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Christ und virtuelle Kirche

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RootedinChrist
Themenstarter
Beiträge : 6

Hallo,
ich habe erst seit 2 Jahren wieder zu Jesus gefunden und seitdem bin ich sehr gefestigt in meinem Glauben. Durch Corona kenne ich Gottesdienste meistens nur digital. Jetzt bin ich öfter in welche vor Ort gegangen und mir fiel auf dass die in Landeskirchen sehr unpersönlich sind. Man kommt nicht in Gespräche. Und dann denke ich mir, dass man das auch per Youtube live erleben könnte. Und dass das dann zwar eine wichige Stütze des Glaubens ist. Aber doch nicht die Gemeinschaft die die Bibel vorsieht? Dafür bin ich in einem Hauskreis über Zoom, aber irgendwie läuft es da auch schleppend. Und ich könnte wegen der Entfernung die Luete auch gar nicht persönlich treffen.

Kann man Christ sein, indem man Kirche und Gemeinschaft virtuell lebt? Denn für mich macht es leider keinen Unterschied, ob ich es vor Ort mit Anmeldung erlebe oder per Stream. Kann man Christ sein ohne echte Gemeinschaft, weil in vielen Gemeinden keine Gemeinschaft entsteht, sondern nur der Gottesdienst besucht. Das beschäftigt mich sehr, denn ich will ein christliches Leben führen. Und ich weiß nicht wie. Die nächste Freikirche, die sehr lebendig wirkt, ist zu weit entfernt. Ich kann sie nur virtuell besuchen.

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18 Antworten
Ungehorsam
Beiträge : 3336

An deinem Kritikpunkt, daß es in Gottesdiensten landeskirchlicher Gemeinden eher unpersönlich zugeht, ist etwas dran. Ich bin Kirchenvorsteher in einer Gemeinde der ev. Landeskirche. Unsere Kirche wurde 1959 gebaut und besticht durch ihre Zweckmäßigkeit. Hier entsteht keine Distanz zwischen Pastor und Gemeinde. Anders in der Nachbargemeinde: sie verfügen über ein Gotteshaus aus dem Mitelalter. Die Kirchen wurden damals extra so gebaut, daß es eine Distanz gibt zwischen Klerus und Gemeinde/Laien. Das wirkt sich bis heute aus. Aber auch hier kann man etwas dagegen tun. In der Regel sind die Kirchen für die wenigen Gottesdienstbesucher viel zu groß geworden. Es gibt Gemeinden, die haben ihre Kirche so umgebaut, daß nur noch der Chor für Gottesdienste genutzt wird, und man rückt damit zwangsläufig enger zusammen, die Distanz schwindet.
Anderes Beispiel: In Northeim steht die Apostelkirche, ein Neubau. Es gibt nur ein schmales Fensterband unter dem Dach. Die Athmosphäre gleicht einem Bunker. Man hat die Apostelkirche zur Gospelkirche gemacht. Die Gospelgottesdienste und eine kluge Illuminierung des Innenraumes schaffen eine angenehme Athmosphäre.
Im frühgotischen Güstrower Dom ist es ziemlich krass: Er hat einen sehr langen Chor, und wenn der Pastor am Altar steht, ist die Distanz sehr groß. Die Kanzel ist hoch angebracht und die Orgel steht hoch auf der Westempore. In einem niedrigen Seitenschiff ist die Winterkirche untergebracht. Wird dort der Gottesdienst gefeiert, ist alles plötzlich ganz anders. Man sitzt im Halbkreis um den Altar. Im Raum steht auch eine Orgel, man kann dem Organisten auf die Finger schauen. Mir haben die Gottesdienste in der Winterkirche immer besser gefallen.
Wir sind zwar sehr stolz auf das reiche Erbe aus vergangenen Epochen, wobei unsere Kirchen eine herausragende Stellung einnehmen, aber für unsere heutigen Bedürfnisse sind sie ungeeignet. Da sind die Freikirchen im Vorteil, denn sie haben nicht an diesem schweren Erbe zu tragen. Auch in modernen katholischen Kirchen wird versucht, die Distanz zu reduzieren.

ungehorsam antworten
1 Antwort
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Gut, dass du das Thema Distanz ansprichst. Distanz hat nicht nur eine räumliche, sondern auch eine menschliche Komponente. Selbst wenn Menschen einander räumlich nah sind, können sie auf der persönlichen Ebene meilenweit voneinander entfernt sein.

Auf die Gemeinde übertragen bedeutet das, dass es durchaus im Gottesdienst räumliche Nähe geben kann und trotzdem sind der Pfarrer/Pastor und die Gemeindeleitung für die Gottesdienstbesucher nicht erreichbar, unnahbar. Auch Kontakte untereinander gibt es nicht.
Es kann aber auch - wie in meiner geliebten Jugendstil-Herkunftskirche - eine gewisse räumliche Distanz im Gottesdienst geben und dennoch ist der Pastor für jeden ansprechbar, die Gemeindeleitung hat immer ein offenes Ohr und die Gemeinde ist lebendig, pflegt Kontakte untereinander usw.

herbstrose antworten


Blackcross1704
Beiträge : 22

@rootedinchrist 

blackcross1704 antworten
Blackcross1704
Beiträge : 22

Ich finde die idee mit der virtuellen Kirche sehr gut. Man kann sich online sehr gut unterstuetzen und auch beten. Aucj geistliche Begleitung kann online erfolgen.

blackcross1704 antworten


Heinzwolfgang
Beiträge : 17

@rootedinchrist 
Vor einigen Jahren besuchten ein Freund und ich den Gottesdienst in einer kleiner Ortschaft. Begrüßt bzw. empfangen wurden wir nicht. Wir setzten uns und spürten die vielen fragenden Blicke, wer sind die, was ist der mit dem Vollbart und den langen Haaren für einer?
Der Gottesdienst war dann vorbei, auch da interessierte sich niemand für uns, weder ein Pfarrer noch sonst jemand.
Ein paar Wochen später wollten wir wissen, wie geht es in einer Freien Gemeinde zu. Wohlwissend, dass es immer falsch ist, von zwei solchen Besuchen Allgemeines abzuleiten. Wir wurden sehr freundlich begrüßt und genauso wieder verabschiedet, aber erst als wir noch einen Kirchenkaffe genossen hatten.
Diese beiden Beispiele zeigen mir durchaus, dass sich jemand in einer Gemeinde verloren vorkommen kann, sich lieber dann zu Hause auf dem Sonntag einen Gottesdienst im TV anschaut. In dieser genannten Freien Gemeinde wurden wir nicht nur bemekrt, wir wurden angesprochen und eingeladen.
Ich nach wie vor zur Landeskirche, vielleicht sogar vielmehr als vorher, weil ich seither mir nicht bekannte Menschen nach dem Gottesdienst durchaus mal anspreche und sie frage, ich habe sie noch nie gesehen, warum sind sie hier.
DAs gehört für mich zu einem Gemeindeleben und zum christsein dazu.

heinzwolfgang antworten
Yaeli
 Yaeli
Beiträge : 313

@rootedinchrist 

Kann man Christ sein, indem man Kirche und Gemeinschaft virtuell lebt?

Ja, man kann.

Denn auch virtuell ist es möglich, mit einzelnen Menschen (und Gruppen) ins Gespräch zu kommen, einander zu helfen und voneinander zu lernen.

Ich persönlich bin sehr dankbar dafür, dass durch die Pandemie viele Gemeinschaften ihre Gottesdienste auch virtuell angeboten werden. Seitdem habe ich nur auf diese Weise Gemeinschaft mit anderen Menschen, und empfinde das als lebendig. Das ist im Moment für mich MEIN Weg.

"Christ sein" verstehe ich dabei schlicht als eine, die mit Jesus/Gott verbunden ist, in einer Beziehung mit ihm lebt. Die Menschen, welche mir auf meinem Weg "begegnen" (egal auf welche Weise) verstehe ich als Begegnungen, die Gott mir persönlich "zuordnet". Das heißt, ich lerne von ihnen und habe etwas, was ich ihnen geben kann. Es kommt also ganz auf die eigene Situation an, wie und auf welche Weise diese Begegnungen stattfinden. Die Hauptsache der Gemeinschaft ist für mich IMMER, dass ich bewusst Gott mit in diese Gemeinschaft mit einbeziehe - weil ER sowieso da ist, und ich quasi nur an ihm "andocken" muss, um überhaupt Seine Signale wahrzunehmen und in die Gemeinschaften mit einbringen kann.

Der Vollständigkeit halber möchte ich aber hinzufügen, dass ich von Kind an bis zu meinem 65. Lebensjahr ohne Unterbrechung in mehreren christlichen Gemeinschaften sehr aktiv mitgearbeitet habe. Ich war quasi nie alleine, auch schon von zu Hause aus, mit 5 Geschwistern. Ich genieße jetzt die Stille, die "Zeitlosigkeit", mit der ich mein Leben leben kann. Und deshalb sehe ich auch die virtuelle Ausbreitung von Gemeinschaften als für mich passend. 

yaeli antworten


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