Benachrichtigungen
Alles löschen

Was für ein Bibelverständiss habt ihr?

Seite 4 / 4

Arcangel
Themenstarter
Beiträge : 4539

Ist für euch die Bibel das Verbalinspirierte Wort Gottes, bei dem die Wortwahl wie auch die Grammatik und der Syntax bis ins Detail vom Geist Gottes diktiert wurde, und es nur einen Wahren Text gibt.

Oder ist sie das Wort Gottes, von Gott offenbarte Wahrheit, welche die biblischen Autoren, dann in ihrer eigenen Sprache und ihrem kulturellen Verständnis in Worte gefasst haben.

Oder ist die Bibel, einfach diverse Erfahrungsberichte unterschiedlicher Menschen, und so kann die Bibel hie und da Gottes Wort enthalten.

Oder ist dieses Buch leidlich ein Sammelsurium von Plagiaten, welchen von Menschen zusammengestellt wurden um eine nationale Identität (im Falle des AT) respektive eine kirchliche Machtstruktur (im Falle des NT) aufzubauen.

 

Wie sieht dein Bibelverständnis aus?

Antwort
141 Antworten
GoodFruit
Beiträge : 2788

@arcangel Die Bibel ist eine Sammlung von Büchern. Die Qualität dieser Bücher ist unterschiedlich in Bezug auf Literaturgattung, Qualität der Quellen, Schreibern und Inhalten. Im Grunde genommen muss jedes Buch für sich betrachtet werden - und da, wo es naheliegend ist, dass ein Buch verschiedene Quellen hat, die zusammengesetzt wurden, muss auch jedes der in sich zusammengehörenden Teile separat betrachtet werden.

Die Zusammenstellung der Bücher zum Kanon der Bibel ist Menschenwerk. Es ist eine verbreitete Meinung, dass dabei weise vorgegangen wurde. Dieser Meinung schließe ich mich gerne an. Vielleicht hätte ich andere Bücher mit hineingenommen oder bestimmte Bücher weggelassen.

Es gibt aber auch einen Bericht, wonach beim Erstellen des Kanons sehr wohl auch Gott selber mitgewirkt hat:

https://www.evangelium21.net/media/3096/hat-das-konzil-von-nizaea-den-neutestamentlichen-kanon-erfunden

Ich zitiere daraus:

Das Konzil [Anmerkung: von Nizäa] machte die kanonischen und apokryphen Bücher auf folgende Weise kenntlich: Sie legten sie im Haus Gottes neben den göttlichen Tisch und baten den Herrn, dass die göttlich inspirierten Bücher doch auf dem Tisch gefunden werden mögen, die unechten dagegen unter dem Tisch; und so geschah es.

Wenn das so gewesen sein sollte, wäre natürlich auch die ganze Bibel von Gott zusammengestellt und hätte somit eine andere Qualität. Da kann man wohl niemanden vorschreiben, wie er darüber denkt.

Es gibt Bücher der Bibel, die so von transzendenter Weisheit durchdrungen sind, dass ich sie klar als nicht von Menschen geschrieben betrachte. Ich habe mich mal etwas mit dem Theologen Friedrich Weinreb beschäftigt, der die hebräischen Schriftzeichen nicht allein von Buchstabenwert, sondern auch von dem dahinter liegenden Zahlwert betrachtet. Und da haben dann einzelne Worte aber auch ganze Sätze sowohl vom Wert der Buchstaben als auch der Zahlen eine Information, die weit mehr ist als das, was uns die Übersetzung vermuten lässt. Und das ist so genial, dass ich für mich da jeden menschlichen Ursprung ausschließen würde.

Dann gibt es aber auch Texte, z.B. die Epistel, wo mir mehr Menschen an Menschen schrieben. Das ist wohl vom Glauben der Schreiber durchdrungen, aber ich sehe darin keine klaren Anzeichen einer Verbalinspiration.

Das wichtigste der Bibel kommt ja aber nicht allein durch die Texte, sondern durch den Lehrer, der uns die Bedeutung der Texte eröffnet. Ohne den Heiligen Geist ist die Bibel ein Buch. Mit dem Heiligen Geist wird die Bibel zum Wort Gottes!

goodfruit antworten
4 Antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 7613

@goodfruit 

Das Konzil [Anmerkung: von Nizäa] machte die kanonischen und apokryphen Bücher auf folgende Weise kenntlich: Sie legten sie im Haus Gottes neben den göttlichen Tisch und baten den Herrn, dass die göttlich inspirierten Bücher doch auf dem Tisch gefunden werden mögen, die unechten dagegen unter dem Tisch; und so geschah es.

Na ja, das ist eine Legende, die um 900 n.Chr. aufgeschrieben wurde (das Konzil fand 325 n.Chr. statt), und das ist der einzige Beleg dafür, dass auf dem Konzil was über den Kanon entschieden wurde …

hkmwk antworten
GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 2788

@hkmwk Hier noch etwas mehr zu der Geschichte:

https://www.evangelium21.net/media/3096/hat-das-konzil-von-nizaea-den-neutestamentlichen-kanon-erfunden

Das Buch aus dem 9. Jahrhundert ist so eine Art Zusammenfassung, was bislang im Christentum geschah. Es ist oft wohl unklar, auf welche Quellen dieses Werk Bezug nimmt und so wird es insgesamt als eher dubios angesehen.

Eine schöne Legende ist es auf jeden Fall und Voltaire hat das wohl sehr Ernst genommen:

Voltaire (1694-1778). In seinem philosophischen Wörterbuch schreibt dieser:

Durch ein ähnliches Verfahren unterschieden die Väter desselben Konzils die authentischen von den apokryphen Büchern der Heiligen Schrift. Nachdem sie sie alle auf den Altar gelegt hatten, fielen die apokryphen Bücher von selbst zu Boden.

Etwas später fügt Voltaire hinzu:

Wir haben bereits gesagt, dass in der Beilage zum Konzil von Nizäa berichtet wird, dass die Väter, die sehr verunsichert darüber waren, welches die authentischen und welches die apokryphen Bücher des Alten und Neuen Testaments waren, sie alle auf einen Altar legten, und die Bücher, die sie verwerfen sollten, fielen zu Boden. Wie schade, dass eine so schöne Feuerprobe verloren gegangen ist!

goodfruit antworten
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 7613

@goodfruit 

Danke, aber diese Details waren mir schon vorher bekannt.

hkmwk antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 23 Jahren

Beiträge : 4539

@goodfruit 

Solche fanatischen Mythen ranken sich auch um andere Bücher oder Übersetzungen, wie zum Beispiel der LXX. Davon halte ich nicht wirklich viel.

Und was die Zahlenmystik betrifft, darauf würde ich keine Argumentation bauen.

arcangel antworten


Tatokala
Beiträge : 2679
Veröffentlicht von: @hkmwk

Vielleicht ist auch Gott der Roman und wir schreiben uns in Ihm? 🤔

Ich denke, Gott schreibt.

Faszinierendes Bild. Dann wäre Gott sozusagen, in eine Sekretär-Position degradiert.

Entmachtet.

Klar haben manchmal solche Positionen mehr Macht, als man meint.

Wie die Dame im Schach.

tatokala antworten
1 Antwort
Helmut-WK
(@hkmwk)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 7613

@tatokala 

Dann wäre Gott sozusagen, in eine Sekretär-Position degradiert.

Der Autor eines Romans ist gegenüber seine Romanfiguren in einer Sekretär-Position? Hallo?

hkmwk antworten
Lucan-7
Beiträge : 22244

@arcangel 

Ganz grob mein Bibelverständnis, da ich ja auch darin lese und daraus zitiere:

 

Ich denke, das AT dient in erster Linie als verbindendes und ordnendes Element für das jüdische Volk. Ich halte den historischen Kern für sehr gering, in erster Linie geht es um eine mystische Erzählung, die einerseits der Identitätsfindung dienen soll und andererseits dazu, sich in eine bestehende gesellschaftliche Ordnung einzufügen.

 

Das NT hat einen sehr viel umfangreicheren historischen Kern. Ich denke, dass viele der geschilderten Ereignisse tatsächlich passiert sind und die Autoren ganz oder teilweise auch um eine authentische Schilderung bemüht waren, dass es aber auch hier starke Änderungen und Ausschmückungen gegeben hat, die ungeprüft übernommen wurden, wenn sie ins Bild passten. Auch wenn ich von verschiedenen Ereignissen vermute, dass sie tatsächlich stattfanden, ist eine klare Unterscheidung zwischen historischem Kern und mythologischer Ausschmückung nicht möglich.

Das nur dazu, wie ich die Bibel als Nicht-Christ betrachte... wobei ich aber auch immer wieder darum bemüht bin, die Sache aus christlicher Perspektive zu sehen, weil ja sonst keine Verständigung möglich wäre.

Aus dieser "christlichen" Perspektive sehe ich das NT als durchweg historische Ereignisse, während das AT zumindest das Wesen Gottes treffend beschreibt - was dann allerdings schnell in Widersprüche führt, die hier ja auch immer wieder zur Diskussion stehen.

lucan-7 antworten


Seite 4 / 4
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?