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Belgien führt die 4 Tage Woche ein!

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ALF.MELMAC
Themenstarter
Beiträge : 2153

Die 4 Arbeitstage-Woche

Also 35 oder 36 Stunden verteilt auf 4 Tage

Island hat damit begonnen

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/weniger-tage-bei-gleicher-arbeitszeit-belgien-fuehrt-vier-tage-woche-ein/28073230.html

Ein Modell auch für uns?

Wie ist eure Meinung?

Antwort
45 Antworten
Tagesschimmer
Beiträge : 982

Ich glaube nicht, dass wir eine 4-Tage-Arbeitswoche brauchen, aber weniger Arbeitszeit bei gleichem Geld wäre schon schön.

Manche Gegebenheiten ändern sich nicht. Z.B. wäre es für Kinder und andere zu betreuende Personen nicht gut, wenn sie länger in den Einrichtungen wären und Familienleben an 4 Tagen nur noch aufs Abendbrot beschränkt wäre. Das holt auch ein zusätzlicher Tag zu Hause nicht raus.

Auch nicht ganz so fitte Leute und schwer körperlich arbeitende hätten wahrscheinlich ein Problem mit längeren Arbeitszeiten. Für diese Arbeitnehmer wäre es wichtig, wie die Sozialleistungen aussehen.

tagesschimmer antworten


Tatokala
Beiträge : 2523

Ich verstehe irgendwie nicht, daß die Diskussion immer auf so einer allegemeinen Basis geführt wird: ist das nun gut oder schlecht?
Ich sehe eher das Problem, daß es auf die Berufe ankommt. In manchen Branchen ist es kein Problem, die Arbeit umzuverteilen, so daß ein Tag nicht gearbeitet wird. Aber in anderen geht das nicht, z.B. in Pflegeberufen. Da müssen Dienstpläne dann entsprechend hingebastelt werden. Ob das so einfach ist? Aber ich bin da nicht zu Hause.

tatokala antworten
billy-shears
Beiträge : 1513

Konsequenz: 3 Tage doof schauen

Ein Modell auch für uns?

Meiner Erfahrung nach wissen die meisten Leute mit ihrer Freizeit nichts anzufangen.

billy-shears antworten
6 Antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 982

Wenn das in deiner Umgebung so ist, haben sie es tatsächlich nötig, eine Weile Langeweile auszuhalten. Ich habe beste Erfolge damit bei Kindern erziehlt, die ständig Bespaßung von Erwachsenen erwarten. Werden Menschen nicht eigenverantwortlich, landen wir irgendwann in der „schönen neuen Welt“.

tagesschimmer antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1513

Ich hab mal gelesen, dass es für eine Gesellschaft nichts schlimmeres gibt, als Männer die nicht wissen was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen.

billy-shears antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 982

Mag sein. Ich sehe sowas als Folge von ziemlich viel Mist, der verzapft wurde und der noch mehr Mist hervorbringen kann.

tagesschimmer antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Du musst nicht von dir auf andere schließen.

herbstrose antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1513

Mich betrifft das nicht. Ich bin selbstständig und arbeite wann und wie ich will, und insbesondere wann und wie ich nicht will.

billy-shears antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Ich meinte deine Anmerkung zu den drei freien Tagen.

herbstrose antworten


md08
 md08
Beiträge : 688

Finde ich für mich keine gute Idee.

Nach acht Stunden ist bei mir die Luft raus und dann noch länger arbeiten für einen freien Tag - nö.
Zumal manche Wochenenden auch nicht frei sind.

Wie soll das mit Produktions- und Versorgungsanlagen gehen? Übers verlängerte Wochenende abschalten?

md08 antworten
9 Antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 2240
Veröffentlicht von: @md08

Wie soll das mit Produktions- und Versorgungsanlagen gehen?

Genau so wie derzeit am Wochenende auch. Da wird auch entsprechend Personal eingeplant, deren Arbeitszeit wann anders ausgeglichen wird.

lhoovpee antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 2523

Die Frage wäre, ob das in manchen Branchen, in denen sowieso schon Personalmangel herrscht, eine einfach zu realisierende Lösung ist.

Ich würde mir außerdem darüber Sorgen machen, daß in gleiche Arbeitszeit mehr Arbeit hereingestopft wird. So ist das mit dem Mindestlohn in einigen Fällen auch gemacht worden (Z.B. in der Hotelbranche, soweit ich weiß).

tatokala antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 2240
Veröffentlicht von: @tatokala

Die Frage wäre, ob das in manchen Branchen, in denen sowieso schon Personalmangel herrscht, eine einfach zu realisierende Lösung ist.

Einfach zu realisieren sicherlich nicht. Aber es geht ja nicht darum, was einfach ist, sondern was für die Mitarbeiter Sinnvoll ist.

Veröffentlicht von: @tatokala

Ich würde mir außerdem darüber Sorgen machen, daß in gleiche Arbeitszeit mehr Arbeit hereingestopft wird.

Das ist natürlich eine Gefahr.
Bei einer 4 Tage Woche müssten für derzeit je 5 Arbeitskräfte eine neuer Mitarbeiter eingestellt werden. Dann hätte man auf dem Papier die gleiche Arbeitskapazität.
5 Mitarbeiter je 5 Tage = 24t
6 Mitarbeiter je 4 Tage = 24t

In der Realität sind natürlich weitere Faktoren wichtig und so eine Rechnung zu simpel.

Veröffentlicht von: @tatokala

So ist das mit dem Mindestlohn in einigen Fällen auch gemacht worden (Z.B. in der Hotelbranche, soweit ich weiß).

Hast du Quellen dazu? Würde mich interessieren.

lhoovpee antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 982
Veröffentlicht von: @tatokala

Ich würde mir außerdem darüber Sorgen machen, daß in gleiche Arbeitszeit mehr Arbeit hereingestopft wird. So ist das mit dem Mindestlohn in einigen Fällen auch gemacht worden (Z.B. in der Hotelbranche, soweit ich weiß).

Diese Gefahr sehe ich auch. Es gibt schon jetzt viele Möglichkeiten, wie eine Veränderung in den Arbeitsbedingungen zu einer Verschlechterung für die Arbeitnehmer führen kann.

Dass mehr Arbeit in gleicher Zeit geschafft werden kann, halte ich für schwierig, da ja jetzt schon fast jeder Arbeitnehmer überlastet ist. Mit längerer Arbeitszeit wird es noch schwieriger, überhaupt durchzuhalten.

Wenn man jetzt spekulieren will, könnte dieser erhöhte Druck zu einer noch größeren Auslese der Arbeitnehmer führen. Für alle anderen (die sich als alt, gescheitert, nicht leistungsfähig fühlen dürfen) gibt es Sonderregelungen, die deutlich schlechter sind, sodass Arbeitgeber insgesamt einen Gewinn machen.

tagesschimmer antworten
md08
 md08
(@md08)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 688

Der Arbeitgeber ist aber nicht bereit mehr Personal für Produktionsanlagen einzuplanen. Das bisherige arbeitet bereits am Wochenende, wenn erforderlich, fast komplett.
Sollte das so nicht funktionieren, wird einfach ins Ausland verlagert.

md08 antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 2240
Veröffentlicht von: @md08

Der Arbeitgeber ist aber nicht bereit mehr Personal für Produktionsanlagen einzuplanen.

Mir ist relativ egal, was der Arbeitgeber will.
Der Arbeitgeber wollte damals auch keine 40 Stunden-Wochen. Und heute wehren sich viele Arbeitgeber gegen die 35 Stunden-Woche. Ebenso wollen die kein Urlaubsgeld und kein Weihnachtsgeld zahlen.
Die wollen so vieles nicht, was wir aber glücklicherweise gesetzlich und/oder tariflich zugesichert bekommen.

Veröffentlicht von: @md08

Das bisherige arbeitet bereits am Wochenende, wenn erforderlich, fast komplett.

Das ist doch eine viel zu pauschale Aussage.

Veröffentlicht von: @md08

Sollte das so nicht funktionieren, wird einfach ins Ausland verlagert.

"einfach" wir sicherlich nichts ins Ausland verlagert. Outsourcing ist ein umfangreiches Projekt, dass schon bei einigen nach hinten los gegangen ist.

Natürlich ist es auch wichtig den Produktionsstandort Deutschland lukrativ zu machen. Das sollte man aber nicht auf Kosten schlechter Arbeitsbedingungen machen.

In der Produktion werden in Zukunft auch aufgrund der weitergehenden Automatisierung so einige Arbeitsplätze wegfallen. Ich denke eine 4-Tage-Woche ist da das kleinste Problem.

lhoovpee antworten
md08
 md08
(@md08)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 688
Veröffentlicht von: @lhoovpee

Mir ist relativ egal, was der Arbeitgeber will.

Schön.
In dem Fall steht es frei, zu gehen. Ohne Abfindung versteht sich.

Veröffentlicht von: @lhoovpee

Das ist doch eine viel zu pauschale Aussage.

Ich spreche da von meinem "Brötchengeber".

Veröffentlicht von: @lhoovpee

"einfach" wir sicherlich nichts ins Ausland verlagert.

Finde ich schon. Da wird "auf der grünen Wiese" ein Gebäude errichtet, Anlagen rein und los geht es. Und in Deutschland wurden Standorte geschlossen oder stark reduziert.

Veröffentlicht von: @lhoovpee

Natürlich ist es auch wichtig den Produktionsstandort Deutschland lukrativ zu machen. Das sollte man aber nicht auf Kosten schlechter Arbeitsbedingungen machen.

Der Arbeitgeber schaut auf seine Zahlen. Egal was "man sollte".

Veröffentlicht von: @lhoovpee

In der Produktion werden in Zukunft auch aufgrund der weitergehenden Automatisierung so einige Arbeitsplätze wegfallen. Ich denke eine 4-Tage-Woche ist da das kleinste Problem.

Teure Anlagen sollten möglichst die ganze Woche über voll ausgelastet werden. Leider ist die Technik auch komplizierter und es sind Wenige, die sich damit auskennen. Fachkräftemangel. Da rückt die 4-Tage-Woche in weite Ferne.
Je weniger Personal, um so weniger muss verwaltet werden.

md08 antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 2240
Veröffentlicht von: @md08

In dem Fall steht es frei, zu gehen. Ohne Abfindung versteht sich.

Wo soll ich hin gehen? Wovon redest du?

Veröffentlicht von: @md08

Ich spreche da von meinem "Brötchengeber".

Dann Formuliere es das nächste mal auch so.

Veröffentlicht von: @md08

Finde ich schon

Ist es aber nicht. Das sind Jahresprojekte, die für viele Unternehmen Existenzentscheidend sind. Das wird nicht mal ebenso umgezogen. So etwas können sie die extrem großen vielleicht Leisten, aber nicht die große Masse.

Derzeit sieht man aber auch, dass große Firmen sich wieder für Deutschland entscheiden (z.B. Tesla).

Der Arbeitgeber schaut auf seine Zahlen.

Wenn er etwas Verstand hat, schaut er auch darauf, wie diese Zahlen entstehen.

Veröffentlicht von: @md08

Egal was "man sollte".

Deshalb muss der Staat ja dieses Soll gewährleisten bzw. erfüllen.

lhoovpee antworten
dlorig
 dlorig
(@dlorig)
Beigetreten : Vor 19 Jahren

Beiträge : 7

Das wäre auf jedenfalls pendlerfreundlich und würde Energie sparen.

dlorig antworten
Blackhole
Beiträge : 951

....wäre schön, ich z.B. könnte meinen Aufgabenzettel fürs Wochenende endlich mal fertig bekommen, statt die Hälfte jeweils liegen zu lassen.

Wird sich aber praktisch nicht durchsetzen. In manchen Berufen fehlt eh schon vorne und hinten Personal.

blackhole antworten
1 Antwort
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 2859
Veröffentlicht von: @blackhole

....wäre schön, ich z.B. könnte meinen Aufgabenzettel fürs Wochenende endlich mal fertig bekommen, statt die Hälfte jeweils liegen zu lassen.

Nur wäre vermutlich, dei Zettel länger, weil du ja mehr Zeit hast um es zu erledigen 😛

channuschka antworten


Orangsaya
Beiträge : 2894

Eigentlich habe ich die belgischen Verhältnisse was Arbeit betrifft, als rückständig erlebt.
Ich hatte vor dreißig Jahren belgische Arbeitnehmer. Damals war es in Belgien so, dass der Ehemann das Arbeitsverhältnis einseitig kündigen konnte. Das wäre damals in Deutschland undenkbar gewesen. Auf der anderen Seite hatte der Mann für Fehlverhalten ihrer Frau, oder deren Kindern gehaftet. Das war zumindest bei der Armee so. Belgische Polizisten unterstanden nicht dem Innenministerium, sondern dem Kriegsministerium, dass damals tatsächlich so hieß. Nur mal kurz erwähnt, die ticken etwas anders als wir, was wohl auch an einer anderen Geschichte liegt. Die Widersprüchlichkeiten sind in dem Land halt anders als bei uns.

Ziel soll sein, dass durch eine gekürzte Wochenarbeitszeit die Folgen der von Corona kompensiert werden sollen. Ob das wirkt?

Es ist eine Vereinbarung die das Kabinett in Belgien und die Gewerkschaften getroffen haben. In Deutschland wäre das Kabinett die falsche Adresse. Es wäre ein Eingriff auf die Tarifautonomie und überhaupt, die sechs Tage Woche gibt es in Deutschland öfters als man denkt. Allein die Lehrer haben, vielleicht ist es von Bundesland zu Bundesland verschieden die sechs Tage Woche. Auch, wenn man nur fünf Tage die Woche arbeitet. Der Unterschied liegt darin, dass man bei der Umlegung der Wochenarbeitszeit auf fünf Tage besser dasteht, als auf sechs Tage umgelegt. Das macht sich auf Urlaubsanspruch usw. bemerkbar...

Was ich komisch an der Reglung finde ist, dass diese Reglung nur die Privatwirtschaft treffen soll. Na, da ist der Staat ja fein raus.

Veröffentlicht von: @alf-melmac

Wie ist eure Meinung?

Das hängt davon ab, was die Firma macht. Ist es eine Firma, in der es verschiedene Dienstschichten gibt und auch am Wochenende gearbeitet wird. Da kann leicht die Personaldecke dünn werden. Der Arbeitgeber wird wohl bemüht sein, dass mehr Menschen nur eine Teilarbeitszeit nachgehen. So bleibt die Firma flexibler. Auch Firmen, die Aufträge nach Termin ausführen, könnten Probleme haben.

Auf der anderen Seite denke ich mir, dass sich die Menschen auf eine kürzere Arbeitszeit am Tage eingerichtet haben. Wer kümmert sich um die Kinder, wenn Mama und Papa länger arbeiten müssen. Die Tagesstruktur der Familie muss neu organsiert werden. Die Arbeitsbedingungen erscheinen zumindest die erste Zeit härter. Aber was soll es, es gab ja Zeiten, da haben die Arbeitnehmer 48 Stunden als normal empfunden und davon ist Belgien wohl weit weg. Ich habe meine Zweifel, dass es einen positiven Effekt haben wird.

orangsaya antworten
8 Antworten
Herbstrose
(@herbstrose)
Beigetreten : Vor 7 Jahren

Beiträge : 14193

Ich finde es kontraproduktiv, auf die längst vergangenen Verhältnisse in anderen Ländern zu zeigen rein zum Zwecke der Denunziation.

Auch im Nachkriegsdeutschland durfte eine Frau nur mit Erlaubnis des Ehemannes arbeiten oder den Führerschein machen oder ein eigenes Konto eröffnen. Wusstest du beispielsweise, dass es ein Lehrerinnenzölibat gab?

herbstrose antworten
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2894
Veröffentlicht von: @herbstrose

Ich finde es kontraproduktiv, auf die längst vergangenen Verhältnisse in anderen Ländern zu zeigen rein zum Zwecke der Denunziation.

Was geht denn bei dir ab. Ich habe nur gesagt, dass die Belgier anders als wir ticken. Ich habe beschrieben, wie zum Thema Arbeit die Belgier ticken. Anders als wir. Auch wenn ich mich mit den meisten aus den Augen verloren habe, so hatte ich ausgesprochen viele Belgier als Freunde. Warum sollte ich meine Freunde denunzieren wollen. Ich sehe diese Sachverhalte nicht durch eine politisch, aktivistische Brille, deswegen denunziere ich nicht. Auch, wenn bei so manchen so ein Automatismus hochkommt. Teilweise sehe ich das dort positiv, weil die gemeinschaftliche Erwartungen verbindlicher sind. Das betrifft nicht nur die Frau, sondern auch den Mann. Stirbt der Ehemann, dann ist der Bruder, wenn er Junggeselle ist, verpflichtet die Schwägerin zu heiraten. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz, aber mindestens Regional sind da die Erwartungen hoch. Es ist einfach anders, als bei uns.

Veröffentlicht von: @herbstrose

Auch im Nachkriegsdeutschland durfte eine Frau nur mit Erlaubnis des Ehemannes arbeiten oder den Führerschein machen oder ein eigenes Konto eröffnen.

Das hört sich eher nach wilhelminischer Zeit an, als nach Nachkriegsdeutschland.
Das ist so nicht richtig. Schon in den Fünfzigern hieß es, die Frau ist verpflichtet in eigener Verantwortung den Haushalt zu führen. Meine Hinzufügung in ihrer Verantwortung und nicht in der Verantwortung des Mannes.
Danach wird betont, dass die Ehefrau berechtigt ist eine Arbeit nachzugehen. Diese Gesetznovelle war im BGB 1957 geregelt und nannte man Gleichberechtigungsgesetz. Natürlich lag damals eine andere Stimmung in der Luft.
Was den Führerschein betrifft, so habe ich meine Mutter gefragt. Sie sagte, sie hat sich einfach bei der Fahrstunde angemeldet. Das der Mann, mein Vater eine Unterschrift geben musste war ihr nicht bekannt. Dann kam der entscheidende Satz: "Wir haben sowieso alles einvernehmlich gemacht." Das war damals das Selbstverständnis und das finde ich besser, als so manche kuriose Reglung, die es gab. Ein Wert gemeinsam alles zu regeln ist ein Wert, denn ich heute teilweise vermisse.
Nun zum Konto. Die Wahrheit ist, damals gab es keine, oder kaum derartige Konten. Der Zahlungsverkehr für Privathaushalte war anders organisiert als heute. Es gab die Lohntüte und kein Girokonto. Die Mietzins wurde meisten bar bezahlt. Hierfür gab es ein eigenes Formularbuch. Die Gebühren wurden bei der Stadt bezahlt und nicht vom Konto abgebucht. Hierfür hatte die Stadt zum Nachweis eigene Marken, die nach der Bezahlung eingeklebt wurden. Die Barzahlung war die übliche Zahlungsweise. Der Rest wurde entweder per Nachnahme beglichen, oder eine Rechnung wurde bar bei der Post geschickt und der Briefträger brachte das Bargeld mit der sonstigen Post. Da war nichts da, was ein Girokonto nötig machte. Das kam erst später. Wer hat das Haushaltsgeld verwaltet? Im Regelfall die Frau, die ihre Hand darauf hatte, dass die Fixkosten verwaltet und bezahlt werden.

Veröffentlicht von: @herbstrose

Wusstest du beispielsweise, dass es ein Lehrerinnenzölibat gab?

Natürlich weiß ich das und dies nicht nur bei den Lehrerinnen. Es waren Frauen, die aus einer gebildeten Schicht kamen. Die "Frauenrechte" fingen ja in Bürgertum statt. Auch, wenn es heute so manch Progressiver nicht sehen will. Ich kenne noch die letzte Generation davon. Ihr Status war ein gehobener Status und es waren die letzten, die wider dem entwickelten Sprachgebrauch, die Fräulein genannt werden wollten. Alles andere wäre für sie sie ein Entwürdigung gewesen. Wo wir beim, wusstest du, sind. Wusstes Du das Lotte Ulbricht in den Zwanzigern zu einem "Frauenkreis" gehörte, die keine Kinder wollten, weil der Kampf wichtiger ist als Familie?
Ein Zölibat gibt es heute noch und zwar da, wo wir es am wenigsten vermuten. Trotz Gender"hype" und Unisexualität müssen heute noch Frauen ein Zölibat ablegen, wenn sie als Diakonissinnen wirken wollen.

orangsaya antworten
Channuschka
(@channuschka)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 2859

Also, meine Oma brauchte in den 60ern noch die Erlaubnis meines Großvaters um Arbeiten zu gehen - und der hat sie ihr nur gegeben, wenn sie den Haushalt trotzdem macht, ungeachtet der Tatsache, dass sie das Geld brauchten. Er wollte nicht, dass sie arbeitet. Und das war damals wohl genauso der Regelfall. Und auch ich hab im Kopf, dass das bis in die 70er so war. Die Zustimmung des Ehemannes war notwendig bei verheirateten Frauen.

Ein Diakonisse ist die evangelische Form der Nonne (kurz gesagt. Unterschiede gibt es durchaus.) Daher auch das Zölibat. Das gibt es durchaus auch in evangelischen Bruderschaften. Als Parallele zum Mönchtum oder eine Spielart des Mönchtums. Das ist nicht zu vergleichen mit dem Zölibat von Lehrerinnen oder Pfarrerinnen.

channuschka antworten
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2894

Meine Antwort war auf die Unterstellung, ich würde es

rein zum Zwecke der Denunziation

schreiben. Das stimmt ganz und gar nicht, auch wenn mir so manche Reglung in Belgien kurios erscheinen.
ES gibt auch ganz andere Reglungen, die ich komisch finde. Zum Beispiel das Kleinkinder mit gemischten Geschlecht nicht in einem Raum schlafen dürfen.

Veröffentlicht von: @channuschka

Also, meine Oma brauchte in den 60ern noch die Erlaubnis meines Großvaters um Arbeiten zu gehen - und der hat sie ihr nur gegeben, wenn sie den Haushalt trotzdem macht, ungeachtet der Tatsache, dass sie das Geld brauchten.

War es denn der Anspruch deiner Oma den Haushalt nicht mehr zu führen? Richtig ist, dass sie seit 1957 berechtigt war zu arbeiten. Das Bild, der klaren Rollenteilung war in dieser Zeit ein Konsens zwischen den Männern und Frauen. Ob das richtig war, ist eine andere Frage. Ich breche aber nicht den Stab über diese Zeit.

Veröffentlicht von: @channuschka

Er wollte nicht, dass sie arbeitet.

Ich kenne noch in der Zeit danach Männer, die sich erniedrigt fühlten, weil die Frau arbeiten muss. Man hat als Mann in seiner Rolle versagt ...

Veröffentlicht von: @channuschka

Und auch ich hab im Kopf, dass das bis in die 70er so war.

Ich habe im Kopf aus den Siebzigern, dass es nicht so war. Konkret habe ich zwei aus meinem Bekanntenkreis vor Augen, die machten für das Anerkennungsjahr für das Studium. Die haben sich selbständig beworben und auch den Vertrag, den sie allein unterschrieben haben, mit stolz gezeigt. Gut zu der Zeit war ja die pädagogische Richtung eine Arbeit die man für Frauen als normal empfand. Ingenieur zum Beispiel wollten die wenigsten werden. Geschweige von Autoschlosser.

Veröffentlicht von: @channuschka

Die Zustimmung des Ehemannes war notwendig bei verheirateten Frauen.

Sie war nach 1957 berechtigt zu arbeiten. Es ist wie mit einem Kranzgeld, dass Gesetz bestand zwar, aber fand kaum eine Anwendung.

Veröffentlicht von: @channuschka

Ein Diakonisse ist die evangelische Form der Nonne (kurz gesagt. Unterschiede gibt es durchaus.) Daher auch das Zölibat. Das gibt es durchaus auch in evangelischen Bruderschaften. Als Parallele zum Mönchtum oder eine Spielart des Mönchtums. Das ist nicht zu vergleichen mit dem Zölibat von Lehrerinnen oder Pfarrerinnen.

Ich selbst habe nichts gegen das Zölibat, wenn es die Entscheidung des einzelnen Menschen aus freien Stücken ist. Sei es beim Priester, oder in der evangelischen Kirche. Ich finde es in der evangelischen Kirche, wenn man andere moralische Vorstellungen denen gegenüberstellt etwas widersprüchlich. Aber das ist deren Sachen. Ich muss nicht was verlangen, wenn ich gar nichts mit der Sache zu tun habe. Ich sage nur wie es ist. Es gibt ein Zölibat auch in der Evangelischen Kirche. Falls das andere als Denunziation empfinden, dann liegt es an deren eingeschränkten Weltbild.

orangsaya antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036
Veröffentlicht von: @orangsaya

Ich habe im Kopf aus den Siebzigern, dass es nicht so war.

Da wurde das abgeschafft. 1976 um genau zu sein. Bis dahin durfte eine Frau nur berufstätig sein, wenn das mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war:

In der Bundesrepublik Deutschland lautete von 1958 bis 1977 der die Arbeitsteilung der Eheleute regelnde § 1356 BGB Absatz 1: „[1] Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. [2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“[5] Im Jahr 1970 legte eine Sachverständigenkommission Vorschläge zu einer umfassenden Reform des Ehe- und Familienrechts vor. Wegen der vorzeitigen Auflösung des Bundestages 1972 wurde ein erster Entwurf erst 1973 im Bundestag beraten. Die Beratungen zogen sich bis 1976 hin; am 14. Juni 1976 wurde das neue Gesetz verkündet. Am 1. Juli 1977 trat es in Kraft. Man spricht vom „paritätischen Ehemodell“. § 1356 BGB lautet: „Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung in gegenseitigem Einvernehmen. […] Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenarbeit

Inwieweit das Anwendung fand und wie viele Männer auf die Idee kamen, ihren Frauen die Berufstätigkeit zu verbieten lasse ich mal dahingestellt. Gegeben hat es das jedenfalls.

alescha antworten
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2894

Ja, ich kann dir das Jahr ganz genau sagen, weil ich damals nur am Wochenende bei meinen Eltern lebte. Das war das Jahr 1975/76. Das Gesetz, welches du meinst wurde meines Wissens 1977 in Kraft.

Aber, du liebe Zeit, glaubst du im Ernst, ich würde die damalige Regel noch für gut heißen. Nur weil ich der Geschichtsklitterung widerspreche.
Die Wahrheit ist, dass es damals in den Fünfzigern kein Girokonto für die Privathaushalte gab.
Ab dem Jahr 1957 stand im Gesetz ganz klar, dass sie berechtigt ist zu arbeiten. Das stand ganz klar im Gleichstellungsgesetz. Im Absatz darunter Steht auch: jeder Ehegatte ist verpflichtet im Beruf, oder Geschäft des anderen mitzuarbeiten. Da ist es sogar Geschlechtsunabhängig formuliert. Damals gehörte zum Familienbild eben die Aufteilung und das war ein Konsens in der Gesellschaft. Der Mann hatte auch seine Pflichten. Er konnte nicht willkürlich regeln, wie hoch das Haushaltsgeld ist. Es musste angemessen sein. Zog die Frau aus dem Haushalt aus, ohne Scheidung. Dann war in der Regel der Mann für die Bezahlung zuständig. Es war die damalige Zeit und eine Etappe die uns zum jetzigen Stand führten. Besser ist es nicht unbedingt. Denn die Frau, die berufstätig ist, hat obendrein nicht selten den Haushalt an der Backe. Das war mal auch hier Thema. Die Frau entscheidet sich nicht selten, für einen Teilzeitjob. Weil sie noch die Familie an der Backe hat. Die große Errungenschaft ist, dass der Gesetzgeber, der zu diesem Thema oft das Wort einvernehmlich benutzte, sich weniger in private Regeln einmischt.

orangsaya antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 6036
Veröffentlicht von: @orangsaya

Aber, du liebe Zeit, glaubst du im Ernst, ich würde die damalige Regel noch für gut heißen.

Nö. Wie kommst Du darauf?

Veröffentlicht von: @orangsaya

Ab dem Jahr 1957 stand im Gesetz ganz klar, dass sie berechtigt ist zu arbeiten.

.... "soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist."

Was, wenn der Mann nun fand, daß die Berufstätigkeit der Frau nicht mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist?

alescha antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 2523
Veröffentlicht von: @orangsaya

Schon in den Fünfzigern hieß es, die Frau ist verpflichtet in eigener Verantwortung den Haushalt zu führen.

Was mir so spontan zu diesem Satz auffällt: ich denke, daß es so gemeint ist, das "verpflichtet" zu fetten.😀

tatokala antworten
Seite 2 / 3
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