Kann man die Erettung verlieren?
Ich verzweifel noch an der Interpretation folgender Bibelstelle:
Hebräer 6 | Schlachter2000
1 Darum wollen wir die Anfangsgründe des Wortes von Christus lassen und zur vollen Reife übergehen, wobei wir nicht nochmals den Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott,
2 mit der Lehre von Waschungen, von der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht.
3 Und das wollen wir tun, wenn Gott es zulässt.
4 Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind
5 und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit,
6 und die dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen!
Frage an diejenigen, die an die Heilsgewissheit glauben:
Wie ist das mit der Heilsgewissheit vereinbar? Wie interpretiert ihr diese Bibelstelle?
Frage an alle Gläubigen: Kann man vom Glauben abfallen und was ist damit gemeint? Kann man die Erettung verlieren?
Falls ja: Wie soll das gehen und kann man etwas tun, um das zu verhindern?
Oder ist es dann nicht mehr Gnade und Gerechtigkeit aus Glauben, sondern Gerechtigkeit aus Werken?
Ist das nicht ein Widerspruch zu anderen Bibelstellen? Wie löst man den?
Ich fange mal mit Hesekiel an
26 Wenn ein Gerechter nicht mehr recht vor mir lebt, wenn er Unrecht tut und daraufhin stirbt, so stirbt er wegen des Unrechts, das er getan hat. 27 Wenn aber ein Gottloser umkehrt, sein gesetzloses Handeln lässt und tut, was gut und richtig ist, dann wird er sein Leben rettenNeue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Hes 18,26–27.
12 Doch denen, die ihn aufnahmen, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu sein. – Das sind die, die an seinen Namen glauben.Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Joh 1,12.
6 Ich sagte zwar: „Ihr seid Götter, / Söhne des Höchsten ihr alle!“ 7 Doch werdet ihr sterben wie Menschen, / zugrunde gehen wie ein Tyrann.Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Ps 82,5–7.
6 Dann zog er vor seinen Augen vorbei und rief: „Jahwe, Jahwe, Gott: barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte und Treue,Neue evangelistische Übersetzung (Gefell: Karl-Heinz Vanheiden, 2019), Ex 34,6.
Und ein Wort ist hier zentral, und das ist Chesed, meist wird es mit Güte oder Gnade übersetzt, wörtlich meint es eher sowas wie "Liebende Loyalität" der Wörter am Ende des Verses "Güte und Treue" sagen eigentlich zweimal das Gleiche.
Das ist wohl etwas vereinfacht. Die Wörter sind für uns heute schwer zu verstehen, weil sie sich auf eine soziale Realität beziehen, die es (jedenfalls bei uns) nicht mehr gibt.
In erster Annäherung kann man Israel damals als feudalistisch bezeichnen. Ein Patron konnte von seinen Leuten gehorsam und Loyalität fordern, war aber eben auch dazu verpflichtet, sie zu beschützen und in Notlagen zu helfen.
Ich hoffe ich sage jetzt nichts Falsches, aber ich meine mich dunkel zu erinnern, dass sich chesed auf diese soziale Verpflichtung bezieht, also dass man die mit der jeweiligen Rolle verknüpften Erwartungen auch »treu« erfüllt, während es bei emed mehr um etwas »Freiwilliges« geht, um Gunst oder Liebe oder so.
Das ist wohl etwas vereinfacht.
Weshalb ich ja auch "meint es eher sowas wie" geschrieben habe. 'chesed' umfasst den Aspekt der Bundestreue, die exklusiv für Gottesvolk reserviert ist. 'chesed' grenzt sich von 'hannun' darin ab, 'hannun' ist eine allgemeine allen geltende Gnade, 'chesed' ist für Gottes Kinder reserviert, im Englischen wird es dann auch oft mit 'steadfast love' übersetzt. Im Deutschen werden beide 'chesed' wie 'hannun' aber meist einfach mit Gnade übersetzt, manche Übersetzungen machen sich die Mühe dort, wo beide Wörter vorkommen 'chesed' mit Güte zu übersetzen, damit man den Unterschied erkennt, aber dies ist nicht konsequent umgesetzt.
Vgl LT und ELB
Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: HERR, HERR, GOTT, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue!Martin Luther, Die Heilige Schrift nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers (Oak Harbor, WA: Logos Research Systems, Inc., 2001), Ex 34,6.
6 Und der Herr ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und WahrheitDie Heilige Schrift. Aus dem Grundtext übersetzt. Elberfelder Übersetzung. Edition CSV Hückeswagen, 7. Auflage (Hückeswagen: Christliche Schriftenverbreitung, 2015), Ex 34,6.
«die in heiligem Affekt wallende Liebe Gottes, die sich dem menschlichen Elend, der menschlichen Hilfsbedürftigkeit (und besonders auch dem Elend und der Hilfsbedürftigkeit des auserwählten Volkes) als mitleidende Barmherzigkeit heilvoll zuwendet, es ist die sich gebunden wissende und sich bindende Liebe Gottes»
C. H. Spurgeon, Die Schatzkammer Davids: Eine Auslegung der Psalmen, hg. von James Millard, 3. Auflage. (Bellingham, WA: Faithlife, 2004), Ps 136.
Darin hast du sicher auch die von dir angesprochene feudalistische Beziehung eines Patrons. Aber ich finde hier die Formulierung von Spurgeon sehr kraftvoll; «die sich gebunden wissende und sich bindende Liebe Gottes»
Psalm 136 ist dann quasi eine umfassende (aber nicht vollumfängliche) Definition dessen was 'chesed' bedeutet.
Hi @all, 🙂
dieses Thema mMn war, ist und wird es vermutlich auch noch lange sein, eines der bekanntesten Streitthemen.
Beide Parteien sehen sich im Recht und schon seit sehr langer Zeit.
Beide zitieren mit passenden Bibelversen, ja sogar die größten Theologen beißen sich hier die Zähne aus.
Das birgt immer sehr viel Ärger und Streit.
Wir Christen sollten doch genau hier zusammen stehen, und die Meinungen stehen lassen.
Wenn Jesus in unserer Mitte steht, gibt es mE keine bessere Möglichkeit als abzuwarten, bis wir alle Fragen beantwortet bekommen.
Deshalb nicht diskutieren?
Nein, das mein ich nicht damit.
Aber Diskussionen sollten mE ergebnisorientiert sein und schon gar nicht spalten.
Wenn also der Eine sich fürchtet, Er könne abfallen, umso mehr sich sicher an Jesus klammern.
Wenn der Andere sich sicher fühlt und weiß um seine Gewißheit, umso dankbarer an Jesus klammern.
Was gibt es ansonsten für andere Möglichkeiten?
Mir ist bislang keine bekannt.
In diesem Sinne wünschte ich mir eine geschwisterliche Einigkeit, die iwann alles beantwortet bekommt, was in der Welt nicht möglich war.
2 Petr. 5-8:
...so setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, 6 in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, 7 in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.
Es gibt schon genug Kriege draußen...
Grüße Su 🖐️
Wenn also der Eine sich fürchtet, Er könne abfallen, umso mehr sich sicher an Jesus klammern.
Wenn der Andere sich sicher fühlt und weiß um seine Gewißheit, umso dankbarer an Jesus klammern.
Oder aus einer andere Perspektive ausgedrückt: Die Einen brauchen die Bestätigung, dass sie trotz aller Schwäche errettet sind, Andere müssen gewarnt werden, weil sie sich zu sicher fühlen.
@hkmwk Vielleicht gibt es auch noch diverse Zwischentöne zwischen Heilsunsicherheit und Heilssicherheit.
Bevor ich Christ war, habe ich etliche Zerrbilder über das Christentum kennengelernt. Eines der Zerrbilder war, dass Katholiken glaubten, dass sie machen können, was sie wollten, weil sie wegen der Beichte eh immer raus wären.
Interessant war später für mich zu erfahren, dass ausgerechnet nichtkatholische Christen manchmal den Eindruck hinterließen, als wären ihnen mit der Taufe nicht nur alle bis dahin gemachten Sündern vergeben, sondern als könnten sie jetzt sündigen wie sie wollen, weil aus "wer da glaubt und getauft ist, wird gerettet werden", ein "wer einmal geglaubt hat und mal getauft wurde, wird gerettet werden" wurde.
In vielen Gesprächen kommt doch immer wieder raus, dass doch auch Menschen, die prinzipiell an die Heilsgewissheit glauben, doch einräumen, dass es möglicherweise Einzelfälle gibt, in denen sich jemand aus Gottes Hand reißt, da "kein Mörder ewiges Leben bleibend in sich hat."
Die katholische Kirche lehrt insofern, dass die Gläubigen nicht Hochmütig glauben sollten, ihr ganzes Leben bis zum Schluss zu kennen und auszuschließen, dass sie sich jemals einer Todsünde schuldig machen könnten, denn "die Sünde wider dem Heiligen Geist wird nicht vergeben."
Sie schreibt aber im Katechismus "wer in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt... ist ... seines ewigen Heils sicher."
Wenn ich die vielen Spielarten christlicher Überzeugungen für mich zusammen denke, komme ich zu dem Schluss, dass man sich einig darin sein kann, dass ein Christ, der in seinem Lebensweg im Glauben beim Herrn bleibt, auch eine Heilssicherheit hat. Aber jeder Gläubige die Freiheit hat, sich bewusst gegen Gott zu entscheiden, was konsequent gedacht eben auch impliziert, das Heilsangebot Gottes bewusst abzulehnen.
Dass jemand durch die alltäglichen Sünden, die wir nunmal alle begehen, in Ungnade bei Gott und "aus seiner Hand" fallen können, scheint für die meisten Christen nicht das zu sein, was sie annehmen.
Die Frage nach der Heilssicherheit dürfte am Ende an der Frage hängen, inwieweit ein Mensch die Freiheit einer Entscheidung hat.
Heilsgewissheit (»Gott wird die seinen bewahren, so dass sie alle am Ende gerettet sind«).
Na, da würde ich die Gewichtung der Heilsgewissheit doch mal schwer von der menschlichen Schulter nehmen, auch von Deiner - mit Verlaub 🙂 -, denn "extra nos" und nicht bei uns selbst kann, soll und darf sich letzt-endlich die Erfüllung der Gnade, Liebe & Barmherzigkeit Gottes bewahrheiten.
L'Chaim
Sie gilt nur, so lange ich von Jesus abhängig lebe und bleibe.
Nur: Auch dass man bei Jesus bleibt ist Gnade. Das ist der wahre Kern in dem, was der AWHler schreibt.
Veröffentlicht von: @adjutanteHeilsgewissheit (»Gott wird die seinen bewahren, so dass sie alle am Ende gerettet sind«).
Heilsgewissheit bedeutet für mich etwas anderes ... Sie gilt nur, so lange ich von Jesus abhängig lebe und bleibe.
Aber darin kannst Du Dir gewiss sein. Gott zeigt sich als ein Gott der Verlässlichkeit und Treue, daher kann man gewiss sein, das Heil zu haben. Allerdings darf man im gleichen Maße, wie man Gottes Heilszusage und Heilswillen trauen darf, misstrauisch gegenüber den eigenen bewussten Entscheidungen sein, die man langfristig nicht im Blick hat.
Möglicher Weise hat das mit theologischer Unkenntnis zu tun oder aber wenn Menschen glauben einmal errettet, immer errettet. Es gibt ja Glaubensrichtungen wo das explizit so glauben.
Das ist natürlich für das Fleisch...verlockend .
Ich weiß nicht, ob ich Dich gerade richtig verstehe 😉
Immer wieder begegneten mir Christen, die zum xten Mal bei einem "Bekehrungs-Aufruf" nach vorne gingen, weil sie dachten, ihre Erretung zwischenzeitlich schon wieder verloren zu haben ...
Wie gut, wenn man das Heil NICHT am Auf & Ab unserer menschlichen Begrenztheiten, Torheiten und Verfehlungen ferstmacht, sondern an der vollzogenen Rettungstat Gottes in Jesus und an seiner grossen Barmherzigkeit.
Das ist nicht das "verlockende Fleisch", das mich so denken lässt, sondern mein Glaube.
L'Chaim
Hi,
Also ja das mit dem X-ten mal kenne ich gut. :).
Ich war da wohl auch oft dabei.
Es hängt schon vom Hintergrund ab, den man theologisch hat.
Arminianisch vs. Calvinismus so in der Art.
Paulus sagt an einer Stelle, das ein Mörder "kein ewiges Leben bleibend in sich haben kann"
Das deckt sich mit dem Glauben das wir das Ewige Leben in Christus haben, von ihm haben, er das ewige Leben ist aber wir dieses theoretisch wieder verlieren können.
@kappa Es gibt einige Bibelverse, die diese Deutung zulassen. Im Grunde unterscheiden sich diejenigen, die glauben, dass das Heil für echte Christen unverlierbar ist, von denen, die an diese Möglichkeit nicht glauben, dadurch, dass sie im Nachhinein den Verlorenen absprechen, echte Christen zu sein.
Die Frage von: kann jemand sein Heil verlieren? verschiebt sich auf war das ein echter Bekehrter?
Zumindest ist das meine Gesamtwahrnehmung beider Positionen. Am Ende haben beide mit Menschen in der Gemeinde zu tun, die dabei bleiben, und welchen, die irgendwann wieder weg sind.
Veröffentlicht von: @awhlerImmer wieder begegneten mir Christen, die zum xten Mal bei einem "Bekehrungs-Aufruf" nach vorne gingen, weil sie dachten, ihre Erretung zwischenzeitlich schon wieder verloren zu haben ...
Jesus hat zwei direkte Aufträge eingesetzt. Den Auftrag zur (einmaligen) Taufe, mit der unsere Sünden abgewaschen werden. Den Auftrag zum (regelmäßigen) Abendmahl, das uns mit Christus in Beziehung setzt, der uns darin die Vergebung der Sünden schenkt.
Offensichtlich haben diese Christen ein schlechtes Verständnis des Christentums. Was natürlich tragisch und traurig ist.
Die Frage, ob man das Heil wieder verlieren kann, halte ich für wichtig! Danke für diese Frage!
Gehen wir von den alltäglichen Erfahrungen aus, so muss man leider und z.T. erschüttert feststellen, dass man alles verlieren kann. Seinen Schlüssel, seine Arbeitsstelle, sein Haus, die gesamte Existenzgrundlage… Aber auch sein Ansehen, seine Freunde, ja sogar die Liebe seiner Kinder und die des Ehepartners.
Wer meint, das einmal „gewonnene“ Heil der Seele könne nie verloren gehen, muss sich fragen, woher er diese vermeintliche Einsicht hat, ja wer dieses „Dogma“ einmal aufstellte und ob demjenigen zu vertrauen ist…
Und ich würde deshalb dreierlei nachfragen wollen:
1 Warum lässt uns unser Gewissen immer wieder an „einmal gerettet, immer gerettet“ zweifeln,
2 und warum meint man, nach 2000 Jahren über diese im wahrsten Sinne heils-notwendige Frage noch keine eindeutige Antwort zu haben, und
3 wieso sollte wir hinsichtlich dieser Frage auf eine mehr oder weniger einleuchtende Deutung einer mehr oder weniger „passenden“ Bibelstelle angewiesen sein?
Als Katholik würde ich so antworten:
Jeder, der sich einmal für Christus entschieden hat, ist in der richtigen Richtung unterwegs. Wer in seinem Leben in diese Richtung weitergeht, verliert niemals das Heil.
Schwierig wird es, wenn ich die Richtung wechsle, mich also in Richtung des Bösen bewege. Das trennt von Gott oder besser gesagt: Wir haben uns dann von Gott getrennt. Wir haben das „Heil“ weggeworfen, es „verloren“.
In welchen konkreten Situationen ist das der Fall? Sicher nicht, wenn wir den einen oder anderen Fehler begehen. Sehr wohl aber, wenn wir eine „Todsünde“ begehen. Da ist die Bibel völlig eindeutig.
„Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“ (Gal 5, 19-21)
Wir können das aber wieder vor und mit Gott „in Ordnung“ bringen. Nämlich durch Reue, Buße und die vollmächtig zugesprochene Vergebung der Sünden. Dann sind wir wieder in der richtigen Richtung unterwegs…
LG Holger
Veröffentlicht von: @holger-fn welchen konkreten Situationen ist das der Fall? Sicher nicht, wenn wir den einen oder anderen Fehler begehen. Sehr wohl aber, wenn wir eine „Todsünde“ begehen. Da ist die Bibel völlig eindeutig.
„Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“ (Gal 5, 19-21)
Wir können das aber wieder vor und mit Gott „in Ordnung“ bringen. Nämlich durch Reue, Buße und die vollmächtig zugesprochene Vergebung der Sünden. Dann sind wir wieder in der richtigen Richtung unterwegs…
Ich brauche da Verstehenshilfe bzgl. der Unterscheidung "den ein oder anderen Fehler begehen" und dem Begriff "Todsünde(n)", die einen Heilsverlust bewirken (können oder es tatsächlich tun?).
Du schreibst, dass die Bibel da "völlig eindeutig" ist ...?
Dann zitierst Du (darauf bezogen) Gal 5,19-21) ... und ganz ehrlich? "Unreinheit, Hader, Zorn, Zwietracht, Neid, Saufen, Fressen ...", da bin ich wohl (und wer nimmt für sich in Anspruch, davon befreit zu sein?) defintiv dabei - wobei Vieles Auslegungssache und in der Frage der Skala von "1 bis 10" uneindeutig bleibt 😉
Zum Schluss sprichst Du aber auch für all das die Möglichkeit der Vergebung zu, so dass diese Sünden doch keine "Todsünden" mehr sind? Oder berührt diese Stelle zwar ermahnend die Gemeindeglieder und gibt Beispiele für einen Lebenswandel, für Eigenschaften und Fehlverhalten, welche nicht mit dem "Reich Gottes" kompatibel sind, aber sie sind keine "Todsünden"? Und was ist mit Christen, die ihren Zorn für berechtigt, ihr Zänkischsein für eine bedauerliche, nie ganz zu überwindende Charaktereigenschaft halten, öfter mal zuviel dem Alkohol zuneigen oder gar ihre Sucht nicht loswerden, das Essen zu sehr lieben ...?
Ich verstehe es also nicht und bitte um etwas Erläuterung, danke.
L'Chaim
Danke der Nachfrage! Eine „schwere Sünde“ (traditionell „Todsünde“) ist nach katholischer Auffassung eine bewusste Abkehr von Gott, die die göttliche Liebe im Herzen zerstört und zum Verlust des Heils führt. Dafür müssen drei Kriterien gleichzeitig erfüllt sein: eine schwere Materie (schwerer Verstoß gegen Gottes Gebote), volles Bewusstsein über das Unrecht und eine freie, mutwillige Zustimmung.
Fehlt eines dieser Merkmale – etwa durch Unwissenheit, Zwang oder Sucht, wie in deinen angedeuteten Beispielen –, verringert sich die subjektive Schuld. Dann liegt nur eine sog. „lässliche Sünde“ vor, die die Beziehung zu Gott schwächt, aber nicht trennt. Jede schwere Sünde kann (und muss) durch aufrichtige Reue im Sakrament der Beichte vollständig vergeben werden.
Zwischen einer lässlichen und einer schweren Sünde gibt es in der kirchlichen Praxis allerdings eine bewusste pastorale und dogmatische Unschärfe. Es existiert also, wie du ja schon vermutet haben wirst, keine exakte Tabelle, die für jeden Einzelfall auf einer Skala von 1 bis 10 festlegt, wann die Grenze zum Heilsverlust überschritten ist. Das liegt daran, dass die Kriterien der vollen Erkenntnis und der freien Zustimmung im Inneren des menschlichen Herzens liegen.
Die Sündenerkenntnis ist dem Menschen durch sein Gewissen möglich, das er dazu regelmäßig „erforschen“ bzw. „bilden“ sollte. Dazu gibt es zahlreiche mehr oder weniger hilfreiche sog. „Gewissensspiegel“…
Diese Differenzierung zwischen lässlicher und schwerer Sünde wird nach katholischer Auffassung bereits im Neuen Testament grundgelegt. Der Apostel Johannes schreibt: „Jedes Unrecht ist Sünde; aber es gibt Sünde, die nicht zum Tod führt“ (1 Joh 5,17).
Gleichzeitig bleibt die Warnung des Paulus im Galaterbrief bestehen, dass schwere Laster das Heil gefährden: „Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben“ (Gal 5,21). Da Paulus hier jedoch ein dauerhaftes, bewusstes Praktizieren meint, entsteht ein seelsorglicher Raum für das Ringen des Gläubigen mit den eigenen Schwächen und Abhängigkeiten…
LG
Ich danke Dir sehr für diese ausführliche, transparente Antwort.
Meine beiden Rückfragen dazu:
Das Sakrament der Beichte (katholisch:von Amts wegen mit priesterlicher Vollmacht erteilt) kennen wir Protestanten ja nicht, wohl aber die aufrichtige Reue, Bitte um Vergebung und den Empfang der Gnade, im Vertrauen auf den Zuspruch des Evangeliums, ggf. (aber nicht zwingend, sd. wenn es als hilfreich erscheint) von einem, der mir "im Priestertum aller Gläubigen" die Beichte abnehmen und die Vergebung "in Jesu Namen" zusprechen kann ... Braucht es also nach katholischem Verständnis die amts-priesterliche Vollmacht, um die Vergebung tatsächlich und vollumfänglich zu bekommen?
Das Gewissen ist mMn dem Menschen grundsätzlich gegeben, aber auch eine relative, weil manipulierbare, unzuverlässige, u.U. beschädigte und "verloren gegangene" Instanz ... Du schreibst: "Die Sündenerkenntnis ist dem Menschen durch sein Gewissen möglich, das er dazu regelmäßig „erforschen“ bzw. „bilden“ sollte. Dazu gibt es zahlreiche mehr oder weniger hilfreiche sog. „Gewissensspiegel“…" ...Was sind diese "Gewissensspiegel" - und inwieweit sind sie nicht auch eine relative Größe, die das (u.U. manipulierte, verlorene) Gewissen des Einzelnen korrespondierend weder anspricht noch erreicht?
L'Chaim
Die amtliche Vollmacht des Priesters ist nach katholischem Verständnis der von Christus eingesetzte Weg, um die Vergebung schwerer Sünden zu erlangen („Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“, Joh 20,23).
Das hatte Jesus zu den 12 gesagt. Kann man das wirklich auf jedes Vorstandsmitglieds einer (christlichen) »Synagoge« (so die ursprüngliche Bedeutung von presbyteros→»Priester«) verallgemeinern? Und wenn ja, wieso gilt das nicht für alle Jünger (also alle, die lernen, alles zu befolgen, was Jesus den Aposteln gesagt hat, Mt 28,20)?
Veröffentlicht von: @holger-fDie amtliche Vollmacht des Priesters ist nach katholischem Verständnis der von Christus eingesetzte Weg, um die Vergebung schwerer Sünden zu erlangen („Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“, Joh 20,23
Das hat er zu den Aposteln gesagt. Mit der Bibelstelle könntest Du die Beichte bei Bischöfen begründen, nicht bei Priestern.
Offensichtlich kennt die Bibelstelle keine Unterscheidung zwischen lässlichen und schweren Sünden.
Womit wir beim „alten“ Problem zwischen Katholiken und Protestanten wären… 😀
Die Heilige Schrift ist kein Lehrbuch! Ist sie nicht und wollte sie nie sein. Nicht einmal die Taufe, das Abendmahl oder der Weg zum Heil sind dort so eindeutig hinterlegt, dass sich daraus eine Lehre stricken ließe, der man nicht vehement widersprechen könnte.
Der für mich logischste Ausweg ist die Kirche als von Jesus gestiftete und bevollmächtigte Institution, die somit autoritativ von Beginn an Lehrentscheidungen treffen darf. Die Heilige Tradition bestätigt das, die Heilige Schrift und die bloße Existenz einer „entscheidenden Kirche“ ebenfalls.
Die Verwendung biblischer Sachverhalte ist seitens der Katholischen Kirche deshalb zumeist nur ein Teil von Begründungen, die Heilige Tradition ergänzt. Dabei sind beide fast unentwirrbar miteinander verknüpft, so dass man sagen kann, die Schrift wurde durch die Tradition hervorgebracht und die Schrift generiert umgekehrt wiederum Tradition…
Das gilt nun in beiden von dir angesprochenen Punkten.
1 Die Vorstellung, man könne aus der Sündenvergebungs-Bevollmächtigung der Apostel höchstens auf die der Bischöfe, nicht aber auf die von Priestern schließen, setzt voraus, dass eine Kirche nur das darf, was in einer als heilig angenommenen Schrift zu entnehmen sei. Selbst wenn dem so wäre, was macht man bis zum Abschluss des Kanonisierungsprozesses, der ca. 350 Jahre dauerte?
Man könnte annehmen, dass es eine ganz andere Instanz, eine die es bereits gab, entschieden hat, entscheiden durfte, entscheiden sollte…
2 Die Vorstellung, eine Unterscheidung von lässlicher und schwerer Sünde sei sinnvoll und hilfreich, die Vergebung der schweren heils-notwendig, ist eine sich über die Zeit entwickelnde Präzisierung.
Sie ist nicht deshalb falsch, weil sie in den 350 Jahre später kanonisierten Schriften nicht ausdrücklich zu finden ist. Im Gegenteil! Dass so entschieden wurde, dass überhaupt neu auftauchende Fragen entschieden werden mussten, zeigt und begründet die große Selbstverständlichkeit, mit der die Kirche von ihrer Lehr- und Entscheidungskompetenz Gebrauch gemacht hat.
Und nochmal mein Lieblingssatz: Die Bibel ist kein Lehrbuch… 😊
die Kirche als von Jesus gestiftete und bevollmächtigte Institution
Wie sah denn diese »Institution« aus?
- Viele unabhängige Gemeinden (ekklesia steht sowohl für die einzelne Gemeinde vor Ort wie für die weltweite Kirche)
- Jede gemeinde wurde durch einen Vorstand geleitet, mit mehreren Mitgliedern.
- Die Mitglieder des Vorstandes wurden entweder analog zu einer Synagoge als »Älteste« (wortwörtlich »Ältere«) bezeichnet, oder in Anlehnung an Vereine im Hellenismus als »Aufseher«.
- Aus dem griechischen Wort für Älterer (prebyteros) hat sich das Wort Priester entwickelt (für Priester im alttestamentlichen Sinn gab es in der griechischen Übersetzung LXX das Wort hiereus), aus dem Wort für Aufseher (episkopos) das Wort Bischof.
- »Priester« und »Bischof« waren also zwei Bezeichnungen für das gleiche Amt, und das ist nicht das gleiche samt wie das der Priester im AT.
Wo bitte finde ich die Institution, die das bis heute treu bewahrt hat? Stattdessen sehe ich eine Tradition, in der diese Begriffe unbewusst und langsam, aber sicher umgedeutet wurden. Wie verlässlich ist so eine Tradition?
Die Bibel ist kein Lehrbuch…
Sie lehrt alles, was für den Glauben wichtig ist, 2.Tm 3,16-17.
Und problematisch sind nicht Lehren die präzisieren und so über die Bibel hinausgehen (was z.B. schon für die Trinitätslehre gilt), sondern was am Ende dem widerspricht, was in der Bibel steht.