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Kritik am Christentum - Debattieren auf Niveau und mit Respekt

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Nitak34
Themenstarter
Beiträge : 21

Hallo liebe Community,

ich denke der Name des Threads macht meine Intentionen deutlich, sodass wir zeitnah in die Materie einsteigen können. Bevor ich aber loslege möchte ich noch einige Dinge zu mir sagen, der Höflichkeit halber :).

 

Ich bin ein junger Mann mit türkischen Wurzeln und dementsprechendem religiösen Background. Auch wenn ich nicht der frommste Mensch bin, habe ich durchaus einen Bezug zu meiner Religion. Leider ist die muslimische Ummah zunehmend Anfeindungen, Vorurteilen und menschenverachtenden Aussagen ausgesetzt. Oft wird dabei auf Koranverse zurückgegriffen, welche Gewalt propagieren bzw. legitimieren. Kritiker und Islamhasser benutzen oft die im Koran vorhandene Abrogation dafür, um positive Koranverse zu relativieren und sie durch grausame Verse zu ersetzen. Darüber möge sich bitte am Ende jeder ein eigenes Bild machen, denn ich bin nicht hier um zu missionieren, sondern um mit frommen Christen ein wenig über heikle Bibelverse zu debattieren. Mein Ziel dabei ist es nicht, dass Christentum abzuwerten oder mich für die Anfeindungen gegenüber dem Islam zu rächen. Viel mehr ist es mein Ziel ein tieferes Verständnis auch für euren Glauben zu bekommen, vor allem aber auch um zu sehen wie ihr, liebe Christen, mit Gewaltpropagierenden und antihumanistischen Versen in der Bibel umgeht und gegenargumentiert. 

 

Da das alte Testament vor gewalttätigen, menschenverachtenden und frauenfeindlichen Versen strotzt, möchte ich in diesem Thread hauptsächlich auf heikle Verse des NT eingehen. Ich habe ein paar Stellen rausgesucht, mit der wir eine hitzige aber bitte respektvolle Debatte führen können :).

 

 

Ich zitiere aus dem neuen Testament der Bibelübersetzung nach Hermann Menge.

Zitat lt. Bibel von Jesus aus dem Matthäusevangelium. Kapitel 10, Vers 34-36

"Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Nein, ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen, sondern das Schwert (=Krieg). Denn ich bin gekommen , um den Sohn mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter zu entzweien, und die eigenen Hausgenossen werden feindselig gegenüber stehen".

Steht stark im Gegensatz zur Nächstenliebe, welche lt. Christen von Jesus propagiert wird.

_____

Zitat lt. Bibel von Paulus aus dem 1.Korinther Brief. Kapitel 11, Vers 3

"Ich möchte euch aber zu bedenken geben, daß das Haupt (=Oberhaupt) jedes Mannes Christus ist, das Haupt der Frau aber ist der Mann, und das Haupt Christi ist Gott"

Ich denke die Rolle der Frau wird hier mehr als deutlich...

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Zitat lt. Bibel von Paulus aus dem 1.Korinther Brief. Kapitel 14, Vers 34-36

"Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen, denn es kann ihnen nicht gestattet werden zu reden, sondern sie haben sich unterzuordnen, wie auch das (mosaische) Gesetz es gebietet (1. Mose 3,16). Wünschen sie aber Belehrung über irgend etwas, so mögen sie daheim ihre Ehemänner befragen; denn es steht einer Frau übel an, sich in einer Gemeindeversammlung hören zu lassen. Oder ist etwa das Wort Gottes von euch ausgegangen oder zu euch allein hingekommen?"

Siehe oben...

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Mischzitat lt. Bibel von Jesus, seinen Jüngern, der kanaanäischen Frau und dem Erzähler aus dem Matthäusevangelium. Kapitel 15, Vers 21-24

"Jesus ging dann von dort weg und zog sich in die Gegend von Tyrus und Sidon zurück. Da kam eine kanaanäische Frau aus dem Gebiet her und rief ihn laut an >Erbarme dich meiner, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem bösen Geist schlimm geplagt< Er antwortete ihr aber kein Wort. Da traten seine jünger zu ihn: >Fertige sie doch ab! Sie schreit ja uns hinterher< Er (Jesus) aber antwortete >Ich bin nur zu den verlorenen Schafen Israels gesandt<.

Hier könnte man jetzt Kritik üben und sagen, dass der Vers aus dem Kontext gerissen ist, da Jesus ihr ja schlussendlich doch noch geholfen hat. Dennoch könnte man Jesus hier ein Klassendenken unterstellen. Eine Eigenschaft die einem vollkommenen Wesen eigentlich zuwider sein müsste.

 

 

So, ich denke das ist jetzt erstmal genug um die Debatte anzuheizen :).

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171 Antworten
Simba
 Simba
Beiträge : 389
Veröffentlicht von: @jack-black

Das Schwert ist ein Symbol für Krieg und tödliche Gewalt,

oder für "Recht" (Rö 13,4)

Die Zwietracht, die hier illustriert ist, kam dann ja auch: Menschen - sowohl aus Judentum wie auch Heidentum - die Christen wurden, bekamen Probleme, wurden verfolgt, Familien gingen auseinander, usw. Bei kirchlich-initiierten Kriegen und Kreuzzügen sind wir dort noch nicht, sondern die Autoren der neutestamentlichen Texte sind im oben beschriebenen Umfeld von Zwietracht durch diese neue Lehre, die um sich griff; zudem die Auseinandersetzung mit inneren Spaltungen (gnostische Strömungen, usw.), die ja auch in den Briefen dann Thema sind (Paulus, Petrus und Johannes).

Die Symbolik der Waffen und der Waffenrüstung - bezogen auf Glaube, Rede, Standhaftigkeit, usw. - kommt bei Paulus zudem auch mehrmals; ebenso das Gleichnis des Kämpfers/Athleten in der Arena, der seinen Siegeskranz dann bei Gott erhält. Damit ist kein Aufruf zu Krieg gemeint und auch kein Gutheißen solcherart Kriege, wie sie dann unter der Herrschaft der Kirche geführt wurden.

 

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Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@simba oder für "Recht" (Rö 13,4)

Das Schwert kann auch als Symbol für bestrafende Obrigkeit stehen, ja. Aber in dem vorher gebrachten Zitat ergibt diese Interpretation keinen Sinn, denn ganz klar wird da zwischen Frieden und Schwert kontrastiert. Es sei denn, unter Christen herrschte die Meinung vor, dass Frieden und Recht ein Gegensatzpaar bilden.

Die Zwietracht, die hier illustriert ist, kam dann ja auch: Menschen - sowohl aus Judentum wie auch Heidentum - die Christen wurden, bekamen Probleme, wurden verfolgt, Familien gingen auseinander, usw.

Ja. Sie bekamen nicht nur Probleme, sie wurden auch zum Problem für Leute, die vorher kein Problem mit ihnen gehabt hatten. Dass Jesus  dies voraussah (oder derjenige, der es ihm per vorliegendem Text in den Mund legte, sogar schon am eigenen Leib verspürt hatte, was die Sache dann um etwas weniger prophetisch ausschauen ließe) und von sich sagt, dass er genau dafür gekommen sei, bedeutet: er sah die Zwietracht selbst innerhalb von Familien voraus und - darin sich von keinem modernen Sektengründer unterscheidend - fand das nicht weiter schlimm, sondern wollte es sogar so haben.

Je genauer ich da hineindenke, desto skandalöser erscheint mir diese Passage, bzw. desto skandalöser müßten eigentlich jene Christen diese Passage empfinden, welche sonst soviel Wert auf "family values" legen: Jesus verkündet hier, dass ihm am Zusammenhalt von Familien wenig liegt, im Vergleich dazu, dass man seinen religiösen Vorstellungen folgt.

jack-black antworten


Simba
 Simba
Beiträge : 389
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich weiß, ich habe das jetzt wohl etwas vereinfacht, aber so etwas in der Art halt.

Ja allerdings 😀

simba antworten
Simba
 Simba
Beiträge : 389
Veröffentlicht von: @jack-black

er sah die Zwietracht selbst innerhalb von Familien voraus und - darin sich von keinem modernen Sektengründer unterscheidend - fand das nicht weiter schlimm, sondern wollte es sogar so haben.

Ich würde den Vergleich eher anders setzen:

denkst du, dass Menschen, die sich zur Zeit der Aufklärung aus dem alten dogmatischen Denken gelöst und befreit haben, Probleme bekamen und "Probleme waren" (in Gesellschaft, Familie, Freundeskreis, usw.) ? Vermutlich wohl ja, oder? Bleibt man dem dann treu oder lässt man es um des lieben Friedens willen?

Denkst du, dass zuvor im Mittelalter schon bspw. Waldenser es nicht angenehmer gehabt hätten, sie hätten sich der Kirche gefügt und schön den Mund gehalten, auch weniger Stress in der katholischen Gesellschaft, Familie, Freundeskreis usw.? Vermutlich schon, oder? Besser unterwerfen?

Denkst du, dass Menschen in streng islamischen Familien es nicht angenehmer hätten, sie würden sich der Ordnung der Familie einfach unterwerfen, statt davon freikommen zu wollen? Vermutlich schon, oder? Also besser schweigen?

So wird da für mich ein Schuh draus.

Wir befinden uns dort in einer Welt, in der - sowohl im Heidentum wie auch im Judentum - der Mensch den Zugang zum Göttlichen nur über den Kult findet, und in der man in der jüdischen Welt einen Messias erwartete, der die römische Herrschaft zerschlagen werde. Dann kommt dieser Mann aus Nazaret und sagt den Menschen: Dieser Gott, von dem ihr das Leben habt, ist für euch wie ein Vater und ihr wie seine Söhne und Töchter. Und wenn ihr verfehlt im Leben, dann kehrt zu ihm zurück, er wird euch aufnehmen wie ein Vater seinen verlorenen Sohn. Und das Reich, das ich bringe, ist "nicht von dieser Welt", keine politische Revolution, sondern Erkenntnis.

Und den Gelehrten wirft er vor: Ihr hättet den Menschen das lehren sollen ("die ihr die Schlüssel hattet, ihr habt den Menschen nicht aufgeschlossen"), aber ihr habt es nicht gemacht, sondern verzehntet sogar noch die Gewürze!

Und sieht richtig voraus: Das wird zu Trennung/Zerschneidung führen! (= das Schwert) Sie werden euch um meinetwillen verfolgen.

Dafür hat er sein Leben hingegeben.

 

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Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@simba So wird da für mich ein Schuh draus.

Ja, aus der Perspektive des Sektenmitglieds ergibt das vollkommenen Sinn. 🙂

Und wenn man sich vergegenwärtigt, wer diese Passage geschrieben hat - nämlich ein engagiertes Sektenmitglied ein paar Jahrzehnte nach dem Ableben Jesu, dem das Zitat hier unüberprüfbarerweise untergeschoben wird (Gotteswort in Menschenwort, gelle? 😉 ), kann man sehr gut nachvollziehen, warum es da steht.

 

Wir befinden uns dort in einer Welt, in der - sowohl im Heidentum wie auch im Judentum - der Mensch den Zugang zum Göttlichen nur über den Kult findet, (...) Dann kommt ...

 

... ein weiterer Kult hinzu. Dessen Führerfigur man nach seinem Tod Aussprüche zuordnete, nach welchen er das, was absehbarerweise eintrat - nämlich dass der neue Kult zu neuen Konflikten auf dem Markt der Kulte führen werde -

(...) richtig voraus (...)

sah. Ob diese Aussprüche überhaupt von dieser Führerfigur stammten, wird sich nicht feststellen lassen, feststellen läßt sich allerdings, dass ihre Aufnahme in den "Heiligen Text" des neuen Kults zu einem Zeitpunkt stattfand, als das in ihnen "Prophezeihte" schon längst stattfand: der Konflikt zwischen den Anhängern der unterschiedlichen Kulte, selbst innerhalb von Familien.

Wie auch immer: das ändert ja alles nichts am Wortsinn des Zitats: Dass Jesus gekommen sei, nicht um den Frieden, sondern um das Schwert (Krieg/Konflikt) zu bringen.

Dass es sehr gute Gründe gebe, einen Konflikt oder auch einen Krieg vom Zaum zu brechen, ist dann freilich ein altbekanntes Argumentationsmuster sämtlicher Ideologen. Und ja, manchmal würde ich sagen, dass diese Gründe objektiv gegeben sind - ich plädiere hier ja auch nicht dafür, jedem Konflikt "nur um des lieben Friedens willen" aus dem Weg zu gehen. Nur kann man eben nicht sagen, dass das Christentum eine Religion des Friedens sei, und gleichzeitig behaupten, dass der, welcher angeblich (!) sagte, er sei nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, diese Friedlichkeit verkörpere.

Jedenfalls nicht, wenn man intellektuell redlich sein will und gleichzeitig andere Ideologien wie den Islam anhand ihrer "Heiligen Texte" der Unfriedlichkeit zeiht.

 

jack-black antworten


Simba
 Simba
Beiträge : 389
Veröffentlicht von: @jack-black

Ja, aus der Perspektive des Sektenmitglieds ergibt das vollkommenen Sinn. 🙂

Und wenn man sich vergegenwärtigt, wer diese Passage geschrieben hat - nämlich ein engagiertes Sektenmitglied ein paar Jahrzehnte nach dem Ableben Jesu, dem das Zitat hier unüberprüfbarerweise untergeschoben wird (Gotteswort in Menschenwort, gelle? 😉 ), kann man sehr gut nachvollziehen, warum es da steht.

Ganz genau. Das hast du schön zusammengefasst.

Dann können wir beide zufrieden sein. Du hast das deine erklärt, ich ebenfalls (damit Leute das auch lesen können und nicht mit deinem etwa alleine bleiben)

 

simba antworten
Simba
 Simba
Beiträge : 389
Veröffentlicht von: @jack-black

Jedenfalls nicht, wenn man intellektuell redlich sein will und gleichzeitig andere Ideologien wie den Islam anhand ihrer "Heiligen Texte" der Unfriedlichkeit zeiht.

Wurde das hier gemacht? Ich hab mir nicht alles durchgelesen, würde aber mal anfragen. Was ich bislang gesehen habe ist, dass ein Muslim hier Texte ansprach und dies reflektiert wurde, oder?

Das Christentum ist nicht "friedlicher" als der Islam. Im Gegenteil: die Christentumsgeschichte ist ein Blutbad. Und diese Geschichte und dieses Blutbad sind nicht im Sinne Gottes. Genauso, wie die Gräueltaten atheistischer Regierungen nicht im Sinne jenes Humanismus und jener Volksliebe sind, die sie da behauptet haben und die keines Gottes bedurfte. 

Diese Sachen kann man permanent gegeneinander aufrechnen, das ist ziemlich unsinnig. Das Problem sind Ideologien und Macht. Als das Christentum an die Macht kam mit der Konstantinischen Wende, gingen die Probleme los. Die Bischöfe (zuvor Verfolgte) begrüßten das neue Ansehen im Reich und korrespondierten gerne mit den Machthabern; endlich keine Verfolgten mehr.

 

simba antworten
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Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@simba Wurde das hier gemacht?

Nein, nicht hier in diesem Thread. Aber der TE sprach ja an, wie sonst so in unserer Gesellschaft Muslimen mit derartiger "Kritik" begegnet wird. Zitat aus dem Eingangsposting:

Leider ist die muslimische Ummah zunehmend Anfeindungen, Vorurteilen und menschenverachtenden Aussagen ausgesetzt. Oft wird dabei auf Koranverse zurückgegriffen, welche Gewalt propagieren bzw. legitimieren.

Darauf bezog ich mich.

jack-black antworten


Nitak34
Themenstarter
Beiträge : 21
Veröffentlicht von: @simba

Wurde das hier gemacht? Ich hab mir nicht alles durchgelesen, würde aber mal anfragen.

Also ein regelrechtes Islambashing fand (zu meinem Erstaunen) tatsächlich nicht statt. Es gab zwar den ein oder anderen Kommentar in Richtung politisches Herrschaftssystem, allerdings ist das Kritik mit der man leben kann. Leider wird hierzulande medial immer wieder das Bild des politischen Islam in die Köpfe der Menschen projiziert. Die theologischen Aspekte jedoch, finden kaum Beachtung.

nitak34 antworten
11 Antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 6191

@nitak34

Die theologischen Aspekte jedoch, finden kaum Beachtung.

 

Welche wären denn das? Und welche Relevanz sollten sie haben?

Ich antworte hier jetzt doch mal etwas grundsätzlicher, obwohl Du ja erst ab übermorgen Zeit hast, da auch grundsätzlicher zu antworten...

Also: Wenn es Dir um "theologische Aspekte" geht und gleichzeitig um "Kritik am Christentum", hast Du das falsche Unterforum gewählt. Statt "Bibelstellen" wäre "Theologie" vermutlich passender gewesen. Vielleicht jedoch bist Du Dir selbst auch noch uneins, worum es Dir überhaupt im Kern geht, was Deine eigentlichen Motive sind, Dich hier in die christliche Löwenhöhle zu wagen.

Wenn Du Kritik am Christentum üben willst, dann kommst Du damit, ein paar Bibelstellen aufzulisten, die man so oder so interpretieren könnte, nicht sonderlich viel weiter. So wenig, wie man mit einer grundsätzlichen Kritik am Islam nicht weit kommt, wenn man sich bloß mal ein paar Koransuren heraussucht.

Falls ich es richtig verstanden habe, hast Du die Erfahrung gemacht, dass "den Muslimen" häufig nach folgendem Muster eine Kritik entgegengebracht wird:

Ein paar Koran-Stellen werden herausgepickt, in denen von Krieg und Gewalt, vom Töten oder Übervorteilen der Ungläubigen, vom Schlagen ungehorsamer Weiber oder dem Umgang mit Apostaten die Rede ist und dann wird gesagt: "So ist der Islam! Wie kann man das als Religion des Friedens bezeichnen?"

Das findest Du irgendwie unfair, da findest Du, der Islam würde falsch gezeichnet. Denn schließlich hast Du diese Religion und die Anhänger dieser Religion ganz anders kennen gelernt. Okay - so weit, so nachvollziehbar.

Aber was tust Du nun? Du kommst in ein Christenforum und beginnst damit, einzelne Bibelstellen herauszupicken, die so oder so interpretiert werden könnten. So what?! Hast Du nicht am eigenen religiösen Leib erfahren, wie kontraproduktiv eine solche diskursive Vorgehensweise ist? Hast Du Dich durch das Anführen jener fragwürdigen Koranstellen in Deiner religiösen Ausrichtung beeinflussen lassen? Warum sollte bei anderen eine Diskursstrategie verfangen, die bei Dir selbst versagte?!

 

Du hattest an einer Stelle (zu der ich nachgefragt hatte) es ja so dargestellt, dass manche junge/unbelesene/koranunkundige Muslime dann, wenn ihnen solche Koranstellen vorgehalten werden, in eine Art Schockstarre verfallen. Nun wirst Du, wenn Du Dir junge, bibelunkundige Christen beiseite nimmst und ihnen gewisse Bibelpassagen vorhältst, vermutlich ähnliche Reaktionen bekommen. "Denn sie wissen nicht, was sie glauben."

Aber warum geht es Dir nun? Dein Einstiegsposting kann man als ein umfangreiches tu quoque interpretieren. Seine Botschaft lautet: Ihr Christen habt doch auch fragwürdige Passagen in Eurem Heiligen Text!

Ja - und nu? Lösen sich dann, wenn ein Christ dies eingesteht, die fragwürdigen Passagen im Koran in Luft auf? Nein. Wenn ein Raucher mir sagt, dass Rauchen Lungenkrebs auslösen kann, hat er in der Sache recht, egal, wieviele Ziesen er sich pro Stunde reinpfeift.

Für gründlicher denkende Religionskritiker sind übrigens "theologische Aspekte" häufig sehr unwichtig. Über die christliche Religion weiß ich vermutlich etwas mehr als über die mohammedanische Religion (es hat übrigens einen Grund, warum ich da mohammedanisch statt muslimisch schreibe, richtiger wäre es denn auch, von der paulinischen statt der christlichen Religion zu schreiben, aber ja mei- die Bezeichnung christlich hat sich derart stark eingeprägt, dass ich mir da die Unterscheidung spare), meine Kritik an den Theologien beider Religionen ist aber sehr simpel und sturkturgleich: sie sind von Grund auf, und zwar schon aufgrund ihrer Methodik, unvernünftig, Theologie ist keine satisfaktionsfähige Wissenschaft, ihre Aussagen sind im Wesentlichen nicht falsifizierbar.

Was schert mich als Aussenstehenden, was im Koran steht oder was in der Bibel steht? Warum sollte ich dem einen oder dem anderen Text irgendwelche Autorität zugestehen? Die epistemologischen Grundfehler sind in der mohammedanischen und der christlichen Religion die gleichen: das argumentum ad auctoritatem, das Autoritätsargument, steht an erster Stelle und wird in beiden Religionen als gültig behandelt und mit dem schönen Wort "Offenbarung" behängt. Epistemologisch ist es jedoch weiterhin ein glatter Fehlschluß, d.h. als Argument ungültig. Die "theologischen Feinheiten", die sophistischen Ziselierungen einer religiösen Logik interessieren denjenigen nicht, der schon ihren Prämissen nicht zustimmen mag.

Wer hierzulande Mohammedanern mit bestimmten Koransuren kommt, der interessiert sich eigentlich nicht wirklich für die mohammedanische Theologie, sondern der hat gesellschaftspolitische Interessen. Er sieht, dass religiös motivierte Selbstmordattentate in der überwiegenden Zahl von Mohammedanern begangen werden. Er hat etwas gegen bestimmte mohammedanische Moralvorstellungen. Er empfindet den Islam als kulturell expansionistisch. Er will nicht, dass die mohammedanische Weltanschauung die hierzulande vorherrschende Weltanschauung ablöst. Das ist einerseits der in der Natur der Leute liegende Platzhirschismus, dafür gibt's aber andererseits auch weitere Gründe: Blicke auf Gesellschaften, in denen die mohammedanische Lehre vorherrscht und den Blick darauf, wie diese Lehre untrennbar mit dem Politischen vermengt ist (der einzige für mich wesentliche Unterschied zwischen der mohammedanischen und der christlichen Religion ist tatsächlich derjenige, dass die 2-Welten-Lehre im Kern-Narrativ des Christlichen verankert ist, und bei den Mohammedanern fehlt).

Dass man den Mohammedanern dann mit bestimmten Koran-Stellen kommt, hängt vermutlich damit zusammen, dass sie selbst daran gewöhnt sind, Autoritätsargumente als gültig anzuerkennen. Dass man vielen Christen ebenso mit bestimmten Bibelzitaten auf den Senkel gehen kann, liegt an demselben Umstand: sie vermögen nicht, Autoritätsargumente mit Verweis auf deren inexistenten Beweiswert abzuwehren - weil eben ihre ganze Ideologie auf der Anerkennung von Autoritätsargumenten fußt.

Kurz: Du wirst zwar, wenn Du Dich rhethorisch schulst, viele Streitgespräche zwischen Christen und Muslimen mit anhörst/analysierst, oder hier in einem christlichen Forum unter "realistischen Bedingungen trainierst", vielleicht am Ende besser, härter, schneller "zurückschlagen" können, indem Du Hinweise auf fragwürdige Koranstellen ruckzuck, gleichsam schon reflexhaft, mit Hinweisen auf fragwürdige Bibelstellen konterst. Aber weder wirst Du damit irgendjemanden, der nicht ohnehin schon Mohammedaner ist, davon überzeugen können, dass die benannten Koranstellen fehlerfrei und tadellos seien, noch wirst Du solcherart fundierte Christentums-Kritik betreiben. Du kannst dann womöglich "als Sieger" aus einer Debatte herausgehen, aber nur als Sieger in den Augen der Zuschauer, nicht als Sieger in der Sache: durch das Anführen einer "falschen" Bibelstelle wird eine falsche Koranstelle nicht wahrer.

Wenn Du dann noch Dich in christliche Kreise begibst zwecks solch eines Unterfangens, mußt Du damit rechnen, dass sie Dich allein aufgrund ihres Trainingsvorsprungs immer noch schlecht aussehen lassen. Der Begriff "Niederbibeln" ist mir erstmals in einem christlichen Forum begegnet, ebenso der Bibabo (Bibel-Bastel-Bogen): das Spiel, einzelne Bibelpassagen zu relativieren, per Verweis auf andere Bibelpassagen praktisch in der Aussagetendenz um 180° zu drehen usw. - das wird von vielen frommen Christen ziemlich perfekt beherrscht, weil sie's untereinander ständig betreiben.

Falls Du vorhaben solltest, hier ein paar "Tricks" zu lernen, die Du dann an weniger koranbelesene junge Mohammedaner-Padawans weitergeben kannst, um sie für weltanschauliche Diskussionen in der Zukunft besser auszurüsten, so sei gewarnt: die Sache könnte nach hinten losgehen. Die von Dir weiter oben angesprochene "Schockstarre" ist schließlich auch eine Art Verteidigungsmechanismus, der gegenüber deutlich überlegenen Gegnern eingesetzt wird, um die unzweifelhaft zu erwartende Verletzung möglichst gering zu halten, bzw. dafür zu sorgen, dass der Gegner desinteressiert sich abwendet.

Stell Dir vor, ein mohammedanisches Mädel läßt sich von Dir entsprechend instruieren und trifft als nächstes auf einen wie mich, der ihr die eine oder andere Koransure um die Ohren haut. Und dann hebt sie an: "Aber bei Euch in der Bibel stehen auch so Stellen." Je nach Tagesform werde ich mir dann so ein gefundenes Fressen nicht entgehen lassen, sondern sie auf diesem gefährlichen Argumentationspfad so lange freundlich nachfragend weitertappen lassen, bis sie sich in den epistemologischen Zugeständnissen, die sie mir auf dem Weg gemacht hat, hoffnungslos verheddert... 😉

jack-black antworten
Nitak34
(@nitak34)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 21
Veröffentlicht von: @jack-black

@nitak34

Die theologischen Aspekte jedoch, finden kaum Beachtung.

 

Welche wären denn das? Und welche Relevanz sollten sie haben?

Ich antworte hier jetzt doch mal etwas grundsätzlicher, obwohl Du ja erst ab übermorgen Zeit hast, da auch grundsätzlicher zu antworten...

Also: Wenn es Dir um "theologische Aspekte" geht und gleichzeitig um "Kritik am Christentum", hast Du das falsche Unterforum gewählt. Statt "Bibelstellen" wäre "Theologie" vermutlich passender gewesen. Vielleicht jedoch bist Du Dir selbst auch noch uneins, worum es Dir überhaupt im Kern geht, was Deine eigentlichen Motive sind, Dich hier in die christliche Löwenhöhle zu wagen.

Wenn Du Kritik am Christentum üben willst, dann kommst Du damit, ein paar Bibelstellen aufzulisten, die man so oder so interpretieren könnte, nicht sonderlich viel weiter. So wenig, wie man mit einer grundsätzlichen Kritik am Islam nicht weit kommt, wenn man sich bloß mal ein paar Koransuren heraussucht.

Falls ich es richtig verstanden habe, hast Du die Erfahrung gemacht, dass "den Muslimen" häufig nach folgendem Muster eine Kritik entgegengebracht wird:

Ein paar Koran-Stellen werden herausgepickt, in denen von Krieg und Gewalt, vom Töten oder Übervorteilen der Ungläubigen, vom Schlagen ungehorsamer Weiber oder dem Umgang mit Apostaten die Rede ist und dann wird gesagt: "So ist der Islam! Wie kann man das als Religion des Friedens bezeichnen?"

Das findest Du irgendwie unfair, da findest Du, der Islam würde falsch gezeichnet. Denn schließlich hast Du diese Religion und die Anhänger dieser Religion ganz anders kennen gelernt. Okay - so weit, so nachvollziehbar.

Aber was tust Du nun? Du kommst in ein Christenforum und beginnst damit, einzelne Bibelstellen herauszupicken, die so oder so interpretiert werden könnten. So what?! Hast Du nicht am eigenen religiösen Leib erfahren, wie kontraproduktiv eine solche diskursive Vorgehensweise ist? Hast Du Dich durch das Anführen jener fragwürdigen Koranstellen in Deiner religiösen Ausrichtung beeinflussen lassen? Warum sollte bei anderen eine Diskursstrategie verfangen, die bei Dir selbst versagte?!

 

Du hattest an einer Stelle (zu der ich nachgefragt hatte) es ja so dargestellt, dass manche junge/unbelesene/koranunkundige Muslime dann, wenn ihnen solche Koranstellen vorgehalten werden, in eine Art Schockstarre verfallen. Nun wirst Du, wenn Du Dir junge, bibelunkundige Christen beiseite nimmst und ihnen gewisse Bibelpassagen vorhältst, vermutlich ähnliche Reaktionen bekommen. "Denn sie wissen nicht, was sie glauben."

Aber warum geht es Dir nun? Dein Einstiegsposting kann man als ein umfangreiches tu quoque interpretieren. Seine Botschaft lautet: Ihr Christen habt doch auch fragwürdige Passagen in Eurem Heiligen Text!

Ja - und nu? Lösen sich dann, wenn ein Christ dies eingesteht, die fragwürdigen Passagen im Koran in Luft auf? Nein. Wenn ein Raucher mir sagt, dass Rauchen Lungenkrebs auslösen kann, hat er in der Sache recht, egal, wieviele Ziesen er sich pro Stunde reinpfeift.

Für gründlicher denkende Religionskritiker sind übrigens "theologische Aspekte" häufig sehr unwichtig. Über die christliche Religion weiß ich vermutlich etwas mehr als über die mohammedanische Religion (es hat übrigens einen Grund, warum ich da mohammedanisch statt muslimisch schreibe, richtiger wäre es denn auch, von der paulinischen statt der christlichen Religion zu schreiben, aber ja mei- die Bezeichnung christlich hat sich derart stark eingeprägt, dass ich mir da die Unterscheidung spare), meine Kritik an den Theologien beider Religionen ist aber sehr simpel und sturkturgleich: sie sind von Grund auf, und zwar schon aufgrund ihrer Methodik, unvernünftig, Theologie ist keine satisfaktionsfähige Wissenschaft, ihre Aussagen sind im Wesentlichen nicht falsifizierbar.

Was schert mich als Aussenstehenden, was im Koran steht oder was in der Bibel steht? Warum sollte ich dem einen oder dem anderen Text irgendwelche Autorität zugestehen? Die epistemologischen Grundfehler sind in der mohammedanischen und der christlichen Religion die gleichen: das argumentum ad auctoritatem, das Autoritätsargument, steht an erster Stelle und wird in beiden Religionen als gültig behandelt und mit dem schönen Wort "Offenbarung" behängt. Epistemologisch ist es jedoch weiterhin ein glatter Fehlschluß, d.h. als Argument ungültig. Die "theologischen Feinheiten", die sophistischen Ziselierungen einer religiösen Logik interessieren denjenigen nicht, der schon ihren Prämissen nicht zustimmen mag.

Wer hierzulande Mohammedanern mit bestimmten Koransuren kommt, der interessiert sich eigentlich nicht wirklich für die mohammedanische Theologie, sondern der hat gesellschaftspolitische Interessen. Er sieht, dass religiös motivierte Selbstmordattentate in der überwiegenden Zahl von Mohammedanern begangen werden. Er hat etwas gegen bestimmte mohammedanische Moralvorstellungen. Er empfindet den Islam als kulturell expansionistisch. Er will nicht, dass die mohammedanische Weltanschauung die hierzulande vorherrschende Weltanschauung ablöst. Das ist einerseits der in der Natur der Leute liegende Platzhirschismus, dafür gibt's aber andererseits auch weitere Gründe: Blicke auf Gesellschaften, in denen die mohammedanische Lehre vorherrscht und den Blick darauf, wie diese Lehre untrennbar mit dem Politischen vermengt ist (der einzige für mich wesentliche Unterschied zwischen der mohammedanischen und der christlichen Religion ist tatsächlich derjenige, dass die 2-Welten-Lehre im Kern-Narrativ des Christlichen verankert ist, und bei den Mohammedanern fehlt).

Dass man den Mohammedanern dann mit bestimmten Koran-Stellen kommt, hängt vermutlich damit zusammen, dass sie selbst daran gewöhnt sind, Autoritätsargumente als gültig anzuerkennen. Dass man vielen Christen ebenso mit bestimmten Bibelzitaten auf den Senkel gehen kann, liegt an demselben Umstand: sie vermögen nicht, Autoritätsargumente mit Verweis auf deren inexistenten Beweiswert abzuwehren - weil eben ihre ganze Ideologie auf der Anerkennung von Autoritätsargumenten fußt.

Kurz: Du wirst zwar, wenn Du Dich rhethorisch schulst, viele Streitgespräche zwischen Christen und Muslimen mit anhörst/analysierst, oder hier in einem christlichen Forum unter "realistischen Bedingungen trainierst", vielleicht am Ende besser, härter, schneller "zurückschlagen" können, indem Du Hinweise auf fragwürdige Koranstellen ruckzuck, gleichsam schon reflexhaft, mit Hinweisen auf fragwürdige Bibelstellen konterst. Aber weder wirst Du damit irgendjemanden, der nicht ohnehin schon Mohammedaner ist, davon überzeugen können, dass die benannten Koranstellen fehlerfrei und tadellos seien, noch wirst Du solcherart fundierte Christentums-Kritik betreiben. Du kannst dann womöglich "als Sieger" aus einer Debatte herausgehen, aber nur als Sieger in den Augen der Zuschauer, nicht als Sieger in der Sache: durch das Anführen einer "falschen" Bibelstelle wird eine falsche Koranstelle nicht wahrer.

Wenn Du dann noch Dich in christliche Kreise begibst zwecks solch eines Unterfangens, mußt Du damit rechnen, dass sie Dich allein aufgrund ihres Trainingsvorsprungs immer noch schlecht aussehen lassen. Der Begriff "Niederbibeln" ist mir erstmals in einem christlichen Forum begegnet, ebenso der Bibabo (Bibel-Bastel-Bogen): das Spiel, einzelne Bibelpassagen zu relativieren, per Verweis auf andere Bibelpassagen praktisch in der Aussagetendenz um 180° zu drehen usw. - das wird von vielen frommen Christen ziemlich perfekt beherrscht, weil sie's untereinander ständig betreiben.

Falls Du vorhaben solltest, hier ein paar "Tricks" zu lernen, die Du dann an weniger koranbelesene junge Mohammedaner-Padawans weitergeben kannst, um sie für weltanschauliche Diskussionen in der Zukunft besser auszurüsten, so sei gewarnt: die Sache könnte nach hinten losgehen. Die von Dir weiter oben angesprochene "Schockstarre" ist schließlich auch eine Art Verteidigungsmechanismus, der gegenüber deutlich überlegenen Gegnern eingesetzt wird, um die unzweifelhaft zu erwartende Verletzung möglichst gering zu halten, bzw. dafür zu sorgen, dass der Gegner desinteressiert sich abwendet.

Stell Dir vor, ein mohammedanisches Mädel läßt sich von Dir entsprechend instruieren und trifft als nächstes auf einen wie mich, der ihr die eine oder andere Koransure um die Ohren haut. Und dann hebt sie an: "Aber bei Euch in der Bibel stehen auch so Stellen." Je nach Tagesform werde ich mir dann so ein gefundenes Fressen nicht entgehen lassen, sondern sie auf diesem gefährlichen Argumentationspfad so lange freundlich nachfragend weitertappen lassen, bis sie sich in den epistemologischen Zugeständnissen, die sie mir auf dem Weg gemacht hat, hoffnungslos verheddert... 😉

So, es gab eine deutliche zeitliche Verzögerung aber leider ging es nicht anders ;).

 

Zunächst zu den theologischen Aspekten:

Hierzulande wird nun immer wieder der politische Islam in die Köpfe der Menschen projiziert. Der Islam als Ideologie und Staatsgrundlange. Dass die theologischen Aspekte natürlich eine Relevanz haben, hat den Sinn, dann man so gründlich bestimme Koranverse aufarbeitet um den wirklichen, zeitgeschichtlichen Sinn zu verstehen. Es wird nämlich schnell klar, dass der Islam abseits eines politischen Konstrukts eine friedliebende Religion ist.

Würde man die Bibel politisieren, dann wäre dieses Werk ebenfalls durchaus in der Lage einen grausamen Machtapparat zu bilden. Nun ist die Bibel ja, wie hier eingangs erwähnt, durch das "Fegefeuer der Aufklärung" gewandert. Ein Aspekt der beim Islam fehlt. Es gibt mir regelrecht das Gefühl, dass Menschen in hohen Positionen eine sachliche Aufklärung des Islams verhindern, um das Feindbild weiterbestehen lassen zu können. Verwunderlich ist das nicht, schließlich hat Europa historisch betrachtet keine friedliche Vergangenheit mit den Muslimen.

Allerdings wirkt dein Text ein bisschen so nach dem Motto: "Du allein kannst ja eh nichts bewirken, die Menschen haben medial nun mal eine gesellschaftspolitisch beeinflusste Meinung vom Islam und interessieren sich nicht für theologische Aspekte".

Ich sehe das ein bisschen anders.

Es ist wie mit dem Klimawandel. Die Menschen tuen nichts, frei nach dem Gedanken "ich allein bewirke doch eh nichts". Das, wenn jeder so denkt, kein akzeptables Ergebnis dabei rumkommt ist doch klar. Ich sehe es als meine Aufgabe, und wenn auch nur in einem kleinen Forum, über den Islam ein wenig aufzuklären. Zugegeben, dass ist hier jetzt nur indirekt passiert, da ich ja vorrangig eben Kritik am Christentum üben wollte. Allerdings tue ich das nicht, um m ich rhetorisch zu schulen und auf der Straße Da'wa zu betreiben, sondern mich hat es vorrangig tatsächlich interessiert wie Christen auf sowas reagieren und argumentieren. 

Selbstverständlich sind aber auch alle dazu eingeladen Koranverse zu zitieren, über die wir uns unterhalten können (nur so am Rande).

 

nitak34 antworten
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@nitak34 Moin.

Hierzulande wird nun immer wieder der politische Islam in die Köpfe der Menschen projiziert. Der Islam als Ideologie und Staatsgrundlange.

Hm. Was denkst du - woran liegt das? Ich gebe mal meine Wahrnehmung wieder, die natürlich subjektiv ist: Da, wo der Islam in der Mehrheit ist, agiert er politisch. Und ich habe hier viele Muslime getroffen (besonders solche, die eifrige Verfechter ihrer Religion waren), die mir genau das auch zum Teil sehr engagiert bestätigt haben: "Sobald wir was zu sagen haben, sorgen wir dafür, dass der politische Islam hier durchgesetzt wird!"

Und da kann der Islam "abseits der Politik" noch so friedliebend genannt werden - das, was zu sehen ist vom Verhalten vieler Muslime, besonders der "observanten", spricht eine andere Sprache. So haben mir sehr friedliebende junge Leute, die sehr unpolitisch waren, schon sehr treuherzig gesagt, dass sie mich zwar eine gute Lehrerin und auch total nett fänden, dass mein Verhalten aber in islamischer Umgebung wenigstens mit Schlägen bestraft werden würde, und dass sie das auch gut und richtig fänden, und ihre eigenen Schwestern würden sie, wenn die auch nur ansatzweise solches Verhalten zeigten, notfalls grün und blau prügeln, um sie zum Gehorsam zu bringen...

Von der Art, wie Regierungen und "die Menschen an der Macht" (bis "runter" zu Vätern, Brüdern, Söhnen) mit denen umgehen, über die sie Macht haben, ganz zu schweigen. An Afghanistan, aber auch an anderen Ländern, Ägypten z.B., kann man mMn sehr schön sehen, dass da eine "Läuterung durch Aufklärung" gar nicht gewollt ist. Die aktuelle Entwicklung deutet da jedenfalls wenig drauf hin. Und das hat mit dem, was Europa will, kann oder tut, wenig zu tun.

Wie, denkst du, könnte denn eine "Läuterung des Islam" aussehen?

Als Teil einer Gemeindeleitung einer christlichen Gemeinde kenne ich die oft neuen, immer wiederkehrenden Momente, in denen man sich positionieren muss, in denen man sich eben hinstellen muss, und laut erklären und bekennen, dass und warum man die eine Bibelstelle höher bewertet als die andere. Zum Beispiel, dass und warum man meint, Paulus' Empfehlung, die Frau schweige in der Gemeinde, sei in evangelischen Gemeinden heute nicht mehr wörtlich zu nehmen. Oder dass und warum man meint, dass es sehr wohl möglich ist, in einem Gottesdienst eine weltlich geschlossene homosexuelle Ehe zu segnen. Die Tendenz, die ich sehe, seit Jahrhunderten, ist die zu Liebe, die Offenheit beinhaltet. Nicht völlige, willkürliche Offenheit, also keine Beliebigkeit. Aber die Prüfung einer Einschränkung oder Ablehnung mit dem "Filter" des Liebesgebotes. Dabei gibt es Wellenbewegungen. Aber die Tendenz ist erkennbar.

Im Islam... bin ich zu wenig gebildet. Aber das Klischee zeichnet ja das Mittelalter als eine Zeit, in der Kunst und Wissenschaft blühten, Heilkunst und Mathematik ... und dann kippte das wieder, und die Versuche, es zu ändern - sind doch eher selten erfolgreich, oder? Die Türkei wandelt sich zurück zu strenger Religiosität. Afghanistan wurde schon genannt. Im Iran gibt es gerade eine Welle, aber ob die etwas ändern wird, oder letztlich versandet? Der "arabische Frühling" - wo hat er tatsächlich zu einer freieren, offeneren Gesellschaft geführt? Wo gibt es "islamische Aufklärung", die nicht brutal unterdrückt wird? Und ist der Koran tatsächlich geeignet, solche eine "Aufklärung" voranzutreiben und dann zu verfestigen? Von der Bibel würde ich das sagen wollen, den Koran kenne ich zu wenig, was ich so in Vorlesungen gehört habe, sprach eher nicht so dafür, meine ich zu erinnern. Erzähl mal.

 

Gruß und Segen
lubov

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Nitak34
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@nitak34 Moin.

Hierzulande wird nun immer wieder der politische Islam in die Köpfe der Menschen projiziert. Der Islam als Ideologie und Staatsgrundlange.

Hm. Was denkst du - woran liegt das? Ich gebe mal meine Wahrnehmung wieder, die natürlich subjektiv ist: Da, wo der Islam in der Mehrheit ist, agiert er politisch. Und ich habe hier viele Muslime getroffen (besonders solche, die eifrige Verfechter ihrer Religion waren), die mir genau das auch zum Teil sehr engagiert bestätigt haben: "Sobald wir was zu sagen haben, sorgen wir dafür, dass der politische Islam hier durchgesetzt wird!"

Und da kann der Islam "abseits der Politik" noch so friedliebend genannt werden - das, was zu sehen ist vom Verhalten vieler Muslime, besonders der "observanten", spricht eine andere Sprache. So haben mir sehr friedliebende junge Leute, die sehr unpolitisch waren, schon sehr treuherzig gesagt, dass sie mich zwar eine gute Lehrerin und auch total nett fänden, dass mein Verhalten aber in islamischer Umgebung wenigstens mit Schlägen bestraft werden würde, und dass sie das auch gut und richtig fänden, und ihre eigenen Schwestern würden sie, wenn die auch nur ansatzweise solches Verhalten zeigten, notfalls grün und blau prügeln, um sie zum Gehorsam zu bringen...

Von der Art, wie Regierungen und "die Menschen an der Macht" (bis "runter" zu Vätern, Brüdern, Söhnen) mit denen umgehen, über die sie Macht haben, ganz zu schweigen. An Afghanistan, aber auch an anderen Ländern, Ägypten z.B., kann man mMn sehr schön sehen, dass da eine "Läuterung durch Aufklärung" gar nicht gewollt ist. Die aktuelle Entwicklung deutet da jedenfalls wenig drauf hin. Und das hat mit dem, was Europa will, kann oder tut, wenig zu tun.

Wie, denkst du, könnte denn eine "Läuterung des Islam" aussehen?

Als Teil einer Gemeindeleitung einer christlichen Gemeinde kenne ich die oft neuen, immer wiederkehrenden Momente, in denen man sich positionieren muss, in denen man sich eben hinstellen muss, und laut erklären und bekennen, dass und warum man die eine Bibelstelle höher bewertet als die andere. Zum Beispiel, dass und warum man meint, Paulus' Empfehlung, die Frau schweige in der Gemeinde, sei in evangelischen Gemeinden heute nicht mehr wörtlich zu nehmen. Oder dass und warum man meint, dass es sehr wohl möglich ist, in einem Gottesdienst eine weltlich geschlossene homosexuelle Ehe zu segnen. Die Tendenz, die ich sehe, seit Jahrhunderten, ist die zu Liebe, die Offenheit beinhaltet. Nicht völlige, willkürliche Offenheit, also keine Beliebigkeit. Aber die Prüfung einer Einschränkung oder Ablehnung mit dem "Filter" des Liebesgebotes. Dabei gibt es Wellenbewegungen. Aber die Tendenz ist erkennbar.

Im Islam... bin ich zu wenig gebildet. Aber das Klischee zeichnet ja das Mittelalter als eine Zeit, in der Kunst und Wissenschaft blühten, Heilkunst und Mathematik ... und dann kippte das wieder, und die Versuche, es zu ändern - sind doch eher selten erfolgreich, oder? Die Türkei wandelt sich zurück zu strenger Religiosität. Afghanistan wurde schon genannt. Im Iran gibt es gerade eine Welle, aber ob die etwas ändern wird, oder letztlich versandet? Der "arabische Frühling" - wo hat er tatsächlich zu einer freieren, offeneren Gesellschaft geführt? Wo gibt es "islamische Aufklärung", die nicht brutal unterdrückt wird? Und ist der Koran tatsächlich geeignet, solche eine "Aufklärung" voranzutreiben und dann zu verfestigen? Von der Bibel würde ich das sagen wollen, den Koran kenne ich zu wenig, was ich so in Vorlesungen gehört habe, sprach eher nicht so dafür, meine ich zu erinnern. Erzähl mal.

 

Gruß und Segen
lubov

Hey,

 

es gibt auf dieser Welt 48 Staaten, welche mehrheitlich von Muslimen bewohnt werden. Von den 48 Staaten, praktizieren aber nur 14 die Scharia juristisch vollumfänglich. Weitere 16 Länder haben ein säkulares Rechtssystem, in denen die Scharia ausschließlich im Privatrecht gebrauch findet (Ehe, Scheidung, Erbrechte, Sorgerechte). Der ganze Rest hat ein vollständig säkulares Rechtssystem. 

Das nur mal am Rande erwähnt. Nicht in jedem muslimischen Land, wird die die Hand abgehackt, wenn du mal ne Packung TicTacs klaust ;).

 

Der Islam kann nicht durch die Aufklärung wandern, wenn er an jeder Stelle kritisiert wird. Es ist schlichtweg nicht möglich eine fundierte Aufklärung zu betreiben, wenn der Islam einer ständigen Diffamierung ausgesetzt wird. Ich gebe dir ein Beispiel:

Die Sure 9 im Koran ist die jüngste aller Suren. Nach dem Prinzip der Abrogation, sind die Verse aus Sure 9 also aus Augen der Islamkritiker die aktuellsten und lösen eine Menge Verse vorausgegangener Suren ab. In Sure 9, stehen folgende Verse

 

Sure 9,1

"Eine Lossagung von Allah und Seines Gesandten an diejenigen unter den Götzendienern, mit denen ihre den Vertrag geschlossen habt"

ferner...

"Wenn nun die Schutzmonate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf! Wenn sie aber bereuen, das Gebet verrichten und die Abgabe entrichten, dann lasst sie ihres Weges ziehen! Gewiss, Allah ist Allvergebend und Barmherzig"

 

Hier sehen Kritiker und unwissende nun eine Legitimation Ungläubige, Götzendiener zu töten. In gewisser Maßen seien ja nun mal auch die Christen Götzendiener in den Augen der Muslime, da sie Jesus als Gott betrachten. Das ist aber ein Trugschluss. Denn es heißt ebenfalls im Koran:

 

Sure 2, 62

"Gewiss diejenigen, die glauben, und diejenigen, die dem Judentum angehören und die Christen und Säbier (=Mandäer) - wer immer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt und rechtschaffen handelt, - die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, und keine Furcht soll sie überkommen, noch werden sie tarurig sein."

 

Islamkritiker weisen an dieser Stelle geschickt auf die Abrogation. Denn wenn es zwei gegensätzliche Verse im Koran gibt, so hat der aktuellere immer Gültigkeit. Das Problem ist nur, dass Sure 9 nicht im zeithistorischen Kontext betrachtet wird. Als die Muslime Mekka erobert haben, gab es in Mekka viele polytheistische arabische Stämme. Um einen Krieg zu vermeiden, hat Mohammed s.a.w. einen Vertrag mit dem Stämmen geschlossen, sodass sie in der Stadt verbleiben konnten. Die polytheistischen Stämme begannen zu freveln und Mohammed s.a.w. gab ihnen eine Frist über die heiligen Schutzmonate. die Stammesführer willigten ein, verließen die Stadt aber nicht. In dieser Zeit ist die Sure 9 entstanden. Sie beinhaltet die göttliche Legitimation für den (Verteidigungs-)Jihad in Mekka, gegen besagte Götzendiener. Nicht gegen die ganze Welt.

 

Das wäre ein Beispiel für Aufklärung.

 

 

Was deine Erfahrung mit Muslimen angeht, so tut es mir leid. Es ist nicht schön sowas zu hören. Darf ich Fragen, ob es sich dabei um Araber gehandelt hat? Ich meine das nicht rassistisch, nur leider ist es oft so, dass die Sippenhierarchie arabischer Familien, sich mit religiösen Vorstellungen vermischt haben. Natürlich gibt es das auch unter uns Türken, ist aber wesentlich seltener. Wir haben ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein und neigen nicht zu Clanstrukturen innerhalb der Familie. Nicht jeder Schwarzkopf ist Türke ;).

 

Zum Thema Erdogan könnte ich einiges sagen aber lass uns bitte nicht politisch werden, ich denke das ist das falsche Unterforum dafür. 🙂

 

nitak34 antworten
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@nitak34 Hi!

Warum eine Aufklärung, die aus dem Inneren erfolgen muss (oder halt durch die, die aus dem Inneren kamen und sich davon abgewandt haben) durch externe Kritik unmöglich wird, erschließt sich mir nicht. Was hat es denn damit zu tun, dass ich hier in Deutschland den Umgang afghanischer (oder syrischer oder türkischer) Männer mit ihren Frauen und Töchtern grässlich finde und kritisiere, ob diese Männer bereit sind, sich kritisch mit ihrer Religion bzw. dem Koran auseinanderzusetzen?

Ich hab so Aussagen (das gehört sich nicht und gehörte bestraft) öfter gehört, von Syrern, Persern, Afghanen - und putziger Weise sowohl als junge Studentin als auch vor ein paar Jahren jeweils von Türkinnen meines Alters. Scheint also kein rein kulturelles Thema zu sein. Und es ging jeweils "nur" um Bekleidung, und ich gelte in meinem Umfeld eher als prüde gekleidet. 😉

Bisher habe ich von dir nur gehört, dass entweder die Politik Schuld hat - oder "das ungläubige Außen". Mir scheint, der Islam sieht sich selbst nicht als besonders stark an. Warum sonst sollte er Reform so fürchten und abwehren? Warum wird mit dem Verweis auf den angeblichen Druck von Außen gerechtfertigt, dass keine Entwicklung stattfindet? Warum ziehst du dich zurück auf ethnische Zuschreibungen oder versuchst es zumindest? Was bringt das?

Gruß und Segen
lubov (die übrigens die wohl gastfreundlichsten Menschen bisher zwischen Damaskus und Palmyra und in Amman getroffen hat, die noch immer von Syriens Wundern träumt, die in Jordanien einige ihrer intensivsten Gottesbegegnungen hatte und dort den charmantesten Männern (soweit ich weiß Muslime) und den mit Abstand coolsten Frauen (verbrieft: Muslimas) bisher begegnet ist, und die sich, sollte sie je zu Geld kommen, im Adschlun ein Häuschen pachten wird.*g*)

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Nitak34
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Veröffentlicht von: @lubov

@nitak34 Hi!

Warum eine Aufklärung, die aus dem Inneren erfolgen muss (oder halt durch die, die aus dem Inneren kamen und sich davon abgewandt haben) durch externe Kritik unmöglich wird, erschließt sich mir nicht. Was hat es denn damit zu tun, dass ich hier in Deutschland den Umgang afghanischer (oder syrischer oder türkischer) Männer mit ihren Frauen und Töchtern grässlich finde und kritisiere, ob diese Männer bereit sind, sich kritisch mit ihrer Religion bzw. dem Koran auseinanderzusetzen?

Ich hab so Aussagen (das gehört sich nicht und gehörte bestraft) öfter gehört, von Syrern, Persern, Afghanen - und putziger Weise sowohl als junge Studentin als auch vor ein paar Jahren jeweils von Türkinnen meines Alters. Scheint also kein rein kulturelles Thema zu sein. Und es ging jeweils "nur" um Bekleidung, und ich gelte in meinem Umfeld eher als prüde gekleidet. 😉

Bisher habe ich von dir nur gehört, dass entweder die Politik Schuld hat - oder "das ungläubige Außen". Mir scheint, der Islam sieht sich selbst nicht als besonders stark an. Warum sonst sollte er Reform so fürchten und abwehren? Warum wird mit dem Verweis auf den angeblichen Druck von Außen gerechtfertigt, dass keine Entwicklung stattfindet? Warum ziehst du dich zurück auf ethnische Zuschreibungen oder versuchst es zumindest? Was bringt das?

Gruß und Segen
lubov (die übrigens die wohl gastfreundlichsten Menschen bisher zwischen Damaskus und Palmyra und in Amman getroffen hat, die noch immer von Syriens Wundern träumt, die in Jordanien einige ihrer intensivsten Gottesbegegnungen hatte und dort den charmantesten Männern (soweit ich weiß Muslime) und den mit Abstand coolsten Frauen (verbrieft: Muslimas) bisher begegnet ist, und die sich, sollte sie je zu Geld kommen, im Adschlun ein Häuschen pachten wird.*g*)

Es gibt mittlerweile so einige YT-Kanäle, Websiten und Mosheen die über den Islam aufklären wollen? Noch nie was von gehört, korrekt? Natürlich, wieso auch? Es interessiert mich ja nicht. <- ist nicht provokant gemeint. Das der verständliche Gedankengang von jemandem der keine Berührungspunkte mit dem Islam hat.

Ich denke du weißt schon worauf ich hinaus will. Eine Aufklärung die von innen stattfindet, muss nun mal extern an die Leute getragen werden. Eine Dokumentation über den IS, Hisbollah, etc. ist nicht wirklich zielführend. Die Aufklärung über den Islam obliegt also allein den Muslimen. Alles klar. Wo ist aber die Plattform? Es gibt keine. Warum sitzen in Talkshows hauptsächlich Wahhabiten? Der Salafismus ist so eine kleine Strömung innerhalb des sunnitischen Islam. Eine Information die bei den Menschen nicht ankommt, weil sie nur gegenteiliges in den Medien sehen. Wenn Muslime die von dir beschriebene innere Aufklärung betreiben, klären die Medien nun mal "dagegen auf". 

 

Ich weiß nicht, was du mit das "ungläubige von Außen" meinst.

 

Der Islam sieht sich als stark. Es gibt doch viel mehr Muslime, welche einen liberalen Islam vertreten als solche die es nicht tun.

 

Ethnische Zuschreibungen.... es ist nun mal Fakt, dass ein Perser den Islam anders auslebt, als es ein Saudi tut. Das liegt nicht zuletzt an verschiedenen Rechtsschulen sondern vor allem auch an die Vermischung nationaler Kultur mit religiöser. Ich habe viele Araber als Freunde und ich kann dir garantieren, dass aufgrund des Sippenbewusstseins der Araber, der Islam oftmals deutlich patriarchalischer Ausgelebt wird, als er sein müsste. Die Auslebung der Religion ist im Islam nun mal ethnisch unterschiedlich. Das bedeutet nicht, dass das ein oder andere schlechter oder besser ist.

nitak34 antworten
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@nitak34 Na?

Es gibt mittlerweile so einige YT-Kanäle, Websiten und Mosheen die über den Islam aufklären wollen? Noch nie was von gehört, korrekt? Natürlich, wieso auch? Es interessiert mich ja nicht. <- ist nicht provokant gemeint. Das der verständliche Gedankengang von jemandem der keine Berührungspunkte mit dem Islam hat.

Nein, natürlich ist das nicht provokant gemeint. 😀 Na klar ist das provokant gemeint! 😀

Das mit dem "keine Berührungspunkte" ist ein schönes Beispiel dafür, wie du liest, was ich schreibe. Es interessiert dich offenbar wenig.

Eine Aufklärung die von innen stattfindet, muss nun mal extern an die Leute getragen werden.

Häh? Nö. Wieso? Giordano Bruno, Luther und so weiter und so fort... das waren "Insider". Eine Aufklärung, die von innen stattfindet, muss von innen kommen. Dass die Europäer/Nordamerikaner/Russen sich nicht als Heilspropheten auf die Marktplätze stellen können und dann hemmungslos bejubelt werden, haben wir ja nun zur Genüge etabliert.

Nur haben offenbar im Islam die Aufklärer innen einen schweren Stand.

Die Aufklärung über den Islam obliegt also allein den Muslimen. Alles klar. Wo ist aber die Plattform? Es gibt keine.

Na, also doch, danke! Ja, das mit dem schweren Stand ist offensichtlich. Ah, und das ist also Schuld der Christen, Atheisten, Juden, Hindus und aller anderen? Warum schaffen sich denn in der heutigen youtube-Zeit die Aufklärer ihre Plattform nicht? Vielleicht, weil das, was sie sagen, doch den Großteil der Muslime nicht interessiert oder gar von ihnen ablehnend empfunden wird?

Oder bist du grade bei "den christlichen bzw. atheistischen Westen über den Islam aufklären"? Nee, halt, falsche Abbiegung. Ich bin bei "die Aufklärung". Also im Grunde bei einer humanistischen Entwicklung - bei der Bewegung der Muslime hin zu Menschenrechten etc., so, wie die Christen sie gemacht haben und machen.

Eine Information die bei den Menschen nicht ankommt, weil sie nur gegenteiliges in den Medien sehen. Wenn Muslime die von dir beschriebene innere Aufklärung betreiben, klären die Medien nun mal "dagegen auf".

Häh? Sorry, das verstehe ich nicht. Die meisten Länder haben, ähnlich wie wir, oft rigoroser, Staatsfernsehen. Was hat unser deutsches Fernsehen, oder Fernsehen "der christlichen Welt" mit irgendwas zu tun, was die innerislamische Aufklärung betrifft?

Ich weiß nicht, was du mit das "ungläubige von Außen" meinst.

Du sagst ein Posting vorher:

Der Islam kann nicht durch die Aufklärung wandern, wenn er an jeder Stelle kritisiert wird. Es ist schlichtweg nicht möglich eine fundierte Aufklärung zu betreiben, wenn der Islam einer ständigen Diffamierung ausgesetzt wird.

Das klingt, als sei es die Schuld der "Ungläubigen von Außen", also der externen Kritiker, des Westens, der Christen, Juden, Hindus oder wie auch immer du willst, dass sich der Islam gegen eine Bewegung der Aufklärung wehrt. Ich vermute, wir haben uns missverstanden. Ich spreche die ganze Zeit, wenn ich "Aufklärung" sage, von der Bewegung, die z.B. Bildung für alle Menschen ohne Blick auf ihr Geschlecht oder ihren Status brachte, oder die Menschenrechte etc., und ich meine, dass sich innerhalb des Islam so eine Bewegung etablieren müsste. Das ist aber unabhängig davon, was die nichtislamische Welt grade tut oder lässt.

Gruß und Segen
lubov

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@nitak34 

Der Islam sieht sich als stark. Es gibt doch viel mehr Muslime, welche einen liberalen Islam vertreten als solche die es nicht tun.

Spiegelt sich dieser "liberale Islam" deiner Ansicht nach denn in den muslimisch geprägten Ländern dieser Welt wieder?

Also, sind diese Länder typische Beispiele für den "liberalen Islam", der ja deiner Ansicht nach die Mehrheitsmeinung ist?

 

 

 

lucan-7 antworten
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@nitak34 Auch hier: Schade, dass du nicht mehr schreibst. Es geht dir hoffentlich gut und du bist einfach nur zu beschäftigt.

 

Gruß und Segen
lubov

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Jack-Black
(@jack-black)
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Beiträge : 6191

@nitak34 Moin!

Zuerst mal: wenn Du mein gesamtes Posting zitierst, erhöhst Du dadurch nur den traffic. Ich weiß schon, was ich geschrieben hatte. Sinnvoller ist es, immer nur den Satz oder Absatz zu zitieren, auf den man sich im Antwortposting denn auch bezieht. Das ergibt insbesondere dann mehr Sinn, wenn man ohnehin nur auf ein oder zwei Aspekte des Gegenübers reagiert, weil einem einfach die Zeit fehlt, auf alles einzugehen...

es gab eine deutliche zeitliche Verzögerung aber leider ging es nicht anders ;).

 

Überhaupt kein Problem!

Und nun in medias res...

Hierzulande wird nun immer wieder der politische Islam in die Köpfe der Menschen projiziert.

Hierzulande? Wo auf der Welt wäre der Islam denn nicht politisch? Und von wem wird der "politische Islam" denn da projiziert?

Ich behaupte, dass es zwei Arten des Islam gibt: den politischen und den irrelevanten Islam. Begründung: der nicht-politische Islam erschöpft sich im Mystizismus wie beispielsweise bei den Suffis. Der ist irrelevant insofern als er zumindest in nicht-islamischen Gesellschaften kein Problem darstellt, sondern im privaten spirituellen Rahmen gewissermaßen hobbymäßig-kulturelle Lebensführung ist wie Yoga, zen-buddhistische Meditation, Reiki oder achtsames Erlebniswandern.

Irrelevant bezieht sich hier auf das gesellschaftliches Miteinander in diversen Gesellschaften: für diejenigen, die so eine Art "Religion" oder "spirituelles Leben" ausüben, ist's natürlich nicht irrelevant.

Relevant wird Religion stets erst dann, wenn religiöse Ideen in konflikt mit anderen - religiösen oder auch nicht-religiösen - Ideen stehen, also das soziale Miteinander betreffen, kurz: politisch sind.

Und das Mohammedanertum ist nun mal ganz ausgewiesenermaßen politisch. Sein Gründer selbst, der angebliche Prophet Mohammed, war Politiker durch und durch, dies zu bestreiten wäre in meinen Augen eine glatte Lüge. Auch das Christentum ist durch und durch politisch, all jene Christen, die das Gegenteil behaupten, lügen oder wissen nicht, warum das Private immer auch politisch ist. Den Christen fällt diese Lüge (bzw. diese Illusion - Lüge setzt ja betrügerische Absicht voraus, die ich nicht unterstellen will) etwas leichter eben aufgrund der 2-Reiche-Lehre, die sich bis zu den Worten, welche die Bibelautoren Jesus in den Mund legten, zurückverfolgen läßt. Nach dem Motto: "Jesus gibt sich unpolitisch, also ist das Christentum unpolitisch."

Ist es selbstverständlich nicht, und zwar bewiesenermaßen. Gemäß der einzig sinnergebenden Definition von christlich, dass christlich das sei, was Christen tun, darf als erwiesen angenommen werden, dass, da Christen in den letzten 2000 Jahren regelmäßig Politik betrieben, das Betreiben von Politik christlich ist. Du darfst also gern behaupten, dass nicht nur der Islam, sondern auch das Christentum politisch sei. Da werden Dir dann einige Christen, die nicht wissen, was  Politik eigentlich ist und warum auch der Rückzug in's Private letztlich noch ein politischer Akt ist, widersprechen. Ich aber nicht. Nur: Der Hinweis auf die politische Seite des Christentums ist ja keine Widerlegung der These, dass der Islam politisch sei. Ganz ehrlich: ich halte die Formulierung "politischer Islam" schon für eine Tautologie, die im aktuellen Diskurs dazu dienen soll, die "guten", des Politischen unverdächtigen Mohammedaner irgendwie von den "bösen", also politischen Mohammedanern zu unterscheiden. Das Spiel mache ich nicht mit, denn das Tragen eines Kopftuchs, die Haddsch oder das Bestehen darauf, im öffentlichen Raum sicht- (Moschee) und hörbar (Muezzin-Ruf) zu sein, ist stets und immer schon politisch. So politisch wie der Fisch-Kleber am Auto, das Glockenläuten der Kirchen oder die Gottesdienstübertragung im Deutschlandfunk politisch sind.

Es wird nämlich schnell klar, dass der Islam abseits eines politischen Konstrukts eine friedliebende Religion ist.

Was meinst Du mit der raunenden Formulierung "politisches Konstrukt"? Abseits des Politischen findet der Islam für Nicht-Mohammedaner nicht statt und hinsichtlich des wenigen, das ich über den Islam weiß, behaupte ich, dass die Lehren Mohammeds ohne ihre politischen Implikationen niemanden interessieren würden, also überhaupt nicht bis heute überliefert worden wären. Es gibt keinen Islam ohne politischen Aspekt.

Und nein, der Islam ist keine friedliebende Religion. Die historischen Tatsachen machen so eine Behauptung lächerlich. Der Islam wurde durch den ständig Krieg führenden Mohammed erfunden und gewaltsam durchgesetzt und seine Expansion hernach fand ebenfalls in weitesten Teilen per Kriegführung oder per imperialistischer Mechanismen, wie sie auch andere Ideologien einsetzen, statt. Der Friede, der vom Islam angestrebt wird, ist ein totalitärer Friede: wenn denn endlich alle Welt Allah und seinem Propheten huldigt, ist Friede, bis dahin aber herrscht Zwist zwischen dār al-Islām und dār al-Harb. In dem Sinne wäre auch der Hitler-Faschismus eine friedliebende Ideologie gewesen, sobald ein Poster des GröFaZ noch im hintersten Dschungeldorf die Hütte des Stammeshäuptlings geziert hätte. Entsprechend ist im Wort Islam schon der Begriff der Unterwerfung enthalten, nicht derjenige der Friedlichkeit.

Dass die theologischen Aspekte natürlich eine Relevanz haben, hat den Sinn, dann man so gründlich bestimme Koranverse aufarbeitet um den wirklichen, zeitgeschichtlichen Sinn zu verstehen.

Was soll denn "der wirkliche, zeitgeschichtliche Sinn" von Koranversen sein? Etwa der, dass Mohammed, je nachdem, mit wem er gerade im Zwist lag oder welche seiner Frauen ihn gerade nervte, die jeweils passenden Offenbarungen aus seinen Privatstelldicheins mit dem Erzengel mitbrachte? Solche Aspekte sind nicht theologischer, sondern religionshistorischer Art, was ein gravierender Unterschied ist. Man könnte den Koran solcherart lesen, vielleicht vergleichbar mit der historischen-kritischen Methode, die von manchen Leuten auf die Bibel angewendet wurde. Aber wo geschieht das in aller Öffentlichkeit, ohne dass im Hintergrund die todesbringende Fatwa dräut?

Auch hier wieder: dass Häretiker, die von der Autorität abweichende Meinungen in der Bibelexegese vertraten, im christlichen Kulturkreis einst ähnlich gefährlich lebten wie ein Rushdie oder ein Abdel-Samad, will ich überhaupt nicht in Rede stellen. Sowas kommt eben davon, wenn Leute bestimmte Texte als Heilig hinstellen und die Bedeutung, die sie ihnen beimessen, dann per Gesetzesvorschrift allen Leuten einbimsen möchten. Aber nur, weil etwas im Christentum auch stattfindet, verschwindet es im Mohammedanertum noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: darin, ihre jeweils "heiligen Texte" vor einer kritischen Hinterfragung bewahren zu wollen, sind sich Mohammedaner und Christen in weiten Kreisen einig, übrigens genau jenen Kreisen, in welchen das religiöse Bekenntnis mit besonders breiter Brust vorgetragen wird.

 

Nun ist die Bibel ja, wie hier eingangs erwähnt, durch das "Fegefeuer der Aufklärung" gewandert. Ein Aspekt der beim Islam fehlt.

 

Zuerst einmal ist nicht die Bibel durch das Fegefeuer der Aufklärung gegangen. Sondern die Gesellschaften, die ein christliches Selbstverständnis hatten, gingen durch dieses Fegefeuer der Aufklärung, was zu einer Reduktion der Bedeutung der christlichen Religion in diesen Gesellschaften führte. Dass die Bibel dann irgendwann auch wie ein Text unter anderen betrachtet, interpretiert, literaturhistorisch untersucht werden durfte, war eine Folge des Machtverlusts, den die Kirchen als Statthalter des Religiösen in unseren westlichen Gesellschaften erlitten, bzw. eine Folge des Ansehensverlusts, den die Religion als solche in den gebildeten Kreisen erlitt. Darin nämlich bestand das Projekt der Aufklärung: sich von überkommen Ideen durch Andwendung der Vernunft zu emanzipieren. Die modernen Bibelkritiker des 20. Jahrhunderts wären im Mittelalter auf dem Scheiterhaufen gelandet, zusammen mit Hexen, offen schwul Lebenden oder den gemeinen Häretikern, die nur eine Abweichende Meinung vertraten wie ein Giordano Bruno: Nicht, weil die Bibel selbst durch das "Fegefeuer der Aufklärung" gegangen wäre - denn dies hätte, wenn man so eine Metapher ernst nehmen möchte, damit geendet, dass von ihr nur noch ein Häuflein Asche übrig geblieben wäre. Nein: bestimmte europäische Gesellschaften emanzipierten sich aus tausenderlei Gründen langsam von der Autorität der Religion. Ein Prozeß, der übrigens leider umgekehrt werden kann, wie wir am Beispiel der dominionistischen Bewegung in den USA oder den reaktionären Evangelikalen in Brasilien leicht erkennen können.

Die Aufklärung selbst war aber eben kein christliches Projekt. Und wollte man "den Islam" aufklären, so könnte dies auch nicht aus dem Islam heraus geschehen, weil er, genauso wie das Christentum, im Kern antiaufklärerisch ist: auf den jeweils propagierten Gott ausgerichtet, nicht auf die Vernunft des einzelnen Menschen.

Was den Islam angeht, so kann man sogar behaupten, dass die islamisch gepräfte Welt schon einmal - relativ zur christlich geprägten Welt - aufgeklärter war, nämlich im sogenannten goldenen Zeitalter des Islam, welches, wenn man näher hinschaut, ein goldenes arabisches Zeitalter war, in welchem der Islam eine nur nebengeordnete Rolle innehatte hinsichtlich der weltlichen Führer. Dann kam der mohammedanische Reformator und heute noch berühmte und angesehende Theologe al-Ghazālī mit seinem anti-aufklärerischen Impetus und nordete die "Philosophie" (damals die Bezeichnung für das freie und vernunftorientierte Denken, dessen Wurzeln sich bei den ollen Griechen fanden) ein: ihr gegenüber habe der religiöse Glaube stets das Primat. Unter dieser Art der Gegen-Aufklärung, die in der Folge zu einer Abwendung von der Philosophie und Hinwendung zur mohammedanischen Religion führte, begann der wissenschaftlich-kulturelle Vorsprung der arabisch-islamischen Welt gegenüber der christlichen Welt zu schmelzen - bis dann der Okzident den Orient geistesgeschichtlich gewissermaßen rechts überholte. Der Rückstand, den die islamische Welt heute gegenüber der "westlichen" Welt hat und der zu all den Frustrationen beitragen dürfte, aus welchen dann die blutigen Blüten des "modernen Dschihad" sprießen mit ihren Bombengürteln und Steinigungen - dieser Rückstand nahm damals, im 11./12. Jahrhundert seinen Anfang, als sich in der arabischen Welt die islamische Gegenaufklärung durchsetzte.

Jenes "Fegefeuer der Aufklärung" könnte also, bezogen auf den Islam, nur so aussehen, dass seine Bedeutung in der Gesellschaft schwände. Was aber aufgrund der modernen politischen Realitäten kaum möglich erscheint, denn der Islam funktioniert, soziologisch betrachtet, heute insbesondere als Mittel zur Selbst-Identifikation und damit zwingend auch zur Distinktion von Nicht-Mohammedanern. Je "gemäßigter" oder "aufgeklärter" heute ein Mohammedaner sein will und sich zeigt, beispielsweise, indem er Kritik an den heiligen Texten übt oder die Gebote als bloße Kann- statt Muss-Bestimmungen behandelt - desto weniger dient ihm sein Bekenntnis zum Islam zur Identifikation und desto geringeren Wert hat er auch für andere Mohammedaner, eine Gemeinschaftsidentität zu stiften.

Allerdings wirkt dein Text ein bisschen so nach dem Motto: "Du allein kannst ja eh nichts bewirken, die Menschen haben medial nun mal eine gesellschaftspolitisch beeinflusste Meinung vom Islam und interessieren sich nicht für theologische Aspekte"

 

Da hast Du meinen Text offensichtlich nicht genau genug gelesen oder kannst, bzw. willst ihn nicht verstehen. Wieviel Du bewirken kannst, ist allein Deine Sache und ich will niemanden "klein" reden. Meine Frage ist: was willst Du überhaupt bewirken?

Wen willst Du auf welche Weise beeinflussen, ändern, meinetwegen auch: bewegen? Du bist auf meine These, dass es sich bei Deiner Threaderstellung im Grunde genommen um ein einziges tu-quoque handele, überhaupt nicht eingegangen. Hast Du verstanden, was ich damit meinte, oder soll ich es noch weiter erläutern? Verstehst Du, dass ein tu-quoque nie ein valides Argument sein kann? Oder siehst Du Deinen Eingangsbeitrag nicht als tu-quoque?

Willst Du vielleicht behaupten, Dein Selbstverständnis als Muslim habe keinen Zusammenhang zu dem Threadthema "Kritik am Christentum"? In dem Fall hättest Du vielleicht überhaupt nichts über Deine eigene Religion erzählen sollen - denn nun kann man sich diesen Zusammenhang nicht aus dem Kopf radieren.

 

Selbstverständlich sind aber auch alle dazu eingeladen Koranverse zu zitieren, über die wir uns unterhalten können (nur so am Rande).

In einem Unterforum, in dem es um Bibelstellen geht? Mehr offtopic ginge wohl kaum.

jack-black antworten
Lucan-7
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@nitak34 

Leider wird hierzulande medial immer wieder das Bild des politischen Islam in die Köpfe der Menschen projiziert. Die theologischen Aspekte jedoch, finden kaum Beachtung.

Nun ja... die sind für Leute wie mich ja eigentlich auch kaum von Belang, oder?

Verstehe mich nicht falsch, ich habe hier einige Bücher über den Islam stehen (wissenschaftliche Werke, die den Islam historisch und inhaltlich betrachten) und habe auch gelegentlich Diskussionen mit Muslimen. Das Thema interessiert mich... aber es berührt mich nicht unmittelbar, weil ich ja kein Muslim bin und auch keine Gründe dafür sehe, einer werden zu wollen.

Daher sind die unmittelbaren Auswirkungen für mich sehr viel interessanter - und das sind nun mal die "politischen" Aspekte. Also die ganz konkrete Frage, was sich denn in Deutschland ändert, wenn hier mehr und mehr Muslime einwandern. Oder was ich riskiere, wenn ich in den Iran fliege und mir dort meine alte Schule anschaue.

Und das sind auch die Dinge, die hier wohl die meisten Menschen interessieren. Also, was der Islam konkret für Auswirkungen hat - und nicht wie das theologisch begründet wird.

Das heißt nicht, dass ich dein Anliegen hier deshalb in Frage stelle. Natürlich ist es völlig legitim, hier eine rein theologische Diskussion führen zu wollen und Aspekte des Christentums und des Islam miteinander zu vergleichen. Ich halte das auch für gut und richtig, hier einmal auf Gemeinsamkeiten zu verweisen und Dinge zu finden, die das Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis erleichtern.

Aber viele Argumente werden halt auch vor den Eindrücken wiedergegeben, die man (als Nichtmuslim) vom "Islam" aus den unterschiedlichen Medien nun einmal hat. Das wird man wohl nie völlig trennen können.

 

 

 

lucan-7 antworten
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