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Tatort / Polizeiruf 2023/2024

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tristesse
Themenstarter
Beiträge : 19069

Hallo Ihr Lieben!

Am Sonntag den 27.08.23 beginnt die neue Sonntagabend Krimisaison mit einem Polizeiruf aus Magdeburg.

Hier ist der Ort, wo wir uns über die Tatorte / Polizeirufe austauschen.

Bewährt hat sich:
Der Thread sollte die ganze Saison umfassen, aber dabei nicht zu unübersichtlich werden. Darum beschränkt er sich auf die Sendungen "Tatort" und "Polizeiruf 110".

Für die Erstausstrahlungen versuchen wir, jede anzulegen. Bei interessanten Wiederholungen alter Folgen fühlen wir uns frei, aus sie hinzuweisen oder nicht.

Manche von uns sehen den Film sofort im Fernsehen, andere später in der Mediathek. Manche auch nur, wenn sie hier lesen, ob er sehenswert ist. Für all die ist es wichtig: Wenn wir relevante Filminhalte posten, setzen wir ganz oben in unsern Kommentar fettgedruckt das Wort "Spoiler".
Manchmal sind wir unterschiedlicher Meinung, wie relevant ein Inhalt ist. Wenn wir nicht sicher sind, wie andere das empfinden: Lieber einmal zu oft "Spoiler" schreiben.

  • Eine neue Sendung legen wir an, indem wir immer auf diesen Eingangspost hier antworten. Der Post zur neuen Sendung wird fett überschrieben mit dem Datum und dem Namen und Ort des Films.
  • Für weitere Kommentare zu einer neuen Sendung antworten wir nicht auf diesen Post hier, sondern auf den Kommentar, mit dem die Sendung angelegt wurde. Solche Antworten lassen sich "einklappen".
  • Spoilern tun wir sinnvollerweise dann erst in der Antwort auf den Post zur jeweiligen Sendung und nicht in diesem selbst.

Wenn das mal nicht hundertprozentig klappt, sind wir alle barmherzig.

Ist das verständlich? Wenn nicht, bitte fragen! 

Und jetzt bin ich gespannt auf die ersten Folgen,

Trissi

PS: danke Andreas für Deine Threaderöffnung letztes Jahr, ich konnte das fast alles so übernehmen! 😊 

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166 Antworten
tristesse
Themenstarter
Beiträge : 19069

10.12.23 Münster

Börne und Thiel gehen einem Lügenbaron auf den Leim.

Nun ja. Wenn einem erst nach 1 Std. einfällt, ein wenig Tempo reinzubringen, ist mir das einfach zu wenig. Es plätscherte dahin und so die letzten 20 Minuten waren spannend und unterhaltsam.

Detlev Buck hat alles gegeben, aber besonders viel war das meiner Meinung nach auch nicht.

Bekommt 2 Punkte, aber auch nur dafür, dass die Alberich so viel Spielfreude mitbringt.

tristesse antworten
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andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse Ich fand, Bucki (wie er hier in der Nachbarschaft seines Heimatdorfs genannt wird) hat im Vergleich zu anderen Rollen eher wie mit angezogener Handbremse gespielt. Man konnte die Figur weder bewundern noch bemitleiden noch für völlig durchgedreht halten, obwohl die Rolle ja ermöglicht hätte, sie in eine dieser Richtungen zu trimmen. Dann wäre es wenigstens unterhaltsamer gewesen, denn ernstzunehmen war die Figur so oder so nicht.

Ich fand diesen Film trotz engagierter Darsteller weder sonderlich lustig noch sonderlich spannend. Ich konnte mich aber auch nicht über ihn ärgern, was ja auch eine legitime Absicht eines Films sein könnte. Tja, und dann fragt man sich schon, muss man den gucken? Ich finde nicht. Er war gar nicht unbedingt schlecht, er hat mich nur ... gelangweilt.

andreas-wendt antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@andreas-wendt 

 Ich fand, Bucki (wie er hier in der Nachbarschaft seines Heimatdorfs genannt wird) hat im Vergleich zu anderen Rollen eher wie mit angezogener Handbremse gespielt. 

Ich finde ihn generell nicht besonders als Schauspieler. Er ist ein toller Regisseur und hat ein super Händchen für schöne Geschichten, ähnlich wie Till Schweiger, aber vor der Kamera muss ich den nicht sehen. 

Man konnte die Figur weder bewundern noch bemitleiden noch für völlig durchgedreht halten, obwohl die Rolle ja ermöglicht hätte, sie in eine dieser Richtungen zu trimmen. 

Das hast Du sehr gut zusammengefasst, unterm Strich berührte einen die Person nicht und ob der jetzt stirbt oder in den Knast kommt oder abhaut war irgendwie egal. Dazu sprühten im Gegensatz die Agentin und auch der Assistent förmlich vor Spielfreude. Die zwei waren extrem unterhaltsam.

Tja, und dann fragt man sich schon, muss man den gucken? Ich finde nicht. Er war gar nicht unbedingt schlecht, er hat mich nur ... gelangweilt.

Genau.

Und das ist eigentlich schon ärgerlich!

tristesse antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse Ich fand Detlev Buck in den Leander-Haußmann-Filmen "Sonnenallee" und "NVA" ziemlich gut, waren natürlich eher komödiantische Rollen. Auch in dem Lindholm-Tatort mit Udo Lindenberg spielte er etwas ungezwungener. In der Rolle des Musikproduzenten in "Lindenberg. Mach dein Ding" war er ziemlich überzeugend, schrullig, aber nicht albern.

Aber ja, er ist schon auf ein gewisses Spektrum festgelegt. Fast scheint mir, er hat sich nach dem Lindholm-Tatort die Kritik zu sehr zu Herzen genommen und wollte dieses Mal "weniger übertrieben" spielen.

Ob man Langeweile ärgerlich findet, ist wohl etwas Typsache. Ich würde sagen, ein Film, über den ich mich beim Gucken ärgern kann, ist ein besserer Film als einer, der langweilt. Aber wahrscheinlich würden mir bei längerem Nachdenken auch wieder Gegenbeispiele einfallen.

andreas-wendt antworten


tristesse
Themenstarter
Beiträge : 19069

Rostock - 17.12.23

Böwes, Königs, Pöschels und Thieslers zweiter gemeinsamer Fall als Team nach dem Ausscheiden Bukows. 

"Am Tatort des ermordeten Arztes Kai Wülker führt die Spur zu einem Cold Case: intakte DNA der seit mehr als 15 Jahren vermissten Jessica Sonntag. Die Kommissarinnen Katrin König und Melly Böwe konfrontieren die Familie von Jessica mit dieser aufwühlenden Nachricht, die von allen Familienmitgliedern unterschiedlich aufgenommen wird. Evelyn Sonntag, eine tieftraurige Frau, hat immer geglaubt, dass ihre Tochter noch am Leben ist. Der Vater, Robert Sonntag, hat vor allem gehofft, dass seiner Tochter wenigstens ein schneller Tod vergönnt war. Er ist erschüttert, dass Hoffen und Bangen wieder von vorne beginnen. Und dann gibt es noch den Bruder der Toten, Henrik Sonntag, dessen Leben durch das Verschwinden der Schwester völlig durcheinandergeraten ist. Auf der Suche nach Jessica müssen König und Böwe das Puzzle der Vergangenheit wieder zusammensetzen. Doch schon bald ist klar, dass der Arzt nicht das einzige Opfer bleiben wird …" aus Nur Gespenster - Polizeiruf 110 - ARD | Das Erste

Ich hoffe, dass das nicht zu viel gespoilert ist, aber besser hätte ich es nicht zusammen fassen können. Der Fall an sich lädt zum Mitraten ein, wir sind relativ schnell auf den/die Täter/in gekommen, allerdings verpuffte die Spannung in dem doch sehr konstruierten und absurden Showdown. Der letzte Dialog zwischen König und der Mutter erschreckt und ernüchtert. Wie so oft am Ende bleiben eigentlich nur zerstörte Protagonisten zurück, die jeder auf seine Art und Weise Verantwortung mitgetragen und Schuld auf sich geladen haben.

Ein schmutziger Film, trotz des schönen Wetters düster und frustrierend. Das Team ist noch nicht ganz eingespielt, Böwe muss sich gegen die Respektlosigkeit ihrer Kolleg/innen wehren und ihre Position festigen, wächst aber mit König immer mehr zusammen. Thiesler schäumt immer noch vor Wut bei der Wahl des neuen Chefs übergangen worden zu sein und König wird mal wieder mit den eigenen Dämonen konfrontiert, bis es zur Eskalation kommt. Nur Pöschel arbeitet ohne zu Murren aufgeräumt und dienstbeflissen vor sich hin. 

Die Frage ist jetzt ob man bei so einem aufwühlenden Thema noch ein Team braucht, in dem jeder sein Päckchen offen zur Schau tragen muss oder ob da ein wenig Zurückhaltung besser gewesen wäre. Andererseits aber lief es im Team Rostock bisher nie so richtig harmonisch und grad dieses Ungeschliffene macht es erst sehenswert. Lina Beckmann und Anneke Kim Sarnau machen ihre Sache als Chefinnen richtig gut, ich glaube, die wachsen noch zusammen, aber ich vermisse Charly Hübner immer noch. Gerade die ersten Folgen mit Frau König waren wirklich erstklassig und diesen Niveau wurde in den letzten Jahren eigentlich nicht mehr erreicht.

Unterm Strich ein solider Polizeiruf, vielleicht etwas überfrachtet, aber dennoch sehenswert. Gerade die Kameraführung war diesmal sehr gut und auch die Bilder toll getroffen.

Bekommt 4 von 5 selbstgebauten Tüten und nen Latte to go obendrauf.

tristesse antworten
2 Antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse Danke. Diesmal komme ich erst später zum Schauen.

andreas-wendt antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

Ja, kann nicht viel hinzufügen. Vielleicht dieses, dass trotz der bedrückenden Gefühle, die glaubwürdig gezeigt wurden, ich als Zuschauer nicht selbst in diesen Gefühlsstrudel gerissen wurde, sondern dort bleiben durfte, wo ich beim Sonntagskrimi am liebsten bin: Auf dem Zuschauersitz.

Allerdings, was heißt "noch nicht ganz eingespielt"? Sollte das Rostock-Team je eingespielt sein, wird man es wohl absetzen.

Frohes Fest!

andreas-wendt antworten
andreas
Beiträge : 1802

26.12. Frankfurt "Kontrollverlust"

Zunächst muss ich einen Irrtum einräumen: Vor einem Jahr hatte ich prophezeit, "Mord unter Misteln" aus München würde in Zukunft der meistwiederholte Tatort zur Weihnachtszeit werden. Er ist, soweit ich gesehen habe, dieses Jahr gar nicht ausgestrahlt worden. Tja, da lag ich wohl daneben.

Die Wirkung von "Mord unter Misteln" könnte aber sein, dass die ARD dieses Jahr auf einen irgendwie besinnlichen Weihnachtsfilm in der Reihe verzichtete. Der Film aus Köln endet zwar Weihnachten, aber wurde wohl bewusst am 1. Advent gesendet, zum einen wegen der Thematik der Paketboten, zum andern vielleicht auch, weil er mit jenem Krimi-Dinner nicht hätte konkurrieren können.

Und damit nach Frankfurt zu einem Film, der am 2. Weihnachtstag ausgestrahlt wird und mitten im Sommer spielt.

Er will viel, macht das auch, aber nie wirklich mit Hingabe. Das ist angesichts des Titels fast schon ironisch.

Zwar kommen die Worte "Kontrolle" und "Kontrolle verlieren" vor und spielen auch eine gewichtige Rolle im Film. Die Inszenierung selbst scheint aber vor dem Kontrollverlust genauso viel Angst zu haben wie die großartig gespielte Episodenhauptrolle.

Die Agierenden sind sehr kontrolliert, der Film selbst auch. (Und vielleicht lässt sich die Entscheidung der ARD mit den Sendeterminen, die ich oben beschreibe, ja sogar auch als Kontrollbedürfnis lesen.) Das lässt sich gut ansehen, tut trotz manch bedrückender Thematik niemandem weh, aber lässt auch nicht viel Bedauern darüber aufkommen, dass dies schon der vorletzte Film mit diesen beiden Ermittlern war, deren Schreibweise ich auch beim letzten noch werde nachschlagen müssen.

Man kann ihn unbeschadet gucken und kommt auch schnell auf die Auflösung. Das ist zwischen den Jahren vielleicht genau das, was wir wollen. Mit unserem eigenen Kontrollbedürfnis. Nun ja.

andreas-wendt antworten
1 Antwort
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@andreas-wendt 

Er will viel, macht das auch, aber nie wirklich mit Hingabe. Das ist angesichts des Titels fast schon ironisch.

Wir  fanden den Film ganz stark. Er hatte seine Schwächen, aber die Leistung der Darsteller war wirklich gut. Brix und Janneke funktionieren richtig gut zusammen, schade dass die beiden bald aufhören. 

Die Rolle des Hausmeisters haben wir nicht ganz verstanden, außer vielleicht, dass man noch einen weiteren Verdächtigen brauchte, aber sein Auftreten war schon irritierend.

Das Ende war versöhnlich, die Tür geht auf und jemand verschwindet in sein neues Leben, weg von allem, was ihn so lange verletzt und schwach gemacht hat. Eine toller Rolle, richtig gut. 

tristesse antworten


andreas
Beiträge : 1802

1.1. Hamburg "Was bleibt"

Es ist der letzte Film mit Franziska Weisz als Julia Grosz, und noch nie, soweit ich mich erinnern kann, wurde der Abschied einer Figur aus dem Tatort so lieblos erzählt wie dieser. Allein deswegen kann dieser Film nicht die volle Punktzahl kriegen. Dieser Schluss war geradezu ärgerlich.

Was sonst ein Manko wäre, rettet hier hingegen den Film: Der Rest der Geschichte hat damit nichts zu tun. Wenden wir uns also dem zu.

Falke wird von etwas aus der Vergangenheit eingeholt, aber auch wenn diese Wendung nicht nötig wäre, stört sie nicht weiter. Der Fall ist gut erzählt, man fühlt mit den Protagonisten mit, und er hat tatsächlich eine überraschende Wendung, die ich aber völlig glaubwürdig erzählt fand. Lange ein Krimi-Drama ums Migrationsthema, wird es dann noch tatsächlich zu einer anständig gestrickten Kriminalgeschichte, die auch die Täterfrage lange unklar lässt. So kamen die Fraktionen "Ein Tatort soll gesellschaftlich relevant sein" und "Ich will einen ganz normalen Krimi sehen" beide auf ihre Kosten.

Meine Empfehlung wäre, nach der Auflösung des Falls abzuschalten und die letzten 4 Minuten einfach nicht zu gucken. Und ich weiß, dass Ihr sie jetzt erst recht gucken werdet. Selbst schuld.

Gutes neue Jahr!

andreas-wendt antworten
11 Antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 8 Monaten

Beiträge : 338

ACHTUNG SPOILER!!!!!!!!!!!!!

 

@andreas-wendt 

Die Sterbeszene von Julia Grosz fand ich verblüffend. Sie kam aus dem Nichts heraus und Täter und Opfer waren beiderseits erschrocken über das, was da geschieht.

Der Täter handelte im Affekt und der Verletzten war abzuspüren, wie sie nach dem Schock allmählich realisierte, dass sie schwer verletzt wurde und diese Verletzung nicht überlebt. 

Eigentlich galt der ganze Titel "Was bleibt" ihrem Ableben als Bundespolizistin, die zur Wirtschaftskriminalität wechseln wollte - vllt auch, um vom Stress der Straße weg hin zum "höheren Ganoventum" zu kommen? 🤔

Bleibt die Frage, was der "Tatort" den Guckern vermitteln will. Sind wir gescheitert? (Falke schien kurzzeitig in Nahaufnahmen rein äußerlich auch bissel rechts gescheitelt, wenn ich das mal so schreiben darf. Dachte zwischendurch mal, dass er durchaus auch in einem WKII-Film den Führer spielen könnte...) 

martha antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@martha 

Die Sterbeszene von Julia Grosz fand ich verblüffend. Sie kam aus dem Nichts heraus und Täter und Opfer waren beiderseits erschrocken über das, was da geschieht.

Könntest du bitte (!!!) beim nächsten mal eine Spoilerwarnung setzen, bevor du so elementare Filminhalte einfach so postest??  Es gibt User, die den Tatort noch nicht gesehen haben und denen du damit viel vom Filmvergnügen nimmst. 

Mir zum Beispiel grad eben.

Wir schreiben das jedes Jahr hier rein, was ein spoiler ist und warum man ihn setzen muß und es kann doch nicht so schwer sein, da ein wenig mitzudenken!

tristesse antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 8 Monaten

Beiträge : 338

@tristesse 

Könntest du bitte (!!!) beim nächsten mal eine Spoilerwarnung setzen, bevor du so elementare Filminhalte einfach so postest??

Oh sorry. 

Jemand Nettes hat es für mich noch eingefügt, vielen Dank dafür.

Worauf ich mich bezog, sind die letzten Minuten des Films und können losgelöst vom Fall betrachtet werden. 

martha antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@martha 

Du hast aber trotzdem das Ende verraten, bitte achte da in Zukunft drauf. 

Danke!

tristesse antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

Weitergespoilert

@martha 

Eigentlich galt der ganze Titel "Was bleibt" ihrem Ableben als Bundespolizistin, die zur Wirtschaftskriminalität wechseln wollte - vllt auch, um vom Stress der Straße weg hin zum "höheren Ganoventum" zu kommen?

Interessante Lesart der Sterbeszene, weil sie sie verknüpft mit dem vorigen Erzählstrang. Das würde dazu passen, dass sie ja kurz vorher sagt, Hamburg werde sie "noch länger an der Backe" haben. Sie hat sich also offenbar gegen den Wechsel entschieden und wohl - da sagten Blicke glücklicherweise mehr als Wort - für Falke. Der will, dass sie in der Kneipe wartet und sagt "Bleib, wo du bist", was sie als die langersehnte Bitte hört, bei ihm im Team zu bleiben. Woraufhin sie halt auch bei der Gewaltkriminalität bleibt und dem zum Opfer fällt.

Also man könnte wohlwollend deuten, dass sich durchaus etwas dabei gedacht wurde. Die Inszenierung allerdings liest sich dann so, als wären die Macher auch nicht so richtig von dem überzeugt, was sie sich gedacht haben.

Ich muss gestehen, ich hatte die ganze Zeit befürchtet, dass sie am Ende im Bett landen und sie dann nach Wiesbaden geht - doch angesichts dessen, was dann gemacht wurde, wäre das fast der bessere Schluss gewesen. Vielleicht ging das aber auch nicht, weil Falke mit Grosz' Vorgängerin (mein Namensgedächtnis wieder!) ähnlich auseinanderging.

 

andreas-wendt antworten
Martha
 Martha
(@martha)
Beigetreten : Vor 8 Monaten

Beiträge : 338

@andreas-wendt 

Ich muss gestehen, ich hatte die ganze Zeit befürchtet, dass sie am Ende im Bett landen und sie dann nach Wiesbaden geht 

Ich auch. 😁

martha antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@andreas-wendt

Huhu, da wir im Urlaub sind, haben wir die letzten beiden Tatorte (Frankfurt/ Hamburg) noch nicht geschaut. 

Wird aber nachgeholt. Frohes neues Jahr euch allen. 😉 

tristesse antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse Sollte man sich entscheiden müssen, fände ich von der Relevanz für Gesellschaft wie Reihe her den Hamburger wichtiger zu schauen. Und halte ihn für den besseren Krimi.

andreas-wendt antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@andreas-wendt 

Falke wird von etwas aus der Vergangenheit eingeholt, aber auch wenn diese Wendung nicht nötig wäre, stört sie nicht weiter. Der Fall ist gut erzählt, man fühlt mit den Protagonisten mit, und er hat tatsächlich eine überraschende Wendung, die ich aber völlig glaubwürdig erzählt fand.

Uns war das alles ein wenig zu konstruiert und fantastisch, aber spannend erzählt und gut umgesetzt. Ich war die einzige in der Gruppe, die das Ende schon kannte (Hmpf) und das hat mir ziemlich den Film verdorben. Zwar konnte ich jetzt auch die kleinen, feinen Hinweise erkennen, die auf das Ende hinarbeiteten, fast ein wenig wehmütig gehen Falke und Grosz miteinander um, als hätten sie sich bewusst gemacht, dass dies wirklich das letzte Mal sein würde, aber es war schon blöd irgendwie darauf zu warten, dass es passiert. Umso überraschender dann die Art und Weise, wie hier das Team auseinander gerissen wurde - liebloser kann man es wirklich nicht machen, dagegen war Berlin ja fast schnulzig.

Hanno Kofler sehe ich gern, irgendwie finde ich den sympathisch und hab mich gefreut, mal wieder einen Film mit ihm zu sehen. 

 

tristesse antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

SPOILER

Zum Ausstieg von Franziska Grosz haben die Darstellerin und der NDR übereinstimmend verkündet, die Geschichte der Julia Grosz sei "auserzählt" - da frage ich mich dann schon, was wir zu Köln, Münster oder Ludwigshafen sagen sollen? Eine Figur ist erst dann "auserzählt", wenn einem nichts mehr einfallen oder man eine Figur loswerden will. Fand die Aussage ziemlich lahm, von mir aus hätten da noch ein paar Geschichten folgen können. 

tristesse antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse Ja, die Formulierung wurde auch andernorts kritisiert, häufig mit der Anmerkung, man hätte sie noch gar nicht richtig zu erzählen begonnen. Eigentlich ein Charakter mit mehr Potential, als die Filme genutzt haben.

andreas-wendt antworten
tristesse
Themenstarter
Beiträge : 19069

Ludwigshafen - 7.01.2023

Ein Unbekannter wird tot am Rheinufer gefunden. Er hatte einen Herzinfarkt, doch es gibt Hinweise auf eine Gewalttat. Die Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) stoßen auf eine Zeugin, die am Tatort gewesen sein muss: die Programmiererin Julia da Borg (Bernadette Heerwagen). Sie will nichts gesehen haben, doch die Ermittlerinnen ahnen, dass sie mehr weiß, als sie zugeben mag. Ein Grund, Julia da Borg weiter im Auge zu behalten. Quelle: "Tatort" heute aus Ludwigshafen: Bedrückender Fall mit zwei Abschieden (t-online.de)

Inhaltlich möchte ich dazu nicht mehr schreiben, weil ich sonst zu viel verraten würde 😉 Es ist eine Freude zu beobachten, wie kollegial und unaufgeregt Lena und Johanna miteinander agieren, zum letzten Mal unterstützt von Frau Keller und Herrn Becker, was ich sehr traurig finde, aber auch sie dürfen in dem Alter mal in Rente gehen. 

Zum Fall an sich: spannend, dicht und schlau ist er geworden. Vier Handlungsstränge werden kunstvoll miteinander verwoben, man sollte seinen Blick nicht vom Bildschirm nehmen, es kann sein, dass man sonst den Anschluss verliert. Trotzdem ist der Krimi nicht überfrachtet oder verkompliziert, es gibt ruhige Töne und man hat auf jeden Fall danach einiges nachzudenken. Hochaktuell und clever umgesetzt bis zum kleinen Showdown am Ende und in den letzten Minuten darf geschmunzelt werden.

Bekommt die volle Punktzahl für einfach alles.

 

tristesse antworten
4 Antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse Oh, da waren wir gleichzeitig dran, und ich bin diesmal kritischer als Du. Dann haben die andern ja die volle Bandbreite der Rezensionen. Sehr schön!

andreas-wendt antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

Spoiler!

Da lohnt sich doch vielleicht mal ein tieferer Austausch.

Zunächst: Ja, zwei Ermittlerinnen, die einfach ohne gekünstelt aufgesetzte Meinungsverschiedenheit ihren Job machen, sind eine Wohltat. Köln, Stuttgart, bitte genau hingucken!

Die großen Themen "Trauer und Schuldgefühle aufgrund eines verlorenen Kindes", "Künstliche Intelligenz" und "Cybergrooming" waren für mein Gefühl zu viel für einen 90minüter, umso mehr, als es ja erst in der letzten halben Stunde klar wurde, dass dies die Themen sind. Bis dahin gab es halt eine Person, die von Lena von Anfang an verdächtigt wurde, aber außer ihrem Bauchgefühl ohne echten Anhalt. Aber worum es ging, wusste ich irgendwie nicht.

Vielleicht war das aber auch gut, weil Bernadette Heerwagen die anderen sonst locker an die Wand gespielt hätte.

man sollte seinen Blick nicht vom Bildschirm nehmen, es kann sein, dass man sonst den Anschluss verliert.

Das habe ich teilweise auch so empfunden, aber denke, man muss das nicht zwingend als Lob meinen. Viele gute Filme gönnen einem zwischendurch auch mal Erholungspausen in der Aufmerksamkeit.

Ich hätte mir in dem kunstvoll verwobenen also ein paar mehr lockere Maschen gewünscht.

Wirklich groß fand ich den Showdown: Wie die Mutter den Mann, der ihre Ziehtochter missbraucht und in den Selbstmord getrieben hat, endlich findet. Wie er, dann endlich ohne erklärenden Kommentar der Kommissarinnen, sondern einfach durchs Spiel (warum ging das vorher nicht?), als wirklich perverses Arschloch (darf man hier schreiben, oder?) gezeigt wird. Wie ich, trotz aller Sozialisation, denke, "der hätte es verdient, dass sie ihn erschießt, hoffentlich kommen die Ermittlerinnen zu spät", und mich gleichzeitig dafür schäme.

Dass sie dann sich selbst erschießt und er abgeführt wird, war mir wieder zu glatt. Warum mich nicht mal mit einem moralischen Dilemma ins Bett schicken? Zudem: Warum erschießt sie sich eigentlich? Schuldgefühle wegen der beiden vorigen Taten? Job erledigt und damit kein Lebensinhalt mehr? Sich der Festnahme entziehen?

Vielleicht habt Ihr noch mehr Gutes entdeckt, was ich übersehen habe, und weitet meinen Blick für die Stärken des Films. Volle Punktzahl bekommt ein Film von Trissi nicht mal eben so.

 

 

andreas-wendt antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2026 Jahren

Beiträge : 19069

@andreas-wendt 

Spoilerfortführung

 

 Aber worum es ging, wusste ich irgendwie nicht.

Ja, man wurde direkt ins kalte Wasser geworfen und musste selbst einiges an Eigenleistung bringen, um dran zu bleiben, aber ich fand das auch mal ganz gut, dass einem nicht so alles vorgekaut und erklärt wird. Das mag ich dann ja auch wiederum nicht. Den Zuschauer für clever genug halten, seine Schlüsse zu ziehen war eigentlich ganz spannend.

Das habe ich teilweise auch so empfunden, aber denke, man muss das nicht zwingend als Lob meinen. Viele gute Filme gönnen einem zwischendurch auch mal Erholungspausen in der Aufmerksamkeit.

Bei 90 Minuten fand ich das jetzt nicht so schlimm. Gib Dir mal "Oppenheimer", da sitzt Du fast drei Stunden und musst Dich konzentrieren-  und hast trotzdem die Hälfte nicht verstanden. 😉 

Wie ich, trotz aller Sozialisation, denke, "der hätte es verdient, dass sie ihn erschießt, hoffentlich kommen die Ermittlerinnen zu spät", und mich gleichzeitig dafür schäme.

Das hab ich interessanterweise so gar nicht gedacht. Vielleicht sind wir deshalb auch zu verschiedenen Schlüssen was die Qualität der Handlung anbelangt gekommen. Ich fand es völlig in Ordnung, dass der Täter auch mal überleben darf. Und ich fand es wirklich interessant, wie die Mutter den Täter gestellt hat, ich hab so was ähnliches schon geahnt.

 Zudem: Warum erschießt sie sich eigentlich? Schuldgefühle wegen der beiden vorigen Taten? Job erledigt und damit kein Lebensinhalt mehr? Sich der Festnahme entziehen?

Ich vermute, der Schmerz war einfach zu groß. Darum hat sie sich ja auch ein Avatar erschaffen, weil sie nicht in der Lage war, den Tod zu überwinden und zu verstehen. Das Leid der Familie und der Freunde zu beobachten war schon sehr berührend. Will man, dass so jemand im Gefängnis landet? 

Vielleicht habt Ihr noch mehr Gutes entdeckt, was ich übersehen habe, und weitet meinen Blick für die Stärken des Films. Volle Punktzahl bekommt ein Film von Trissi nicht mal eben so.

Wurde mal wieder Zeit, dass wir etwas gegensätzlich bewerten. Zu viel Harmonie ist ja langweilig 😉 

tristesse antworten
andreas
(@andreas-wendt)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 1802

@tristesse 

Gib Dir mal "Oppenheimer", da sitzt Du fast drei Stunden und musst Dich konzentrieren- und hast trotzdem die Hälfte nicht verstanden.

Hab Oppenheimer 2x gesehen, englisch und deutsch, und das Beispiel ist gut. Aber stell Dir Oppenheimers Handlung auf 90 Minuten konzentriert vor: wäre kein Problem, wenn man die Explosions- und Verhörszenen nur kurz im Rückblick erzählt hätte, es wäre nur noch schwerer zu verstehen gewesen. Ungefähr so ging es mir bei diesem Tatort.

andreas-wendt antworten


andreas
Beiträge : 1802

7.1. Ludwigshafen "Avatar"

Es gehört sich, diesen Tatort zu gucken, weil mit Frau Keller und Herrn Becker zwei der dienstältesten Nebendarstellenden der Reihe verabschiedet werden. Sie haben das Ruhestandsalter, aber man hört, dass sie aus finanziellen Gründen rausgeschrieben wurden. Die Inszenierung macht das nicht zum Thema des Films, würdigt den Abschied aber auf jeden Fall gebührender als die Hamburger letzte Woche. Allein wegen dieses Abgangs der Urgesteine gebietet es der Anstand des Langzeitfans, hier reinzuschauen.

Der Fall selbst... joa.... hatte vele sehr gute Ideen, und wenn er weniger davon gehabt hätte, wäre vielleicht auch Luft gewesen, die gut zu erzählen. So werden sie aber eher moderierend berichtet. Kein uninteressanter Bericht, und trotz offener Täterführung bleiben viele Fragen lange offen. Aber die Fülle des Stoffs ermöglicht oft nur Textaufsagen, wo Spielen schön wäre.

Gegen Schluss der Geschichte allerdings ertappt man sich als christlicher oder auch schlicht moralischer Zuschauer dabei, dass man anders fühlt, als das eigene Wertesystem einem gebieten würde. Das war ein sehr starker Moment. Das Ende bringt beides irgendwie wieder zusammen, was einerseits erleichternd war, andererseits auch wieder nicht so stark.

Wobei ich mich auch ertappte, war, als ich vorher gefragt wurde, wer nochmal die Ermittlerinnen in LU seien, dass ich sagte "Stern und Odenthal" statt "Odenthal und Stern". Aber Stern bleibt erzählerisch immer noch zweite Figur. Schade eigentlich.

Dass die Jugendlichen so sprachen, wie es in den 90ern schon Erwachsene taten, die sich jugendlich geben wollten - geschenkt. Der Film hat gravierendere Schwächen, als dass sowas mich stören könnte.

Man kann ihn gucken. Die Geschichte ist nicht schlecht, wenn man in Kauf nimmt, dass sie eigentlich einen Zweiteiler mit Heino Ferch verdient hätte, dies aber keiner ist.

 

andreas-wendt antworten
Seite 4 / 7
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