Enttäuschte Erwartungen?
Als ich Christ wurde, war gerade eine große Welle von Hoffnung und Erwartung im Leib Christi spürbar – zumindest im freikirchlichen Umfeld der späten 80er und frühen 90er Jahre. Bewegungen wie „Durchbruch für Deutschland“ riefen zum geistlichen Aufbruch, und auch Reinhard Bonnke rückte Deutschland erneut als Missionsland in den Fokus.
Das Christenleben sollte vor allem eines sein: erfolgreich.
War nicht geschrieben, dass Jesus alle Krankheiten ans Kreuz nahm? Also müsse man nur „den Dreh rauskriegen“, dann würden sich viele Probleme fast automatisch lösen.
Auch die Kirchen sollten wieder vor allem eines ausstrahlen: Exzellenz. Nur das Beste sei gut genug für Gott. Und je charismatischer desto besser – das Umfallen im Heiligen Geist gehörte damals fast schon zum guten Ton.
Diese Atmosphäre weckte viele Erwartungen – auch in mir:
-
Erwartungen an mich selbst
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Erwartungen an den Leib Christi
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Erwartungen an meinen Glauben
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Erwartungen an den Glauben
Doch das Leben verlief in vielen Bereichen anders als erwartet.
Die – damals durchaus schlüssig dargelegte – nahe Entrückung etwa? Bis heute auf „pending“.
Mein Glaube an Gott selbst geriet dabei nie ins Wanken. Aber ich musste durch manches hindurch. Musste Bilder loslassen. Vorstellungen neu sortieren. Und auch meinen Glauben in wesentlichen Punkten neu bedenken und justieren.
Wie war das bei euch?
Was hat euch am Glauben – oder an dem, was man euch versprach – enttäuscht?
Und welche Lehren habt ihr daraus gezogen?
Doch das Leben verlief in vielen Bereichen anders als erwartet.
(...)
Mein Glaube an Gott selbst geriet dabei nie ins Wanken. Aber ich musste durch manches hindurch. Musste Bilder loslassen. Vorstellungen neu sortieren. Und auch meinen Glauben in wesentlichen Punkten neu bedenken und justieren.Wie war das bei euch?
Was hat euch am Glauben – oder an dem, was man euch versprach – enttäuscht?
Und welche Lehren habt ihr daraus gezogen?
Ich fand eigentlich recht früh zum Glauben, in meiner damaligen Jugendgruppe, die dem CVJM nahe stand.
Es war ein recht einfacher, fast "kindlicher" Glaube, aber er gab mir eine gewisse Struktur.
Wenn man älter wird, dann hinterfragt man und wird kritischer.
Man stellt eigene Erfahrungen gegen überlieferte Werte und Angaben, neigt ggf. zur Widerspruch und Rebellion.
So auch bei mir.
Nicht, dass ich in dieser Phase meinen Glauben abgelegt hätte, aber er hatte nicht mehr diese Sicherheit und Selbstverständlichkeit.
Mein Glaube war eher suchend und fragend, manchmal aus einer "Anti-Position" heraus.
Mit den Jahren kam eine gewisse Gelassenheit hinzu - ich musste weder die Welt bekehren noch die Menschen vor dem Untergang retten. Dafür konnte ich immer lockerer über meinen Glauben reden - aber auch über solche (persönlichen) Schwierigkeiten, die der Glaube an einen allmächtigen Schöpfer und das Vertrauen in einen liebevoll seiner Schöpfung zugewandten Gott mit sich bringt.
Und das Überraschende dabei: ich merke, dass ich (bzw. was ich sage) seitdem von vielen Menschen ernster genommen werde.
Vielleicht, weil viele ähnliches spüren, dabei aber unsicherer sind.
Am Glauben selbst hat mich noch nichts enttäuscht.
Vielleicht deshalb, weil mir noch niemand etwas in diesem Zusammenhang versprach.
Oder weil ich gegenüber Versprechungen - besonders solche, hinter denen eine emotional aufgeheizte Begeisterung zu erkennen ist - extrem kritisch bin.
Wenn man älter wird, dann hinterfragt man und wird kritischer.
Man stellt eigene Erfahrungen gegen überlieferte Werte und Angaben, neigt ggf. zur Widerspruch und Rebellion.
Bei mir ist es genau andersrum: ich war in meiner Jugend sehr rebellisch und bin jetzt verständnisvoller, was konservative Ansichten angeht. So ist es wohl Lebensaufgabe eines jeden, sich irgendwie auszupendeln ohne in das andere Extrem zu fallen.

@bepe0905 In vielem was du schreibst, finde ich mich gut wieder. Vor allem die zunehmende Gelassenheit, die überraschenderweise nicht zu einem Rückzug, sondern eher einer Art Souveränität führt. Ich muss nicht jede Gelegenheit in der Kneipe nutzen, um zu missionieren. Aber ich kann einfach über meinen Glauben sprechen, wann immer ich es gerade angebracht halte. Das führte zu eher mehr als weniger interessanterweise.
Was aber dazu kam war die Sehnsucht nach mehr Tiefe. Und Tiefe verlangt Tiefe (oder Höhe). Meine schwere Diagnose brachte mir (unfreiwillig) so eine Tiefe, andere lernen auf andere Art, diese Tiefe zu erfahren. Nur eines gibt es nicht: Stillstand. Denn was still steht, wird lau.
@thow42 Geht mir fast genauso. Ich wurde in der freikirchlichen Gemainde BodyOfChrist Mannheim getauft und hatte glückliche Anfangswochen und -Monate, mit großen Erwartungen an Jesus Christus, meinen Erlöser. Aber es wurde objektiv nichts besser, ich habe sogar den Eindruck dass Satan sich noch mehr mit mir befasst als vorher. Als ich das meinem Pastor sagte, meinte er dass das normal sei, Erlösung sei eben kein Sprint sondern ein mühseliger Marathonlauf, was mich zunächst sehr gefreut hat, dass ich wohl nicht alleine mit diesem Problem bin. Mittlerweile verliere ich zunehmend meine Lebensfreude, und die Hinwendung im Gebet wird zu einer Art täglicher Pflichterfüllung. Das ist so schade. Eine Glaubensschwester empfahl mir dieses Forum, und nun bin ich da. Ein gesegntes Wochenende für alle!
Hej Mike,
herzlich willkommen im Forum.
Dein Anliegen nehme ich absolut ernst, muss aber zunächst doch um Verständnis dafür bitten, dass ich im "Kabarett-Modus" beginne.
"Ich wurde in der freikirchlichen Gemainde BodyOfChrist Mannheim getauft"
Na, dann herzlichen Glückwunsch, dass du ausgerechnet in der wahren Kirche gelandet bist, auf deren Homepage es heißt:
"[...] das wahre, unverfälschte Wort Gottes zu verkünden. Wir wissen durch das Wirken des Heiligen Geistes, dass wir die wahre Kirche Jesu Christi sind."
Allerdings muss ich dich leider ein wenig enttäuschen, denn die WIRKLICH wahre Kirche ist MEINE Gemeinde, weil wir durch das ECHTE Wirken des ECHTEN Heiligen Geistes wissen, dass wir...
So, Ende des Kabaretts. Dass das, was ich da über meine Gemeinde gesagt habe, Quatsch ist, sollte hoffentlich klar sein. Aber auch kein sonderlich größerer Quatsch als das, was deine BOCC da von sich selber denkt...
---
"Aber es wurde objektiv nichts besser,"
Und jetzt völlig ernsthaft die Frage, was denn hätte besser werden sollen. Worum geht es dir denn da?
Liebe Grüße
fr 🙂 sch

Lieber @mike - die Lebensfreude ist so wichtig, weil Freude zu haben wichtig ist. Lass dir das nicht nehmen und verfalle bitte nicht in Melancholie.
Es ist zwar alles wirklich sehr schwer zu erklären, aber es soll kindlich einfach bleiben. Wir suchen nach Freude und stehen doch knietief im Leben – dem einen leichter, dem anderen schwerer. Wir geißeln uns, um uns selbst zu besseren Christen zu machen, und wissen doch, dass alles nur Gnade ist, wie sehr wir auch strampeln.
Auf meinem bisher langen Weg im Glauben (auch schon 40 Jahre) komme ich am Ende immer wieder ans Kreuz. Weil ich dort Jesus finde und verstehe, was ihn bewegte. Und dann zu Glaube, Hoffnung, Liebe. Im Glauben finde ich den Weg, in der Hoffnung die Zuversicht, in der Liebe den Grund für alles. Und am Ende geht es nicht um Kirchen, Churches oder Denominationen, sondern um deine Beziehung zum Vater.
Hi,
als ich mich entschied Christ zu werden, habe ich einmal zu Gott gesagt.
Herr, wenn du keine Partnerin für mich hast, aber einen Plan, so hilf mir das zu erkennen und führe mich. Ich weiß, ohne Dich kann ich nichts. Das war vor 30 Jahren. Ich sehe heute mein Leben in Trümmern und Enttäuschungen. Was bin ich zu ihm gelaufen und nichts hat gebracht. Jemand sagte mir dann mal, ich solle mich unter seiner Gnade stellen. Ich bin so wie ich bin geblieben. Leider!
andere Menschen in der Christenwelt die echte Ar…..er sind, geht es in manchen besser. Ich möchte aber kein Ar….ch sein.
Ich frage mich, warum das so ist. Gut, ich kann nur oberflächlich sehen das es Ar…cher sind, aber nicht deren Herz. Soll ich auch so einer sein?
Ich frage mich, warum das so ist. Gut, ich kann nur oberflächlich sehen das es Ar…cher sind, aber nicht deren Herz. Soll ich auch so einer sein?
Nein, sicher sollst du nicht wie jemand anderes sein, egal wer das ist, sondern eben der, der du bist.
Ich weiss nicht, wieso du kein Zuckerschlecker-Bilderbuch- Leben hinter dir hast und nun gefühlt vor einem Scherbenhaufen stehst, mit enttäuschten Erwartungen und nicht eingetroffenen Erfüllungen.
Ich kann dir sagen, was mir hilft (wenn ich meinen Trümmerhaufen betrachte)
-für manches selbst die Verantwortung übernehmen, es nicht besser gemacht zu haben ohne sich dafür bis in alle Ewigkeit Vorwürfe zu machen sondern mit dem Wissen besser gerüstet für die Zukunft sein
- für manches brauch man keine Verantwortung übernehmen, sondern man muss es lernen zu akzeptieren
- Dankbar sein, für das Gute, das da ist
- nach vorne schauen und destruktive Verhaltensmuster detektieren und zerstören (nicht um ein „besserer“ Mensch zu werden, sondern damit das Gute mehr Platz zum wachsen hat)
- sich selbst lieben und verzeihen
Selbst bin ich auch oft nur ein kleine Giaubenslicht mit großen Schwachheiten.
Und manchmal bin ich in meiner Schwachheit auch nur der Ar........
Früher wollte ich in meinem Christ sein immer stark und erfolgreich sein.
Bis ich im 2. Korintherbrief 12, die Verse 7-10 las. Das gerade in meiner Schwachheit Gottes
Stärke zur Geltung kommt. Täglich werde ich nun mit meiner eigenen Schwachheit und
Ohnmacht konfrontiert. Fühle mich oft überfordert, von meinen eigenen Ansprüchen,
von Erwartungen anderer Menschen, herausfordernden Umständen..................................
Nichts mit "Wohlstandsevangelium" wenn du an Gott glaubst bist du erfolgreich, kriegst
die schönste Frau, Geld, Glück usw.......
Probleme lassen sich nicht einfach weg beten. Aber Gott kann mein stark sein wollen, müssen,
aufbrechen. Er kann aber meine Schwachheit benutzen, um meine Sehnsucht nach einer
tiefen Beziehung zu Gottes Vaterherzen zu verstärken.....
Für mich öffnet sich so ganz leise eine Tür zu seinem Herzen. Wenn ich mich nicht mehr auf
meine eigene Stärke verlasse, unabhängig von Gott sein möchte.
Und dann siehst du scheinbar erfolgreiche Christen, in Supergemeinden, die dir
sagen, wenn du so glaubst wie ich, wirst du auch erfolgreich. Vieles ist aber, wenn du näher
hinschaust, nur Fassade, übermalt......
Und viele Ratschläge sind oft nur Schläge.......
Versuche deinen persönlichen Weg mit Gott zu finden, ohne Neid, Hass......
Schaue auf Christus, und nicht so auf andere Menschen, auf das Kreuz.
liebe Grüße,
"siehe, ich mache alles neu" Hans Werner Scharnowski..
Gott kann verändern, neu machen, jetzt und hier, spätestens im Himmel.........
Veröffentlicht von: @meriadocIch frage mich, warum das so ist.
Da wäre jede noch so fromme Antwort einfach billig.
Manchmal darf man auch sagen, dass man keine Antwort hat.
"die Antwort weiß ganz einfach der Wind......"
ja, vielleicht einfach nur einmal mit leiden, versuchen zu verstehen............................
liebe Grüße,
@thow42 Ich war die meiste Zeit meines Lebens in der Landeskirche, war dann auch in Gemeinden, die mehr als Evangelikal oder Bibeltreu galten inklusive von Gemeinden, die dem pfingstlerischen Umfeld zuzuordnen sind. Das aber meist nur als Gast. Die Stadtmission hier vor Ort sah sich nicht als Konkurrenz zur Landeskirche sondern als so etwas wie Landeskirche plus. Diese Grundlage ist bei den Liebenzeller Gemeinschaften noch ausgeprägter.
In der Bibel ist mein Schwerpunkt, mein Vorbild bei Jesus, Jesu Leben, Jesu Worte, Jesu Lehren.
Ich habe Hoffnung auf eine Transformation der Gemeinschaft und der ganzen Gesellschaft durch den Heiligen Geist, den Bau von Himmelreich.
Das setzt aber voraus, dass ich Jesu Nachfolge wage, dass ich die Bibel nicht dahingehend missbrauche, dass ich das Evangelium und den Neuen Bund mit seinen Konsequenzen nicht vergesse und stattdessen eine harte Law-and-Order Theologie nach dem alten Bund leben.
Und das muss gar nicht mal offen erkennbar geschehen. Mein Eindruck ist der, dass in den meisten Gemeinden im Hintergrund Menschen agieren, die gerne mal richten, die gerne mal "Schicksal" spielen, die an Vergebung nicht denken und stattdessen eine Selektion der nicht reflektierenden Nachfolger betreiben, zu Lasten von Menschen, die mutig mit Christus unterwegs sind.
Das ist ein Eindruck und ich habe die Landeskirche in dem Moment verlassen, als ich den Eindruck bekam, dass entsprechend in meine Familie hineingewirkt wurde bzw. werden sollte. Möglicherweise hätte ich davon sogar profitiert, aber wenn es etwas gibt, mit dem nicht zu Spaßen ist, dann ist das der Bruch von Bündnissen. Das Bündnis mit meiner Frau ist geistlich höher wertig als die Mitgliedschaft in einer religiösen Gemeinschaft und der Bund im Blute Christi wird in der Regel zu einer Angehörigkeit zu einer Gemeinde führen, was ich aber nicht für einen Zwang halte. Es ist mir durchaus möglich das Abendmahl zu Hause und an jedem Ort der Welt zu feiern.
Und so bin ich in die Situation gekommen, keine Gemeinde zu haben.
Oft hört man den Vorwurf, ich würde eine Heiligkeit fordern, die ich selber nicht liefern kann. Ich weiß aber, dass Heiligung nur durch das Blut Christi erfolgt. Dort ist nicht mein Problem. Aber ich habe ein Problem damit, wenn geistige Mächte, die eher nicht dem Evangelium nahe stehen, in den Kirchen schalten und walten. Und hier sehe ich denn auch das Kernproblem einer ausbleibenden Erweckung und einer ausbleibenden Transformation der Gesellschaft im Sinne von Himmelreich.
Aber ich habe ein Problem damit, wenn geistige Mächte, die eher nicht dem Evangelium nahe stehen, in den Kirchen schalten und walten
Ich weiss nicht, ob das geistige Mächte sind oder einfach nur der Mensch selbst, so wie er von Natur aus ist.
@stern Es ist beides möglich: Menschen, die aus Neid, aus Machtgelüsten oder ähnliches bewusst hemmen oder fördern. Aber es könnte da auch etwas Organsierteres dahinterstecken, etwa der Kaiser, der mit den Vorgaben Jesu: gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist, für Gott nichts übrig lassen wollen. Da wären wir dann wieder bei dem Problem des Calvinismus. Calvin bezieht sich auf Augustinus und Augustinus hat ne gute Portion Augustus in seiner Theologie. In diesen Mechanismen sehe ich die wichtigsten Verhinderer des Werdens von Himmelreich heute.
Veröffentlicht von: @goodfruit@thow42 ... so etwas wie Landeskirche plus. Diese Grundlage ist bei den Liebenzeller Gemeinschaften noch ausgeprägter. ...
Das hab ich über die Gemeinschaften hier vor Ort auch schon gesagt.
Früher war's ja auch so, dass die Versammlungen der diversen Gemeinschaften aus genau diesem Grund nicht am Vormittag, wo die kirchlichen Gottesdienste stattfanden, abgehalten wurden, damit die Gemeindemitglieder am Vormittag den Gottesdienst der jeweiligen Kirchengemeinden besuchen konnten.
Und dann gab's morgens die Liturgie und am Nachmittag oder Abend das 'geistliche Schwarzbrot'.
Dass es auch in den 'Kirche-plus-Gemeinden' gewaltig menschelt, lässt sich wohl nicht vermeiden.
@chai Dass es auch in den 'Kirche-plus-Gemeinden' gewaltig menschelt, lässt sich wohl nicht vermeiden.
Das ist ja auch OK. Solche Extra-Veranstaltungen können noch mal einiges an Impuls für geistiges Wachstum geben. Solange sie nicht zu einem Gefühl der Extra-Heiligung führen und ich mir immer bewusst bleibe, dass nicht mein Handeln, sondern allein das Blut Christi mich heiligt, ist alles OK. Aber genau das kann ja auch in solchen Veranstaltungen gepredigt werden.
Veröffentlicht von: @goodfruitAber genau das kann ja auch in solchen Veranstaltungen gepredigt werden.
Natürlich kann das gepredigt werden.
Genauso wie in einem landeskirchlichen Gottesdient 'gut' (d.h. evangeliumsgemäß) gepredigt werden kann.
(Wobei man jetzt natürlich wieder über die Definition von 'evangeliumsgemäß' diskutieren könnte 😉 )
@chai Wobei man jetzt natürlich wieder über die Definition von 'evangeliumsgemäß' diskutieren könnte 😉
Klar könnte man das. Da gibt es ein paar grundlegende Dinge, die auf jeden Fall drin sein sollten:
Christi Opfer am Kreuz als Voraussetzung für jegliche Errettung.
Erkenntnis eigener Sündhaftigkeit als Motivation für den Weg ans Kreuz, um Rettung zu erfahren und mit Jesus durch das Leben zu gehen.
Bereitschaft zu vergeben (und Vergebung zu empfangen) als Notwendigkeit, um die Gnade Gottes, die sich in Jesu Blut und die daraus resultierende Rettung äußert, nicht durch Unversöhnlichkeit zu verlieren.
Ein Leben demgemäß, bei dem die Sünde (ist entmachtet) nicht mehr zentraler Fokus des Lebens ist, sondern das Leben öffnet für zentrale Forderungen Jesu:
Weitersagen von der Errettung
Liebe gegen jeden - selbst Feinde!
Teilen, wenn mir Not begegnet.
Schlau auf Übergriffigkeit des Feindes reagieren, so dass er als die Unperson dasteht und sich eine erneute Übergriffigkeit sehr überlegen wird. Nicht zurückschlagen, sondern einen weiteren Schlag des Angreifers provozieren, der dergestalt ist, dass er sich dabei unmöglich macht.
Segnen, Fürbitte, Helfen, Gotteslob zum Teil seines Wesens werden lassen.
In der Nachfolge den Kontakt mit dem Heiligen Geist erhalten (betet alle Zeit) und so zu Gottes Werkzeug werden und nicht zu einem so-als-ob Christen zu werden, der sein eigenen Ding in geglaubt Gottes Willen tut statt unmittelbar Gottes Willen zu tun.
Das sind so die Dinge, die ich für zentral betrachte. Was ich aber oft finde, sind Blicke auf Sündhaftigkeit, was dann aber nicht nur zur Überführung und Erkennen eigener Sündhaftigkeit führt, sondern oft auch von Gedanken der Verdamnis (die sich kein Christ leisten kann!) begleitet wird und in eine Verurteilung statt einer Vergebung mündet. Man schaue nur mal, wie mit Christen umgegangen wird, die in Sünde gefallen sind - grad auch, wenn sie Leiterschaft in größeren Werken oder Gemeinden haben! Sollten Christen sich so einen Umgang mit Brüdern oder Schwestern im Glauben gefallen lassen?
In vielen Gemeinden scheint mir ein Evangelium gepredigt zu werden, dass an sich nicht der neue Bund ist, sondern der aufgewärmte alte Bund ist. Ein Bund also, der mit Jesu (Gottes) Tod am Kreuz geendet ist, denn mit dem Tod eines der Bündnispartner ist der Bund beendet.
Und es will mir so scheinen, dass grad die geistlich destruktiven Kräfte in der Gemeinde diese Irrlehre hineintragen.
Veröffentlicht von: @goodfruitSchlau auf Übergriffigkeit des Feindes reagieren, so dass er als die Unperson dasteht und sich eine erneute Übergriffigkeit sehr überlegen wird.
Nicht zurückschlagen, sondern einen weiteren Schlag des Angreifers provozieren, der dergestalt ist, dass er sich dabei unmöglich macht.
Da weiß ich z.B. überhaupt nix mit anzufangen.
Wichtig ist mir das Wissen, dass Gott für mich ist und dass es ähnlich ist wie in einer Eltern-Kind-Beziehung, wo ein Kind jederzeit zur Mutter / zum Vater kommen kann, egal welchen Mist es gemacht hat.
Das ist auch das, was ich versucht habe, meinen Kindern zu vermitteln.
@chai Ich habe versucht auf Deborahs Nachfragen weiter unten eine umfassende Antwort zu geben. Für mich ist in den Beispielen Jesu ein ganz deutliches Prinzip erkennbar, ohne das die Zurüstung, die Jesus uns darin gibt, wertlos wird. Nur mit dem für den Aggressor destruktiven Element erhält die Sache einen Sinn.
Für mich steht in den Beispielen Jesu für den Christen:
- lass Dich nicht vom Gegner beugen. Bleib in der Haltung der Resilienz, in Dir selber ruhend.
- Gib, was man von Dir fordert.
- biete noch mehr an oder gib noch mehr, was dem Gegenspieler erstens zur Versuchung und dann zur Last wird.
Der Christ ist es, der die Situation beherrscht - nicht der mit weltlicher Macht begabte.
Ich weiß jetzt nicht, was diese Forderungen Jeus mit der Gott-Kind Beziehung zu tun haben sollte.
Für mich ist das ein Aufruf zu Friedfertigkeit - aber eben auch die Situation zu kontrollieren und dem Fordernden im Sinne asiatischer Kampfkunst seine Grenzen aufzuzeigen.
Jesu will auf keinen Fall den Christen zu einem Schwächling werden lassen, wie das heute meist gelesen wird. Da steckt da einfach noch vielmehr drin!
@goodfruit Ja, Du hast da in der Antwort an Deborah einiges geschrieben.
Und Du denkst, DER Böse würde sich von Deinen Theorien zu asiatischer Kampfkunst beeindrucken lassen???
Ich hab geschrieben, dass für mich die Gott-Mensch-Beziehung mit einer Eltern-Kind-Beziehung vergleichbar ist, wo das Kind jederzeit zu seinen Eltern kommen kann.
Das ist mir wichtiger als Abhandlungen über asiatische Kampftaktiken.
Schlau auf Übergriffigkeit des Feindes reagieren, so dass er als die Unperson dasteht und sich eine erneute Übergriffigkeit sehr überlegen wird. Nicht zurückschlagen, sondern einen weiteren Schlag des Angreifers provozieren, der dergestalt ist, dass er sich dabei unmöglich macht.
Wo steht das in der Bibel?
Mich erinnert das an Gundel Gaukeley gegen Gundel Gaukeley. Den Teufel manipulieren mit seiner eigenen Waffe der Manipulation? Is ja nich wahr, ne?
@deborah71 Schau Dir bitte mal jedes einzelne Beispiel das Jesus in diesem Zusammenhang gibt an:
Auch die linke Wange hinhalten. Die Konsequenz: Der Täter muss entweder mit der linken Hand schlagen, was kulturell die unsaubere Hand ist (mit der man sich den Hintern abwischt). Ein absolutes Unding. Alternativ kann er mit der Oberseite der rechten Hand schlagen, was damals ein Ausdruck äußerster Verachtung war - auch ein Unding.
Die Konsequenz für den entsprechend handelnden Christen:
1) Er behält geistig die Oberhand, zeigt dem Täter: Du kannst mir gar nichts.
2) Er bugsiert den Täter in eine Rolle des über alle Verhältnisse agierenden und die Bereitschaft zeigend, sämtliche Tabus zu brechen bereiten Monsters.
Noch eine Meile mitgehen: Dieser Abschnitt bezieht sich auf das Recht römischer Soldaten, jemanden bestimmen zu können, der für max. 1 Meile mit ihm geht um seine schwere Rüstung/ Gepäck zu tragen.
Die Konsequenz für den Täter: Er begeht im rechtlichen Sinne eine Straftat, weil er jemanden nutzt, dass er über das maximale Soll ihm dient. Im Falle einer Überprüfung durch die Militärpolizei ist sein Wohlergehen in der Hand dessen, der ihm den Extraservice angeboten hat.
Die Konsequenz für den handelnden Christen:
1) Er behält die Oberhand, zeigt dass ihm der Dienst keine Erniedrigung ist.
2) Er hat das Wohlergehen des Soldaten in seiner Hand.
3) Er hat eventuell die Möglichkeit in dieser Extra-Zeit zu missionieren.
Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
Ich habe mal bei ChatGPT nachgeschaut, was es mit dem Mantel auf sich hatte:
1. Der „Rock“ – die Tunika
Das wichtigste Kleidungsstück war die Tunika (griech. chitón, hebr. kuttonet).
Form: Knielang (bei Männern), teils länger; aus einem oder zwei Stoffbahnen genäht
Material: Meist Wolle, bei Wohlhabenderen auch Leinen
Farbe: Naturfarben (weiß, beige, braun); Färben war teuer
Trageweise: Mit einem Gürtel zusammengehalten
Alltag: Oft das einzige Kleidungsstück armer Menschen
👉 In der Bibel wird erwähnt, dass selbst diese Tunika wertvoll sein konnte (z. B. Joh 19,23).
2. Der Mantel – Obergewand / Umhang
Über der Tunika trug man einen Mantel (griech. himation, hebr. simlah).
Form: Großes rechteckiges Tuch
Funktion: Schutz vor Kälte, Wind, Sonne; nachts auch Decke
Rechtliche Bedeutung: Durfte einem Armen nicht dauerhaft weggenommen werden (Ex 22,25–26)
👉 Jesu Worte „Wer dir den Rock nimmt, dem lass auch den Mantel“ (Mt 5,40) sind vor diesem Hintergrund besonders eindrücklich.
Konsequenz für den Täter: Ihm wird etwas gegeben, das er unmöglich fordern darf. Er ist dann darauf angewiesen, dass ihn der Geber des Mantels nicht anklagt, weil er sich über das gesetzlich definierte Maximum hinaus bereichert hat. Die Öffentlichkeit, die die Forderung und das, was passiert, mitbekommt, wird den Fordernden als maßlos, ungesetzlich und Tabu-brechend erleben. Keine eben schönes Situation für ihn.
Die Konsequenz für den Christen:
1) Er behält die Oberhand, zeigt dass ihm die Forderung keine Erniedrigung ist.
2) Er hat das Wohlergehen des Fordernden in seiner Hand.
Zusammenfassung: Deborah, es steht der Mechanismus nicht wortwörtlich in der Bibel. Aber die Analyse macht deutlich, dass Jesus da einen entsprechenden Ratschlag gibt, weil den Zuhörern der rechtliche Kontext der provozierten Handlungen klar verstanden haben dürfte. In allen drei Beispielen arbeitet derselbe Mechanismus. Für mich ist das ein eindeutiger Rat in diese Richtung.
Mt 10,16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
Jesu rüstet uns dort mit einer Haltung aus, die dem Prinzip oben entspricht. Ja, wir sollen ohne Falsch sein - aber doch auch schlau.
Ich finde es einigermaßen fatal, dass bei heutiger Betrachtung von Mt 5, 38-42 nur in Hinblick auf das sich nicht hart wehren reduziert ist. Die linke Backe hinhalten erscheint schon fast als passive Reaktion. Dabei ist sie ein verdeckter Angriff. Oberflächlich wird im Sinne des Aggressors gehandelt. Aber die Handlung des Christen hat eine Wirkung wie wir sie aus asiatischer Kampfkunst kennen: Der Aggressor, der zugreift, bringt sich selber in Schwierigkeiten - möglicherweise sogar zu Fall.
Ich fände es wichtig in dieser Welt unter den Wölfen, diesen Aspekt nicht zu vergessen. Sonst könnte es sein, dass wir einfach nur von den Wölfen vernascht werden und die eigentliche Wirkung von Jesu Vorgaben nicht erreicht wird.
Unfug, was du da entfaltest in Bezug zu Teufel provozieren und ihn bloßstellen. Die Beleidigung durch einen Handrückenschlag kannst du nicht auf Angriffe Satans ummünzen und dein Gegenüber zu einem Handrückenschlag provozieren und dann behaupten, Satan hat mich angegriffen. Das ist das Muster, das du weiter oben dargestellt hast und auf das ich den Finger lege.
Du hast dich da ganz gewaltig verlaufen und scheinst korrekturresistent zu werden. Gefährliche Nummer.
@deborah71 Hallo Deborah,
Ich argumentiere hier ja gar nicht mit Satan! Einfach nur mit einer Person - sagen wir einem Pharisäer, einem Christen, der nicht im Neuen Bund, sondern noch im alten Bund unterwegs ist oder eine ähnliche Person, die meinte, sie müsse Maßregeln, fordern etc.
Ich münze auch nichts um, sondern ich nehme biblische Geschichte 1:1 und beschreibe die Mechanismen, die da ablaufen. Und weil die in allen drei Beispielen, die Jesus gibt, nach dem gleichen Schema ablaufen, halte ich dieses Schema für absolut biblisch und darf nicht aus der Betrachtung des Textes entfernt werden.
Machen wir das so, dann eröffnet diese Bibelstelle und eine komplett neue Dimension des Verhaltens im Sinne Jesus. Der Christ ist dann nicht nur wehrlos sondern er wehrt sich mit friedlichen Mitteln, die aber absolut destruktiv auf das Gegenüber wirken können.
Jesus hat uns nicht wehrlos unter die Wölfe geschickt. das zu erkennen, halte ich für enorm wichtig. Und ich frage mich, warum das nicht öfter genau so gepredigt wird. Cui bono? Sollte da das Obrigkeitsdienliche Verhalten von Christen auf keinen Fall in Frage gestellt werden?
Es gibt Menschen, die wollen den Christen macht- und wehrlos. Der kleine Depp mit dem man machen kann, was man will, ist enorm praktisch und handlich. Aber wenn da eine unerwartete Wehrhaftigkeit hinein kommt, wird es sperrig. Das können nur Christen fordern, Menschen, die Wollen, dass es nicht nur dem Kaiser gut geht, sondern auch wollen, dass endlich Himmelreicht wird, weil es endlich werden darf.
Du hast dich da ganz gewaltig verlaufen und scheinst korrekturresistent zu werden. Gefährliche Nummer.
Das ist mal eine ganz, ganz steile Behauptung! Ich weiß nicht, wie man die Mt 5, 38-42 zu Grunde liegenden Mechanismen übersehen kann! Das ist doch nicht zu übersehen - es sei dann man tut beide Hände vor die Augen. In jedem der Fälle führt die freiwillige Dreingabe zu einem Gesetzesübertritt der fordernden Seite! In wirklich jedem Beispiel! Das schreit doch förmlich. Aber ne, lass uns mal lieber beim Bild des Sissy-Christen bleiben. Ist so viel lieblicher für den, der das Christentum für seine Zwecke missbrauchen möchte.
Auch diese deine weitere Antwort hat nun so gar nichts mit meinem Einhaken auf einen zitierten Abschnitt von dir zu tun.
Das ist keine Unterhaltung. Also lasse ich es hier.
@deborah71 Deborah, ich frage mich, warum Du mich als verirrtes Schaf meinst framen zu müssen. Ich bin gerne jederzeit bereit, umzukehren - allerdings nur wenn wirklich Argumente geliefert werden und nicht allein unbegründete Behauptungen.
Auch diese Donald Duck Philosophie mit der Hexenente fand ich schon daneben. Denn haben wir es hier nicht einem Betrugsversuch der Hexe zu tun statt mit eine parierten Angriff? Die Techniken mögen sich ähneln - aber da geistig-moralische Setting ist komplett anders.
Ich bitte Dich einfach mal die von mir in den Beispielen Jesu herausgearbeiteten Prinzipien zu reflektieren. Wie können die anders gedeutet werden? Ist das Jesu einfach so passiert, dass er jedes mal das Gegenüber in eine gesetzlich hochproblematische Situation bringt? Ich kann das nicht glauben. Wenn wir diesen Mechanismus nur in einem der Beispiele vorgefunden hätten, wäre ich da nicht so beharrlich. Aber dreimal dasselbe - Du weißt, dass das in der Bibel eine starke Bestätigung ist!
Ich gebe dir einen Hinweis: im folgenden Zitat scheint wieder die unterschwellige Aggression auf, die schon in anderen Posts zu merken war. Die andere Wange hinhalten ist ein Lehrstück über Deeskalation. Dein Punkt 2 ist nicht für Deeskalation geeignet. Wer den Beleidiger als zu allem fähigen Monster sieht, ist nicht am Punkt der Deeskalation, die bewirkt werden soll, auch wenn er die andere Wange hinhält.
Es geht nicht um einen Krieg der Argumente, es geht um Herzenshaltung und Ausstrahlung.
Die Konsequenz für den Christen:
1) Er behält die Oberhand, zeigt dass ihm die Forderung keine Erniedrigung ist.
2) Er bugsiert den Täter in eine Rolle des über alle Verhältnisse agierenden und die Bereitschaft zeigend, sämtliche Tabus zu brechen bereiten Monsters.
Auch in diesem folgenden Abschnitt geht es nicht um Deeskalation, wie Jesus sie meinte. Die linke Wange hinhalten ist kein verdeckter Angriff, sondern eine Entwaffnung.
Ich finde es einigermaßen fatal, dass bei heutiger Betrachtung von Mt 5, 38-42 nur in Hinblick auf das sich nicht hart wehren reduziert ist. Die linke Backe hinhalten erscheint schon fast als passive Reaktion. Dabei ist sie ein verdeckter Angriff.
Ich stimme dir, deborah zu. Es geht Jesus um eine Veränderung unseres Herzens, also nicht mehr um eine solche (menschlich, soziale) Denkweise "ha, den tricks ich aus, weil ich überlegen bin". Und ein verändertes Herz reagiert anders; nicht "überlegt" und "manipulierend überlegen", sondern aus der Demut heraus. Ich selbst bemerke in wenigen (!) Lebensbereichen eine Veränderung über die vielen Jahre hinweg meinen Mitmenschen gegenüber, mein Herz ist -vielleicht mal so gesagt- nicht mehr so häufig auf "Krawall gebürstet", sondern schaut liebevoll auf andere, auch auf Feinde, im Vordergrund immer den Frieden, der aus meinem Herzen kommt und zum anderen übergehen soll/kann/darf ... mal vorsichtig formuliert. - ich gebe ihr insofern recht, dass aus deinen Worten eine Herzenshaltung erkennbar ist ...
Ihr Lieben, ich war jetzt ein paar Wochen abgetaucht und muss erst mal nachlesen, bevor ich einzelnen antworte.
Allen ein gesegnetes neues Jahr.