Kritik am Christentum - Debattieren auf Niveau und mit Respekt
Hallo liebe Community,
ich denke der Name des Threads macht meine Intentionen deutlich, sodass wir zeitnah in die Materie einsteigen können. Bevor ich aber loslege möchte ich noch einige Dinge zu mir sagen, der Höflichkeit halber :).
Ich bin ein junger Mann mit türkischen Wurzeln und dementsprechendem religiösen Background. Auch wenn ich nicht der frommste Mensch bin, habe ich durchaus einen Bezug zu meiner Religion. Leider ist die muslimische Ummah zunehmend Anfeindungen, Vorurteilen und menschenverachtenden Aussagen ausgesetzt. Oft wird dabei auf Koranverse zurückgegriffen, welche Gewalt propagieren bzw. legitimieren. Kritiker und Islamhasser benutzen oft die im Koran vorhandene Abrogation dafür, um positive Koranverse zu relativieren und sie durch grausame Verse zu ersetzen. Darüber möge sich bitte am Ende jeder ein eigenes Bild machen, denn ich bin nicht hier um zu missionieren, sondern um mit frommen Christen ein wenig über heikle Bibelverse zu debattieren. Mein Ziel dabei ist es nicht, dass Christentum abzuwerten oder mich für die Anfeindungen gegenüber dem Islam zu rächen. Viel mehr ist es mein Ziel ein tieferes Verständnis auch für euren Glauben zu bekommen, vor allem aber auch um zu sehen wie ihr, liebe Christen, mit Gewaltpropagierenden und antihumanistischen Versen in der Bibel umgeht und gegenargumentiert.
Da das alte Testament vor gewalttätigen, menschenverachtenden und frauenfeindlichen Versen strotzt, möchte ich in diesem Thread hauptsächlich auf heikle Verse des NT eingehen. Ich habe ein paar Stellen rausgesucht, mit der wir eine hitzige aber bitte respektvolle Debatte führen können :).
Ich zitiere aus dem neuen Testament der Bibelübersetzung nach Hermann Menge.
Zitat lt. Bibel von Jesus aus dem Matthäusevangelium. Kapitel 10, Vers 34-36
"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Nein, ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen, sondern das Schwert (=Krieg). Denn ich bin gekommen , um den Sohn mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter zu entzweien, und die eigenen Hausgenossen werden feindselig gegenüber stehen".
Steht stark im Gegensatz zur Nächstenliebe, welche lt. Christen von Jesus propagiert wird.
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Zitat lt. Bibel von Paulus aus dem 1.Korinther Brief. Kapitel 11, Vers 3
"Ich möchte euch aber zu bedenken geben, daß das Haupt (=Oberhaupt) jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, und das Haupt Christi ist Gott"
Ich denke die Rolle der Frau wird hier mehr als deutlich...
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Zitat lt. Bibel von Paulus aus dem 1.Korinther Brief. Kapitel 14, Vers 34-36
"Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie haben sich unterzuordnen, wie auch das (mosaische) Gesetz es gebietet (1. Mose 3,16). Wünschen sie aber Belehrung über irgend etwas, so mögen sie daheim ihre Ehemänner befragen; denn es steht einer Frau übel an, sich in einer Gemeindeversammlung hören zu lassen. Oder ist etwa das Wort Gottes von euch ausgegangen oder zu euch allein hingekommen?"
Siehe oben...
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Mischzitat lt. Bibel von Jesus, seinen Jüngern, der kanaanäischen Frau und dem Erzähler aus dem Matthäusevangelium. Kapitel 15, Vers 21-24
"Jesus ging dann von dort weg und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus dem Gebiet her und rief ihn laut an >Erbarme dich meiner, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem bösen Geist schlimm geplagt< Er antwortete ihr aber kein Wort. Da traten seine jünger zu ihn: >Fertige sie doch ab! Sie schreit ja uns hinterher< Er (Jesus) aber antwortete >Ich bin nur zu den verlorenen Schafen Israels gesandt<.
Hier könnte man jetzt Kritik üben und sagen, dass der Vers aus dem Kontext gerissen ist, da Jesus ihr ja schlussendlich doch noch geholfen hat. Dennoch könnte man Jesus hier ein Klassendenken unterstellen. Eine Eigenschaft die einem vollkommenen Wesen eigentlich zuwider sein müsste.
So, ich denke das ist jetzt erstmal genug um die Debatte anzuheizen :).
Veröffentlicht von: @nitak34Die theologischen Aspekte jedoch, finden kaum Beachtung.
Da hast du Recht, das ist auch sehr unbekannt hierzulande.
Was in Sendungen und Diskussionen thematisiert wird, sind meistens ganz bestimmte Themen, an denen sich abgearbeitet wird (wie du das hier zum Christentum bzw. zu Religion per se auch sehen kannst).
Veröffentlicht von: @steroEs ist einfach eine Frage des Respekts. Du hast keinen Respekt vor anderen, die Dinge schreiben, welche dir nicht gefallen. Deshalb verhältst du dich so wie du dich verhältst.
Manchmal hilft ein einfacher Blick in den Spiegel, um wieder auf den Boden zurück zu kommen!
Veröffentlicht von: @jack-blackNein, nicht hier in diesem Thread. Aber der TE sprach ja an, wie sonst so in unserer Gesellschaft Muslimen mit derartiger "Kritik" begegnet wird. Zitat aus dem Eingangsposting:
Und wo sprach er davon, dass Christen das tun würden? Mir schien, er meint die mediale Darstellung ansich.
Denn du schriebst ja davon, dass es nicht okay sei, sich selbst als so "friedliche Religion" hinzustellen und gleichsam Muslimen ihre schlimmen Koranstellen vorzuwerfen.
Es wirkt manchmal so, als würden gewisse Leute sagen: "Das geht aber jetzt nicht, dass du wirklich friedlich bist! Das entspricht nicht unserem Klischee!" 🤣
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Hi Nitak
Als langjährige Forumsteilnehmerin mag ich es inzwischen nicht mehr, die Bibel wie einen Steinbruch zu handhaben.
Um daraus " Steine" für das Leben als Christ zu brechen. Oder, was viel öfters geschieht, mit solchen "Steinen"gegen bestimmte Menschen,Theologien,vermeintliche Wahrheiten zu argumentieren.
Gleichwohl sind mir bestimmte Worte, Sätze und Aussagen der Bibel sehr wichtig geworden in meiner Beziehung zu Gott.
Aber sie gelten für mich, ich sehe sie nicht allgemeingültig.
Ich weiß, dass sich über Theologie trefflich streiten läßt.
Nicht aber über die Gottesbeziehung des Einzelnen.
Jesus wurde einmal von Petrus gefragt, was denn mit Johannes einmal werden würde.
Jesus antwortet darauf:
" Was geht es dich an?
Folge DU mir nach!"
Dieser 2. Satz ist mir sehr bedeutsam geworden.
Hella Heizmann hat meine Gedanken zu diesem Thema Gewalt oder Nachfolge in einemLied sehr fein ausgdrückt.
Darin finde ich mich wieder
" Unser Leben redet lauter als die Worte, die wir sagen ( oder uns um die Ohren hauen oder auseinander nehmen oder hinterfragen oder,oder ..........)
Die Frage ist doch, wovon redet mein Leben, wovon redet dein Leben?
Redet es von Liebe, Gnade, Vergebung, Demut?
Oder redet es von Macht, Krieg, Herrschsucht, Gewalt?
Ich beobachte immer wieder beides.
Sowohl bei Christen als auch bei Muslimen
Veröffentlicht von: @simbaWas ich von der "Mitte der Schrift" schrieb, ist in diverser Christenheit zuhause: katholisch, orthodox, evangelisch (mit zahlreichen evangelischen Richtungen fernerhin), und findet bereits - wie dargelegt - in den neutestamentlichen und frühchristlichen Schriften selbst Anwendung.
Veröffentlicht von: @steroWelche Theologie kann sich anmaßen für das gesamte Christentum zu sprechen?
Gar keine. Aber es gibt ja gewisse Dinge, die Konsens sind, oder nicht? Und das Evangelium als Maß der Schriftauslegung gehört zu solch einem Konsens gemeinhin. Dass du oder gewisse Leute das anders sehen, sei euch ja belassen; es gibt alles Mögliche im näheren oder ferneren christlichen Spektrum.
Dass "du oder gewisse Leute" einen (mehr oder weniger umfangreichen) Konsens behaupten, "sei euch ja belassen". Schließlich ist so eine Konsensbehauptung Teil eurer Selbst-/Existenz-Rechtfertigung und Grundlage eures impliziten (Führungs-)Anspruches den Christenmenschen gegenüber.
Fakt ist, keine Gottheit hat die Bibel geschrieben. Die Bibel ist Menschenwort inklusive der Äußerungen, die Jesus in den Mund gelegt werden. Die Theologie ist dann sekundäres Menschenwort, welches anderes primäres Menschenwort (Bibel) kommentiert bzw. daraus weitere Aussagen ableitet.
Damit sage ich nicht, dass Bibel und Theologie unnützes Zeug wären, und ich behaupte auch nicht, dass das wahre Wort Gottes den Menschen grundsätzlich nicht zugänglich wäre. Aber je nach "Vorbelastung" ist der Zugang mehr oder weniger schwer, was nicht ausschließt, dass er manchen gänzlich unmöglich ist - und von den verloren Seelen der Atheisten will ich erst gar nicht reden.
Veröffentlicht von: @steroDie Theologie ist dann sekundäres Menschenwort, welches anderes primäres Menschenwort (Bibel) kommentiert bzw. daraus weitere Aussagen ableitet.
Das ist alles richtig, SteRo. Aber was genau willst du?
Ich schrieb: Es gibt (in der Theologie) eine gewisse Art, die Bibel zu lesen. Und die stellt Christus als Mitte und Maßstab hin (und das ist seit den frühesten christlichen Schriften doch sehr stark "Konsens", das so zu tun).
Das, was du meinst, ist ein anderes Thema: Inwieweit liegt hier überhaupt eine göttliche Inspiration vor?
Davon sprach ich nicht. Ich sprach davon, wie man Bibeltexte betrachtet und auslegt, weil der TE fragte, wie Christen mit derlei Texten umgehen. Daher mein Beitrag dazu. Natürlich tut das nicht die GESAMTE Christenheit und ich kann natürlich nicht für alle sprechen, aber es ist doch sehr starker Konsens, das so zu tun. Da kannst du die frühesten Schriften und Kirchenväter usw. lesen, und eben die neutestamentlichen Autoren selbst, sie tun es alle so.
Das ist es, was ich schrieb. Dein Thema müsste man dann nochmal separat betrachten.