik möglich, dass im realen Universum der Zufall sehr wohl eine Rolle spielt, weil zwar Naturgesetze die Regeln vorgeben, dabei aber dennoch auch zufällige Prozesse eine Rolle spielen können.

 

Aber man kann auch anführen, dass Herr Conway sich dieses Spiel ausgedacht hat, und dass der mit Sicherheit komplexer ist als ein Computerprogramm, das Pixelmuster erzeugt.

Du meinst, unsere Realität ist komplexer...?

Das ist halt die Frage, wieviele Stufen der Realität es da gibt und wie weit man da ins Kaninchenloch hinuntersteigen muss, um vielleicht festzustellen wie simpel das Ganze an seiner Basis ist...

lucan-7 antworten
Tojak
 Tojak
(@tojak)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 642
Veröffentlicht von: @lucan-7

@tojak

Ja. Aber es ist ja aufgrund der Quantenmechanik möglich, dass im realen Universum der Zufall sehr wohl eine Rolle spielt, weil zwar Naturgesetze die Regeln vorgeben, dabei aber dennoch auch zufällige Prozesse eine Rolle spielen können.

Eben. Das Wechselspiel von Zufall und Notwendigkeit, in dem unter günstigen Umständen Leben entsteht. 

Eine zufällige Ausgangsposition und anschließend purer Determinismus ist eben kein Wechselspiel.

tojak antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6323

@lucan-7 

Das ganze ist ja auch kein Modell für unser Universum - es ist ein Beispiel, wie aus simplen Vorgaben komplexe Strukturen werden können.

Ja aber das hat nichts mit Zufall zu tun. Emergenz ist so ziemlich das Gegenteil von Zufall. Unter den Gleichen Bedingungen emergiert immer die gleichen Strukturen. Zufall wäre es, wenn die darüber liegende Ebene jedes Mal neue regeln und Strukturen bilden würde. 

Ja. Aber es ist ja aufgrund der Quantenmechanik möglich, dass im realen Universum der Zufall sehr wohl eine Rolle spielt, weil zwar Naturgesetze die Regeln vorgeben, dabei aber dennoch auch zufällige Prozesse eine Rolle spielen können.

Dieser zufälligen Prozesse sind dann aber eine Störung für Systems und nicht Bedingung für die Bildung des Systems. 

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@arcangel 

Ja aber das hat nichts mit Zufall zu tun. Emergenz ist so ziemlich das Gegenteil von Zufall.

Ich habe ja auch die Quantenmechanik als Beispiel für den Zufall erwähnt, nicht die Emergenz. Die ist nur ein Beispiel dafür, dass aus einfachen Mechaniken komplexe Strukturen entstehen können.

 

Dieser zufälligen Prozesse sind dann aber eine Störung für Systems und nicht Bedingung für die Bildung des Systems.

In der Realität können sie nicht nur Störung, sondern auch notwendige Voraussetzung sein. Wir kennen die Mechanismen ja (noch) nicht.

 

 

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6323

@lucan-7 

Ja nur die Quantenmechanik spielt in diesem Beispiel keine Rolle. Das Einzige, was dieses Spiel des Lebens beschreibt, ist das aus einfachen Regeln komplexere Formen auf einer höheren ebene entstehen können, die nichts mit den Regeln darunter zu tun haben. Was dann Emergenz genannt wird. 

Gleiche Ausgangslage, produzieren immer die gleichen Resultate. 

Wenn du nun Zufall in dieses Modell einbringen möchtest, dann könntest du eine 4te Regel erstellen zum Beispiel

Das jeder X Zyklus Y% der Zellen zufällig ihren Zustand wechseln. 

Wenn in jeden zweiten Zyklus 50 % der Zellen zufällig ihren Zustand wechseln werden keine stabilen Formen entstehen. Wenn in dem Millionsten Zyklus 1ppm den Zustand wechseln sieht das schon anderes aus. 

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@arcangel 

Ja nur die Quantenmechanik spielt in diesem Beispiel keine Rolle.

Aber in der Realität. Denn das war ja die Kritik daran: Dass hier eine völlig determinierte Welt dargestellt wird.

Die Realität funktioniert aber nach anderen Grundlagen. Das Beispiel diente allein einer Argumentation: Komplexe Objekte basieren nicht notwendigerweise auf komplexen Ursachen.

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6323

@lucan-7 

Aber in der Realität. Denn das war ja die Kritik daran: Dass hier eine völlig determinierte Welt dargestellt wird.

Da gebe ich dir recht, ohne Zufall ist alles determiniert. Aber Zufall ist in diesem Modell eine Störung von aussen, welche sich nicht an regeln hält, sondern auf Wahrscheinlichkeiten beruht. 

Komplexe Objekte basieren nicht notwendigerweise auf komplexen Ursachen.

Genau, das zeigt dieses Experiment schön auf, es zeigt auch wunderbar auf, das emergente Strukturen, keine Relevanz auf der darunterliegende Ebene haben und eine dritte Erkenntnis ist das emergente Strukturen, völlig neue regeln Folgen die losgelöst sind von der Ebene darunter. 

arcangel antworten
AWHler
 AWHler
Beiträge : 2026

@lucan-7 

Hab's mir angeschaut ... und frage mich, was sich daraus im Blick auf die Frage nach Sinn, Schöpfung, Gott ergeben soll.

Beschrieben werden, wenn ich es richtig verstehe, selbstlaufende Prozesse auf eine immer größere Komplexität hin, die sich aus sich selbst heraus entwickeln und verstanden werden wollen ... das ist beeindruckend.

Nur, was hat das mit der "Gottesfrage" zu tun, wenn INNERHALB der Schöpfung, der Physik/Biologie/Chemie und evolutionär diese Entfaltungen passieren?

Dass wir in der Frage nach dem Ur-Grund des Seins (das ist für mich ein philosophisch-ontologischer Zugang) damit die "Notwendigkeit eines Schöpfers" (sprich: eben einer transzendenten, begründenden, all-umfassenden Wirk-lichkeit) überflüssig machen, erschließt sich mir - als unverständiger Laie 😉 - nicht.

Daraus folgt meiner Frage: Ist diese Welt also letztlich in ihrem Woher & Wohin ohne Sinn, ohne weitere Bedeutung, ohne eine Letztbegründung, mit ihrer dunklen/tragischen/leidvollen Realität sogar absurd - und es läuft auf den Camus'schen Existentialismus hinaus?

Also brauche ich wohl weitere Verstehenshilfe.

L'Chaim

awhler antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@awhler 

Hab's mir angeschaut ... und frage mich, was sich daraus im Blick auf die Frage nach Sinn, Schöpfung, Gott ergeben soll.

Oha... gleich mal die ganz großen Fragen ins Spiel gebracht... 😀 

 

Nur, was hat das mit der "Gottesfrage" zu tun, wenn INNERHALB der Schöpfung, der Physik/Biologie/Chemie und evolutionär diese Entfaltungen passieren?

Das hängt wohl von der Gottesvorstellung ab. Hier geht es ja nur um eine Argumentation, die im Zusammenhang mit der Schöpfung immer wieder genannt wird: "So etwas Komplexes kann nicht von selbst entstehen!"

Nun ist "von selbst" immer so eine Sache, da bleibt natürlich immer noch eine Frage offen. Aber das Experiment, das hier gezeigt wird, belegt zumindest eines: Komplexe Phänomene können auf sehr simplen Mechanismen beruhen.

Und das bedeutet zumindest, dass für die Entstehung der Welt und des Lebens keine Notwendigkeit eines noch komplexeren Schöpfers besteht. Die Ursachen können vielmehr sehr viel simplerer Natur sein als das Leben selbst.

Damit fällt eines der zentralen Argumente des Kreationismus weg. 

Dass wir in der Frage nach dem Ur-Grund des Seins (das ist für mich ein philosophisch-ontologischer Zugang) damit die "Notwendigkeit eines Schöpfers" (sprich: eben einer transzendenten, begründenden, all-umfassenden Wirk-lichkeit) überflüssig machen, erschließt sich mir - als unverständiger Laie 😉 - nicht.

Es stimmt, dass die Frage nach einem "Ur-Grund" hier nicht beantwortet wird. Es zeigt aber zumindest, dass dieser "Grund" auf wesentlich simpleren Mechanismen beruhen kann als gemeinhin angenommen wird. 

Anders gesagt: Gott, der Schöpfer, könnte nach dieser Erkenntnis sehr viel simpler gestrickt sein als man sich das so gemeinhin vorstellt...

 

Daraus folgt meiner Frage: Ist diese Welt also letztlich in ihrem Woher & Wohin ohne Sinn, ohne weitere Bedeutung, ohne eine Letztbegründung, mit ihrer dunklen/tragischen/leidvollen Realität sogar absurd - und es läuft auf den Camus'schen Existentialismus hinaus?

Da verstehe ich schon das Prinzip nicht... kann denn das Leben nur dann einen Sinn haben, wenn es einen Gott gibt, der mir sagt wo's langgeht?

Und wenn Gott es mir sagt, und mir dieser Sinn gar nicht gefällt?

Ist der "Sinn" in einem Leben nicht vielmehr etwas sehr Individuelles?

Und wenn es etwas Individuelles ist - liegt es dann nicht nahe, dass wir diesen Sinne viel eher in uns selber finden, als dass wir nach einem Wesen suchen, das uns erklärt was wir tun sollen, um darin dann einen "Sinn" zu sehen?

Anders gefragt: Braucht "Sinn" denn eine höhere Autorität?

Für mich ergibt sich als Konsequenz der Vorstellung, dass das Universum auf sehr einfachen Strukturen basiert noch keine Sinnlosigkeit... warum sollte es?

 

 

lucan-7 antworten


AWHler
 AWHler
Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @lucan-7

Oha... gleich mal die ganz großen Fragen ins Spiel gebracht... 😀 

Nun, die Frage nach der "Notwendigkeit eines Schöpfers" hast Du doch selbst im Ausgangsposting ins Spiel gebracht 😉

Veröffentlicht von: @lucan-7

Das hängt wohl von der Gottesvorstellung ab.

In der Tat

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und das bedeutet zumindest, dass für die Entstehung der Welt und des Lebens keine Notwendigkeit eines noch komplexeren Schöpfers besteht. Die Ursachen können vielmehr sehr viel simplerer Natur sein als das Leben selbst.

Der "komplexere Schöpfer" ist irgendwie eine Formulierung, mit der ich nix anfangen kann, weil ich nicht an Kategorien wie Gott als "ein Wesen", eine wie auch immer geartete Entität, an Vorstellungen von "simpel>< komplex" hänge ... Gott, oder nenne es die "göttliche Wirklichkeiit (als Ur-Grund allen Seins) ist für mich da kategorisch nicht zu denken und zu verrechnen.

Veröffentlicht von: @lucan-7

kann denn das Leben nur dann einen Sinn haben, wenn es einen Gott gibt, der mir sagt wo's langgeht?

Und wenn Gott es mir sagt, und mir dieser Sinn gar nicht gefällt?

Ist der "Sinn" in einem Leben nicht vielmehr etwas sehr Individuelles?

Und wenn es etwas Individuelles ist - liegt es dann nicht nahe, dass wir diesen Sinne viel eher in uns selber finden, als dass wir nach einem Wesen suchen, das uns erklärt was wir tun sollen, um darin dann einen "Sinn" zu sehen?

Anders gefragt: Braucht "Sinn" denn eine höhere Autorität?

Dass es relative, individuelle Sinngebungen gibt, ist eine fast banale Tatsache - und der eine sieht Sinn darin, die andere ganz wonanders - und das mag sozial harmonisch oder völlig konträr, kompatibel, komplementär oder total antagonistisch sein im kleinen, gesellschaftlichen oder globalen Mit- bzw. Gegeneinander.

Würdest Du denn Camus letztendlich beipflichten? Oder ihm widersprechen, und wenn ja, worin?

L'Chaim 

 

awhler antworten
1 Antwort
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@awhler 

Der "komplexere Schöpfer" ist irgendwie eine Formulierung, mit der ich nix anfangen kann, weil ich nicht an Kategorien wie Gott als "ein Wesen", eine wie auch immer geartete Entität, an Vorstellungen von "simpel>< komplex" hänge ...

ich kann mich auch nicht erinnern, dass diese Argumentation von dir gekommen wäre... aber sie taucht halt immer wieder im Zusammenhang mit der Schöpfung auf, und läuft darauf hinaus, dass komplexe Prozesse nicht "von allein" stattfinden können, sondern aufgrund ihrer Komplexität letztlich einen "Schöpfer" benötigen.

Nun ist es richtig, dass da wohl kaum etwas "von allein" entsteht... aber aus der Komplexität allein können wir eben noch nicht auf einen Schöpfer schliessen.

Zumindest das kann man hier ableiten.

 

Würdest Du denn Camus letztendlich beipflichten? Oder ihm widersprechen, und wenn ja, worin?

Dafür kenne ich jetzt seine genaue Argumentation zu wenig, aber ich denke dass ich ihm wohl kaum zustimmen würde.

Letztlich geht es doch um die Frage, was "Sinn" überhaupt ist und wer einen solchen festlegen kann. Und da scheint mir die einzig logische Antwort zu sein, dass der Mensch selbst dazu in der Lage ist, so etwas wie "Sinn" zu definieren - und auch nur dieser, weil "Sinn" nur ein individuelles Phänomen sein kann.

Denn was nützt es mir, wenn mir jemand den "Sinn" meines Lebens darlegt... und ich dem nicht zustimmen kann?

Der Sinn unseres Lebens kann demnach nur in uns selbst liegen. Mal so auf die Schnelle überlegt...

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
Beiträge : 6093

Interessantes und wirklich ziiiiiemlich kurzes Video. Leider am Ende ohne Tempowechsel in einen Werbeclip übergehend. Aber na gut, wenn man die ganze Zeit hinschaut, sieht man, ab wann der Werbeteil anfängt (mir fiel's nicht sofort auf, weil ich die Illustrations-Animationen in ihrer Hektik irgendwann nicht mehr ertragen mochte und also nur noch zuhörte).

Ein Einwand, der mir sofort in den Sinn kam, von dem ich aber nicht weiß, wie stichhaltig er ist - und vermutlich ist er's nicht, denn sonst hätten den andere, klügere Köpfe vor mir schon längst gebracht - lautet so: Da wird von Objekten gesprochen, statt von Mustern. Nicht Objekte bewegen sich da - sondern Muster verändern sich. Wir als an die grafische Abstraktion von drei Ebenen auf zwei Ebenen gewöhnte Zuschauer meinen da also Objekte zu erkennen, die über die Bildfläche des Monitors flottieren, sich gegenseitig beschießen oder was auch immer. Aber es handelt sich nur in unserer auf bestimmte Musterinterpretationen geprägten Wahrnehmung um Objekte. Tatsächlich bleiben die tatsächlichen Objekte, also die Pixel-Quadrate immer dieselben: mal hell, mal dunkel.

Die Übertragung auf die dreidimensionale Welt halte ich daher für gewagt. Sie erscheint auf den ersten Blick einleuchtend. Aber je länger ich gerade drüber nachdenke, desto weniger mag ich die ganzen "shortcuts" dieser Analogie einfach so mitgehen. Es gibt in der Welt emergente Phänomene - ja gut. Aber bringen die notwendigerweise auch tatsächliche und nicht nur vermeintliche Kategoriensprünge wie den zwischen der atomaren und der biologischen Ebene zustande? Ich weiß nich, Digga. Wenn mir jemand erzählen will, wie Leben aus (gemeint ist wohl auch eher: per) Zufall entstehen kann, dann erwarte ich da etwas mehr als: "Emergenz schafft das!"

jack-black antworten
7 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@jack-black 

Ein Einwand, der mir sofort in den Sinn kam, von dem ich aber nicht weiß, wie stichhaltig er ist - und vermutlich ist er's nicht, denn sonst hätten den andere, klügere Köpfe vor mir schon längst gebracht - lautet so: Da wird von Objekten gesprochen, statt von Mustern. Nicht Objekte bewegen sich da - sondern Muster verändern sich.

Stimmt auffällig. Es sind rein virtuelle Objekte. Aber das ändert nichts am Prinzip.

Das Modell erhebt ja auch nicht Anspruch, tatsächlich die Basis der Realität abzubilden - es ist nur ein Beispiel für Komplexität und Selbstorganisation in Form sich wiederholender Strukturen, die auf sehr einfachen Mustern beruht.

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6093

@lucan-7 Es sind rein virtuelle Objekte. Aber das ändert nichts am Prinzip.

An welchem Prinzip? Jenem, nach welchem alle nur denkbaren emergenten Phänomene auftreten?

Ich bin jetzt ehrlich gesagt zu faul, mich lange auf Wikepedia durch den Emergenz-Artikel zu lesen, weiß allerdings aus der Erinnerung, dass ich immer ein klein wenig Verständnisprobleme damit hatte, was genau Emergenz sei: sind es letztlich nicht nur von uns (menschlichen) Beobachtern unerwartete Konstellationen/Strukturen/Verhaltensweisen von Materie? Und zwar unerwartet aus zweierlei Gründen: erstens dem, dass wir nicht sämtliche Eigenschaften der Teile eines beobachteten Systems, insbesondere ihrer Wechselwirkungs-Eigenschaften, kennen und zweitens, dass wir selbst bei den bekannten Eigenschaften ratzfatz an Berechnungsgrenzen stoßen - und das dann Komplexität nennen? 

es ist nur ein Beispiel für Komplexität und Selbstorganisation

Ja, gut möglich. Und ein für uns erstaunliches Beispiel obendrein. Aber schon bei dem Begriff "Selbstorganisation" wird's für mich halt aus philosophischer Perspektive haarig. Organisieren sich Mineralien selbst? Oder organisiert Wasser sich selbst (Flüssigkeit ist ja das klassische Beispiel für emergente Phänomene)? Was ist denn da dann unter dem Begriff "organisieren" zu verstehen? Ich gucke grad nun doch mal schnell bei Wikipedia nach, ob meine Begriffsdefinition da womöglich unvollständig ist, aber nein, selbst in Biologie und Medizin

(...) wird Organisation als „planmäßiger Aufbau, Ordnung, Gliederung“ verstanden.

Jeder planmäßige Aufbau, jede planmäßige Ordnung oder Gliederung setzt einen Plan voraus. Und damit das Gegenteil reinen Zufalls.

Verstehe mich nicht falsch: ich bin hinsichtlich der Frage, wie Leben entstanden sei, ganz auf der materialistischen Ebene: Irgendwie entstanden biologische Strukturen aus nichtbiologischen Strukturen. Und aus unserer begrenzt-menschlichen Perspektive nennen wir so einen Vorgang dann: emergentes Phänomen. Grundsätzlich unterscheidet sich die Formung nichtbiologisch strukturierter Materie zu biologisch strukturierter Materie (aka Leben) allerdings m.A.n. nicht von der der Formung einzelner Wassermoleküle zu Tropfen oder Bächlein oder Ozeanen. Emergenz findet in unserer Vorstellung statt, ist also Resultat unserer Anschauung (und ihrer Limitationen). Flüssigkeit als emergentes Phänomen existiert in unserem Kopf - nicht in der Welt da draussen. 🙂

Wenn wir also über Emergenz sprechen wollen, sollten wir eher darüber reflektieren, warum wir welche Phänomene als emergent bezeichnen und was dies über unsere Erkenntnismöglichkeiten, bzw. deren Grenzen hinsichtlich der "Realität" aussagen könnte, als dieses psycho-kognitive Ding als Gotcha-Argument gegenüber religiös Gläubigen aufzufahren. Interessanter als das, was ich zu dem Video mir so kritisch dachte, ist in der Hinsicht tatsächlich deborahs reflexives Mißverstehen des Videos, wenn sie schreibt:

Da das Leben schon im ersten Kästchen enthalten ist, können verschiedene Strukturen und Funktionseinheiten entstehen. Aber ohne Leben mit nur einem toten Kästchen passiert rein gar nüschte.

Ja, Deine Antwort darauf ist richtig:

das weisse Kästchen wurde einfach "lebend" genannt und das schwarze "tot".

 

Aber warum wurde sie so genannt? Warum wurden solche "Regeln" aufgestellt, nach welchen Kästchen geboren werden, sterben oder weiter leben? Allein diese suggestive Bezeichnung der Regeln lässt bei jemandem, dem "Selbstorganisation komplexer Strukturen" hier verkauft werden soll, doch alle Alarmglocken schellen: klar: wenn man "geboren werden", "leben" und "sterben" reinsteckt, dann kommt hinten auch irgendwas mit Leben raus! 

Der didaktisch fragwürdige Kniff ist ja, dass hier in der Computer-Analogie "Regeln" erstellt werden, nach denen sich die Kästchen zu verhalten haben, von welcen dann behauptet wird, ähnliche Regeln gäbe es hinsichtlich der Elementarteilchen ja auch: sogar noch kompliziertere und damit (so wieder die Insinnuation) eben noch erstaunlichere, komplexere Strukturbildungen begünstigende, bzw. bewirkende Regeln: solche, die sogar Leben hervorbringen würden.

Das, was aber eigentlich die emergenten Phänomene in der Natur hervorbringt, sind nicht Regeln - sondern regelmäßig anzutreffende Eigenschaften der Elementarteilchen.  Regelmäßig bedeutet: es scheint so, als würde hier eine Regel (d.h. Vorschrift) befolgt. Kein einzelnes der Atome, die bei einem beliebigen emergenten Naturphänomen "mitspielen", hält sich allerdings an irgendwelche Vorschriften/Regeln. Es verhält sich stets und logisch notwendigerweise auf die einzig mögliche ihm zur Verfügung stehende Art und Weise. Dass es einmal Teil einer Struktur ist, an der wir Menschen Flüssigkeitseigentschaften beobachten, und ein anderes Mal eben nicht - das bedeutet nicht, dass es sich beim anderen Mal anders verhielte, als es sich immer verhält: indem es so ist, wie es nun mal ist.

Die Analogie des Computerprogramms (Spiel kann man es ja nicht wirklich nennen... 😉 ) kann also für jemanden, der wissen möchte, was man sich unter dem Begriff "Emergenz" vorzustellen habe, erhellend sein. Aber es wird in ihr nicht erklärt, wie Leben per Zufall entstehen könne. Um das Ereignises dieses bestimmten "emergente Phänomen" zu erklären, bräuchte es schon eines detaillierten Modells und nachvollziehbarer Versuchsanordnungen, kurz: empirischer Belege darüber, wie, also durch welche physikalischen Mechanismen die Eigenschaften "toter" Materieteilchen dazu führen, dass biologische Objekte entstehen.

Das im Video dargestellte Programm liefert nichts Derartiges.

Wenn wir mal annehmen, dass seine Grundaussage lautet: "Emergenz schafft sowas!"

Dann hat die genausoviel Wert wie: "Gott schafft sowas!"

Wie gegenüber Aussagen über die Fähigkeiten Gottes gilt auch gegenüber Aussagen über die Fähigkeiten der Emergenz: Wer da was behauptet, soll bitte Belege ranschaffen. Bis dahin ist das Vertreten der Nullhypothese intellektuell 'ne sichere Bank.* 🙂

 

 

 

* Als Materialist und Atheist vertrete ich logischerweise den Standpunkt (im Gegensatz zu Meinungen lassen sich Standpunkte auf Plausibilität prüfen), dass Leben ein sich aus den Eigenschaften von Elementarteilchen ableiten lassendes Strukturphänomen sei. Aber ich kann diesen Standpunkt solange nicht als Wissen vertreten, wie ich es nicht weiß, also keine alle Zweifel ausschließenden Belege dafür habe.  

 

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@jack-black 

Ich bin jetzt ehrlich gesagt zu faul, mich lange auf Wikepedia durch den Emergenz-Artikel zu lesen, weiß allerdings aus der Erinnerung, dass ich immer ein klein wenig Verständnisprobleme damit hatte, was genau Emergenz sei: sind es letztlich nicht nur von uns (menschlichen) Beobachtern unerwartete Konstellationen/Strukturen/Verhaltensweisen von Materie?

Streng genommen ja. Letztlich ist "Komplexität" etwas Subjektives, selbst dann wenn man sie mathematisch klar umreissen könnte (Da weiss ich aber nicht welche Modelle es da gibt).

Dennoch lautet die Argumentation, die einem im Kreationismus immer wieder begegnet: So etwas "Komplexes" kann nicht durch "Zufall" entstanden sein, weil etwas "Komplexes" immer nur durch etwas ebenso "Komplexes" entstehen kann... ein komplexer Motor benötigt einen Erfinder, der diesen Motor konstruiert.

 

Aber schon bei dem Begriff "Selbstorganisation" wird's für mich halt aus philosophischer Perspektive haarig. Organisieren sich Mineralien selbst? Oder organisiert Wasser sich selbst (Flüssigkeit ist ja das klassische Beispiel für emergente Phänomene)? Was ist denn da dann unter dem Begriff "organisieren" zu verstehen?

Im Grunde alles, was keine rein zufällige Verteilung von Teilchen darstellt. 

 

Aber warum wurde sie so genannt? Warum wurden solche "Regeln" aufgestellt, nach welchen Kästchen geboren werden, sterben oder weiter leben?

Ich denke, aus Gründen der Dramaturgie. Und das ist ärgerlich, weil es an dieser Stelle deplaziert wirkt. Man hätte es bei neutralen Bezeichnungen belassen sollen, an der Grundaussage hätte es ja nichts geändert.

 

Als Materialist und Atheist vertrete ich logischerweise den Standpunkt (im Gegensatz zu Meinungen lassen sich Standpunkte auf Plausibilität prüfen), dass Leben ein sich aus den Eigenschaften von Elementarteilchen ableiten lassendes Strukturphänomen sei. Aber ich kann diesen Standpunkt solange nicht als Wissen vertreten, wie ich es nicht weiß, also keine alle Zweifel ausschließenden Belege dafür habe.

Es geht auch nicht um Wissen oder gar Beweise. Hier wird nur eine Sache gezeigt: Komplexe Strukturen können aus relativ simplen Regeln entstehen. Es erfordert also nicht zwangsläufig einen "Designer", auch das Leben und seine Entstehung kann womöglich aus relativ einfachen Mechanismen heraus erklärt werden.

Ob das tatsächlich auch zutrifft - das zeigt das Experiment nicht. 

Wenn jemand einen schön geschliffenen Stein findet, und ich kann nachweisen dass dieser Stein auch auf natürliche Weise entstehen kann, dann ist das allein noch kein Beweis, dass der Stein nicht von jemandem geschliffen wurde. Aber es ist eine Möglichkeit.

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6323

@jack-black 

Wenn mir jemand erzählen will, wie Leben aus (gemeint ist wohl auch eher: per) Zufall entstehen kann, dann erwarte ich da etwas mehr als: "Emergenz schafft das!"

Wobei Emergenz nichts mit Zufall zu tun hat. Bestes Beispiel ist hierfür Schwarmintelligenz. Ich weiss nicht, ob du dieses Video sehen kannst. Auf jeden Fall beschreibt es wie die Formationen bei Staren zustande kommen, die beruhen nämlich auch auf sehr einfachen Regeln, die jeder Vogel individuell befolgt. 

Emergenz bedeutet das eine aus vielen einfacheren Teilen bestehende Struktur, eine komplexere Struktur bildet die nach neuen Regeln funktioniert und Funktionen hervorbringt die nur anhand der einfacheren Teile nicht erklärbar sind. Und das zeigt mMn das Video sehr schön. 

Wozu Emergenz nicht geeignet ist, ist das Erklären für die Entstehung des Lebens. 

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@arcangel 

Wozu Emergenz nicht geeignet ist, ist das Erklären für die Entstehung des Lebens. 

Da sich das Leben letztlich auf die (simplere) Wechselwirkung von Atomen und den Teilchen darunter zurückführen lässt steckt die Emergenz bereits im System.

 

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6323

@lucan-7 

Nicht ganz den die Simple Wechselwirkungen von Atomen reicht noch nicht aus, um die Entstehung des Lebens zu erklären. Da müssen noch mehr Faktoren hinzugefügt werden. 

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@arcangel 

Nicht ganz den die Simple Wechselwirkungen von Atomen reicht noch nicht aus, um die Entstehung des Lebens zu erklären. Da müssen noch mehr Faktoren hinzugefügt werden. 

Das wissen wir schlicht noch nicht. Aber ich bezog mich ja auch auf den Jetzt-Zustand. Und da basieren die komplexen Vorgänge eben auf den wesentlich simpleren Wechselwirkungen der kleinsten Teilchen.

lucan-7 antworten


Deborah71
Beiträge : 29111

@lucan-7 

Da das Leben schon im ersten Kästchen enthalten ist, können verschiedene Strukturen und Funktionseinheiten entstehen. Aber ohne Leben mit nur einem toten Kästchen passiert rein gar nüschte. 

deborah71 antworten
3 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@deborah71 

Da das Leben schon im ersten Kästchen enthalten ist, können verschiedene Strukturen und Funktionseinheiten entstehen. Aber ohne Leben mit nur einem toten Kästchen passiert rein gar nüschte. 

Äh, nein... die Bezeichnung "lebendiges" oder "totes" Kästchen ist irreführend. Es ist ein binäres System mit zwei Zuständen. Wie man diese Zustände bezeichnet ist im Grunde egal.

 

 

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 22 Jahren

Beiträge : 29111

@lucan-7 

Da widerspreche ich dir energisch: wenn es um Leben geht, sehe ich das nicht egal. 

Mehr will ich aber nicht dazu sagen. 

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 28955

@deborah71 

Da widerspreche ich dir energisch: wenn es um Leben geht, sehe ich das nicht egal. 

Mehr will ich aber nicht dazu sagen. 

Um... das weisse Kästchen wurde einfach "lebend" genannt und das schwarze "tot".

Korrekterweise hätte man es schlicht "weiss" und "schwarz" nennen müssen, statt da irgendwelche Eigenschaften hinzuzudichten, die gar nicht vorhanden sind.

Die Bezeichnung dient der Dramaturgie - mehr nicht.

 

lucan-7 antworten
Chey
 Chey
Beiträge : 864

@lucan-7 

Für mich eine nette Reise in die Vergangenheit. Das hatten wir seinerzeit in der Oberstufe alle auf einem C64 programmiert. Und vieles im Video dann selbst heraus gefunden.

Interessant ist, wenn man die Grundregeln (Anzahl der Kästchen für Leben, Erhalt und tot) leicht ändert, das System bricht in Regel zusammen oder wird völlig chaotisch..

Wie gut also, dass Gott die Grundregeln des richtigen Lebens so genial einfach und richtig festgelegt hat.

VG

Chey

chey antworten


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