Kontaktabbruch
.... ich bin diesen Schritt (endlich) gegenüber meiner M. gegangen. Dieses Mal direkt, also in Worten ihr gegenüber. Es gab mal einen Versuch, eher hinten rum, ausgesprochen durch jemand anderen, aber in meinem Sinne. Aber dann schlich sie sich wieder in mein Leben. Als wäre nie etwas gewesen. Und ich ließ es zu. Irgendwie hilflos zu. Sie ist ja schließlich meine M.
So viele Dinge sind geschehen. Dann noch mehr und ich konnte nicht mehr. Nicht mehr zusehen. Nicht mehr schweigen. Nicht mehr aushalten. Ich muss(te) mich und meine Familie schützen.
Ich habe es ausgesprochen bzw. "ausgeschrieben". Nicht der rechte Weg, aber der für mich sichere. Resultat: Vorwürfe ihrerseits. So wie schon immer. Ich gebe meine Beweggründe preis, versuche zu vertrauen, aber das Ergebnis ist ihre Opfersicht (?). Ich teilte ihr mit, dass ich lieber sterben wollte, als das aushalten und laut schweigen zu müssen. Antwort: "War ich denn eine so schlechte M....?" Was soll man denn darauf antworten????
Wieder fühlt sich in mir alles so an: Ich werde nicht gesehen. Ich bin nicht. Nicht gut genug. Nicht dankbar genug. Ich bin falsch.
Alles in mir ist gerade so ambivalent. Ich sollte erleichtert sein und doch ist da viel Angst. Ich sollte durchatmen und doch fühle ich mich stündlich erschöpfter. Ich sollte mich frei(er) fühlen und doch sind da so viele Schuldgefühle.
Warum ich schreibe? Gedanken lesen hat mir schon immer geholfen. Meine Gedanken und die anderer. Gedanken sortieren. Last ablegen.
Veröffentlicht von: @queequegWeil das alles in einer vorsprachlichen Zeit stattgefunden hat, ist es auch so schwer, als Erwachsener dafür Wort finden zu können.
Ich habe dazu den Gedanken, ob in solcher Weise Betroffene vielleicht in ihrem späteren Leben bevorzugt nonverbale Ausdrucksformen (Musik, Bildende Kunst..) nutzen, um ihre Gefühle auszudrücken? Dazu sind allerdings Studien wahrscheinlich schwierig, weil man sich in vielen Fällen, nicht bewusst an die Ursachen erinnern kann... Oder findest du den Gedankengang schräg?
Nein, der Gedanke ist nicht schräg und wird auch in verschiedenen Therapien angewandt (Musiktherapie, Kunsttherapie). Gerade darin liegt ja deren Stärke, dass sie kein Sprache brauchen, um zu den grundlegenden Gefühlen zu kommen und sie empfinden zu können. Allerdings wird in der Regel danach dann doch versucht, das, was in den Therapie erlebt wurde, in Sprache zu formulieren.
Eine Variante ist das "Katathyme Bildereleben" oder die "Tagtraumtechnik", bei der der Klient aufgefordert wird, sich mit geschlossenen Augen z.B. eine Wiese oder ein Haus, oder ein Waldrand usw. vorzustellen. Er wird dann aufgefordert, eine Gang durch die Szenerie zu machen und möglichst simultan und so genau wir möglich zu rezählen, was er "sieht". Dabei kommen dann ungewöhnliche Erlebnisse und Erinnerungen zu Tage. Bei einer solchen Sitzung ist der PAtient in eine Bergkapelle gegangen und sah plötzlich neben ihm als "Sensemann" seinen toten Bruder sitzen. Solche Bilder können auftreten und man darf sich als Therapeut davor nicht ängstlich machen lassen, sondern weiterhin den Patienten auffordern, danach zu sehen, was er tun kann.
@queequeg - nur nebenbei ...
Veröffentlicht von: @queequegEine Variante ist das "Katathyme Bildereleben" oder die "Tagtraumtechnik", bei der der Klient aufgefordert wird, sich mit geschlossenen Augen z.B. eine Wiese oder ein Haus, oder ein Waldrand usw. vorzustellen. Er wird dann aufgefordert, eine Gang durch die Szenerie zu machen und möglichst simultan und so genau wir möglich zu rezählen, was er "sieht". Dabei kommen dann ungewöhnliche Erlebnisse und Erinnerungen zu Tage. Bei einer solchen Sitzung ist der PAtient in eine Bergkapelle gegangen und sah plötzlich neben ihm als "Sensemann" seinen toten Bruder sitzen. Solche Bilder können auftreten und man darf sich als Therapeut davor nicht ängstlich machen lassen, sondern weiterhin den Patienten auffordern, danach zu sehen, was er tun kann.
Ich hab mal ein Protokoll schreiben (transkribieren) dürfen von einer solchen Sitzung einer damaligen Freundin, die Musiktherapeutin war. Faszinierend. Ich hab nichts wirklich verstanden, aber ich fands faszinierend. 🙂
Faszinierend ist KB allerdings. So gut wie immer fangen die ersten Sitzungen mit schön anheimelnden Bilder von grünen Wiesen, brummenden Bienen, singenden Vögeln und einer freundlich scheinenden Sonne an. Je weiter man dabei kommt mit der Sitzungsfolge, desto häufiger brechen dann gefährliche oder beängstigende Bilder ein. Die werden ja dann nicht interpretiert, sindern der Patient aufgefordert, irgendwo eine Hilfe zu suchen - z.B. in einer Felswand, aus der man nicht mehr herauskommt, eine Spalt im Felsen, der einem Halt gibt. Das funktioniert auch.
Den Mann mit dem toten Bruder hatte ich aufgefordert, sich das Skelett neben sich genauer anzusehen und zu gucken, woran er erkennt, dass es wirklich der Bruder ist. Nach und nach, aber ziemlich schnell bekam dieses Skelett dann wortwörtlich Fleisch auf die Knochen und es war sein Bruder. Er konnte sich dann von ihm verabschieden, als ob es überhaupt nicht ungewöhnlich war.
Der Hintergrund war, wie dann außerhalb der Sitzung bearbeitet wurde, dass er sich dem Bruder gegenüber schuldig fühlte, obwohl es dafür keinerlei Anhalt gab. Aber das war der Hintergrund für seine depressive Symtomatik, die ihn im Studium auch ziemlich lernunfähig machte - nach dem Motto "ich habe den Erfolg nicht verdient, nachdem mein Bruder tot ist".
@queequeg Anders ausgedrückt - vielleicht etwas überspitzt formuliert: sind Künstler und Musiker Menschen, bei denen das frühkindliche Trauma in der nonverbalen Phase statistisch gesehen häufiger auftrat als beim nichtkünstlerischen Durchschnittsmenschen? Deine persönliche Meinung? 🤔
Ich kann mir auch vorstellen, daß das Katathyme Bildererleben bei manchen Menschen besser funktioniert, bei anderen schlechter - nicht jeder gleich dazu geeignet. Rein suggestiv, oder nimmt man da Medikamente? Drogen wie LSD sind sicher hilfreich. 😅 Da wurde sicher schon viel experimentiert, nehme ich an.
Bein Künstlern, vor allem Musikern, die ich kenne, wundere ich mich manchmal über deren dünne Empahie anderen Menschen gegenüber, die sie in Bezug auf ihre Musik durchaus sehr ausgeprägt haben. Eigentlich, denke ich müssten sie ein Ausgesprochenes Feeling für andere haben.
Aber es offenbar so, dass die Begabung, die man mitbringt, etwas anderes ist als das, was dann sich in einer Therapie z.B. entwickelt.
Es kann aber natürlich auch sein, dass das Musische, was sie dann in der Regel ja auch schon in der Kindheit zeigen, ihre Prblembewältigung darstellt. Dann packen sie eben all ihre Gefühle in dieses Musische und haben mit der Auseinandersetzung mit Menschen nichts mehr zu tun.
Bei Menschen, die als Erwachsene in einer Therapie damit konfrontiert werden, ist das dann anders. Sie hatten ja diese interne Hilfefunktion nicht, so dass ihnen mit Musik, Malerei KB und ähnlichen "Techniken" etwas angeboten wird, was sie bislang nicht hatten.
Kb funktioniert natürlich bei unterschiedlchen Menschen unterschiedlich. Um das zu prüfen, fordert man erstmal den Menschen auf, die Augen zu schließen und sich eine große, saftige Zitrone vorzustellen. Nach ein paar Sekunden soll er dann herzhaft da hinein beißen. Wenn er dabei ein ganz "säuerliches" Gesicvht zeigt und sich schüttelt, weiß man, dass er für KB geeignet ist.
Hi,
Ich habe hierzu auch einen Gedanken: kommt Realitätsflucht vielleicht daher, dass ein Kind keine andere Möglichkeit hat, übergriffige Eltern zu "überleben" und das eskapistische Verhalten im Erwachsenenalter nicht ablegen konnte?
Ja, sicher. Das Problem ist, dass verschiedenste Einstellungs- und Verhaltensweisen in der Kindheit richtig oder sogar überlebensnotwendig sind, die aber mit ins Erwachsenenleben mitgenommen werden und da dann völlig fehl am Platze sind.
Danke dir, jetzt wird mir einiges klar, was meine Vergangenheit betrifft.
Ich neige heute noch dazu, mir zu wünschen, ich würde einschlafen und nicht mehr aufwachen, wenn es schwierig wird. Das hat nichts mit Selbstmordabsichten zu tun.
Veröffentlicht von: @queequegwas sie dann in der Regel ja auch schon in der Kindheit zeigen, ihre Prblembewältigung darstellt. Dann packen sie eben all ihre Gefühle in dieses Musische und haben mit der Auseinandersetzung mit Menschen nichts mehr zu tun.
Ich könnte mir vorstellen, daß das dann für einen selbst schon so selbstverständlich ist, daß man sich in andere Menschen nicht reinversetzen kann, die ihre Probleme anders (z.B. über Gespräche mit anderen) bewältigen. (So heimliches denken nach dem Motto: soll sie/er doch musik machen, anstatt mich mit ihren Problemen vollzuquatschen.)
"Begabung" ist manchmal so ein bißchen überstrapaziert in der Bedeutung, letztendlich muß in der Musik (und auch in der Kunst) auch viel Handwerk erlernt werden und geübt werden, sonst nützt es auch nichts.. aber eine grundsätzliche Begabung als Vorraussetzung gibt es schon, finde ich. Und das ist eine interessante Sichtweise zur Entstehung.
Das mit der Zitrone finde ich zum Schießen.😅 Danke für den Input.
Veröffentlicht von: @queequeg"ich wollte, sie würde nicht mehr leben, dann wäre ich endlich frei".
Zwei Wochen später war sie tatsächlich tot. Aber statt, wie ich es sonst ofte erlebt habe,
Kommen derartige Wünsche eigentlich häufig vor? Ist ja ein ziemliches Tabuthema, nehme ich an.
@tatokala Doch, ja, das ist nicht selten. Vorzugsweise gegenüber Angehörigen - meist Müttern, selten Vätern -, die unangemessen in das Leben ihrer erwachsenen Kindern eingreifen.
Bei einer Frau (etwa 50 Jahre) war das wirklich kurios. Die Mutter hatte bis ins Detail ihr Leben bestimmt, sie konnte nichts alleine machen, nur mit der Mutter. Im Laufe der Therapie ist sie dann mutig geworden und hat für sich alleine einen Auslandsurlaub gebucht, hatte aber ziemlich Angst, ihr das beizubringen. Zur Verwunderung aller war die aber begeisert und sagte, wie schön, dass sie endlich mal etwas eigenes macht.
Schön, tolle Entwicklung der beiden. Nur - jedemal, wenn das in den nächsten Wochen zu Sprache kam, meinte die Mutter, "ich will nur hoffen, dass mir nichts passiert, wenn du weg bist".
Tja, das war eine Ankündigung! Als die gute Frau nach dem Urlaub am Flughafen ankam, wurde sie ausgerufen und ihr gesagt, dass ihre Mutter am selben Morgen ins Krankenhaus gekommen ist, weil sie schwer gestürzt war.
Aber auch hier hatte die Frau keinerlei Schuldgefühle, sondern schimpfte im Gegenteil, "diese alte Hexe hat das extra gemacht, um mir noch im Nachhinein eins auszuwischen".
Zwei Monate später ist sie dann aus dem Haus, das sie gemeinsam bewohnten, ausgezogen. Ein paar Monate später hat sie einen netten Mann kennengelernt und sich mit ihm zusammen getan.
@queequeg Ich kenne das auch. Ich komme mir immer wie ein komischer Exot vor und kann da mit niemandem drüber reden.
Problem ist, daß man sich Verständnis wünscht. Von Personen, die einem nahestehen. Das funktioniert natürlich nicht.
"Auslandsurlaub gebucht, hatte aber ziemlich Angst, ihr das beizubringen."
Oh, wie ich genau diese Angst kenne. Da habe ich auch Geschichten auf Lager. Mal ist es gut gegangen. Mal nicht.
Mir reichts trotzdem.
Aber ich muss noch aushalten.
Liebe Grüße, Tatokala
und dann steht die person vor der tür als wäre nichts gewesen und will was abgeben.
eine tageszeit, in der theoretisch niemand da ist. im ungünstigsten fall hätte etwas vor unser tür gelegen und mein sicheres zuhause würde dadurch unsicher werden.
meine erste reaktion: eine nachricht, dass die person sich aus unserem leben raushalten und uns nicht mehr aufsuchen möge. versehen mit dem wort "bitte". höflich bleiben kann ich, auch wenn innen alles tobt.
zweite reaktion: ich zittere, fühle mich schlecht und falsch.
Vielleicht solltest du mal das Höflich-Bleiben in diesem einen Fall sein lassen. Einfach damit die Sache ganz hundert Prozent klar wird dadurch, dass du dein Verhalten änderst.
Deine zweite Reaktion ist übrigens nachvollziehbar für mich. Verhaltensänderungen machen halt dann doch auch Angst und ein schlechtes Gewissen. Da steckt so viel dahinter und drin und kommt hoch.
Ich stell dir nen Tee, Kekse und ne Decke zum Einkuscheln hin. Du hast das gut gemacht!
Hi,
bei mir ist es auch so, dass ich immer mal wieder Abstand von meiner Mutter brauche.
Alles in mir ist gerade so ambivalent. Ich sollte erleichtert sein und doch ist da viel Angst. Ich sollte durchatmen und doch fühle ich mich stündlich erschöpfter. Ich sollte mich frei(er) fühlen und doch sind da so viele Schuldgefühle
Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, meine Eltern haben sich das Einimpfen von Schuldgefühlen zur Erziehungsaufgabe gemacht. Das ist auch der Hauptgrund für mein gespaltenes Verhältnis meiner Mutter gegenüber. Sie kommt regelmäßig mit Listen an (also wirkliche Listen auf Papier), auf denen steht, was sie für uns schon alles gemacht hat. Schon als Kinder hatten wir ständig das Gefühl vermittelt bekommen, eigentlich gar keine Daseinsberechtigung zu haben und nur lästig zu sein. Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, ihr das so direkt zu sagen. Sie würde es nicht verstehen. Ich versuche einfach nur, bei mir selbst zu bleiben, und mich ihren negativen Schwingungen nicht allzu häufig auszusetzen. Sie ist wie sie ist und ich werde das niemals ändern können.
Auch merke ich, dass sie sich extrem mit uns Töchtern vergleicht und versucht, uns klein zu machen, damit sie sich selbst besser fühlt. Sie behauptet immer wieder (und erzählt es in der Verwandtschaft), mein Mann und ich wären in finanziellen Schwierigkeiten. Mein Mann ist selbständig und kann davon gut leben. Aber sie behauptet überall, wir würden uns verschulden. Ich habe ihr sogar mal Kontoauszüge gezeigt, um zu zeigen, dass alles okay ist, aber sie hat sie sich nicht einmal richtig angeschaut.
Ich versuche, die Situation mit Humor zu nehmen. Es gelingt nicht immer, aber manchmal kann ich darüber lachen. Ich habe einige Kollegen in meinem Alter, denen es genauso so geht. Es hat meiner Meinung nach etwas mit der Zeit und dem "Wirtschaftswunder" nach dem zweiten Weltkrieg zu tun.
Meine Schwester und ich sind übrigens beide enterbt (bekommen also nur den Pflichtteil). Das Schmerzhafte daran ist für mich nicht der finanzielle Aspekt, sondern dass es meiner Mutter egal ist, wie es uns nach ihrem Tod geht. So war das schon immer. Ihre Welt kreist nur um sich selbst. Was sie denkt, ist das Maß aller Dinge. Wenn sie stirbt, dürfen wir dann ihren Konsumrausch aufräumen, aber erben nur den Pflichtteil.
Ich wünsche dir viel Kraft und dass du Gott als wahren Vater erkennen kannst. Deine Mutter ist nur ERsatz
Veröffentlicht von: @schmunzel-ichzweite reaktion: ich zittere, fühle mich schlecht und falsch
Nachvollziehbar nach so vielen Jahren in der Knechtschaft.
Auch das Volk Israel wollte in der Wüste wieder zurück nach Ägypten.
Ich freue mich für dich, dass du schon so viele mutige und gute Schritte in Richtung Freiheit geschafft hast.
Die Schulsgefühl bitte imMülleimer entsorgen.
Dir das Bild vor Augen halten, wie es Kindern ergeht, die das Laufen lernen:
Die fallen hin und stehen auf, sie fallen hin und stehen auf, sie fallen hin uns stehen auf...........
Sei behütet
Inge