Zuletzt gesehener Film 2024
Hallo Filmfreunde,
neues Jahr, neuer Thread 😉 Wir tauschen über gesehene Filme aus, egal ob auf der großen Leinwand, im Streaming oder Fernsehen.
Bewährt hat sich, in Fettbuchstaben den Titel anfangs zu posten. Wer möchte kann gern auch eine Kritik schreiben und / oder den Trailer verlinken.
Viel Spaß uns allen,
Trissi
Trilogie "Rubinrot (Trailer)", "Saphirblau (Trailer)" und "Smaragdgrün (Trailer)" - Liebe geht durch alle Zeiten
Der Fantasyfilm basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kerstin Gier, dem ersten Teil der Trilogie Liebe geht durch alle Zeiten. Der Film erfuhr mit Saphirblau (2014) und Smaragdgrün (2016) zwei Fortsetzungen.
(Wikipedia)
Auf Prime gefunden. Erstaunlich, dass es eine deutsche Produktion im Fantasy-Bereich gibt. Also ich war jedenfalls etwas erstaunt. - Es geht um Zeitreisen und natürlich eine Liebesgeschichte. Warum die Titel so gewählt wurden, hat sich mir bis auf "Rubinrot" nicht erschlossen.
War RUBINROT ein Märchen und SAPHIRBLAU eine romantische Komödie, so trägt SMARAGDGRÜN deutliche Thriller-Elemente.
(Quelle: cineplex.de)
Die Schauspieler sind, soweit ich das einschätzen kann, allesamt sehr gut. Ich hatte nur zu "kämpfen", weil ich das eine oder andere Gesicht aus ganz anderen Rollen kannte. 😀
Für mich war es eine gute Nachmittag-/Abendunterhaltung bei Tee und Kerzenschein, eingekuschelt in eine Schaffelldecke. 🙂
@neubaugoere Danke für den Tipp, wenigstens einen der Teile werd ich mir dann mal anschauen, um zu sehen, ob das was für mich ist.
Danke für den Tipp, wenigstens einen der Teile werd ich mir dann mal anschauen, um zu sehen, ob das was für mich ist.
Ich fand den Dreiteiler auch okay, sehr viel Spielfreude bei den Darstellern und die Romanvorlage ist anscheinend auch passend umgesetzt worden, jedenfalls hab ich das so den Kritiken entnommen.
Man merkt aber doch, dass es eine deutsche Produktion ist, bei dem einen oder anderen wurde etwas gespart und die Darsteller sind noch etwas ungeübt 😉 Wird aber mit jeder Fortsetzung etwas besser.
Liebe @neubaugoere
Mein Tipp: Lies die Bücher von Kerstin Gier, auf denen die Filmtrilogie basiert. Zielpublikum sind eigentlich Teenie-Mädchen. Meine Tochter ist so begeistert von den Büchern, daß ich sie auch gelesen habe. Die Bücher lesen sich sehr flüssig, sind spannend und an etlichen Stellen witzig. Im Buch wird vieles klarer, vor allem auch was das mit den Edelsteinen bedeutet. Die Zeitreise-Thematik wird sehr gut erklärt.
Ich habe zuerst die Bücher gelesen und danach die Filme geschaut. Die Filme sind wie eine komprimierte Zusammenfassung der Handlung, kein Wunder wenn nicht alles klar wird. Die Hauptdarstellerin habe ich mir beim Lesen jünger vorgestellt, aber ansonsten finde ich den Cast gut getroffen. Vor allem hochkarätig besetzt, unter anderem mit Veronica Ferres, Axel Milberg und Katharina Thalbach.
Vielen Dank für die Empfehlung. Ich bin ein "Bildermensch", ich schaue deshalb lieber Filme. Ich lese nicht gern. Und es ist mir nicht "wichtig" genug, mir nach den Filmen die Bücher zuzulegen, um sie ...
@neubaugoere Kein Problem.
Die Bücher gäbe es auch als Hörbuch. Meine Bücherei führt die sogar in der Onleihe. Da bekommst Du das ganze Buch vorgelesen, während Du das Bad putzt, Wäsche zusammenlegst, bügelst, usw. 😉
Das ist nun erst recht so gar nicht meins. 😀 In meiner Welt herrscht Stille. 😀 Und bei solchen Sachen wie Bügeln und so hab ich eher Stelldichein mit Gott. 😉
Habe angefangen, die folgende Serie (ARTE, noch in der Mediathel bis zum Herbst 2025) zu schauen - "In Therapie"
Hab erst gedacht, was kann denn daran spannend sein, sovielen Episoden (in zwei Staffeln) und in so einem spärlichen Setting (Zimmer des Therapeuten) zu folgen - aber nach den ersten bin ich angefixt !!!
https://www.arte.tv/de/videos/RC-020578/in-therapie/
L'Chaim
Taken: Requiem
Ich zitiere mal per copy& paste den Beschreibungstext auf amazon prime /frevee:
Der frühere Auftragskiller und erfolgloses Schuldeneintreiber Requiem (Noel Brendan Mcalley) rettet ein junges Mädchen (Evie Hughes), nachdem ihre Eltern von einem internationalen Kinderhändlerring ermordet wurden. Ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel entbrennt und zwingt Requiem, seine letzten verbliebenen Freunde um Hilfe zu bitten. Aber kann er ihnen vertrauen?
Liest sich altbekannt und irgendwie nicht sonderlich spannend? Nun, dann kommt jetzt ein Spoiler: der sprachlich dürftige Beschreibungstext übertreibt noch schamlos. Er suggeriert ungefähr zehnmal so viel Spannung, wie dieser Streifen enthält. Ich überlege gerade, ob ich schon mal einen schlechteren Film geguckt habe. Vermutlich ja - aber den hab ich dann wohl ebenso aus meiner Erinnerung gestrichen, wie ich es mit dem hier vorhabe.
Die Ironie dabei: ich dachte während der ersten zehn bis vielleicht sogar fünfzehn Minuten, das könne eine Art Zufallstreffer sein, eine Art Independent-Thriller mit einer düster-spröden Ästhetik und einem vielleicht nicht ganz originellen, aber zumindest mal etwas rauheren Antihelden.
Doch die spröde Ästhetik stellte sich als Color-Grading-Filter heraus, gepaart mit häufigem Verzicht auf richtige Ausleuchtung - was auf den ersten Blick als gewollte "Düsternis" mißverstanden werden könnte.
Was mich aber am meisten in die Irre führte, war die eine, einzige pfiffige Idee: die Filmmusik besteht aus Klassik. So von wegen: Requiem. Und das ist dann schon irgendwie interessant: diese Art Filmmusik suggeriert, hier habe man es irgendwie mit Anspruch zu tun, mit Tiefsinnigkeit oder Tragik oder whatever... Da fiel ich gründlich drauf rein. Bei den ersten paar Dialogen, die so überhaupt nicht tiefsinnig waren, unterstellte ich noch, das sei nur so ein raffinierter Regie-Trick. Erinnert Ihr Euch noch an Dennis Hopper in "Blue Velvet"? Gefühlt jeder Halbsatz, den dessen Figur Frank da von sich gab, enthielt "Fuck" oder "fucking". Das verlieh der Figur eine bestimmte Art ordinärer Brutalität und Bedrohlichkeit - eben gerade eine nicht-diabolische Bedrohlichkeit: kein Abgrund, sondern oberflächliche Aggressivität. In gewisser Weise verstärkte dies noch die surreale Rätselhaftigkeit des Klassikers - und aufgrund dieser Erinnerung dachte ich nun, in "Taken:Requiem" könne es es ähnlich gelagert sein: die klassische Musik war doch ein Hinweis auf epische Tiefgründigkeit, oder etwa nicht?
Nö. Die war ein Trick, mehr nicht. So langsam, von Szene zu Szene, von Dialog zu Dialog, wuchs bei mir der Verdacht: Da kommt vielleicht doch nix mehr. Das ist vielleicht tatsächlich so frei von jeglichen interessanten Gedanken, wie ein McDoof-Burger frei von gesunden Inhaltsstoffen ist. Die Dialoge - und mangels echter Action gibt es hier kaum was anderes als Dialoge - sind so hahnebüchen in ihrer schwülstigen Aufgesetztheit, in ihrer prätentiösen Leere... Als hätte sie sich ein Zwölfjähriger ausgedacht. Oder nein, das wäre eine Beleidigung gegenüber allen Zwölfjährigen. Ich versuche gerade, mich an ein Beispiel für die Hirnlosigkeit dieser Dialoge zu erinnern, aber schon beginnt mein Gehirn gesunderweise, diesen Schrott zu vergessen.
Die Handlung des Films ist weniger komplex als die oben zitierte Zusammenfassung, und dass in jener Rechtschreibfehler enthalten sind, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass das Produktionsbudget, im kleinen fünfstelligen Bereich liegend, eine Korrekturlesung nicht mehr hergab. Womit ich nochmal auf den Punkt "Action" zurückkommen möchte. Wer im Titel ein "Taken" hat, der möchte beim Publikum vermutlich Assoziationen mit den Leam Neeson-Streifen wecken. Internationaler Kinderhändlerring, Mädchen das von alterndem Auftragskiller gerettet wird und so weiter.
Aber das ist halt Etikettenschwindel. Denn wiewohl die Taken-Serie mit L. Neeson sicherlich keine filmische Großtat ist, so kommt in ihr erstens immer durchaus Spannung auf, und zweiten ist die Action angenehm handfest und überzeugend.
Hier, in diesem Plagiat, ist das Gegenteil der Fall. Keine Spannung - dafür aber halt auch keine Action. In einer Szene schießen die Bösewichte nach einer "Verfolgungsszene" auf ein offenkundig längst leeres Auto und es ist irgendwie klar, dass dieses Auto dabei nicht wirklich kaputt gehen durfte. Es gibt zum dramatischen Höhepunkt eine (in Ziffern: 1) Explosion in dem Film. Allerdings offscreen. Also: man hört es knallen.
Noch Fragen?
Tut mir leid, denn bis morgen werden ich dieses Machwerk komplett aus meinen Gedanken gestrichen haben. Ich werde hier in den Thread hineinschauen und mich wundern, wer denn da unter meinem Usernamen diesen Beitrag geschrieben haben könnte. Meine Erinnerung an Requiem wird in Frieden ruhen... Ihr versteht? *zwinkerzwinker* Requiem? Ruhen...?! Voll tiefsinnig, gell?
Ich habe einen neuen youtube Kanal entdeckt der Filme aus dem MDR hochgeladen hat. Gesehen habe ich . "Über sieben Brücken must du gehn". Anscheinend gibt es einen Roman dazu. Thema ist eine kleine Stadt in der DDR, Gastarbeiter aus Polen, ein Lager mit Polen Ende des Krieges. EIn Mann der dort Wachmann war und in den Westen ging. Die Frau bleibt mit dem Kind da. Die inzwischen junge Frau hat viele Männerbekanntschaften. Im Lager ist ein Kind auf die Welt gekommen, der als Arbeiter jetzt in die Stadt kommt. DDR-typische Romanverfilmung abruptes Ende, die Geschichte könnte in unterschiedliche Richtungen weitergehen. Dazwischen immer wieder Liedfetzen des Liedes von Karat das auch von Peter Maffay gesungen wurde. Warum man die Hauptdarstellerin im Dämmerlicht ganz nackt und danach nackt vor dem Spiegel zeigt gehört wolhl zu den neuen Freiheiten der DDR in der FKK beliebt wurde. Zu sehen ist in den alten Filmen aber auch ein anderes Körperverständnis. Man muss nicht alles rasieren.
Zum Entspannen empfehle ich dann doch "die Seefee" aus den 70ern, längere Haare gab es da wohl auf beiden Seiten. Hauptperson 1 ist eine Frau in einer Kantine eines Betriebes Person 2 ist der neue Monteur. Es haben wohl schon viele versucht mit der Frau eine Beziehung anzufangen. Der Monteur versucht es. Die Frau segelt. Der Monteur wird Mitglied in der Segelgruppe des Betriebes. Schöne Komödie mit segelnden Menschen teils in Badebekleidung auf einem See oder Fluß in Ost-Berlin. Nebenbei bekommt man auch ein paar strukturelle Probleme der DDR mit. Planwirtschaft, betriebsfremde Ausgaben wie Zuschüsse für Betriebssport.
Ich schau in letzter Zeit gerne so was an die Filme in der DDR waren anders. Ein alter Polizeiruf ist nicht so brutal wie nach der Wende.
Verleugnung
Hier noch fünf Tage lang in der ARD-Mediathek (Sender: One) zu sehen.
Gerichts-"Thriller" nach realen Begebenheiten. Rachel Weisz spielt die Historikerin Lipstadt, welche von einem Holocaustleugner (D. Irving, gespielt von Timothy Spall) in Großbritannien vor Gericht gezerrt wird wegen berufsschädigender übler Nachrede: sie habe dadurch, dass sie ihn des Lügens bezichtige, seinen Ruf beschädigt, weswegen sich dann Verlage usw. von ihm distanzierten und so ihm allerhand Einnahmen verloren gingen. Die genauen Formulierungen der Anklagepunkte hab ich nicht mehr im Gedächtnis, aber Ihr versteht, worum es geht: Er lügt über Hitler, Auschwitz und den Holocaust und bringt dann jene, die diese Lügen beim Namen nennen, wegen Rufschädigung vor Gericht - und hängt sich dabei das Mäntelchen der Meinungsfreiheit und des Anti-Mainstream-Denkens um.
Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich den Film finden soll, vielleicht finde ich's im Rahmen des Schreibens hier heraus.
Er ist schon mal eins nicht: strukturell und/oder ästhetisch originell - also im filmkünstlerischen Sinne wertvoll. Wir haben hier die junge, idealistische (und verboten gut aussehende) Heldin, die von einem auch recht hübschen Anwalt (Andrew Scott) unterstützt wird - und dort den fiesen (ältlichen, unsympathsich aussehenden) Bösewicht, der versucht, das Rechtssystem für seine fiesen Pläne auszunutzen. Dieses Ausgangsszenario kennt man aus vielen strukturgleichen Filmen, am bekanntesten dürfte "Eine Frage der Ehre" mit Tom Cruise und Demi Moore als hübschem Helden-Team* und Jack Nicholson als dem Bösewicht bekannt sein.
Wie in allen US-Filmen, die diesem Muster folgen, wird auch hier suggestive Musik bis an den Rand (und manchmal darüber hinaus) der Penetranz eingesetzt. Wie stets scheint die "gerechte Sache" anfangs zur Empörung der Heldin und der idealen Zuschauer trotz aller Gerechtigkeit gegenüber dem gültigen Recht schlecht aufgestellt zu sein und also muss für diese gerechte Sache engagiert und trotz der Angst, besiegt zu werden, am Ende tapfer gefochten werden - eine "Moral der Geschicht", welche Rachel Weisz am Ende nochmal ihren SchülerInnen/StudentInnen mehr oder weniger wörtlich ans Herz legt und dabei suggeriert, ihr Kampf vor Gericht sei ähnlich Mut erfordernd gewesen wie der Widerstand einzelner Aufrechter während der Naziherrschaft.
Mein Problem mit dem Film ist Folgendes: Wozu soll er dienen? Wer soll ihn sich anschauen und mit welchem Resultat? Er wirkt für mich wie eine Art Lehr-Film, konzipiert für die Vorführung in Klassenzimmern, wenn gerade im Geschichtsunterricht der Holocaust behandelt wird und man dabei auf die seit Weltkriegsende grassierenden Tendenzen der Holocaust-Leugnung und der Neonazis zu sprechen kommt.
Ja, den hier gezeigten Prozess gab es im Jahr 2000 tatsächlich, ja, Holocaustleugner begnügen sich nicht nur damit, zu lügen, sondern versuchen mit Winkelzügen auf juristischem Wege, ihre Lügen einem noch größeren Publikum aufzutischen und sich den Anschein von Seriosität zu verschaffen. Das ist allerdings als Schema kein Alleinstellungsmerkmal von Holocaustleugnern und Nazis - das machen alle, die aus Eigeninteresse Lügen verbreiten, seien es die Vertreter der Tabak- oder Öl-Industrie, seien es Homöopathie-Lobbyisten, Polit-Aktivisten jeglicher Coloeur oder Promis, deren Lebensgrundlage damit steht oder fällt, ob sie's regelmäßig in die Schlagzeilen schaffen.
Der Gegenstand, um den hier also vor Gericht gestritten wird, der Holocaust, ist, rein von der Erzählstruktur her, völlig austauschbar. Irgendein Unrecht ist geschehen, die Sache geht vor Gericht, dort wird mit allen Tricks und Kniffen gearbeitet und am Ende siegt die Gerechtigkeit. Spannung gleich null (vor allem, da man als halbwegs informierter Zuschauer schon weiß, wie die real life-Version der gezeigten Ereignisse endete).
Wie also soll der Zuschauer vom Wegzappen abgehalten, bzw. zum Berappen der Kino-Eintrittskarte bewegt werden? Indem man aus einem trivialen Ereignis - dass jemand mit einem schlechten Fall vor Gericht unterliegt - einen Kampf zwischen der Schönen und dem Biest dengelt. Mit sämtlichen aus dem Genre des Gerichtsfilms bekannten Tropen**. Da gibt es das "Team" auf der guten Seite, in dem Meinungsverschiedenheiten über die richtige Taktik bestehen, die dann dramatisch ausgehandelt werden müssen, da gibt es den Moment, wo die Heldin einsieht, dass auch andere etwas von ihrem Handwerk verstehen und sie sich in einer Sache verschätzt hat, da gibt es Nebenfiguren, die mich zwei drei Kameraeinstellungen sowas wie ein Leben jenseits des Stichwortgebens spendiert bekommen. Da gibt es die üblichen Unterstützer-Parteien (hier Auschwitz-Überlebende auf der einen und Neonazi-Brüller auf der anderen Seite), da gibt es den gefühlten Verrat, wenn z.B. die jüdische Vor-Ort-Community nichts für die Prozess-Finanzierung in das Spendensäckel einzahlen mag... Und so weiter und so fort, jedes Detail der Erzählung könnte mit wenige Federstrichen in einen anderen Genrefilm tranplantiert werden.
Es mag keine Spannung aufkommen, ja es geht so weit, dass man der Erzähl-Konventionen z.B. an einer Stelle, wo nochmal eine Ausschwitz-Überlebende persönlich bei der jungen Historikerin vorstellig wird und sie beschwört, dass doch bitte ihresgleichen als Zeugen vor Gericht aussagen dürfen sollten, dann herzlich überdrüssig wird, wenn man bemerkt, dass sie da mit jiddelndem Akzent spricht, also eine Authentizität suggeriert werden soll, die erstmal durch die Synchronisationsmaschine gepresst werden musste.
Die einzig gute Idee des Films wird dann leider auch noch zu einer Art innerfilmischem Cliffhanger verwurstet, um die Spannung kurz vor dem absehbaren Finale nochmal etwas zu erhöhen für den Fall, dass die Zuschauer während der letzten 80 Minuten womöglich vergessen haben sollten, wie der Prozess ausging.
SPOILER:
Der Richter (es gibt hier keine Geschworenen-Jury, wir sind in GB und die feinen juristischen Unterschiede zum US-System werden dankenswerterweise ein bißchen dargestellt, was einen Tick Informationsgehalt in die Sache bringt, wenn auch nur in beinahe homöopathischer Dosis...) stellt gegen Ende des Prozesses die bedenkenswerte und epistemologisch eigentlich zwingende Frage, ob nicht ein Holocaustleugner und Rassist wie Irving so überzeugt von seiner Weltanschauung sei, dass sein Leugnen kein Lügen sein könne. Wenn man also so einem "Überzeugungstäter" vorwürfe, er würde lügen, würde man damit implizieren, dass er von dem, was er da verbreitet, selbst gar nicht überzeugt sei.
Entsetzte Gesichter auf der Bank der Lipstadt-Partei: könnte der Richter am Ende auf die Idee kommen, dass Irving zwar hinsichtlich des Holocausts und der Unschuld Hitlers falsch liege, aber aufgrund seines Überzeugtseins dennoch kein Lügner sei und daher also Lipstadt, die ihn des Lügens bezichtigte, damit falsch lag? Könnte "die gerechte Sache" da doch noch scheitern, weil die Uneinsichtigkeit des Klägers ausreicht, ihm nach geltendem Recht und üblichem Sprachverständnis den Sieg zu sichern?
Das wäre, wenn wir es hier mit einer fiktiven Geschichte zu tun hätten, tatsächlich ein spannender potentieller Plot-Twist gewesen. Nun ja - aber wir haben es hier ja nicht mit einer fiktiven Geschichte zu tun. Und deswegen siegt am Ende die gute Seite, weil die Frage des Richters offenbar irgendwie beantwortet wurde in der Richtung, dass jemand, egal wie überzeugt er auch von der Richtigkeit seiner Ansichten ist, gleichzeitig doch immer noch wissen können muss, dass er gerade lügt. Oder so. Eine so richtig befriedigende Antwort bekommen wir in dem kurzen Ausschnitt, der von der Begründung des Urteils vorgetragen wird, nämlich nicht präseniert. Und das hat mich dann so richtig geärgert. Denn falls diese Szene, in welcher der Richter die erwähnte Frage stellt, so auch den wahren Geschehnissen entsprechen sollte und nicht nur ein dramaturgischer Einfall der Drehbuchautoren war - dann hatte sie eine wirklich überzeugende Antwort verdient. Und diese Antwort wird im Film nicht gegeben. Irgendwie kommt der Richter bei seinem langen Überdenken seines Urteils auf die Antwort, bzw. zu dem Schluß, dass jemand, der von einer Sache überzeugt ist, dennoch wissen könne, dass seine Überzeugung falsch sei. Was erkenntnistheoretischer Unfug ist, soweit ich das zu beurteilen vermag. Aber womöglich gab es ja für diesen Schluß gute, mir noch unbekannte Argumente? Die würde ich gern erfahren, aber der Film enthält sie mir vor. Und so schleicht sich der Verdacht ein, dass es diese Argumente nicht gibt und dass also das weise und gerechte und vom Film und seiner Helding gefeierte Urteil auf Willkür basiert: Irving unterliegt deswegen, weil er nicht gewinnen darf, obwohl seine Klage eigentlich gerechtfertigt war: man bezichtigte ihn öffentlich des Lügens, wiewohl er nicht log sondern "nur" seine irrtümlichen Ansichten verbreitete.
Ich musste da an einen uralten Song von Mike Krüger denken, in dem die Zeilen vorkommen:
"Unwissenheit schützt vor Kenntnis nicht!"
grinst ihm der Grenzer ins begrenzte Gesicht.
Diese Zeilen sind lustig, weil die Willkür der blödsinnig-falschen Behauptung so offensichtlich ist. Man lacht bei dem Lied, obwohl gleich jemand für etwas bestraft wird, wofür er nix konnte. Schwarzer Blödel-Humor.
Aber "Verleugnung" ist ja nun alles andere als ein Blödel-Film. Er hat genau die gegenteilige Stoßrichtung, nämlich die ernst didaktische: Wir sollen nicht lachen, wir sollen betroffen sein und das Gefühl/die moralische Lehre davon tragen: Okay, hier ist es nochmal gut gegangen und die Wahrheit hat sich durchgesetzt, aber beim nächsten Mal könnte es anders ausgehen, wenn wir nicht auch so tapfer kämpfen wie die schöne Rachel oder die Widerstandskämpfer im dritten Reich.
Aber gleichzeitig sollen wir dann halt auch irgendwann die Sorgfalt in der Argumentation aufgeben und, um der guten, der gerechten Sache wegen akzeptieren, dass das geltende Recht nicht zum Zuge kommt, um nicht zu sagen: willkürlich (durch den allein entscheidenden Richter) gebeugt wird? Eben noch wird gezeigt, wie die Lipstadt-Partei vor Angst zittert, dass es eine falsche Entscheidung war, auf eine Geschworenen-Verhandlung zu verzichten und allein den Richter entscheiden zu lassen: nicht auszumalen die Katastrophe, wenn er die Sache anders betrachtet als sie!
Und dann, als sich herausstellt, dass er die Sache sieht wie sie, wird gejubelt und gefeiert und alles ist gut... Und als Zuschauer lerne ich: solange die Autorität auf Deiner Seite steht, ist es gut und gerecht, nur wenn sie auf Seiten der Gegenpartei steht, darf Willkür vermutet und letztlich die Verläßlichkeit des Systems infrage gestellt werden.
SPOILERENDE
So komme ich, wo ich am Anfang meiner Rezension noch unschlüssig war, wie ich den Film finden solle, nun zu meiner recht entschiedenen Meinung: Ich finde ihn schlecht. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Es handelt sich um einen belehrenden, auf die Betroffenheitsdrüsen drückenden Film, der sich seiner moralisch überlegenen Position in jeder Hinsicht zu sicher ist. Er predigt dem Chor. Er gefühlsduselt auch ästhetisch mit seiner Musik, mit plakativen Mood-Scenes (wie Wassertropfen am Stacheldraht um die KZ-Gedenkstätte rinnen usw.) und mit seiner letzten Kameraeinstellung, die bedeutungsschwanger bis zum Platzen in irgendein schwarzes Loch in Ausschwitz zoomt.
Ich bezweifle, dass ein einziger Holocaustleugner durch diesen Film zum Nachdenken über die Revisionsbedürftigkeit seiner Ansichten gekommen sein könnte. Ich bezweifle, dass der Film wirklich, in Klassenzimmern vorgeführt, einen nachhaltig wirkenden Impact auf Schüler oder Studenten haben kann. Ich bezweifle sogar, dass er - trotz der attraktiven Heldin und dem auch sonst sehr gut schauspielernden Cast - erfolgreich an den Kinokassen war.
Aber das ist meine Einschätzung. Vielleicht kommt Ihr zu einer gänzlich anderen! 🙂
*Dass hier ein Team zusammengearbeitet habe und so den Sieg errungen, muss am Ende nochmal von Weisz den Film-Reportern in die Mikrophone diktiert werden, damit auch diese Botschaft über das Großartige der Solidarität bei uns Zuschauern ankommt. Wie in "Eine Frage der Ehre" sind noch weitere Figuren im Team "Gut", man kann sogar die jeweiligen Entsprechungen zwischen den Figuren der beiden Filme recht leicht finden - es ist wirklich schon ärgerlich, wie da dramaturgisch nach Schema F verfahren wurde...
** allerdings mit dem Handicap, dass man dem Bösen hier nichts an Schandtaten anhängen darf, was der reale Irving nicht nachweislich so beging - denn dann... Also wird die juristische Abteilung der Produzenten ein Auge darauf gehabt haben, dass man immer schön bei den Tatsachen bleiben musste, was den Bösewicht anging - womit der Phantasie der Drehbuchschreiber freilich schwere Ketten angelegt wurden.