Tatort / Polizeiruf Saison 2025/2026
Seid gegrüßt, liebe Krimi-Freunde,
kommenden Sonntag (14. September) ist es wieder soweit: es beginnt ein neues ARD Krimi Jahr 😉
Deshalb starten wir auch den neuen Tatort / Polzeiruf Thread. Wir tauschen uns aus, bestätigen uns in unseren Meinungen oder fragen uns, ob wir eigentlich denselben Film gesehen haben, werben oder raten ab oder tun beides oder schreiben einfach auf, was uns ein- und auffällt.
Bewährt hat sich:
Der Thread sollte die ganze Saison umfassen, aber dabei nicht zu unübersichtlich werden. Darum beschränkt er sich auf die Sendungen "Tatort" und "Polizeiruf 110".
Für Filme und Serien gibt es eigene Rubriken:
https://forum.jesus.de/community/film-fernsehen/zuletzt-gesehener-film-2025/
https://forum.jesus.de/community/film-fernsehen/serienthread-2025/
Für die Erstausstrahlungen versuchen wir, jede anzulegen. Bei interessanten Wiederholungen alter Folgen fühlen wir uns frei, auf sie hinzuweisen oder nicht.
"Hm, aber was wenn ich jetzt nicht über den Film reden kann, ohne wichtige Details zu verraten?"
Manche von uns sehen den Film sofort im Fernsehen, andere später in der Mediathek. Manche auch nur, wenn sie hier lesen, ob er sehenswert ist. Für all die ist es wichtig:Wenn wir relevante Filminhalte posten, setzen wir ganz oben in unsern Kommentar fettgedruckt das Wort "Spoiler" ( https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Spoilerwarnung)
Manchmal sind wir unterschiedlicher Meinung, wie relevant ein Inhalt ist. Wenn wir nicht sicher sind, wie andere das empfinden: Lieber einmal zu oft "Spoiler" schreiben.
- Eine neue Sendung legen wir an, indem wir immer auf diesen Eingangspost hier antworten. Der Post zur neuen Sendung wird fett überschrieben mit dem Datum und dem Namen und Ort des Films. Also z.B. 35. Mai Heidelberg "Tod im Hörsaal" oder so.
- Für weitere Kommentare zu einer neuen Sendung antworten wir nicht auf diesen Post hier, sondern auf den Kommentar, mit dem die Sendung angelegt wurde. Solche Antworten lassen sich "einklappen".
- Spoilern tun wir sinnvollerweise dann erst in der Antwort auf den Post zur jeweiligen Sendung und nicht in diesem selbst.
Wenn das mal nicht hundertprozentig klappt, sind wir alle barmherzig.
Wir freuen uns auf eine spannende Saison mit Euch.
Gruß von Trissi @ Andreas
30.11. Frankfurt "Licht"
Schönen 1. Advent! Ob der Titel des 2. Falls des neuen Frankfurter Teams damit zu tun hat? Ich befürchte nicht. Oder "hoffe nicht"?
Der erste Fall machte jedenfalls Lust, heute einzuschalten.
Waren wir beim ersten Film v.a. begeistert, wie sie als Team zusammenspielten, konnten wir an diese Begeisterung hier nicht anknüpfen. Nicht, weil sie als Team schlechter zusammenspielten, sondern weil der Fall im Vordergrund stand.
Dass die serielle Erzählung so schnell an ein Ende gebracht wurde, ist Geschmackssache, ich finde es erfreulich. Ab jetzt könnten wir dann jeden Fall für sich genießen.
Der Fall selbst: Weitgehend toll erzählt und gespielt, v.a. Maren Eggert. Ein Extrapunkt, weil positiv von Jesus die Rede ist (Man nimmt, was man kriegt.)
Darin spielt allerdings auch die Darstellung einer ... öhm ... religiösen Sondergemeinschaft (husthust *Sekte*) eine breite Rolle, und ich frage mich bei solchen Darstellungen immer, ob sie absichtlich so verfremdend sind, dass keine reale Gruppe sich erkennt, oder ob die Autoren einfach keine Ahnung von der Dynamik religiöser Gruppen haben. Erzählerisch hatte dieser Aspekt nicht mehr Raum, als zum bloßen Stilmittel zu werden, blieb sehr oberflächlich. Aber vermutlich werden Polizisten das über den Aspekt der Polizeiarbeit auch sagen.
Das muss man in Kauf nehmen, und dann hat man eine in sich stimmige Krimi-Erzählung mit einem Ende, das noch zum Philosophieren einladen dürfte. Gern wieder!
7.12. Münster "Die Erfindung des Rades"
Der Münster-Tatort ist schon länger nicht unbedingt dafür bekannt, jedes Mal das Rad neu zu erfinden. Das Konzept funktioniert ja auch weitgehend.
Wir wissen also, ohne eine Vorankündigung gelesen zu haben, was uns erwartet. Und schalten vermutlich wieder ein.
Einen besonderen Grund, diesen zu schauen, gibt es aber: Mechthild Großmann als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm gibt ihren Abschied, und dies ist ihr letzter Fall. Sie wird mir fehlen. Und ich bin gespannt, wie sie gehen wird.
Münster liefert, was wir erwartet haben. Ein leicht absurder Krimi, bei dem sowohl die Pointen als auch die Auflösung funktionieren, ohne groß zu überraschen. Ein paar Andeutungen ließen noch mehr Ernsthaftigkeit erwarten, wie in den frühen Münster-Fällen. Da wäre noch mehr drin gewesen. Aber so war es halt, wie es war, und wir hatten einen netten Abend.
Genauso stimmig und auf seine Weise dennoch überraschend ist der Abschied von Wilhelmine Klemm. Er ist der Hauptgrund, warum wir es angucken, und wir kommen auf unsere Kosten.
14.12. Wien "Der Elektriker"
Eisner und Fellner bereiten sich langsam auf ihren Ruhestand vor, und wie ginge das besser, als durch eine Ermittlung im Altersheim? Oder doch nicht? Schau mer mal!
Hat mir sehr gefallen. 85 von 100 Volt.
Die beiden sind und waren schon immer meine Lieblinge...*schnüff*. Traurig, wenn sie auch mal alt werden. Wer weiß, vielleicht wird aus denen mal eine Neuauflage von " Rentnercops" 🤣 😎
@meriadoc Die Story gefiel mir gut, aber die Erzählung hätte ein bisschen straffer sein dürfen.
Es schien, dass die Inszenierung mit der Mischung einer Ermittlung im Heim, also klassischem Poirot-Setting, kombiniert mit sehr ernsten Themen, nicht recht wusste, welchen Ton sie anschlagen wollte, und dann streckenweise gar keinen Ton anschlug.
An Moritz und Bibi lag's nicht. Und es gab zwischendurch auch sehr sehr großartige Stellen.
Ja, dieses "Poirot" kam mir kurz in den Sinn.
Leider aber kommt der Kosovokonflikt immer wieder beim Tatort vor. In ein paar Jahren Ukraine / Russland??
@meriadoc Das würde heißen, dass es in ein paar Jahren vorbei ist und man darauf zurückblickt. Das wäre schön.
In dem Zusammenhang interessant sind die vergleichsweise wenigen Corona-Thematisierungen.
Spoiler
@meriadoc Grundsätzlich finde ich Verarbeitung jüngerer Geschichte gar nicht schlecht.
Die Idee: Täter und Opfer des Balkankriegs treffen in einem Wiener Altenheim wieder aufeinander. Dieser Mikrokosmos scheint davon weit weg, aber die Vergangenheit ist alles andere als vergangen. - Das war eine tolle Erzählidee.
Auch dass die Figur, die mir am brutalsten schien, die friedliebendste war - da fühlte ich mich in meinen Klischees ertappt.
Die Spiegel-Online-Kritik, dass das Chrstie-Setting und der Balkankrieg sich beißen, kann ich nicht ganz teilen, denn auch bei Christie gab es solche Verknüpfungen.
Nur schien es hier manchmal, zumindest atmosphärisch unverknüpft. Mag sein, dass das im Leben auch oft so ist, aber es ist auch im Leben unbefriedigend. Und das war es auch beim Fernsehen.
Jammern auf hohem Niveau, ich weiß. 85% passt mir als Bewertung auch ganz gut.
21.12. Falke "Ein guter Tag" / "Schwarzer Schnee"
Ich kann schlecht einen Ort schreiben, denn Falke, mit Sitz in Hamburg, aber Bundespolizist und NDR-Kommissar, ermittelt in Ostfriesland und den Niederlanden. Das tut er sogar in einer Doppelfolge, die nacheinander gesendet wird. Ob das jetzt am 4. Advent eine gute Idee ist, wo man ja am 2. Weihnachtstag und Neujahr und den Sonntagen auch neue Folgen bekommt und vielleicht gar nicht hinterherkommt mit dem Schauen, muss sich zeigen.
Aber nicht nur der Länge nach scheint es groß zu werden. Grenzübergreifende Verbrechen und Ermittlungen sind halt was Anderes als das kleine Drama in der Reihenhaussiedlung. Fast meint man beim Trailer, Til Schweiger mischt wieder mit. Zu vermuten ist, dass die Folgen nacheinander kommen, weil die zweite keine Sendelizenz um 20:15 bekommen hätte sondern eher FSK 16 ist.
Ob es freilich nicht nur groß wird, sondern auch gut, finden wir nur beim Gucken raus.
21.12. Falke "Ein guter Tag" / "Schwarzer Schnee"
⚠️ Spoiler ⚠️
Falke tut mir leid: Er bekommt über seinen Fall keine ausreichenden Informationen von seinem Vorgesetzten und sieht sich einem VE mit dissoziativer Identitätsstörung gegenüber, der ihm auch nicht weiterhelfen will.
Überhaupt kann er nicht wissen, wem er trauen kann, ein korrupter Staatsanwalt spielt natürlich auch eine Rolle.
Da hilft nur viel Milch trinken und immer wieder in die freundlichen Augen der jungen niederländischen Kollegin zu schauen, die treu an seiner Seite ermittelt...
Der Film (ich rede jetzt über beide) war ziemlich okay. Welcher Tatort-Ermittler wäre besser geeignet, grenzübergreifend gegenüber harten Kerlen zu ermitteln als Falke? Man stelle sich, wenn der NDR es schon macht, diese Story mit Lindholm vor. Nein Danke! Oder doch? Das wäre ein anderer Film geworden, differenzierter, ausgewogener etc. und in dieser Hinsicht vielleicht sogar besser, zumindest für die professionellen Rezensenten.
Aber dieser Film wollte nicht ausgewogen sein. Er funktioniert nach der Logik von Mafia- und Westernfilmen. Die harten Kerle stehen sich gegenüber. Es gibt eine Frau für die Quote (sorry, das so sagen zu müssen, aber der Film hätte auch ohne den Charakter funktioniert) und einen Nerd als Sidekick wie bei "Trio mit vier Fäusten". Finstere Gestalten, bedauernswerte Gestalten, ein paar, die beides sind, und natürlich einen Helden.
Aber der Film spielte von Anfang an mit offenen Karten. Gut und böse sind klar zuzuordnen. Das mag für Rätselkrimi-Freunde enttäuschend sein, aber es funktionierte, ich fühlte mich gut unterhalten und freue mich auch, dass Mario Schmidt als nerdiger Sidekick ab jetzt fest an Falkes Seite ist. Vielleicht gewinnt er ja auch noch ein bisschen an Charakterkonturen.
In einer Hinsicht schien mir der Film nicht zu wissen, was er will, nämlich in der Ausführlichkeit der Erzählung: Die eigentliche Story hätte locker auch in 90 Minuten gepasst. In 180 nahm er sich mehr Zeit, einzelne Handlungsstränge und Schicksale deutlicher zu zeichnen im Stil der skandinavischen Mehrteiler. Er hatte, um das so anständig wie dort zu machen, aber dann wieder zu wenig Zeit. Ich würde darum sagen, nächstes Mal lieber eine Spin-Off-Kurzserie oder einen normalen 90Minüter. In beiden Fällen ginge was verloren, aber es wäre konsequenter.
Ik heb erg genoten van de dubbele aflevering van TATORT - spannend en goed gemaakt.
26.12. München "Das Verlangen"
Gesegnetes Weihnachtsfest uns allen weiterhin!
Batic, Leitmayer und Hammermann (so muss man es wohl zunehmend sagen) ermitteln im Theater. Schauspielerei mit Metaebene kann großartig werden oder sehr theatralisch.
Aber einen Fernseh- und Theaterabend in einem muss man sich ja auch nicht entgehen lassen.
Dies war der drittletzte Film und gleichzeitig vorletzte Fall von Franz und Ivo. Der letzte Fall wird eine Doppelfolge.
In vielerlei Hinsicht spielt der Film auf der Metaabene mit diesem Abschied, mit dem Vorhang, der Schauspielerei, der Rolle des Rollenspielers. So fühlte es sich schon ein wenig wie eine sanfte Abschiedsfolge an, was mir Sorgen für die eigentlichen Abschiedsfolgen macht. Und er erlaubt sich auf der Metaebene ein paar gute selbstironische Witze.
Das Spiel mit all dem macht der Film aber auf unaufdringliche Weise, die Metaebene trägt den Film nicht. Die Story selbst funktioniert auch ohne sie, und das ist gut so.
Ein klassischer Whodunit, der sich gar nicht erst Mühe gibt, Agatha-Christie-Anklänge zu verheimlichen, der diese Anklänge nicht ganz ernstnimmt, aber auch nicht überall die Ironie-Marker setzt, sondern sie einfach erzählt aus Freude am Erzählen, und der von allen, die ihn spielen, aus Freude am Spielen gespielt wird.
Also wer in die Mediathek schaut und sich fragt, diesen oder den Murot, wird als Freund klassischen Krimis nicht lang auswählen müssen (und da sage ich, bevor ich den Murot geschaut habe).
28.12. "Murot und der Elefant im Raum"
Es fehlte dieses Jahr nocho ein Tukur-Tatort. Heute kommt er.
Wenn also Euch heute irgendwas surreal vorkommt, muss es nicht am Essen und Getränken der letzten Tage gelegen haben.
Es war wie erwartet ein großer Blödsinn, der wenig mit einem Krimi zu tun hatte.
Aber es war ein sehr unterhaltsamer großer Blödsinn. Er tat diesmal auch nicht so, als wäre er irgendwie Avantgarde und die Zuschauer nur zu blöd, ihn zu verstehen.
Nein, da war kein doppelter Boden, keine tiefsinnigen Anspielungen. Da wurde ein schon an sich recht konstruierter Plot als Sprungbrett genutzt, um Tukur / Murot durch eine noch konstruiertere Fantasiewelt stapfen zu lassen und nebenbei ein paar psychologische Plattitüden zu droppen. Dabei war allen Beteiligten der Spaß an der Sache anzumerken.
Das kann unmöglich ernstgemeint gewesen sein, und mit dieser wohlwollenden Einstellung ließ er sich gut angucken. Einmal im Jahr ist das okay. Und warum nicht immer als letzter Tatort des Jahres, quasi als Silvester-Scherz? Fände ich eine nachdenkenswerte Tradition.