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Enttäuschte Erwartungen?

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THOW42
 THOW42
Themenstarter
Beiträge : 139

Als ich Christ wurde, war gerade eine große Welle von Hoffnung und Erwartung im Leib Christi spürbar – zumindest im freikirchlichen Umfeld der späten 80er und frühen 90er Jahre. Bewegungen wie „Durchbruch für Deutschland“ riefen zum geistlichen Aufbruch, und auch Reinhard Bonnke rückte Deutschland erneut als Missionsland in den Fokus.

Das Christenleben sollte vor allem eines sein: erfolgreich.
War nicht geschrieben, dass Jesus alle Krankheiten ans Kreuz nahm? Also müsse man nur „den Dreh rauskriegen“, dann würden sich viele Probleme fast automatisch lösen.
Auch die Kirchen sollten wieder vor allem eines ausstrahlen: Exzellenz. Nur das Beste sei gut genug für Gott. Und je charismatischer desto besser – das Umfallen im Heiligen Geist gehörte damals fast schon zum guten Ton.

Diese Atmosphäre weckte viele Erwartungen – auch in mir:

  • Erwartungen an mich selbst

  • Erwartungen an den Leib Christi

  • Erwartungen an meinen Glauben

  • Erwartungen an den Glauben

Doch das Leben verlief in vielen Bereichen anders als erwartet.
Die – damals durchaus schlüssig dargelegte – nahe Entrückung etwa? Bis heute auf „pending“.
Mein Glaube an Gott selbst geriet dabei nie ins Wanken. Aber ich musste durch manches hindurch. Musste Bilder loslassen. Vorstellungen neu sortieren. Und auch meinen Glauben in wesentlichen Punkten neu bedenken und justieren.

Wie war das bei euch?
Was hat euch am Glauben – oder an dem, was man euch versprach – enttäuscht?
Und welche Lehren habt ihr daraus gezogen?

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126 Antworten
Mariposa22
Beiträge : 1330

@thow42 

Bei mir war es so, dass ich nie zu einer Gruppe gehört habe. Es gab halbherzige Versuche, aber durch meine trotzige Persönlichkeit habe ich mich selbst immer wieder zur Außenseiterin gemacht. Ich habe mir meine falschen Bildnisse von Gott selbst zusammengebastelt. Nach einem Schicksalsschlag bin ich dann etwa zwei Jahre lang geistlich ziemlich verwirrt durch die Weltgeschichte gelaufen, was dann in einer üblen Depression endet. Ich wollte schon immer was Cooles erleben, aber während der Depression wollte ich nur noch ein ganz normales Leben haben. Ich kam aus der Depression wieder raus und seit dem bin ich Gott nur noch unendlich dankbar, weil ich weiß, wie schlimm es für einen werden kann. Ich habe beschlossen, alle meine Mitmenschen als Brüder und Schwestern zu betrachten. Die einen mag man mehr, die anderen weniger, die einen sagen dies, die anderen das, aber wir sind alle miteinander verbunden.

Es gibt keinen Königsweg zum Heil, außer Jesus Christus. Jesus ist wirklich da und kennt jeden von uns. Es braucht Geduld und Vertrauen, und auch die Offenheit, Gott in unerwarteten Situationen zu erkennen. Besser man schaut zweimal hin und schiebt geistliche Offenbarungen nicht ins Reich der Märchen.

mariposa22 antworten
8 Antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 630

@mariposa22 

Ich habe beschlossen, alle meine Mitmenschen als Brüder und Schwestern zu betrachten. Die einen mag man mehr, die anderen weniger, die einen sagen dies, die anderen das, aber wir sind alle miteinander verbunden.

kleines Bonmot am Rande:
Das ist nun mal der Unterschied zwischen Freunden und Brüdern (bzw. Schwestern): 
Freunde sucht man sich aus, Brüder und Schwestern werden einem gegeben - ob man sie will oder nicht. 

 

 

bepe0905 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@bepe0905 

jetzt hab ich erst mal Bonmot er-hahn-en (Gockel) müssen ... -> jou Familie ist das, wo man hineingestellt wird oder hineingeboren ... 

neubaugoere antworten
Mariposa22
(@mariposa22)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1330

@bepe0905 Freundschaften sind ja auch mit gewissen Bedingungen verknüpft. Erfüllt man diese nicht, ist es aus mit der Freundschaft. Familie muss man so nehmen, wie sie ist.

mariposa22 antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 630

@mariposa22 
und das gleiche könnte man gut und gerne auch auf Gemeinden übertragen:
Freunde suche ich mir aus - mit Geschwistern muss ich auskommen

bepe0905 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @bepe0905

@mariposa22 

Ich habe beschlossen, alle meine Mitmenschen als Brüder und Schwestern zu betrachten. Die einen mag man mehr, die anderen weniger, die einen sagen dies, die anderen das, aber wir sind alle miteinander verbunden.

kleines Bonmot am Rande:
Das ist nun mal der Unterschied zwischen Freunden und Brüdern (bzw. Schwestern): 
Freunde sucht man sich aus, Brüder und Schwestern werden einem gegeben - ob man sie will oder nicht. 

Wobei es ja so ist, dass man manche Geschwister nur an wenigen Gelegenheiten im Jahr (Omas Geburtstag, Cousines Hochzeit ...) trifft und nicht jeden Sonntag 😉 

chai antworten
BePe0905
(@bepe0905)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 630

@chai 
Oh nee, stimmt nicht immer. 
Bei uns im Hause (relativ großes Miethaus mir 3 Gebäudeteilen) wohne nicht nur ich, sondern auch meine Schwester mit Ehemann. 
Außerdem eine meiner Töchter (mit Partner und 3 Kindern) und mein Sohn (mit Frau und einer Tochter). 
Jede/r hat seine/ihre eigene Wohnung, aber wir sehen uns fast täglich. 
Und samstags kommt die ganze Bande zum Frühstück zu uns...

Manchmal anstrengend, aber insgesamt doch sehr schön. 

bepe0905 antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814

@bepe0905 Hier wohnen auch drei Kinder meiner Mutter (von vieren) in einem Haus. 
Der jüngste Bruder wohnt im Elternhaus am selben Ort, die Mama wohnt etwas außerhalb und die Schwiegerleute wohnen ums Eck. 
Meine Töchter wohnen auch in der Nähe, von daher ist hier auch genug Kontakt. 
Aber es gibt genug Familien, da ist der Kontakt deutlich reduzierter. 

chai antworten
Mariposa22
(@mariposa22)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 1330

@chai 

Aber es gibt genug Familien, da ist der Kontakt deutlich reduzierter. 

Bei uns zum Beispiel: meine Schwester ist depressiv und denkt, der Kontakt mit der Familie würde alles noch schlimmer machen. Aber dennoch fühle ich ihr verbunden. Zu lieben, auch wenn es manchmal weh tut, ist das, was Familie ausmacht.

mariposa22 antworten


Mariposa22
Beiträge : 1330

@thow42 

Und je charismatischer desto besser – das Umfallen im Heiligen Geist gehörte damals fast schon zum guten Ton.

Eine Frage: wie ist das Umfallen denn so? Ich habe es schon Mal live gesehen, bin aber dem nicht zugetan.

mariposa22 antworten
Arcangel
Beiträge : 6387

@thow42 

Ich kam Mitte der 90 Jahre zu einer Gemeinde, Gott hat mich schon einige Jahre früher gefunden. Die Themen, die du beschreibst, sind immer noch da, aber ich nehme an, dass es dir genauso wie mir geht. Man wird älter, skeptischer, und reifer. 

arcangel antworten
2 Antworten
Chai
 Chai
(@chai)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 4814
Veröffentlicht von: @arcangel

@thow42 

Ich kam Mitte der 90 Jahre zu einer Gemeinde, Gott hat mich schon einige Jahre früher gefunden.
Die Themen, die du beschreibst, sind immer noch da, aber ich nehme an, dass es dir genauso wie mir geht.

Möglicherweise hab ich davon einiges nicht mitgekriegt.
Möglicherweise ist es auch gut, dass ich eine 'Auszeit' vom frommen Betrieb hatte. 
Möglicherweise war ich da schon immer skeptisch. 

Man wird älter, skeptischer, und reifer. 

Realistischer?
Vermutlich ist das ähnlich wie in einer anderen Langzeitbeziehung auch. 
Man wird hat vieles (zusammen) erlebt, man wird manchmal schon noch überrascht, aber man lernt auch, dass die eigene Beziehung nicht zwingend so ist wie im Roman. Und das, was andere in blumigen Worten (je nach Temperament) als 'wunderbar, überwältigend' etc. beschreiben, findet man 'schön, nett' ...

chai antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 25 Jahren

Beiträge : 6387

@chai 

Und wie in einer Langzeitbeziehung, lernt man hoffentlich anderes schätzen, dinge die man gemeinsam erarbeitet hat, die einem Wert und Erfüllung geben. Und dinge, die einem zu Beginn begeistert haben werden weniger wichtig oder bekommen eine andere Dimension. 

arcangel antworten


Xia
 Xia
Beiträge : 2

Hallo zusammen,

ich bin seit ca. 2020 gläubig.

Ich würde sagen mein Glaube ist jetzt etwas reifer geworden.

Das einzige was mich betrübt, ist die Spaltung in der Christenheit und die zum Teil verhärteten Fronten.

Ansonsten liebe ich es gläubig sein zu dürfen und Jesus Christus kennen zu lernen.

Leistungsdruck in der Christenheit finde ich tatsächlich sehr kontraproduktiv.

Gott ist auch kein Wunschautomat. Erfolg ist keine Garantie für Glauben.

Nur Jesus kann das Königreich errichten.

Alles ist Stückwerk, alle sind Sünder und das Heil liegt nur im heiligen Blut Jesu Christi!

VG 

Xia

xia antworten
1 Antwort
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@xia 

Cool! Schön zu lesen. 🙂 Wie hast du zu Gott gefunden, wenn ich fragen darf? (oder Er dich?) - Ich freu mich auf deine Geschichte(n). 🙂

neubaugoere antworten
Meriadoc
Beiträge : 990

@thow42 

 

Ich sag es mal für mich gesehen so.

 

Ich mag die. Bibel, ich lese sehr gerne darin.

 

Aber das Christentum hat mich ziemlich enttäuscht und bin innerlich geistlich verzerrt und zersprungen. 
Ich bin sicher, Jesus meinte es ernst mit seinen Worten hier und da. Ich bin sicher, die werden Auswirkungen haben. Trotzdem, es wurde auch viel hier zerstört und ich glaube, auch unheilbar krank. 

meriadoc antworten
1 Antwort
THOW42
 THOW42
(@thow42)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 139

Lieber @meriadoc - ich glaube die Botschaft Christi ist genau das Gegenteil: Was unheilbar krank ist, kann gesund werden. Dass des Menschen Natur mit einem Fingerschnipp die Heilung erfährt, hätte man sich gewünscht, aber Wunder waren auch zu Jesu Zeiten mit klaren Aufträgen versehen: Die Herrlichkeit Gottes zu zeigen. Um dann, wie alles, in Bewegung und in Veränderung zu kommen. Und weil es eben keine pauschalen Antworten gibt auf die Fragen des Lebens, man so aber kein Volk regieren kann, ist die Kirchengeschichte und die Geschichte des Abendlandes auch nicht wirklich gesund. Willst du geheilt werden? Dann gibt es für mich in der Tat nur sein Wort, in deinem Herzen, das Heilung bringt - und ein Buch, die Bibel, um zu lernen und zu prüfen, was von Gott sein kann. Alles andere kann gut sein, nützlich zur Lehre oder zur Erbauung, vieles aber auch nutzlos - weil Menschen meinten, dass das, was sie für sich erkannt haben, nun als Maßstab und Anleitung für alle tauge.

thow42 antworten


hundemann
Beiträge : 597

@thow42 

oh diese Erwartungen. Auch ich wurde da schon ent...täuscht, habe aber auch schon andere Menschen enttäuscht. 

Was in eher charismatischen Gemeinden zu offen und zu frei ist, finde ich in anderen Gemeinden wieder

zu eng......

Was ist jetzt besser. Für mich ist heute eine gute Ausgeglichenheit das Wichtigste.

Zwischen zu extrem, und zu eng, die Mitte in Christus finden. 

Das Wort Gottes nicht einseitig, sondern im Zusammenhang lesen.

Gott heilt eben nicht alle Krankheiten, ER könnte es, aber.....

Bin leider nicht Gott und habe für alles eine Antwort. ......

hundemann antworten
4 Antworten
THOW42
 THOW42
(@thow42)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 139

@hundemann Das war der Grund, warum ich gewisse freikirchliche Gemeinden mehr, andere weniger präferiere. Ich mag Freiraum, aber ich mag auch ein gesundes Fundament. Daher bin ich derzeit im Foursquare Deutschland Verbund auch gut aufgehoben. Man sucht charismatische Freiheit, aber hat durchaus ein Auge auf die Basics und verlangt auch theologische Grundlagen, damit das, was in Freiheit angestrebt wird, sich nicht selbst verliert. Wo genau sich jemand wohlfühlt, muss jeder selbst entscheiden und prüfen. - Ich habe auch viel aus den Klostertagen bei den Benediktinern gezogen und kann durchaus verstehen, warum man so seinen Glauben leben will - auch wenn es nicht mein Weg wäre auf Dauer.

thow42 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 19188

@thow42 

😍 Das war meine "Geburtsstätte" - der Foursquareverband ... leider sind beide Gemeinden in Berlin "eingegangen" - das war hart - während andere in "deiner Umgebung" aufblühten.

Gute Worte (an hundemann)! Genau das hab ich auch von meinem alten Pastor gelernt. Damals nannte sich die Gemeinde "evangelikal-charismatisch". 🙂

neubaugoere antworten
hundemann
(@hundemann)
Beigetreten : Vor 1 Jahr

Beiträge : 597

Ja, das hast du gut beschrieben, Herr thow 42,  Freiraum, aber auch ein gesundes Fundament. 

Selbst kenne ich extreme charismatische Gemeinden, aber auch sehr gesetzliche

Gemeinden. In uns Menschen scheint es so eine Art Waage geben, die den Ausgleich

schaffen will. Wenn nur gelehrt wird, Gott heilt alle Krankheiten, und du wirst dann nicht

gesund, wird etwas in einem Menschen zerstört. Gleichzeitig gilt auch, wer Gutes von Gott

empfangen hat, hat oft den Wunsch, Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.

Wenn das eigene Leben durch einen anderen Menschen oder auch durch übernatürliche 

Fügung bereichert und gestärkt wurde, dann kann man etwas von dem zurückgeben,

das man empfangen hat. 

Ausgleich zu erwarten und zu geben, ist natürlich und in der Regel angemessen.

Schwierig ist es nur, wenn ein Mensch, der uns geschadet hat, nicht mehr erreichbar ist.

Hier können wir einen Weg gehen, der über den Ausgleich hinaus geht, durch Vergebung

und Versöhnung......auf berechtigten Ausgleich zu verzichten.....................................

Oder bei Gutem durch Dankbarkeit, unsere Geschenke des Lebens mit Dankbarkeit

annehmen.

Gut, das du da für dich etwas Passendes finden durftest. 

Von dem Benediktinermönch Anselm Grün durfte ich auch schon einiger lernen.

Gerade das Zeiten der Stille sehr wichtig sind, dann aber wieder Zeiten der 

Aktivität, meinen Glauben weiter zu geben.

 

liebe Grüße,

 

 

 

 

 

 

hundemann antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 4579

@hundemann 

In uns Menschen scheint es so eine Art Waage geben, die den Ausgleich

schaffen will.

Sehr wahr.

 

lg Tatokala

tatokala antworten
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